Wiedersehen

Als Ausgleich dafür, dass du in den frühen Morgenstunden so viel unterwegs gewesen warst hatte dein Körper wohl entschlossen dich noch einen Runde ins Traumland zu befördern, auch wenn du nicht wirklich etwas träumtest.

Geweckt wurdest du von einer rauen Zunge die dir immer wieder über die Nase fuhr. Brummend öffnetest du deine Augen und blicktest missmutig auf die Katze die mittlerweile dazu übergegangen war an deiner Nase rum zu knabbern. Mit einem genervten Seufzen richtetest du dich auf und erntetest prompte ein paar Kratzer auf deiner Wange. Vorwurfsvoll blicktest du die Katze an, die dich unschuldig anblickte und sich zusammen rollte. „Ja Niji genau, mich aufwecken und dann selber schlafen gehen.", brummtest du leicht genervt. Du warfst einen Blick auf die Uhr. Halb zwei. Sollte heißen du hattest ungefähr 7 Stunden Schlaf nachdem du über 24 Stunden wach warst, toll. Am liebsten würdest du wieder ins Bett zurück, aber jetzt war

st du eh schon ziemlich wach, da konntest du genauso gut wach bleiben und dafür sorgen das dein Tag-Nacht-Rhythmus wieder halbwegs normal wurde.
Immer noch mehr schlafend als wach begabst du dich also zu deinem Schrank und schnapptest dir ein paar karierte Shorts und einen schwarzen Hoodie und zogst dich an. Schon seit einer Weile hattest du sowohl Kleidung für Frauen wie auch für Männer, um für alles gewappnet zu sein. Was auch immer alles war.
Du stattetest dem Bad noch einen kurzen Besuch ab um dir eine Ladung kaltes Wasser ins Gesicht zu klatschen um den Halbschlafmodus zu verlassen in dem du dich gerade befandest. Endlich ganz wach schnapptest du dir deine Boots. Während du dir die Schuhe anzogst kam Niji an getapst und hockte sich neben dich. Scheinbar wollte sie dich mal wieder begleiten wie eigentlich immer wenn du nicht auf Raubzug gingst, woher auch immer sie wusste wann du was vorhattest. „Komm Niji." Die Katze machte einen Satz und landete elegant auf deiner Schulter. Die Tür abschließend verließt du dein Hotelzimmer und liefst über die Treppe hinunter in die Lobby wo Ty, eine blauhaarige Empfangsdame, dich lächelnd begrüßte. Sie hatte dich schon öfters an geflirtet was du gelinde gesagt gruselig fandest, nicht das du etwas gegen Homosexualität hattest oder dergleichen, du fandest es einfach irritierend wie sich das Verhalten der Personen dir gegenüber sich komplett änderte nur weil du auf einmal ein anderes Geschlecht hattest und auf eine Beziehung mit einer Frau hattest du auch keine Lust, männlicher Anteil hin oder her. Mit einem Winken in Ty's Richtung verschwandest du aus dem Hotel und schlendertest Richtung Hafen.

Das Hotel lag nicht weit vom Hafen weg sodass es kein fünf Minuten dauerte bis dir die salzige Luft um die Nase wehte. Schnellen Schrittes begabst du dich zum ‚Day's End' einem dunklen Loch, Verzeihung „Bar" wo die gesamte Kundschaft aus Piraten und ähnlichem Gesindel bestand. Die Spelunke war nicht nur eine Piratensammelstelle sondern auch dein Arbeitsplatz auf Zeit. Deine Schicht würde zwar erst um vier Uhr beginnen aber mit Rex, der Besitzerin der Bar warst du relativ gut befreundet, soweit eben gut in zwei Wochen möglich war. Abgesehen davon war sie außer dir die einzige Person auf der Insel die von deiner Geschlechtwandelfähigkeit wusste, auch wenn sie es eher durch einen Zufall erfahren hatte. Der Zufall bestand aus einem Kessel mit kochendem Teewasser, wobei du dich immer noch fragtest wozu man in einer Piratenkneipe Teewasser brauchte. Jedenfalls hatte Rex es sehr gelassen genommen und ziemlich witzig gefunden das statt einem Kerl auf einmal ein durchnässtest Mädchen vor ihr saß.

Gelassen betratest du das ‚Day's End', wo dir schon der Geruch von Tabak und Alkohol entgegen schlug, ganz unterschwellig konnte man auch den Geruch von Blut wahrnehmen. Rex stand hinter der Bar und grinste der entgegen. Du nahmst ihr gegenüber auf einem der Hocker Platz. „ Du bist früh dran." Du nicktest. „Hübsche Kratzer übrigens." Du zeigtest auf die Kapuze wo Niji es sich inzwischen bequem gemacht hatte und döste. „Katze.", meintest du nur knapp. „Wenn du willst kannst du jetzt schon anfangen und die Gläser abtrocken damit ich hinten im Büro noch was klären kann." „Geht klar." Mit einem Satz warst du über der Theke und schnapptest dir das Handtuch. Rex verzog sich nach hinten. Du warst schon öfters einfach vorbei gekommen und Rex hatte immer was zu tun für dich, außerdem zahlte sie gut. Du begannst die Gläser abzutrocknen. Kurze nachdem du begonnen hattest kamen mit lautem Gegröle Piraten in die Bar und das um zwei Uhr! Innerlich schütteltest du den Kopf, du warst ohnehin kein großer Alkoholfan aber wie man um 2 Uhr nachmittags, damit beginnen konnte sich alkoholische Getränke hinter die Binde zu kippen war für dich wirklich unverständlich.

