Tach, Leute! Vielen Dank für den Review und viel Spaß beim Lesen! :)
Sarah: Hey, freut mich, dass du immer noch dabei bist! :) Ich hoffe dann mal, dass dir diese Story genauso gut gefällt wie die anderen. ;)
DISCLAIMER: WELT UND PERSONEN GEHÖREN J. K. ROWLING.
Die Verbotene Abteilung (1/2)
„Ah, endlich wieder zurück nach Hogwarts!"
Sirius' Stimme klang fast übertrieben fröhlich, als er sich in ihrem üblichen Abteil auf einen Sitz fallen ließ.
„Bei dir hört sich das so an, als würdest du dich über Unterricht und Hausaufgaben freuen", bemerkte James mit einem mürrischen Unterton, aber hinter seinen Brillengläsern funkelten seine Augen abenteuerlustig. Auch er freute sich, nach Hogwarts zurückzukehren.
„Wenn euch McGonagall gerade gehört hätte, hätte sie einen Herzinfarkt bekommen", sagte eine Stimme von der anderen Seite, wo sich Remus hinter dem Tagespropheten verschanzt hatte. „Sirius Black und James Potter freuen sich auf Unterricht. Woher plötzlich diese Strebsamkeit?"
„Haha, wirklich lustig, Remus..." James war es nicht gewohnt, von anderen aufgezogen zu werden. „Steht was Interessantes im Tagespropheten?"
„Carlotta Pinkstone hat vor den Augen von 50 Mugglen eine Besenflugschau hingelegt...schätze das Ministerium hatte einiges zu tun. Mundungus Fletcher ist festgenommen worden, als er gerade verdächtige Gegenstände in einem Toilettenkasten verstecken wollte. Von irgendwo sind wertvolle magische Objekte verschwunden, mehr schreiben sie dazu aber nicht...und ein gewisser Janus Thickey ist verschwunden. Er soll wertvolle Dienste auf dem Gebiet der Behandlung von Fluchschäden geleistet haben."
„Was? Wieder ein Angriff?"
James, der sich halb liegend auf seinen Fensterplatz gelümmelt hatte, fuhr auf und sah Remus fragend an. Dieser schüttelte den Kopf und ließ die Zeitung sinken.
„Nein. Es sieht so aus, als sei er von einem Lethifold gefressen worden..."
„Ach so..."
James ließ sich wieder zurücksinken.
„Tot ist dieser Mann wahrscheinlich trotzdem", bemerkte Remus vorwurfsvoll und hielt den Tagespropheten hoch, auf dem die trauernde Familie Thickey mit einem Foto von Janus, einem bärtigen Mann mit langer, spitzer Nase, zu sehen war.
„Ja, aber das kann jedem passieren, oder? Ich meine, er hat eben einfach Pech gehabt. Er ist nicht gestorben, weil irgend so ein rassistisches, schwarzmagisches Arschloch was gegen sein Blut hatte."
„Jaaa... Ja, schon..." Remus klang unschlüssig. „Aber eigentlich gibt es keine Lethifolds in Europa..."
Sirius stöhnte genervt auf.
„Wir sind im Hogwarts-Express, Leute. Können wir nicht zumindest für ein paar Stunden über was anderes als schwarze Magie und böse Zauberer reden?" Davon hatte ich die letzten Wochen schon genug. „James, hast du die Sachen dabei?"
Es funktionierte.
„Klar! Was denkst du denn?"
James klang beinahe beleidigt. Kurze Zeit lag auf dem Tisch in der Mitte ein Berg von Scherzartikeln, darunter selbstverständlich Stinkbomben, aber auch ein paar Neuerwerbungen.
„Was ist das?", wollte Remus wissen und hob einen Tüte mit einem dunklem Pulver hoch.
„Und das?", fragte Peter und deutete auf einen Luftballon, der eindeutig mit etwas anderem als Luft gefüllt war.
James und Sirius grinsten.
„Das, meine Herren, sind die Utensilien für unser neustes Unternehmen", verkündete James. „Das ist Instant-Finsternispulver, importiert aus Peru", erklärte er und deutete auf das schwarze Pulver.
