Zuvor bei „Mein fester Freund":

Potter öffnete den Mund, als wolle er etwas sagen. Oh, nein. Potter würde die Wahrheit sagen. Er würde Petunia sagen, dass ich gelogen hatte. Er würde sagen, dass er nicht mein fester Freund war. Das konnte ich nicht zulassen. Also tat ich das einzig denkbare um ihn davon abzuhalten. Ich küsste ihn.

Kapitel 2

Die Nötigen Voraussetzungen

Es ist meine Lebensaufgabe zu versuchen mich nicht zweimal auf dieselbe Art vollkommen zum Idioten zu machen. Immerhin gibt es immer wieder genug neue Wege mich vollkommen zum Idioten zu machen. Warum sollte ich die Alten wiederholen?"

Auf die Wange. Merlin, Ich hatte gerade die vielleicht idiotischsten Worte meines Lebens von mir gegeben, aber die Hölle war nicht zugefroren. Die Erde drehte sich immer noch im ihre Achse und soweit ich wusste konnten Schweine immer noch nicht fliegen, jedenfalls nicht ohne die Hilfe eines Schwebezaubers.

Ich lehnte mich nach vorne, legte meine Finger auf seinen Mund um ihn zum Schweigen zu bringen und berührte mit meinen Lippen flüchtig seine Wange. Bevor ich mich wieder entfernte zischte ich ihm unauffällig ins Ohr: „Spiel einfach mit."

Dann wippte ich auf meinen Fersen zurück und wandte mich selbstzufrieden zu Petunia um. Sie starrte mich an als hätte ich sechs Köpfe. Ich grinste sie frech an. „Gibt es ein Problem Tuney?", fragte ich sie und musste noch breiter grinsen, weil ich ihren gehassten Spitznamen verwendete, den sie mir verboten hatte zu benutzen seit sie die Grundschule beendet hatte.

Sie glotzte mich weiterhin an. Merlin, war das ein Spaß.

„Du bist mit meiner Schwester zusammen?", brachte Petunia dann endlich krächzend heraus. Sie sah aus, als wartete sie darauf, dass irgendjemand rief „Reingelegt!" und damit diesen Streich beendete. Als nichts passierte, starrte sie ihn wachsam an.

Meine Augen suchten die von James und ich sandte ihm einen warnenden Blick. Er schluckte schwer und verlagerte unsicher sein Gewicht. Merlin, Potter. Wie oft hast du mich gefragt ob ich mit dir nach Hogsmeade gehe? Jetzt antworte, verdammt noch mal!

„Ähhm, jaaahh.", antworte Potter zögernd und sah mich mit seinen verwirrten haselnussbraunen Augen an.

„Siehst du, Petunia.", griff ich schnell in das Geschehen ein, bevor dieser Idiot seine Zunge verschluckte oder sich in die Hosen machte. „Wir sind zusammen. Das heißt du doch bestimmt gut. Wenn ich mich recht erinnere warst du es, die sagte er sei, ach wie war das doch gleich?", Ich tat so als müsse ich überlegen und unterdrückte mein Lachen, als ihre Augen sich vor Schreck weiteten. „Oh, ja, süß."

„Tja, nun.", murrte sie leise.

„Mmm, das dachte ich auch. Petunia, darf ich dir meinen festen Freund vorstellen, James Potter."

Sie sah aus, als hätte sie ihre Zunge verschluckt. James verlagerte sein Gewicht und streckte ihr seine Hand entgegen.

„Ähm, nett dich kennenzulernen.", begrüßte er sie unbeholfen.

Sie nahm seine Hand wie in Trance.

„Oh, ja, Tuney. Das hab ich ja ganz vergessen zu erwähnen, er ist auch ein Zauberer."

Sie ließ seine Hand sofort fallen. Ihr Gesicht wurde grün und sie sah aus als würde ihr Gehirn gleich explodieren. Wenn ich nicht gerade total panisch gewesen wäre, hätte ich hysterisch losgelacht. Ich meine, also wirklich! Ich stand in meinem Haus an der Tür neben meiner Schwester, die gerade ein Aneurysma bekam, weil ich ihr mitgeteilt hatte, dass Potter mein fester Freund war. Potter! Mein Erzfeind! Vielleicht war hier wirklich irgendwo eine versteckte Kamera.

„Wir gehen jetzt in mein Zimmer, Petunia. Klopf bitte an bevor du reinkommst, wenn du wieder irgendwas von meinem Fenster aus beobachten musst. Wir haben uns schon etwas länger nicht gesehen."

Ich packte Potter am Ellbogen und rauschte an Petunia vorbei. Ich zerrte ihn die Treppe rauf und in mein Zimmer. Dann schloss ich schnell die Tür und drehte mich um, um ihn anzusehen.

„Was zur Hölle tust du hier?", wollte ich von ihm wissen.

Er öffnete den Mund, um zu einer Antwort anzusetzen, aber ich unterbrach ihn. Ich hatte gerade eine wundervolle Eingebung gehabt.

„Warte.", sagte ich. Dann gab ich meine beste und widerlichste Imitation dieser dämlichen Mädchen von der Schule, zum Besten. Das Kichern, das aus mir herausbrach war so schrill, dass ich mir selbst die Ohren zuhalten wollte. „James.", quietschte ich laut mit atemloser Stimme, die mit Sicherheit auch noch unten zu hören sein würde. Ich lächelte. Perfekt.

„Lily?", brachte James nur ungläubig heraus.

Ich widmete ihm wieder meine Aufmerksamkeit. „Würde es dir etwas ausmachen meinen Namen zu stöhnen?", hörte ich mich selbst fragen. Die Worte waren schon raus bevor ich sie stoppen konnte. Ich begann rot zu werden, aber ich war zu entschlossen um mich von meiner Verlegenheit davon abbringen zu lassen. Wenn ich mir schon mein eigenes Grab geschaufelt hatte, konnte ich mich auch hineinlegen.

„Ich soll was stöhnen?", fragte, nein, eher hustete, er.

Fast hatte ich Mitleid mit ihm. Er sah aus als würde sein Kopf gleich explodieren. Aber immerhin hatte er noch eine Chance. Ich glaube mein Gehirn war schon auf der Wand verteilt.

„Meinen Namen.", wiederholte ich angespannt. „Ich will, dass meine Schwester denkt, dass wir knutschen.", fügte ich nonchalant hinzu.

