Schattenprinz
Outtakes
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Disclaimer: Die Welt von Harry Potter gehört J. K. Rowling.
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II
Im Kerker
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Authors Notes:
Die moralisch eher fragwürdige ursprüngliche Version von Severus' und Miguels erstem Mal. Okay, nicht wirklich, die Szene bricht ab, bevor es ernst wird. ;-)
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Severus fehlte schlicht die Erfahrung im Quälen von Menschen, er war noch nicht abgestumpft genug, als dass das Leid eines anderen, eines Gleichaltrigen zumal, in kalt gelassen hätte. Was immer er dem Dunklen Lord, den Todessern, Aemilius und nicht zuletzt sich selbst auch vorzumachen versuchte, er war weder gleichgültig noch grausam. Nein, er kannte das Gefühl der Einsamkeit, des absoluten Verlassen- und Ausgeliefertseins viel zu gut, als dass Miguels Verzweiflung ihn nicht berührt hätte. Und diesmal war kein Aemilius an seiner Seite, der ihn gelenkt und zur Selbstbeherrschung gezwungen hätte. Sie waren allein, nur er und sein Opfer, und niemand würde jemals erfahren, was sich in diesem Raum zwischen ihnen abgespielt hatte.
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Severus zitterte am ganzen Körper. Vor Erregung – und vor Angst. Noch nie war er geküsst worden – und nie hätte er gedacht, dass es unter solchen Umständen geschehen könnte. Ehrlich gesagt hatte er sich schon damit abgefunden gehabt, dass er wohl würde zahlen müssen, wenn er jemals Sex haben wollte ... zahlen bei den Huren und Strichern, die sich in Muggellondon herumtrieben. Bei diesem Gedanken stieg Unbehagen in ihm auf.
„Halt!" Er schob Miguel mit beiden Händen von sich.
Der Junge sah ihn verwirrt und erschrocken an. „Was ...? Hab ich ... hab ich was falsch gemacht? Es ... es tut mir leid ... echt ...", stotterte Miguel hastig. Die Angst war zurück, und sie war offensichtlich so groß wie zuvor.
„Warum machst du das?", fragte Severus scharf. „Was willst du dafür haben?"
„Was? Ich ..." Miguel starrte ihn verständnislos an. Dann schien ihm plötzlich etwas klar zu werden. „Severus, ich ..." Severus registrierte verblüfft, dass der andere ihn zum ersten Mal beim Namen genannt hatte. „Ich hab das nicht ... Wenn ich da was falsch verstanden hab ... Ich meine ..." Miguel verstummte hilflos. Er war ein Stück in sich zusammengekrochen und begann erneut zu zittern.
Plötzlich hatte Severus wieder Mitleid mit ihm. Letztlich war es nur zu verständlich, wenn Miguel versuchte, sich auf die einzige ihm mögliche Weise aus dieser Situation freizukaufen. „Ist schon okay ...", sagte Severus leise. „Ich bin dir nicht böse."
Miguel atmete erleichtert auf.
„Aber ich kann nicht ... ich meine ... ich kann dich nicht freilassen. Egal ... egal, was du tust. Ich glaub nicht, dass du ... dass du diesen Ort lebend verlassen wirst. Tut mir leid, Miguel."
Miguel wurde blass und biss sich auf die Lippen. „Ich ..." Er hob den Kopf und sah Severus flehend an. „Bitte mach, dass die Schmerzen nicht wiederkommen ... bitte."
„Hast du ... hast du mich deshalb geküsst?", fragte Severus mit belegter Stimme. „Damit ich verhindere, dass du noch mal gefoltert wirst?"
Nervös sah Miguel auf seine Füße hinab. „Auch deshalb ... aber ... aber nicht nur." Er hob den Blick und sah Severus bittend an. „Ich ... ich hab solche Angst ... Könntest du nicht ... Ich meine, wenn wir ... Ich könnte sie vergessen, die Angst. Für eine Stunde oder eine halbe oder auch nur für zehn Minuten ... Severus ... bitte ..."
Fassungslos starrte Severus ihn an. „Du bittest mich um" –
„Wenn du nicht willst", warf Miguel rasch ein, „wenn ich da was falsch verstanden haben sollte ..." Geschlagen ließ er den Kopf sinken. „Ich hätte nicht fragen sollen. Tut mir leid."
Severus zögerte einen Moment. Dann streckte er die Hand aus und berührte Miguel an der Schulter. Miguel sah überrascht auf. „Doch, ich will", sagte Severus leise. „Unter zwei Bedingungen. Erstens: Nur dann, wenn du es wirklich nicht machst, um dich dadurch freizukaufen. Ich ... ich kann das nicht entscheiden und ich will nicht ... ich will dich nicht auf diese Weise ausnutzen."
Miguel nickte knapp.
„Zweitens ... na ja, zweitens ist eigentlich keine richtige ... keine Bedingung ...", druckste Severus herum. „Es ist nur ... also ich ..."
„Du hast noch nie mit einem Mann geschlafen", stellte Miguel nüchtern fest.
„Nein. Doch, ich meine ... Ich hab noch mit überhaupt niemandem ..."
Miguel lächelte leicht. „Wenn das dein einziges Problem ist ... Ich glaube, ich kann dein kleines ... Defizit irgendwie ausgleichen ..." Mit diesen Worten beugte er sich vor und küsste Severus erneut.
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Eine halbe Stunde später saß Severus mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt und beobachtete nachdenklich den schlafenden Miguel zu seinen Füßen. Miguel war eingerollt in mehrere Wolldecken – Severus hatte den gesamten Vorrat geplündert – und auf seinem Gesicht lag ein leichtes Lächeln. Er hatte in der letzten halben Stunde tatsächlich das gefunden, was er gesucht hatte – Vergessen ... und Trost.
Und Severus? Er hatte etwas erlebt, das völlig neu gewesen war für ihn, neu und überwältigend, schön und auch ein bisschen beängstigend. Noch nie hatte er sich in seinem Körper so zuhause gefühlt wie jetzt. Noch nie hatte er sich so ... wertvoll gefühlt wie jetzt. Es war eine andere Art von Hochgefühl als jenes, das ihm die Zugehörigkeit zum Orden, ein Lob von Aemilius oder gar vom Dunklen Lord verschaffte. Es war irgendwie inniger, reichte tiefer. Severus streckte eine Hand aus und strich Miguel sacht durchs Haar. Plötzlich hatte er das Bedürfnis, ihn zu küssen. Er beugte sich vor, drückte seine Lippen auf Miguels, der den Kuss leicht erwiderte, ohne richtig aufzuwachen. Severus betrachtete das schmale Gesicht, die leicht geöffneten Lippen, auf denen immer noch ein leises Lächeln lag, die fein geschwungenen Augenbrauen, die Lider, die Wimpern ... Das alles wollte er streicheln und küssen, immerzu ...
Ich bin verliebt, wurde es ihm mit einem Mal klar. Wirklich verliebt, stellte er zwischen Staunen und Schock fest. Und plötzlich wurde er ganz krank bei dem Gedanken, dass irgendjemand Miguel anrühren, ihm Schmerzen zufügen, ihn töten könnte.
Das darf nicht geschehen. Nie. Niemals!
Er musste etwas tun, um Miguel zu retten. Er brauchte einen Plan ...
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