Erschöpft und völlig überfordert ließ sie sich auf ihr Sofa fallen. Das war vielleicht ein Tag gewesen!

Mit geschlossenen Augen saß sie nun alleine in ihrer Suite und versuchte sich ein wenig zu beruhigen, was ihr wirklich schwer fiel.

Diesen Tag konnte sie nur zu gerne aus ihrem Leben streichen. Sie würde ihn definitiv nicht vermissen oder noch einmal erleben wollen.

Bei dem ganzen Glück, das sie im Leben hatte, war das wirklich nicht nötig gewesen. Was hatte sie Merlin nur angetan, dass er sie so sehr bestrafte?

Eigentlich hatte der Tag doch so schön werden können. Okay, das Aufstehen war nicht wirklich toll verlaufen, aber das Treffen mit dem Team. Naja, eigentlich nur die erste halbe Stunde war in Ordnung gewesen.

Dann war alles irgendwie in die falsche Richtung gelaufen.

Sie musste ihrem Chef eulen.

Vielleicht konnte sie noch weg und wer anders übernahm ihre Arbeit.

Sie würde sogar mit Dean tauschen und sich mit den Bulgaren treffen. Oder mit Ginny, um nach Litauen zu können.

Alles würde sie machen, nur nicht die nächsten zwei Wochen mit Pucey verbringen!

Wenn sie nur daran dachte, wie der ganze Schlamassel angefangen hatte…

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„Pucey?", keuchte sie erschrocken, als sie ihren alten Klassenkammeraden aus Hogwarts erkannte. Das konnte doch wohl nicht wahr sein. Was machte ausgerechnet Pucey, der frühere Jäger der Slytherins in Warschau? Warum ausgerechnet er?

Schon zu Hogwartszeiten mussten sie sich gegenseitig fertig machen und sich beweisen wer der bessere Jäger war und nun musste sie sich die nächsten zwei Wochen mit ihm beschäftigen?

„Was machst du denn hier Spinnet?", er schien wirklich überrascht zu sein, dass ausgerechnet sie hier in Polen war und auch noch auf seinem Feld stand.

So realistisch klang es auch wirklich nicht.

„Ihr kennt euch?", Tadeusz war schon ganz vergessen in dem ersten Moment, erst als er das Wort ergriff und verwirrt zwischen den Beiden umher schaute. Er schien es wirklich nicht glauben zu könne, genau wie die beiden Anderen auch.

„Flüchtig.", meinte Alicia sofort. Sie musste professionell sein und jetzt nicht in alte Gewohnheiten verfallen. Immerhin waren sie beide erwachsen und konnten sicher mit dieser Situation umgehen.

Dachte sie zumindest.

„Flüchtig? Spinnet übertreib mal wieder nicht. Wir waren im selben Jahrgang und Slytherin hat euch schäbige Gryffindor immer vorgeführt und das tun wir auch heute noch.", oh ja, sie merkte, wie erwachsen er doch geworden war und dass sie wirklich stolz auf sich sein konnte, weil sie nun mal erwachsen geworden war.

„Vorgeführt? Pucey, wer hat denn den Quidditchpokal in den Jahren gewonnen? Und wer von uns hatte Potter?", sehr erwachsen.

„Ach Potter. Unser Lehrerliebling. Liebling der Welt. Wenn ihr den nicht hättet, dann hätte euch auch keiner mehr helfen können.", dieses Gespräch wurde wirklich immer besser.

„Ihr seid doch nur neidisch gewesen! Ihr hättet ihn nur zu gern für euer Team gewollt. Doch wir haben ihn gekriegt.", was die Jahre doch aus einem Menschen machten.

„Neidisch? Träum weiter Spinnet!", er hatte sich nicht verändert.

„Träum du doch wie es mit Potter gewesen wäre!", sie sich aber auch nicht.

„Pah!", bei dem Wort waren sie sich einig, als sie es gleichzeitig aussprachen und sich beleidigt wegdrehten.