James, der ein wenig grün im Gesicht war, aber rote Wangen hatte und somit aussah wie eine Wassermelone, schluckte schwer und nickte schließlich. Als mein Name in einem tiefen erotischen Knurren von seinen Lippen fiel, fühlte ich ein starkes Ziehen in meinen Bauch, das ich so vorher noch nie gefühlt hatte. Allerdings hatte auch noch niemand zuvor meinen Namen so leidenschaftlich ausgesprochen. Ich wunderte mich ein wenig darüber welche Erfahrung er für diese schauspielerische Vorstellung als Inspiration benutzt hatte. Nun, er war ja dafür bekannt eine Menge Zeit in Abstellkammern zu verbringen.

Das laute „Hmph.", das ich von unten hörte riss mich aus meinen Gedanken. Petunia hatte uns also gehört. Exzellent.

„Danke.", sagte ich und drehte mich wieder zu Potter um. Er sah so unbeholfen aus, wie er da neben meiner Einhornfiguren-Sammlung stand. „Jetzt noch mal, was zur Hölle tust du hier?"

James wurde blass. „Du hast mich doch hier rein gezerrt!", protestierte er.

„Nicht hier.", verdeutlichte ich, indem ich auf mein Zimmer zeigte. „Was hast du vor meinem Haus gemacht?"

„Oh.", machte Potter schüchtern. „Na ja, Ich hab dich den ganzen Sommer über nicht gesehen. Und ich hatte heute noch nichts vor.", war seine lahme Antwort.

„Hättest du mir nicht einfach einen Brief schreiben können? Warum musstest du denn gleich zu mir nach Hause kommen?", fragte ich erzürnt.

„Aber du hättest den Brief einfach weggeworfen, sobald du gesehen hättest von wem er ist.", erklärte er.

Verdammt, er hatte Recht. „Das ist nicht wahr.", log ich unverschämt. „Wenn du jetzt gehst, kannst du es ja ausprobieren.", sagte ich und scheuchte ihn zu meiner Zimmertür. Als ich die Tür öffnete um ihn rauszuwerfen, stoppte er mich.

„Wusstest du, dass du eine kleine Falte zwischen den Augenbrauen bekommst, wenn du lügst?", fragte mich Potter.

Ich wollte gerade etwas erwidern, als ich ein Quietschen hörte, das von der dritten Stufe der Treppe kam, die immer dann quietsche wenn jemand hochging. „Schnell!", zischte ich. „Zerwuschel deine Haare!" Dann warf ich ihm kurz einen Blick zu und fügte hinzu „-ähhm-".

Potter bedachte mich mit einem sarkastischen Blick, aber dafür hatte ich jetzt keine Zeit. „Tu es einfach.", befahl ich ihm. „Ich erklär's dir später."

„Das solltest du auch.", erwiderte er.

Glücklicherweise und zu meiner großen Erleichterung begann er an seinen Haaren herumzuzupfen. Rasch tat ich dasselbe mit meinen. Dann, gerade als ich hörte wie Petunia die letzte Stufe betrat, zog ich den rechten Träger meines Tops runter und warf meinen Körper gegen den von Potter. Meine Arme schlangen sich um seinen Hals und wir stolperten rückwärts gegen eine Wand. Ironischerweise traf sein Rücken ein Bild von Petunia.

Sein Atem kam stoßweise. Seine Hände legten sich auf meine Hüften und er zog mich in eine enge Umarmung. Normalerweise wäre ich davon angeekelt, aber im Moment war ich dankbar für Potters Hormone.

„Meine Güte, macht das doch in deinem Zimmer.", sagte Petunia eingeschnappt als sie an uns vorbei lief.

Ich wollte sicherstellen, dass Petunia einen guten Blick auf unser zerrupftes Aussehen werfen konnte, weshalb ich mich von Potter löste und sagte „Gute Idee. Danke, Tuney."

Sie rümpfte die Nase und stapfte davon. „Vernon ist da. Ich gehe jetzt.", teilte sie mir mit, ohne sich dabei umzudrehen.

„Viel Spaß! Wir bleiben hier.", sagte ich mit gespielter Begeisterung. Dann packte ich Potter am Arm und schubste ihn zurück in mein Zimmer, bevor ich die Zimmertür mit einem lauten Rumms schloss.

„Lily, so sehr ich es auch genieße von dir durch die Gegend gezerrt zu werden, könntest du mir bitte erklären, was hier los ist?"

„Oh, Merlin.", ich seufzte und ließ mich auf mein Bett fallen. Was war los? Was verdammt noch mal hatte ich gerade getan? Was bei Merlin sollte ich denn jetzt machen? Ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen und schloss die Augen. „Oh, Merlin.", wiederholte ich immer und immer wieder.

Vielleicht war das Ganze ja ein Traum. Nein, Träume sollten ja fröhlich sein. Das hier war ein Alptraum. Das war es! Es war alles ein Ergebnis davon, dass ich gestern Nacht um zwei Uhr Eiscreme gegessen hatte. Ich vertrug keine Milchprodukte nach dreiundzwanzig Uhr. Wenn ich jetzt meine Augen öffnete, wäre das alles hier vorbei. Ich läge warm und geborgen in meinem Bett und ich wäre allein in meinem Zimmer. Ich wagte einen Blick. James Potters Gesicht war nur einige Zentimeter von meinem entfernt. Er starrte mich an als hätte ich gerade einen Nervenzusammenbruch. Verdammt, den hatte ich wohl auch.

Ich stöhnte. „Du bist ja immer noch hier.", grummelte ich verdrossen.

Ein strahlendes Lächeln breitete sich auf seinem ganzen Gesicht aus, als er mich sprechen hörte. Merlin, dieser Junge sollte sich wirklich mal ein neues Hobby zulegen.

„Lily.", rügte er mich scherzhaft. „Begrüßt man so etwa seinen festen Freund?"

Ich stöhnte noch einmal und vergrub mein Gesicht in einem Kissen. „Du bist nicht mein fester Freund.", sagte ich.

„Ja, das weiß ich wohl.", verkündete Potter. „Ich glaube das Letzte was du zu mir vor Schuljahresschluss sagtest war, und ich zitiere ‚Du hofftest ich würde einen Quidditchunfall erleiden, der mein Gehirn genug schädigen würde, um die Motorik meiner Hände so zu beeinträchtigen, dass ich endlich damit aufhören würde meine Haare zu zerwuscheln'. Du warst so wütend auf mich an diesem Tag. Es war wirklich süß.", erinnerte er sich mit Wohlwollen.

