Heiler Corpus kam in Harrys Zimmer und sah ihn ernst an.
„Mr. Potter, Sie können nicht ewig hier bleiben. Es tut mir leid, aber spätestens Montag werde ich Sie entlassen müssen. Durch den Krieg haben wir eine Bettenkappheit und brauchen jedes Zimmer.", erklärte der er.
"Ich verstehe. Ich habe mir auch schon etwas überlegt. Kennen Sie Australien Heiler Corpus?", fragte Harry mit einem beinahe sehnsüchtigem Blick..
"Ich war ein paar Mal im Urlaub da", bestätigte Heiler Corpus, "Haben Sie Kontakt dorthin?"
Harry nickte und erinnerte sich:
"Aber Mrs. Figg, Sie müssen den Jungen nehmen! Wir werden ihn nicht mitnehmen können!", polterte Onkle Vernon am Telefon, "Ja, ja ich verstehe. Ihnen auch noch einen schönen Tag und gute Besserung!"
Krachend flog der Telefonhörer auf die Gabel zurück und Onkel Vernon stampfte, vor Wut ganz rot im Gesicht, in die Küche zurück, wo Tante Petunia das Mittagessen servierte.
"Stimmt etwas nicht Vernon?", fragte sie.
"Es stimmt etwas ganz gewaltig nicht, Petunia!", schimpfte Onkel Vernon, "Mrs. Figg hat sich ein Bein gebrochen und fährt nächste Woche in eine Reha-Klinik. Das heißt, der Junge kann nicht zu ihr!"
Tante Petunia erstarrte in ihrer Bewegung und lies die Nudeln zurück in den Topf fallen. Sie drehte sich zum Esstisch um und sah Onkel Vernon, Dudley und schließlich Harry, den Jungen, an. Schließlich fragte sie:
"Was genau heißt das für unseren Urlaub?"
Die Dursleys hatten nach einer Gehaltserhöhung von Onkel Vernon beschlossen Urlaub in Australien zu machen. Natürlich ohne Harry.
"Es heißt, der Junge muss mit oder wir bleiben auch hier.", erklärte Onkel Vernon wütend und besprühte den Tisch mit viel Spucke.
"Mummy ich will nicht, dass er mitkommt!", jammerte Dudley.
"Wir reden später darüber Dudders.", sagte Onkel Vernon und wies seine Frau an, das Essen zu verteilen.
Während des Essens sprach niemand etwas.
Dudley und Harry wurden direkt danach aus dem Raum geschickt. Dudley war mehr als sauer und drückte seinen Cousin bedrohlich gegen die Wand.
"Wenn du mitkommst, hast du keinen ruhigen Tag da!", versprach er Harry.
Zwei Tage später stand sehr zu Harrys Freude fest, dass er mit musste. Der noch Elfjährige würde also zwei Wochen in Canbarra verbringen und dort die schönste Zeit seines Lebens – außerhalb von Hogwarts - haben. Aber das wusste er jetzt noch nicht.
In der zweiten Woche der Sommerferien begann Tante Petunia alle im Haus umher zu scheuchen.
"Dudley, bring mir deine Sachen ins Bad, ich will sie alle nochmal waschen. Vernon, deine brauch ich auch."
Nur Harry wurde vergessen.
Am sleben Abend wollten die Dursleys noch einmal essen gehen. Onkel Vernon hatte eine weitere, kleinere Prämie erhalten und wollte das mit seiner Familie feiern. Harry sollte natürlich zu Hause bleiben.
Das war kein Problem für ihn, denn sobald die Dursleys das Haus verlassen und sicher nichts vergessen hatten ging Harry ins Bad und warf seine Klamotten in die Waschmaschine. Er stellte sie auf das Kurzprogramm und warf einen Blick in den Trockner, in den er die gewaschene Wäsche warf und anstellte. Selbstverständlich hatte Tante Petunia ihn fachgerecht ausgeräumt und die Wäsche bereits gebügelt.
Danach ging er in sein Zimmer zurück und erledigte seine Hausaufgaben.
Als der Tag des Abfluges kam, war Tante Petunia mehr als aufgebracht, als Harry nicht nur ordentliche, sondern auch noch gewaschene Kleidung anhatte. Sie konnte sich nicht erinnern, seine Wäsche gewaschen zu haben.