Tadeusz stand ein wenig perplex daneben und wusste nicht, was er sagen sollte. Zumal hatte er nur die Hälfte des Gesprächs verstanden, wusste aber mit Sicherheit, dass die Beiden keine Freunde waren.

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Das Klopfen an ihrer Tür holte Alicia wieder aus der Vergangenheit in die Gegenwart. Seufzend und vollkommen ausgelaugt, stand sie auf und ging zur Tür.

Ohne großartig zu fragen, öffnete sie diese und entdeckte einen lächelnden Marek, der jedoch sofort damit aufhörte, als er ihren Gesichtsausdruck sah.

„Pani Spinnet!", meinte er erschrocken. Sah sie denn so schrecklich aus? „Geht's Ihnen gut?", fragte er sie besorgt. Anscheinend schon.

„Nennen Sie mich doch nicht immer ‚Pani Spinnet'. Alicia reicht.", kam auch die Antwort und sie zeigte ihm mit der Hand, dass er reinkommen sollte.

„Nur, wenn Sie mich nicht mehr Siezen.", stellte er die Bedingung und sie nickte. „Das gilt für dich aber auch Marek.", lächelte sie leicht und schloss die Tür hinter ihm.

„Was wollen- ich meine: Was willst du essen?", achja, sie hatte ja an der Rezeption bescheid gesagt, dass sie Marek hochschicken sollten, da sie Hunger hatte. Sie war wirklich weg mit ihren Gedanken gewesen.

„Bring mir einfach irgendwas. Ich brauch einfach was zum Essen. Ach der Preis ist egal, mein Chef zahlt alles.", meinte sie erschöpft und ließ sich wieder auf ihrem Sofa fallen.

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„Und wenn ich raus finde, dass du total Dreck über mich schreibst, dann gnade dir Merlin!", mit seinem feindseligen Blick traktierte er sie von oben nach unten. Diese Spinnet machte sicher nur Ärger. Gerade jetzt, wo er so erfolgreich war, kam sie und schrieb womöglich schlecht über ihn. Das konnte dann wirklich sein Aus in der Mannschaft bedeuten.

„Ich werde nur die Wahrheit über dich schreiben, Pucey!", gab sie trotzig zurück und streckte ihm die Zunge raus. Was dachte sich dieser eingebildete Kerl eigentlich wer er war? Dachte er, dass sie nur positives über die Mannschaft schrieb, oder was? Mit ihm als Jäger konnte doch nur was Negatives rauskommen.

„Pass auf Spinnet! Treib es ja nicht zu weit!", nun klang es wirklich wie eine Drohung, worauf sie nur die Augenbraue hochzog.

„Sonst was?", kam es direkt herausfordernd zurück. Er schien einen Moment zu überlegen bevor er ihr antwortete.

„Das wirst du dann schon sehen.", mit den Worten drehte er sich von ihr weg. Galant stieg er auf seinen Besen und stieß sich kräftig mit den Füßen vom Boden.

Grummelnd und mit verschränkten Armen starrte sie ihm hinterher.

„Waren Sie mal ein Paar?", überrascht schaute Alicia nach rechts, wo der Trainer sie komisch musterte. Ein Paar?

„Wie kommen Sie denn darauf?", meinte sie erschrocken. Ein Paar? Sie und Pucey?

„So wie Sie sich gerade angemacht haben, kann man darauf schließen.", erklärte er ihr.

Ein Paar ? Das war doch wirklich ein schlechter Scherz! Nur weil Katie eine glückliche Beziehung mit Montague führte, musste sie doch auch nicht direkt was mit Pucey haben!

„Nie und nimmer. Wir waren und sind noch immer Todfeinde.", erklärte sie und schaute wieder hoch zum Feld.

Mittlerweile war ihr die Situation wirklich peinlich. Sie sollte doch professionell sein und über so was drüber stehen. Und stattdessen hatte sie ihren Gefühlen freien Lauf gelassen und war so in ihre alte Art und Weise zurückgefallen.

Wirklich sehr peinlich.

„Ich habe noch nie gesehen, dass jemand so mit Adrian redet.", meinte Tadeusz nach einiger Zeit leise und grinste leicht. Verwundert schaute Alicia von ihrem Pergament hoch.

