2. Kapitel

Welch seltsames Gefühl machte sich in ihm breit, ergriff Besitz und ließ seinen Geist genauso den Halt unter den Füßen missen, wie sein Körper sich im Strom des Apparierens verlor. Beinahe glaubte er, die liebliche Süße des Weibes zu schmecken, das er in seinen Träumen so oft verführt hatte. Nun schien es ihm, als habe sie ihn verführt. Wahrlich, ein schöner Traum! Zu schön, als dass er noch in diesem Leben weilen konnte. Das also war des Rätsels Lösung - er war bereits im Totenreich angelangt, ein überraschend warmer Empfang wurde ihm hier gewährt. Und doch...wenn sein Geist den Körper verlassen hatte, warum spürte er dann das Herz in seiner Brust so heftig schlagen? Indes war sein Körper auch an anderer Stelle zu rege, als dass er wahrlich hätte glauben können, das Totenhemd würde ihn schon kleiden.

Bei genauerer Betrachtung, hatte er sich niemals zuvor von solch einer Lebendigkeit gefühlt.

Und just als er den Geschmack des Kusses niemals mehr aufgeben wollte, entzog sich ihm dieser Genuss, und er fühlte wieder Grund und Boden unter seinen Füßen. Der Taumel war vorüber. Jedoch hielt der in seinem Herzen an, das einen steinigen Weg zu gehen schien, da es so oft stolperte.

Hände lösten sich von seinem Halse. Er misste sie bereits jetzt schmerzlich - wollte sie fühlen an jeder Stelle seines Körpers. Er wollte sie küssen, die zarten Fingerglieder, die zuvor noch seinen Nacken zärtlich umfasst hielten. Nie wieder wollte er sie hergeben, doch so verwirrt er auch über diese Regung war, so fest und hart war seine Stimme.

"Was habt Ihr Euch dabei gedacht? Seid Ihr des Teufels?"

"Nicht mehr als Ihr, mein Herr."

Er löste sich mühsam von ihrem Antlitz, und blickte sich um.

Der Ort war ihm unvertraut und doch wusste er, wo sie sich befanden, denn er selbst hatte das Ziel der Reise gewählt. Jedoch nicht für sich, sondern lediglich für die, die er liebte.

"Euer Elternhaus", sagte er flüsternd.

"Wir sind allein. Mutter und Vater sind auf Reisen, um diese Jahreszeit", erwiderte Hermine und trat einige Schritte von ihm zurück.

"Ihr seid mir die Antwort auf meine Frage schuldig geblieben. Was dachtet Ihr Euch dabei, mich hierher zu bringen? Ich wollte Euch Sicherheit gewähren, so weit ich dazu im Stande war. Man hätte Euch sicher nicht gesucht, wenn Ihr verschwunden wärt, denn Euch zu verfolgen machte ich unmöglich, und für größere Anstrengung seid Ihr nicht wichtig genug."

"Habt Dank dafür, dass Ihr mir einmal mehr meine Unwichtigkeit bescheinigt", erwiderte sie sogleich.

Er schwieg einen Augenblick, ehe er erwiderte: "Nicht wichtig für den Lord - doch nun habt Ihr das mitgenommen, was er mehr begehrt, als alles andere. Ich werde für Euch den Tod bedeuten, wenn ich nicht sofort zurückkehre."

"Das werdet Ihr nicht tun!"

"Und warum nicht? Habt Ihr mich nicht gehört? Sie werden herkommen! Ihr seid des Todes, wenn Ihr in meiner Nähe verweilt!"

"Und Ihr seid des Todes, wenn Ihr zurückkehrt...und dann sind wir alle des Todes. Menschen wie ich, werden kaum den nächsten Sommer erleben, wenn ich zulasse, dass Ihr Euch dem Lord wie ein Lamm opfert."

"Ein Lamm nennt Ihr mich? Das ist führwahr eine eigenwillige Wortwahl. Es ist wohl das Wort, das man einem Mörder wie mir am wenigstens angedeihen lassen würde."

