Zitat mit dem glauben

Schwerelos schwebten ihre roten Haare im Wasser. Sie bewegten sich gleichmäßig mit den Wellen, auf und ab. Kleine Luftblasen bildeten sich bei jeder ihrer Bewegungen und stiegen in diese schier unendlichen Atmosphären auf. Als sich ihre grünen strahlenden Augen unter Wasser umsahen, erblickten sie nichts als blaue Weiten. Langsam und zaghaft hob sie ihre Hand und musterte sie. Jegliche Farbe war von ihr gewichen. Die Dunkelheit um sie herum wirkte erdrückend. Einengend. Ihre grünen Augen blickten hilfesuchend zur Wasseroberfläche, doch diese war komplett mit Eis bedeckt. Hartes, undurchdringliches, erstickendes Eis. Panisch schnappte sie nach Luft. Das eisige Wasser drang in ihre Lungen. Wie ein Donnerschlag presste es ihre Brust zusammen. Die Dunkelheit griff mit langen schmalen Fingern nach ihr und zog sie zu sich. Immer tiefer.

Doch was war dieses Licht? Es kam näher. Das Licht schien sie umschließen zu wollen, sie zu retten. Vor der Verdammnis der Schatten. Doch, das war nicht einfach nur ein Licht, es war...

Und genau an diese stelle wachte ich auf, wie immer wenn ich diesen Traum hatte. Ein seltsamer Traum, nicht war? Und dennoch faszinierend.

Ich glaube unsere Träume sind nicht einfach nur fiktive Zusammenhänge, die unser Kopf zusammenstellt. Nein! Sie sind mehr. Fenster zur Seele. Fenster zu Verborgenem. Verborgenem in unserem hintersten Stübchen, dass wir aus irgendeinem Grund vergessen haben. Ich glaube, sie sind unsere Kommunikationsquelle zu etwas, was wir irgendwann einmal als wir erwachsen wurden, vergessen haben. Und genau dieser Traum, der mich seit meinem 10 Lebensjahr nicht mehr loslässt, soll mir irgendetwas sagen. Etwas was ich scheinbar vergaß. Er kommt immer und immer wieder, mal klarere mal verschwommener.

Apropos verschwommen, wo bin ich eigentlich? Als ich mich umsehe, bemerke ich die Vorhänge, die vor mein Bett gezogen wurden, die weiße Decke in die ich sanft gehüllt wurde und trotzdem, ist dies nicht mein Bett. Mein Kopf schmerzt, ein Blick nach links auf das Nachttischchen verrät mir, dass ich im Krankenflügel gelandet bin. Doch wie?

Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich durch den dichten Nebel draußen die Kontrolle über meinen Besen verlor. Doch das, war keine Erklärung dafür wie ich hierher kam?

Doch mein Kopf war so schwer, dass ich beschloss doch erst einmal die Augen zu schließen. Wer weiß wohin mich mein nächster Traum führt.

Nicht besonders weit, musste ich feststellen, als ich am nächsten morgen erwachte. Madame Pomfrey stand an meiner Seite. Natürlich fragte ich sofort, wie ich her hergekommen war.

„Keine Ahnung Kleines, jemand hat dich hergebracht, ich hab gehört wie dir Tür klappte. Sei froh, das da anscheinend jemand auf dich aufgepasst hat."

War die unbefriedigende Antwort, die ich erhielt. Für mich lag es Glas klar auf der Hand, dass dies nur mein Schutzengel gewesen sein konnte. Dies versuchte ich auch ein paar Stunden später meiner besten Freundin Alice klar zu machen. Wie der Rest der Menschheit an dieser Schule war sie ja schon so erwachsen. Aber trotzdem mag ich sie, denn tief in ihr steckt auch nur dieses einsame verirrte Mädchen, das so gerne glauben möchte, jedoch kein Seil findet, an dem sie sich festhalten kann. Ich würde sie gern hochziehen, aber mein Seil scheint oftmals nicht mal mich zu halten.

Neben mir schüttelt Alice nur wieder ungläubig den Kopf, als ich ihr meine Theorie erzähle wie ich in den Krankenflügel gekommen bin.

„Sicher, dass sie dich schon rauslassen wollten? Vielleicht hast du doch mehr abbekommen..."