„War ein Sonderangebot bei Freud und Leid und hat uns ein Vermögen gekostet", ergänzte Sirius.
„Und das", fuhr James fort und deutete auf die Ballons, „sind Luftballons mit Farbe gefüllt. Einfach aber effektiv. Sirius und ich haben sie getestet."
„So, so." Remus' Stimme klang argwöhnisch. „Und was habt ihr damit vor?"
Sirius grinste.
„Wir haben gedacht, es ist an der Zeit, ein Zeichen zu setzen."
„Und jedem klar zu machen, dass sie nirgends vor uns sicher sind", ergänzte James. „Auch nicht im Hogwarts-Express."
„Und bei den Erstklässlern einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen."
„Und ihnen ein Hinweis zu geben, für welches Haus sie sich am besten entscheiden sollten."
„Und..."
„Moment!", unterbrach Remus sie. „Ihr wollt hier im Hogwarts-Express einen Streich spielen? Bevor das Schuljahr überhaupt angefangen hat?"
„Und was für einen", grinste James. „Die Zugfahrt wird nie wieder so sein wie sie einmal war."
„Ohne mich."
„Was?"
Sirius und James fielen aus allen Wolken.
„Du willst nicht mitmachen?", fragte James ungläubig. „Warum nicht?"
„Das wird lustig, Remus!", versuchte Sirius, ihn zu überzeugen. „Stell dir mal die ganzen Erstklässler vor oder wie die Slytherins stinken werden!"
„Ich gebe ja zu, die Idee ist nicht schlecht, aber..."
Mehr brauchten Sirius und James nicht zu hören um zu wissen, dass sie gewonnen hatten.
„Autsch, Sirius, pass doch auf, wo du hintrittst!"
„Würde ich gerne, James, wenn ich was sehen könnte."
Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, stolperte er über etwas. Eine Hand schloss sich um sein Handgelenk und hinderte ihn im allerletzten Augenblick daran zu fallen.
„Danke", sagte er erleichtert, aber der Griff um sein Handgelenk wurde nicht lockerer. „Äh...James? Du kannst jetzt loslassen."
Aber James schien ihn gar nicht zu hören.
„Das Pulver müsste gleich aufhören zu wirken", sagte er. „Haha, das wird ein Anblick sein!"
Vorsichtig versuchte Sirius, seine Hand zu befreien, aber wer oder was immer ihn festhielt, ließ nicht locker.
„Ähm, James, bist du dir sicher, dass wir im richtigen Abteil sind...?"
„Klar!"
„Wo sind dann Remus und Peter?"
„Vermutlich im falschen Abteil. Hey, das heißt, sie werden den ganzen Ärger kriegen!"
So schnell wie das peruanische Instant-Finsternispulver seine Wirkung entfaltet hatte, so schnell verlor es sie auch wieder. Urplötzlich wurde es hell – und James und Sirius sahen sich mit vier sehr wütenden und mit sehr viel rotgelber Farbe beschmierten Gryffindor-Schülerinnen konfrontiert. Und eine von ihnen, Lily Evans, um genau zu sein, umklammerte Sirius' Handgelenk.
„Ich glaub's nicht, Sirius, du hast dich von einem Mädchen festhalten lassen!"
„Es war meine Zauberstabhand!", verteidigte sich Sirius. „Außerdem hast du uns ins falsche Abteil geführt!"
„Ein Mädchen, Sirius!"
„Warum hast du sie dann nicht verhext? Du hattest doch beide Hände frei!"
„Potter, Black, hört auf über mich zu reden als wäre ich nicht da!"
„Tja, Evans, du müsstest uns nicht reden hören, wenn du uns nicht an McGonagall verpetzt hättest..."
Bevor Lily antworten konnte, ging die Tür auf und die Verwandlungslehrerin kam herein. Sie war eindeutig wütend, ihr Mund war zu einem schmalen Strich zusammengepresst. Auf ihrem Umhang waren mehrere bunte Handabdrücke und Farbstreifen zu sehen. James und Sirius grinsten schadenfroh, aber ein Blick von Prof. McGonagall ließ das Grinsen auf ihren Gesichtern erstarren.
