Kapitel 2: Ein beschwerlicher Weg

Noch am selben Tag beschloss ich mit dem Training zu beginnen. Langsam lief ich herüber zu dem Schrank auf welchem mein Schwert in seiner Halterung ruhte. Ein seltsames Gefühl durchfuhr mich als ich den Griff meines Katana wieder in den Händen hielt. Sanft strich ich über die kühle Klinge und betrachtete das sich spiegelnde Licht. Wieder schlichen sich leichte Zweifel in meine Gedanken. Sollte ich das wirklich angehen? Wie lange würde es dauern bis ich entlich stark genug bin? Aber vor allem, was mache ich wenn das alles einfach nicht ausreicht? Was wenn ich ihm am Ende gegenüberstehe und immer noch nichts bewirken konnte? Erneut sah ich sein fieses Grinsen vor mir. Dies bestärkte meinen Gedanken sofort wieder. Alles, wirklich alles was in meiner Macht stand würde ich tun damit ihm dieses schreckliche Grinsen im Hals stecken bleiben würde. Egal mit welchen Mitteln ich es am Ende erreichen würde.

Draußen brannte die Sonne auf meiner Haut. Auf direktem Wege verließ ich Las Noches. Augenblicklich wurde es kalt und dunkel. Um mich herum konnte ich eine unheimlich starke Energie fühlen, welche mir seltsamer Weise bekannt vorkam, momentan konnte ich sie einfach nur nicht zuordnen. Ich suchte mir einige schwächere Numéros welche wie ich es mir schon gedacht hatte sofort versuchten auf mich los zu gehen. Wenn ich etwas erreichen wollte musste ich mich von meinem niedrigen Rang hocharbeiten, das war klar, ansonsten könnte ich sicher nicht einmal einer Fliege etwas zu Leide tun. Ohne große Worte zu verlieren durchbohrte ich einen nach dem anderen mit meiner Klinge. Dabei hielt ich mir immer weder vor Augen wieso ich das alles hier überhaupt tat. Wenn ich mich zu erschöpft fühlte gab es mir neue Kraft und so konnte ich auch das letzte bisschen meiner Energie ausschöpfen.

Erschöpft sank ich zu Boden. Um mich herum befand sich ein Schlachtfeld. Blut färbte den einst weißen Sand rot und auch ich war von oben bis unten mit Blut beschmiert. Schwerfällig keuchte ich und schnappte nach Luft. Ich hatte mich völlig überanstrengt und es fühlte sich gut an. Jeder einzelne meiner Muskeln schmerzte als ich versuchte aus der Hocke aufzustehen, beinahe so schlimm das ich vermutete sie würden bei jeglicher weiteren Bewegung reißen. Der Schmerz war kaum zu ertragen, aber wem fiel schon ohne Anstrengung alles in den Schoß? Verkrampft richtete ich mich auf und schleppte mich zurück zum Eingang von Las Noches. Die Hitze innerhalb dieses Gebiets drückte zusätzlich auf meine verbliebene Kraft.

Als ich schließlich in meiner verlassenen Residenz ankam konnte ich mich nicht mehr auf den Beinen halten und brach zusammen. Der Tag war ein vollkommener Erfolg. Ich blieb einfach auf dem kalten Boden liegen, die Kälte tat meinem überhitzten Körper gut. Erleichtert seufzte ich und schloss die Augen. Auf einmal fühlte ich mich besser. Meine gereizten Muskeln entspannten sich langsam. Dennoch konnte ich noch nicht wieder aufstehen. Es war als wenn jemand mich mit aller Kraft am Boden halten wöllte, aber ich hatte keine Lust mich dagegen zu wehren. Momentan fühlte sich der Boden hier einfach viel zu komfortabel an. Meine Gedanken begannen abzudriften und ich schlief langsam ein.

Durch das klopfende Geräusch an der Tür wurde ich geweckt. Langsam versuchte ich mich aufzurichten, doch mein ganzer Körper schmerzte wie die Hölle. Das hatte ich nun von meinem übertriebenen Training. Es schien als hätte ich selbst Muskelkater in den Lungen, denn sogar das Atmen fiel mir unter dem Schmerz schwer. Erneut klopfte es an meiner Tür.
"Ich bin gleich da!", rief ich nach draußen.

Unter dem schlimmsten Muskelkater den ich bis jetzt in Erinnerung hatte zog ich mich auf die Knie und schließlich schaffte ich es sogar mein Gewicht auf meine Füße zu stemmen. Mit schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck öffnete ich die Tür und erstaunte.

