A/N: Zu ersteinmal möchte ich euch mitteilen, dass ich mich doch entschlossen habe den anfänglichen One- dann Twoshot in drei Teile aufzuteilen. Der Grund dafür ist eigentlich recht simpel: Beim Schreiben haben sich zu der ursprünglichen Idee immer mehr kleinere Ideen gemischt, sodass FuaM doch um einiges länger wird, als ich anfangs erwartet habe.

Dann möchte ich mich dafür entschuldigen, dass das Kapitel so lange hat auf sich warten lassen, aber die Schule hat mir einen dicken roten Strich durch die Rechnung gemacht. Die letzten Wochen waren Streß pur und ich bin froh, dass ich überhaupt so weit gekommen bin. Eigentlich hatte ich geplant das Kapitel schon vor Beginn des neuen Jahres fertigzustellen, aber ehe ich mich versah, waren die Ferien um ohne das ich auch nur einen Schritt weitergekommen bin. Tut mir wirklich Leid. Ich werde auch für den dritten und dann wirklich letzten Teil keinerlei Versprechungen machen, weil ich nicht weiß, was in nächster Zeit noch auf mich zukommt.

Drittens möchte ich euch darum bitte, doch ein Nachsehen zu haben, wenn ihr im Text Rechtschreib-, Tippfehler oder Satzzeichenfehler findet. Ich habe das Kapitel weder selber Korrektur gelesen noch Korrektur lesen lassen, was ich aber bei Gelegenheit sicherlich nachholen werde.

Und zuletzt möchte ich Denjenigen danken, die mir ein Review hinterlassen haben. Ich habe mich riesig drüber gefreut und werde, wenn es die Zeit zulässt, mal in eure Geschichten reinschauen.

Und nun viel Spaß bei dem nachfolgenden zweiten Part von Fidus usque ad Mortem.


Fidus Usque ad Mortem – Part 2

„Wann ist der Trank fertig?", schallte Bellatrix Stimme vom Treppenaufgang her durch das kekerartige Kellergeschoss und ließ Crouch zusammenfahren.

„D-der Tr-trank ist sehr aufwendig und muss nach den M-mondphasen gebrau-"

„Ich bin nicht blöd, Crouch", schnitt ihm Bellatrix das Wort ab, die soeben den Keller bertreten hatte und nun direkt vor ihm stand, die Augen zu Schlitzen verengt und ihn wütend anfunkeld. „Ich habe gefragt WANN der Trank fertig ist!"

„In circa drei Wochen."

„DREI WOCHEN? Geht das nicht auch ein BISSCHEN schneller?", fragte sie unwirsch.

„Nein!" Die Stimme des jungen Crouch klang nun nicht mehr selbstsicher und bestimmt.

„Hmpf," machte sie. Man sah ihr an, dass ihr das so ganz und gar nicht behagte. Elegant drehte sie sich um und stampfte die Treppen nach oben. Im Flur wäre sie fast in Rodolphus reingerannt, der gerade auf den Weg nach unten war.

„Ah, Bella. Da bist...Was ist los?", fragte er, als er in ihr wütendes Gesicht sah.

„3 Wochen noch, Rodolphus. 3 Wochen!"

„Wir haben keine andere Wahl, Bella. Wie sonst sollen wir an die Informationen rankommen?", sagte er und legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Umso mehr Zeit haben wir alles genaustens zu planen. Wir sollten uns nämlich mal überlegen, als wer wir das Zaubereiministerium betreten."

Bellatrix musterte ihn kurz prüfend, bevor sie schließlich nickte.

„Das sollten wir wohl.."

„Okay. Komm mit. Wir sollten das nicht hier auf dem Flur besprechen", meinte Rodolphus dann, nahm die Hand von ihrer Schulter und betrat das Wohnzimmer, in welchen schon Rabastan saß und nun den Blick auf die beiden Neunankömmlinge richtete.

„Gibt's was neues?", fragte dieser schließlich, nachdem sich Bellatrix und Rodolphus ihm gegenüber auf der Coach niedergelassen hatten.

„Wir haben noch drei Wochen Zeit bis der Trank fertig ist. Bis dahin sollten wir alles bis ins Detail geplant haben", begann Rodolphus dann wurde aber von der Bellatrix schneidender Stimme unterbrochen.

„Und wie willst du bitte etwas planen, wenn du nicht weißt, was wir für Informationen bekommen?"

„Ersteinmal", sprach Rodolphus unbeirrt weiter, als hätte Bellatrix soeben gar nichts gesagt, „müssen wir entscheiden als wer wir das Zaubereiministerium betreten. Dann müssen wir uns auf verschiedene Ergebnisse einstellen. Zeit genug haben wir ja."

„Du meinst wir müssen jede Möglichkeit exakt durchplanen?"

„Ja, genau das meine ich, Rabastan."

Eine kurze Stille trat ein, und sowohl Bellatrix als auch Rabastan schienen über Rodolphus Vorschlag nachzudenken, während sich dieser erhob und zur Bar ging.

„Wein?", fragte er beiläufig und hielt inne, als er in den Schrank griff, um sich ein Glas herauszunehmen.

„Ja!", kam es gleichzeitig von Bellatrix und Rabastan.

Rodolphus nickte knapp, holte dann drei Gläser hervor und stellte jeweils eins von ihnen vor einen der Anwesenden.

„Seri", rief er. Daraufhin erschien neben ihm eine Hauselfe mit eingezogenen Ohren und gesenkten Kopf.

„Ja, Meister?", erklang ihre ängstliche, zittrige Stimme in dem Raum und sie hob gerade soweit den Kopf, dass ihr keine Bewegung ihres Meister entging.

„Hol uns eine Flasche von dem alten Grand Chardonnay."

