Schöne Ferien.

Die Sonne war schon aufgegangen und bahnte sich ihren Weg durch die Schlitze der Vorhänge. Harry lag in seinem Bett im Fuchsbau und schreckte aus einem unruhigen Schlaf. In letzter Zeit hatte er wieder fürchterliche Alpträume, und seine Narbe begann auch wieder auffallend oft zu schmerzen. Ein lautes Poltern aus dem Nebenzimmer hatte ihn geweckt. Nur langsam sammelten sich seine Sinne und er registrierte wo er war. Ein kurzer Schnarcher neben ihm zeigte, dass Ron noch schlief. Er tastete nach seiner Brille, die er schließlich auf dem Nachttisch fand. Vorsichtig, um Ron nicht zu wecken, stieg er aus dem Bett und schlich zur Tür.

Er öffnete die Tür und lugte auf den Gang. Dort war alles ruhig. Hatte er sich nur getäuscht? Auf einmal hörte er einen spitzen schrei von Hermine aus ihrem Zimmer.

„Nein, bitte nicht, aufhören! Hilfe!"

Harry zog sofort seinen Zauberstab und stürmte zur Zimmertür. Schon im Laufen rief er „Alohomora!" und mit einem lauten Knall sprang die Tür auf und schlug hart an die Wand. Den Zauberstab in der Hand bereit zur Verteidigung stürmte Harry in das Zimmer.

Hermine schaute ihren Freund fassungslos an. Sie hatte ein paar Federn in dem verstrubbelten Haaren und war einfach nur sprachlos. Ginny saß auf ihrem Bett und hielt sich den Bauch vor Lachen. Sie hatte immer noch ein halb zerrissenes Kopfkissen in der Hand aus dem noch immer Federn langsam zu Boden fielen.

„Was ist denn mit dir los? Bist du jetzt völlig durchgedreht?" schrie Hermine Harry an. Ginny saß nur da und bekam sich nicht mehr ein vor Lachen. Immer wieder prustete sie in das Kissen. „Das ist wirklich nicht lustig!" maulte nun Hermine auch ihre Freundin an. Doch Ginny konnte einfach nicht mehr aufhören zu lachen, was Hermines Laune nur noch verschlechterte.

„Ich dachte du wirst…" stammelte Harry verlegen und wurde immer leiser. Er fühlte sich immer mehr unwohl, warum hatte er auch so überreagiert?

„Du bist ja völlig paranoid, ich will dich heute nicht mehr sehn und jetzt sieh zu dass du verschwindest!" schrie sie ihn an. Mit ausgestrecktem Arm und wutverzerrtem Gesicht zeigte sie auf die noch immer offen stehende Tür. „Und bring das gefälligst wieder in Ordnung!" Sie zeigte auf die beschädigte Tür und rief ihm während er schon das Zimmer verlassen hatte nach.

Harry rannte zurück in sein Zimmer. Er wollte sich was anziehen und runter zum See. Er musste jetzt unbedingt allein sein. Hoffentlich war Ron nicht aufgewacht, der würde bloß dumme Fragen stellen, und auf die hatte Harry nun wirklich keine Lust mehr. Seine Hoffnungen wurden nicht erfüllt, denn Ron erwartete ihn schon, als er das Zimmer betrat.

„Hey mann was ist los? Was war das für ein Lärm und warum hat Hermine das ganze Haus zusammen geschrieen?", ahnungslos starrte Ron seinen Freund an.

„Habt ihr euch gestritten?", fragte Ron auf einmal in einem Geistesblitz.

Harry trat nach dem Bettpfosten, bereute es jedoch sogleich, da er barfuss war und zu seinem Ärger nun noch heftige Schmerzen hinzukamen. „Ja sie hat mich rausgeschmissen.", sagte Harry wütend, „und wenn ich du wäre, würde ich jetzt die Klappe halten!", fuhr er seinen Freund an.

