Hallo zum zweiten Kapitel von Nothing left to hold!

Ich danke für die Kommentare und die Favoriteneinträge.

Jetzt geht allerdings erst mal weiter. ^^


2. Blurry

An Bord des Privatjets

Zwischen London und Port Angles

Harry schaute aus dem Fenster, als das Flugzeug den Londoner Flughafen verließ. Draußen war es dunkel, und die Lichter der Stadt wurden zu verschwommenen Flecken, während sich der Text für seinen neuesten Song in seinen Kopf schlich.

Seine Hand flog über die Seiten seines Journals, das er genau für diesen Zweck immer mit sich herumtrug.

Everything's so blurry
And everyone's so fake
And everybody's empty
And everything is so messed up
Preoccupied without you
I cannot live at all
My whole world surrounds you
I Stumble then I crawl

Harry konnte nicht glauben, dass er tatsächlich zurückkehrte, aber er vermisste seine Familie so sehr. Er wünschte sich, sie wiederzusehen, jedoch fürchtete er sich, seinen Gefährten zu sehen. Er liebte ihn bereits wie einen Bruder, was ihn nur noch mehr verwirrte, und Harry war sich sicher, dass, wenn er ihn wiedersehen würde, es nicht viel bräuchte, dass sich seine Gefühle in mehr verwandelten.

Er wollte es nicht.

You could be my someone
You could be my scene
You know that I'll protect you
From all of the obscene
I wonder what you're doing
Imagine where you are
There's oceans in between us
But that's not very far

Den Sommer nach seinem fünften Jahr war Harry mit dem Vorsatz nach Hause gekommen, seiner Familie und seinem Gefährten alles zu erzählen.

Schon bevor er sechzehn geworden war, hatten die Träume über seinen Gefährten begonnen, und obwohl er dessen Gesicht nicht vor seinem sechzehnten Geburtstag sehen konnte, hatte Harry nicht lange gebraucht, um herauszufinden, über wen er geträumt hatte.

Immerhin war er damit aufgewachsen, ihn nur als Bruder zu kennen.

Natürlich war Harry nervös gewesen, es seiner Familie zu enthüllen; er war sich nicht sicher gewesen, wie sie es aufnehmen würden. Schließlich war er sein Bruder, und Harry hatte Angst gehabt, dass sein Gefährte nicht über dies hinwegsehen könnte. Es war nicht so, als wenn sie wirklich verwandt wären, aber selbst so war es schwer, mit der Tatsache umzugehen, dass der kleine Bruder in einen selbst verliebt war.

Es war nicht so wie bei Rosalie und Emmett oder Alice und Jasper, die sich zuerst als Gefährten gefunden hatten und dann nur so taten, als seien sie Brüder und Schwestern. Nein – Harry war seit seinem siebten Lebensjahr bei ihnen aufgewachsen.

Er war von Anfang an sein Bruder gewesen. Da war nie mehr zwischen ihnen gewesen, nicht einmal der Gedanke, dass mehr zwischen ihnen sein könnte, und jetzt war sich Harry nicht mehr sicher, ob es je wieder so sein würde.

Edward hatte seine eigene Gefährtin gefunden – oder vielmehr jemanden, den er als Gefährten wollte. Harry hatte nie die Chance, ihnen irgendwas zu erzählen, denn kaum, dass er durch die Tür gegangen war, wurde ihm die Geschichte von Bella erzählt – Edwards Freundin.

Can you take it all away?
Can you take it all away?
When you shoved it in my face
This pain you gave to me
Can you take it all away?
Can you take it all away?
When you shoved it in my face

Trotzdem hatte Harry dieses Menschenmädchen, für das Edward so viel getan hatte, um sie zu schützen, noch nicht getroffen. Sie hatte den Sommer mit ihrer Mutter in Phoenix verbracht, um sich von der Attacke des Vampirs James zu erholen. Harry konnte sich noch erinnern, wie verletzt er gewesen war, immer und immer wieder von ihr zu hören.

Er war nicht nur verletzt, weil es so aussah, als würde Edward sie wirklich lieben, sondern weil keines der Familienmitglieder ihn über diese neue Entwicklung informiert hatte.

Wenn sie es getan hätten, wäre Harry vielleicht früher gekommen – bevor Edward sich so um das Mädchen bemüht hatte.

Nun hieß es entweder sein eigenes Herz brechen oder das Edwards, und Edward war nicht bloß sein Gefährte, sondern auch Harrys Bruder, und Harry brachte es nicht über sich, das zu tun.

Außerdem, wenn Harry es Edward jetzt erzählen würde, würde Edward Bella aus Mitleid zu ihm verlassen, und das war nicht die Art Liebe, die Harry wollte.