Mit einem nicht gerade leisen „Plopp", das das Geräusch der sich öffnenden Türe vollkommen übertönte, verschwand die Elfe wieder, nachdem sie ein leises, ängstliches „wird gemacht Herr" gemurmelt hatte. Rodolphus hingegen ließ sich nun wieder neben seiner Frau auf dem Sofa nieder und sah sie eindringlich an.

„Rodolphus hat Recht, Rabastan", meinte Bellatrix dann, um das unangenehme Schweigen zu unterbrechen. „Es wird das Beste sein, uns auf alles vorzubereiten und Zeit haben wir ja nun wirklich nicht zu wenig."

Rabastan ließ ein resignierendes Seufzen vernehmen. Jeder der Anwesenden wusste, dass Rabastan einer derjenigen Todesser war, die sich ohne sich groß Gedanken darüber zu machen in den Kampf stürzten. Trotzdem konnte man ihn nicht als faul bezeichnen, sondern viel mehr als jemand der einen großen Bogen um überflüssige Arbeit machte.

„Na gut", stimme er schließlich zähneknirschend zu und griff nach seinem Weingleis, was mittlerwiele mit einer hellgelben Flüssigkeit – dem Grand Chardonnay – gefüllt war und nahm einen großzügigen Schluck davon, ehe er das Glas in der Hand routieren lies und nachdenklich auf die gegen den Glasrand prallende Flüssigkeit starrte. „Womit fangen wir an?"

„Ich denke, wir sollten uns als erstes überlegen, als wer wir das Zaubereiministerium betreten und wer von uns diesen Part erledigen soll. Denn immerhin können wir nicht zu dritt dort auftauchen und nach den Potters fra-"

„Dann übernimm du es, Rodolphus", unterbrach Bellatrix Rodolphus' Redeschwall und fixierte ihn aus ihren kühlen schwarzen Augen.

„Ich?", fragte Rodolphus und hob ungläubig eine Augenbraue. „Warum gera-"

„Stimmt. Rodolphus eignet sich am Besten. Er ist der Einzige von uns der wenigsten noch etwas Ahnung von Diplomatie hat. Immerhin hat er eine zeitlang im Ministerium gearbeitet."

„Das war genau mein Gedanke, Rabastan", sagte nun Bellatrix und gab ihrem Gatten nicht die Möglichkeit irgendetwas zu sagen, denn dieser sah noch immer recht ungläubig und widerwillig zwischen Rabastan und Bellatrix hin und her.

„Gut, dann hätten wir das ja erklärt," klatschte Rabastan, der sein Glas bereits wieder abgestellt hatte, erfreut in die Hände und achtete nicht großartig auf seinen Bruder. „Als wer schicken wir Rodolphus denn ins Ministerium?"

„Die Frage ist eher an wessen Haare wir rankommen, ohne Aufsehen zu erregen," kam es brummend von Rodolphus, der immer noch nicht zufrieden mit der Entscheidung zu sein schien, sich aber trotzdem damit arrangierte. „Außerdem müssen wir die Person für einen Tag außer Gefecht setzen, denn es wäre ziemlich blöd, wenn es die Person plötzlich zweimal gibt."

„Es muss jemand sein, der ziemlich viel Einfluss im Ministerium hat und dem man ohne Weiteres einfach die Informationen ausliefert."

„Am Besten wäre es, wenn wir die Person gut genug kennen, um Reaktionen einschätzn zu können. Denn wenn es jemand Wichtiges sein soll, müssen wir uns auch so verhalten, wie dieser, sonst fällt die Täuschung ziemlich schnell auf."

„Ich würde meine Vater vorschlagen", drang dann eine Stimme durch den Raum und ließ Rabastan, Rodolphus und Bellatrix unwillkürlich zusammenzucken. Der Urheber der Stimme war niemand anderes als Bartemius Crouch Junior, der nun schon seit einiger Zeit unbemerkt am Türrahmen lehnte und die Koversation aufmerksam verfolgt hatte. „Er ist angehender Zaubereiminister und somit ein ziemlich hohes Tier im Ministerium. Außerdem kenne ich ihn in- und auswendig."

„Das ist gut. Das ist wirklich gut," hauchte Bellatrix kaum vernehmbar und ihre Augen funkelten fasziniert.

„Wäre es dann nicht besser, wenn Crouch den Part mit dem Verwandeln übernimmt?", meldete sich nun Rodolphus zu Wort.

„Nein", sagte Crouch nur mit ruhiger Stimme und sein Blick lag auf Rodolphus, der jetzt fragend eine Braue hob und den jungen Mann musterte. „Ich weiß zwar wie mein Vater tickt, aber ich kann noch lange nicht so auftreten."

Rodolphus verdrehte die Augen und ließ sich frustriert aufseufzend zurückfallen. „Wer sagt, dass ich es kann?"

„Ich!", kam es sofort von Bellatrix. „Das wäre nicht das erste Mal, Rodolphus, dass du als jemand anderes auftreten musst."

„Ich weiß", knurrte Rodolphus. „Wieso muss ich immer die Drecksarbeit machen?"

„Da wir das ja nun geklärt haben, sollten wir vielleicht mal überlegen, wie wir Bartys Vater außer Gefecht setzen, ohne dass er es merkt," sagte Rabastan, der Rodolphus gekonnt überging, und wies Bartemius mit einer Handbewegung an sich doch zu setzen, was dieser auch gleich tat.

„Ein einfacher Stupor wird genügen," schlug Bartemius vor, was die anderen drei in schallendes Gelächter ausbrechen ließ.

"Ein Stupor. Der war gut, Crouch," lachte Rabastan und schlug dem Strohblonden auf die Schulter.

„Wenn wir den hochverehrten Mr. Crouch schon einen Besuch abstatten, wollen wir auch unseren Spaß haben", erklärte Bellatrix dann und ihre Augen spiegelten fanatische Schadenfreude wieder.

Der junge Crouch schluckte. Irgendwie hatte er gehofft, dass sie seinem Vater nicht allzu viel antun würden. Wieso wusste er eigentlich selber nicht, denn eigentlich hasste er ihn abgrundtief.

