2. Kapitel: Der 'Orden der Unentschlossenen' oder ein Haus voller Chaoten

Als Harry am nächsten Morgen nach fünf Stunden Schlaf durch ein nervendes Piepen geweckt wurde, ließ er ein unwilliges Brummen hören, und tastete blind nach dem Übeltäter auf seinem Nachttisch. Als er ihn endlich gefunden, und dabei seine Nachttischlampe umgeschmissen und zerdeppert hatte, griff er ihn und pfefferte ihn gegen die nächstbeste Wand. Leider ließ dieser sich nicht sonderlich davon beeindrucken, und piepte fröhlich weiter. In diesem Moment verfluchte Harry sich selbst dafür, dass er das Ding unzerstörbar gehext hatte, und stand murrend und mit halboffenen Augen auf.
"Ich brauche eine Dusche", brummte er und schlurfte, sich aus seinem Pyjama schälend Richtung angrenzendes Badezimmer. Dann stieg er in die Dusche und drehte blind das Wasser auf. Ein erschrockenes Quieken entfleuchte seiner Kehle, als das Wasser auf ihn traf, und er sprang erst mal mit weit aufgerissenen Augen außer Reichweite. Welcher Trottel hatte das Wasser auf eiskalt gestellt??? Ach ja, er selbst, am vorherigen Morgen.
Nachdem er den ersten Schreck überwunden hatte, und jetzt eindeutig wach war, tastete er vorsichtig nach dem Hahn um die Temperatur auf ein erträgliches Maß zu steigern. Dann stellte er sich unter den, inzwischen lauwarmen Wasserstrahl, und schloss die Augen.
"Wenn ich so weiter mache, brauchen sich weder Dumbledore noch Voldemort recht groß um mich zu kümmern. Dann bringe ich mich nämlich noch selbst um", grummelte er und dachte an ein Ereignis von vor einer Woche, als er dabei war, den ersten Stock ein bisschen auszumisten, und mit eine Kiste voll Porzellan, über einen Haufen Bücher gestolpert war. Tja, das Porzellan war hin gewesen und hätten einige der Scherben auch nur ein paar Zentimeter tiefer in seinem Körper gesteckt, er auch. Zum Glück hatte er in einem der Bücher, über die er gestolpert war, einen anständigen Heilzauber gefunden. In manchen Momenten wusste er echt nicht, ob er jetzt Glück oder doch Pech hatte. Irgendwie schien das eine immer unweigerlich auf das andere zu folgen. Seufzend griff Harry nach dem Shampoo und begann seine Haare zu waschen. Er hatte sie sich in den letzten Wochen wachsen lassen, mit dem Ergebnis, dass sie jetzt nicht mehr ganz so verstrubbelt waren. Seiner Meinung nach sah er aber mit der Frisur trotzdem noch aus wie ne Vogelscheuche. Na ja, man konnte nicht alles haben.
Erneut seufzend stellte Harry das Wasser ab, stieg aus der Dusche und griff sich ein Handtuch von der Anrichte. Nachdem er sich abgetrocknet hatte, schlang er sich das Handtuch um die Hüften und ging zurück in sein Zimmer, um sich anzuziehen. Resignierend blickte er in den Schrank. Darin lagen zwei T-Shirts und eine Hose.
"Ich sollte wohl doch mal waschen, obwohl...", Harry dachte an seinen bis dato einzigen Versuch des Wäschewaschens zurück. Damals waren sämtliche Klamotten eingegangen. Er wusste bis heute noch nicht, wieso. Danach hatte seine Tante ihm verboten, der Waschmaschine jemals wieder zu nahe zu kommen. "...ich kaufe mir lieber neue Sachen. Ist sicherer", damit griff er sich die Hose und eins der beiden weißen T-Shirts und schlüpfte in die Hose. Auf Unterwäsche verzichtete er generell seit einiger Zeit. Er fand es so bequemer.
Ein Klopfen an der Tür ließ ihn sich verwundert umdrehen. Wer bitte schön sollte an seine Tür klopfen? Er wohnte doch alleine. Dann erinnerte er sich wieder an den vergangenen Abend. Also war's wahrscheinlich(er) einer der anderen vier, die hier ab jetzt wohnen würden.