„Er lässt sich von niemandem was sagen. Nur von mir. Aber auch nur, wenn es um Quidditch geht, sonst nicht.", meinte er und fing plötzlich an zu lachen. Ja, es konnte sicherlich noch sehr lustig mit dieser Alicia Spinnet werden.

„Seit er hier vor knapp zwei Jahren angefangen hat, hatte er nie etwas mit seinem Team außerhalb des Feldes zu tun. Er kann wirklich berufliches und privates voneinander trennen.", gespannt lauschte sie seiner Erzählung.

„Er ist ein wirklich exzellenter Jäger, ohne Frage. Doch wie er als Mensch außerhalb des Feldes und der Kabine ist, kann ich wirklich nicht sagen. Ich weiß nichts über ihn.", schloss er seinen Monolog und pfiff einmal durch seine Pfeife.

„Bildet zwei Teams und spielt!", schrie er.

Alicia schaute interessiert hoch zu den Spielern und ihr Blick blieb an Pucey hängen.

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„Und dann hab ich mich vor den Augen des Warschauer Quidditchtrainers mit ihm gestritten! Ich habe mich wie eine 16-jährige aufgeführt. So, als wären wir immer noch in Hogwarts und würden Rivalen sein.", frustriert aß Alicia nun ihr zweites Schokoladeneis und schüttete Marek ihr Herz aus, der schweigend neben ihr saß.

„Ich habe noch nie gehört, dass jemand sich lauthals mit Adrian Pucey stritt. Man weiß über jeden Spieler des Teams was privates, nur über ihn nicht.", erklärte ihr Marek und war wirklich verblüfft. Er hätte nicht gedacht, dass Alicia so eine Person war, die es mit ihm aufnahm.

„Was soll denn jetzt Tadeusz von mir denken? Eine überhebliche Londonerin kommt nach Warschau und streitet sich direkt mit dessen Topjäger.", noch frustrierter löffelte sie weiter.

„Ach, mach dir nicht solche Sorgen! Wenn es schlimm gewesen wäre, dann hätte Nowak dich vom Feld schmeißen lassen. Und außerdem hat er doch gelacht, also mach dir keine Gedanken.", versuchte er sie aufzumuntern.

„Ach es wird aber noch schlimmer…", fing sie daraufhin an.

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„Klasse gewesen heute, Jungs!", der Trainer klatschte mit jedem einzelnen ab und klopfte ihm auf die Schulter.

„Dann würde ich sagen: Mittagessen und danach geht's weiter!", die Spieler stimmten lachend zu.

„Alicia, ich möchte, dass Sie uns begleiten. Wir laden Sie natürlich ein.", meinte Tadeusz dann zu ihr, worauf sie den Kopf schüttelte.

„Ach nein, machen Sie sich keine Umstände. Ich kann auch einfach nach dem Essen wiederkommen.", fing sie an, doch einer der Spieler ergriff das Wort.

„Alicia, bitte begleiten Sie uns.", er schaute sie mit Rehaugen an, und alle anderen, bis auf Pucey, taten es ihm nach. Wie sollte eine Frau da noch widerstehen?

„Okay, okay.", jubelnd gingen die Spieler in ihre Kabine, duschten sich und zogen sich um.

„Sie haben die Jungs wirklich um den kleinen Finger gewickelt. Liegt wohl daran, dass Sie sich mit Adrian über den ganzen Platz angeschrien haben.", nun musste sie einfach knallrot anlaufen vor Scham. War es wirklich so laut gewesen, dass alle es mitbekommen hatten?

„Ach machen Sie sich keine Sorge. Es ist nicht schlimm. Es ist einfach mal eine schöne Abwechslung, wenn man Adrian in solch einem Eifer sieht.", meinte er, klopfte ihr auf die Schulter und ging dann zusammen mit ihr wieder vom Feld.

Stillschweigend gingen sie Beide die langen Flure bis zum Ausgang, wo David schon auf sie wartete.

