Erschrocken fuhr Hermine aus ihrem Schlaf auf- hatte sie geschlafen? Oh mein Gott, sie hatte geschlafen! Wem gehörte diese Hand auf ihrer Schulter? Langsam hob sie den Kopf und blickte in pechschwarze Augen. Sie wusste sofort, wem sie gehörten: Severus Snape, dem Todesser und Dumbledore- Mörder höchstpersönlich, dem Schulleiter. Und er lächelte.

,,Was tun sie hier draußen, Miss Granger?", wollte Snape wissen. Hermine antowortete nicht- sie war zu geschockt davon, dass ihr griesgrämiger Zaubertrankprofessor sie aus dem Schlaf geholt hatte. Und dazu noch hier draußen! Wie peinlich!
,,Äh, es tut mir leid. Ich habe es da drin", sie wies mit ihrem Kopf Richtung Schloss, ,,nicht mehr ausgehalten- ich brauchte kurz Zeit für mich. Und scheinbar bin ich eingeschlafen." Immer noch müde, gähnte sie.
,,Oh mann", seuftze sie kurz danach und ignorierte dabei völlig das irritiere Gesicht, dass Snape aufgrund ihrer lässigen Bemerkung machte.
Snape fasste sich, bevor sie etwas merkte.
,,Miss Granger, ich denke wir sollten zurück ins Schloss, die Nachtruhe beginnt sogleich." Mit wehendem Umhang schritt er zurück zum Schloss, doch als er keine Schritte hörte, die ihm folgten, wandte er sich um.
,,Shit!", entfuhr es ihm und er rannte zurück zur Weide. Granger war gefallen! Wieso auch immer. Schon kniete er neben ihr, und stellte bestürtzt fest, dass sie ohnmächtig war. Verdammt noch mal. In Snapes Kopf entstand ein riesiges Gedankenwirrwarr.
Was mach ich denn jetzt? Nach einer kleinen Meinungsverscheidenheit zweier Stimmen in seinem Kopf, entschied er sich für die, seiner Meinung nach, bessere. Vorsichtig hob er sie hoch- wie leicht sie ist- und lief geschwind zurück zum Schloss und geradewegs in Richtung Kerker.
Er wusste ein sehr gutes Mittel gegen Ohnmacht und er hatte vor es Granger zu verabreichen um sie dann in den Griffindorturm zu bringen. Am nächsten Tag würde sie sich an nichts mehr erinnern können. Guter Plan, Severus, klang eine Stimme in seinem Kopf. Langsam ging sie Snape auf die Nerven und so zischte er zurück: ,,Albus, lass mich endlich in Frieden!"
Kichern.
Seit Dumbledores Tot durch Snape höchstpersönlich hörte dieser immer wieder Stimmen in seinem Kopf. Oft waren sie von Albus selbst, doch teilweise auch von seiner Mutter Eileen oder seinem verstorbenen Zwillingsbruder Aerus. Nur selten war die Stimme von Lily. Lily. Lily. Dieser Name klang in seinem Kopf nach, wie ein Echo in einem Canyon. Wie er Lily geliebt hatte. Lily. Lily. Lily, fuhr immer wieder durch seinen Kopf und machtre ihn traurig. Er hatte sie verloren, als er sie beleidigt hatte. Dabei war es nur in Wut gewesen, und er hatte es nie ernst gemeint. Sie hatte es ihm nie verzeihen. Und dann kam dieser vermaledeite Potter und packte sie sich zurecht wie ein Geschenk. Und Snape hatte nichts dagegen tun können, rein gar nichts. Es war, als hätte er sie aufgegeben, doch in Wirklichkeit hatte er sie nie loslassen können. Erst jetzt gelang es ihm langsam, Abstand zu gewinnen.
Traurig von dem vielen Erinnerungen, schaute er Granger an, die er in seinen Armen trug. Ihr Haar war ihr ins Gesicht gefallen und ihre sonst so roten Lippen hatten einen blassen Teind angenommen.
Es wird Zeit, dachte sich Snape und legte sie auf seinem Sofa ab, um in seinem Labor nach dem Trank zu suchen. Als er die Phiole gefunden hatte und ins Wohnzimmer zurückkam, saß Granger zu seiner Verblüffung auf dem Sofa, mit einem seiner Bücher in der Hand. Weil sie ihn nicht bemerkte, schliech er sich von hinten an sie heran und legte (wieder einmal) seine Hand auf ihre Schulter, beugte sich zusätzlich zu ihr herab und flüsterte:
,,Na Miss Granger, ist das Buch interessant?"
