Kapitel 2 - Ein Zeichen des Himmels
Während im Haus wieder Ruhe einkehrte und auch Salomon Mutou den Weg in sein Bett fand, lag Yugi weinend auf seinem Bett.
Yugi: Sie verstehen es nicht. Keiner versteht mich! Warum nur? Vermissen sie Yami denn überhaupt nicht? Warum? Warum nur? ... Es ist alles meine Schuld! Komm zurück, Yami, bitte!
In diesem Augenblick zuckte ein roter Blitz, gefolgt von einem gewaltigen Donner, durch den schwarzen Himmel. Das Licht in Yugis Zimmer begann zu flackern, bis es schließlich ganz ausfiel. Erschrocken tastet Yugi sich zu seinem Fenster vor. Nur das Reine schwarz erwartete ihn dort, denn nicht nur im Hause Mutou war der Strom ausgefallen. Als Yugi den Blick vom Fenster abwandte, um sich in sein Bett zu legen, zuckte ein weiterer Blitz durch das schwarz und tauchte Yugis Zimmer in rotes Licht. Donner folgte, doch dieser hatte seinen Ursprung in Yugis Schrank. Die Erschütterung ließ einen Blumentopf zu Boden fallen und dort zerspringen. Die Schranktür war nun einen kleinen Spalt geöffnet und goldenes Licht flutete Yugis Zimmer.
Yugi: Was zur Hülle soll das? Was geht hier vor!?!
Vorsichtig näherte sich Yugi nun der Quelle des Lichts. Als er die Hand an den Griff der Schranktür legte, erleuchtete ein dritter Blitz sein Zimmer. Das Grollen war dieses Mal so heftig, dass Yugi vor Schreck die Tür losließ und zurückfiel. Das Kästchen mit den Teilen des Milleniumspuzzles fiel aus dem Schrank. Im Flug öffnete es sich und verteilte die Teile auf dem Boden. Die Box und jedes noch so kleine Teil des Milleniumspuzzles erstrahlten in goldenem Licht.
Yugi: Ist das ein Zeichen? Soll ich das Puzzle wieder zusammensetzen? Nein, ich werde es nicht noch einmal tun. Ich sammle die Teile einfach wieder auf und verschließe sie in ihrer Box.
Suchend schaute sich Yugi nach der Box um. Doch als er sie unter seinem Bett erspähte, erlischt wie zum Zeichen ihr Licht. Verwundert setzte er sich wieder auf und betrachtete die Bruchstücke des Puzzles. Alte Erinnerungen kamen wieder hoch. Erinnerungen an den Tag, als er das Puzzle von seinem Großvater geschenkt bekommen hat und wie er es das erste Mal zusammengesetzt hatte.
Yugi: An schön, wenn du es so willst, so soll es so sein.
Es war schwerer als Yugi sich entsinnen konnte. Da es keine Beleuchtung im Haus gab, half ihm nur das Licht der Puzzlestücke, die seine Finger jedoch nur spärlich erhellten. Immer wieder musste er herum probieren, weil er nicht sofort erkennen konnte, welches Teil, wie und wo hingehörte. Nach mehr als einer Stunde war es schließlich soweit.
Yugi: So, fast geschafft. Das letzte Teil...
Das fast vollständige Puzzle in der einen Hand und das Puzzlestück mit dem Horusauge in der anderen Hand, saß er gespannt auf dem Boden. Langsam setzte er beide zusammen und es geschah...
Yugi: Nichts! Dafür hab ich nun so lange gesessen? Ich glaub's nicht! Das kann doch nicht war sein... Ich hab die Nase voll, ich geh ins Bett.
Doch während Yugi endlich etwas Schlaf fand, zog ein starker Wind draußen auf. Hätte auch nur einer in dieser Stadt Strom gehabt, um Nachrichten durch das Fernsehen oder das Radio zu empfangen, wäre er gewiss auf Sturmwarnungen gestoßen. Doch es gab keinen Strom und so wütete der Wind durch die Straßen von Domino City, während die Einwohner der Stadt nichts ahnend in ihren Betten lagen. Bäume wurden ausgerissen und von jene, die es schafften, Stand zu halten, brachen große Äste ab, die Fenster einschlugen und Autos beschädigten. Auch Yugis Fenster ging zu Bruch. Doch er war zu müde, die Ereignisse der Nacht und der Mangel an Schlaf verhinderten, dass er aus seinen Träumen gerissen wurde.
Indessen verselbstständigte sich das Puzzle und schwebte nun knapp einen Meter über dem Fußende von Yugis Bett. Das Horusauge erleuchtete Rot und der Wind, der nun in Yugis Zimmer fegte, schien vom Puzzle verschluckt zu werden. Der Sturm wurde immer heftiger, Fensterscheiben zersprangen bei dem Druck und die Wolkendecke über dem Spielladen wurde immer dicker. Der Wind zog sie mit sich in das Milleniumspuzzle, welches die Macht der Naturgewalten unter Kontrolle zu kriegen schien...
Als Yugi den nächsten Tag erwachte, war keine einzige Wolke am strahlend blauen Himmel zu sehen. Die Sonne lachte in sein Zimmer, Vögel zwitscherten und es wurde warm. Doch die Zerstörung blieb. Auf den Straßen begann man bereits die Schäden zu beheben, komplett zerstörte Autos abzuschleppen und die umgekippten Bäume zu zersägen, um sie besser abtragen zu können. Yugi stand gebannt vor seinem Fenster. Im Rahmen war keine einzige Glasscherbe geblieben. Seltsamerweise fanden sich auch in seinem Zimmer keine. Neben dem heruntergefallenen Blumentopf, schien in seinem Zimmer alles normal. Dann erblickte er das Milleniumspuzzle, dass er beim Aufstehen unter seiner Decke begraben hatte. Er zog es hervor und betrachtete es in Gedanken versunken. Eigentlich hatte er sich geschworen, es nie wieder zu tragen, doch ebenso hatte er sich vorgenommen, es nie wieder zusammenzusetzen und er hatte es getan. So hängte er es sich nun stillschweigend um den Hals. Insgeheim hatte er gehofft, Yami nun wieder bei sich zu haben, doch da war nichts. Seine Kammer war nun zwar wieder da, doch sie war leer. Angst, sich im Labyrinth der Gänge des Puzzles zu verirren, widerstand Yugi der Versuchung, nach dem Pharao zu suchen.