„Immerhin haben wir es ihm und seinen Kollegen zu verdanken, dass wir uns in dieser Barrake verkriechen müssen."

„Genau", stimmte Rabastan nun zu.

„Na toll! Während ich versuche einen der langweiligen Mitarbeiter des Ministeriums die Daten des Junges und womöglich anderer Jungen, die im selben Zeitraum geboren sind, abzuleiern, habt ihr euren Spaß."

„Tja, so ist das Leben, Rodolphus", meinte Bellatrix zu ihrem Gatten und grinste ihn frech an. „Einer muss ja den Drecksjob machen."

„War klar, dass ich das bin."

„Dafür kannst du die Eltern des anderen Kindes foltern", beruhigte Rabastan die Situation, bevor sie eskalieren konnte, denn das wäre zwangsläufig der Fall gewesen. „Ich und Barty schieben Wache! Abgemacht?"

„Abgemacht!", ging Rodolphus den Deal ein und nun zierte auch sein Gesicht ein fanatisches Grinsen. „Vorrausgesetzt unsere Vermutungen erweisen sich als richtig und es gibt überhaupt ein anderes Baby."

„Wenn wir schon dabei sind", mischte sich nun wieder Barty ein, „sollten wir schonmal überlegen, wie viele Möglichkeiten es gibt."

„Es gibt nur zwei, du Dummkopf", zischte Bellatrix und warf ihm einen bösen Blick zu.

Rodolphus grinste leicht über die Reaktion seiner Frau. Sie konnte es halt nicht ausstehen, wenn jemand nicht so schnell mitdachte, wie sie und gegen Barty schien sie soweiso eine Abneigung entwickelt zu haben. Beruhigend legte er ihr eine Hand auf den Oberschenkel und strich ihr sanft darüber.

„Und die wären?" Bartemius funkelte nun seinerseits Bellatrix böse an.

„Entweder es gibt ein anderes Baby oder es gibt keins," klärte Rodolphus ihn auf, denn seine Gattin hatte sich nur augenverdrehend nach hinten gelehnt und genervt aufgeseufzt"

Die Einfachheit dieser Aussage ließ auf dem Gesicht des Strohblonden einen roten Schimmer erscheinen. In der Tat hätte jeder Muggel sogar darauf kommen können, aber manchmal sah man halt Lord Voldemort vor lauter Todesser nicht.

„Wenn es keins geben sollte, dann wird unsere ganze Vermutung über den Haufen geworfen. Was willst du dann bitte planen, Rodolphus?", fragte nun Rabastan und sah seinen Bruder mit hochgezogenen Brauen an. „Wäre es nicht schwachsinnig jetzt schon weitere Mutmaßungen anzustellen? Dann würden wir ja nur selber Zweifel an unserer Jetzigen hegen."

„Wo er Recht hat, hat e-"

„Ist gut, Bartemius", unterbrach ihn Rodolphus nun harsch und wandte seinen Blick von Crouch zu seinem Bruder, den er nun kühl ansah. „Ich bin nicht blöd, Rabastan. Das meinte ich auch nicht, als ich von mehreren Möglichkeiten sprach! Seit wann zweifle ich selber an meinen Thesen, wenn es überhaupt keinen stichhaltigen Beweis dagegen gibt?"

Rodolphus Stimme klang erbost. Erbost darüber, dass Rabastan es wagte ihn als blöd darzustellen. Mit Bartemius konnten Bellatrix und er das ja machen, aber bestimmt nicht mit ihm.

„Was meintest du dann?", fragte Rabastan trocken und beachtete Rodolphus' Blick gar nicht. Er war es gewohnt.

„Wenn es ein Baby gibt, dann müssen wir uns auf die verschiedenen Arten von Familien gefasst machen. Auroren, Schlammblüter, Reinblüter, MUGGEL, Mitglieder des Ordens und so weiter.."

„Was macht das denn für einen Unterschied?", fragte nun Bartemius beinahe ängstlich. „Ich meine, es ist doch egal, ob wir versuchen wollen, aus einem Muggel Informationen über den Aufenthalt unseres Herrn zu rauszubekommen oder aus einem Auror."

„Nein!", zischte Bellatrix und funkelte Bartemius wieder böse an. „Ein Auror hat, abgesehen davon, dass er widerstandsfäger ist, größere Chancen Verstärkung zu rufen. Außerdem wird sein Haus mit Sicherheit stärker bewacht, als das eines Auroren oder eines Mitglied des Ordens. Soll ich dir das nochmal aufschreiben, damit du es auch verstehst, Crouch?"

„Bleib ruhig Bella", ging Rodolphus dazwischen und streichelte seiner Frau über den Oberschenkel, was sie tatsächlich zu beruhigen schien. „Nun, wenn wir das geklärt hätten? Rabastan? Crouch?" Bei nickten und Rodolphus fuhr fort: „..Können wir ja endlich mit den Planen anfangen. Wie gehen wir vor, wenn es sich um eine Familie handelt, die Mitglied des Ordens...?"

Erst spät am Abend wurde das Licht im Wohnzimmer des kleinen dreihundert Kilometer nördlich von Lordon gelöscht. Niemand der Zaubererbevölkerng Englands ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass noch Todesser herumliefen, die die Hoffnung nicht aufgegeben hatten, ihren Herren zu finden, denn ganz England feierte noch immer dessen Sturz.


„Ich verstehe immer noch nicht, warum ich mitkommen sollte, Crouch", durchbrach Rodolphus' Stimme die Stille der Nacht. Mittlerweile war es Ende November und es war zunehmend kälter geworden. Die Straßen waren vereist und es schien so, als würde in nächster Zeit der erste Schnee fallen. Aber das war dem großen schwarzhaarigen Mann - von einunddreißig Jahren – schlichtweg egal. Zwar wirkte sein Gang auf den glatten, rutschigen Straßen nicht mehr ganz so selbstsicher, wie sonst, aber das war ihm immer noch lieber als der glühend heiße Sommer.

