Am nächsten Morgen beim Frühstück, beobachteten Draco und Blaise, wie Ginny wütend eine Nachricht per Eule las:
Wenn du dein Buch wiederhaben willst, komm heute 23.00 Uhr in den Zaubertränkeraum.
D.M.
Sie riss einen Streifen Papier ab und kritzelte eine Antwort. Unsichtbar flog die Nachricht zu Draco und wurde erst vor seinen Augen sichtbar, als sie sich öffnete:
Gib es mir gefälligst sofort wieder!
Noch nicht mal ein Absender steht darunter! Der Zettel wippte ungeduldig auf und ab, als ob er auf eine Antwort warten würde. Wirklich faszinierende Kräfte… Draco drückte den Zettel auf die Tischplatte und schrieb:
Geduld. Oder willst du, dass aus Versehen etwa andere Schüler mitkriegen, was für Bücher du liest?
D.M.
Kaum hatte er den Zettel losgelassen, faltete er sich wieder zusammen, wurde unsichtbar. Sekunden später hatte Ginny ihn wieder in der Hand.
Sie hob ihren Kopf, die Lippen waren zu einem schmalen Strich zusammengepresst, und nickte ihm zu, dass sie verstanden hatte. Draco tauschte mit Blaise ein fieses Grinsen aus.
Es war kurz vor elf und Draco saß auf einem der Tische im schummrigen Unterrichtsraum für Zaubertränke. Zu hören war nur das Blubbern einiger reifenden Tränke. Elf. Draco starrte auf die Tür, doch es rührte sich nichts. Sie wird schon noch kommen.
Tatsächlich, die Tür wurde auf einmal vorsichtig geöffnet. Ginny schob sich in den Raum und blickte sich um, als ihr Blick auf Draco hängen blieb, verfinsterte sich ihre Miene und sie blaffte ihn an: „Und jetzt gib mir das Buch wieder!"
„Nicht so schnell, Honey! Ich möchte dir eine Übereinkunft zwischen uns vorschlagen."
Ihre braunen Augen starrten ihn entsetzt an. Fast tat sie ihm leid, doch nur fast, und er fuhr fort: „Du wirst dich ab morgen sieben Tage in Folge mit mir hier treffen."
„Was?!", empörte sie sich.
„Du hast schon verstanden. Dann hast du dein Buch wieder."
„Es ist nicht mein Buch...!", rutschte es ihr heraus.
Draco lachte in sich hinein. „Ich weiß. Es ist aus der Bibliothek. Deshalb musst du es ja auch wieder haben...Du kannst natürlich auch zu McGonagall laufen und ihr erzählen was für ein Buch ich von dir habe. Der Titel wird sie bestimmt interessieren."
Ginny stöhnte und zischte schließlich: „Was hast du an du an diesen merlinverdammten sieben Treffen vor, wenn ich fragen darf?"
Er lächelte sie liebevoll an: „Ich werde dir helfen das Thema, welches dich im Moment anscheinend so brennend interessiert, zu verstehen." Er betonte genüsslich jedes einzelne Wort und rückte er unwillkürlich näher an sie heran. er beobachtete, wie sie vor Verlegenheit, oder vielleicht auch Wut- er wusste es nicht genau- errötete.
„Warum unbedingt sieben Treffen?", fragte sie schließlich augenrollend.
Naja, sechs wäre doch zu klischeehaft... ,dachte er meinte dann aber besonnen:
„Ich finde Sieben ist ´ne schöne Zahl, aber wir können die Anzahl auch gerne erhöhen!"
Ginny ließ sich nicht zu einer Erwiderung herab.
Nach einer Weile meinte sie nachgebend: „Mir bleibt wohl keine andere Wahl, hmm?
„Jeder hat eine Wahl", meinte Draco gut gelaunt.
„Sehr witzig...!", erwiderte sie überraschend trocken, „Okay, ich bin einverstanden!"
Auf einmal registrierte sie wohl, wie nahe er ihr war, und starrte ihn an.
„Angst?" Seine Stimme klang rau.
„Nein!", meinte sie schnell, ein wenig zu schnell. Und Draco meinte ein Zittern in ihrer Stimme herausgehört zu haben, jedoch war die Entgegnung recht kurz, so dass er in dieser Hinsicht nicht sicher sein konnte, war aber zuversichtlich...
Ihre roten Lippen waren leicht geöffnet und bebten.
„Ok, wie wär´s mit der ersten Lektion?"
Ohne eine Antwort abzuwarten beugte Draco sich zu ihr herunter und presste seine Lippen verlangend auf ihre, die sich, wie er bemerkte, wunderbar weich anfühlten.
Einen Augenblick glaubte er, sie würde nachgeben und seinen Kuss erwidern, doch spürte dann, wie sie sich versteifte, und löste sich enttäuscht von ihr.
Ginny sah ihn schockiert an, drehte sich zur Tür und verließ den Raum.
„Bis morgen!", konnte Draco sich nicht verkneifen ihr hinterherzurufen.
Im Schlafsaal traf Draco auf einen ziemlich munteren Blaise, der natürlich wissen wollte, wie es gelaufen war.
„Sie hat eingewilligt und ich habe sie geküsst", fasste Draco knapp zusammen.
„Gut! Und darf ich fragen, wie die Kleine so beim Küssen ist?"
„Also, um ehrlich zu sein, weiß ich das nicht...Sie hat den Kuss nicht erwidert", gestand er seinem Freund.
„Das ist nicht gut", überlegte Blaise.
„Das ist mir bewusst. Aber sie wird sich schon an das Arrangement halten. Zu ´nem Lehrer wird sie auf keinen Fall rennen. Die Sache ist ihr höchst peinlich. Zu Recht, würde ich sagen...", entgegnete Draco mit hochgezogener Augenbraue.
