Bus Stop - Part 2
Der nächste Morgen war bewölkt und Hermione trug eine warme Strickjacke. Ihre Tante hatte sie dazu gebracht mit ihr Karten zu spielen. Sie sagte, wenn sie nur zwei weitere Spieler hätten, dann könnten sie ihren eigenen Bridge Club eröffnen. Ihre Tante dankte ihr herzlich für ihren Besuch und gab ihr einen feuchten, orangenen Kuss auf die Stirn und schickte sie nach draußen.
Nachdem sie fertig war die Reste des Lippenstifts von ihrer Augenbraue wegzuwischen, lief Hermione den Bürgersteig weiter entlang zur Haltestelle. Sie wartete für ungefähr zwei Minuten, als sie jemanden entdeckte, der den Bürgersteig aus der anderen Richtung entlang kam und auf sie zulief.
„Und wieder hallo", grüßte Hermione nicht besonders enthusiastisch.
„Hallo, Granger", sagte Malfoy. Er schwang seinen Regenschirm in seiner Hand hin und her. Zu ihrer Überraschung öffnete er ihn und stelle sich neben sie, sodass beide unter ihm standen.
„Du weißt schon, dass es nicht regnet, oder?", fragte sie.
Er zuckte mit seinen Achseln, hatte ein kleines Funkeln in seinen Augen. „Ich dachte, dass es unsere kleine Tradition wäre", erklärte er mit einer sehr heiteren Stimme, die sie noch nie von ihm zuvor gehört hatte.
„Man kann keine Tradition nach nur einem Tag haben", wendete sie ein, obwohl sie ein kleines Lächeln an ihren Mundwinkeln fühlte.
Er machte sich über sie lustig, indem er den Kopf schüttelte und mehrmals leise mit der Zunge schnalzte. „Natürlich kann man das. Jede Tradition beginnt mit einem ersten Mal. Es ist nur eine Frage, wie man es aufrecht erhält", erklärte er und zwinkerte ihr zu.
Hermione zog eine Augenbraue nach oben. „Wer bist du und was hast du mit Draco Malfoy gemacht?"
Er lachte. „Granger, Granger, Granger... gib mir eine Pause."
Hermione rollte ihre Augen. „Was machst du in diesem Teil von London?"
Er überlegte. „Nicht wirklich viel. Ich stehe hauptsächlich hier rum, halte einen Regenschirm und rede mit dir."
„Das ist nicht das, was ich meinte", sagte sie und schlug ihn sanft auf dem Arm.
Er seufzte. „Wenn du es unbedingt wissen willst, ich gehe zur Arbeit."
„Arbeit?", fragte sie.
Er nickte. „Dieser Bus hält nicht zu weit vom Tropfenden Kessel entfernt. Von dort aus kann ich laufen."
Hermione rümpfte ihre Nase. „Aber wieso bist du dann überhaupt hier?", fragte sie.
Er schmunzelte. „Ich nehme an, dass du niemals bei der Gasse dort unten neben dem Schuhladen warst?" Sie schüttelte ihren Kopf. „Das Manor ist für Muggel mit einem Desillusionierungszauber belegt, zwischen zwei Schnicknackläden dort drüben. Es ist erstaunlich, wie sie nicht bemerken, dass dort etwas ist, was einen halben Kilometer breit ist."
Hermione zog scharf die Luft ein. „Dein Grundstück ist einen halben Kilometer breit?"
„Und fünfzehn tief", fügte er hinzu.
„Fünf... - mitten in Muggel London?", fragte sie mit Erstaunen.
Er nickte. „Zugegeben, das Manor wurde gebaut, bevor dieser Teil der Stadt industrialisiert wurde", fügte er hinzu.
„Dann sag mir", fragte sie nach einer kurzen Pause, „warum musst du arbeiten gehen, wenn du extrem reich bist, so wie du es suggerierst?"
Er grinste und hob sein linkes Hosenbein um seinen Metallring zu zeigen. „Der Bewährungshelfer lässt mich das machen", erklärte er. „Ich muss einen Job haben, ansonsten würde es für mich nach Azzy gehen."
„Oh", antwortete sie unsicher.
„Ich weiß, du würdest sterben, um es zu wissen", sagte er.
„Was zu wissen?"
„Du willst wissen, was ich getan habe", antwortete er. „Du willst wissen, warum ich einen Bewährungshelfer habe."
Sie schüttelte ihren Kopf. „So wie ich dich kenne, kann ich mir das schon denken."
„Kennst du mich? Du denkst sicher, dass es wegen dem, was im sechsten Jahr passierte, ist, oder nicht?", fragte er lässig und nahm seinen Regenschirm in seine andere Hand.
