Januar 2010
Heute wäre es nun soweit. Mein Flug nach …
Rückblick
„Alles Gute zum Geburtstag!" Erschrocken zuckte ich kurz zusammen, damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Überall flog Konfetti, bunte Ballons flogen in mein Krankenzimmer und weiß Gott wie viel Tröten ertönten.
Seit 2 Wochen lag ich wieder im Krankenhaus da sich mein Zustand verschlechtert hatte. Mal wieder hatte ich eine neue Dosierung von Medikamenten, mein ach so schöner Medikamentencocktail ;-), bekommen, worauf mein Immunsystem negativ reagiert hatte und ich so unter weiterer Beobachtung stationär aufgenommen wurde.
Und nun war heute schon der 12.12.09, mein 17ter Geburtstag. Seit ich damals meine Diagnose bekommen hatte, wurde jedes Jahr eine riesige Party gefeiert. „Ich möchte das du so viele Glückliche Momente hast wie ich dir ermöglichen kann," hatte meine Mutter mal gesagt, als ich mich beschweren wollte. Aber wenn ich ehrlich war, liebte ich es zu feiern, auch wenn es mir nicht mehr so vergönnt war wie anderen in meinem Alter.
Kein Alkohol, nicht zu viel Anstrengung also kein tanzen und sonstiges was mich zu sehr anstrengen würde. Aber dennoch genoss ich es jedes mal, wenn auch auf meine Weise. Mir reichte es schon wenn ich die Menschen um mich hatte die ich liebte und die mich all die Jahre unterstützt hatten. Egal in was für ein Loch ich auch fiel. Diese Menschen, meine Freunde und meine Mutter schafften es immer mich wieder aufzumuntern.
Auch für dieses Jahr war mal wieder eine riesige Party geplant gewesen, doch durch den Zwischenfall das ich stationär behandelt wurde, hatte ich diese abgesagt.
„Du dachtest doch nicht, dass wir uns das dieses Jahr entgehen lassen" grinste mich meine beste Freundin Wiebke an. „Naja, ich hatte schon gehofft dem Trubel entgehen zu können... dieses Nächte langes feiern und tanzen ist einfach nichts für mich" feixte ich meine beste Freundin an und im nächsten Moment boxte sie mir spielerisch gegen die rechte Schulter. „Aua" schimpfte ich spielerisch zurück, womit ich nun noch ein boxer gegen meine linke Schulter, von meinem besten Freund Patrick, einkassierte. Für einen kurzen Moment grinsten wir uns einfach nur an und im nächsten Moment, nachdem sich die zwei mit einen kurzen Blickkontakt ansahen, fielen auch schon beide auf ein und umarmten mich stürmisch.
Nachdem die meisten meiner Freunde sich wieder verabschiedet hatten, blieben nur noch Patrick, Wiebke und meine Mutter übrig. Langsam legte ich mich in mein Bett zurück, schloss für einen kurzen Moment meine Augen und zog tief die Luft ein. „Wie eine Frühlingsprise" dachte ich. So könnte man es beschreiben so wie es nach all den verschiedenen Blumensträußen nun in meinem Zimmer roch. Für einen kurzen Moment genoss ich noch die Ruhe bis ich wieder die Augen öffnete. „Na, müde meine Kleine?" fragte mich meine Mutter, setzte sich neben mich und nahm meine rechte Hand in ihre. Liebvoll sah ich sie an, „ein bisschen" erwiderte ich und kurz darauf musst ich auch schon gähnen. „Dann lassen wir dich mal ein bisschen alleine, ich komme dann heut Abend noch mal" und schon machte sie Anstalten aufzustehen, doch ich hielt sie am Arm zurück. Überrascht sah sie mich an, mit so einer schnellen Reaktion hatte sie wohl nicht gerechnet „erst möchte ich noch mein Geschenk haben" neugierig schaute ich sie an, „oder bekomm ich diese Jahr nichts zum Geburtstag?" fragte ich unschuldig und mit heller Stimme, als wäre ich erst 10 Jahre alt.
Und schon fingen alle im Raum lauthals an zu lachen. Etwas beleidigt drehte ich mich weg und fixierte eine Wolke am Himmel.
„Dafür wirst du wohl nie zu müde sein, was?" lachte noch immer meine Mutter. Langsam schaute ich sie erwartungsvoll an. Im selben Moment verstummte das lachen meiner Mutter und sie sah mich nun ernst, aber auch traurig an. „Was ist los Mum? Hab ich was falsches gesagt?" Noch mal ging ich in Gedanken die letzten 5 Minuten durch, aber ich entdeckte nichts was ich gesagt haben könnte was sie jetzt zu dieser Miene veranlasst haben könnte.
„Nein, das hast du nicht mein Schatz. Ich musste nur gerade an was denken" sie machte eine kurze Pause und sprach dann weiter, „Natürlich hab ich noch was für dich, oder besser wir haben noch was für dich" dabei sah sie meine 2 besten Freunde an die sich nun auf die Kante meines Bettes setzten. „Da bin ich aber mal gespannt" und sah alle drei neugierig an. Jetzt wo ich alle drei genauer betrachtete lächelten sie wieder und nichts war mehr von der Traurigkeit von vor ein paar Minuten zu erkennen.