Hermine entzündete ein Licht, das wie durch Magie aufglimmte, nachdem sie ein Gebilde berührt hatte, das in eine Wand eingelassen war.

"Vielleicht wählte ich den Vergleich, weil Ihr mir wie ein Lamm im Wolfspelz erscheint, nach allem, was ich über Euch gewahr wurde."

"Ein Lamm im Wolfspelz? Welch eine Verdrehung habt Ihr hier ersonnen? Und doch...ich bin dankbar, dass Ihr nun um meine wahre Rolle wisst, doch muss ich Euch nun verlassen, denn ich möchte nicht die Ursache dafür sein, dass man bereits jetzt das Augenmerk auf Euch richtet. Ihr habt eine Chance zu entfliehen, wenn der Lord die Macht erringt. Flieht und verbergt Euch gut, dann wird er Euch vorerst nichts anhaben können."

"Ich soll fliehen? Nein, Sir! Ich werde nicht fliehen! So wenig, wie Ihr das Lamm spielen werdet!"

"Glaubt Ihr wirklich, ich hätte eine Wahl? Es obliegt mir nicht, mich dafür, oder dagegen zu entscheiden. Die Würfel sind gefallen...schon vor langer Zeit."

"Dann erkläre ich den Wurf für nichtig!", erwiderte Hermine fest und entlockte ihm damit ein erstauntes Kopfschütteln.

"Ihr seid mutig, so wie es Eurem Hause entspricht. Doch wird das Wappen Gryffindors Euch nicht schützen, wenn der Lord seine Todesser aussendet, um Euch zu holen. Flieht, wenn ich fort bin, denn ich fürchte, man wird Mittel und Wege finden, den Ort aus mir herauszupressen, an den Ihr mich brachtet. Auch wenn meine Zunge beharrlich schweigen wird, so kann man mittels verschiedener Tränke meinem Körper das Geheimnis entlocken."

"Ich möchte Euch einen anderen Vorschlag unterbreiten." Sie deutete auf ein Sitzmöbel, auf dem er sich niederlassen sollte. Er kam der Aufforderung nur widerstrebend nach.

"Sprecht! Jede Minute, die ich hier in Eurem Beisein verbringe, birgt Gefahr für Euch."

"Wenn der Lord siegt, birgt allein die Tatsache, dass ich nicht von reinen Magiern gezeugt wurde, Gefahr für mich. Aber durch Euch kann unser drohendes Schicksal gewendet werden. Wenn der Lord Euch nicht zu fassen bekommt, so wird er stets unvollständig sein und niemals die Macht erringen, unbesiegbar für seine Feinde zu sein."

Die Augen des Zaubertrankmeisters verdunkelten sich, kaum, dass sie gesprochen hatte. Seine Stimme klang seltsam kraftlos.

"Dann habt Ihr mich also mit Euch genommen, damit der Lord nicht auf das Seelenteil zurückgreifen kann, das er mir ins Herz pflanzte? Ihr tatet es aus dem Grunde, damit er nicht seine vollständige Kraft erringen kann."

"Gewiss! Aus welchem Grunde wohl sonst, sollte ich es getan haben?" Ihre Augen lagen fragend auf ihm, was er mit einem leisen Schnauben quittierte.

"Gewiss aus diesem Grunde", bestätigte er mit wenig Freundlichkeit, dann fügte er wütend an: "Warum dann der Kuss?"

"Der Kuss?", erwiderte sie erstaunt.

"Wollt Ihr ihn etwa leugnen?"

"Nein, das will ich nicht. Der Kuss sollte Euch besser an mich binden...für die Zeit des Apparierens. Ich war nicht völlig gewiss, ob es ausreichen würde, Euch lediglich festzuhalten."

"Ich verstehe", brachte er mit matter Stimme hervor.

Sie schien es nicht zu bemerken, und erhob sich, während sie sprach.

