Leicht lag der Duft von Sofia Lambs Parfüm in der Luft, schmeckte beinahe wie eine süße Melodie der Verlockung und ließ Ryan nicht nachgeben. Stets hatte sie Widerworte an ihn zurichten, stets hatte sie zu klagen, anzuklagen, zu verurteilen. Nie konnte das junge Ding schweigen, und noch weniger akzeptieren, dass er als Älterer von beiden, wohl am ehesten wusste was für seine Stadt das Beste sei. Er zog sie über den Mahagoni Schreibtisch und die darauf verstreuten Unterlagen näher zu sich heran, während er meinte in der dröhnenden Stille seines weitläufigen Büros ihren Atem vernehmen zu können, wie er vibrierend, beinahe zischelnd wie eine Schlange nach mehr Luft rang, und vielleicht auch nach dem lieblichen Odeur des Sauerstoffes weit oberhalb der Meeresoberfläche. „Sie sind ein Mädchen der Oberfläche, Sofia", gab er mit tiefer Stimme von sich, während seine Finger sich leicht im Stoff ihres roten Kleides vergruben, und sein Kopf immer näher an ihren Hals zu gleiten schien, sodass die Rollen nun vertauscht, er derjenige war, welcher die Fäden zog, kontrollierte, wie weit die Rebellin vor ihm zu gehen vermochte – wie weit er selbst ging. „So ein hübsches Mädchen", fuhr er fort und sein Atem streifte ihren elfengleichen Teint. „So ein kluges Mädchen, das denkt das Spiel zu kennen…", er lachte leise, ein einschneidender Ton aus seiner Kehle, einerseits scharf wie ein Messer, andererseits plump wie ein Beil, eine nahezu gefährliche Mischung. „Ich befürchte wir bewegen uns auf zwei komplett verschiedenen Tanzflächen, Mr. Ryan", erwiderte Sofia, und legte den Kopf sanft gegen seinen warmen Atem, sodass er ihre Wange benetzte, spielerisch leicht auf ihr ruhte, und einen wärmenden Kontrast zu der Kälte ihrer Worte bildete. Sie sah es nicht, doch um Andrew Ryans Lippen legte sich ein Lächeln, als er seinen Griff um ihren schmalen Körper erst intensivierte, nur um sie schließlich los zu lassen und in stattlichen Schritten um den Schreibtisch herum zu tigern, wie ein majestätischer Löwe. Sofia ihrer Seits bewegte sich nicht, hielt Inne, und sogar ihren Atem an, als Ryan von ihr abließ. Sie wusste, dass er nun nicht mehr gehen würde, dass der Mann und vielleicht auch das Tier in Ryan Blut geleckt hatte, viel zu viel, um jetzt von ihr abzulassen. Und auch ihr selbst schien dieses Spiel zu gefallen, ein ewiges hin und her spielen von Bällen, ein ewiges Passen, wer wohl den rechten Treffer setzen würde, wem es wohl gelang das Gegenüber kurz in Sprachlosigkeit zu versetzen…
Der Herrscher von Rapture blieb stehen, als er seinen angestammten Platz, vor seinem Ledersessel erreicht hatte und kurz schien es, als wolle er sich setzen, doch es sollte anders kommen. In einer der Art schnellen Bewegung, wie man es einem Mann in seinen Tagen wohl kaum zugetraut hatte, schnellte er an den Tisch heran, packte die blonde Amerikanerin und zog sie an sich, während seine rechte Hand dominierend um ihre Hüften lag, und die linke beinahe spielerisch über einen ihrer Oberschenkel glitt. „Schenken Sie mir nur diesen einen Tanz, und betrachten Sie es als… Einführung in die Ballsälen Utopias", Ryan senkte seinen Blick, traf auf Sofia Lambs, und blieb an ihm hängen. Er sah ihr tief und unergründlich in die strahlenden Augen, während sie die Augen immer wieder beinahe lasziv aufschlug, als hatte für sie der Tanz zwischen Blümchen und Biene bereits begonnen.