Na vielen herzlichen dank auch und so was schimpft sich beste Freundin. Denn das war sie wirklich, jemand der mich kannte, mochte und sogar akzeptierte, wie ich war. Bei den anderen hörte es bei „kannte" schon auf und auch das nur wiederwillig und oberflächlich.

„Ich werds dir beweisen, dass ich recht hab.", sagte ich zu ihr. Wieder einmal schüttelte sie nur lächelnd ihren braunen Lockenkopf.

„Ja, klar Lily. Beweise es mir.", sagte sie spottend.

Ja, spotte nur. Lass dir Ketten anlegen, wie ein wildes Tier im Zirkus. Immer brauchen sie Beweise. Beweise für was? Beweise dafür das es mehr gibt als man mit bloßen Auge erkennt? Es gab auch keinen Beweis dafür das ich nicht recht hatte. Ja, gebt ihr einen Beweis, dass es nicht existiert woran ich glaube. Völlig in Gedanken versunken, führten mich mein Weg in die Bibliothek. Wohin auch sonst in diesem Zustand? Entweder ich fand hier Antworten, oder neue Träume und beides war es Wert.

Doch ich wollte diesmal mehr, mehr als diese einfachen Werke, die jeder einsehen konnte. Mich reizte das verbotene. Oh, wie das wieder klingt. Lily die Straftäterin. Nein, ich wollte nur in die verbotene Abteilung der Bibliothek.

Ganz hilfreich dafür war , dass Ms. Pierce, die Bibliothekarin gerade nicht an ihrem Platz war. Und da sagt mit einer noch mal es gäbe kein Schicksal. Denn das Schicksal lud mich quasi dazu ein, in eben jene Abteilung zu spazieren.

Gedacht getan. Ich schnappte mir schnell ein paar der Bücher die vielversprechend klangen. Und weg war ich auch schon wieder.

Jedenfalls aus der Bibliothek, jetzt nur noch mit den 5 dicken Wälzern, einmal quer durchs Schloss und geschafft. Ich war also auf geheimer Mission. In meine Ohren hörte ich schon die eingeblendete Mission Impossible Melodie. Ich blickte um die Ecke in den Gang. Ok, niemand da. Schnell hinter die nächste Statue und noch einmal ein prüfender Blick nach hinten, rechts, links. Alles Sauber, Komander Evans. Sehr schön. Ich blickte auf die Bücher in meinen Armen, und – ach du grüne neune. Es sind nur noch 4. Madei , maidei. Nummer 5 auf halben Weg verloren. Ich lugte also wieder hinter einer Statue hervor und da lag es mitten im Gang...es muss ziemlich lautlos gefallen sein. Anders konnte ich mir den unbemerkten Verlust nicht erklären. Vorsichtig legte ich die anderen Bücher ab, machte einen schnellen Sprung auf das Buch zu, griff es und hops war ich wieder hinter der Statue. Wow, das war schon Stuntman reif. Zufrieden nickend wollte ich weiter, doch als ich mich umblickt „AHHH!", schrie ich auf. „Potter! Was stehst du hier so dumm rum?"... Man, der Typ ist doch echt unheimlich. Lungert an einer Ecke rum. Tse... wer macht denn so was dummes...und dann grinst er auch noch so frech...oh, nein, er hatte hoffentlich nicht... „Schöner Sprung, Evans. Eine Rolle wäre besser gewesen. Aber das ist alles durchaus Ausbau fähig.", sein Grinsen wurde zu einem breiten Lachen...ja, er war ja so witzig...Achtung Ironie!...

„Krieg ich noch eine gratis Vorstellung oder nimmst du ab jetzt Eintritt!", was sag ich...wahnsinnig witzig. „Potter du nervst.", fauchte ich ihn nur an. Lieber fauchen, als anmerken lassen, dass mir das ganze ganz schön peinlich war.

„Hey, wollen wir uns heut Abend treffen oder übst du noch für die nächste Show?", witzelte er weiter...ja witzeln...witzeln ohne witzig zu sein...dafür hätte er beinahe mal einen Preis gewonnen...