Der Flug dauerte 18 Stunden und Dudley fand das Fliegen schon nach kurzer Zeit zu eintönig und begann mit seinen Eltern zu diskutieren. Er wollte endlich ankommen, verstand aber nicht, warum der Flug so lange dauerte. Er beruhigte sich erst wieder, als er einen Film ansehen durfte. Harry hingegen hatte es sich in seinem Sitz bequem gemacht und schlief.
Als sie in Australien landeten, war es dort bereits Abend und damit zu spät für Unternehmungen. Außerdem waren alle - bis auf Harry - müde. Da er der einzige gewesen war, der auf dem Flug geschlafen hatte.
Mit einem gemieteten Wagen fuhren sie zum Hotel und bekamen dort die Schlüssel für ihre Zimmer. Doch es gab eine unerwartete Wendung:
"Mr. Dursley, einem meiner Mitarbeiter ist bei der Buchung Ihrer Zimmer wohl ein Fehler unterlaufen. Er hat Ihren Neffen in einem anderen Hotelbereich untergebracht. Ich habe das selbstverständlich korrigiert. Ihr Neffe wird ein Einzelzimmer neben Ihrem Sohn beziehen. Die Kosten bleiben die gleichen.", erklärte der Hotelangestellte freundlich.
Onkel Vernon war einen Moment sprachlos und meinte dann:
"Das hatte schon seine Richtigkeit, aber jetzt ist es wohl zu spät!"
Der Hotelangestellte wollte etwas erwidern, verstummte aber, als er Onkel Vernons Blick sah.
Harry freute sich ungemein über diesen Zufall und ging mit einem breiten Grinsen voran.
In seinem Zimmer angekommen sah er sich um und stieß einen leisen Pfiff aus. Das Zimmer war zwar nicht groß, aber es gab ein großes Bett, ein eigenes Bad, einen Fernseher, eine Minibar und eine Sitzgruppe.
Harry packte seine Sachen in den Schrank und ging wieder aus dem Zimmer. Er klopfte bei Tante Petunia und Onkel Vernon an und wartete. Schritte näherten sich der Tür und Tante Petunias Gesicht erschien im Türspalt.
"Was willst du?", fragte sie barsch.
"Ich wollte euch nur Bescheid sagen, dass ich mir die Stadt etwas ansehe. Ihr müsst also nicht mit mir zum Essen gehen.", erklärte Harry ihr.
"Dann geh und sieh zu, dass du pünktlich wieder hier bist.", erwiderte Tante Petunia.
Harry fuhr mit dem Aufzug zur Rezeption, gab seinen Schlüssel ab und fragte, bis wann man wieder im Hotel sein musste.
Danach verließ er das Hotel und folgte einfach den Schildern zum Strand. Er wollte diesen Urlaub genießen und das konnte er nur, wenn er sich sooft wie möglich von den Dursleys trennte.
Es dauerte nur zehn Minuten bis er den Strand erreicht hatte. Eine Mutter war noch mit ihrem Sohn da und spielte mit ihm Volleyball. Doch etwas lies Harry stutzig werden. Aus ihrer Tasche, die neben zwei Handtüchern stand, ragte ein Zauberstab heraus. Die Handtücher waren schon besonders. Sie hatten Motive von je einem goldenen Schnatz, der sich bewegte. Er ging etwas näher zu den beiden und beobachtete sie.
Dann bemerkte der Junge ihn und kam auf ihn zu.
"Hallo ich bin Tracy und du?", fragte er.
"Ich bin Harry, Harry Potter", antwortete Harry. Der Junge drehte sich zu seiner Mutter und winkte sie aufgeregt hüpfend zu sich. Als sie bei ihnen war, sagte er:
"Mum, dass ist Harry Potter!"
"Wirklich? Du bist auch hier sehr bekannt. Deine Geschichte – und die deiner Eltern – ging damals einmal um die magische Welt.", fragte sie.
Harry nickte und stellte sich ihr vor:
"Ich freue mich, Sie kennen zu lernen, Mrs."
"Und ich bin Nelly McCanzie. Hat mein lieber Sohn mal wieder vergessen, seinen Nachnamen zusagen!", meinte sie grinsend, "Bist du alleine hier?"
