„Meister Freylis, hört mich endlich an", tobte Banyumanik.
„Ich habe dir zu lange zugehört. Du denkst nur an dein Vergnügen. Ich möchte keinen Schüler, von dem sicher ist, dass er den dunklen Pfad beschreitet."
Diese Worte hatten gesessen, denn Banyumanik verstummte und trottete niedergeschlagen hinter ihrem Meister her.
Trotz stieg in ihr hoch. Die anderen Jedis durften alle dahin gehen, wo sie wollten. Sie durfte niemals etwas. Sie hatte sich mit Hilfe ihrer Freundin Varesh hinaus geschlichen und wollte nur einmal das Nachtleben genießen. Das war doch nichts Verwerfliches. Sie war eine junge Frau. Und nicht nur ein Padawan.
„Du handelst zu schnell, du urteilst zu schnell und du denkst nicht genügend nach. Das sind Dinge die einen Sith charakterisieren, aber nicht einen Jedi", sagte Meister Freylis schließlich.
Vor ihnen erschien nur die Jedi Enklave, die nun in völliger Stille dalag.
„Der Rat tagt jetzt gleich. Du wirst dich zu verantworten haben. Und ich auch. Danke dafür", grollte er missmutig.
„Ich habe doch nichts schlimmes gemacht", rief Banyumanik. „Ich wollte nur einfach mal raus. Ihr habt selbst gesagt, wir sollen wissen, was draußen vor sich geht."
„Ich habe aber nicht gesagt, dass sich die Padawans dem nächsten Ganoven an den Hals werfen sollen. Hast du nicht gesehen was er war? Habe ich dich gar nichts gelehrt?"
„Aber ich wollte doch nichts schlimmes."
„Natürlich nicht. Nur rumhuren und saufen, wie eine Cantina Tänzerin."
Banyumanik war bei seinen letzten Worten rot angelaufen und biss sich auf die Lippen. Ja was hatte sie eigentlich gewollt? Sie wünschte sich weit weg, irgendwohin wo niemand sie überwachte oder ihre Handlungen beurteilte. Spaß war nichts, wofür man sich schämen musste.
Sie erreichten schließlich das Tor der Enklave und Banyumaniks Meister machte eine knappe Handbewegung.
„Nach dir. Mir ist es lieber, zukünftig die Türe hinter dir zu schließen."
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Atton knipste die Lichter seines Appartements an. Was für eine seltsame Nacht. Er musste unbedingt runter von diesem Jedi Planeten. Wenn sie herausfanden, was er war, dann wäre Exekution wohl noch das Netteste was ihnen einfallen würde. Und jetzt hatte er ausgerechnet diese Jedi Schülerin am Hals. Er hatte ihr seinen richtigen Namen genannt. Was für ein Trottel war er gewesen. Vermutlich würden sie morgen schon Jagd auf ihn machen. Banyumanik würde wohl alles tun um ihre Haut zu retten. Ihm blieben vermutlich gerademal einige Stunden, dann musste er verschwunden sein.
Hektisch warf er all seinen Kram zusammen, doch irgendetwas hielt ihn zurück.
Seine Gedanken drehten sich. Wenn er verschwand, dann wussten die Jedi, dass er etwas zu verbergen hatte.
„Scheiß Idee", grollte er vor sich hin und ließ sich auf sein Bett sinken.
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„Banyumanik Corell, Ihr wurdet vor den Rat der Jedi gerufen, damit wir über Euch und Euer Verhalten richten können."
Banyumanik betrachtete sehr genau ihre Stiefelspitzen. Das war Meister Vrook der da gesprochen hatte. Sie kannte ihn gut, er lehrte in ihrer Klasse Verteidigungstechniken.
„Ist es korrekt, dass Ihr heute in Begleitung eines stadtbekannten Gauners aufgegriffen wurdet?"
Die kalte eisige Stimme kannte Banyumanik auch: Sie gehörte Atris, der Archivarin. Und sie wusste, dass Atris sie hasste.
„Ja", sagte sie leise.
„Ist es ebenfalls korrekt, dass Ihr heute die Cantina im Ort besucht habt, um dort Pazaak zu spielen?", drang Atris Stimme weiter auf sie ein.
„Ja."
„Und gehe ich richtig in der Annahme, dass dabei eine Menge Alkohol geflossen ist?"
„... Ja."
Wenn sie es genau betrachtete, dann musste sie sich wirklich schämen.
„Doch nicht nur das", fuhr Meister Vrook fort. „Ihr habt, obwohl Ihr mit dem Jedi Kodex durchaus vertraut seid, Euch einem Fremden anvertraut, auf eine weit intimere Art, als Worte es könnten."
Meister Freylis hatte kein Wort gesagt, doch er war bei den Anschuldigungen des Jedi Rats zusammengeschrumpft. Banyumanik wusste, dass er es persönlich nahm, was sie angestellt hatte. Immerhin war sie sein Padawan.