Ich wollte einfach unbeirrt meinen Weg fortsetzen, doch er versperrte mir den Weg. „Was denn willst du noch einen draufsetzen?", fragte ich mit erhobener Augenbraue...oh ja, die schüchtert Jeden ein. „Ich könnte eine Kuss draufsetzen." na ja, fast jeden...aber Potter war halt ne ausnahe... bei ihm müsste man ein Schild machen, am besten so groß wie ganz England und es ihm an die Stirn tackern, mit Leuchtpfeilen versteht sich...wobei ich mir selbst dann nicht sicher bin, ob er je was checken würde...

„Heißt das ich soll?", fragte er, da ich immer noch keine Reaktion zeigte... er legte seine Hand auf meine Hüfte und wollte mich gerade zu sich ranziehen...doch bei mir stellte sich grad der Autopilot für Potter-Anmachen ein und es klatschte. Sagte ich nicht, er ist schwer von Begriff... aber DAS war etwas, was selbst er verstand. Er hielt sich nun die Wange...man die hatte gesessen und jetzt guckt er noch wie ein geschlagenes Hundebaby...

„Also gehen wir heut zusammen aus?", fragte er mich doch tatsächlich.

Was würdet ihr in solch einer Situation tun? Noch mal eine klatschen? Gar nichts sagen? Oder ihn auf Lily Evans Art zur Schnecke machen?

Ich seh das so wie ihr, ich tendiere auch meist zur Lily-Evans-Spezial-Abfertigung...aber halt...ich bin momentan auf geheimer Mission unterwegs...somit hab ich keine Zeit jetzt noch einen Vortrag zu halten... also tat ich etwas untypisches...

Ich lächelte...an diesem punkt hätte er schon misstrauisch werden müssen...griff seine Kravatte und zog ihn zu mir herunter...man, riechen tut er ja verdammt gut... „James...", hauchte ich nun und er grinste...ich muss sagen es war kein arrogantes grinsen...es war schon fast schüchtern...aber das ist nicht der Punkt...

Mein Atem streifte an seiner Wange entlang...hey, ich hatte ihm die Chance gelassen wegzulaufen...

Und mit all meiner Stimmgewalt schrie ich ihm ins Ohr: „ICH-GEHE-SICHER-NICHT-MIT-DIR-AUS, DU-HORNOCHSE."

Jetzt musste ich echt lachen. Das hatte ihn mehr als nur aus der Fassung gebracht...aber inständig hoffte ich, dass er auf dem Ohr noch hören konnte...nein! ich mach mir keine Sorgen...nur er versteht meine Abfuhren sonst viel schlechter und hey wie ihm jedes mal da Gesicht entgleist, wenn mir eine ganz besondere Gemeinheit einfällt ist echt herrlich...

So kam es, dass ich meinen Weg unbeirrt fortsetzen konnte. Natürlich Mission Impossible like.

Im Schlafsaal breitete ich die Bücher auf meinem Bett aus und begann zu lesen.

Wenig später erschien auch Alice wieder auf der Bildfläche.

„Oh, nein", stöhnte sie nur auf, als sie sah was ich tat.

„So du glaubst mir nicht Alice! Aber ich finde du solltest dir das hier mal durchlesen. Dann siehst du das vielleicht ganz anders." Alice sah mich skeptisch an.

„Ok, ok, ich les es vor. Also pass auf:

das ist von einem englischen Adligen, er hat ein Tagebuch geführt und er hat am

17.12.1879 geschrieben:

Heute im Glanze der Sichel des Mondes, erblickte ich einen Boten Gottes. Schon so lange bat ich um ein Zeichen, schon so lange, bat ich um Hilfe für meine kranke Frau. Doch als ich am heutigen Abend aus der Kirche schrat, erblickte ich ihn. Auf dem höchsten Punkt der kleinen Heiligenstätte. Im schimmernden weiß. Umhüllt von leichtem Nebel. Ich erstarre in schierer Erfurcht vor dem Wesen des Himmels und wie ich es ansah und es mich ansah mit seinen gütigem Blick wusste ich, dass alles worum ich bat, ihm bereits bekannt war."

Alice guckte mich immer noch mit einem ahnungslosen Blick an...ich war ja auch noch nicht fertig mit meiner Beweisführung...ich sammle seit ca. 6 Jahren Beweise...aber keiner konnte auch nur irgendwen überzeugen...ich hingegen war immer ein kleines bisschen mehr überzeugt...

