Epilog: Kimi no haka

~Deine Seele lebt weiter,

dein Körper starb ab,

du hast uns verlassen,

wir stehen nun am Grab.

Dein Tod er war grausam,

du warst noch so jung,

nur Tränen geblieben,

deine Zeit ist jetzt um.

Deine Freunde verletzt,

die Erinnerungen schmerzen,

Hündchen ruh in Frieden,

du bleibst in meinem Herzen!~

Ein Jahr ist es schon her. Vor einem Jahr hast du mich verlassen. Jetzt stehe ich hier vor deinem Grab, wie jeden Tag starre ich auf den kalten, marmornen Stein, auf welchem steht: "Katsuya Kaiba (*19xx †20xx)" Und darunter, in goldenen Lettern und feinen Zügen:"Du wirst immer einen Platz in unseren Herzen haben." Ich kann dich einfach nicht vergessen. Jeden Tag besuche ich dich und erzähle dir, was so alles passiert ist. Jedes kleine Ereignis. Vielleicht kannst du mich ja hören. Ich lege dir mindestens einmal in der Woche Blumen ans Grab. Heute ist es wieder soweit. Ich habe dir deine Lieblingsblumen gekauft, Lilien. Du hast dich immer so darüber gefreut. Außerdem habe ich noch Vergissmeinnicht gepflanzt. Immerhin sollst du immer in meinen Erinnerungen bleiben.

"Du fehlst mir so...", flüstere ich leise. Ich setze mich auf den Boden und lehne mich an deinen Grabstein. Er ist kühl, aber das stört mich nicht weiter.

Ich will dir nur so nah wie möglich sein. Das Gras ist etwas feucht. Es hat vor mehreren Stunden geregnet, aber das soll mir egal sein. Du bist mir gerade das Wichtigste. Auch wenn ich dich für immer verloren habe.

Ich schließe die Augen. Sofort taucht dein Bild vor mir auf. Ich kann dein Lachen sehen. Wie du strahlst. Ein trauriges Lächeln umspielt meine Lippen.

Dieses liebevolle Lächeln hast du immer nur mir und Mokuba geschenkt. Du hast uns damit immer so viel Wärme geschickt. Du hast dich wie ein großer Bruder um Mokuba gekümmert. Immer wenn ich keine Zeit für ihn hatte warst du da. Ich bin dir sehr dankbar dafür.

Es ist kalt. Immerhin haben wir Spätherbst. Seit du weg bist haben wir meinen Geburtstag nicht mehr gefeiert. Eigentlich warst du es, der mich dazu gebracht hat, ihn überhaupt zu feiern. Leise seufze ich. Es wird nie wieder so sein wie früher. Mokuba legt mir eine Decke um. Er hat Angst, dass ich krank werde.

"Weißt du, er ist viel erwachsener geworden", flüstere ich leise. "Er will mir ständig etwas von meiner Arbeit abnehmen, weil er der Meinung ist, dass ich eine Pause brauche, um mich zu erholen." Ich streiche über den kalten Stein. Es ist lieb von ihm gemeint, aber das kann ich ihm noch nicht zumuten. Er ist noch zu jung.

Ich bin ziemlich erschöpft. In den letzten Tagen habe ich kaum geschlafen. Es gab in der Firma viel zu viel zu tun. Mokuba legt mir seine Hände auf die Schultern und bringt mich zurück zum Auto. Ich steige ein und warte auf ihn.

Jeder von uns hat einen Moment unter 4 Augen mit dir. Die meiste Zeit beanspruche ich meistens, aber das stört Mokuba nicht weiter. Nur ab und zu stehen wir nebeneinander da und schauen auf dein Grab. Allerdings herrscht dann immer Schweigen. Jeder geht seinen eigenen Gedanken nach.

Ich warte im Auto auf ihn. Meine Augen sind geschlossen und ich habe mich zurück gelehnt. Mokuba steht an deinem Grab und redet leise mit dir. Manchmal frage ich mich, was er dir alles erzählt. Er bleibt auch dieses Mal lange weg.

Wir reden nie darüber.

Immer wenn dein Name fällt entsteht so eine erdrückende Stille. Das ist mir immer sehr unangenehm. Am liebsten würde ich dann sofort verschwinden, aber das ist leider nicht möglich. Es schmerzt so. Ich habe schon oft darüber nachgedacht zu dir zu kommen, aber deine letzten Worte halten mich immer wieder davon ab.

Warum musste das passieren? Alles wegen einem dummen Missverständnis. Es tut mir so leid. Kannst du mir verzeihen? Ich bete dafür. Vielleicht sehen wir uns ja irgendwann einmal wieder. Irgendwann werde ich zu dir kommen. Ich hoffe du wartest so lange auf mich. Mein Schatz, mein geliebter Engel

...Katsuya...