Ich würde mich nicht als grausam bezeichnen, aber einige Menschen gingen mir einfach auf die Nerven. So wie Petunia und dieser Idiot, der mit großen Augen neben meinem Bett stand. Ich wandte den Blick von ihm ab. Oh, Merlin! Einer meiner BHs lag noch herum und Potter hatte ihn gesehen! Potter hatte meinen BH gesehen! Ich schnappte mir schnell den BH und versteckte ihn unter meinen Kissen.

Mit tomatenrotem Gesicht antwortete ich. „Ja, ich erinnere mich daran."

Potter sah mich mit einem etwas verlegenen Grinsen an, das klar ausdrückte ‚Ja, ich wurde gerade erwischt wie ich deinen BH angestarrt habe und ich habe mir vorgestellt wie du darin aussiehst.'

„Also, wie auch immer.", begann er um von der sehr unangenehmen Situation abzulenken. „Hab ich irgendwas verpasst? Ich nehme an, dass kann nur mir passieren. Da hab ich versucht ein Mädchen sechs Jahre lang davon zu überzeugen mit mir auszugehen, und dann entgeht mir doch glatt, dass sie meine feste Freundin ist."

Meine Augen weiteten sich vor Schreck. „Ich bin nicht deine feste Freundin!", schrie ich entsetzt. „Ich kann dich ja noch nicht mal ausstehen!"

Er grinste auf diese nervig attraktive Art, die sein Markenzeichen war. „Das war mir irgendwie klar.", antwortete er und setzte sich neben mich auf das Bett.

Ich verkrampfte mich augenblicklich und presste meine Fingernägel in meine Hände. Ein Junge saß auf meinem Bett. Und nicht nur irgendein Junge, sondern James Potter, den ich gerade meiner Schwester als meinen festen Freund vorgestellt hatte. Oh Merlin, lass mich bitte sterben.

„Trotzdem.", machte er weiter, immer noch mit dieser irritierend gelassenen Stimme. „Das erklärt noch nicht was hier los ist."

Wie konnte er nur so ruhig bleiben? Warum wurde er nicht panisch, so wie ich? Verdammt er war der irritierendste Junge auf diesem Planeten. Er hatte sogar den Nerv mich anzulächeln, als wäre das hier etwas das wir jeden Dienstag machten!

Ich seufzte. „Ehrlich gesagt.", sagte ich und blickte in seine haselnussbraunen Augen, die mir näher waren als je zuvor „Ich habe keine Ahnung was ich tue."

Das was Potter dann machte war nicht zu fassen. Er fing an zu lachen. Kein höfliches leises Lachen. Er krümmte sich so sehr vor Lachen, dass die Federn in meiner Matratze aus Protest quietschten.

„Das ist nicht lustig!", widersprach ich ihm frustriert.

Letztendlich schaffte er es dann doch sich einigermaßen zusammenzureißen und er brachte eine Entschuldigung heraus. „Tschuldige, Lily, aber das ist es."

„Hör auf zu lachen oder ich hex dich in die nächste Woche!", warnte ich ihn verärgert. Ich fand, dass ich ziemlich bedrohlich klang, aber sobald ich die Worte ausgesprochen hatte, fing der Idiot schon wieder an wie verrückt zu lachen. „Wundervoll.", brummte ich. „Mal sehen ob du es immer noch für so lustig hältst, nachdem ich dich in einen Teewärmer verwandelt habe.", sagte ich und nahm meinen Zauberstab aus meiner Tasche um ihm damit zu drohen.

„Mach ihn rot.", brachte er unter Lachen heraus.

„Du bist unmöglich!"

„Das sagt man mir oft.", gab er frech zurück.

„Na warte du kleiner-", ich hätte gerne noch weiter gemacht und ihn mit ausführlicheren Adjektiven bedacht, aber da rief jemand von unten meinen Namen.

„Lily, Schatz! Bist du schon auf? Es ist fast eins!"

Ich erstarrte. Meine Mum war zu Hause.

„Lily?", rief sie noch einmal.

„Ja, Mum, ich bin wach!" rief ich.

„Kannst du bitte runterkommen? Ich brauche Hilfe bei den Einkäufen!"

„Klar, Mum, Ich komm gleich runter!"

„Okay!", antwortete sie.

Ich wandte meine Aufmerksamkeit wieder dem Elefanten in meinem Zimmer zu. Scheinbar hatten Elefanten sehr unordentliche Haare und fanden Gefallen daran mein Leben zur Hölle zu machen. Verfluchte Elefanten.

„Ich muss runtergehen und mit meiner Mum sprechen.", sagte ich kurz angebunden zu Potter.

„Okay.", lautete Potters Antwort und er sah viel zu entspannt aus angesichts der derzeitigen Situation. „Möchtest du, dass ich mitkomme?"

„Nein!", antwortete ich eiligst. „Nein, du solltest hier bleiben. Ich lass mir etwas einfallen, damit wir ungesehen aus dem Haus verschwinden können. Es dauert nicht lange. Bleib einfach hier.", ich machte eine kleine Pause und beäugte seinen Gesichtsausdruck, der nichts Gutes verhieß. „Fass nichts an.", sagte ich ihm. „Und schau dir auch nichts an. Am besten, " fügte ich hinzu und zog meinen Schreibtischstuhl heran „setzt du dich hier hin und wartest bis ich wiederkomme."

Ohne Widerrede setzte er sich auf den Stuhl, aber ich glaube das lag nur daran, dass er Angst hatte ich würde ihn verhexen wenn er es nicht tat. Ich hielt meinen Zauberstab nämlich immer noch in der Hand.

„Sag deiner Mum ‚hi' von mir", bat er mich gutgelaunt.

„Sei einfach leise und tu so als wärst du gar nicht hier, Potter.", befahl ich ihm bevor ich aus dem Zimmer ging. Unglücklicherweise, konnte ich das weite Grinsen auf seinem Gesicht nicht übersehen, als ich die Tür hinter mir schloss.

„Scheiße.", murmelte ich in meinen nicht vorhandenen Bart, als ich den Flur entlangging. Ich versuchte meine Frustration zu verbergen, während ich die Treppe hinunterging. Meine Mutter musste nun wirklich nicht denken, dass ich gestresst aussehe. Das würde zu Fragen führen, auf die ich im Moment keine Antworten hatte. Fragen, wie zum Beispiel, warum ich Petunia erzählt hatte Potter sei mein fester Freund oder etwa was mein Lieblingskuchen war. Ich nehme an, Letzteres wäre nicht so schwer zu beantworten, außer, dass ich mich nie so recht zwischen Erdnussbutter- und Kürbiskuchen entscheiden konnte…

„Mum?", rief ich.