„Entschuldigen Sie mich bitte.", meinte sie kurz zu ihrem Begleiter und rannte zu David, der an seinem Auto gelehnt stand und auf sie wartete. Als er sie erblickte, lächelte er ihr charmant zu und wollte schon die Tür öffnen, doch sie schüttelte den Kopf.

„Das Team hat mich zum Essen eingeladen.", erklärte sie ihm, worauf sein Lächeln verschwand.

„Sie haben drauf bestanden, dass ich sie begleite und danach werde ich ihnen weiter beim Training zuschauen und meine Informationen weiter sammeln.", meinte sie.

„Okay. Wann soll ich Sie dann heute Abend abholen?", fragte er sie wieder lächelnd. Nun fiel Alicia erst auf, wie gut David eigentlich aussah. Heute Morgen schien sie wirklich zu viele andere Dinge im Kopf gehabt zu haben.

„Es wäre wirklich am Besten, wenn ich Sie anrufen würde, weil ich Ihnen jetzt keine genaue Zeit sagen will. Am Ende stehen sie dann hier und müssen noch Stunden auf mich warten.", es wäre wirklich nicht in Ordnung ihn draußen warten zu lassen.

„Dann müssten Sie meine Nummer schon haben dafür und ich Ihre, falls was dazwischen kommen sollte.", versuchte er gerade mit ihr zu flirten, oder warum lächelte er sie so vielsagend an?

Ohne weiter drüber zu nachzudenken, tauschte sie mit ihm Handynummern und verabschiedete sich von ihm, da das Team auftauchte.

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„David? Kenn ich nicht. Aber wäre er denn was für dich?", fragte Marek nachdem er ihr das dritte Eis besorgt hatte. Sie schien wirklich deprimiert zu sein. Was konnte denn noch passieren, dass es zu so viel Eis kommen musste?

„Ist doch auch egal. Der war ja nicht mein Problem. Er sieht aber auch wirklich gut aus.", schnell hatte sie wieder ein Lächeln auf den Lippen.

„Und was ist noch so schreckliches passiert?

Sofort verwandelte sich ihr Lächeln und sie löffelte weiter ihr Eis.

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„Und du spielst praktisch schon dein ganzes Leben für diese Mannschaft?", fragte Alicia verblüfft.

„Naja, ich habe mit 7 Jahren in der Jugendmannschaft gespielt und seitdem hab ich mich hochgearbeitet.", meinte Darek und zeigte auf Mateusz und Adam. „Die Beiden Kindsköpfe auch, nur so zur Info.", lachte er und die anderen Beiden grinsten sie an.

„Sag mal, willst du über unsere frühen Quidditchjahre berichten oder worüber genau?", fragte Adam sie und alle wurden hellhörig. Am Meisten jedoch Adrian Pucey, der ihr gegenüber saß. Wenn es um die Anfänge ging, und sein Anfang war in Hogwarts. Den Anfang hatte sie persönlich miterlebt. Sie waren damals gleichzeitig in die Mannschaften gekommen und hatten auch direkt im ersten Spiel Probleme miteinander.

„Ach das werde ich sehen. Ich sammle erst einmal Informationen und werde dann sehen, was ich alles über euch berichte.", winkte sie ab. Ihr Blick fixierte Pucey, der es ihr gleichtat.

Sie hatte ihn praktisch in der Hand und das wusste er ganz genau.

„Oh mist.", alle wandten den Kopf zu Tadeusz, der über seinem Terminplaner saß und sich gegen die Stirn schlug mit der flachen Hand.

„Alles in Ordnung, Trainer?", fragte einer der Spieler vorsichtig.

„Ja, ich meine nein.", fing er an und schloss für einen Moment seine Augen.

„Das Training nach dem Essen fällt heute wohl aus.", erklärte er dann weiter. „Ich habe vergessen, dass ich das Feld heute der Jugend überlassen habe."

„Das ist doch gut Trainer. Dann machen wir heute eben was anderes. Meine Freundin wollte sowieso heute shoppen gehen mit mir.", seufzte Adam und die Anderen lachten.