"Es wäre wohl das Beste, wenn wir uns an einen anderen Ort begeben. Wir werden mehrfach apparieren müssen, um unsere Verfolger in die Irre zu führen. Es gibt einen Ort, an dem wir uns schließlich vorerst verbergen können. Ihr werdet verstehen, dass ich ihn Euch nicht benennen werde, doch seid Euch gewiss, dass er behaglicher sein wird, als Eure Rückkehr zum Lord."

Er kam nicht umhin, ihr in diesem Punkte beizupflichten. Ungewiss, wie seine Zukunft sich gestalten würde, folgte er ihr, als sie mit ihm gemeinsam disapparierte. Kaum hatten sie den einen Ort erreicht, führten sie die Flucht fort, um die Spuren einstweilen unbrauchbar zu machen. Es war ihm unmöglich zu ergründen, wo sie letztlich ihre Reise beendeten. Jedoch spürte er eine bleierne Müdigkeit von ihm Besitz ergreifen, von der er nicht ganz gewiss war, was sie herbeigeführt hatte.

Hermines Stimme holte ihn erneut in das Hier und Jetzt zurück.

"Wir sollten ein wenig ausruhen, ehe wir Pläne fassen. Streckt Euch hier aus, ich werde Euch Decken holen."

Kaum hatte sie es ausgesprochen, verließ sie den Raum.

Es war eine kleine Kammer, doch verlieh der Kerzenschein ihr einige Behaglichkeit. Er sann über das junge Weib nach, das er einstmals gelehrt hatte, Tränke zu brauen und Spott klaglos hinzunehmen. Wie sehr hatte sie sich gewandelt. Wie viel verlockender wäre es, ihre Lippen nicht vor Scham und Wut beben zu sehen, sondern vor Begehren.

Immer noch brannte ihr Kuss auf seinen Lippen wie süßes, feuriges Gold, doch dieser Kuss war nur ein Mittel zum Zwecke gewesen. Seine Männlichkeit würde noch geraume Zeit benötigen, ehe sie dies einsah - sein Herz würde es vermutlich niemals einsehen, doch wen kümmerte schon, was darin vorging? Es war ein Gefäß, das der Lord für seine Zwecke missbrauchte...und dieses Gefäß würde Voldemort alsbald zerstören, damit er an sein kostbares Hab und Gut gelangen konnte.

Snape streckte sich aus und ehe er sich versah, hatte der Schlaf ihn übermannt.

Im Traume war ihm, als würde eine Hand ihn zart liebkosen. Doch als er die Augen aufschlug, sah er die Fratze Voldemorts vor sich, der ein pulsierendes Herz in seiner Hand hielt. Die Schlangenaugen verengten sich immer mehr und die Gesichtszüge des Lords wurden grausam. Zutiefst erschüttert stellte Snape fest, dass es ein Lächeln war, das der Lord dort so abscheulich zur Schau trug. Die Finger Voldemorts bohrten sich in den pulsierenden Muskel in seiner Hand. Lebenssaft spritzte mit stoischer Gleichmäßigkeit daraus hervor. So lange, bis der Lord den Teil herausgetrennt hatte, den er sein Eigen nannte. Den Rest warf er achtlos zu Boden. Ein rasender Schmerz durchbohrte Snape daraufhin, und er blickte an sich herab. Ein Fleck bildete sich auf seiner Brust, der erst unscheinbar klein, doch von erschreckend hellroter Farbe war. Schnell breitete er sich aus, bis Snape begriff, dass der Blutstrom aus einem Loch in seinem Körper austrat, wo einst sein Herz gesessen hatte. Ein Zittern durchfuhr ihn, das ihn hin und her zu schütteln schien. Der Lord sprach ihn seltsam an. "Snape!" "Professor...Sir, erwacht!"

Er schreckte auf, und versuchte zu begreifen.

Hermine war es, die ihn geschüttelt hatte, und die ihn ansprach, er möge erwachen.

Nun, da er die Augen aufschlug, rückte sie ein Stück von ihm ab.