„In der Küche.", vernahm ich gedämpft ihre Stimme.

Als ich unsere, mit einer Früchtetapete dekorierte, Küche betrat, war der Körper meiner Mum halb im Kühlschrank verborgen. „Hier bin ich.", verkündete ich auf halbwegs normale Art und Weise.

Sie zog den Kopf aus dem Gemüsefach und hielt eine Stange Sellerie in der Hand. „Oh, da bist du ja. Gut. Kannst du mir die Steaks rüberreichen? Sie liegen auf der Arbeitsplatte. Ich mache sie heute zum Abendessen."

„Klingt gut.", sagte ich und reichte ihr das Fleisch, welches sie dann im Kühlschrank verstaute.

„Tja, es ist das Lieblingsessen deines Vaters."

„Mmm.", antwortete ich vage, während ich die Treppe im Auge behielt. Genau in diesem Moment befand sich James Potter unbeaufsichtigt in meinem Zimmer. Er könnte gerade alles Mögliche tun! Er könnte meine Sachen durchwühlen! Was, wenn er die Schublade mit meiner Unterwäsche fand? Das wäre noch schlimmer, als dass er meinen BH gesehen hatte!

„Und, wo ist deine Schwester heute?", fragte mich meine Mutter mit müder Stimme.

„Ach, du weißt schon.", gab ich zurück und verstaute eine Packung Rosinen im Schrank. „Sie ist mit dem Walross ausgegangen."

„Lily!", rügte sie mich.

„Ach komm schon Mum.", argumentierte ich. „Er ist ein Idiot. Selbst Petunia könnte etwas Besseres finden."

„Er ist wirklich furchtbar, nicht wahr?", flüsterte Mum befreit.

Ich lächelte. Ich liebte meine Mum. Sicher, sie liebte uns beide aus ganzem Herzen, aber auch sie fand Petunias Allüren lächerlich. Sie seufzte laut und hielt nachdenklich eine Packung Pfirsiche in der Hand.

„Tu mir nur einen Gefallen, Lily. Wenn du mal einen Jungen mit nach Hause bringst, such dir einen aus, der besser ist als Vernon."

Sie begann zu kichern, und ich lächelte sie schwach an. Meine Augen huschten zurück zur Treppe. Wenn sie nur wüsste.

„Lily, ist irgendetwas da oben?", fragte sie neugierig.

„Was?" schrie ich. „Nein!"

„Nun, das ist jetzt schon das dritte Mal, dass du dort hoch gestarrt hast.", hielt mir meine Mum vor. „Ist irgendetwas mit deinem Zimmer nicht in Ordnung?"

„Was? Natürlich nicht!" Super meine Stimme quietschte. Warum hatte ich nicht einfach ein Neonschild über meinem Kopf befestigt?

„Dann macht es dir sicher nichts aus, wenn ich mal nachsehen gehe.", sagte meine Mum und ging zur Treppe.

Total in Panik folgte ich ihr. „Mum, das ist wirklich nicht notwendig.", erklärte ich ihr.

„Mach dir keine Sorgen. Ich hole nur meine Lesebrille. Ich hab sie gestern in deinem Zimmer liegenlassen, als ich nach dir gesehen habe."

Wir waren schon oben angekommen.

„Ich hol sie dir! Wirklich! Du musst da nicht reingehen!"

„Entspann dich, Lily.", neckte sie mich. „Ich hab schon viele unordentliche Zimmer gesehen. Du kannst mich nicht schocken."

Dann öffnete sie die Tür.

Entsetzt, beobachtete ich wie Potter von dem Stuhl aufsprang auf den ich ihn vorher gezwungen hatte Platz zu nehmen. Seine Hand flog sofort zu seinen Haaren.

„Ach du liebe Güte! Lily!", brach es aus meiner Mum heraus.

„Mum, ich kann das erklären.", antwortete ich schnell.

„Wer ist dieser Junge?"

James war wohl zu überrascht um zu antworten.

„Lily?", verlangte sie eine Antwort.

„Ähhmm…", zögerte ich und versuchte vergeblich eine Begründung für diesen Wahnsinn zu finden. Seine braunen Augen durchbohrten mich und ich gab auf. Mir viel nichts anderes ein, also konnte ich auch genauso gut bei einer einheitlichen Lüge bleiben. „Mum, das ist mein fester Freund, James Potter."

Potter schien aus seiner Erstarrung zu erwachen, als er seinen Namen hörte und er trat vor und streckte seine Hand aus. Er grinste meine Mum herzerweichend an. „Sie haben ein wundervolles zu Hause, Mrs. Evans.", begrüßte er sie höflich.

Meine Mum blinzelte wie geblendet von seinen strahlend weißen Zähnen. Merlin, ich hoffte ich sah nicht so aus, wenn er mit mir sprach. Benommen schüttelte sie seine Hand.

„Bitte, nenn mich April, James.", erwiderte sie sein Lächeln. „Lily hat mir nie gesagt, dass sie mit einem so hübschen jungen Mann zusammen ist."

Ich rollte mit den Augen. Natürlich hatte gerade meine Mutter genau die falsche Reaktion. Anstatt ihn umbringen zu wollen, weil er vielleicht gerade meine Unterwäsche durchwühlt hatte, spekulierte sie schon auf Enkelkinder.

„Tatsächlich", wandte sich jetzt meine Mum an mich, „hat sie mir gar nicht erzählt, dass sie überhaupt einen festen Freund hat."

„Überraschung?", war alles was mir einfiel.

„Nun, es ist wundervoll dich kennenzulernen, James. Warum kommt ihr nicht mit mir runter? Ich wollte gerade Mittagessen machen. Dann könnt ihr beide was essen und ich habe ein Auge auf euch."

„Mum!", schrie ich.

„Was?", fragte sie unschuldig.

Oh, Merlin. Meine Mum dachte James und ich hätten rumgeknutscht. Mit Petunia war das etwas anderes. Ich wollte sie ärgern. Aber das war meine Mum! Mein Gesicht wurde ganz heiß.

„Das hört sich toll an, Mrs.- Ich meine, April.", antwortete James.

Meine Mutter strahlte ihn an und sie bugsierte mich und meinen festen Freund aus dem Zimmer.

„Also, James, erzähl mir was über dich."

Ich stöhnte. Das sollte man niemals einen Narzissten fragen, der jahrelang mit übereifrigen Teenagerinnen verbracht hat.

