Zu erst einmal zu der viel gerühmten Frage:

Gibt es ein geplantes Pairing?

Geplant ist bisher nichts. Ich habe eine Idee und ihr eine Vermutung :D

Auf jeden Fall wird es einige Kapitel brauchen bis die Story weit genug ist. Wird reden hier also von ferner Zukunft.

Schreibt mir welches Pairing euch am meisten ansprechen würde.

Für was braucht Harry die Heiligtümer noch?

Harry will sie nur haben, weil sie ihn vor Hades beschützen können.

Aber mal unter uns, sie werden noch eine ganz große Rolle spielen :D

In diesem Chap passiert dann wieder etwas mit den Heiligtümern. Das wird spannend ^^

Wie passt Voldemorts Aussage dazu, dass er nochmal die Möglichkeit hat wiederzukommen wenn er für alle Zeiten mit dem Tod als Wächter weggeschlossen wurde?

Voldemort hat ein halbes Jahrhundert mehr Erfahrung in Sachen Magie als Harry. Es ist nur eine Theorie von mir: Ich denke, dass Voldemort in den Büchern vor den Horkruxen versucht hat Gott ähnlich zu werden und so Unsterblichkeit zu erreichen. Deshalb das Wissen zu was ein Gott im Stande ist (Hier Hades/Der Tod). Also hat seine Aussage eine Bedeutung, die in einigen Kapiteln erklärt wird.

War Harrys Bedingung nicht etwas unklar?

Harry kommt aus der Mugglewelt und kennt die Geschichten von bösen Djinis, die einem den Wunsch erfüllen, dafür jedoch alles andere, was nicht im Wortlaut eingeschlossen war nehmen um den Wunsch unerträglich zu machen.

Bsp.: „Ich wünsche mir ein Auto" Djini gibt Auto, aber kein Motor ist drin. Man kann nicht alles ausschließen, deshalb formulierte Harry das, was ihm am wichtigsten ist. Seine Freunde und alle Kämpfer sollen leben, Voldemort weg gesperrt und nebenbei hält er sich Hades vom Leib. Und Hades zerstörte die Welt :D So was nenne ich mal kreativ.

Viel Spaß beim lesen!

Kapitel 2: Wiedergeburt

Es war schwer zwischen dem Zustand der Ohnmacht und dem des Erwachens einen Unterschied zu finden, wenn man nichts sehen, nichts fühlen und nichts schmecken konnte. Gemäß diesen Umständen dauerte es einige Zeit bis Harrys Gedanken wieder in geordneten Bahnen verliefen.

Er fiel… oder schwebte er? Das konnte er nicht sagen. Es gab kein oben… kein unten.

Harry konnte nichts sehen. Es war alles schwarz… nein, nicht alles. Jenseits seiner Vorstellungskraft veränderte sich die Welt. Alte Materie wurde zu neuer. Magie transferierte alles in ein neues Sein. Es war ein seltsames Gefühl alles veränderte sich, entglitt der alten Ordnung und blieb dann doch gleich. Ein anderer Gegenstand, der selbe Wert und die selbe unendliche Bedeutung. Harry konnte das alles nicht fassen und doch erdrückte ihn diese schiere Masse an Informationen.

Langsam verstand er. Eine neue Dimension wurde geschaffen… Nein, die alte veränderte sich. Hades hatte sein letzten Zug gemacht. Und doch war er glücklich. Alle würden überleben. Denn das durfte der Tod nicht nehmen. Ihre Leben. Sie würden mit ihm sein. Irgendwo..

Die Welt manifestierte sich. In wenigen Augenblicken fand eine Evolution von Milliarden von Jahren statt. Einzeller wurden größer, komplizierter. Passten sich an. Wurden zu Vielzellern. Entwickelten erste natürliche Waffen und Schutz gegen ihre Umwelt. Dann entwickelten sich größere Organismen aus ihnen. Die ersten Augen wurden von dem Sonnenlicht, welches durch die Wasseroberfläche schimmerte geblendet. Flossen prägten sich aus und schon bald betraten die ersten das Land und lernten Laufen. Sie entwickelten sich weiter. Bildeten Rudel und besetzten Territorien. Verschiedene Arten lernten den Gebrauch von Waffen. Einige Rassen sahen dann zu den Sternen empor und fingen an erste Gedanken zu fassen. Gedanken über eine Folgereaktion aus ihrem Handel. Schon bald brachten sie das Feuer nach Hause, erfanden Sprachen und bildeten Kulturen.

Menschen und Lebewesen veränderten sich.

Jahrtausende zogen vorüber und die Lebewesen entwickelten sich weiter. Alben lernten die Magie kennen und bauten ihre Hochkulturen auf, Dunkelelfen trennten sich von ihren Brüdern und lebten in dunklen Wäldern oder Höhlen zusammen, Zwerge gruben die tiefsten Mienen und schmiedeten die stärksten Waffen, Orks und Trolle griffen in Raserei um sich und brachten Unheil mit sich, Riesen töteten sich gegenseitig um sich die Zeit zu vertreiben und die einfältige Rasse der Menschen strebte nach Macht und Ruhm.

Königreiche wurden aufgebaut, belagert, niedergerissen. Imperien wurden erschaffen und verschwanden wieder. Könige wurden geboren, Helden wurden geehrt. Die Magie wurde von vielen Völkern studiert und weiter entwickelt. Prophezeiungen gemacht, Götter angebetet. Bis zu diesem einen Tag. Einige hatten es vorausgesehen. Hatten gespürt, dass etwas unglaubliches geschehen würde.

Die schwachen aus der alten Welt verloren ihre Erinnerungen und wurden zu neuen Menschen oder anderen Rassen. In diesem Moment waren alle Eins mit der Magie. Doch nur wenige würden sich an diese Erfahrung erinnern. Und doch waren es dutzende, die gemeinsam mit ihm diese Welt betreten würden.

Jedes mal wenn er sich an diesen Tag zurück erinnerte wurde ihm bewusst wie viel Macht Magie aufbringen konnte. Sie war die treibende Energie hinter dem gesamten Sein. Wie Luft für einen Menschen und der Wald für einen Waldalben.

Seine alte Welt…. nein, alles… Alles verformte sich und bildete etwas Neues. Es dauerte Jahrtausende oder doch nur Sekunden. Hier waren Gegensätze nicht so weit von einander entfernt.

Dann war er an der Reihe. Magie ergriff seinen Körper. Umfasste seine Seele mit eiserner Hand.