„Damit ich auch wieder zurückfinde, Lestrange", antwortete ihm Bartemius schlicht, der wackelig neben ihm herging und sich hin und wieder an Rodolphus festhalten musste, um nicht auszurutschen. „Ich hätte auch deinen Bruder nehmen können, aber der war nicht auffindbar."

„Was ein Glück, dass es stockdüster ist, Crouch, du machst dich völlig lächerlich", spottete Rodolphus amüsiert, als sich der Strohblonde wieder mal an seinen Umhang klammerte.

„Mach dich ruhig lustig."

„Mach ich auch."

„Toll, Lestrange! Wirklich toll! Wie schaffst du es überhaupt so gerade zu laufen und nicht auszurutschen, hä? Hast du Noppen an deinen Schuhe, oder was?

„Todessergeheimnis!" Mit diesen Worten griff Rodolphus nach seiner Kapuze und zog sich diese tief ins Gesicht, als er die Lichter des vor ihnen liegenden Dorfes erkannte. „Gehe ich Recht in der Annahme, dass das da vorne das Dorf ist, wo deine Eltern wohnen?"

„Jap."

„Gut, dann kannst du ja alleine weitergehen. Ich warte hier."

„Aber..."

Der junge Crouch sah kurz fragend zu Rodolphus, nickte dann aber und ging weiter ohne ein weiteres Wort zu sagen. Rodolphus hingegen verhaarte circa fünfzig Meter vor dem Dorfrand und lehnte sich an einen alten Kuppelzaun, um auf den Jüngling zu warten. Er selber konnte es sich nicht leisten, sich in die Nähe eines angehenden Zaubereiministers zu begeben, denn immerhin wurden sein Bruder, seine Gattin und er eben wegen diesem Mann und einigen anderen, schon seit Monaten der Anhägerschaft von Lord Voldemorts bezichtigt und versteckten sich. Da wäre es äußerst näher als nötig an diesen Mann ranzugehen. Er würde seine Bestrafung noch früh genug erhalten, wenn auch nicht von ihm persönlich.

Der frostige Wind, der über das Land wehte, ließ den Schwarzhaarigen erzittern. Unwillkürlich zog er seinen Umhang enger um sich und hoffte innerlich, dass der Strohblonde sich beeilen würde. Ungedulidg ließ der Schwarzhaarige seinen Blick zum Eingang des Ortes wandern, in welchem Bartemius vor kurzem verschwunden war. Wie weit es wohl von dort aus noch bis zum Hause der Crouchs war? Noch nie war er bei dem Jungen zu Hause gewesen, aber er hoffte, dass es gleich um die Ecke war.

Zitternd rieb er sich seine mittlerweile klammen Hände, in der Hoffnung diese so etwas zu wärmen zu können. Wieso dauerte das so lange? War es denn so schwer ein paar Haare von seinem Vater zu besorgen?

Ein leises „Plopp" ließ den hochgewachsenen Mann zusammenfahren, der sich nun hastig in die Richtung der Geräuschquelle drehte und dabei seinen Zauberstab zog.

„Lass ihn sinken, Lestrange. Ich bin es!", kam ihm die vertraute Stimme von Bartemius Crouch Junior entgegen.

„Hast du die Haare?", fragte er nur unwirsch, ließ den Zauberstab aber immernoch auf die nun näherkommende Gestalt gerichtet.

„Jap", ließ Crouch fröhlich verlauten. „Tut mir Leid..meine Mutter hat mich voll gequatscht."

„Interessiert mich nicht, Crouch. Und nun komm schon. Es ist schon nach Mitternacht."

Mit diesen Worten packte Rodolphus den sommersprössigen, strohblonden jungen Mann am Arm und apparierte mit ihm zu dem kleinen aber feinen Versteck dreihundert Kilometer nördlich von London.

„Du findest ja jetzt den Weg?", stellte Rodolphus mehr fest, als dass er fragte. Ohne auf Crouch oder eine Antwort seinerseits zu warten schritt er den Weg zu dem Anwesen hinauf, betrat dieses durch die sich geräuschlos öffnenden Flügeltüren und entledigte sich seines schwarzen Umhangs, bevor er die Treppen nach oben stürmte.

Als er den zweiten Stock erreichte, verlangsamte er seine Schritt und blieb letztlich vor einer schwarzen Tür mit etlichen Verzierungen stehen. Langsam, als hätte er Angst jemanden zu wecken, drückte er die Klinke runter und schob die Tür auf.

„Du bist noch wach?", stellte er dann leicht verwundert fest, während er auf das Bett zuging und sich auf seiner Seite auf der Bettkante niederließ.

„Ja, Rodolphus", entgegnete Bellatrix ihm und schlug das Buch zu, in welchen sie bis eben gelesen hatte, und sah nun zu ihrem Gatten, der mit dem Rücken zu ihr saß und sich seine Klamotten auszog. „Habt ihr sie bekommen?"

„Ja." Er kletterte ins Bett und beugte sich dann über seine Frau.

„Happy Birthday", hauchte er noch, ehe er seine Lippen auf die ihren legte und sie in einen Kuss verwickelte, den sie sofort und ohne Zögern erwiederte.

„Ich dachte schon du hättest es vergessen."

Er konnte ihren heißen Atem auf seinen Lippen spüren und ein angenhmes Schaudern erfasst seinen Körper. Gleichzeitig schlang Bellatrix ihre Beine um seine Körpermitte und presste sich gegen ihn.

„Niemals", sagte er leise und lächelte sie sanft an. Dann versanken sie beide in einem leidenschaftlichen Kuss. In diesem Moment waren sie ein ganz normales Ehepaar, dass sich einander hingab. Vergessen waren die Umstände, unten denen sie zusammengeführt worden waren und vergessen war die Sorge um ihren Herren und Meister, der nun an diesem 28.November seit fast einem ganzen Monat verschwunden war.