„Ich würde sicherlich denken, dass es damit etwas zu tun hat", beantwortete sie ihm seine Frage.
„Dafür bekam ich fünf Jahre", erzählte er ihr. „Doch den Bewährungshelfer habe ich aus einem anderen Grund."
„Und was wäre das?", fragte sie und hob eine Augenbraue.
„Unterschlagung", sagte er.
„Unterschlagung?", fragte sie stirnrunzelnd.
„Das ist es", sagte er. „Nichts mehr und nichts weniger."
„Welche Art von Unterschlagung?", fragte sie.
Er schmunzelte. „Nur ein paar kleine Änderungen zum Willen meines lieben, alten Vaters", sagte er.
Sie hob eine Augenbraue. „Wieso, gab er dir nur achtundneunzig Prozent seines Geldes anstatt der ganzen Bude?", fragte sie.
Er rollte seine Augen. „Er gab mir nur das Manor", sagte er. „Ich habe nur arrangiert, dass ich mir selber eine kleine Geldspende zukommen lasse."
„Dann bist du pleite?", fragte sie. Ihr Unglauben konnte man anhand der Krümmung ihrer Augenbrauen gut erkennen.
Er lachte. „Nein. Ich habe eine antike Vase für zehntausend Galleonen verkauft. Ich bin wohl kaum pleite."
Sie blinzelte ihn an und bemerkte, dass sich die Wolken doch noch dazu entschieden hatten es regnen zu lassen. „Das würde den teuren Regenschirm erklären", bemerkte sie und trat unbewusst näher an ihn heran, um den Regen zu vermeiden.
„Also bist du wirklich nicht mit dem Wiesel zusammen, eh?", fragte er.
Sie schüttelte ihren Kopf. „Wir haben uns schon vor Jahren getrennt."
„Was ist mit Potter?"
Sie runzelte ihre Stirn. „Ähm, nein."
Malfoy lachte. „Nicht dein Typ?"
Sie schüttelte ihren Kopf. „Wir sind zu gute Freunde für so etwas. Das kann ich mir wirklich überhaupt nicht vorstellen."
Er kickte mit seinem Fuß nach einer Pfütze. „Ich habe neulich an ihn gedacht. Ich kam zu der merkwürdigen Erkenntnis, dass sich sein Name mit 'Fairy Water' * reimt. Damit hätte ich etwas anstellen können..."
„Ich denke, da kommt der Bus", kommentierte Hermione und blickte müde in diese Richtung.
„Nein", sagte er. „Das ist Nummer fünfzig. Er fährt dort vorne nach links", sagte er.
„Du bist eine Fontaine nützlichen Wissen, oder nicht?", fragte sie.
„So in etwa wie du eine Fontaine unnützen Wissens bist?", fragte er schneidend.
„Hey!", beanstandete sie.
„In welchem Jahr bäumten sich die Elfen aus Sumer gegen ihre Herren auf, indem sie sich weigerten das Silber für eine Woche zu putzen?"
„1253", antwortete sie. „Und das ist nicht unnütz. Es ist eine sehr interessante Information, die ich zu meinem Vorteil für meine Kampagne für Hauselfenrechte nutzen kann."
„Ich kann nicht glauben, dass du das wusstest", sagte er. „Wie kannst du das wissen?"
Sie zuckte mit ihren Schultern. „Einige von uns haben bei Professor Binns aufgepasst", erklärte sie.
„Und ich bin sicher, der alte Bock wäre glücklich – wäre es ihm noch möglich etwas zu empfinden oder überhaupt irgendetwas zu bemerken – zu wissen, dass ihm tatsächlich ein Student zugehört hat. Glaube mir, du musst die Einzige gewesen sein. Der einzige Grund, weshalb ich meine ZAGs geschafft habe war der, dass ich das Lehrbuch gelesen habe."
„Du kannst lesen?", täuschte sie Unglauben vor.
Er rollte seine Augen. „Das", sagte er, „ist jetzt unser Bus." Er zeigte runter zur Straße zu einer Blechkiste, die vor ihnen zum Stehen kam.
„Oh, Glücksnummer zweiundfünfzig, nicht?", fragte sie und schielte zu dem Bus, dessen Türen sich öffneten. Eine Warteschlange voller Muggel bildete sich vor ihnen und sie beeilten sich, sich einzureihen.
„Er ist noch nicht explodiert", sagte Malfoy mit einem Grinsen.
„Das ist vermutlich alles, was man von einem Bus erwarten muss, nehme ich an", kommentierte sie seine Aussage, stieg in den Bus und zeigte dem Fahrer ihren Fahrschein. Malfoy folgte ihr zu ihrem Sitz im hinteren Teil des Busses und setzte sich neben sie. „Dir ist schon klar, dass überall leere Plätze sind, nicht?"