Es war, als benebelten die gegenseitigen Düfte die Köpfe Beider. Sofia wölbte sich unter dem herrischen Griff des Erbauers von Rapture, eben diesem entgegen und ihre Atemzüge kamen bebend über ihre roten Lippen. Wie er vor ihr stand, so dominant, unnachgiebig, und dennoch in der Pose eines Gentlemans. Ihre Augen lösten sich von seinem markanten Gesicht, tasteten seinen Hals hinab und streiften die dunkle Krawatte, das weiße Hemd, den Anzug. „Mit Vergnügen", erwiderte sie und öffnete den Mund einen Spalt breit, während sich ihre Augenlider herab senkten und sie ihre Lippen in unendlich zaghafter Geste auf die ihres politischen Gegners legte. Sanft brannten ihre Münder ob der beinahe verbotenen Berührung, doch dies war kein Grund sich voneinander zu lösen. Der Tanz hatte begonnen, das Orchester eingesetzt, nur Feiglinge wichen nun zurück.
Sofia hatte die Lider gesenkt, als genoss sie die Liebelei nur allzu sehr, und auch Ryan war anzusehen, dass ihm gefiel was geschah, sofern es möglich war die Mine eines arktischen Eisblockes zu deuten. Der Druck, welchen seine Hand auf ihren Oberschenkel ausübte wuchs, der Erbauer Utopias spannte sich leicht an, während Lamb, wie um auf seine Gesten zu reagieren, ihre Beine beinahe einen Spalt breit öffnete, um den seinen Platz dazwischen zu gewähren. Kaum merklich warf ihr rotes Kleid Falten, rutschte über ihre glatten Beine und entblößte eine nahezu verboten süße Sicht auf ihre Haut, wenngleich das Kleidungsstück noch reichlich genug verdeckte, als das es hätte anstößig sein können. Sofias Nacken spannte leicht, als sie ihre Lippen mit unendlicher Vorsicht von denen ihres Gegenübers nahm, und ihre Augen langsam, wenn auch wohlwollend aufschlug. Ihr Blick streifte den Andrew Ryans; sie spürte seinen Atem auf ihrer zarten Haut, und wiederholt glitten ihre Lippen voneinander, während sich die junge Frau streckte um Ryans Hals mit sanften Küssen zu benetzen. Bis dato war der Blick des Mannes unnachgiebig gewesen, wenn er seine Augen denn geöffnet hatte, doch als sich seine sonstige Widersacherin unter seinen Händen anzuspannen begann, und ihr lieblicher Mund schließlich seinen parfümierten Hals traf, sanken seine Lider beinahe entspannt, während eine gehobene Augenbraue seinem Antlitz den Hauch eines Forderns verlieh.
Eine kleine Weile ließ Ryan Lamb gewähren, ermöglichte ihr mit den flinkesten Fingern seine Krawatte zu lösen, und sogar beinahe fordernd über die Stelle zu lecken, unter welcher sein, mit Toniken versetztes Blut in seinem Hauptquell floss, bis es dem Mann von Welt schier zu Bunt zu werden schien. Bis jetzt hatten seine Hände ruhig auf ihrem Körper verharrt, nicht einmal dann oder wann gezuckt, Wohlgefallen an ihren Penetrationen hatte er nicht im Geringsten geäußert, Zeit, den Spieß herum zu drehen. „Mir scheint Sie verstehen nicht viel von den Brettern, die die Welt bedeuten, Ms. Lamb." Ryan räusperte sich und schlug die Augen auf; klar kreuzte sein Blick den ihren, augenblicklich drehte Sofia den Kopf. Ob sie sich in ihm getäuscht, all ihre Karten auf das falsche Pferd gesetzt hatte? Und dennoch blieben die Hände des dominierenden Mannes, welcher soeben wahrlich abweisend gesprochen hatte. In der nächsten Sekunde jedoch wurde sie beinahe grob zurück gerissen, Lambs Rücken krachte auf die Tischplatte, ihr Kopf fiel leise pochend hinterher, bis sie vor ihm lag. Dennoch blieben die Hände wo sie waren. Auf Sofias Zügen breitete sich Erschrecken auf, dumpf lähmte es ihre zuvor so süßen Züge. Was hatte er getan? War das in seinen Zügen doch nicht pures Missfallen? Ryans Mund verzog sich zu einem beinahe höhnischen Grinsen – nein, so sprach Missfallen nicht, so sprach Genugtuung. „Ob Sie sich wohl an die Schritte erinnern werden, wenn ich Sie Ihnen zeige?", ersuchte er zu wissen und ließ das Windplasmid, welches so eben noch dafür gesorgt hatte, dass das hübsche Biest eine deutlich vorteilhaftere Lage eingenommen hatte, liebevoll ihre Wange umschmeicheln.