Dunkelheit lag über der Landstraße, die zu dem kleinen Dorf führte, das Rodolphus und Bartemius schon wenige Tage zuvor heimgesucht hatten, und dicke Nebelschwaden hangen in der Luft, die die Sicht noch zunehmend verschlechterten. Die am Rand der Straße entlang laufenden Gestalten, konnten noch nicht einmal die gegenüberliegende Straßenseite ausmachen, so dicht war der Nebel. Das Dorf selber war nur an winzigen punktförmigen Lichtkegeln zu erkennen, die mit jedem Schritt, den die vier komplett in schwarz gekleideten Menschen machten, größer wurden. Keiner der vier wagte es auch nur einen Ton zu sagen.

Mucksmäuschenstill schritten sie voran und hatten nach einiger Zeit das erste Licht, das den Dorfeingang zu makieren schien, erreicht. Das Licht, dass nun auf die vier Gestalten fiel, ließ drei hochgewachsene Männer erkennen, die die Kapuzen ihres Umhangs tief ins Gesicht gezogen hatte, genau wie ihre weibliche Begleiterin. Die Umhänge waren lang und umhüllten sie komplett. Nur aus einen der Ärmel konnte man bei allen Vieren ein langes Stück Holz hervorblitzen sehen, was ein jeder Muggel für vollkomen ungefährlich gehalten hätte. Doch das keiner der Vier auch nur annähernd ungefährlich war, hatten schon viele Muggel schmerzhaft zu spüren bekommen und in den meisten Fällen sogar mit dem Leben bezahlen müssen.

Mittlerweile hatten das Quartett das halbe Dorf durchquert. Der erste blieb nun vor einem Hauseingang stehen und streifte mit einer Handbewegung die Kapuze herunter, wodurch ein Gesicht eines jungen Mannes mit Sommersprossen zum Vorschein kam, dass von strohblondem Haar umrahmt wurde.

„Wie wir besprochen haben?!", durchbrach seine Stimme, die vor Anspannung zitterte, die Stille.

Die anderen Drei nickten. Bartemius Crouch hob seine Hand, in welcher er seinen Zauberstab hielt und begann leise und unverständlich vor sich hinzumurmeln, doch es geschah nichts. Auch die drei Begleiter des jungen Mannes rührten sich nicht und sahen starr auf das Haus. Ganz plötzlich jedoch leuchtete das Haus in blau schimmernden Flammen auf, und das schien das Zeichen zu sein, worauf die zwei Männer und die Frau gewartet hatten.

Während einer der Männer mit der Frau um das Haus herumgingen und schließlich hinter dem Haus verschwanden, blieb der Andere bei dem Strohblonden. Als rote Funken hinter dem Haus in die Luft stiegen, setzen auch sie sich in Bewegung, stiegen die Treppen zum Eingang des Hauses hoch und Bartemius öffnete beinahe lautlos die Tür. Die Beiden betraten das Haus und bewegten sich durch die Flure und Zimmer, als wären sie Luft. Nicht ein einzigstes Geräusch verursachten sie. Als sie vor einer der Türen stehen blieben und Bartemius ein leises „Schlafzimmer" gemurmelt hatte, flog mit einer Explosion die Tür aus den Angeln, die noch Sekunden später nachzuhallen schien. Doch keinen der Beiden interessierte das. Mit wenigen Schritten standen sie mitten im Zimmer vor dem Bett und zielten mit dem Zauberstab auf jeweils eine der beiden Personen die nun panisch die Augen aufrissen und nach ihren Zauberstäben tasteten.

„Stupor", kam es gleichzeitig von Bartemius und Rabastan und die Eltern des Blonden kippten geradewegs zurück ins Bett.

„Wenigstens sind sie weich gefallen", spottete Rabastan, der nun ebenfalls seine Kapuze abstreifte und näher aufs Bett zu trat, um den Mann hochzuheben und über seine Schulter zu werfen. Bartemius nickte lediglich und tat das gleiche dann mit seiner Mutter. Gemeinsam brachten sie die beiden zurück ins Wohnzimmer, wo sie auf Bellatrix und Rodolphus stießen, die mitten im Zimmer standen und sich leise unterhielten.

„Ich frag mich immer noch, wieso wir die Haare schon vor 2 Tagen besorgt haben, wenn wir sie jetzt genauso gut hätten holen kommen", sagte Rodolphus grimmig.

„Du weißt, dass wir den Plan kurzfristig geändert haben, Rodolphus", entgegnete ihm Rabastan ruhig und ließ den angehenden Minister achtlos zu Boden sinken, wobei ein lautes Knacken zu hören war, was alle bis auf Bartemius zum Lachen brachte.

„Schade, dass er geschockt ist", seufzte Bellatrix und grinste schadenfroh, „ich hätte ihn zu gerne aufschreien gehört."

„Dazu hast du nachher noch genug Zeit", war das Einzigste, was ihr Gatte dazu sagte, der nun eine übergroße Phiole, die mit einer dicker und dunkler schlammartigen Konsistenz gefüllt war, hervorholte. Er öffnete die Phiole, beugte sich zu dem Mann herunter, zog ihm ein ganzes Büschel Haare aus, obwohl er ja eigentlich welche besaß, und gab es zudem schlammigen ‚Getränk'. Es zischte und schäumte, und der Trank nahm einen grün gelben Ton, den Rodolphus würgen ließ.

„Du traust mir wohl nicht, Lestrange", beurteilte Crouch das Handeln des 12 Jahre älteren Mannes.

„Ich traue nicht mal meiner Frau", entgegnete Rodolphus kalt und betrachtete angewiedert den Inhalt der Phiole. Wieso hatte er sich darauf eingelassen?