Potter und ich erduldeten das Verhör meiner Mutter, ihren konstant wachsamen Blick und ihre schier endlosen Fragen, aßen zu Mittag und landeten schließlich vor dem Fernseher. Natürlich auf dem Loveseat. Ich hätte seine kindliche Begeisterung für die „unglaubliche Muggel-Vorrichtung" amüsant gefunden, wenn ich mir nicht so viele Sorgen darüber machte, was zum Teufel ich nun tun sollte. Unglücklicherweise konnte ich mich nicht einfach zu Potter umdrehen und mit ihm darüber diskutieren. Er war zu beschäftigt damit mit meiner Mutter zu schwätzen, um mir dabei zu helfen einen Weg zu finden ihn verschwinden zu lassen. Ich berührte den Zauberstab in meiner Tasche und dachte an all die hässlichen Flüche die ich gelernt hatte. Nein, das wäre unmoralisch. Obwohl…

Ich sah über meine Schulter. Meine Mutter war mit den Bratkartoffeln beschäftigt.

„Potter.", flüsterte ich ihm mit unbewegten Lippen zu.

„Ja.", hauchte er zurück.

„Ich möchte, dass du-"

Es klingelte an der Tür. „Oh, das muss dein Vater sein."

„Verdammt.", fluchte ich unterdrückt. Ich schnappte Potter am Handgelenk und durchbohrte seine Augen mit meinem Blick.

„Potter, wenn du für mich dieses Essen durchstehst, tu ich was du willst. Ich werde eure Quidditch-Parties nicht mehr auflösen, und ich werde sogar ein Auge zudrücken, wenn du Feuerwhiskey aus Hogsmeade mitbringst. Aber tu mir einen Gefallen und erzähl meiner Familie nicht, dass ich gelogen habe.", bat ich ihn leise.

„Kein Problem, Lily.", stimmte er ernsthaft zu. „Dein fester Freund zu sein ist nicht so schlimm."

Ich stöhnte. „Für dich vielleicht." grummelte ich.

„Lils! Ich bin zu Hause!", hörte ich meinen Vater sagen, als er das Wohnzimmer betrat, um mich, so wie immer wenn er von der Arbeit nach Hause kam, zu umarmen. Er hielt inne als er den Jungen sah, der neben mir saß.

„Lils, wer ist das?", fragte er verwirrt.

Meine Mum kam hereingeeilt. „Das ist ihr fester Freund James. Erinnerst du dich, Schatz? Lily hatte doch erwähnt, dass jemand aus der Schule für zwei Wochen bei uns zu Besuch sein würde."

„Was?", fragte mein Dad mit lauter Stimme.

Endlich mal eine normale Reaktion. Ich hatte mich bereits gewundert, ob ich die einzige Person in diesem Haus war, die nicht verrückt war. Moment mal, zwei Wochen? Nein! Das war Hestia!

"Henry.", rügte ihn meine Mutter.

Potter erhob sich von der Couch. Er reichte meinem Vater die Hand und sagte: „Es freut mich sehr Sie kennenzulernen, Sir."

Mein Vater schüttelte etwas widerwillig seine Hand. Merlin Dad, Ich kannte das Gefühl. Er war verdammt ärgerlich, wenn sich die Person, die man sich geschworen hatte zu hassen, reif und respektvoll verhielt.

„Ja, nun, zwei Wochen, hä? Wie kommt es, dass mich niemand drüber informiert hat, dass unser Besuch männlich ist?", fragte mein Vater.

„Sei leise, Henry.", wisperte meine Mutter, allerdings so, dass ich sie noch hören konnte. „Wir haben das Gästezimmer bereits hergerichtet. Ich glaube nicht, dass Lily es gutheißen würde, wenn wir den ersten Jungen, den sie mit nach Hause bringt, rauswerfen. Tu es für sie."

Tja, war das nicht fantastisch?

„Wir freuen uns dich zu Besuch zu haben, Junge.", sagte mein Vater schließlich mit angestrengter Stimme.

„Das Abendessen ist in ein paar Minuten fertig. Hoffentlich kommen Petunia und Vernon rechtzeitig. Ist das zu glauben? Ein richtiges Familienessen. Wie aufregend! Lily kannst du den Tisch decken?", fragte meine Mum aufgeregt.

Wäre es unhöflich, wenn ich schreiend aus dem Haus laufe?

Fast fünfzehn Minuten später saß ich neben Potter an unserem Esstisch. Meine Mum hatte darauf bestanden, dass wir heute das gute Porzellan benutzen, weil wir Gäste hatten. Für Vernon holte sie nie das gute Porzellan aus dem Schrank. Aber Potter war etwas Besonderes. Ich beäugte Petunia, wie sie mir gegenüber ihren Salat in kleinen Portionen mit der Gabel zu sich nahm. Merlin, wenn Blicke töten könnten. Anscheinend, war es „ganz und gar nicht angebracht", ihr Walross von einem Freund zum Abendessen mit deinen Eltern, deiner freakigen Schwester und ihrem freakigen Freund nach Hause zu bringen.

„Also, James.", begann mein Vater seine Frage, als er mit der Gabel spielte „Wie lange bist du nun schon mit meiner Tochter zusammen?"

Potter sah mich fragend an.

„Ähm, ungefähr drei Monate.", mischte ich mich in das Gespräch ein. „Wir sind kurz bevor Schuljahresende zusammengekommen."

„Lily!", entfuhr es meiner Mutter. „So lange schon, und du hast uns nichts davon erzählt! Wie konntest du uns diese wichtigen Neuigkeiten vorenthalten?"

Ich hustete und griff nach meinem Wasserglas.

„Das ist meine Schuld, Mrs. Evans.", sagte Potter und drehte sich meiner Mutter zu, die am Kopfende des Tisches saß. „Ich wollte, dass es eine Überraschung wird, wenn ich Lily besuchen komme."

„Wie romantisch.", seufzte meine Mutter.

„Ja, was für eine tolle Überraschung.", gab Petunia ihren Kommentar dazu ab.

„Ach, psst.", bedeutete ihr Mum still zu sein.

„Also James, du gehst auch nach Hogwarts?", wollte mein Vater wissen.

„Ja, Sir.", antwortete James respektvoll.

„Und bekommst du gute Noten?"

„Ich gebe mein Bestes, Sir.", gab er bescheiden zurück.

Ich war überrascht. Den Potter, den ich kannte hatte noch nie eine Gelegenheit ausgelassen zu prahlen. Jetzt komm schon, Potter! Irgendwie musste ich doch meine Schwester ärgern! „Er ist nur bescheiden.", teilte ich meinem Vater mit. "Er gehört zu den Klassenbesten."