Seine Wunden heilten, doch die Narben blieben. Würden auch in der neuen Welt existieren. Sein Körper veränderte sich. In der unendlichen Magie getränkt, schaffte er es ein wenig zu wachsen. Seine Magie verband sich mit der, um ihn herum und passte sich an. Mehr Potential war ihm nun in die Wiege gelegt worden. Es war fast wie eine zweite Geburt. Seine Magie verformte sich. Sie wurde aggressiver und doch sanfter, nein, genauer… präziser. Seine Erinnerungen wurden angegriffen, doch er blieb standhaft und wehrte die Angriffe ab. Zwang die neue Welt dazu ihn zu akzeptieren als der, der er war. Einen Moment verharrte die Magie und gab sanfte Einwilligung.

Auch sein Phönix-Feder Zauberstab veränderte sich und wurde langsam zu einer kleinen Statue umgewandelt. Ein kleiner, dicker Mann. Ohne weiter nach zu denken griff er nach der Statue.

Die Magie um ihn herum zog sich langsam zurück. Plötzlich peitschte sie wieder zurück und nahm sich mit Gewalt die letzten Dinge von seinem Körper. Die Kleider verschwanden vollkommen und die Heiligtümer wurden ins Nichts transferiert. Harry riss die Augen auf. Er schrie und tobte.

„NEIN! Wir hatten einen Pakt. Ich und Hades! Sie bleiben bei mir!", schrie er ins Nichts. Wut übermannte ihn. Der Pakt war gültig.. doch nur für ihn und Hades. Diese Magie war von Hades erschaffen worden, doch nun agierte sie frei nach Belieben. Der Tod selbst war gebunden an der Seite Voldemorts.

Sie sind weiterhin dein Eigentum. So werden sie deinem Rufe folgen, sobald du ihrer Mächtig bist.", antwortete das Nichts. Er fühlte es. Es war die Magie, die mit ihm redete. Sie hatte ein eigenes Bewusstsein entwickelt. Verrichtete die Arbeit der Götter.

Dann war alles vorbei, alles hatte sich verändert. Hades hatte es geschafft die gesamte Welt zu wandeln um eine simple Wette zu gewinnen.. er war ein stolzer Spieler. Wollte nicht verlieren.

Die Magie gab ihm einen letzten Hinweis:

In der Geschichte steckt deine Zukunft, junger Drache. Suche nach ihr und sei frei."

XXX

„Ist er tot?"

„Ich weiß nicht"

„Er kommt mit. Ich habe Hunger"

Grobe Arme umschlossen den erwachenden Harry. Doch erst der bestialische Gestank um ihn herum ließ ihn langsam zu Bewusstsein kommen. Etwas grünes trug ihn auf der Schulter. Doch er konnte nicht erkennen was es war. Wieder driftete er dahin, ins dunkle Nichts.

„Gib ihn mir! Ich hab jetzt schon Hunger", hörte er eine zweite Gestalt.

„Nein! Ich hab ihn gefunden, ich esse!", sagte das Etwas, das Harry trug. Beide hatten eine mehr als nur grobe Stimme und pressten die Wörter scheinbar schmerzhaft aus ihrer Kehle. Harry schaffte es die Augen etwas weiter zu öffnen als etwas matt aufblitzte.

„Gib es her!", ein Schwert raste an Harry vorbei und traf das Ding, dass Harry trug mitten in die Brust. Röchelnd ging es zu Boden. Dreckiges, beinahe schwarzes Blut besudelte seine Haut. Nur die Tatsache, dass sein Körper nicht gehorchte, hinderte ihn daran in diesem Moment aufzustehen. Vielleicht rettete ihm das, das Leben.

Harry dem jetzt die Absichten der beiden langsam einleuchtete, wurde schon wieder auf eine Schulter gehievt. Einige Sekunden lang ließ er sich einfach tragen. Versuchte seine Körperglieder unter Kontrolle zu bekommen. Widerwillig gehorchten ihm seine Arme dann doch.

Alles schmerzte ihm. Doch er musste diesen Schmerz für einen Augenblick ignorieren um hier wirklich lebend davonzukommen. Wie der alte Mad-Eye immer zu sagen gepflegt hatte: „Erst schießen, dann fragen". Die Bilder des toten Etwas, waren, wenn auch schwammig, noch in seinem Geist präsent. Er konnte nicht so enden, wollte nicht so enden! Der Junge wollte hier einfach nur weg.

Harry griff nach unten Richtung Schwert und versenkte es mit all seiner Kraft im Körper des Wesens unter ihm. Es war der einzige Ausweg. Die einzige Lösung. Ein Schmerzensschrei, dann fiel er wieder zu Boden. Dieses mal jedoch war er es selbst, der das Fallen verursacht hatte.

Zum ersten mal schaffte er es nun seine Augen vollständig zu öffnen. Das helle Licht tat ihnen weh. Als hätten sie vorher noch nie Licht gesehen. Wie die Augen eines Neugeborenen.

Harry erhob sich mit schmerzverzerrtem Gesicht und blickte dem Wesen entgegen.

Das dunkelgrüne Etwas war langarmig und stand gebeugt da. Sein Oberschenkel war in Blut getränkt und doch schienen ihm die Schmerzen nichts mehr auszumachen. Ein Schaudern ging durch Harrys Körper als er in die gelbgrünen Augen des Etwas blickte. Blutdurst schrie aus ihnen, wie sie es bei Bellatrix getan hatten.

Noch einmal wanderte sein Blick den dunklen Körper hinab. Er hatte sich geirrt, die Haut des Wesens war mehr ein dreckiges schwarz als, dass es grün war. Schmutzige Kleidung, die aus Tierhäuten und Fellen zusammengeflickt worden war, bestärkte die Wildheit, die das Wesen ausstrahlte.

Das Etwas leckte sich die gelben Fangzähne und zückte einen Dolch aus seinem Pelzgürtel.

Wie der Krummsäbel, den Harry dem Ding entrissen hatte, war die Klinge aus schwarzem, rostigem Stahl gemacht.

Das Herz des Jungen der Lebte fing an in schnellem Tempo schmerzhaft gegen seine Brust zu pochen. Seine Beine fingen an zu zittern. Adrenalin schoss durch seinen geschwächten Körper. Sollte er rennen? Sofort verwarf er diese Idee.

Auf keinen Fall würde er diesem Ding seinen Rücken zu drehen. Seine Hände schlossen sich ein bisschen fester um den Griff des schwarzen Schwertes. Die Klinge war blutverschmiert.