„Hier" kam es leise von Patrick und reichte mir eine Postkarte (1), „Wow, das ist wunderschön. Wo ist das?" fragte ich etwas skeptisch. Was hatte das mit meinem Geschenk zu tun? Jetzt grinste mich auch Wiebke nur mit einem schiefen lächeln an „vielleicht hilft dir das weiter" und reichte mir eine Weitere Postkarte (2). Wieder sah ich mir diese genauer an. Gerade als ich fragen wollte ob das ein blöder Scherz wäre, entdeckte ich das Kleingedruckte in der linken Ecke. Juneau!... Juneau? Langsam ratterte es in meinem Kopf, und nach kurzen Sekunden machte es „Pling" als würde ein Licht aufgehen. Ich konnte mir es schon richtig Bildlich vorstellen. Ich mit einer Glühbirne über dem Kopf. Bei der Vorstellung musste ich schmunzeln. „Sie träumt schon wieder" hörte ich meine Mutter nur liebvoll sagen als sie meinen Blick bemerkte, der weit in die Ferne gerichtet war.
„Juneau?" bekam ich nur stoßweise raus. Zu mehr war ich einfach nicht fähig. Bevor ich mehr sagen konnte reichte mir meine Mutter einen Umschlag, „Das ist das eigentliche Geschenk" sah mich dabei grinsend an. Noch immer etwas verdattert nahm ich den Umschlag und öffnete ihn mit zittrigen Händen.
„Das wird doch wohl nicht,…Nein, das kann nicht sein…aber die Andeutungen mit Juneau?..." wild ratterte es in meinem Kopf. Das hatten die drei doch nicht wirklich getan. Und kaum hatte ich den Umschlag geöffnet und den Inhalt in meinen Händen, erstarrte ich. Man könnte schon meinen ich wäre eine Statue, würde man nicht meinen Brustkorb sich bewegen sehen.
Nach weiteren 5 Minuten des Schweigens fand ich meine Stimme wieder „ist das euer ernst?"
„Es ist von uns allen, alle haben zusammengelegt. Mike, Chris, Sara, wir haben sogar einen kleine Flohmarktaktion gestartet. Und mit der Erklärung wofür wir das Geld sammeln, waren viele Leute gerne dazu bereit den einen oder anderen Euro mehr auszugeben." Erklärte mir Patrick. „Ja, sogar für die Rosa Poloshirts von ihm" grinste mich Wiebke an. Sie konnte es noch immer nicht fassen das er sich wirklich Polos in rosa gekauft hatte. „Ha, du musst grad reden, wie kommt man an eine Mickey Mouse Radiergummi Sammlung?" konterte er nur. So langsam lockerte sich die Stimmung wieder. Nachdem die beiden sich noch einen kurzen Konter und Pro Gefecht geliefert hatten, sah ich alle einfach nur Glücklich an. „Ich weiß nicht was ich sagen soll." „Wie wärs mit Danke!" sagten alle 3 gleichzeitig. „Danke" sagte ich noch immer etwas buff und nahm alle nach einander in den Arm.
„Also auf nach Juneau!" gab ich noch einen letzten Freudenschrei von mir, bevor ich nun endlich alleine war und in einen traumlosen Schlaf fiel.
Rückblick Ende
Tja, jetzt war es soweit. In 1 Stunde würde mein Flug nach Juneau gehen. Ich hatte mich nachdem ich wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurde bei alle meinen Freunden für dieses Geschenk bedankt. Wobei es gar keine Worte für das gab was sie mir Ermöglichten.
Es war nicht einfach nur ein Urlaub in den sie mich schickten, Nein, in Juneau gab es das einzige Hospital, welches neue Behandlungsmethoden gegen Leukämie einsetzte. Die Methoden sind noch in der Testphase und deswegen übernimmt noch keine Krankenkasse die Kosten dafür, als auch die Kosten für die Anreise.
Ich wurde vor Monaten von einem Arzt über diese neuen Behandlungsmöglickeiten aufgeklärt und war so voller neuer Zuversicht das es mir bald besser gehen würde. Doch als ich dann die Kosten erfuhr die dafür nötig wären, das es noch keine Kasse übernehmen würde, war ich am Boden zerstört. Bis jetzt hatte ich noch keinen passenden Spender gefunden und die Hoffnung war auch nicht sehr groß bei einer 1:20000 Chance.
Aber diese neue Behandlung versprach eine 30% Heilungschance, und das ohne eine Knochenmarkspende bzw. Entnahme von Stammzellen.
Nach ausgiebiger Untersuchungen und Entnahme einiger D N A Stränge, sowie Körpereigener Zellen welche etwas verändert werden, konnten die Ärzte diese Stammzellen nachzüchten.
Dieser neue Fortschritt, könnte die perfekte Heilung für Leukämie bedeuten. Natürlich waren die Ärzte noch am Anfang ihrer Forschung, aber sie hatten auch schon erfolge erzielt. Und das gab mir wieder Hoffnung. Hoffnung vielleicht in 1-2 Jahren endlich mit meinen Freunden in Urlaub zu fahren, oder einfach mal in die Disco tanzen zu gehen. Ich konnte es immer noch nicht glauben das meine Freunde und Familie, ja das waren sie für mich, mir das ermöglichten.
Nun stand ich hier und konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Mein Gepäck war schon an Bord und ein letztes mal umarmte ich meine besten Freunde und meine Mutter. „Ich ruf sofort an wenn ich gelandet bin." Kam es unter tränen von mir. „Und mindestens jede Woche" kam es genau so traurig von meiner Mutter. Traurig da ich sie mindestens 1 Jahr nicht sehen konnte. Aber genauso schnell änderte sich ihre Gesichtszüge wieder und sie lächelte mich leicht an. Denn das alles was jetzt folgen würde, gab ihr genauso Hoffnung wie auch mir.
Ein letzte mal drehte ich mich um und winkte allen noch einmal zu, bevor ich eincheckte auf den Weg in ein neues, hoffentlich gesundes Leben.
(1) [URL=.com/d/cruises/1/0/1/K/3/alaska_mendenhall_][/URL]
(2) [URL=.][/URL]