Er zuckte mit seinen Achseln und legte seinen Regenschirm unter den Sitz. „Und was dann – mit einem Dahergelaufenen herum sitzen? Ebenso Muggel? Ich werde es mit dir wagen."
„Du bist zu gütig", sagte sie mit einem Naserümpfen.
Er gluckste. „Bilde dir nichts darauf ein", sagte er mit einem Schwenk seiner Hand. Er seufzte. „Erzählst du mir, ob du alleine lebst oder nicht?"
Sie rümpfte die Nase. „Wieso bist du so besessen? Und warum sollte ich dir das überhaupt erzählen? Soviel ich weiß, könntest du..."
„Dir etwas Teuflisches antun, wenn du ganz alleine in deiner kleinen Wohnung bist?", fragte er. „Ich habe gesagt, dass ich zwar ein Krimineller bin..."
„Aber dass du kein Kleinkrimineller bist. Das habe ich schon verstanden", beendete sie den Satz.
„Dann erzähl mir wenigstens, ob du verheiratet bist", schlug er als Kompromiss vor.
Sie verdrehte ihre Augen und schaute nach oben. „Nein", antwortete sie.
„Interessant", sagte er und kratzte sich am Kinn. „Verlobter?"
Sie lachte. „Nein."
„Fester Freund?", versuchte er.
Sie hob eine Augenbraue. „Was denkst du?"
Er täuschte vor einen Moment nachzudenken. „Feste Freundin?"
Sie schlug ihm auf den Arm. „Nein. Du bist unglaublich neugierig für jemanden, der mich nicht mal mag", stellte sie fest.
„Und du bist unglaublich scharf darauf, den ersten Mann, der Interesse an dir zeigt – was vermutlich eine sehr lange Zeit her ist – zu vertreiben", stellte er fest.
Sie schnaubte. „Interesse? Ist es das, was du hast?"
Er setzte ein kühnes Lächeln auf. „Stell dir nur mal vor, Granger – du, ich... und ein Regenschirm macht drei?"
Sie starrte ihn einen Moment lang an. „Hast du was getrunken?"
Er steckte seine Zunge raus. „Offensichtlich hast du keinen Sinn für Humor."
„Oh", sagte sie etwas niedergeschlagen. „Ha ha."
„Auf jeden Fall bin ich natürlich froh, dass wir heute nicht über Kaugummi reden. Dein Liebesleben, auch wenn es langweilig ist, ist sicher interessanter als Kaugummi zu kauen", merkte er an.
„Danke... nehme ich an", sagte sie.
„Kein Problem", antwortete er galant.
„Und was ist mit dir?", fragte sie. „Irgendwelche Romanzen in deinem Leben?"
Er seufzte. „Ich befürchte, ich habe zu viel Zeit in Azzy verbracht, um viele Kontakte zu knüpfen, romantisch oder in anderer Art und Weise. Obwohl, da war dieser hübsch aussehende Dementor..." Er zwinkerte.
Sie lachte. „Das ist nicht fair, sich über mein nicht existierendes Liebesleben lustig zu machen, wenn deines genauso ist", stellte sie fest.
„Was ist schon fair. Solange es Spaß macht." Er streckte seine Arme. „Warum müssen diese Sitze so eng sein? Es ist gerade mal so Platz für zwei."
Sie nickte als Bestätigung. „Wir sind fast an meiner Haltestelle", bemerkte sie.
„In diesem Falle, Fräulein, biete ich Ihnen ein auf Wiedersehen an", sagte er.
„Weißt du", sagte sie, „ich denke, du könntest bei all diesen Dementoren um dich herum etwas verrückt geworden sein."
„Durchaus möglich", sagte er und lehnte sich zurück in seinen Sitz. „Bis zum nächsten Mal, Granger."
Der Bus hielt und sie stiefelte den Gang entlang und hielt kurz inne, um ihn vor dem Aussteigen noch einmal anzusehen. Sie hätte schwören können, er hat ihr zugezwinkert.
Hallo liebe Leute!
mit einem Tag Verspätung, dafür aber trotzdem noch während meines Urlaubs von Polen aus das neue Kapitel! Momentan läuft übrigens gerade Fußball (Dtl. gegen USA) auf einem polnischen Sender und ich sitze mit meinen Leuten in der Hotellobby. Immerhin :D
Eine Bemerkung zu „Fairy Water" und dass sich Potter darauf reimt. Das heißt so viel wie „schwule Gewässer". Ich fand es jedoch nicht passend es zu übersetzen, da damit der Sinn des Reimes verloren gegangen wäre.
Dann bis zum nächsten Mittwoch und dem nächsten Kapitel :-) ich freu mich schon wieder von euch zu hören und danke euch für's Lesen!