Ein Ork.. das musste das Wesen sein, dass Harry vom Unterricht kannte. Ein ausgestorbenes Lebewesen. Das schüttere Haar des Orks, war schmutzig und von Staub bedeckt.

Der Ork griff an und Harrys durch Quidditch geübte Reflexe retteten ihn vor einem tödlichen Treffer. Er sprang nach hinten weg und entkam der Reichweite der Klinge.

„Was willst du von mir?", fragte Harry außer Atem, während er sich eine Hand auf die Brust drückte. Sie schmerzte noch immer. Der Ork antwortete nicht, stattdessen warf er sich beim zweiten Angriff auf Harry. In einer verzweifelten Aktion, ließ dieser sich zu Boden fallen um dem Dolch so lange wie möglich entkommen zu können. Ohne jede Hoffnung schloss Harry seine Augen und hielt seine eigene Klinge zwischen sich selbst und dem Angreifer. Einige Sekunden geschah nichts, bis etwas Blut auf Harrys Gesicht tröpfelte.

Erst diese warme Flüssigkeit ließ ihn die Augen öffnen. Der Krummsäbel steckte bis zum Anschlag in der Brust des Orks. Geschockt blickte dieser Harry an und dann wieder auf das Schwert. Er fiel auf die Knie, immer noch im Schock um sein plötzliches Ableben. Mit einem dumpfen Knall traf sein Rücken auf dem Boden auf, drückte die Klinge etwas aus der Brust hinaus in die Höhe.

In Todeskrämpfen gefangen suchten die gelben Augen noch einmal die grünen Augen Harrys auf. Dann verschwamm der Blick.. er war Tod.

Harry hingegen hatte sich nicht bewegt. Sein Körper zitterte. Er konnte es nicht unter Kontrolle bringen. Er war oft in einer lebensgefährlichen Situation gewesen.. doch noch nie.. er verharrte.

Noch nie hatte er körperliche Gewalt angewendet. Noch nie hatte er so viel Blut gesehen, dass nicht sein Eigen war.. Noch nie hatte er getötet.

Er wusste, dass es keinen anderen Weg gegeben hatte. Er konnte nicht rennen. Seine Beine fühlten sich noch zu schwach an. Und doch.. hatte er gemordet.

Er fühlte sich seltsam. Immer hatte er daran gedacht Voldemort töten zu müssen. Immer hatte er erwartet danach am Boden zerschmettert zu sein.. zu weinen, weil er selbst ein Mörder geworden war. Doch keine Träne glitt über seine Wange. Der Ork hatte ihn töten wollen.. Und trotzdem.

Es war falsch! Kein Mensch hatte die Macht über andere zu richten!

.. Aber er hatte es getan. Es war seltsam. Sein Körper hörte nicht auf zu zittern. Und dann entglitt ihm die Realität und er schlief ein. Gab sich seiner Erschöpfung hin.

XXX

Die Sonne war untergegangen. Nun verharrte er schon seit Stunden in dieser Position. Sein Blick ging in die weite Ferne. Am Abgrund eines Hügels sah er hinab auf die Ebene, die sich bis zum Horizont erstreckte. An ihrem Ende eine riesige Stadt. Sie kam ihm nicht real vor. Die Stadtmauern breiteten sich Kilometer in beide Richtungen aus und sahen irgendwie.. Antik aus.. Nie war Geschichte sein Lieblingsfach gewesen, doch konnte er sich schwach daran erinnern wie der alte Professor Binns in seinen Reden zwischen den Goblin-Aufständen einige Projektionen von solchen Städten gezeigt hatte. Hexenverbrennung? War das, dass Thema?

Wahrscheinlich nicht, immerhin hatten er und Harry im Unterricht nur Blödsinn verzapft und geschlafen. Doch er konnte sich an diese altertümlichen Städte erinnern. Sie erinnerten ihn an Schach. Uneinnehmbar, massiv und stark.

Seine Gedanken glitten wieder an die Ereignisse des letzten Tages zurück. Es war Krieg. Er war in Hogwarts gewesen. An der Seite seiner Brüder und Hermine. Harrys Leiche und dann.. Ja.. dann.. Dann war Harry wieder da gewesen. Einfach so. Und er hatte es geschafft alle Todesser verschwinden zu lassen und die Toten zu beleben. Ein Wunder, zu dem wirklich nur sein Freund in der Lage war. Es war ihnen egal gewesen. Sie waren nur glücklich, dass es vorbei war. Fred und George waren wieder vereint gewesen.. das hatte er gefühlt. Und nun war er hier. Wieso?

Ein Pakt mit dem Tod.. Nur Harry konnte solche Dummheiten machen. Doch er hatte sie alle gerettet. Er hatte sich seit Stunden nicht wegbewegt weil er nachdenken musste. Seine Gedanken klären. Die Aussicht auf den halbvollen Mond half ihm dabei ruhig zu bleiben.

Ron war im Gegensatz zu vielen Meinungen nicht dumm.. nein. Hermine hätte sich in keinen Idioten verliebt.

Kurz stockte er bei diesem Gedanken. Sie hatte sich verliebt? Ja.. sie hatte es nie ausgesprochen, doch er wusste es. So wie sie wusste, dass er sie liebte. Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen.

In seiner Brust stieg ein Gefühl der Wärme auf. Ein Gefühl der Glückseligkeit.

Nein, er war nicht dumm. Er war ein Stratege. Jemand, der seine Züge Jahre im voraus plante. Die schlechten Noten hatte er nur, weil er faul war. Weil er und Harry lieber gemütlich am Kamin im Gryffindor-Turm saßen als mit Hermine zu lernen und die Hausarbeiten zu machen. Es versetzte ihm einen kleinen Stich, dass sie nie wieder dort sitzen konnten. Die Welt wie sie war, existierte nicht mehr. Er hatte es gefühlt.. war im Prozess beteiligt gewesen als es geschehen war. Deshalb sorgte er sich auch nicht um seine Freunde. Sie lebten.. Harry hatte dafür gesorgt. Doch wo waren sie? Nein, es war egal wo sie waren. Er musste sie finden.

Sein Blick ging an seinem Körper hinab. Noch immer war er nackt. Vollkommen nackt. Vielleicht sollte er erst dieses Problem lösen? Er lachte auf. Irgendwie war er doch glücklich.. seine Familie lebte. Sie war nicht bei ihm, doch sie lebte. Und Hermine und Harry warteten auf ihn. Es war ein gutes Gefühl.