„Miss Evans, bitte erklären Sie mir, was vorgefallen ist."
Also erzählte Lily, was auf der Fahrt nach Hogwarts passiert war.
„Ich habe dafür gesorgt, dass Potter und Black nicht abhauen, und Mary hat Frank geholt, damit er sich als Vertrauensschüler um sie kümmert", schloss Lily.
„Entspricht das den Tatsachen, Longbottom?"
„Ja, Professor."
Frank Longbottom sah beim Sprechen auf seine Knie als wäre ihm die ganze Sache höchst unangenehm.
„Haben Sie gesehen, wie Potter und Black die Dunkelheit heraufbeschworen und die Farbe im Zug verteilt haben?"
„Nein, Professor."
„Miss Evans, haben Sie Potter und Black beobachtet?"
„Nein, Professor, aber..."
„Sie haben also nichts gesehen, sondern nur gehört, wie Potter und Black sich über ihren gelungenen Streich unterhalten haben?"
„Ja, Professor, aber..."
„Potter, Black, haben Sie den gesamten Hogwarts-Express mit Farbe beschmiert und Stinkbomben in die Slytherin-Abteile geworfen?"
Sirius hörte, wie Evans scharf die Luft einsog. Von den Stinkbomben hatte sie anscheinend noch nichts gewusst.
James machte ein beleidigtes Gesicht.
„Professor, wenn wir es gewesen wären, dann wären wir bestimmt nicht so blöd gewesen, ins falsche Abteil zu laufen."
„Und von Evans hätten wir uns ganz bestimmt nicht aufhalten lassen", setzte Sirius hinzu und lächelte unschuldig. „Wir dachten die ganze Zeit, sie macht nur Spaß. Schließlich sind wir es ja nicht gewesen."
„Natürlich nicht, Black, du bist die Unschuld in Person", hörte er Evans neben sich wütend murmeln.
„Sehen Sie, wir sind auch Opfer des Streiches geworden", sagte James und deutete auf drei einsame rote Farbspritzer auf seinem schwarzen Umhang. Evans und Longbottom, die von oben bis unten mit Farbe beschmiert waren, warfen ihm empörte Blicke zu.
„Offensichtlich", stellte Prof. McGonagall kühl fest. „Miss Evans, Mr. Longbottom, Sie können gehen. Und nun zu Ihnen", fuhr Gryffindors Hauslehrerin fort, als sie alleine waren, „ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie beide dahinter stecken. Leider scheint es keine Beweise zu geben. Sie können ebenfalls gehen."
Sirius und James warfen sich einen ungläubigen Blick zu. Sie würden tatsächlich ohne Strafarbeit davonkommen, obwohl Evans sie erwischt hatte!
„Allerdings warne ich Sie", setzte Prof. McGonagall mit erhobener Stimme hinzu, „das nächste Mal werden Sie nicht so glimpflich davon kommen. Also treiben Sie es nicht zu weit."
Genauso gut hätte sie mit ihrem Bücherregal sprechen können. Sirius und James grinsten breit, als sie aus Prof. McGonagalls Büro kamen, und sie grinsten immer noch, als sie durch das Portraitloch in den Gemeinschaftsraum kletterten und Lily Evans sich, die Hände in die Hüften gestemmt, vor ihnen aufbaute. Sie sah sehr wütend aus.
Der nächste Morgen kam für alle vier Unruhestifter viel zu früh. Nachdem sie Evans' Standpauke hinter sich gebracht hatten (nicht ohne sie zur Weißglut zu treiben), waren Sirius und James noch einmal in der Küche gewesen, schließlich hatten sie das Festessen verpasst. Im Gryffindor-Schlafsaal der Drittklässler feierten sie zusammen mit Remus und Peter ihr eigenes Fest und zwar trotz Remus' schwacher Proteste bis in die tiefe Nacht.
Daher gehörten sie zu den letzten, die an diesem Montagmorgen in die Große Halle kamen. Sirius schenkte allen Kaffee ein, während Remus sich nach dem Tagespropheten umsah, aber die Post war noch nicht gekommen. Die Eule schienen sich heute Zeit zu lassen, denn als Sirius wenig später prüfend einen Blick nach oben warf, war immer noch kein einziger Vogel zu sehen.