"Ja?"
Hermine steckte den Kopf zur Tür rein.
"Du bist wach?"
"Ja, das Ding da hinten ist schuld", brummte Harry und zeigte auf den Wecker, der noch immer in einer Ecke fröhlich vor sich hin piepte.
"Was willst du?" fragte Harry, und schmiss das Shirt vorerst aufs Bett.
"Frühstück ist fertig. Habe schon versucht, die anderen drei zu wecken, aber die würde nicht mal ein Erdbeben wach kriegen."
"Wetten, dass ich es schaffe."
"Worum?"
"Wenn ich gewinne kümmerst du dich um die Wäsche."
"Warum sollte ich?"
Harry grinste. "Wenn ich wasche, kommt alles eingelaufen wieder raus."
"Okay. Ich mache die Wäsche für eine Woche, danach kann es ja ein anderer übernehmen. Wenn du sie wecken kannst, übernehme ich das Waschen für einen Monat und kümmere mich um die Einkäufe. Wenn du sie nicht wach bekommst, musst du einkaufen gehen", grinste Hermine zurück.
"Wette gilt", meinte Harry, ging an Hermine vorbei, die ihm neugierig folgte, in die Eingangshalle. Von dort aus zum Esszimmer, in welchem er zu einer goldenen Kordel ging, die von der Decke hing. Er grinste einmal fies und zog an der Kordel. Ein markerschütternder Schrei ertönte im ersten, zweiten und dritten Stock.
Hermine fuhr zusammen und hielt sich die Ohren zu.
Nach wenigen Sekunden verklang der Schrei wieder.
"Wenn sie jetzt noch schlafen, sind sie tot", grinste Harry nur.
"Das war gemein", grinste Hermine zurück.
"Tja, du hast versucht sie zu wecken. Wer nicht hören will, muss fühlen."
"Ich habe in der Küche gedeckt. Wusste ja nicht, dass hier ein Esszimmer ist."
"Macht nichts, würde sich bei so wenig Leuten sowieso nicht lohnen im Esszimmer zu essen. Solltest du die anderen wieder mal nicht wach bekommen, weißt du ja was du tun musst. Aber eine Bitte hätte ich trotzdem. Weck mich vorher."
"Geht klar. Ähm, Harry, wegen dem Einkaufen, ich habe kein Geld da. Ist alles noch im Phönixorden."
"Was hast du denn dabei?" fragte Harry und setzte sich auf Grund seines plötzlich knurrenden Magens Richtung Küche in Bewegung.
"Meinen Zauberstab und die Klamotten, die ich an hatte. Mehr haben die anderen, glaub ich, auch nicht dabei."
"Dann müssen wir alle einkaufen gehen. Ihr braucht dringend mehr Klamotten und ich bezweifle, dass die Ordensmitglieder euch wieder gehen lassen, wenn ihr erst wieder im Hauptquartier seid", meinte Harry, dann fiel ihm was ein. "Moment, ich habe da vielleicht eine Idee", meinte er und stieß einen langen Pfiff aus.
Ein schwarzer Phönix segelte die Treppe runter und landete auf seiner Schulter.
/Was willst du?/ fragte er.
"Könntest du ins Hauptquartier des Phönixordens und die Sachen von Ginny, Hermine, Fred und George holen?"
/Wenn du mir sagst, wie ich ihre Zimmer finde, kein Problem./
"Ähm, Harry. Warum hast du einen Todesphönix, und warum kannst du dich mit ihm unterhalten?" fragte Hermine vorsichtig. "Und warum versteh ich ihn auch?"
"Zum ersten, er saß auf dem Dachboden. Das Fenster war geöffnet, so ist er wohl rein gekommen und hat dann beschlossen, hier zu bleiben. Zum zweiten, er hat sich an mich gebunden, keine Ahnung warum, seit dem verstehe ich ihn. Und zum dritten, ich vertrau dir, darum kannst du ihn hören."
"Aha", meinte Hermine nur und sah den Phönix skeptisch an. "Ihr hasst es doch, euch zu binden."