"Szayel? Was willst du hier?", fragte ich neugierig.

"Ich habe dich gestern beobachtet, wer so trainiert wie du hat ein Ziel vor Augen."

-Dann war er es also den ich gestern gespürt hatte, ich wusste doch das mir diese Energie bekannt vorkam.-

"Ja, das habe ich aber wieso fragst du?"

Ich lehnte mich mit meinem Unterarm gegen den Türrahmen. Mittlerweile wurde es wirklich schwer mich auf den Beinen zu halten.

"Ich habe bei noch nie jemandem einen so rapiden Stärkewuchs verzeichnen können.", meinte er ruhig und richtete seine Brille.

"Also wenn du nun an mir forschen willst kannst du dir das gleich wieder aus deinen Gedanken streichen.", erwiederte ich kalt.

Schon beinahe war ich mir sicher das sein Gespräch mit mir nur auf dieses Thema hinauslaufen sollte, und als Versuchskaninchen wollte ich nun wirklich nicht enden. Szayel jedoch tat wieder ein gutes daran meine Gedanken vollkommen in Frage zu stellen. Eigentlich hätte ich mir das denken müssen.

"Das ist nicht weshalb ich hier bin. Dein Körper ist zwar interessant für mich aber nicht auf diese Weise.", meinte er mit einem Grinsen.

Ich verdrehte die Augen. Eines von den beiden Theman musste er ja wieder einmal in das Gespräch einbringen. Er konnte aber auch einfach nicht aufgeben.

"Wenn du wieder wegen diesem Thema hier bist kannst du auch gleich wieder kehrt machen. Es gibt nur einen für mich und das wird sich nie ändern."

Man schien mir anzusehen das ich genervt war denn er versuchte gleich das Thema zu wechseln. Eine Spur von Erfolg zeichnete sich in meinen Gesichtszügen ab.

"Das ist es nicht, ich wollte dich nur fragen was dich dazu treibt so hart zu trainieren. War der Quinta nicht mehr zufrieden mit deiner Leistung?"

Und da war er wieder, der wunde Punkt auf den ich nicht angesprochen werden wollte. War ich denn die einzige hier die davon bereits wusste? Kaum zu glauben das nur Nnoitra's Name alles wieder zurückbringen konnte. Verbissen kaute ich an meiner Lippe. Ich versuchte die Tränen zu unterdrücken, doch sie suchten sich schon von allein den Weg über meine Wangen. Das Gerüst das ich in mir aufgebaut hatte zerbrach in seine Einzelteile.

"Was ist? Hat er dich so sehr unter Druck gesetzt? Ja, das sieht ihm ähnl-."

"Jetzt sei verdammt nochmal endlich still!", schrie ich ihn an.

Ich konnte ihn einfach nicht aussprechen lassen.

"Er ist tot! Hörst du? Beide sind tot! Ich bin allein! Jetzt hast du was du wissen wolltest, das ist der Grund warum ich kämpfe! Der Kampf ist alles was mir noch geblieben ist! Und jetzt geh einfach."

Wut schäumte in mir auf. Ich war kurz davor ihm die Tür vor der Nase zu zuschlagen, doch dann erinnerte ich mich andas Versprechen was ich mir selbst gegeben hatte. Du wolltest um jeden Preis stark bleiben. Meine Hände zitterten. Der pinkhaarige sah mich geschockt an. Ich fiel ihm vor die Füße, meine Beine konnten mein Gewicht nicht länger tragen. Schluchzend hielt ich mir die Hände vors Gesicht.

"Ich weiß nicht wer es war, ich kennen seinen Namen nicht, doch er schien ziemlich stark zu sein. Ich kann mich nur an sein Gesicht erinnern. Er hatte eine andere Aura als wir.", jammerte ich.

Eigentlich wollte ich mit ihm gar nicht darüberreden, doch ich hatte das Gefühl mir einfach noch einmal Luft machen zu müssen.

"Dann kann es nur einer dieser Shinigami sein von denen Aizen bei den letzten Treffen immer redete.", meinte Szayel nachdenklich.

Ich schöpfte wieder ein bisschen Hoffnung.

"Könnte er dann noch hier sein?", fragte ich hastig.
Sofort begann das Blut in meinen Venen wieder zu brennen. Ich streckte meinen Arm nach meinem Katana aus, stellte es vor mir auf die Klinge und zog mich daran hoch.

"Das denke ich nicht.", zerbrach er meine Hoffnung.