„Erwartest du Post?", fragte Remus, der Sirius' Blick bemerkt hatte.
„Ja, ich..."
In diesem Augenblick tauchte Longbottom auf und drückte ihnen ihre neuen Stundenpläne in die Hand.
„Wahrsagen als erstes", stellte James fest. Seine Stimme klang nicht sonderlich begeistert. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er vermutlich gar kein Wahlfach belegt.
„Remus und ich haben Arithmantik", sagte Sirius, nachdem er einen Blick auf seinen Stundenplan geworfen hatte.
„Oh." James schien zum ersten Mal richtig bewusst zu werden, dass sie jetzt unterschiedliche Stundenpläne hatten. „Tja dann... Sieht aus, als wenn wir die Geheimnisse der Zukunft zu zweit entschlüsseln, Peter."
Aber Peter ließ sich von James' lockerem Ton nicht anstecken.
„Ich hoffe nur, es ist nicht zu schwer...", murmelte er verzagt und schielte zu dem dicken Wahrsagebuch in seiner Tasche.
„Du hast bisher jede Prüfung bestanden, Peter", sagte Remus freundlich. „Wahrsagen wirst du auch hinbekommen."
Bevor Peter antworten konnte, erfüllte ein Rauschen die Große Halle und die Posteulen stürzten sich von der verzauberten Decke hinab.
Prof. Vektor hatte schwarze Haare, die sie zu einem strengen Knoten zusammengebunden trug, sie hatte eine schwarze quadratische Brille auf der Nase und trug einen auffallend roten Umhang. Sie sah noch relativ jung aus für eine Lehrerin, aber spätestens als ihr Unterricht begann, wurde deutlich, dass mit ihr nicht zu spaßen war.
„Die Arithmantik beschäftigt sich damit, aus Zahlen und Zahlenkonstellationen möglichst genaue Vorhersagen über bestimmte Teilaspekte der Zukunft zu machen", erklärte sie und blickte jeden einzelnen streng an. „Das bedeutet, wir betreiben hier eine exakte Wissenschaft – wenn Sie dieses Fach unter der irrtümlichen Annahme gewählt haben, Sie könnten die Zukunft vorhersagen, indem Sie mit ein paar Zahlen um sich werfen, dann sind Sie hier falsch. Diejenigen, auf die das zutrifft, bitte ich, jetzt zu gehen. Sie können sich Professor Mystras Wahrsageunterricht im Nordturm anschließen."
Niemand rührte sich. Prof. Vektor nickte zufrieden.
„Sehr schön. Arithmantik gehört zu den schwierigsten Fächern, die in Hogwarts gelehrt werden. Daher erwarte ich von Ihnen Disziplin und regelmäßige Mitarbeit..."
Prof. Vektor sprach weiter und erläuterte ihnen, wie wichtig es sei, die Grundlagen zu verstehen. Sirius verdrehte die Augen und stieß Remus an, der aufmerksam zuhörte.
„Die hört sich an wie McGonagall. Disziplin, Fleiß..."
Remus legte den Finger auf die Lippen, aber Sirius ignorierte ihn.
„Meinst du, sie ist mit McGonagall verwandt? Immerhin haben sie die gleiche Haarfarbe...sogar die gleiche Frisur..."
„Mr. Black, haben Sie eine Frage?"
Prof. Vektor stand vor ihm und sah ihn scharf an.
„Nein, Professor..." Das hieß, eigentlich ja schon. „Andererseits, Sie sind nicht zufällig mit Professor McGonagall verwandt? Sie haben den gleichen...Charme..."
Er lächelte entwaffnend. Remus schüttelte den Kopf und verdrehte die Augen.
Es war unmöglich zu sagen, ob Prof. Vektor wütend war oder nicht. Ihr Gesicht blieb unbewegt.
„Da diese Frage nichts mit dem Unterricht zu tun hat, werde ich sie nicht beantworten, Mr. Black. Aber vielleicht können Sie mir sagen, mit der Anwendung welchen Gesetzes Sie sich Ihre Frage selbst beantworten können."