Die dritte Stimme war neu. Sie musste Meister Kavar gehören, doch Banyumanik hatte noch nie mit ihm gesprochen.
„Hinzu kommt außerdem, dass Ihr Euch aus der Akademie hinaus geschlichen habt. Vermutlich nicht ohne Hilfe."
Banyumanik biss sich auf die Lippen. Natürlich hatte sie Hilfe gehabt, aber sie würde den Teufel tun und Varesh verraten. Und Atton auch nicht, fügte sie bei sich hinzu.
„Nennt mir den Namen eures Helfers und des Rumtreibers", verlangte Atris herrisch zu wissen.
Banyumanik sah sie nun zum ersten Mal an. Atris Wesenszüge hätten viel besser zu einer Sith gepasst, darüber witzelten alle Padawane. Atris war nicht nur hochmütig, sie war nahezu arrogant und außerdem ganz schön gemein. Sie hatte Banyumanik und Varesh gezwungen, sämtliche Archive abzustauben, nachdem Banyumanik mit ihren Marmeladenfingern in eines hinein gegrapscht hatte.
Sie schwieg also und sah Atris fest in die Augen. Ihr Mund verzog sich zu einer schmalen Linie und machte deutlich, dass sie kein Wort aussprechen würde.
„Schön", fuhr Atris auf. „Ich denke dass Euer Lehrer sich dennoch gut genug an den Rumtreiber erinnern wird."
Meister Freylis nickte grimmig, während Meister Vrook nun die Treppenstufen zu ihr hinab gekommen war.
„Mädchen, Ihr seid stark in der Macht. Doch so schwach ist Euer Körper, dass ich kaum glaube, dass Ihr es jemals zu einem Jedi Meister bringen werdet."
„Ich bin nicht schwach", zischte Banyumanik. „Ich sehe nur keine Weisheit darin, dass Ihr uns gegen alles abschirmt, was es in der Galaxie gibt. Wie sollen wir jemals wissen, was uns erwartet? Was geschehen kann?"
Atris hob eine Augenbraue und schritt nun ebenfalls auf sie zu.
„Dummes Mädchen. Die Weisheit der Älteren ist wohl kaum etwas, an dem gerade Ihr zweifeln solltet. Wie oft hat Euch Euer Meister aus sämtlichen schlimmen Situationen befreit?"
Banyumanik sah an ihr vorbei. Gut, Meister Freylis hatte ihr oft geholfen, aber...
Die Archivarin fuhr ungerührt fort.
„Lasterhaftes Betragen ist ein Kennzeichen der Charakterschwäche. Verführung ist der Weg zur dunklen Seite und wie mir scheint, ist das genau Euer Weg."
„Ist es nicht", presste sie zwischen den Zähnen hervor.
Atris lachte.
„Zorn, mein junger Padawan, führt ebenfalls den dunklen Pfad hinab."
Damit verließ sie den runden Saal und Banyumanik fand sich nun Meister Vrook gegenüber, doch Meister Kavar ergriff nun das Wort.
„Banyumanik Corell, der Rat der Jedi verurteilt Euch dazu Eure Ausbildung ein Jahr zu verlängern. Ihr werdet weiterhin ein Padawan bleiben und nicht an der Prüfung teilnehmen. Ebenfalls entbinde ich Meister Freylis von seinen Pflichten als Euer Lehrer."
Sie wollte protestieren, doch er schnitt ihr das Wort ab.
„Der Jedi Rat wird Euch einen neuen Lehrer erwählen, der für diese Aufgabe besser geeignet zu sein scheint. Dies ist Eure letzte Chance. Und sie wird Euch nicht aus Mildtätigkeit gewährt, sondern aus Gründen der Sicherheit. Seit gewarnt, dies war Euer letzter Fehltritt."
Banyumanik zuckte zusammen, als wäre sie geschlagen worden.
„Ebenso werdet Ihr vier Wochen unter Arrest verbringen. Diese werdet Ihr zum Meditieren nutzen. Wir werden den Kerl ausfindig machen und er wird sich vor dem Rat der Jedi verantworten müssen. Ebenso bestrafen wir Varesh Torque für ihre Mittäterschaft. Sie wird ebenfalls unter Arrest gestellt. Ihr dürft nun wegtreten. Meister Freylis wird Euch in die Arrestzelle bringen."
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Banyumanik rauchte immer noch vor Zorn, wenn Sie an das Konzil dachte. Dämliche alte Spinner, ging es ihr durch den Kopf. Sie hatte nichts anderes gemacht, als das was andere Mädchen in ihrem Alter taten. Ein bisschen zu viel getrunken und ein bisschen geküsst, was konnte um Himmels Willen daran so falsch sein?