XXX

Harry saß einige Meter von der dunklen Leiche entfernt. Er hatte scheinbar die ganze Nacht geschlafen, denn die Sonne war gerade dabei aufzugehen. Einige Minuten verharrte er in dieser Position und wägte ab. Er hatte seine Nacktheit bemerkt. Nackt konnte der Schwarzhaarige auf keinen Fall weiter ziehen. Harry atmetete einige male ein und aus, bevor er sich dem Toten näherte. Ein Sakrileg einem Toten etwas zu stehlen, doch er war es gewesen, der ihn getötet hatte.. viel schlimmer konnte er die Tatsache wohl nicht mehr machen.

„Glaub mir, es gibt schönere Sachen als dich anzufassen", flüsterte er der Leiche entschuldigend zu.

Dreimal war es fast soweit, dass sich sein Magen schmerzhaft zusammen zog und er dem Ergeben seiner Innereien näher war, als ihm lieb war. Es dauerte eine halbe Stunde bis er dem Ork die gesamte Kleidung entzogen hatte und sich zu einem nahe gelegenen Teich bewegt hatte.

Seine Hände bewegten sich wie mechanisch als sie mit den blutverschmierten und verschwitzten Kleidern im Wasser eintauchten. Er versuchte an etwas anderes zu denken, während er die Kleider sauber machte. Harry musste sich von dem Geruch ablenken, der mit Gewalt in seine Nase stieg.

Es war schwer die Sachen sauber zu bekommen, ohne Seife zu haben, die den Schmutz und den Geruch bekämpfen konnten. So bekam er zumindest etwas von dem Blut ab und der Geruch nach abgestandenem Wasser legte sich etwas über den dominant vorherrschenden Gestank, der ihm nun nicht mehr die Tränen in die Augen trieb. Schließlich legte er die Kleider auf den harten Erdboden und näherte sich wieder der Leiche. Bei jedem Schritt, schmerzten seine Füße ein bisschen mehr. Die Steine und der harte Boden machte seinen Fußsohlen zu schaffen und auch seine Haut fing an zu schmerzen. Das Sonnenlicht hatte seine Arbeit getan und seine nun gerötete Haut gereizt.

Es war heiß, doch er würde die Kleider benötigen um sich vor der Sonne zu schützen. Sein Blick glitt über den trockenen Boden. Es musste hier irgendwo sein.. Harry wusste, dass dieser Gegenstand wichtig war. Doch wo war es? Er lief einige Kreise um den toten Ork und seufzte. Natürlich. Unter der Leiche. „Wo um Merlins Namen sollte es sonst sein, als unter der stinkenden Leiche.."

Kurz zögerte er, bevor er den Atem anhielt und sich dem Ork näherte. Er drehte ihn mit einiger Mühe um und betrachtete die Blutlache auf der Stelle, wo die Leiche eben gelegen hatte. Es widersträubte ihm, doch er musste es tun. Harry griff in die rote Pfütze und versuchte etwas zu greifen. Sein Herz setzte aus als er nichts fand, er brauchte es! Da war er sich sicher. Er wusste nicht wieso, doch er brauchte es! Dann griff seine Hand auf etwas hartes. Mit einem schiefen Lächeln zog er etwas kleines daraus und flüchtete beinahe um von dem Gestank weg zu kommen.

Sein Magen verkrampfte sich als er auf seinen Körper hinab sah, der von Blut übersät war. Das einzige was ihn davon abhielt sich zu übergeben, war die Tatsache, dass er seit seiner Wiedergeburt nichts gegessen hatte. Harry war so neben sich, dass er gar nicht merkte wie er in den Teich gesprungen war um dem Blut und dem Schmutz zu entkommen. Es erfrischte ihn, erlöste ihn von all dem Dreck. Sekunden später floss die kalte Flüssigkeit seine trockene Kehle hinab und zeigte ihm wie durstig er gewesen war.

Eine halbe Stunde später saß er am Rande des Wassers und blickte in die Ferne. Die Kleider des Orks, die aus irgendwelchen Tierfellen und Häuten zusammen genäht worden waren, trockneten neben ihm auf dem heiß werdenden Erdboden.

Sie waren genauso dreckig wie vorher auch, doch der bestialische Gestank war einem etwas weniger abscheulichem, üblen Geruch gewichen.

Harry blickte auf seine offene Handfläche. Dafür hatte er nochmal die Leiche angefasst. Für das letzte Bisschen aus seiner alten Welt.

Die Statue des kleinen, dicken Mannes lag in seiner offenen Hand und leitete ihn durch seine Gedanken. Er konnte in ihr die Magie spüren, die früher durch seinen Phönixfeder-Zauberstab pulsiert hatte. Es hatte sich verändert. Wieso sie so aussah, wie sie aussah wusste er nicht. Konnte keine plausible Erklärung finden. Harry schüttelte den Kopf. Er war nie der Denker gewesen. Das hatten immer Hermine und Ron für ihn erledigt. Nun musste er wohl auch deren Teil übernehmen um klar zu kommen.. Er wollte sie dennoch bei sich haben. Vermisste sie.

Der Schwarzhaarige erhob sich und schritt zu der Pelzkleidung. Sie war fast trocken, doch er konnte nicht länger warten. Erst beim anziehen fiel ihm wieder ein, was für Veränderungen er durchzogen hatte. Er war größer, wie viel größer wusste er nicht. Er konnte es mit nichts vergleichen, was in seiner Nähe war. Eine Sache, konnte er jedoch sofort vergleichen: Seine Augen.. funktionierten. Harrys Sicht war schärfer als jemals zuvor, dabei trug er nicht einmal eine Brille.

Alles sickerte noch einmal zu ihm durch. Er hatte Voldemort besiegt und ihn für immer im Nirgendwo eingesperrt. Die Heiligtümer hatten ihm in diesem Moment gezeigt wie. Seine Gedanken drifteten wieder ab. Er musste sich auf das hier und jetzt fokussieren. Harry erhob sich mit schmerzenden Gliedern. Er musste eine Stadt oder ein Dorf finden und sich einen Überblick über diese neue Welt schaffen oder zumindest etwas zu essen finden..

Die Statue des dicken Mannes verschwand in einer Tasche an seinem Pelz. Dann griff er nach dem Krummsäbel und dem rostigen Dolch, die gesäubert auf dem Boden lagen, um sie an seinem Gürtel zu befestigen. Er wollte sie nicht verwenden, doch er war realistisch. Mit seinem Glück würde er in eine Armee rennen, bevor er was zu Essen fand.