„Hm. Das müssen wir dann wann anders nachholen Jungs.", meinte er jedoch streng und alle grummelten rum. „Ich habe euch nicht verstanden.", fügte er nochmals dran und bekam dieses Mal ein einstimmiges ‚Ja'.

„Tut mir wirklich Leid Alicia.", wandte er sich dann an die junge Frau, die abwinkte.

„Ach ist schon in Ordnung. Dann kann ich mich ja auf das nächste Treffen vorbereiten.", meinte sie.

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„Wenn du nach dem Essen schon frei hattest, warum bist du dann erst so spät hier?", fragte Marek sie verblüfft. Immerhin war das Restaurant, in dem sie gegessen hatte, nicht sehr weit weg vom Hotel und auch wenn sie getrödelt hätte, wäre sie früher da gewesen.

„Das ist ja gerade der schreckliche Teil der Geschichte…"

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„Danke noch mal für die Einladung.", bedankte sich Alicia zum hundertsten Mal, worauf Tadeusz abwinkte.

„Nun hören Sie aber auf. Das war Ehrensache. Sie sollen doch keinen schlechten Eindruck von uns bekommen."

„Trotzdem. Ein Dankeschön gehört einfach dazu.", verteidigte sie sich ein wenig. „Dann treffen wir uns morgen Nachmittag um halb Vier auf dem Feld.", wiederholte sie nochmals den Termin und bekam ein zustimmendes Nicken.

Zuvor hatte sie sich noch informiert wo lang sie gehen musste, um zu ihrem Hotel zu gelangen und hatte schnell gemerkt, dass es anscheinend nicht sehr weit weg war. Das Team hatte sich einige Minuten vorher von ihr verabschiedet und war nach Hause gegangen.

Fröhlich ging Alicia die Straße entlang und schaute sich alles ganz genau an. Warschau war eine wirklich hübsche Stadt, wie sie fand und war so sehr anders als London. Die Bauweisen alleine waren schon anders und auch die Menschen. Es kam ihr vor, als würde sich jeder kennen, denn alle unterhielten sich miteinander, nahmen die Menschen einfach mit sich nach Hause und sie setzten sich einfach auf eine der Bänke.

Völlig in Gedanken versunken, merkte sie nicht, wie sie mit jemandem zusammenkrachte und auf dem Hintern landete.

„Au.", keuchte sie als sie aufkam. Ihr Hintern tat ihr ein wenig weh.

„Wo anders als auf dem Boden zu sitzen, hast du auch nicht verdient.", sie kannte diese Stimme und sofort waren ihre Schmerzen vergessen.

„Pucey.", grummelte sie ihn an und sah, wie er vor ihr stand und sie angrinste.

„Du hast mich ja wiedererkannt, Spinnet.", meinte er herausfordernd.

„So eine Stimme würde ich unter hunderten erkennen.", was sie jedoch überraschte war, dass er ihr seine Hand hinhielt. Mit gerunzelter Stirn schaute sie zuerst auf seine Hand und dann auf ihn.

„Jetzt nimm schon meine Hand.", meinte er genervt und sie tat es vorsichtig.

Mit einem Ruck, der jedoch nicht zu fest war, zog er sie auf die Beine.

„Warum hilfst du mir hoch?", fragte sie überrascht und er verdrehte die Augen.

„Meinst du nicht, dass ich ein wenig Erziehung genossen habe? Mir hat man beigebracht Frauen zu helfen.", meinte er leise und ließ von ihr ab. Ohne noch was zu erwidern drehte er sich um und ging weiter.

„Hey, warte!", rief sie und folgte ihm. Ihr war es in dem Moment auch egal, dass er in eine andere Richtung ging, als sie. Sie wusste jedoch nicht, warum sie ihn in dem Moment hinterher lief.

Genervt schaute er zu ihr rüber, als sie neben ihm ging.

„Was willst du denn noch von mir Spinnet?", fragte er genervt und bog plötzlich in einen Laden ab. Ohne weiter drüber nachzudenken folgte sie ihm.

„Ich will mehr über dich wissen.", meinte sie patzig und er schaute sie geschockt an. Sie interessierte sich plötzlich für ihn? War sie krank geworden?

