Vielen lieben Dank für eure lieben Reviews! Ich beantworte sie immer vorm Onlinestellen des nächsten Kapitels per Mail. Häufig gestellte Fragen beantworte ich ab jetzt auch noch mal vor dem Kapitel, damit keine Unklarheiten entstehen: Frage: Warum hat Daphne gedacht, dass sich Draco in Hermine verliebt hat, wo er sich doch nur über sie lustig gemacht hatte? –
Frage: Warum ist Daphne in Slytherin, wenn sie freundlich ist? – Nicht alle aus diesem Haus sind unfreundlich, das ist keine zwingende Charaktereigenschaft. Slytherins sind ehrgeizig und stolz auf ihre magische Abstammung. Daphnes Ziel, das sie um jeden Preis erreichen will, ist Draco Malfoy für sich zu erobern. Sie ist stolz auf ihre Herkunft, findet aber die fanatische Verteidigung der Ideale z.B. von ihren Eltern und deren Freunden übertrieben. Songtipp für dieses Kapitel:
Danke an: Mummel (meine Beta) und Bery, die mir immer mit kleinen Fragen weitergeholfen hat. Kapitel 2
Und C, weil ich sie sehr lieb habe, obwohl ich ihr auch manchmal das Leben zur Hölle mache...
Schnee
Die Zeit verging. Draco verschwand immer häufiger, stundenlang war er unauffindbar. Im Unterricht reizte er die Professoren mit frechen und gelangweilten Antworten, die Strafarbeiten, die er dafür aufgehalst bekam, ließen sich kaum noch zählen. Nur Snape war so nachsichtig wie eh und je.
Daphne lebte in ihrer Traumwelt. Sie arbeitete, erledigte ihre Hausaufgaben und plauderte mit Sally-Anne... aber mit ihrem Herzen war sie weit fort.
Es war eine eiskalte Nacht. Daphnes Atem bildete kleine Wölkchen, als sie sich tiefer in ihren dicken Schal wickelte. Sie saß auf den Stufen vor der Eulerei, nur eine Kerze, die sie mit einigen Wachstropfen auf dem kalten Steinboden festgeklebt hatte, spendete ihr Licht. Mit zitternden Fingern schrieb sie auf einem Pergamentbogen einen Brief an ihre Mutter.
Während der Mond kleine Lichtpunkte auf die steinernen Stufen malte, tanzten einzelne Schneeflocken vor ihrem Gesicht und setzten sich in ihr Haar.
Als eine Eule schuhute, stieß Daphne erschrocken mit dem Ellenbogen gegen die Kerze. Das heiße Wachs lief über den Stein und die Flamme erlosch.
„Wunderbar", murmelte Daphne in die Dunkelheit. Als sie nach ihrem Zauberstab tastete, fühlte sie den kleinen Zettel. Ihre Liste... die hatte sie ja ganz vergessen.
Morgen, ja, Morgen würde sie damit anfangen.
Müde rieb sie sich mit den Fäusten über die Augen, gähnte ausgiebig und starrte hinauf zum Mond. Er war voll und leuchtete in einem magischen Glanz.
Daphne liebte es, spät abends hoch zur Eulerei zu gehen und sich auf die obersten Stufen zu setzen. Dann sah sie Sternschnuppen, und ihre Träume, die über den Himmel flogen, und manchmal sogar Einhörner, die sich auf die Ländereien wagten und am Schwarzen See Wasser tranken.
Hier war sie alleine und frei... Und das genoss Daphne.
Doch je später es wurde, desto schmerzhafter wurde ihr wieder bewusst, dass sie nicht die ganze Nacht in der eisigen Kälte verbringen konnte. Schweren Herzens steckte sie den Kerzenstummel in die Tasche, band den Brief an das Bein ihres eleganten Steinkauzes und stieg, die Hände tief in den Taschen vergraben, die Stufen hinab.
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Der nächste Morgen kam wieder viel zu früh. Daphne trank beim Frühstück zwei Tassen schwarzen Kaffees, doch die Müdigkeit wollte nicht so recht aus ihren Gliedern weichen. Im Zauberkunstunterricht bastelte sie verschlafen eine Blume aus Papier, die sie dann zerknickte, als sie mit dem Kopf darauf sackte und einschlief.