„Ist ja gut, ich sag ja nichts!", verteidigte sich Ron und war sich keiner Schuld bewusst. Nervös beobachtete er Harry, wie der sich ein paar Sachen zum anziehen suchte, sagte jedoch nichts mehr.

Harry zog sich schell an und eilte aus dem Haus. Er wollte zum See hinunter… wieder einen klaren Kopf bekommen. Wieso war er auch so ausgerastet?

Er hatte wieder diese Träume. Von Voldemort, und immer wieder war auch Hermine dabei. Voldemort hatte sie entführt, und sie als Köder für Harry benutzt. Harry hatte fürchterliche Angst um Hermine. Was wenn es nicht bloß Alpträume waren, sondern echte Visionen?

Warum konnte er nicht ein ganz normaler Teenager sein, der auf Partys ging, mit seinen Kumpels rum hing, und sich mit seiner Freundin amüsierte? Warum war Krieg? Und warum tat jeder so, als ob es ihn nichts angehen würde? Warum war er derjenige, der immer alles richten sollte?

Seit letztem Jahr hatte sich so viel ereignet. In den Ferien hatte ihn Hermine besucht, und an seinem Geburtstag wurden sie dann ein Paar. Dann musste Hermine nach Beauxbatons und wurde dort von Anhängern Voldemorts überfallen. Harry, der ihr zu Hilfe geeilt war, musste mit ihr fliehen. Auf der Flucht gelangte er zu seinen Verwandten in den Ligusterweg und erfuhr dort, dass seine Tante eine Hexe ist. Zusammen suchten sie Schutz in Hogwarts.

Traurig warf er ein paar kleine Steine in den See und beobachtete die Ringe, wie sie sich überkreuzten und ineinander verschlangen. ‚Gott sei dank ist bald wieder Schule', dachte sich Harry, dann hätte er etwas Abwechslung, und müsste sich nicht immerzu mit seinen Ängsten rumplagen.

Inzwischen waren alle aufgestanden und gingen ihren jeweiligen Lieblingsbeschäftigungen nach, während Msr Weasley das Mittagessen zubereitete. Hermine war auf ihrem Zimmer geblieben und las einige Bücher. Sie hatte gesagt, dass sie die Hausaufgaben schon viel zu lange vernachlässigt habe und dies jetzt nachholen müsse. Sie erschien genauso wenig zum Essen wie Harry.

Es dämmerte schon als Mr Weasley Harry vermisste. „Weiß jemand wo Harry steckt?" fragte er vorsichtig in die Runde.

„Keine Ahnung, vielleicht ist er ja bei Hermine.", antwortete ihm seine Frau.

„Nein, Hermine hat sich in ihrem Zimmer eingeschlossen und will niemanden sehen.", erklärte Ginny.

Alle sahen sie verwundert an. „Ich dachte sie macht Hausaufgaben!", stieß Ron völlig verblüfft hervor.

„Ja und wo ist jetzt Harry?", versuchte es Mr Weasley noch mal, „er kann ja wohl nicht verschwunden sein. Schließlich wird er von den Auroren strengstens überwacht"

„Ich bin hier!", drang auf einmal eine Stimme in die Küche, „ich hab keinen Hunger, außerdem bin ich müde. Gute Nacht."

Harry schritt schnell und ohne sich umzusehen auf die Treppe zu. Er wollte sich nur noch in seinem Zimmer verkriechen und alleine sein, er konnte es nicht ertragen den fragen der anderen ausgesetzt zu sein.

Ohne sich umzuziehen warf er sich auf das Bett und vergrub sein Gesicht im Kopfkissen, als es leise an der Tür klopfte.

„Komm rein Ron ist schon gut, ich hab mich beruhigt.", rief er nach draußen. Er drehte sich um und blickte zum Fenster. Er wollte Ron nicht in die Augen sehen.

Jemand setzte sich auf sein Bett, so dass er sich verwundert umdrehte. Harry blickte in das verheulte Gesicht von Hermine und spürte wie sich eine Faust um sein Herz schlang. Was hatte er seiner Freundin nur angetan. Traurig und resigniert blickte er weg, langsam stiegen auch ihm Tränen in die Augen. Er wollte ihr doch nie wehtun, sie doch nur beschützen.