Sirius starrte sie verdattert an. Mit einer Gegenfrage hatte er nicht gerechnet, eigentlich hatte er die junge Lehrerin nur ein wenig aus der Fassung bringen wollen.
„Keine Ahnung, Mr. Black? Schade."
Er hätte schwören können, dass ihre Mundwinkel zuckten, so als müsse sie ein Lachen unterdrücken. Ein Lachen auf seine Kosten, wohl gemerkt.
„Jemand anders?"
Lily Evans, die Streberin, meldete sich und gab die richtige Antwort.
„Sehr gut, Miss Evans. Fünf Punkte für Gryffindor. Zurück zum Thema..."
Sirius lehnte sich ärgerlich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Er hatte das Gefühl, gerade eine Niederlage erlitten zu haben. Aber ein Black verlor niemals.
Erst verzauberte er die Tafel. Dann überlegte er, wie sie Evans einen Streich spielen konnten.
Verwandlung hatten sie wieder alle zusammen. Sirius und Remus saßen schon auf ihren Plätzen, als James und Peter hereinkamen. James sah nicht besonders fröhlich aus. Genau genommen drückte sein Gesicht genau das aus, was Sirius fühlte.
„Und wie ist Arithmantik so?", wollte James wissen, als er sich neben Sirius auf einen Stuhl fallen ließ. „Wahrsagen ist jedenfalls total bescheuert."
„Arithmantik ist wirklich gut", antwortete Remus, bevor Sirius etwas sagen konnte. „Professor Vektor..."
James verdrehte die Augen.
„Du findest jeden Unterricht toll, Remus. Du mochtest am Anfang sogar Aridus."
„Ich habe damals nur gesagt, dass ihr ihm eine Chance geben sollt...", protestierte Remus, aber James ignorierte ihn.
„Also, wie war es wirklich, Sirius?", wandte er sich an seinen besten Freund.
„Vektor ist die reinste Furie. Ich wette, die ist mit McGonagall verwandt. Oder mit Evans."
Nun verdrehte Remus die Augen.
„Du bist nur sauer, weil sie dir eine Strafarbeit gegeben hat."
„Habe ich das richtig verstanden? Sie haben schon am ersten Tag nach den ersten beiden Stunden eine Strafarbeit, Black?" Prof. McGonagall stand vor ihnen und nach ihren zusammengepressten Lippen zu urteilen, war sie sehr ärgerlich. „Habe ich Ihnen nicht erst gestern gesagt, dass Sie sich vorsehen sollen? Ich hätte wirklich nichts dagegen, Ihnen allein deshalb noch eine Strafarbeit zu geben..."
„Aber, Professor!"
„...wenn ich nur davon ausgehen könnte, dass es auch nur den kleinsten Eindruck bei Ihnen hinterlässt, Black", fuhr Prof. McGongall ungerührt fort. „Ich rate Ihnen, jetzt dem Unterricht zu folgen, sonst könnte ich es mir anders überlegen. Das gilt auch für Sie, Potter!", setzte sie mit Blick auf James hinzu, der unverschämt grinste. McGonagalls Worte wischten das Grinsen von seinem Gesicht. Er machte Anstalten zu widersprechen, aber Remus stieß ihm den Ellenbogen in die Rippen. James warf ihm einen empörten Blick zu, aber er schwieg.
Prof. McGonagall ging nach vorne und begann mit dem Unterricht. Und als hätten Sirius und James ihre Worte beherzigt, hingen sie an ihren Lippen. Vermutlich war es noch während keiner Stunde Verwandlung so ruhig im Klassenzimmer gewesen wie in dieser, als Prof. McGonagall über Animagi sprach.
Prof. Kesselbrand war ein kleiner, drahtiger Zauberer mit windzerzausten grauen Haaren und bemerkenswert buschigen Augenbrauen, der sie am Rande des Verbotenen Waldes erwartete. Anstelle seines linken Beines ragte ein Holzbein aus seinen Roben, das in einer sehr realistisch gestalteten Drachenklaue endete. Seinen Zauberstab hielt er in der linken Hand, denn wo die rechte hätte sein sollen, saß eine silberne Kralle. Hinter ihm befand sich ein ruckelnder Käfig, von dem ein seltsamer Geruch ausging, als würde unter der Plane, die den Inhalt des Käfigs verdeckte, irgendetwas vor sich hin schmoren.