/Ja, aber irgendwer muss doch auf diesen Tollpatsch aufpassen, bevor er sich noch ernsthaft was tut/, meinte der Phönix nur.
"Hey", murrte Harry.
/Stimmt doch. Und behaupte ja nichts anderes./
"Mach doch, was du willst", grummelte Harry und ging weiter durch die Eingangshalle Richtung Küche. Der Phönix blieb erhobenen Hauptes auf seiner Schulter sitzen, und Hermine war sich sicher, hätte er grinsen können, hätte er es getan.
"Wie heißt er?"
"Ähm, gute Frage. Ich nenne ihn meist nur Nervensäge. Au! Lass das", meinte Harry und rieb sich das Ohr in welches der Phönix ihn zur Strafe gekniffen hatte.
/Ich heiße Illeneus und du?/ fragte der Vogel und wandte seinen Kopf Hermine zu.
"Hermine", grinste diese. Illeneus und Harry schienen sich ja prächtig zu verstehen. Das versprach lustig zu werden.
In der Küche angekommen, goss Harry sich erst mal eine Tasse Kaffee ein, dann setzte er sich, Hermine tat es ihm gleich. Keine zwei Minuten später schlurften drei ziemlich wütende Weasleys in die Küche und versuchten Hermine, und den grinsenden Harry mit ihren Blicken zu erdolchen.
"Und, gut geschlafen", grinste Harry, dessen Laune schlagartig gestiegen war, als er die drei bemerkt hatte.
"Geschlafen ja, nur das aufwachen war schmerzhaft", brummte Ginny und setzte sich auf den nächstbesten Stuhl.
"Tja, Hermine hat ja versucht euch normal zu wecken" grinste Harry weiter, und reichte Illeneus eine Scheibe Wurst, ehe er sich selbst ein Brot belegte und zu essen anfing.
"Soll das heißen, dass warst du?" fragte George und sah Harry sauer an.
"Jep. Und ich würde dir nicht raten mir was antun zu wollen, weil Illeneus hier sonst mächtig sauer werden könnte, und das will ich dir nicht zumuten. Das würde sehr schmerzvoll enden, glaub mir, ich spreche' aus Erfahrung."
"Er hat dich mal angegriffen?" fragte Hermine besorgt.
"Ja, ganz am Anfang. Ich weiß gar nicht mehr, warum wir uns überhaupt gestritten hatten. Er hat sich erst danach an mich gebunden. Seit dem passt er auf mich auf."
/Sorry noch mal/, meinte Illeneus und kuschelte seinen Kopf an Harrys Wange.
"Schon gut. Ich leb ja noch", meinte dieser nur und strich dem Phönix beruhigend über den Kopf.
Das Läuten der Türglocke ließ Harry aufhorchen. Verwirrt ging er in die Eingangshalle und warf einen mahnenden Blick auf das Portrait von Sirius Mutter, die augenblicklich verstummte.
Dann ging er zur Tür und öffnete sie vorsichtig. Vor ihm stand Remus Lupin, und leicht verdeckt, Severus Snape und Draco Malfoy. Harry zog eine Augenbraue hoch und fragte.
"Ja?"
"Dürfen wir reinkommen?" fragte Remus.
Harry seufzte tief. "Von mir aus."
Damit trat er zur Seite und ließ die drei passieren.
Als das Portrait von Sirius Mutter erneut ansetzte etwas zu sagen, schickte er ihr einen mahnenden Blick und ein kurzes. "Halt bloß die Klappe", zu. Sofort schloss sie den Mund und blieb ruhig. Ihr Gesichtsausdruck hingegen sagte jedem, dass ihr das gar nicht passte.
"Wie hast du das denn geschafft" wollte Remus verwundert wissen.
"Habe ihr gedroht, dass ich ihr Illeneus auf den Hals hetzte, wenn sie noch einmal anfängt rum zu keifen. Was wollt ihr hier?"
In diesem Moment kam Illeneus aus der Küche gesegelt, und setzte sich wieder auf Harrys Schulter. Hermine folgte ihm.