Außer dir und Rex war zurzeit noch Pyon anwesend, eine Blondine die hier als Kellnerin arbeitete und teilweise mit dir zusammen als Rausschmeißerin fungierte wenn Rex gerade anderweitig beschäftigt war. Die Kraft der beiden war beeindruckend und zusammen konnten sie ganz schön furchteinflößend sein.
Nachdem Rex von deinem „Geheimnis" erfahren hatte, hatte sie auch begonnen dich zu trainieren mit der Begründung dass auch Frauen sich wehren können mussten und du das nicht konntest. Jetzt konntest du zwar stolz von dir behaupten stärker geworden zu sein allerdings hattest du dir auch ein Menge blaulilaner Flecken eingehandelt. Pyon hatte inzwischen die Bestellung aufgenommen und kam grinsend zu dir. „Rum. Wie üblich.", kommentierte sie schmunzelnd die Bestellung. Mit geübten Handgriffen machtest du die Bestellung fertig, die Pyon daraufhin zu den Piraten brachte.

Die Blondine kam wieder zurück zu dir und setzte sich die gegenüber auf einen Barhocker. „Und Jin weißt du schon wann du von der Insel verschwindest?" Du schütteltest den Kopf, bis jetzt gefiel es dir hier ganz gut. Deine Gedanken reisten zu den Orten an denen du davor warst. Hier gefiel es dir definitiv besser. „Jin", quengelte die Blondine und riss dich aus deinen Gedanken, manchmal benahm sie sich wirklich wie ein Kleinkind. „Ignorier mich nicht, Jin.", beleidigt plusterte sie ihr Backen auf, während sie dir gegenüber auf dem Hocker rumhampelte. „Jin!" Du grinstest. Es war ziemlich lustig ihr zuzuschauen während sie versuchte deine Aufmerksamkeit zu kriegen obwohl sie sie eigentlich schon besaß. Während Pyon weiter „Jin" quengelte drifteten deine Gedanken dann wieder ab. Kurz nachdem du von Zuhause weggegangen beziehungsweise abgehauen warst, hattest du dir den Namen Jin zugelegt. Wenigstens hattest du dich in den letzten drei Jahren an ihn gewöhnt, am Anfang hattest du nicht reagiert wenn man dich so nannte was einige Komplikationen hervor gerufen hatte , die nicht unbedingt angnehm waren.
Pyon war inzwischen dazu übergegangen dich böse anzugucken. Du rolltest mit den Augen. „Sag doch einfach was du willst ich hör dir schon zu.", brummtest du leicht amüsiert über ihren „bösen" Blick. Sie grummelte. „ Du weißt doch die Diebin, die hier in letzter Zeit ihr Unwesen treibt, anscheinen hat sie wieder zugeschlagen und diesmal einen von der Marine beklaut mit anschließender Verfolgungsjagd.", erzählte sie dann aber mit strahlenden Augen. Es war schon unterhaltsam zu sehen wie begeistert die Blondine war, ohne zu wissen dass der Grund für ihre Begeisterung ihr gegenüber stand. „ Ich will sie unbedingt mal kennen lernen.", schloss Pyon ihren Vortrag dem du dann doch nicht wirklich zugehört hattest, aus dem Grund das es dir irgendwie peinlich war lauter Lobhudeleien über dich selbst zu hören. „Vielleicht ist sie näher las du denkst und jetzt mach deinen Job.", meintest du und zeigtest auf die Leute die gerade zu Tür herein kamen. Pyon brummte kurz, streckte dir die Zunge raus und machte sich an die Arbeit.

