"Sie entgleitet uns! Sie entgleitet uns und du sitzt hier und dampfst deine Pfeife und liest deine blöde Zeitung und sagst nichts dazu."

Mrs. Evans knallte eine Schranktür zu und wandte sich an ihren Mann. Vorwurfsvoll streckte sie ihm den Zeigefinger entgegen. "Das ist doch nicht normal! Alle in unserer Familie haben einen ordentlichen Beruf. Alle haben sich angestrengt. Alle haben sich etwas erarbeitet. Von uns hat sie das nicht." Sie hob die nächste Schüssel mit dem guten Geschirr hoch und trug sie zum Tisch. Mit schwungvollen Bewegungen begann sie die Gläser zu polieren, um sie anschließend liebevoll in den Schrank zu stellen. "All das Talent, das sie hat, die vielen Bücher, die sie gelesen hat und nun war das alles nichts?"

Mr. Evans faltete die Zeitung sorgfältig zusammen und legte sie auf den Tisch. "Es ist doch noch gar nichts entschieden." sagte er vorsichtig. "Sie hat nur gemeint, dass sie erst einmal eine Pause einlegen will. Und da sie offenbar kein Geld braucht..."

Seine Frau drehte sich wütend zu ihm um. "Kein Geld braucht! Ja, das ist ja ein Teil des Problems. Sie macht sich von diesem *Pause* Jungen da abhängig. Von ihm und seinen Eltern! Ich will das nicht. Und überhaupt. Wir haben jahrelang dieses horrende Schulgeld aufgebracht, dass sie jetzt was wird? Hausfrau? Bruthenne?". Ihre Stimme war sehr, sehr schrill geworden.

Petunia, die am kleinen Tisch saß und das Besteck polierte, bemühte sich unsichtbar zu bleiben. Natürlich hörte sie mit wachsendem Interesse, was ihre Mutter so aufregte. Es ging um ihre Schwester und um ihre Zukunftspläne. Vielleicht hätte sie am Wochenende doch zu Hause bleiben sollen, offenbar hatte sie etwas verpasst.

Inzwischen schritt die Tirade ihrer Mutter weiter voran. "Und diese Art, diese Arroganz." hier verstellte sie ihre Stimme in eine Art knödelnden Tenor mit blasierter Aussprache. "Meine Familie ist wohlhabend, wissen Sie, es wird ihr niemals an etwas fehlen." Petunia biss sich auf die Lippen, um nicht laut zu lachen. "Und was ist mit Selbstverwirklichung oder gar Emanzipation?" fragte ihre Mutter in den Raum.

"Sie liebt ihn nun mal." sagte Mr. Evans. "Da kann man nicht viel machen, schätze ich."

Mrs. Evans polierte empört weiter und schrie wütend auf, als mit einem hässlichen Krack! das Glas in ihren Händen zersplitterte. "Da hast du's!" schimpfte sie. "Ich hoffe nur, sie kommt zur Besinnung irgendwann, bevor sie es bereut, nichts aus sich gemacht zu haben." fügte sie fast flüsternd hinzu.

Petunia hielt nun die Zeit für gekommen, um ihrerseits ein bisschen in der Wunde herumzustochern. "Ich fange am Montag eine Ferienarbeit an." verkündete sie. "Bei MacPhersons, sie suchen jemand der tippen kann, für Stücklisten. Thessa hat mir die Stelle versorgt, wird ganz gut bezahlt. Und wenn ich die Lehre fertig hab', kann ich eventuell dort anfangen."

Ihre Mutter fuhr wieder aus dem Sessel hoch, in den sie sich hatte fallen lassen. "Siehst du!" sagte sie anklagend zu ihrem Mann. "Das meinte ich."

"Sie hat doch noch ein Schuljahr Zeit." sagte dieser immer noch auf Beruhigung bedacht. Petunia ließ es aber gar nicht erst dazu kommen. "Severus Snape hat schon eine Lehrstelle." tat sie ihr neuestes Wissen kund. "Bei einem ganz berühmten Meister in Florenz. Er macht die ersten Kurse schon in diesen Ferien." Sie lächelte zuckersüß. "Nun, meine Tochter zieht es eben vor, mit wohlhabenden Nichtsnutzen umher zu ziehen." antwortete ihre Mutter spitz. "Entschuldigt mich, ich gehe jetzt zum Handarbeitszirkel. Hatte ich ganz vergessen. Räumst du das Geschirr noch weg, Petunia?" Sie verließ das Wohnzimmer und knallte die Tür zu.

"Sicher." sagte ihre ältere Tochter und war zum ersten Mal seit Monaten so richtig mit sich zufrieden.