Neben ihr saß Draco, der auch nicht viel besser aussah. Auch unter seinen Augen hatten zahlreiche schlaflose Nächte tiefe Schatten gemalt, seine Wangen waren eingefallen, der Blick leer. Er starrte auf Daphnes Blume, die zwischen einer rotblonden Locke hervorlugte, und schien doch mit den Gedanken ganz woanders zu sein.
„Miss Greengrass!" Professor Flitwicks hohe, quiekende Stimme überschlug sich vor Aufregung. „Wie können Sie es wagen, mitten im Unterricht.."
Daphnes Kopf fuhr hoch, und sie blinzelte den Lehrer verschlafen an. „Oh..." meinte sie, sah sich um und strich sich mit der Hand durch die Haare. „Tut mir Leid, Sir."
„Sie werden umgehend meinen Klassenraum verlassen und sich bei Ihrem Hauslehrer melden. Dieses Verhalten, einfach unfassbar... ich gebe Ihnen eine Nachricht mit." Er wuselte zu seinem Schreibtisch, und kehrte kurz darauf zurück, eine kleine, versiegelte Pergamentrolle in der Hand. „Geben Sie das Professor Snape, und ich erwarte eine vollständige Zusammenfassung der Stunde, zwei Fuß lang, bis spätestens Donnerstag."
„Ja, Sir."
„Gehen Sie jetzt."
„Ja, Sir."
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„Flitwick ist ein Idiot", sagte Draco beim Mittagessen, und lächelte Daphne leicht an. Sie verschluckte sich an ihrer Zucchinicremesuppe und hustete etwas vor sich hin, bis er ihr auf den Rücken klopfte. „Alles okay?"
„Ja", röchelte Daphne, hektische rote Flecken breiteten sich auf ihrem Gesicht aus. Ob er sie wohl fragen würde?
Gestern hatte Pansy, Dracos Vertrauensschülerpartnerin, einen Zettel für das nächste Hogsmeadewochenende ans Schwarze Brett im Gemeinschaftsraum geheftet. Es war schon in zwei Wochen, und Daphne hatte bisher noch nicht darüber nachgedacht, dass Draco sie vielleicht einladen könnte. Immerhin waren sie Freunde... vielleicht konnten sie nur so als Freunde gehen? Ob sie mal eine kleine Anmerkung in diese Richtung machen sollte?
Doch das Lächeln war schon von Dracos Gesicht verschwunden. Er starrte mit einem hasserfüllten Ausdruck in den Augen hinüber zum Gryffindortisch, dann stand er plötzlich ruckartig auf und verließ die Große Halle.
Daphne starrte ihm eine Weile hinterher, dann nahm sie ihre Träume und verschloss sie wieder sorgfältig in der kleinen, staubigen Schachtel in ihrem Herzen.
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Draco benahm sich in den darauffolgenden Tagen wieder abweisend und kalt. Professor McGonagall verdonnerte ihn in der nächsten Verwandlungsstunde zum Nachsitzen, und zwar am Hogsmeadewochenende. Verzweifelt verbrachte Daphne daraufhin die Nacht in der Eulerei, und weinte sich die Augen aus dem Kopf.
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Irgendwie hatte sich Daphne doch dazu überwinden können, nach Hogsmeade zu gehen. Sie musste dringend neue Zuckerfederkiele kaufen, nach diesen Dingern war sie quasi süchtig, und außerdem brauchte sie etwas Abwechslung. Auch wenn Draco nicht dabei war, konnte es ein schöner Tag werden!
Doch Daphne täuschte sich. Die Luft war schneidend kalt und ein stürmischer Wind zerrte an ihren Kleidern, als sie sich auf den Weg in das kleine Zaubererdorf machte. Zitternd schlang sie den Schal noch ein wenig fester und zog ihre grüne Mütze tiefer über die Ohren, doch es half nichts. Als sie endlich im Honigtopf angekommen war, war ihre Nase rot, und ihre Finger steif gefroren.
„Oh, hallo Miss Greengrass!", tönte die Stimme ihres Zaubertränkelehrers glücklich über das Gewusel der Schüler hinweg. „Wie schön, Sie hier zu treffen!"