„Ich will nichts über dein Privatleben wissen, sondern über deine Quidditchkarriere.", verbesserte sie sich, als sie seinen Blick sah.

„Ach und deswegen verfolgst du mich in einen Supermarkt, ist klar.", meinte er und holte sich einen Einkaufswagen. „Ich hab bei mehreren kleinen Mannschaften in England gespielt und bin schließlich hier gelandet.", erzählte er monoton. „Was noch?", fragte er, während er einige Dinge wie Brot, Aufstrich, Butter und Milch in seinen Wagen legte.

„Warum gerade Warschau, Pucey? Du könntest doch in jedem englischen Verein spielen, was hat dich gerade gebracht in Polen zu spielen, wo dich keiner kennt?", fragte sie und ging neben seinem Wagen her.

„Du hast es dir selbst beantwortet, Spinnet.", sagte er ruhig. Sie standen an der Kasse und er legte seine Sachen auf das Band. „Ich spiele hier, weil mich keiner kennt.", erklärte er ihr auf ihren verwirrten Blick.

„In England hatte ich schon unter den Trainern der Vereine meinen Ruf. Hier kannte mich keiner.", er zahlte seine Sachen, bedankte sich und verstaute alles in einer Plastiktüte.

„Dich kennt hier immer noch keiner.", verbesserte sie ihn und er blieb stehen.

„Meinst du, dass das nicht besser so ist? Wenn dich keiner kennt, ist es einfacher.", sie dachte einen Moment über seine Worte nach, wurde jedoch in ihren Gedanken unterbrochen, als er ihr eine Frage stellte.

„Warum machst du das hier eigentlich?"

„Ich versteh nicht was du meinst? Ich mache nur meinen Job.", erklärte sie ihm.

„Genau das meine ich. Warum machst du so einen Mist, der dich anscheinend nicht glücklich macht.", überrascht schaute sie ihn an. Mittlerweile waren sie aus dem Laden draußen und gingen die Straßen weiter.

„Ich bin doch glücklich mit meinem Job.", versuchte sie ihm weiszumachen, doch er schüttelte nur den Kopf.

„Mich kannst du belügen, Spinnet. Aber nicht dich selbst.", sie merkte, dass sie in einer dunkleren Gasse waren und er stehen geblieben war.

„Denk mal über meine Worte nach.", meinte er und verschwand mit einem kleinen ‚puff'.

Nicht glücklich? Sie war doch glücklich! Was bildete sich dieser Kerl denn eigentlich ein? Dachte der sich doch tatsächlich ein Bild über sie machen zu können, obwohl er sie doch Jahre nicht gesehen hatte!

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„Hm. Hat er denn Recht mit seiner Behauptung?", fragte Marek sie vorsichtig, als sie das leere Eisschälchen auf den Tisch stellte und seufzte.

„Ich glaube schon und das ist es, was mich aufregt. Pucey weiß mehr über mich, als ich selbst.", erklärte sie ihm und schaute dann auf den Tisch.

„Oh, Merlin. Ich werde wohl morgen selbst ein paar Runden fliegen müssen, um das ganze Essen abzubauen.", nun war sie wirklich geknickt.

„Und warum bist du erst jetzt wieder da?", fragte er sie und sie verdrehte die Augen.

„Na, weil der Idiot mich in einer Seitengasse hat stehen lassen und ich den ganzen Weg wieder zurück musste. Ich hab mich natürlich noch verlaufen und nach dem Weg fragen konnte ich nicht wirklich, weil nicht jeder englisch versteht.", erklärte sie und wurde prompt von Marek ausgelacht.

„Danke auch.", meinte sie und stand auf. Marek räumte die restlichen Teller und Schälchen auf seinen Wagen und verabschiedete sich von ihr. Hoffentlich würde er keinen Ärger bekommen, weil er so viel Zeit bei ihr verbracht hatte.

Nachdenklich stellte sie sich ans Fenster und dachte nach.

Wieso wusste Pucey nur so was nach einem Vormittag mit ihr?