Die Sonne brannte ihm unentwegt auf den Schädel und der heiße trockene Boden tat sein restliches um seine ungeschützten zu schinden Füße. Die Schmerzten die aufkamen wurden nur von den kühlen, feuchten Kleidern gemildert, die auf seiner Haut lagen.

Harry ging immer weiter gerade aus. Er wusste, dass es die richtige Richtung war. Nicht weil er ein Dorf in dieser Richtung vermutete, sondern weil die Orks in die entgegengesetzte Richtung unterwegs waren. Dies allein war Grund genug.

Wie viele Stunden er schon unterwegs gewesen war, wusste er nicht, doch es war schon spät am Abend, als er etwas in weiter Ferne entdeckte. Je näher er darauf zuging, desto deutlicher konnte er die Ziegelmauern der Häuser sehen und die Lichter, die durch die Fenster schimmerten erkennen. Es schien ein kleines Dorf zu sein. Unendliche Freude stieg in ihm auf als er sich den Gebäuden näherte. Er hätte keinen Schritt mehr gehen können. Alles tat ihm weh und ihm war schwindelig und übel. Die Sonne hatte ihn fast zerstört und die Hitze der Pelze, hatten das übrige getan.

Als Harry endlich die Grenzen des Dorfes erreichte blickte er sich um. Wenige Leute gingen durch die Gassen der Straßen, doch sobald sie ihn bemerkten verließen ihre Blicke seine Richtung nicht mehr. Er war verschwitzt, roch abartig und die Pelze an seinem Körper taten das restliche um ihn zu solch einer Person zu machen, in dessen Nähe man auf keinen Fall wollte.

Schwer drückten ihn seine Schritte durch die Nacht. Hunger überkam ihn. Hunger und Durst. Doch er hatte kein Geld. Egal wie sehr sich die Welt verändert hatte, er hatte nichts womit er etwas bezahlen konnte. Noch war kein Gefühl stark genug als, dass er sich dazu durchdringen konnte um Geld zu betteln. Wahrscheinlich würden sie vor ihm fliehen, anstatt ihm was zu geben. Müde setzte er sich an eine Hauswand. Sie schützte ihn vor dem Wind und den kühlen Nachtbrisen. Harry zog seine Beine an und blickte sich um. Es wurden immer weniger Leute, die durch die Straße liefen. Die meisten betrachteten ihn nicht mehr. Er sah aus wie jeder gewöhnliche Obdachlose.

Ihm war kalt, doch die Müdigkeit siegte wieder und nahm Überhand an. Die Dunkelheit hüllte ihn ein. Ließ ihn sanft in den Schlaf driften. Und dann war er weg. Umhüllt von dem sanften Lächeln der Erholung.

Die ersten Sonnenstrahlen des Tages brachen durch die vereinzelten Wolken. Sonnenlicht erreichte seine geschlossenen Augenlider und weckten ihn sanft. Noch bevor er seine Augen öffnen konnte um sich an das helle Licht zu gewöhnen, hörte er einige Gesprächsfetzen aus seiner Umgebung. Unbewusst folgte er dem nahe stattfindenden Gespräch. Harrys Gedanken ordneten sich langsam.

„Bitte, Ihr müsst es tun. Es gibt niemand anderes!", sagte ein dünner, kleiner Mann. Wahrscheinlich kam er Harry nur so klein vor, weil er selbst um so viel gewachsen war. Der Mann war sicherlich so groß wie Harry erst vor kurzem gewesen war. „Diese Orkbande hat Menschen angegriffen! Sie sind gefährlich!", er schien verzweifelt zu sein, doch sein Gesprächspartner schüttelte bloß den Kopf.

„Ich habe keine Zeit. Ich muss meinem König eine Nachricht überbringen", antwortete dieser. Ein groß gewachsener Mann in edlem Gewand und rotem Brustharnisch saß auf einem vollkommen schwarzen Pferd. Er vermittelte sofort den Eindruck eines Kriegers. Und trotzdem schaffte er es den perfekten Diplomaten zu verkörpern. Charmant und gut aussehend.

„Ich bitte Euch, Herr. Ich kann 20 Goldmünzen entbehren.", er schien verzweifelt.

Erschöpft, fast traurig schüttelte der Mann den Kopf. „Es ist mir nicht möglich auch nur eine weitere Stunde hier zu verweilen. Ich wünsche Euch und Eurem Dorf Glück, möge Balgon mit Euch sein."

Seine Hacken schlugen auf das Pferd, dieser ging in den Galopp über und beide entfernten sich in Sekunden aus Harrys Sichtwinkel.

Der kleine, dünne Mann sah ihm entgeistert hinterher. Die Orks schienen das Dorf wirklich in eine tief greifende Angst zu versetzen. Sollte er es versuchen? Er brauchte Geld.. und er hatte Hunger.

So oder so war das Risiko für ihn dabei drauf zugehen hoch. Aber er brauchte die Orks nur zu verjagen. Es war machbar.

„Für 25 Goldmünzen mach ich es", antwortete der schwarzhaarige, der sich vom Boden hoch stemmte. Seine Knochen schmerzten und sein Körper fror jämmerlich. Bei jedem Atemzug schrie seine Lunge etwas lauter auf. Er war ein Wrack.. er musste eine Unterkunft haben. Wenigstens für eine Weile. Harry wusste nicht wie viel das Gold wert war, doch er brauchte dieses Geld, wie der Mann jemanden brauchte, der die Orks vertrieb. Sein Magen knurrte. Viel länger würde er seinen Hunger nicht mehr unterdrücken können.

Der Mann musste seinen Kopf sehr weit anheben um in Harrys Augen sehen zu können.

Die ärmliche Kleidung und der Schmutz sprachen gegen Harry, aber die Waffen an Harrys Gurt und seine Größe überzeugten ihn dann doch. Ausschlaggebend war die Verzweiflung, die ihn bemannt hatte. Er war der Bürgermeister und die Dorfbewohner hatten Angst. Also war es an ihm diesen Angstfaktor zu beseitigen und ehrlich gesagt, gab es keine anderen Freiwilligen..

„Zerstört ihr Lager und verjagt sie", meinte der Mann jedoch mit wenig Hoffnung.

„Wo kann ich das Lager finden?", Harrys Worte waren kaum verständlich. Nicht nur, dass er einen vollkommen anderen Akzent besaß als die Einheimischen, es war vielmehr die Tatsache, dass der Durst seine Kehle bemannt hatte und er so nur noch seltsame Krächze laute machen konnte.