"Es sind Leute vom Orden hier?" fragte der Werwolf verwirrt, als er Hermine entdeckte.
"Nein. Hermine, Ginny, Fred und George sind gestern hier aufgekreuzt, und meinten, sie wollten hier bleiben um sich darüber klar zu werden, auf welcher Seite sie eigentlich stehen.
"Dann weißt du, dass ich aus dem Orden ausgetreten bin?"
"Sonst hätte ich dich nicht rein gelassen. Es wird nie wieder ein Mitglied des Phönixordens dieses Haus betreten", sagte Harry dunkel und sein Blick wanderte zu Snape, der ihn verwundert musterte.
"Willst du die Seiten wechseln?" fragte Remus geschockt.
Harry grinste kalt. "Nun mein lieber Remus, das ist die Frage, die sich jeder einzelne Bewohner dieses Hauses zur Zeit stellt. Aber hättest du vielleicht die Güte mir zu sagen, weshalb du in Begleitung von zwei Todessern bist?"
"Ich habe die Beiden getroffen, als ich untergetaucht bin. Sie meinten, Voldemort hätte ihnen den Auftrag gegeben, dich vor Dumbledore zu schützen."
"Woah, Moment mal. Seit wann will Voldemort mich beschützen, bis jetzt hatte ich eher das Gefühl, er will mich langsam und qualvoll umbringen."
/Oder kurz und schmerzlos, je nach dem, ob er genug Zeit hat/, warf Illeneus ein.
"Klappe", meinte Harry nur.
"Macht der das öfters?" fragte Draco.
"Meistens. Er liebt es mich zu nerven, deshalb bin ich mir ziemlich sicher, dass ihr zwei euch bestens verstehen werdet", grinste Harry.
"Moment mal Harry, warum kann Draco ihn auch hören?"
Harry warf Hermine einen langen Blick zu.
"Warum wohl?"
Das Mädchen wurde blass. "Aber warum...?"
"Er war ehrlich zu mir. Darum", dann wandte Harry seinen Blick Snape zu. "Also noch mal, warum will Voldemort mich jetzt auf einmal beschützen."
"Das weiß ich nicht, Mister Potter. Ich bin nur hier um meinen Befehl auszuführen. Der dunkle Lord sagte jedoch, dass er Ende nächster Woche vorbeischauen, und es ihnen erklären möchte."
"Gut. Dann willkommen in der wahrscheinlich chaotischsten WG die es je gegeben hat. Zimmer müsst ihr euch selbst suchen, ach und Draco", meinte Harry und grinste den Blonden fies an. "Ich erwarte von allen, die hier im Haus wohnen, dass sie sich an der anfallenden Arbeit beteiligen."
Draco verzog das Gesicht. "Hast du keinen Hauself?"
"Doch, aber der sitzt erstens in Hogwarts, und zweitens arbeitet Kreacher nicht anständig, und drittens kann ich ihn nicht leiden."
"Kreacher? Oh man, dann versteh ich, dass du's lieber selber machst", meinte Draco nur und schüttelte den Kopf.
"Du kennst ihn?"
"Ja, er war vorletztes Jahr für kurze Zeit bei uns. Hätte er uns gehört, hätte Mum ihn wahrscheinlich umgebracht. Der hat alles durcheinander gebracht."
"Hm. Na dann, kommt in die Küche. Frühstücken. Ist allerdings nicht mehr so viel da. Wir müssen heute noch einkaufen. Ich konnte ja nicht damit rechnen, auf einmal so viel Besuch zu bekommen, nachdem sich wochenlang keiner gemeldet hat", meinte Harry nur, drehte sich um und ging in die Küche.
Hermine folgte ihm nur kopfschüttelnd. Remus, Snape und Malfoy sahen ihm einige Zeit verwundert nach, ehe auch sie sich in Bewegung setzten, um in die Küche zu gehen. So leicht hätten es sich die beiden Todesser nicht vorgestellt. Remus fragte sich währenddessen nur, was wohl passiert war, dass Harry seinen Feinden so schnell vertraute, und Dumbledore den Rücken zuwandte. Leider fand er darauf, ebenso wie Snape, keine Antwort.