Everyone is changing
There's no one left that's real
So make up your own ending
And let me know just how you feel
'Cause I am lost without you
I cannot live at all
My whole world surrounds you
I Stumble then I crawl

Harry erinnerte sich daran, in Zaubereigeschichte über Gefährten gelesen zu haben. Nur mächtige Zauberer benötigten einen. Seinen Gefährten an seiner Seite zu haben, half die eigene Magie zu kontrollieren und sich von der übermäßigen Magie, die gewalttätig oder sogar tödlich sein konnte, zu befreien. Durch die Bindung würde eine Verbindung zwischen ihnen entstehen, und während des Sex würde der Gefährte des Zauberers dazu in der Lage sein, die Wilde Magie in seinem eigenen Körper aufzunehmen und sie verschwinden zu lassen.

Wenn sie unkontrolliert blieb, würde die Magie entweder während Augenblicken starker Emotionen ausbrechen und gefährlich werden, oder sie könnte sich gegen den Zauberer wenden und anfangen, ihn zu zerfressen wie Krebs.

Harry war sich bisher nicht sicher, welchen Weg seine Magie wählen würde, aber bei seinem Glück würde es eine kranke Kombination aus beidem werden.

Doch wer weiß – vielleicht würden Edward und Bella nicht zusammenbleiben; allerdings waren es bisher schon fast zwei Jahre – also würde Harry nicht hoffen und warten.

You could be my someone
You could be my scene
Know that I will save you
From all of the unclean
I wonder what you're doing
I wonder where you are
There's oceans in between us
But that's not very far

Can you take it all away?
Can you take it all away?
When you shoved it in my face
This pain you gave to me
Can you take it all away?
Can you take it all away?
When, you shoved it in my face
This pain you gave to me

Harry wollte, dass Edward glücklich war, und er wollte nicht, dass Edward mit ihm zusammen war, wenn dieser dachte, es sei seine Pflicht, oder aus Mitleid. Weswegen Harry auch nichts sagen würde. In Wahrheit war das einer der Gründe, wieso er nun nach Hause kam.

Er wollte nicht nur seine Familie wiedersehen, sondern wollte der Öffentlichkeit fern bleiben.

Wenn sich seine Magie wirklich gegen ihn wendete, wollte Harry nicht, dass seine Fans sahen, wie er dahinvegetierte, und er wollte definitiv nicht, dass der Grund an die Presse gelangte, denn er war sich sicher, dass die meisten Zauberer sofort in der Lage waren herauszufinden, was mit ihm passierte.

Seine Familie würde nicht erfahren, was genau ihm fehlte, wenn Harry irgendwas dabei mitzureden hatte. Zum Glück hatte Carlisle nie Zauberermedizin oder Krankheiten studiert: Wenn es zum Schlimmsten kommen sollte, konnte er es als irgendeine Art unheilbarer Zaubererkrankheit abtun.

Dort, wo seine Familie lebte, wirkten Zauber, die ihn vor der Presse und verrückten Fans beschützen würden.

Sie würden nicht imstande sein, das Haus zu betreten oder ihm nahe zu kommen, und Harry würde endlich ein bisschen Frieden haben.

Harry wollte, dass seine neue CD so war wie nichts, was sie bisher von ihm gehört hatten. Das würde wirklich er sein – innen und außen – die niedergeschlagene und schwarze Seite seiner Persönlichkeit und seines Lebens, die er vor allen versteckt hielt. Er würde alles auf den Tisch legen.

Es würde wahrscheinlich seine letzte CD sein, und er wollte ein Stück von sich selbst zurücklassen. Es würden seine tiefsten, mutigsten und dunkelsten Geheimnisse sein, seine Freude, sein Schmerz, seine Lust, sein Alles.

Sie würde seine Geschichte erzählen – die Geschichte seiner letzten Tage, so makaber es auch klingen mochte.

Oh,
Nobody told me what you thought
Nobody told me what to say
Everyone showed you where to turn
Told you where to run away
Nobody told you where to hide
Nobody told you what to say
Everyone showed you where to turn
Showed you when to run away

Als das Lied fast fertig war, schmiss Harry das Journal mit einem ärgerlichen Seufzen hin. Er musste Edward dringend aus seine Gedanken entfernen und sich von der Spannung, die sich in ihm bildete, befreien.

Gerade als Harry dies dachte, ging der italienische Flugbegleiter an ihm vorbei und nickte mit dem Kopf in Richtung des Schlafzimmers des Flugzeuges.

Harry hob eine Augenbraue, als die schokoladenbraunen Augen ihn beobachteten, leckte sich die Lippen beim Anblick der deutlichen Beule in der Hose des Mannes, und mit einem sexy Lächeln stand er auf, um ihm zu folgen.

Dies könnte eine wirklich vergnügliche Ablenkung sein.

Can you take it all away?
Can you take it all away?
When you shoved it in my face
This pain you gave to me

Song: Blurry By: Puddle of Mudd