Sie saß im Garten der Akademie an einem kleinen, eingeengten Platz unter den Wachen Augen von Atris. Denn das, und das empfand Banyumanik als größte Demütigung, war das schlimmste: Man hatte Atris zu ihrer Lehrmeisterin gemacht und die schien sich nur darum zu scheren, wie sie ihr das Leben zur Hölle machen konnte.
Wenn Sie nicht ihre Stunde im Garten zur Meditation nutzte, dann saß sie entweder abgeschirmt in ihrer Arrestzelle oder saß, ebenso abgeschirmt, in den staubigen Jedi Archiven und musste Daten sortieren. Eine langweilige, ermüdende Arbeit.
„Der Rat trifft sich. Du wirst in zehn Minuten von selbst in deiner Arrestzelle sein, ohne dass dich jemand abholen muss. Ich werde das überprüfen", rief Atris ihr vom Eingang des Gartens zu und verschwand dann im Inneren des Gebäudes.
Für Höflichkeiten ihr gegenüber, war Atris sich, seit dem letzten Ratstreffen, zu fein.
Banyumanik atmete aus. Es war als wäre eine Anspannung von ihr genommen worden. Doch trotzdem war die Frau präsent, das Band, das Lehrer und Schüler verknüpfte, war allgegenwärtig. Sie nahm jede ihrer Bewegungen durch die Macht wahr.
Wie um ihr zu entfliehen begann sie damit, auf die Mauer des Gartens zu klettern um endlich wieder mehr von Dantooine sehen zu können.
„Brich dir nicht den Hals", sagte eine ihr sehr vertraute Stimme.
Ihre Augen weiteten sich.
„Wie kommst du hier her, Atton?"
Er zuckte nur lässig die Schultern.
„Keine Ahnung. Ich hatte wohl einfach ein wenig Angst davor, was sie mit dir angestellt haben könnten. Dein Meister sah ziemlich wütend aus."
Banyumanik wurde rot.
„Es tut mir sehr leid, was da passiert ist. Ich weiß nicht, was da mit mir durchgegangen ist. Aber du musst verschwinden. Sie suchen nach dir."
„Lady, ich stehe auf den Listen von sieben verschiedenen Kopfgeldjägern, ich habe während der mandalorianischen Kriege gedient und ich glaube die Jedi sind so ziemlich die letzten, vor denen ich mich fürchten müsste."
Banyumanik begann zu lachen.
„Das glaubt dir doch kein Mensch, Schmuggler."
Er grinste jedoch.
„Schmuggler? Ich hielt dich für wesentlich klüger."
Sie fühlte eine Wärme in sich aufsteigen, als sie sein Lächeln sah, die sie nie für möglich gehalten hätte, doch gleichzeitig bekam sie es mit der Angst zu tun. Er sollte verschwinden.
„Atton, ich muss gehen. Atris wird kommen und..."
Sie wandte sich zur Akademie hin und atmete tief durch.
„Verschwinde einfach."
Doch zu ihrem Erstaunen, grinste Atton sie nur an, wie der Schuft, der er wohl vermutlich war und sagte: „Auf Wiedersehen, kleiner Padawan."
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Auf dem Weg zurück zu seinem Appartement fragte sich Atton nun bereits zum hundertsten Male, was ihn da geritten hatte. Wieso beantwortete er jedes Mal alle ihre Fragen? Und dann auch noch Wahrheitsgemäß. Er hätte ihr sagen sollen, dass er zufällig dort unterwegs war. Und er hatte ihr schon gar nicht klarmachen wollen, dass er sich um sie sorgte. Seit drei gottverdammten Wochen. Und wenn er irgendetwas mehr fürchtete, als Kopfgeldjäger dann waren das natürlich Jedi. Er vermutete, dass wenn es eine Liste gäbe, er wohl so ziemlich weit oben stünde, und das nicht weil er ein Techtelmechtel mit einem Padawan hatte.
Er versuchte die Gedanken zu verscheuchen, doch nichts wollte funktionieren, nicht einmal Pazaak. Vermutlich musste das gerissene Biest einen ihrer Jedi Tricks an ihm ausprobiert haben. Auch wenn sie nicht so ausgesehen hatte, als benutze sie die Macht, so konnte er doch nie sicher sein.
„Verdammte Jedi...", murmelte er vor sich hin, „alle gleich."
Trotzdem war Banyumanik anders. Er konnte nicht mit dem Finger darauf deuten, doch sie war einfach anders. Vielleicht weil sie offenbar nicht viel vom Kodex der Jedi hielt.
Er hatte verschwinden wollen, doch auch wenn seine Sachen immer noch gepackt waren, so konnte Atton nicht einen Fuß vor die Tür setzen, ohne automatisch den Weg zur Enklave einzuschlagen. Eigentlich hatte nur ein Gedanke Platz in seinem Kopf: Er musste sie wiedersehen.