„Professor", nuschelte Daphne, und starrte auf die zuckerfreien Zuckerfederhalter. Würde Draco sie mehr mögen, wenn sie weniger wog?
„Wo ist denn Ihre Schwester, die bezaubernde Astoria? Ein wirklich außergewöhnliches Mädchen, meine Liebe, ganz außergewöhnlich. Die Intelligenz von ihrem Vater und die Schönheit ihrer Mutter, was?" Er klopfte Daphne auf den Rücken und lachte jovial. Sein Blick schweifte über die Köpfe der Schüler, und er schien etwas entdeckt zu haben. „So, Miss Greengrass, ich muss dann auch schon wieder... ja... ich habe hohe Erwartungen an Sie, was die kommende Prüfung angeht!" Wieder tätschelte er ihr die Schulter und quetschte sich dann an den anderen Schülern vorbei. „Mr Potter...!"
Daphne grinste, und sie merkte, wie ihre Mundwinkel dabei spannten. Hatte sie wirklich so lange nicht mehr gelacht?
Sie wandte sich wieder den Süßigkeiten zu.
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In den Drei Besen war es stickig und überfüllt, aber warm. Daphne bestellte sich an der Bar ein Butterbier und setzte sich dann an einen kleinen Tisch für zwei in einer Ecke, der erstaunlicherweise noch frei war. Die Hände abwechselnd an den heißen Becher gepresst, zog sie ihre Jacke aus und zog ein Buch aus der Tasche.
Eine leise, unbekannte Stimme holte sie aus ihrer Traumwelt. „Macht es dir was aus, wenn ich mich hier hinsetze? Keine Sorge, ich werde dich nicht stören."
Daphne sah auf. Es war dieses verrückte Mädchen aus Ravenclaw, über das die ganze Schule lachte. War nicht ihr Vater der Herausgeber dieser lächerlichen Zeitschrift?
„Naja, eigentlich...", begann Daphne, während sie im Kopf verzweifelt die verschiedensten Ausreden durchging, „wollte ich..." Doch als sie den fragenden, ehrlichen Blick des Mädchens sah, seufzte sie auf. „Ja. Setz dich."
„Danke! Ich bin übrigens Luna."
Luna, Loony, richtig, jetzt erinnerte sich Daphne wieder. Laut Draco gehörte sie zu Potters Gefolge. „Daphne."
„Oh, ich kenne dich", sagte Luna und holte ein paar Bögen zerknittertes Pergament aus ihrer Tasche. „Du bist doch eine gute Freundin von Malfoy."
Ich war es mal, dachte Daphne bitter, doch dann entschied sie sich dafür, einfach zu nicken. Sie legte den Kopf schief, und starrte verwundet auf Lunas Pergamente, die sie auf dem Tisch ausbreitete. „Was machst du da?"
„Oh, ich versuche nur, den gemeinen Dorfkniesel zu zeichnen... na ja, er ist sehr scheu, nicht viele Menschen haben die Geduld und die Ausdauer, um so lange zu warten bis er auftaucht... ich hab's mehrmals geschafft, weißt du", fügte sie hinzu. „Da musst du einige Tage ganz still dasitzen, am besten an einem Brunnen, und wenn du Glück hast, kommt einer vorbei. Aber du darfst nichts essen, der Geruch davon macht sie ganz irre, dann drehen sie sich im Kreis und machen sich unsichtbar, verstehst du..."
„Eh... ja. Cool- also, ich werde dann mal weiterlesen", sagte Daphne, und machte eine hilflose Geste in Richtung ihres Buches.
„Oh, das ist schon okay. Viele Menschen halten mich für verrückt. Du musst nicht so tun, als würde es dich interessieren. Ich bin das gewöhnt."
Sie tat Daphne Leid. „Naja, eigentlich..." sagte sie also, seufzte, schlug das Buch zu und nahm einen tiefen Schluck von ihrem Butterbier, „eigentlich interessiert es mich schon. Erzähl mehr darüber."
Lunas Augen strahlten. Begeistert wühlte sie in ihren Zeichnungen und zeigte Daphne eine, auf der ein Hund abgebildet war. „Das", begann sie atemlos, „ist der typische dottelohrige Dasanenfingling."
