Kap.2
Zur gleichen Zeit hatte auch anderen Orts eine heftige Diskussion stattgefunden, die ebenfalls mit einem mehr oder weniger einvernehmlichen Kompromiss beendet wurde.
Sie begann eigentlich ganz harmlos, mit einer einfachen Bitte. Außenstehende hätten sie wohl eher als energisches Kommando aufgefasst, aber nach drei Monaten Praktikum hatte sich Hermine Granger angewöhnt, den Tonfall ihres Lehrmeisters zu ignorieren, was ihr inzwischen recht gut gelang.
„Billywigstacheln und eine Unze Salamanderblut," knurrte Professor Snape, ohne von seinem heftig brodelnden Kessel, dem gerade bläuliche Dampfschwaden entstiegen, aufzusehen.
Hermine erhob sich wortlos von dem mit Bergen von Pergamentrollen und alten Folianten bedeckten Schreibtisch des Zaubertränkelabors, hinter dem sie sich während der letzten drei Tage wegen der Recherche einer nur noch in Bruchstücken überlieferten Rezeptur verschanzt hatte.
Nachdem sie ihren verspannten Rücken gestreckt hatte, wandte sie sich routiniert zum Vorratsschrank, dem sie ein Deckelglas und eine zierliche Phiole entnahm.
Sie hielt das Fläschchen prüfend gegen das Licht und stöhnte innerlich auf.
„Professor Snape,..." Der Tränkemeister richtete sich energisch auf und fuhr herum, da der zögerliche Tonfall seiner Praktikantin nichts Gutes verhieß und fixierte sie mit vor der Brust verschränkten Armen.
„...das Salamanderblut ist fast aufgebraucht. Davon ist allenfalls noch ein Quentchen übrig."
„Miss Granger,...", Hermine zog innerlich den Kopf ein, als Snape leise zu sprechen anhub, und richtig, er steigerte jetzt wie erwartet die Lautstärke, „...wie gedenken Sie, eine Studentin im dritten und abschließenden Studienjahr, mir zu erklären...," nun donnerte er wie erwartet los, „...dass Sie die Kontrolle des Vorratsschrankes sträflich vernachlässigt haben?"
Diesen Tonfall konnte Hermine nicht ignorieren. Empört hielt sie dem stechenden Blick des Professors stand.
„Mit Ihrer vor drei Tagen erfolgten Anweisung, mich ausschließlich mit der Rekonstruktion einer unvollständigen Rezeptur zu befassen, Sir?", erwiderte sie mit scheinbarer Ruhe, während sie innerlich über Snapes Überheblichkeit tobte.
Snapes Stirnfalte vertiefte sich, als sie es wagte nachzusetzten, „Und damit, dass Sie gestern drei Heiltränke für Madam Pomfrey ansetzten, deren Hauptbestandteil ja bekanntlich Salamanderblut ist."
Hermine hatte inzwischen auch die Arme verschränkt und hielt dem nachfolgenden eisigen Schweigen trotzig stand.
Schließlich wandte Snape sich ab und sagte in beiläufigem Tonfall: „Sie kontrollieren umgehend sämtliche Bestände. Wir werden übernächstes Wochenende die Winkelgasse aufsuchen."
Innerlich schmunzelnd griff Hermine nach einer leeren Pergamentrolle und einem Federkiel, um mit der Auflistung der Tränkezutaten zu beginnen. Die letzten Worte des Proffesors kamen fast einer Entschuldigung gleich.
Und seine abschließende Bemerkung war ein eindeutiges Lob, als er leise anmerkte: „Im Interesse ihrer Studien werden wir auch die Nokturngasse aufsuchen."
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