„Ein paar tage später schrieb er dann:

24.12.1879

Ich danke Gott, aus aller Tiefe meines Herzens. Meine Frau fand Genesung und ich meinen Herzenswunsch erfüllt. Noch vor wenigen Tagen, war sie dem Tod geweiht. Nun scheint sie wiedergeboren. Sie berichtete mir von einem Schwur mit dem Herrn den sie geschlossen hatte. Ein traue aus ihrer fiebrigen zeit? Oder sah sie jenes verwunschenes Wesen, das auch ich erblickte.

Siehst du? Er hat einen Engel gesehen und der hat seine Frau geheilt, die hat ihn auch gesehen."

„Lily, das ist ein paar Jahrhunderte her. Damals glaubten sie auch noch an Himmel und Hölle."

Und wer sagt das es die nicht gibt?...das sag ich lieber nicht laut... sonst krieg ich wieder den Lily-ist-irre Blick. Bin ich auch...irre kreativ...

„Ach, und hier ist noch so was ähnliches:

1705

Nahe dem Tode verweilte ich, eingesperrt in mein brennendes Haus. Bevor ich mich der Erschöpfung preis gab, kam ein Licht welches mich errettet. Es sprach leise Worte und als meine Augen wieder zur Besinnung fanden. War ich in Gottes heiliger Stätte. Mir schien als müsse ich mich vor nichts mehr hier auf Erden fürchten. Da ich wusste, dass Gott bei mir war.

Na!"

„Weißt du, ich find es schön das du Träume hast.-", begann Alice nun...

ja ich auch...

„und ich find es süß wie du dich da reinkniest-"

find mich auch nen bisschen süß...

„aber-"

jetzt wendet sich das Blatt wieder...

„vielleicht übertreibst du ein wenig!", vollendete Alice ihren Satz.

„Was? Tu ich nicht!", rief ich empört. Tu ich ja auch nicht...

„Ach nein? Und wo hast du die Bücher her?"

Mist, das ist ne Fangfrage. Ich setzte in Gesicht auf, als hätte ich grad nicht richtig zugehört und fragte ganz schienheilig „Was?"

„Wo du die Bücher her hast?", bohrte sie weiter.

„Gefunden?!", klang zwar nicht überzeugend, war aber auch nicht ganz gelogen...

„Wo?", wollte sie nun wissen. Ist das nen Kreuzverhör?

„Bibliothek"; antwortete ich knapp...und ich möchte vermerken, dass auch dies der Wahrheit entsprach.

„So alt wie die Bücher sind? Ich wette du hast sie dir aus der verbotenen Abteilung geholt?"

Sie war gut...

„Wie sollt ich das denn bitte schön anstellen?", fragte ich mit spottendem Unterton, nur um dem mehr Ausdruck zu verleihen schüttelte ich ungläubig lachend den Kopf...

„Naja du könntest sie genommen haben, als Mrs. Pierce heut morgen nicht da war."

Man, kann sie in meinen kopf gucken oder woher weiß sie das...

„Ich hab sie auf dem Weg in den Gemeinschaftsraum getroffen, also da als du in die Bibliothek bist."

Sollte mir das jetzt angst machen...

„Tja, ich weiß eben so einiges. Du kannst jetzt ruhig angst haben."

Ja, die hab ich jetzt auch echt...

„Verstehst du aber jetzt, was ich meine mit ausarten? Lily, es ist es nicht Wert das du deswegen Ärger bekommst."

Is doch gar nichts ausgeartet...und das ist es ja wohl mal so was von Wert...blöde pseude Realisten...pah... Alice sah mich jedoch mit einem sehr Mütter fürsorglichen ich mache mir Sorgen Blick an...der bringt mich immer in die Knie...

„Ja, du hast recht.", sagte ich überzeugend. In Klammern denkst... sie hatte natürlich unrecht...

„Ich weiß zwar, dass du das nicht ernst meinst aber ich belasse es dabei.", meinte sie seufzend und ging.

Ich sollte dringend lernen meinen Geist zu verschließen...so ließ sie mich also wieder allein mit all meinen schönen Büchern...