Daphne schloss kurz die Augen, sandte ein rasches Gebet zu Merlin, dass der Vormittag schnell vorbei gehen würde, und nickte dann. „Was kann der?"
Luna starrte sie aus großen grauen Augen an. „Was er kann?"
„Eh, ja", sagte Daphne, und legte den Kopf etwas schief, während sie die Zeichnung eingehender betrachtete. „Ich meine, irgendwas muss er ja können, oder?"
„Naja", sagte Luna, und besah sich nun ihrerseits das Bild. „Er sieht sehr süß aus!"
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Zu ihrer eigenen Verwunderung kämpfte sich Daphne kurze Zeit später mit Luna durch den Schneesturm zurück nach Hogwarts. Der Wind peitschte ihnen die Schneeflocken ins Gesicht, und beide Mädchen verkrochen sich so tief wie es nur ging in ihren Mänteln. Als das Schloss endlich in Sicht kam, waren sie mehr als erleichtert.
Das Licht der Teerfackeln warf Schatten auf die steinernen Wände, und wärmte gleichermaßen die durchfrorenen Glieder. Daphne schüttelte sich den Schnee von der Mütze und nieste. „Wirklich großartig", murmelte sie leise, und zog an ihrem Schal, wodurch gleich wieder ein kleiner Haufen Schnee auf den Boden tanzte und dort langsam schmolz. „Ich hasse den Winter."
Luna sah sie erstaunt an. „Wieso das denn?"
„Nun, erst einmal ist es immer kalt", begann Daphne aufzuzählen, während sie sich die Handschuhe von den Fingern zog. „Dann schneit es. Schnee ist kalt und nass. Dann Weihnachten – mit meiner Familie, und Astoria, und alle tun wieder so, als würden sie sich mögen -" Sie stockte. Das war zu viel, zu persönlich, um es einer verrückten kleinen Ravenclaw auf die Nase zu binden. „Ach, vergiss es. Der Winter ist einfach nur... nicht so mein Ding. Ich bin ein Frühlingsmädchen."
„Oh. Ich mag alle Jahreszeiten", sagte Luna in einem merkwürdigen Singsang. „Ich meine, jede hat doch etwas Besonderes an sich, das sie... wunderbar magisch macht! Sieh dir den Herbst an: die Blätter färben sich bunt, und wenn dann der Wind durch die Straßen weht, fliegen sie, und der Sommer: an warmen Abenden kann man die Feen tanzen sehen! Du musst unbedingt mal in einer Mittsommernacht mit mir zu den Hügeln hinter unserem Haus kommen. Und im Frühling erblüht alles, und erwacht zu neuem Leben, und... ach." Luna seufzte. „Der Winter riecht nach Plätzchen, und Zimt, und magischem Schnee, und alle Seen sind zugefroren, sodass man darauf Eislaufen kann."
Das erinnerte Daphne an ihren ersten Winter auf Hogwarts. Draco war mit ihr runter zum Schwarzen See gelaufen, hatte Schlittschuhe hinter seinem Rücken hergezaubert und sie waren stundenlang über das Eis geglitten. Danach waren beide schwer erkältet gewesen und hatten tagelang mit Zimtmilch und in dicke Decken gehüllt auf einem Sofa im Gemeinschaftsraum gesessen.
„Du hast Recht", meinte sie also, verwundert darüber, wie klug dieses Mädchen doch war. „Der Winter ist schön."
„Daphne?" Draco, der fast in sie hineingestolpert wäre, starrte sie entsetzt an, sein Blick wich von ihr zu Luna und zurück. „Das ist doch wohl nicht dein Ernst!"
Oh nein. Nein, bitte nicht... das war alles ein Albtraum, gleich würde sie erwachen.
„Du..." er suchte nach Worten, „du bereitest unserem Haus Schande! Wie konnte ich nur je mit dir befreundet sein? Das ist ja peinlich!"
Mit diesen Worten drehte er sich um, seine Schritte hallten an den Wänden wider. Daphne starrte ihm wie betäubt hinterher, sie hatte plötzlich nicht einmal mehr die Kraft, zu weinen. „Entschuldigst du mich, Luna?", sagte sie schwach, als ihre Füße sie wie von selbst zur Eulerei trugen.