"Ihr habt geträumt. Wollt Ihr darüber sprechen?"

Er ließ einen Moment verstreichen. Zu verlockend war es, ihr zu offenbaren, was sich des Nachts in seinem Kopfe abspielte; doch war es nicht ihre Last, sondern die seine! Um nichts in der Welt wollte er ihr diese Träume aufbürden.

"Nein, es war nichts...ich erinnere mich nicht einmal. Geht wieder schlafen. Verzeiht mir, MyLady. Ich werde Euren Schlaf nicht erneut stören."

"Ihr wollt wirklich nicht darüber reden? Es scheint ein wahrlich grauenvoller Traum zu sein, der Euch heimsucht. Ihr habt geschrien. Manchmal gelingt es, einem Traum den Schrecken zu nehmen, indem man ihn mit jemandem teilt. Ihr könntet ihn so vielleicht dauerhaft vertreiben."

Er strich sich das schweißnasse Haar aus dem Gesichte und seine Erwiderung war von fester Stimme: "Ich sagte Euch doch, dass ich mich nicht einmal daran erinnere. Vermutlich träumte ich von einem Frauenzimmer, das mich mit Fragen verfolgte, und nicht von mir abließ, egal wie oft ich es ermahnte, zu schweigen."

"Nun denn...so wünsche ich Euch einen Traum von einem angenehmeren Weibe. Vielleicht von einem, das schweigt, wenn Ihr es wünscht, und redet, wenn Euch danach der Sinn steht. Ein Weib, das nach Eurem Geschmacke ist, und Euch womöglich Boshaftigkeiten ins Ohr flüstert, während Ihr friedlich schlaft, weil es am Tage zu oft den Unmut gegen Euch reglos schlucken musste!"

Die Tür fiel etwas unsanft ins Schloss, nachdem sie den Raum verlassen hatte.

Seine Stimme war so leise wie matt, und er sprach zu sich selbst: "Welch grandiose Leistung habt Ihr da vollbracht, halsstarriger Tölpel! Sie will Eure Seele ergründen und Ihr zeigt ihr nur den schwarzen Fleck darauf, von dem Ihr wünschtet, er könnte ungeschehen gemacht werden. Doch wer hätte dazu die Macht...wer hätte die Macht, Euch zu einem anderen Menschen zu machen? Die Mühe lohnt nicht! Es ist zu spät! Ein totes Herz erringt kein lebendes."

Mit diesen Selbstbeschimpfungen drehte er sich mehrfach um sich selbst, bis die Decke ihn wie eine feste Schnürung umschlang. Derart geschützt, versuchte er, erneut in den Schlaf zu finden, und es glückte erst, als die ersten Sonnenstrahlen den nahenden Tag verkündeten.

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Der eigenwillige Duft, der nur frischgebrühtem Kaffee zueigen ist, schlich sich in die empfindliche Nase des Tränkemeisters, und diesesmal war es ein Traum angenehmerer Natur, dem er entrissen ward.

Jedoch wurde ihm das Aufgeben jenes Traumes durch den Anblick einer Maid, die nur mit einem weißen Hemde bekleidet war, das bis zu ihren Schenkeln reichte, versüßt. Sie schien etwas zu suchen, da sie auf Zehenspitzen stand und ein steinernes Gefäß von einem Regalbrette zog. Augenblicklich fragte er sich selbst, ob er nicht doch noch im Land der Träume weilte. Die wallenden Locken der Schönheit vor ihm, ergossen sich über ihre Schulter, in einer Wildheit, die ihn wünschen ließ, sie möge ihm gestatten, die Pracht mit seinen Händen zu bändigen.