„Gleich nach Lily.", gab Potter nun zu. „ Es ist schwer mit ihr mitzuhalten." Ich rollte mit den Augen. Was für ein Schleimer.

Mein Vater grinste mich zärtlich an. „Das kann ich mir gut vorstellen.", sagte er. Ich lächelte zurück.

„Machst du Sport?", fragte mein Vater mit etwas mehr Begeisterung.

„Ich bin der Kapitän der Quidditch-Mannschaft von Gryffindor, Sir."

„Oh, ja! Lily hat mir mal dieses Spiel erklärt. Es geht um Besen und eine Waffel, nicht wahr?"

Ich prustete in meine Kartoffeln.

„Quaffel.", korrigierte ihn Potter.

„Oh, richtig.", erwiderte Dad. Er begann sein Steak klein zu schneiden. „Nun, was sind deine Absichten mit meiner siebzehnjährigen Tochter?"

Potter hustete so laut, dass ich dachte er hätte seine Zunge verschluckt. Petunias Lippen kräuselten sich bei diesem Anblick zu einem schmalen Lächeln.

„Dad!", schrie ich.

"Henry!", rief meine Mutter zur selben Zeit aus. „Jetzt verhör doch den armen Jungen nicht! Meine Güte, Lily hat drei Monate gebraucht bis sie uns überhaupt von ihm erzählt hat. Wir wollen ihn doch nicht gleich vergraulen."

„Ja, Schatz.". murmelte mein Vater reuig.

Ich wollte meine Arme um ihn legen und ihm sagen, dass sein kleines Mädchen gar nicht wirklich mit einem Jungen zusammen war, aber meine Schwester flüsterte Vernon gerade etwas ins Ohr und ich wusste ich war gefangen. Ich musste wirklich an diesem Gryffindor-Stolz Problem arbeiten. Es brachte mir nur Ärger ein.

„Erzählt doch mal.", drängte meine Mutter. „Wie seid ihr zusammengekommen?"

Ich schaute panisch zu Potter. Er blickte mich kurz an und wandte sich dann meiner Mum mit einen entspannten Lächeln auf den Lippen zu.

„Nun, Ich wusste schon, dass ich Lily mag, als ich sie mit elf zum ersten Mal im Zug gesehen habe. Ihre Haare, ihre Augen, ihr Lächeln. Sie war das bezauberndste Wesen, das ich je gesehen hatte. Das muss wohl an den guten Genen liegen. Unglücklicherweise, war es nicht so einfach sie zu überreden mir eine Chance zu geben. Ich benahm mich immer wie ein Idiot, wenn sie in der Nähe war. Als ich noch jünger war, machte ich immer dumme Sachen, um sie zu beeindrucken und sie war deswegen sehr verärgert. Ich hatte die peinliche Angewohnheit jede Bewegung, die sie machte zu beobachten. Ich war ein hoffnungsloser Fall! Dann, dieses Jahr an einem Tag nach den Abschlussprüfungen, sah ich wie sie allein im Gemeinschaftsraum saß. Es war schon weit nach der Sperrstunde und alle anderen waren bereits zu Bett gegangen. Sie war in ihrem Lieblingssessel vor dem Kaminfeuer eingeschlafen, während sie ihr liebstes Zauberkunst-Buch gelesen hatte. Ich wollte nicht, dass sie im Sitzen schlafen musste, also versuchte ich sie zu bewegen. Sie wachte in meinen Armen auf. Wir begannen uns zu unterhalten, zuerst über die Schule, dann über alles andere. Es war fast vier Uhr in der Früh als wir bemerkten, wie spät es war. Ich fragte sie ob sie mit mir nach Hogsmeade ginge, einem Dorf in der Nähe von Hogwarts und sie sagte ja. Ich war so glücklich, dass ich sie auf der Stelle küssen musste. Dann sah ich ihr zu, wie sie die Treppe zu ihrem Schlafsaal hochging. Das war die beste Nacht meines Lebens. Und hier sind wir nun."

Er hörte abrupt auf. Ich blinzelte. Es war als wäre ich in einer Trance gewesen. Es hatte so real geklungen. Ich konnte es mir genau in meinem Kopf vorstellen: das Kaminfeuer, der Sessel, das Buch. Es hörte sich perfekt an. Tatsächlich sehnte ich mich sogar danach. Natürlich nicht mit Potter. Ich schaute zu ihm rüber. Er lächelte mich auf eine Weise an, wie ich ihn noch nie hatte lächeln sehen. Es war keine Spur von Häme oder Sarkasmus zu entdecken. Er sah mich einfach so an, na ja, als sei ich das Mädchen in seiner Geschichte. Er lehnte sich zu mir rüber um mit seinen Lippen sanft meine Schläfe zu berühren. Ich zog hörbar die Luft ein.

„Das war wunderschön.", hauchte meine Mum.

„Hmm.", rümpfte Petunia ihre Nase.

Ich grinste.

Nachdem die Teller geleert waren, zog mich meine Mutter in die Küche.

„Oh, Lily!", schwärmte sie. „Er ist perfekt!"

„Ja er ist ganz in Ord… ähm, ein großartiger Kerl.", gab ich lahm zurück.

„Mach dir keine Sorgen wegen deinem Vater. Ich werde ihn überreden ein wenig lockerer zu sein während James da ist. Wir wollen ja nicht, dass er sich bei uns unwohl fühlt. Ich verstehe nicht, warum dein Vater so überfürsorglich ist. Er ist so ein wundervoller junger Mann. Ich mag ihn schon jetzt, und es ist offensichtlich, dass er dich liebt. Ich meine, hast du gesehen, wie er dich ansieht? Und diese Geschichte! Meine Güte, das war so süß. Ich freu mich so für dich und deinen neuen festen Freund!"

Ich suchte nach Halt an der Arbeitsfläche. Natürlich war gerade meine Mutter begeistert über meine Beziehung mit einem Jungen im Teenageralter. Sie war hin und weg von der Idee, dass er für zwei Wochen bei uns bleiben würde. Warum konnte sie nicht ausflippen und mich in den Boden stampfen, wie jeder normale Elternteil es tun würde?

„Bist du dir sicher, Mum.", fragte ich. „Ich möchte nicht, dass Dad wütend ist. Schließlich ist James ja ein siebzehnjähriger Junge und so."

„Ich kümmere mich um deinen Vater.", beruhigte sie mich. „Genieß du nur deine Zeit mit James."

„Danke Mum.", antwortete ich. Glücklicherweise bemerkte sie den Sarkasmus nicht.