In den nächsten Stunden füllte sich die Bar immer weiter und Raven und Calypso, die anderen Kellnerinnen, trudelten auch ein. Je voller es wurde desto lauter wurde es auch. Zu dem Geruch von Tabak und Alkohol gesellte sich auch noch der Geruch nach Schweiß. Rex war aus dem Büro zurück und arbeitete nun mit dir hinter dem Tresen. „Oh mein Gott, oh mein Gott.", quietschte es plötzlich neben dir los. Mit hochgezogener Augenbraue schautest du zu Calypso, die aufgeregt auf und ab wippte und dadurch die Perlen in ihrem lockigen Haar zu klacken brachte. „ Was zu Hölle ist den jetzt mit dir kaputt.", wolltest du wissen. „Da ist Eustass ‚Captain' Kid." Du warfst einen Blick in die Richtung in die sie zeigte und Tatsache, der gleiche rote Haarschof wie heute früh blitzte dir entgegen. „Und?", wolltest du jetzt von Calypso wissen. „Er ist so cool.", seufzte diese nur. Entgeistert starrtest du sie an. „Nicht dein Ernst!?" „Doch er ist so männlich und.." „Männer haben es so an sich männlich zu sein.", sagtest du spöttisch. Sie schaute dich beleidigt an. „ Du bist so unsensibel." Du zucktest mit den Schultern. „ Passiert." „War ja klar dass du das als Mann nicht verstehst.", meinte sie schnippisch. Du rolltest mit den Augen. Als Frau verstandest du das auch nicht aber das musstest du ihr ja nicht auf die Nase binden. „Oi Jin, spiel mal Kellner und schwing deinen Knackarsch rüber zum Rotschopf.", meinte Rex und gab dir einen Klaps auf den Hintern. „Erstens: warum ich? Ich bin Barkeeper! Zweitens: Pfoten weg von meinem Hintern!" „Dein Hintern ist halt geil da bietet sich so was an." Sie grinste. „Und du sollst gehen weil ich nicht will das eines der Mädchen dumm angemacht wird. DIE Jungs kann ich nämlich nicht so einfach rauswerfen. Und auch wenn es manchen," Ihr Blick wanderte zu Calypso. „sogar recht wäre, ich hab auch keine Lust auf irgendwelche Triaden von Calypso oder sonst wem weil sie schlecht behandelt wurden." „Dir ist schon klar das ich eigentlich auch ein Mädchen bin, oder?", wolltest du leicht genervt wissen. „Jep, tu ich aber gerade bist du ein Kerl von daher hast du nichts zu befürchten außer einer ist schwul." Und damit schob sie dich durch eine kleine Klapptür hinter dem Tresen hervor.

Leicht an genervt schnapptest du dir also einen Block und stiefeltest zu den Piraten rüber. Du bemühtest dich um ein Lächeln aber das endete wohl eher in einer Grimasse als liest du es bleiben. „Was kann ich euch bringen?" Kid's Blick lag jetzt auf dir. Hätte er Augenbrauen gehabt, wäre eine wohl spöttisch hochgezogen gewesen. „Ach der Barkeeper bedient uns Höchstselbst, wie kommen wir zu der Ehre?", seine Stimme triefte nur so vor Sarkasmus, du entschiedest dich um deiner Gesundheit willen diesen Umstand zu ignorieren und antwortetest möglichst neutral: „Anscheinend macht sich die Barbesitzerin Sorgen das ihr die Mädchen…verschrecken könntet." Ein Grinsen breitete sich auf den Lippen Kid's aus. Trug der ernsthaft Lippenstift? „Ach und bei dir macht sie sich keine Sorgen oder wie?", wollte er spöttisch wissen. „Nicht solange ihr nicht schwul seid.", gabst du knapp zurück. Er brach in lachen aus. Irgendwie provozierte er dich, durch seine Haltung, sein Verhalten und durch seinen ganzen Charakter. Der einzige Grund warum du deine doch recht große Klappe hieltest, war das du nun mal doch an deine Leben hingst, so scheiße es auch manchmal war. Deine Lippen waren fest zusammengepresst während du weiter den lachenden Piratenkapitän fixiertest. Das erste was die jetzt auffiel war das er kein Oberteil trug das Zweite das seine Fingernägel schwarz lackiert waren. Du liest deinen Blick über die Gruppe schweifen, der blauhaarige Zombie, die Riesenkakerlake, wobei es eher eine Riesenkakerlake gekreuzt mit einer Domina war den Klamotten nach zu urteilen, und noch ein paar andere die du noch nicht gesehen hattest, zum Beispiel ein Typ mit buntem Irokesen schnitt, sowie nicht zu vergessen der dir schon bekannte Maskentyp der dich anzustarren schien, jedenfalls war seine Maske in deine Richtung gedreht. Pumuckel hatte sich jetzt auch wieder eingekriegt und gab die Bestellung auf. Schleunigst stapftest du zurück zu Bar und gabst die Bestellung an Rex weiter.

Calypso warf dir einen zornigen Blick zu, vermutlich weil sie gerne ihren ach so tollen Feuermelder bedienen würde. Bevor du ich noch sagen konntest das sie den Job liebend gerne haben könnte, bekamst du von Rex die fertige Bestellung in die Hand gedrückt und wurdest, mit einem Wink Richtung Kid-Piraten, losgeschickt. Innerlich dein Karma und alles vergleichbare verfluchend, schlängeltest du dich also wieder an den anderen Tischen vorbei zu Kid und Co. Du stelltest die Getränke ab und wolltest gerade gehen als du am Handgelenk gepackt wurdest. „Du bleibst hier Kleiner. Du bist unterhaltsam." Kleiner?! Unterhaltsam?! War der Typ schon besoffen hergekommen? Deine Gedanken fuhren Karussell. Mit einem Ruck bei dem dachtest dein Schultergelenk würde rausspringen, wurdest du neben Kid auf's Sofa gezogen wo dir ein Krug mit Rum in die Hand gedrückt wurde. Dein einziger Gedanke: Hilfe?!