„Klasse vollständig?", krächzte Prof. Kesselbrand mit rauer Stimme, aber so laut, dass die Schüler ihn gut verstehen konnten. Ohne eine Antwort zu erwarten oder die Liste durchzugehen, fuhr er fort: „Wenn Sie Bücher dabei haben, stecken Sie sie weg, die brauchen Sie hier nicht. Bücher sind nur was für Stubenhocker. Wie man mit magischen Geschöpfen umgeht, lernt man am besten in der Praxis."
Seine silberne Kralle machte eine beiläufige Geste in Richtung des Käfigs, was nicht unbedingt zur Beruhigung der Klasse beitrug. Die Blicke etlicher Schüler schwankten besorgt zwischen der Kralle und dem Käfig hin und her.
„Ich frag mich, wie er die verloren hat", hörte Sirius jemanden murmeln.
„Mir egal, so lange es nicht beim Unterricht war..."
„Alle bereit?", unterbrach Prof. Kesselbrands Reibeisenstimme die Unterhaltungen. Er packte die Plane und zog sie mit einem Schwung vom Käfig. Sofort blitzte und funkelte es im Sonnenschein.
„Aber das sind doch...", begann Lily Evans.
„Feuerkrabben!", rief Prof. Kesselbrand begeistert. „Sie erkennen sie an den juwelenbesetzten Panzern. War gar nicht so leicht, welche aufzutreiben. Mal sehen, wie Sie mit ihnen zurechtkommen."
„Aber, Professor, wäre es nicht besser, wenn Sie uns erst etwas über die Theorie erzählen?", warf Evans ein, als Kesselbrand Anstalten machte, den Käfig zu öffnen. „Ich habe gelesen, dass Feuerkrabben gefährlich sein können."
James lachte.
„Angst vor ein paar Schildkröten, Evans?"
Lily warf ihm einen wütenden Blick zu.
„Nein, aber..."
Prof. Kesselbrand öffnete den Käfig. Es dauerte einen Augenblick, bis die Feuerkrabben begriffen, dass sie nicht länger eingesperrt waren. Träge trotteten sie auf die Schüler zu.
„Jeder sucht sich eine Feuerkrabbe aus und füttert sie", erklärte Prof. Kesselbrand laut. „Wenn Sie damit fertig sind, bringen Sie sie zurück in den Käfig, danach dürfen Sie gehen. Hausaufgabe: Lesen Sie das Kapitel über Feuerkrabben im Buch und nehmen Sie Stellung dazu vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Erfahrungen."
James stieß Sirius an.
„Ich wusste, dass es eine gute Idee war, dieses Fach zu wählen. Wir müssen nur diese Glitzerschildkröten füttern, dann haben wir frei!"
„James, ich glaube nicht...", begann Remus, aber Sirius und James hörten ihn schon nicht mehr. Sie hatten sich einen Beutel Futter genommen und marschierten auf die Feuerkrabben zu. Die anderen Schüler folgten, beunruhigt durch Lily Evans Worte, etwas zaghafter.
Sirius erspähte eine Krabbe deren Panzer mit roten und gelben Juwelen besetzt war.
„Dich nehme ich, Kumpel", entschied er. Mit dem Futterbeutel versuchte er, die Feuerkrabbe von ihren Artgenossen wegzulocken.
„Komm, Gryffindor-Krabbe, kooooomm..."
Leider schien die Feuerkrabbe nicht besonders interessiert zu sein. James schnaubte verächtlich.
„Jetzt erzähl mir nicht, dass du diesen Quatsch von Evans glaubst, dass Feuerkrabben gefährlich sind", sagte er. Sirius zuckte mit den Schultern. James verdrehte die Augen und machte Anstalten, sich eine der Krabben mit bloßen Händen zu greifen.