„Na, komm", drängte sie mich „wir zeigen James jetzt sein Zimmer."

Ungefähr eine halbe Stunde später, hatte meine Mutter Potters Kissen so oft aufgeschüttelt, dass es mich nicht gewundert hätte wenn es sich in die Gans verwandelt hätte, die ihre Federn dafür hatte lassen müssen.

„Tja.", sagte meine Mutter mit Bedauern. „Ich denke wir lassen dich jetzt allein. Du bist sicherlich sehr müde."

„Danke, Mrs. Evans. Das ist wirklich sehr nett von Ihnen.", sagte James.

„April, mein Lieber!", erinnerte sie ihn.

„Oh, richtig, April.", verbesserte er sich.

„Sag Gute Nacht, Lily.", wies sie mich an.

Ich ging etwas unbeholfen zu Potter rüber und wir umarmten uns vor ihr. Keiner von uns beiden wusste so genau was er mit seinen Armen tun sollte, weswegen wir wahrscheinlich ziemlich albern aussahen. Bevor ich mich wieder von ihm löste, zischte ich ihm ins Ohr: „Wir treffen uns um Mitternacht draußen."

Ich trat mit einem bedeutungsvollen Blick zurück und folgte dann meiner Mum aus dem Zimmer.

Da es erst etwa neun Uhr war, blieb noch sehr viel Zeit. Unglücklicherweise hatte ich eine Menge nervöser Energie. Es ist kaum zu glauben, wie sehr einen der Drang überkommt auf und ab zu laufen, wenn man lügt. Ungefähr um halb elf, zog ich mir meine Schlafklamotten an, ein Paar Shorts und ein Top. Ich wollte mein übergroßes T-Shirt nicht vor Potter tragen. Wahrscheinlich hatte er bereits sechs meiner sieben „Zaubertrank der Woche"-Slips in meiner Schublade gesehen.

Ich ließ mich auf mein Bett fallen und sah rüber zu meiner Uhr auf den Nachttisch. Es war immer noch erst 23:21. Ein Stück Pergament fiel mir ins Auge. Traurig nahm ich Hestias Brief in die Hand. Ich würde ihr die Neuigkeiten erzählen müssen. Wie sollte ich ihr das nur erklären? Liebe Hestia, es tut mir Leid, aber du kannst nicht zu Besuch kommen, weil mein fester Freund James Potter momentan in deinem Zimmer schläft. Nein, das konnte ich ihr so nicht sagen. Vielleicht sollte ich zuerst das Wetter erwähnen. Ich las noch einmal ihren Brief. Sie klang so fröhlich. Ich wünschte wirklich sie wäre es gewesen, die diesen Morgen vor dem Haus gestanden hatte. Ich schaute wieder zu meiner Uhr. Gleich war es Mitternacht. Tja, nun. Sieht so aus als müsste ich mir morgen eine Lösung für das Problem einfallen lassen.

Ich stand vom Bett auf und verließ leise mein Zimmer. Ich schlich die Treppe so leise hinunter wie ich nur konnte. Meine Eltern hatten normalerweise einen tiefen Schlaf, aber Petunia schien nie zu schlafen. Das erklärte wohl auch, warum sie immer so griesgrämig war. Auf Zehenspitzen verließ ich das Haus und betrat den Garten hinter unserem Haus. Das feuchte Gras fühlte sich wundervoll an zwischen meinen Zehen. Ich setzte mich auf die Kinderschaukel. Als Petunia und ich noch jünger waren hatte unser Vater für jeden von uns eine Schaukel gekauft. Ich schwelgte in Erinnerungen an die Zeit, als Petunia noch richtig nett zu mir war und wir uns gut verstanden hatten, bevor Make-up, Jungs und Zauberei in unsere Leben traten. Ich fühlte wie jemand neben mit Platz nahm. Ich erwartete fast, dass sie es war, aber es war nur Potter.

„Deine Familie ist wirklich nett.", teilte er mir mit. „Na ja, zumindest sind es deine Eltern.", fügte er hinzu.

„Ja", stimmte ich ihm zu. „Sie mögen dich sehr, sogar mein Dad, der nicht wollte, dass ich mit einem Jungen ausgehe, bevor ich nicht verheiratet bin und Kinder habe. Ich weiß nicht mal mehr, wann meine Mutter das letzte Mal so aufgeregt war."

Er gluckste leise. „Was ist mit deiner Schwester?"

Ich seufzte, hielt mich an den Ketten auf beiden Seiten der Schaukel fest und begann leicht vor und zurück zu schaukeln. „Als wir noch klein waren, waren Petunia und ich beste Freundinnen. Dann bekam ich den Brief von Hogwarts und sie nicht. Danach war es zwischen uns nie wieder dasselbe."

„Und jetzt benutzt du mich um ihr irgendetwas zu beweisen?", riet er.

Ich lachte. Das einzige was noch lächerlicher war, als dass James Potter meine Motive durchschaut hatte, waren meine Motive selbst. „Ich denke schon.", seufzte ich. „Das klingt bescheuert, oder? Zu lügen um meine Schwester zu ärgern?"

Potter zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht. Ich hab schon bescheuertere Dinge gehört. Verdammt, ich hab schon bescheuertere Dinge getan."

Ich lachte, als ich daran dachte wie er und Sirius in unserem dritten Schuljahr wegen einer Wette in Damenunterwäsche durch die große Halle gerannt waren. Er lächelte mich an.

„Also, machst du es?", fragte ich ihn unvermittelt.

„Mach ich was?"

„Mir helfen bescheuert zu sein?", fragte ich und kam mir dabei recht dämlich vor.

„Lily, du könntest niemals bescheuert sein.", er lächelte mich wieder an, und ich schüttelte den Kopf aufgrund seiner Flirtversuche.

„Wie dem auch sei, Ich würde mich geehrt fühlen so zu tun als sei ich dein fester Freund."

„Wirklich?", entfuhr es mir. „Danke, Potter! Es ist auch nicht für lange. Ich lass mir eine Geschichte einfallen, damit du nach ein paar Tagen wieder verschwinden kannst. Du brauchst dann deine letzten zwei Wochen der Sommerferien nicht hier verbringen. Und später, wenn die Lage sich etwas beruhigt hat, sag ich einfach wir hätten Schluss gemacht.", plapperte ich.

„Nun.", erwiderte er listig. „So weit würde ich nun auch nicht gehen. Ich kann ja wahrscheinlich auch von dieser Scharade profitieren."