Augenblicklich ließ ich meinen nahezu hoffnungsvollen Blick wieder auf den Boden sinken. Sonst wusste er doch auch alles, wieso blockierte er dann jetzt bei einer Sache die so wichtig für mich war?
"Aber er wird wieder in der Soul Society sein."

Das war sie, die Antwort auf die ich gewartet hatte. Warum sagte er das nicht gleich und ließ stattdessen so eine lange Pause? Mein Enthusiasmus ließ natürlich auch nicht lang auf sich warten. All den Schmerz in meinen Muskeln ignorierte ich kurzerhand, auch wenn das leichter gesagt als getan war. Entschlossen baute ich mich vor Szayel auf und setzte zu der alles entscheidenden Frage an.

"Wie komme ich dort hin?"

Mein Blick fixierte ihn nahezu und ließ ihm keine Möglichkeit erneut auszuweichen.

"So wie es scheint... möglicherweise gar nicht."

Das konnte nicht sein ernst sein. Erneut zerbrach eine Welt in mir. Wie konnte er das ernst meinen? Mein Blick wurde leer und ich fühlte mich plötzlich nicht einmal mehr Fähig mein Schwert zu halten. In einer Kurzschlussreaktion schlug ich ihm ohne weitere Worte die Tür vor der Nase zu und ging wieder zu Boden. Dieses Mal hallte er den Bogen überspannt. Wenn das was er mir erzählt hatte wirklich wahr war, wie sollte ich dann jemals meine Ruhe finden? Wie sollte ich jemals wieder ohne diese Schuldgefühle schlafen können? Aber vor allem, wie sollte ich es schaffen nicht von meinem Hass vollkommen übernommen zu werden?

Ratlos kniete ich auf dem kalten Steinboden und philosophierte in meinem Kopf darüber wie es nun am Ende dieser Sackgasse weitergehen sollte. Aber egal wie lang ich überlegte ich fand keinen Ausweg. Draußen begann es wie in strömen zu regnen, als wöllte das Wetter das Chaos welches in mir herrschte wiederspiegeln. 'Aber wenn er es geschafft hatte in unsere Welt zu gelangen, musste ich es doch auch schaffen können in seine zu kommen!', hallte es durch meinen Kopf. Schlecht war nur das ich dem einzigen der davon vielleicht eine Ahnung haben könnte gerade die Tür ins Gesicht geknallt hatte. Ich hielt mir die Stirn. Alles was ich kann scheint zu sein das ich mir selbst im Weg stehe. Lautlos schüttelte ich den Kopf. Jedoch hatte ich nun wenigstens wieder einen Funken der Hoffnung in mir.

Augenblicklich schleppte ich mich wieder zur Tür um zu sehen ob ich vielleicht Glück hatte und er doch noch da war, doch meine Zweifel bewahrheiteten sich. Ich konnte ihn verstehen, in dieser Situation wäre auch ich nicht geblieben. Laut seufzte ich, hob meine Klinge vom Boden auf und ging nach draußen. Mein Training konnte ich jetzt wegen der Schmerzen auch nicht einfach vernachlässigen. Abgesehen davon konnte ich die Ablenkung momentan ziemlich gut gebrauchen. So kam ich wenigstens nicht dazu nachzudenken.

Je länger ich mich den feindlich gesonnenen Numéros widmete um so schwerer fiel mir das kämpfen, doch einfach aufgeben, das wollte ich nicht. Hier zählte momentan nur eines, entweder sie oder ich und wenn ich diesen Schwächlingen schon nicht stand halten konnte war ich einem Kampf gegen diese Person erst Recht nicht gewachsen. Meine Schläge wurden wieder kraftvoller und ich vergaß unter all den Strapazen sogar für einen kurzen Augenblick die Schmerzen. Nach einer Weile begannen sich meine Krämpfe endlich zu lösen und ich konnte wieder völlig frei kämpfen. Für mich fühlte sich das an wie eine Erlösung. Der Regen hatte mich bereits vollkommen durchweicht und abgekühlt, ich interessierte mich allerdings nicht wirklich dafür. Bis zu meinem Exitus zu kämpfen, das war alles an was ich nun noch denken konnte.


So, hier wird es dann doch langsam ernst und ich denke, ihr könnt euch sicher bereits denken was als nächstes passieren wird^^
Eventuelle Ratschläge, oder Verbesserungsvorschläge ebenso das Hinweisen auf noch übrig gebliebene Rechtschreibfehler würde ich in den Reviews sehr begrüßen ;)
Freut euch auf die weiteren Kapitel und viel Spaß beim lesen!
LG PoetessLostHerMuse