Nachdem er von dem Mann erfuhr, dass die Orks im Westen der Stadt rasteten, machte er sich in langsamen Trab auf den Weg. Er wusste nicht wie er es anstellen sollte. Doch er musste es tun. Es gab keinen anderen Weg. Er musste ja nicht einmal kämpfen. Nur die Zelte anzünden..

Die Sonne ging gerade auf, was ihn erleichterte. Orks waren nachtaktive Geschöpfe, sie konnten zwar auch im Tageslicht stehen, doch sie hassten es. Also würden sie rasten, sobald er beim Lager ankommen sollte. Ihn beschlich das Gefühl der Dämlichkeit. Wieso tat er das hier?

Er hatte den Zusammenprall mit einem Ork kaum überlebt. Wieso begab er sich jetzt in ein Lager mit mehreren dieser abstoßenden Wesen?

Langsam einen Schritt, vor den anderen setzend, fuhr seine Hand in die kleine Seitentasche. Etwas schmiegte sich in seine Hand an: Die kleine Statue. Ihren Zweck hatte er noch immer nicht verstanden. Sein Zauberstab hatte sich in diesen Gegenstand verwandelt. Die Bilder dazu sah er noch vor sich aufblitzen. Intuitiv streckte seine Magie ihre Fühler aus und fühlte eine Vertrautheit in der Statue. Sein Zauberstab.. es war noch da, aber irgendwie doch nicht. Es hatte einen anderen Nutzen.

Die Magie hier schien anders strukturiert zu sein als Harry es gewohnt war. Man brauchte keine Wörter. Er war sich sicher, dass man nicht einmal einen Fokus wie diese Statue brauchte sie verstärkte alles nur. Eine Vermutung natürlich.. er hatte jedoch die Entwicklung dieser Welt mitangesehen. Die Magie hatte sich verselbstständigt. Sie war jetzt anders. Noch konnte er jedoch keinen Finger darauf legen was dieses Anders genau bedeutete.

Nun wollte er seinen Vermutungen Taten folgen lassen. Harry streckte seine rechte Hand aus, umfasste mit der linken die Statue und konzentrierte sich. Das Wort Incendio erschien weder auf seinen Lippen, noch in seinem Geist. Nur das Feuer manifestierte sich in seinem Geist. Ein großes Feuer. Seine Magie breitete sich aus und.. etwas Rauch stieg aus einem Blatt einige Meter von ihm entfernt, doch von einem Feuer war nichts zu erkennen.

Der Schwarzhaarige lächelte. Er hatte mit seiner Vermutung richtig gelegen. Vielleicht lag ihm das Denken ja doch.. Und trotzdem vermisste er seine Freunde. Er würde sie finden müssen, bald.

Dank seiner guten Augen sah er schon aus der Ferne das Zeltlager, das anscheinend aus Tierhäuten zusammengeflickt worden war. Ein übler Geruch, schoss ihm schon auf diese Entfernung in die Nase. Je näher er dem Lager dann kam, desto klarer wurde ihm, dass er falsch gelegen hatte. Menschengebeine sammelten sich in Haufen um die Lagerfeuer, die bis vor kurzem gebrannt hatten. Dünne Rauchlinien fanden ihren Weg in die Freiheit. Harrys Blick fiel dann wieder auf die Zelte. Menschenhaut.. auf Knochen gespannt um den Orks Unterschlupf zu gewähren. Sie waren die Jäger, die Menschen die Beute. Übelkeit stieg in ihm auf.

Er näherte sich langsam und hoffte, dass ihn kein Ork frühzeitig entdecken würde. Noch hatte er keinen entdeckt. Mehrere Schnarchgeräusche kamen ihm von den Zelten entgegen. Sie hatten Menschen getötet und würden es wieder tun. Wut überkam ihn. Aus reinem Vergnügen? Nein.

Sie waren wie Tiere, befriedigten nur ihre Triebe.

Harry verharrte einige Augenblicke und nährte sich dann den Zelten weiter. Er schloss die Zelte von außen und musste sich beinahe übergeben als er sich sicher war, dass das eindeutig Menschenhaut war. Es waren drei Zelte, mit jeweils zwei Orks in ihnen. Behutsam schloss er die Planen aller Zelte und entfernte sich wieder einige Meter vom Geschehen.

Er schloss die Augen und konzentrierte sich. Dieses mal brauchte er richtiges Feuer um sie alle im Schlaf zu treffen. Harry musste sie töten.. um weiteres Morden zu verhindern. Es gefiel ihm nicht, doch es war Notwendig. Die Konzentration hätte alleine nicht ausgereicht. Zu wenig Erfahrung brachte er mit, doch die Wut half ihm. Die Wut darüber, dass diese Wesen Menschen getötet hatten.. mindestens ein halbes Dutzend Menschen. Die Magie durchzog seinen Körper und entzündete ein Feuer an einem der Zelte. Ohne weiter darauf einzugehen schloss er wieder die Augen und konzentrierte sich. Bereits sein erster Magieeinsatz hatte ihn ausgelaugt. Schon in diesem Moment wusste er, dass er nicht alle Zelte anzünden konnte.

Wenige Sekunden später brannte auch das zweite Zelt lichterloh. Die leisen Flammen weckten ihre Opfer nicht. Der Rauch ließ sie in Ohnmacht fallen und nahm ihnen dann langsam das Leben. Harry schwitzte. Er war auf seine Knie gefallen. Nicht mehr fähig klare Gedanken zu fassen. Er musste sich beruhigen.. noch ein Zelt. Seine Magie versuchte sich zu sammeln. Sein Körper begann wieder zu zittern. Nicht fähig der Anstrengung standzuhalten. Es blieben nur noch Sekunden.. irgendwie..

Dann war es zu spät. Ein Ork lugte aus seinem in takten Zelt und sah das Feuer. Er fing an zu schreien. Begriff, dass sie angegriffen wurden. Es war zu spät um die Vier in den brennenden Zelten zu retten. Dies wäre jedoch keine Option für diese Wesen gewesen. Sie retteten niemals einen der ihren vor dem Tod. Mitleid und Mitgefühl war ihnen fremd.

Sein wilder Blick ging über die Lichtung und traf auf Harry, der sich nun langsam aufzurichten versuchte. Tobend und in Raserei verfallen rannte der Ork auf ihn zu.

Der Ork reichte Harry nur bis zur Brust und trotzdem wusste er, dass er Tod war, falls er ihn erreichen sollte.