Hermine entwich ein Schrei und sie fuhr erschrocken herum. Professor Snape hatte sie gehörig überrascht. Zuerst, als sie hier in seinen ohnehin beindruckenden Gemächern aufgewacht war, und jetzt, als sie sich nur hatte beschäftigen wollen (naja neugierig war sie auch gewesen, verständlich bei so einer Bücherwand) hatte er seine tiefe, und wie Hermine auffiel, wirklich schöne, bis in ihren Geist vordringen lassen. Sie merkte, wie sie eine Gänsehaut bekam, dann endlich sagte sie leise:
,,Es tut mir Leid, ich war nur neugierig."
Dann stand sie schnell auf, um das Buch wieder an seinen ursprünglichen Platz zurückzustellen.
,,Warten Sie!", bellte Snape und Hermine blieb wie erstarrt stehen. Mit einem Satz war der Professor neben ihr und riss ihr das Buch aus der Hand.
,,Was fanden sie denn so interessant?- Ah! Die tiefsten Geheimnisse der Zaubertrankbrauerei von- ah- von mir. Na Miss Granger, hat ihnen gefallen, was ich geschrieben habe?"
,,Um ehrlich zu sein, Professor, war alles wirklich gut, aber wieso sie für den Trank des Friedens Acromantula Gift genommen haben anstatt Mondsteinpulver kann ich nicht nachvollziehen. Das Gift ist doch viel schwerer zu bekommen, aber die Wirkung mit Mondsteinpulver ist die selbe."
,,Was?"
Hermine sah Snape zum ersten Mal irrirtert. Seine Augen und seine Stimmlage verrieten bei ihm alles, denn seine Gesichtszüge waren immer, wirklich immer unergründlich. So dachte zumindest Hermine.
,,Sind sie sicher, davon habe ich noch nie gehört! Aber ich werde es nachprüfen, verlassen sie sich drauf! Und jetzt trinken sie diese Phiole, dann wird es ihnen gleich besser gehen."
Wortlos nahm Hermine das kleine Gläschen aus der Hand ihres Lehrers und ihn dabei leicht. Die Gänsehaut kam zurück.
Auch bei Snape war in diesem Moment nicht alles normal, denn er versteifte sich in diesem Moment merklich und machte, dass er weg von Granger kam. Das wäre es noch, wenn dieses Gör mir den Kopf verdreht.
Mist Severus, was ist nur los mit dir.
Hermine trank den Inhalt und fühlte sich sofort besser. Sie mumelte ein ,,Danke" und ein ,,Ich geh dann mal" und schon war sie zur Tür gehuscht, um sich davon zu machen. Doch Snape hielt sie auf.
,,Halt!", sagte er bestimmt und hielt sie am Arm fest. Langsam drehte er sie zu sich um, sodass er ihr in ihre Augen sehen konnte.
Hermine glaubte, gleich wieder in Ohnmacht zu fallen, als diese Augen sie anblickten. Sie waren, wie ihr auffiel, gar nicht schwarz, wie jeder angenommen hatte, sondern von einem unergründlichen, tiefen Braun.
Sie stand so nah an ihrem Lehrer, dass sich ihre Oberkörper schier berührten und Hermine spürte den ruhigen Atem auf ihrem Gesicht. Es schien ihr als stünde sie eine Ewigkeit so da und damit war sie nicht alleine.
,,Die Phiole dürfen sie hier lassen, Miss Granger!", meinte Snape mit einem sarkastischen Unterton.
,,Oh, selbstverständlich, entschuldigung!", stotterte Hermine hervor.
,,Danke, und: Es macht nichts." Leise fügte er hinzu: Machen sie dass sie weg kommen und fallen sie mir nicht nochmal in Ohnmacht!"
Dann grinste er, schob sie über den Türrahmen und schloss die Tür vor ihrer Nase.
Draußen stand eine verdutzte Hermine, die mit dem Gedanken an einen freundlichen, hilfsbereiten und lächelnden Zaubertrankprofessor nicht fertig werden konnte. Unmöglich, unmöhlich, murmelte sie immer wieder vor sich hin, als sie die Stufen zum Turm hochstieg. Umnöglich.
Diese Nacht schlief sie unruhig.
Unmöglich.