„James, ich glaube nicht..."
Sirius bemerkte, dass er wie Remus klang, und schloss den Mund. Im nächsten Augenblick gab es eine kleine Explosion. James schrie auf. Plötzlich befand sich seine Feuerkrabbe mehrere Meter von ihm entfernt und von seinem Umhang stiegen dünne Rauchfäden auf. Und als wäre dies eine Art Warnsignal gewesen, wurden die anderen Feuerkrabben plötzlich unruhig. Mehrere kleine Explosionen waren zu hören und wenig später lag ein unangenehmer Geruch nach schwelendem Stoff und verbrannten Haaren in der Luft.
„Potter, du Idiot!", fauchte Evans, während um sie herum die Schüler verzweifelt versuchten, ihre aufgeschreckten Feuerkrabben in den Griff zu kriegen. Peter rannte seiner Krabbe hinterher, die sich immer wieder durch kleine Explosionen von ihm weg auf den Verbotenen Wald zu katapultierte. Ein paar Leute zückten ihre Zauberstäbe, aber die Flüche prallten von den Panzern ab.
Und in all diesem Durcheinander stand Prof. Kesselbrand, die Hände auf die Knie gestützt, und lachte, dass ihm die Tränen übers Gesicht liefen.
Als sie später im Gemeinschaftsraum saßen, war James ziemlich schlechter Laune. Die erste Unterrichtsstunde Pflege magischer Geschöpfe hatte nicht früher geendet, wie sie erwartet hatten, sondern eine Stunde später. So lange hatte es gedauert, alle Feuerkrabben zu finden und in den Käfig zu treiben. Danach war fast die gesamte Klasse geschlossen in den Krankenflügel gegangen, wo Madam Pomfrey sie mit einem missbilligendem Gesichtsausdruck geheilt hatte. Normalerweise hätten sie das vielleicht noch ganz lustig gefunden, aber James' Umhang war zur Hälfte verschmort und eine Feuerkrabbe hatte ihm ein blaues Auge verpasst, indem sie sich direkt in sein Gesicht katapultiert hatte. Alle Slytherins aus der Pflege-magischer-Geschöpfe-Klasse hatten es gesehen und sich totgelacht.
„Und jetzt auch noch dieser Aufsatz für McGonagall", beschwerte sich James. „Das war heute der erste Tag, da kann sie uns doch nicht gleich so einen langen Aufsatz aufgeben!"
„Was beschwerst du dich?", gab Sirius düster zurück. „Ich habe heute noch eine Strafarbeit bei Professor Vektor..."
„Dann solltest du vielleicht mal mit McGonagalls Aufsatz anfangen", warf Remus ein. „Oder willst du gleich am zweiten Tag schon ohne Hausaufgaben da stehen?"
„Du könntest sagen, dass es Kesselbrands Schuld war", schlug James vor. „Du hattest nicht genug Zeit, weil er eine Herde aggressiver Feuerkrabben auf uns gehetzt hat."
„Hast du dich etwa immer noch nicht von deinem Kampf mit den Schildkröten erholt, Potter?", fragte eine scharfe Stimme. Es war Lily Evans. Und danach zu urteilen, wie sie die Hände in die Hüften stützte, war sie immer noch ziemlich wütend.
„Diese Schildkröten müssen euch ja wirklich zugesetzt haben, wenn Black nicht mal mehr in der Lage ist, seinen Aufsatz zu schreiben."
„Ich muss heute Abend immerhin noch zu Vektor", verteidigte sich Sirius.
„Ja und nur weil du so eine verdammte Besserwisserin bist, Evans", fügte James hinzu.
„Bitte?" James' ungerechte Anschuldigung verschlug Evans für einen Augenblick lang die Sprache. „Du meinst, ich bin verantwortlich für Blacks Strafarbeit, weil ich im Gegensatz zu ihm lesen kann?"
„Hey, ich kann lesen!", warf Sirius ein, aber keiner der beiden achtete mehr auf ihn.
„Oder weil ich im Gegensatz zu dir, Potter, nachdenke, bevor ich mich mit einer Feuerkrabbe anlege? Oh, entschuldige, es waren natürlich nur Schildkröten!"