Ich beäugte seinen Arm, den er gerade um meine nackte Schulter gelegt hatte mit Ekel. Gerade als ich dachte er könne ganz erträglich sein, tat er so etwas. Ich schlug seinen Arm weg. „Wenn du glaubst, dass es hier darum geht, Potter, geh ich gleich zu Petunia und beichte ihr alles."

„Entspann dich Lily, ich hab doch nur einen Spaß gemacht."

„Also, wenn du aus den sechs vergangenen Jahren nichts gelernt hast, muss ich es dir wohl ausdrücklich sagen, ich mag es nicht wenn du das tust."

Er grinste verschmitzt. „Irgendwie hab ich das schon mitbekommen. Vielleicht war es ja wann immer du gesagt hast, dass du nicht mit mir ausgehen willst und mich einen Idioten genannt hast."

„Nun, manchmal bist du ja auch einer.", wandte ich ein.

„Trotzdem, ob Idiot oder nicht, es wird wirklich komisch aussehen, wenn du jedes Mal zusammenzuckst, wenn dein fester Freund dich auch nur ansieht.", wies mich Potter darauf hin.

„Tu ich doch gar nicht.", rief ich empört.

„Ach tatsächlich?", er lehnte sich so nah zu mir herüber, dass ich alle Farbnuancen seiner Augen hinter den Brillengläsern erkennen konnte. Instinktiv wich ich zurück.

„Siehst du?", lachte er.

„Verflucht!", schnaubte ich.

„Hab ich dich, Lils.", neckte er mich arrogant.

„Erstens, Potter", teilte ich ihm mit „nur mein Vater darf mich so nennen. Zweitens ist es wohl in Ordnung wenn wir minimale Zärtlichkeiten vor anderen austauschen, und ich meine minimal. Händchen halten, einen Arm um die Schultern legen und Umarmungen. Keine Zungen, nie und nirgendwo."

„Mit dem meisten bin ich einverstanden.", räumte Potter mit einem schiefen Grinsen ein. „Aber wenn ich dich nicht Lils nennen darf, wie soll ich dich denn dann nennen?"

„Lily.", lautete meine einfache Antwort.

„Dann solltest du mich am besten auch mit meinem Vornamen ansprechen.", erklärte Potter. „Obwohl ich es irgendwie mag wenn du wütend wirst und ‚Potter' schnaubst.", fügte er hinzu.

„In Ordnung.", stimmte ich ihm zögernd zu.

„In Ordnung, was?", wollte er genauer wissen.

„In Ordnung, James.", spuckte ich aus.

„Siehst du, das war doch gar nicht so schwer.", verkündete Potter und klang dabei sehr zufrieden. „Nun", machte er im geschäftsmäßigen Ton weiter „Hatten wir schon Sex miteinander?"

Meine Hände fielen hinunter. „Natürlich nicht!", rief ich aus. „Wie kommst du darauf so etwas überhaupt zu fragen?"

Der Blödmann grinste mich schief an. „Komm mal wieder runter, Lily. Ich hab nur überlegt wie unsere Vorgeschichte aussieht. Paare, die bereits Sex miteinander hatten benehmen sich anders als Paare die noch keinen hatten. Sie haben dann immer dieses geheimnisvolle Lächeln auf den Lippen, als könnten sie jederzeit in eine Abstellkammer verschwinden und sich die Kleider vom Leib reißen."

Ich glaubte nicht, dass mein Gesicht noch röter werden konnte. „Nun den hatten wir nicht.", informierte ich ihn rasch. Ich nahm einen tiefen reinigen Zug Luft und machte weiter „Wir gehen die Dinge langsam an. Ich hab, na ja, ich hab noch nie…", ich hörte mitten im Satz auf. So wie es aussah konnte mein Gesicht doch noch röter werden.

„Ich auch nicht. Ich wollte es nur wissen."

„Blödmann.", grummelte ich und schubste ihn. Er nahm mein Handgelenk und richtete uns beide auf. Wortlos einigten wir uns drauf wieder reinzugehen.

„Ich nehme an, wir arbeiten ein anderes Mal an unserer Vorgeschichte weiter.", sagte er.

„Ja.", antwortete ich leise, da wir wieder im Haus waren. „Apropos, nette Geschichte, die du da vorhin erzählt hast. Selbst ich hätte dir fast geglaubt."

"Tja, nun, ich hatte eine Menge Zeit um darüber nachzudenken.", flüsterte er.

Verlegen verlagerte er sein Gewicht und wir schlichen gemeinsam die Treppen hoch ohne noch etwas zu sagen. Vor der meiner Zimmertür blieben wir stehen.

„Tja, Gute Nacht.", flüsterte ich etwas unbeholfen.

Ich hörte ein Knarren, das von Petunias Tür kam. Ich drehte meinen Kopf leicht, um dort hinzusehen. Ihr langer Hals bog sich um die Tür, als sie uns beobachtete.

„Beobachtet uns deine Schwester?", flüsterte James in mein Ohr.

Ich nickte. Er nickte zurück und sagte sehr leise, so dass ich Mühe hatte ihn zu verstehen: „Ich glaube das fällt unter die Pflichten eines festen Freundes. Ich sehe keinen anderen Weg."

Mit einem undefinierbaren Ausdruck im Gesicht und mit entschlossenem Blick legte er seine linke Hand auf meine Hüfte, zog mich näher zu ihm und strich zärtlich mit seiner rechten Hand über mein Gesicht. Unglaublich langsam, lehnte er sich vor, sein Atem berührte mein Gesicht, und dann berührte er meine Lippen.

Ich hätte wissen sollen, dass James Potter zu küssen das unglaublichste Gefühl der Welt sein würde, dass er mich leidenschaftlicher und vollkommener küssen würde als ich jemals zuvor geküsst wurde. Seine Lippen bewegten sich sanft, aber bestimmt auf meinen. Dann bevor ich bereit dafür war und bevor ich es wollte, löste er sich von mir mit einem atemberaubenden Lächeln auf seinen roten Lippen.

Er legte seine Stirn an meine und flüsterte: „Gute Nacht, Lily."

Seiner Fingerspitzen fuhren über mein Haar als er unsere Umarmung löste. Still und unfähig zu sprechen, beobachtete ich wie er zum Gästezimmer ging. Etwas lauter als zuvor rief er: „Dir wünsche ich auch eine Gute Nacht, Petunia!"

Ich unterdrückte ein Lachen, als ich die Tür zuknallen hörte.

James drehte sich zu mir um, um mir zu zuzwinkern und ich rollte mit den Augen.

Bescheuerter, blöder, falscher fester Freund.