Sie schien gefunden zu haben, wonach sie suchte, und wandte ihm immer noch den Rücken zu, als sie sich im Raume bewegte. Dann ging sie in die Hocke, so dass das Hemd empor rutschte und ein Teil ihres Gesäßes entblößte. Das helle, pralle Fleisch machte ihn lüstern. Ein leises Geräusch ließ ihn erkennen, dass sie sich an einer Truhe zu schaffen machte, die gegenüber seiner Bettstatt stand. Unwillkürlich entwich ihm ein gequältes Stöhnen, wie es zu hören ist, wenn man den eigenen Körper für seine überaus natürlichen Reaktionen am liebsten verfluchen möchte.

Hermine, dessen Anblick ihn gefesselt hatte, fuhr herum und machte eine erschreckte Geste, als sie bemerkte, dass er erwacht war. Geschwind verschwand sie aus dem Zimmer und kehrte erst nach einiger Zeit zurück, diesmal in einen Morgenmantel gehüllt.

"Ich glaubte, Ihr würdet noch tief schlafen, nachdem Ihr so spät erst zur Ruhe fandet. Wenn Ihr Euch erheben wollt, so kommt nach nebenan - ich habe ein bescheidenes Frühstück bereitet."

Er hielt es für ratsamer, sich nicht sofort zu erheben, damit die Decke das zu verhüllen vermochte, was die Augen dieser Jungfrau sich vor Schreck weiten lassen würden. Und so murrte er ein wenig, brummte dann, wie es unausgeschlafenen Männern zu eigen ist, und drehte sich zur Wand, worauf er sich nicht mehr rührte.

"Dann kommt, wenn Ihr besser gelaunt seid", sprach Hermine und verbannte den Duft frischen Kaffees, indem sie die Türe leise schloss.

'Nun, Kamerad, sieh zu, dass du dich packst! Du hast in diesem Leben schon genug Schaden angerichtet', sprach er in Gedanken mit jenem Körperteil, das sich zu dieser frühen Morgenstund schon ohne Scheu geregt und gereckt hatte.

'Nein, tot bist du wahrlich noch nicht', fügte er dann an, worauf er beinahe ein tiefes Seufzen von sich gegeben hätte, das er gerade noch zu unterdrücken vermochte.

Geraume Zeit später hielt er es für angemessen, sich aus dem Bette zu erheben, und erst jetzt wurde ihm bewusst, dass Hermine ihn wohl vergangene Nacht zugedeckt haben musste, bevor der Albtraum über seinen wehrlosen Geist hergefallen war, denn er konnte sich nicht entsinnen, es selbst getan zu haben.

Er fand sie am Tische vor. Mit beiden Händen umfasste sie eine Tasse, aus der ein feiner Dampf empor stieg.

"Ihr findet Kaffee in der Kanne dort. Tassen indes sind in diesem Schranke. Zucker und Milch benötigt Ihr wohl nicht, wenn meine Erinnerung mich nicht trügt."

"Sie trügt euch nicht", erwiderte er knapp, griff zu Tasse und Kanne, und gesellte sich kurze Zeit später zu ihr an den Tisch.

Sie sah ihn sinnend an.

"Dann war das der Grund, warum Dumbledore Euch so rückhaltlos vertraute. Weil er wusste, dass Ihr Euren Schritt zutiefst bereut habt, dem Lord ein solches Opfer zu bringen. Euch selbst! Er wusste, dass Ihr kämpfen wolltet, damit es nicht so weit kommt, dass Ihr Eure Schuld einlösen müsst," sprach sie ihre Gedanken ohne lange Vorrede aus.

"Er vertraute mir, ja! Und gleichzeitig wusste er, wie wichtig es war, mich an ihn zu binden. Es war ein Handel zu beiderseitiger Zufriedenheit. Zumindest, solange es gut ging."

"Dumbledores Tod war Teil des großen Planes, nicht wahr? Diesen Preis war er bereit zu zahlen, um den Orden vermeindlich siegen zu sehen. Harry sollte siegen. Und Ihr solltet Euch so lange Voldemort anschließen, bis dieser geschlagen war. Erst dann hättet Ihr zurückkehren können, um zu erklären, dass..."

"Ich wäre niemals mehr zurückgekehrt", unterbrach er sie.