Harry griff hektisch an seinen Gürtel. Er fasste nach dem Dolch, dieser löste sich jedoch nicht von dem Gurt. Es klemmte fest. Dafür hatte er keine Zeit! Mit Gewalt zog er ihn aus der Befestigung, riss den Gürtel entzwei und schnitt sich selbst in die Hüfte. Doch das war in diesem Moment zweitrangig. Im letzten Moment verließ die Klinge seine Hand und landete im Arm des Angreifers, der einen Moment zurück taumelte. Ein unglaublicher Glückstreffer. Nie und nimmer wäre er im Stande diesen Wurf zu wiederholen.

Dieses mal war Harry jedoch gefasster als beim letzten Zusammentreffen mit einem Ork. Er wollte nicht sterben, sah Hoffnung. In einer ungeschickten Bewegung, schaffte er es irgendwie den Krummsäbel zu fassen, der noch auf dem Boden lag und ihn den Körper des Orks zu rammen.

Ein weiterer Ork hatte das Zelt verlassen. Dies war der letzte Überlebende. Würde er fliehen, weil seine Gruppe ausgelöscht worden war? Eine Hoffnung, die sich nicht bewahrheitete. Der Ork streckte seinen Arm aus und drehte sich in Harrys Richtung. Harry erkannte es. Ein Bogen. Und der Pfeil zielte genau auf ihn. Ohne weiter zu überlegen schmiss er sich zu Boden und entging dem ersten Pfeil, der drei Schritte weiter surrend in einem Baum einschlug. Dann rannte er los. Ohne zurückzublicken startete er wieder einen Hechtsprung. Schmerzvoll landete er auf dem Rücken auf, war nun jedoch hinter eine großen Truhe geschützt. Der bestialische Gestank nach Eingeweiden und verrottetem Fleisch ließ ihn im klaren was sich in dieser befand. Harry atmete stoßartig ein und aus. Sein Körper hatte nicht genug Energie um solche Anstrengungen durchleben zu können.

Ein Pfeil schlug links von ihm auf. Er musste sich konzentrieren. Ein letztes mal sammelte er Kraft und fokussierte seine gesamte Magie. In dem Moment als Harrys Finger sich dann um die Statue in seiner Tasche legten gingen die Stofffetzen des Orks in Flammen auf. Schreiend ging dieser zu Boden und wälzte sich im Todeskampf hin und her. Er versuchte die Flammen zu löschen, doch es war sinnlos.

Die Todesschreie des Orks ignorierend ließ sich Harry ganz zu Boden fallen. Seine Lunge brannte, sein Herz schlug ununterbrochen gegen die schmerzende Brust und Adrenalin beflügelte sein Denken. Sechs Orks. Sechs weitere Morde seiner Seite. Doch sie waren für einen guten Zweck gewesen. Nicht für sich selbst, sondern um andere zu schützen. Trotzdem konnte er nicht lächeln. Er hatte binnen vierundzwanzig Stunden sieben mal gemordet. Eine erschreckende Bilanz.

Nach einigen Minuten der Erholung erhob er sich schließlich. Seine Augen brannten. Der Gestank nach verbranntem Fleisch stieg ihm in die Nase. Seine Beine zitterten noch immer, seine Hände gehorchten ihm kaum. Doch er lebte. Er griff zu Boden und hob seinen zerrissenen Pelzgürtel auf. Mit einem Knoten befestigte er es wieder an seinen Körper und klemmte wieder sein Krummsäbel ein. Er entledigte einem der Orks dann einen weiteren Dolch und hob sein eigenes auf. Beide kamen an seinen Gürtel. Es schienen keine friedlichen Zeiten zu werden.

Der Potter-Erbe streckte sich ein letztes mal, bevor er sich bückte und einem der Orkleichen an die Pelzkleidung nahe der Brust griff. Fast mühelos schaffte er es die schwere Leiche hinter sich her zu ziehen. Mit dem neuen Körper war wohl auch neue Kraft gekommen.

Nachdem er sich umgeschaut hatte und sonst nichts wertvolles finden konnte, ging er langsamen Schrittes los. Seine Brust nahe dem neuen Fluchmal schmerzte nach wie vor. Harry fühlte sich ausgelaugt. Die Zauber hatten ihn zu viel Kraft gekostet. Etwas, wofür er früher keinen Gedanken verschwendet hatte, hatte ihn an den Rand der Erschöpfung gebracht. Irgendwie musste er sich daran gewöhnen.. es war ein zu großes Handicap ohne Magie agieren zu müssen.

Erschöpft und den Ork hinter sich her schleifend erreichte er das Dorf und ging zu dem Platz zurück an dem er den Bürgermeister vorhin getroffen hatte. Tatsächlich unterhielt sich dieser mit einem älteren Mann. Der dann lachend weiter zog. Schreie ertönten durch das kleine Dorf. Wenige von ihnen hatten schon einmal einen Ork gesehen, noch weniger einen toten Ork. Doch keiner hatte je jemanden erblickt, der einen toten Ork hinter sich herzog und nach Tod roch. Eine Traube bildete sich in einigen Metern Abstand um den Auserwählten herum. Sie alle waren fasziniert, abgestoßen und neugierig zugleich.

XXX

Seit 22 Jahren war er der Oberste des Dorfes. Er liebte diesen Ort. Hier war er geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ein kleines Dorf, mit etwas weniger als 200 Einwohnern. Es war hier immer friedlich. Ein, zweimal die Woche eine Schlägerei in einem der Wirtshäuser, ansonsten waren sie von den Gräuel der restlichen Welt geschützt.

Vor zwei Wochen dann hörte man angsterregende Gerüchte, dass einige Wanderer auf ihrem Weg hierher Orks begegnet waren. Fenalf hatte nicht viel auf diese Gerüchte gegeben. Sein ergrauendes Haar zeigte große Lebenserfahrung und es war nicht unüblich solche Schauermärchen zu hören. Schnell hatte er den Vorfall vergessen, der nur die Jungen und Aufbrausenden packte.

Und dann.. Nicht einmal drei Tage später wurde seine Ignoranz bestraft. Es war passiert. Eine Karawane mit drei Ladungen Ziegelsteinen und Lehm war überfallen worden. Man fand nur noch die zerstörten Karren und die aufgeschlitzten Pferde. Die Transporteure waren verschwunden. Tauchten nie wieder auf.

Gedankenverloren schritt er durch die breiten Straßen. Heute morgen war die letzte Hoffnung der Botschafter gewesen. Er war nur eine Nacht hier gewesen um seinen Pferd rasten zu lassen. Seine Nachricht schien dringender Art.. und trotzdem. Sie hatten hier keine Krieger. Er war der einzige, der es irgendwie hätte schaffen können. In Gedanken vertieft, dauerte es einige Momente, bis er verstand, dass er angesprochen wurde. Fenalf blickte auf. Braune Augen blitzten ihm entgegen. Sein alter Freund.