„Lass es dir schmecken." Rodolphus bedachte seinen hämisch grinsenden Bruder nur mit einem finsteren Blick, bis er schließlich ein gefährlich klingendes „Danke" knurrte, das Glasgefäß entgültig an seine Lippen setzte und den Inhalt mit zwei großen Schlucken trank.

Nur wenige Millisekunden später krümmte sich Rodolphus zusammen und lag seine Hände auf seinen Bauch gepresst keuchend auf dem Teppichboden des Wohnzimmers. Er fühlte sich, als würde sein kompletter Körper in Flammen stehen und wie heißes Wachs zerlaufen und neuformen. Seine Augen hatte er nur halbgeöffnet und er konnte daher nur schemenhaft wahrnehmen, wie sich sein Körper zu verändern begann. Er schien kleiner zu werden und auch deutlich an Umfang zu verlieren, was er an seinen nun zu großen Roben spüren konnte. Auch seine Haarfarbe hatte sich geändert: Nun war sie nicht mehr schwarz wie zuvor, sondern blond; wenn auch nicht so blond wie die Haare von Bartemius.

„Wenn du so vor den Altar getreten wärst, hätt' ich glatt noch einmal mehr ‚nein' gesagt, als ich es ohnehin schon getan hätte."

„Sehr witzig, Bellatrix. Wirklich sehr witzig", sagte Rodolphus, nachdem er sich ächtzend erhoben hatte und an sich herunter sah. „Bei, Salazar! Dein Vater ist echt ein Pimpfling, Crouch!"

Bartemius' Augenbrauen zogen sich zusammen und ließen ihn wütend wirken. Dennoch sagte er nichts und reicht Rodolphus stattdessen wortlos einen Packen ordentlich zusammengelegter Kleidung, den er wohl während Rodolphus' Verwandlung geholt haben musste.

Beinahe umständlich schälte sich Rodolphus aus seiner Kleidung und zog die Roben des echten Bartemius Crouch Senior an. Nachdenklich betrachtete er sein Spiegelbild in einer der Glasscheiben der edlen Wohnzimmerschränke und strich sich mit seinen Händen durch die Haare, bis sie so lagen, wie sie es bei Crouch immer taten. Wenige Sekunden arbeitete er noch an seiner Mimik, bis er schließlich einen Gesichtsausdruck auf dem Gesicht hatte, der den des Echten unheimlich ähnelte.

„Wieviel Zeit hab ich noch?", fragte er nun seine schweigenden drei Mitstreiter.

„Ganze dreiundfünfzig Minuten und achtundvierzig Sekunden", kam es prompt von seinem Bruder.

„Dann wünsch ich euch viel Spaß", sagte Rodolphus, griff nach den beiden Zauberstäben, – sein eigener und der des echten Crouchs - die ihn Bellatrix wortlos hinhielt und war mit einem leisen „Plopp" verschwunden.

Nur den Bruchteil einer Sekunde später tauchte Rodolphus, alias Bartemius Crouch Senior, in der Empfangshalle des Ministerium wieder auf. Die gold-blaue Halle mit ihrem Springbrunnen in der Mitte sah wie auch immer prächtig aus, doch das beachtete er gar nicht. Viel mehr war er damit beschäftigt, die vielen Hexen und Zauberer zu begrüßen, die nun auf ihn zukamen.

„Guten Morgen, Bartemius. Bist heut' aber früh dran. Dachte du hast er um sechse Dienst!", begrüßte ihn ein stämmig wirkender Zauberer mit Vollbart freundlich und ehe er sich versah, hatte er auch schon seine Hand ergriffen und schüttelte diese ausgiebig.

Nervösität stieg in ihm auf. Hatten sie doch einen Fehler in ihrem Plan?

„Ich hab noch Einiges zu erledigen", antwortete er und setze ein crouchtypisches Lächeln auf, bevor er sich mit entschuldigenden Worten an dem Zauberer, dessen Namen er nicht kannte, vorbeiquetschte und auf den Nebenraum zusteuerte. Er konnte den Zauberer noch ein „Wir sehen uns beim Mittagessen" sagen hören, doch er schenkte ihm keine Beachtung mehr. Gerade noch so erwischte er einen Fahrstuhl, der schon dabei war die Gitter zu schließen und stellte sich zu den dichtgedrängten Menschen.

Zu seinem Glück sprach ihn keiner mehr auf seiner Fahrt von dem achten bis in den ersten Stock an. Ohne Zeit zu verlieren verließt der Mann den Fahrstuhl, kurz nachdem der Fahrstuhl die im ersten Stock gegelegen Zaubereiministeriumszentrale erreicht hatte und die goldenen Gitter aufgeglitten waren.

„Guten Morgen", sagte er dann freundlich, als er die Sekretärtin entdeckt hatte, die an einem großen Schreibtisch, der direkt vor den Zugängen der wenigen Büros stand, throhnte und nun, als sie ihn sah, ein strahlendes Lächeln aufsetzte.

„Schönen guten Morgen, Mr. Crouch", empfing sie ihn enthusiastisch und lächelte ihn immer noch übertrieben gutgelaunt an. „Ihren Zauberstab, bitte!"

Es war genauso, wie Bartemius es beschrieben hatte und er war dem Jungen jetzt im Nachhinein mehr als dankbar, dass er sich ihnen angeschlossen hatte. Ohne ihn wären sie wohl nur mit Mühe und Not so weit gekommen. Aber noch hatten sie nichts erreicht.

Mit einem freundlichen „Mit Vergnügen" reichte er der jungen Sekretärin, die daraufhin zu kichern begann, den Stab des alten Crouch.

Rodolphus trat einen Schritt zurück und beobachtete fasziniert die Überprüfung des Zauberstabs. Die junge Empfangsdame zielte nun mit ihrem eigenen Stab auf den des alten Crouch und murmelte ein paar unverständliche Worte, woraufhin der Stab grün zu leuchten begann.