"Niemals? Nun, so hattet Ihr es vielleicht geplant - doch es kam anders. Harry versagte, und der Lord nutzte dessen Schwäche, um sich Dumbledores Kraft einzuverleiben. Das war der Todesstoß für Eure Pläne. Es wurde Euch klar, dass Ihr sterben würdet, da der Lord seine Macht nun vervollkommenen möchte."

"Ja, so in der Art", bestätigte Snape düster.

"Und dann wolltet Ihr mit Euch selbst Frieden schließen, bevor Ihr sterben würdet. Dazu holtet Ihr mich."

In ihrem Blick lag kein Spott; ihre Stimme hatte nicht höhnisch geklungen, nur interessiert, als erkundige sie sich lediglich nach seinem Befinden.

Er nahm die Tasse in beide Hände, gerade so, wie sie es tat, und schaute sie mit ernster Miene an.

"Ja, auch das ist richtig. Ich holte Euch, um Euch zu sagen, was schon viel zu lange mein Geheimnis war."

Eine halbe Minute verstrich, ohne dass sie etwas erwiderte, und nun klang seine Stimme bei Weitem nicht mehr so ruhig: "Ihr dürft immer noch lachen! Gestern wagtet Ihr es vielleicht nicht, weil Ihr fürchten musstet, dass ich es Euch teuer bezahlen lassen würde. Doch heute seid Ihr nicht gefesselt. Ihr seid nicht umgeben von Todessern, außer dem einen, der lieber sterben würde, als Euch Gewalt anzutun. Lacht ruhig, damit diese Anspannung von mir abfällt."

"Gegen Eure Anspannung kann ich Euch nicht helfen. Ich bezweifle auch, dass Spott und Gelächter meinerseits die Anspannung schwinden lassen würden. Aber wie dem auch sei...ich empfinde es nicht als amüsant, dass Ihr mich liebt...es erschreckt mich, aber es belustigt mich keineswegs."

"So habt Ihr also Furcht vor mir? Ja...ich spürte es am Vortag deutlich, als Ihr vor mir zurückschrecktet. Es schmerzt mich, dass ich so auf Euch wirke...und doch habe ich nichts anderes erwartet. Und nun wird es Zeit MyLady...ich werde Euch nicht länger schrecken. Habt Dank für das anregende Gebräu, das meine Sinne zu neuem Leben erweckte. Diese Sinne sagen mir, dass es nun Zeit wird, Euch zu verlassen, damit Ihr Vorbereitungen für Eure Flucht treffen könnt. Ich werde mich so lange wehren, wie es mir möglich sein wird, doch früher oder später werden sie die nötigen Informationen aus mir herauspressen, die mein Körper über das Apparieren offenbaren wird. Todesser werden hierherkommen, um Euch für meine Entführung zu strafen, denn damit habt Ihr gleichsam den Lord beraubt. Bis dahin darf keine Spur von Euch mehr hier zu finden sein. Ihr seid schon immer mit einer gehörigen Portion Verstand durchs Leben gegangen. Nutzt ihn nun, um Euer Überleben zu sichern. Hermine...ich bitte Euch!"

"Ihr bittet sehr schön, mein Herr. Nie hörte ich so freundliche Worte aus Eurem Munde. Es muss der nahende Tod sein, der Euch so weich macht...oder die Liebe, die Ihr für mich zu empfinden glaubt. Wie dem auch sei...meine Antwort lautet Nein!"

"Nein? Wozu lautet Eure Antwort Nein?"

"Dazu, dass Ihr mich verlassen wollt. Ich erklärte Euch bereits, dass ich es nicht zulassen werde. Wir sind vorerst sicher hier. Und nun besprechen wir, was weiter zu tun ist...sobald Ihr mir Kaffee nachgeschenkt habt", damit schickte sie ihm ein Lächeln, das ebenfalls so freundlich war, wie er es bislang nicht hatte von ihr erleben dürfen.

tbc