„Wie geht es dir, Fenalf?", er hörte sich beunruhigt an. Sein Freund wusste, um Fenalfs geistige Verfassung.

„Gut, gut. Ich träume nur vor mich hin", ein schwaches Lachen. Nun lächelte auch Fenalfs Gegenüber und legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Ich erwarte dich heute Abend. Mein Weib hat Kalbsleber zubereitet."

„Das würde ich mir nicht entgehen lassen", Fenalf lachte ehrlich auf. Ja, er liebte dieses Dorf.

Sein Freund verabschiedete sich und er drehte sich um.

Was er dann sah, ließ seinen Herzschlag für einen kurzen Moment aussetzen. Eine groß gewachsene Gestalt, wahrscheinlich das größte Wesen im gesamten Dorf, schritt langsam auf ihn zu und hielt einige Ellen vor ihm an.

Achtlos ließ der Riese die Leiche vor den Füßen des Bürgermeisters zu Boden gleiten. Fenalf brauchte einige Zeit bis er begriff, was in diesem Moment geschehen war. Er hatte den Mann mit den grünen Augen schon beinahe vergessen. Niemals hätte er so etwas erwartet.

Seine Gedanken brauchten eine Weile um sich zu verbaliesieren.

„Wie hast du das geschafft?", flüsterte der schlaksige Alte. Doch als sein Gegenüber keine Anstalten machte antworten zu wollen, griff der Mann in seine Tasche und überreichte ihm einen Beutel mit etwas mehr als zwei Dutzend Goldmünzen. Die alte Hand zitterte. Nicht vor Glück. Sondern vor Angst. Jeder, der fähig war ein Lager voller Orks auszulöschen und danach noch aufrecht gehen konnte, war gefährlich. Und doch war es nicht diese Tatsache, die ihm Angst machte. Es waren diese grünen Augen.. Grün war für gewöhnlich die Farbe des Lebens. Wieso kamen sie ihm dann so gefährlich vor? So tödlich. Fenalf brach den Augenkontakt ab und blickte sich um. Viele Schaulustige standen hier herum. Wenigstens war das Dorf jetzt sicher.

XXX

Harry wog den Beutel in seiner Hand kurz ab und nickte. Er wollte nicht nachzählen. Stattdessen wollte er hier einfach weg und endlich etwas essen und dann schlafen.

Müde schritt er unter der Mittagssonne umher und suchte nach einer Taverne. Es dauerte einige Zeit, bis er in dem kleinen Dorf schließlich doch eine fand.

Innen war es geräumig und sauber. Der Raum war überfüllt und die Leute tranken und feierten lautstark. Von der Meute unbemerkt lief er zum Tresen und schaute sich um. Die Wirtin brauchte ein wenig, bis sie sich dazu durchdringen konnte zu ihm zu kommen. Sie schaute ihn fragend an.

„Was kostet ein Abendessen und eine Übernachtung?", fragte Harry.

„Das Abendessen 2 Kupferstücke und die Übernachtung 3", sagte sie.

Harry nickte einfach. Er hatte keinen blassen Schimmer wie viel sie wollte, doch jetzt konnte er lernen wie die Währungen hier funktionierten. Er griff in den Beutel, der sich in seiner Tasche befand und entfernte eines der Münzen. Mit einem Lächeln auf den Lippen, überreichte er es ihr. Harry wusste nicht, dass sie dieses Lächeln mehr einschüchterte als sein ganzes Auftreten. Es gab ihm einen verrückten Hauch, der ihn bedrohlicher machte.

Sie erblickte das Gold misstrauisch, nahm es nach kurzem Zögern dann doch an. Das Wechselgeld bestand aus 13 Silberstücken und einem Kupferstück.

Während die Wirtin ihm das Essen servierte, das aus einem Leib Brot, einer Suppe und einem Glas Wasser bestand, rechnete Harry still vor sich hin.

Ein Goldstück waren 14 Silberstücke und ein Silberstück 7 Kupferstücke wert. Und da der Wert eines Abendessens nur 2 Kupferstücke war, hieß das, dass er ein schönes Sümmchen mit seiner Orkjagd erzielt hatte.

Er aß gemütlich zu Ende und ging dann die Treppen aufwärts in das ihm zugewiesene Zimmer.

Es war klein und gemütlich, aber karg eingerichtet. Eine Kerze, ein Schrank, ein Nachttisch, worüber ein Spiegel angebracht war und ein Bett waren alle Utensilien in diesem Zimmer.

Nach zwei Nächten auf hartem Boden war dies jedoch ein Traum. Er entledigte sich seiner übelriechenden Kleider und stieg in sein Bett. Dass es noch Mittag war, störte ihn nicht. Er würde von der Erschöpfung geplagt 16 Stunden durch schlafen..

XXX

Danke an „Forrest" und „Hermine Potter1980" für die Fragen und den Review

Kapitelname hat mir Schwierigkeiten gemacht. Ich habe lange Zeit zwischen „Mord" und „Erlebnisse" hin und her überlegt. Erlebnisse ist dann doch zu schwammig und Mord hat mir nicht gefallen, nachdem Chapter 1 „Der Tod" hieß. Also kam ich auf „Wiedergeburt". Es gefällt mir. Weil es nicht nur Harry beschreibt, sondern auch alle, die nun in dieser Welt sind und auch die Welt an sich.

Meine Lieblingsszene war die mit Ron. Einer der sechs Hauptcharaktere dieser Fanfiction.

Jedes der nächsten Kapitel wird einen weiteren „Wiedergeborenen" behandeln. Hoffe es hat euch genau so gefallen, wie es mir gefallen hat.

Die Szene, die ich am meisten hasse und die einfach nicht so werden wollte, wie ich es wollte, ist die mit dem ersten Ork. Gefällt mir überhaupt nicht.

Berichtet mir von eurem Lieblinspairing, eurer Lieblingsstelle und euren Ideen für den weiteren Fortlauf!

Ahh ja brauche ich einen Betaleser?

Ich bin mir nicht sicher. Aber ihr entscheidet.

Hoffe es hat euch gefallen und bitte reviewt mir. Es ist nicht leicht ohne Motivation zu finden um weiter zu schreiben also, danke an alle Reviewer.

Ok und jetzt reviewen!

:D