„Harry, wir müssen miteinander reden!" sagte Hermine mit gebrochener Stimme. Es klang fast wie ein Flüstern. „So kann es nicht weiter gehen. Ich liebe dich doch. Aber du machst mir Angst. Der Krieg ist schon schlimm genug.", sie konnte nicht weiterreden, sondern schluchzte laut.

„Aber ich hab doch so sehr Angst um dich. Ich könnte es mir nie verzeihen, wenn dir was zustoßen würde! Du bist alles was ich habe.", versuchte Harry eine Erklärung, „ich weiß selbst nicht was mit mir los ist, das ist alles soviel auf einmal. Früher hatte ich nur mich, da war mir alles egal, doch jetzt…, ich hab Angst um dich Mine!"

„Harry, wir haben alle Angst. Trotzdem rennen wir nicht mit gezücktem Zauberstab durch unsere Wohnung und verdächtigen jeden, dass er uns angreifen will." Hermine hatte sich inzwischen wieder etwas gefangen und klang nun eher wie Professor Mc Gonagall „Ich hab auch Angst, doch langsam habe ich auch Angst vor dir. Du bist so unberechenbar geworden. Früher haben wir so viel geredet, doch nun schweigen wir uns den ganzen Tag an. Red mit mir, wenn dich etwas bedrückt. Ihre letzten Worte klangen eher wie ein Flehen.

„Ich weiß nicht, ob ich es schaffe Hermine, es ist alles so viel geworden. Ich will ja auf dich hören, aber es ist so schwer. Und dann hab ich immer diese Träume..."

„Du hast wieder Albträume? Ich dachte die seien jetzt vorüber. Warum hast du mir nichts davon erzählt?", Hermine klang jetzt sehr besorgt. Harry wusste bloß nicht, ob sie besorgt war, weil er nicht mit ihr geredet hatte, oder wegen der Träume allgemein.

„Harry, wo bist du?" Hermine wedelte mit der Hand vor Harrys Gesicht herum. „Du bist schon wieder ganz wo anders." Sie klang jetzt fast schon wieder verärgert.

„Äh, nein Hermine, ich hab nur über das nachgedacht was du mir gerade klar machen wolltest. Du hast Recht, wir sollten mehr miteinander reden, Danke"

Harry wollte Hermine in den Arm nehmen und das Thema somit beenden, doch sie schob ihn von sich und meinte mit einem leichten Lächeln. „Dann fangen wir gleich damit an, was sind das für Träume?"

Harry fiel es schwer, doch er wollte nicht gleich wieder das wieder gewonnene Vertrauen aufs Spiel setzen und fing vorsichtig an zu erzählen.

Hermine hörte schweigend zu ohne ihn zu unterbrechen. Als Harry beendet hatte und zu Boden blickte, schob Hermine ihre Hand unter sein Kinn und drängte ihn ihr in die Augen zu sehen. „Warum hast du mir das nicht schon früher erzählt?", fragte sie leise, ohne auf eine Antwort zu warten. „Diese Träume sind doch nicht schlimm. Du verarbeitest nur deine Ängste im Schlaf. Wenn du mehr mit mir darüber redest wird sich deine Angst verlieren und die Träume verschwinden. So wie bei deinen Träumen von Sirius."

Warum musste sie gerade jetzt Sirius ansprechen? Aber im Grunde hatte sie ja Recht. Nachdem er akzeptiert hatte, dass er nicht schuld an Sirius Tod war, waren diese Alpträume auch verschwunden.

Hermine nahm ihn sanft in den Arm, gab ihm einen leichten Kuss auf die Wange und stand auf. „Gute Nacht Schatz, schlaf gut.", hauchte sie und ohne ein weiteres Wort ging sie aus dem Zimmer. Leise flüsterte er ihr hinterher „Gute Nacht Schatz."