Als die junge Frau auf- und in sein Gesicht sah, begannen ihre Mundwinkel zu zucken.

„Wissen sie, wie sie gucken, Mr. Crouch? Als wenn es für sie etwas komplett Neues wäre, wie ich ihren Zauberstab überprüfe"

Scharf sog Rodolphus die Luft ein, was die junge Frau mit einem fragenden Blick quittierte.

„Nun, Michelle, ich habe noch einen Auftrag für sie. Wenn sie mir bitte in mein Büro folgen würden." Gekonnt überging er ihre Bemerkung und steuerte nun sein Büro an. Mit Erleichterung stellte er fest, dass die junge Frau, deren Namen er auf ihrem Schreibtischschildchen gelesen, Feuer und Flamme war und nach ihm das Büro betrat. Wahrscheinlich bekam sie nicht oft irgendetwas von ihm persönlich aufgetragen.

Er ging einige Schritte in den Raum bis er vor seinem Schreibtisch stand und drehte sich auf dem Absatz um, sodass er nun gegen sein Pult lehnte. Die junge Frau, die unsicher im Türrahmen stand, bedachte er mit einem aufmunternden Lächeln.

„Schließen sie bitte die Tür, Michelle."

„Natürlich!" Sie schloss die Tür und trat ein wenig näher an ihn heran; hielt aber immer noch gebührenden Abstand.

„Zu erst einmal müssen Sie mir versprechen, dass kein Wort an jemanden Drittes weitergelangt. Ich forsche in eigener Sache und möchte nicht, dass unnötiges Aufsehen erregt wird, solange ich keine handfesten Beweise habe."

„Ich verspreche es, ich verspreche es hoch und heilig. Aber worum geht es denn?", fragte sie, nachdem sie ihm zugenickt hatte. Die Neugierde, die sie zu unterdrücken versuchte, war ihr dennoch anzusehen.

„Sie haben doch sicher von dem tragischen Tod der Familie Potter gehört."

„Wirklich furchtbar. Ein Wunder, dass der Junge überlebt hat."

„In der Tat. Wunderbar und sogleich bemerkenswert. Dennoch habe ich die Befürchtung, dass der Junge, wo er auch ist, noch lange nicht außer Gefahr ist. Ich vermute, dass der Angriff von Sie-wissen-schon-wer unmittelbar mit dem Geburtsdatum zusammenhängt. Was mich dazu veranlasst eben das zu denken, lassen wir jetzt mal außen vor…", begann Rodolphus zu erzählen und er konnte am Blick der Sekretärin sehen, dass er sie jetzt schon um den Finger gewickelt. Er, der Held des Ministeriums, der vielen kleinen Babies das Leben retten will!

„Aber vielleicht ist nicht nur der Junge in Gefahr, sondern auch alle diese, die kurz vor oder nach dem Jungem geboren wurden. Deshalb möchte ich sie darum bitten, mir das Geburtsdatum Harry Potters herauszusuchen und die Namen der anderen, damit ich alles, was in meiner Macht steht, in Bewegung setzen kann, um diesen Babies das Leben zu retten. Und das bitte so schnell, wie es ihnen möglich ist. Jede Sekunde zählt."

„Bin schon weg!" Kurze Zeit später fiel die Tür ins Schloss und ein breites Grinsen erschien auf dem Gesicht des alten Crouch. Das war einfacher gewesen, als er gedacht hatte.

Energisch stieß Rodolphus sich ab, umkurvte den aus Birkenholz bestehenden Tisch, holte seinen eigenen Stab aus der Umhangtasche hervor und öffnete mit einem einfachen „Alohomora" die einzelnen Schubladen, um diese zu durchsuchen. Vielleicht würde er ja noch etwas interessantes in dem Büro finden, was er zu seinem Gunsten nutzen konnte.

„Na dann wollen wir mal sehen...Papiere, Schreibutensilien, noch mehr Papiere, eine Akte über den Prozess gegen Sirius Black...hmpf, als ob der jemals ein Todesser gewesen wäre...ein Spikoskop, noch mehr unbrauchbare Papiere...Akten...Artikel aus dem Tagespropheten...ist dem Mann langweilig? Noch mehr Papier..ach egal..." Seufzend schlug er die letzte Schublade des Schreibtisch zu und ließ nun seinen Blick über die mit Akten und Ordnern überfüllten Wandregale wandern, bis er an der Uhr hängen blieb. Er hatte noch ganze fünfzehn Minuten. Wenn diese Michelle nicht bald mit den Akten auftauchen würde, hätte er ein kleines Problem. Ein GANZ kleines.

Ungeduldig schritt er nun im Raum auf und ab und sah jede paar Sekunden auf die große Uhr, die über der Tür hang. Wie lang konnte man eigentlich brauchen, um so ein paar blöde Informationen zu besorgen? Das konnte doch nicht so schwer sein. Oder doch? Sollte ihr Plan am Ende doch nicht aufgehen? Bisher war alles so einfach gewesen? Würde sich das nun rächen? Hätte er nicht doch lieber noch eine weitere Phiole des Trankes mitnehmen sollen? Wieso nur hatte er auf die anderen Drei gehört? Eine Stunde würde genügen...von wegen! Warum nur hatte er den anderen vertraut? Das tat er doch sonst nie! Wieso gerade jetzt?

Nervös fuhr er sich durch die Haare und beobachtete den Minutenzeiger dabei wie er auf vierzehn Minuten vor Sechs sprang. Unaufhaltsam und mit rasanter Geschwindigkeit schien der Sekundenzeiger von einer Ziffer zur nächsten zu springen.

„Tick...tack...tick...tack...tick...tack"

Noch neun einhalb Minuten und Rodolphus wurde zunehmend nervöser. Wie sollte er noch rechtzeitig aus den Ministerium rauskommen?