"Nein, ich bin mit meiner Tante und meinem Onkel hier.", erklärte Harry.
„Wieso bist du dann alleine unterwegs – und dann auch noch in einem fremden Land?", fragte Mrs. McCanzie mit einem skeptischen Blick auf ihn.
„Sie mögen mich nicht und wollten mich eigentlich auch nicht mitnehmen.", meinte Harry, „Deshalb bin ich alleine raus."
"Warum mögen sie dich nicht?", fragte Tracy.
Harry erklärte ihm und seiner Mutter, das seine Verwandten alles was mit Magie zu tun hatte verabscheuten und ihn nur aufgenommen hatten, weil er als Baby vor ihrer Tür abgelegt wurde. Mrs. McCanzie hatte eine Idee.
"Harry was hältst du dann davon, deinen Urlaub bei uns zu verbringen?", fragte sie.
"Meinen Sie das ernst?", fragte Harry ungläubig.
"Aber ja, sicher!", meinte Nelly.
Harry nickte.
Aus seiner Erinnerung auftauchend sah Harry Heiler Corpus an und erklärte:
"Ja, ich habe vor ein paar Jahren eine Familie dort kennen gelernt. Sie würden sich sicher freuen, wenn ich sie besuchen komme."
Heiler Corpus fragte:
"Hört sich nach einer guten Idee an. Wie lange wollen Sie denn weg, Mr. Potter."
Harry sah seinen Heiler mit einem entschlossenen Blick an und antwortete:
„Für immer. Ich werde auswandern!"
Heiler Corpus sah Harry geschockt an und hakte nach:
„Sie wollen Auswandern? Wieso?"
"Weil ich das alles hier nicht mehr ertrage! Alle erwarten von mir, dass ich mich feiern lasse und den Helden spiele, aber genau das will ich nicht sein. Verstehen Sie Mr. Corpus? Ich will ein normales Leben. Mich wie ein normaler Mensch verlieben, heiraten und eine Familie gründen. Stellen Sie sich das mal hier in England vor.", meinte Harry.
Mr. Corpus dachte einen Moment nach und erklärte dann,
"Mir kommt da gerade eine Idee. Ihre Freunde waren bis jetzt jeden Tag da und ich konnte sie davon überzeugen, dass Sie Ruhe brauchen. Wenn sie am Montag wieder kommen werde ich ihnen sagen, dass wir noch einige Abschlussuntersuchungen machen und Sie dann entlassen. Mr. Potter in dieser Zeit können Sie in das Heilerzimmer gehen. Ich sorge dafür, dass niemand dort ist. Von dort können Sie apparieren und müssen nicht erst durch den Haupteingang raus!"
"Würden Sie das wirklich tun?", fragte Harry ungläubig.
"Ich werde zwar mit Sicherheit meinen Job verlieren, aber ich habe eine Stelle in Amerika, der Heimat meiner Frau, in Aussicht und will mit meiner Familie dorthin ziehen. ", erklärte der Heiler lächelnd, „Außerdem Mr. Potter – Sie haben uns von Sie-wissen-schon-wem erlöst. Es ist das mindeste."
Harry nickte und sagte freudig:
„Vielen Dank Heiler Corpus. Das ist mehr, als ich erwarten konnte"
Danach bat er um Pergament und Feder und schrieb einen langen Brief an seinen Freund Tracy und bat ihn, alles für ihn vorzubereiten.
Hi Tracy,
Wir haben lange nichts voneinander gehört. Wie geht es dir? Ich hoffe gut.
Sicher hast du schon mitbekommen, dass Voldemort besiegt ist. Ich habe es geschafft und jetzt erwartet ganz England, ach Quatsch ganz Großbritannien, dass ich mich als großen Helden präsentiere.
Ich habe ehrlich gesagt keine Lust mehr darauf, den Helden zu spielen und weiter hier zu bleiben. Es reicht mir langsam, dass mir jeder in den Arsch kriechen will, nur weil ich Harry Potter bin.
Ich habe mich entschlossen England zu verlassen und werde am Montag zu dir kommen. Ich werde wenn das okay ist, in euren Garten apparieren. Von da aus werde ich sehen, was ich mache.
Ich hoffe es ist in Ordnung, wenn ich erst mal zu euch komme!
Liebe Grüße
Harry