„Tick...tack...tick...tack...tick..."

Noch neun Minuten. Die Zeit lief gegen ihn und das verdammt schnell. Mittlerweile hatte er aufgehört auf und abzugehen und starrte wie gebannt auf die Uhr, deren Sekundenzeiger weiterraste.

„Tick...tack...tick...tack...tick..."

Acht einhalb Minuten. Wie lange würde er brauchen, um das Ministerium zu verlassen?

„Tick...tack...tick...WUMMS!!!"

Ehe er sich versah lag Rodolphus alle Viere von sich gestreckt auf dem Boden und keuchte auf. Er hatte so nah vor der Tür gestanden, dass diese ihn voll erwischt hatte, als sie mit Schwung geöffnet worden war.

„Mr. Crouch...oh, Mr. Crouch. Das tut mir Leid..ich wollte nicht..ist es schlimm..tut es sehr weh..soll ich-"

„Nein, Michelle! Es ist alles in bester Ordnung." Beinahe hastig rappelte er sich auf. „Haben sie die akten?"

„Ja. Ich habe auch gleich die Akte des anderen Ju-", begann sie freudestrahlend, doch Rodolphus beachtete sich nicht weiter und riss ihr den Papierstappel mit einem unfreundlichen „Geben sie schon her" aus der Hand und stürmte aus dem Raum, wo er eine vollkommen verwirrte Michelle stehen ließ. Aber das war ihm egal. Beinahe panisch warf er einen Blick auf seine Armbanduhr, als er vor dem verschlossenen Gittern des Aufzugs stand und immer wieder auf den mit einem Pfeil nach unten gekennzeichneten Knopf drückte.

Noch sieben Minuten.

„Mein lieber Crouch, sie wollen doch nicht etwa den Aufzug kaputt machen?!"

Wie von einer Tarantel gestochen fuhr Rodolphus herum und sah sich nun niemand anderem als der Zaubereiministerin persönlich gegenüber. Völlig konsterniert stand er da und war den musternden Augen Millicent Bagnols vollkommen ausgeliefert. Wenn er nicht wollte, dass er nun so kurz vor dem Ende aufflog, sollte er etwas sagen, doch Bagnol kam ihm zuvor.

„Geht es Ihnen nicht gut, Crouch? Sie sehen so blass aus", fragte sie auch schon besorgt und ging einen Schritt auf ihn zu. „Was machen sie überhaupt schon so früh hier? Wenn ich mich nicht irre haben sie erst in...", sie warf einen prüfenden Blick auf ihre Armbanduhr, „knapp zehn Minuten Dienst!" Ihr Blick fiel auf die Akten, die er immer noch vollkommen offentsichtlich in der linken Hand hielt. „Und wieso haben sie Akten bei sich, Crouch? Sie kennen doch die Vorschriften!"

Vorschriften? Welche Vorschriften? Verdammt! Wieder ein Fehler im Plan. Aber vielleicht...

Er räusperte sich. „Sie haben Recht, Millicent. Mir geht es nicht sonderlich gut und sie kennen meine Frau", ein gespielt verschämter Ausdruck trat auf sein Gesicht, „Sie hat mir schon damit gedroht mich am Bett festzubinden, sollte ich heute auf der Arbeit erscheinen..."

„Und da haben Sie sich frühmorgens aus dem Haus geschlichen, um sich etwas Arbeit zu besorgen, damit sie nicht vor Langeweile sterben!", kombinierte sie und ihre Stimme klang nicht gerade begeistert, sondern eher vorwurfsvoll, doch das wissende Lächeln auf ihrem Gesicht strafte ihren Worten Lügen. „Sie sind ein ausgefuchster Mann, Bartemius. Selbst die schwerste Krankheit würde Sie nicht von ihrer Arbeit abhalten. Wirklich vorbildlich! Viele ihrer Kollegen sollten sich ein Beispiel an Ihnen nehmen, aber nun gehen Sie schon nach Hause und bleiben sie bloß im Bett, denn die Gesundheit geht immer noch vor. Grüßen sie ihre Frau von mir und achten sie bloß darauf, dass Sie Niemand mit den Akten erwischt, sonst mutiert unsere gutgesicherte Aktei bald noch in eine für Jedermann zugängliche Bibliothek."

Sie lachte auf und kurze Zeit später stimmte Rodolphus in ihr Lachen ein, auch wenn er nicht wirklich verstand, warum sie denn lachte. „Danke, Millicent. Ich werde ihr nur die besten Grüße bestellen."

Mit diesen Worten drehte er sich um und zwängte sie gerade noch in letzter Sekunden durch die sich schon wieder schließenden Gitter des Aufzugs, der unbemerkt während des Gesprächs angekommen sein musste und nun beinahe ohne ihn wieder den Weg nacht oben angetreten hätte.

Erleichtert aufseufzend lehnte er sich gegen die Wand des Aufzugs, bei dessen Fahrt sich ein leichtes Hochgefühl in ihm ausbreitet. Das war knapp gewesen. Er war sich beinahe sicher gewesen, dass Millicent Bagnol Verdacht geschöpft hatte und dann lieferte sie ihm selbst auch noch die perfekte Ausrede, die sie scheinbar geschluckt hatte. Nun hatte er noch ganze vier Minuten, um das Zaubereiministerium seelenruhig zu verlassen.

Sein Blick wanderte zu der Anzeige des Aufzugs. Er befand sich zwischen dem vierten und den fünften Stock. Bisher hatte der Fahrstuhl nicht ein einziges Mal gehalten und auch den fünften Stock passierte er ohne Anzuhalten. Es war zwar erst zehn vor Sechs, aber dennoch herrschte im Zaubereiminiserium selbst um diese Uhrzeit reger Betrieb. Irgendetwas stimmte nicht und Rodolphus beschlich so langsam das Gefühl, dass Millicent Bagnol ihn nur hatte in Sicherheit wiegen wollen...