Zur Sirius' Überraschung färbten sich James' Wangen rot. Die Sache mit den Feuerkrabben schien ihn wirklich zu ärgern.
„Ein wahrer Gryffindor handelt eben und verkriecht sich nicht zwischen Büchern!"
Sirius verdrehte die Augen. Typisch James...
Jetzt wurde Lily Evans rot, ihre grünen Augen blitzten.
„Ein wahrer Gryffindor verkriecht sich nicht zwischen Büchern?", wiederholte sie ungläubig. „Stattdessen läuft er blindlings in sein Verderben oder was? Aber das wäre natürlich heldenhaft, was Potter? Was würdet ihr vier eigentlich tun, wenn Remus nicht für euch alle mitdenken würde?"
Remus sah überrascht von seinem Aufsatz auf, als sein Name fiel. Sirius wusste nicht, wie viel er mitbekommen hatte, aber das ging seiner Meinung nach eindeutig zu weit.
„Lass Remus aus dem Spiel!", fuhr er Evans barsch an. „Im Gegensatz zu dir ist er nämlich kein verdammter Besserwisser!"
„Ich kann für mich selbst sprechen, Sirius", sagte Remus ruhig.
„Remus ist mehr Gryffindor als du jemals sein könntest, Evans!"
„James...", sagte Remus warnend.
„Ich habe nie gesagt, dass Remus kein richtiger Gryffindor ist!", fauchte Lily wütend. „Potter, Black, ihr zwei seid einfach nur zwei riesige Idioten!"
Sie drehte sich auf dem Absatz um und stürmte davon. James sah ihr irritiert hinterher.
„Kann mir einer mal erklären, was das sollte?"
„Ich nehme an, sie wollte damit sagen, dass du heute in Pflege magischer Geschöpfe...ähm, etwas voreilig warst", vermutete Remus.
„Und was geht sie das an? Schließlich ist es nicht ihr Umhang, der verkohlt ist."
„Vielleicht war sie sauer, dass wir eine Stunde länger Unterricht hatten", schlug Peter vor.
„Evans? Niemals, die vergöttert doch alle Lehrer." James grinste. „Eigentlich sollte sie mir dankbar sein."
Remus verdrehte die Augen und wandte sich wieder seinem Aufsatz zu. Sirius sprang auf. Ihm war gerade aufgefallen, dass er schon vor einer Viertelstunde bei Prof. Vektor hätte sein müssen.
„SIRIUS BLACK, WIE KANNST DU ES WAGEN, DICH AN MEINEN SACHEN ZU VERGREIFEN! GLAUB JA NICHT, DASS DU DAMIT DAVONKOMMST, NUR WEIL DU IN HOGWARTS BIST! DAFÜR WIRST DU BÜSSEN, WENN DU NACH HAUSE KOMMST! WENN DU DIR NOCH EINEN FEHLTRITT ERLAUBST, WIRD SICH DEIN VATER UM DIE ANGELEGENHEIT KÜMMERN, HAST DU MICH VERSTANDEN? UND HALT DICH VON DEN SCHLAMMBLÜTERN UND BLUTSVERRÄTERN FERN!"
Der Heuler zerfiel über Sirius' Becher zu Asche und machte seinen Kürbissaft ungenießbar. Aber das störte ihn nicht weiter. Er grinste breit. Endlich.
„Was hast du gemacht?", wollte James wissen. „Wovon spricht deine..."
Er unterbrach sich und verzog den Mund, als sträube sich etwas in ihm dagegen, Sirius' Mutter als solche zu bezeichnen.
„Die alte Sabberhexe, die sich meine Mutter nennt?", schlug Sirius vor und sein Grinsen wurde noch breiter. „Ich habe ihr kurz vor der Abfahrt Warzhautpulver in ihre Puderdose gemischt. Ich wollte es eigentlich früher machen, damit ich die Wirkung noch sehe, aber Kreacher ist die ganze Zeit im Haus rumgeschlichen und Regulus..."
Seine Stimme erstarb und seine Augen wanderten zum Slytherin-Tisch, wo sein Bruder saß. Ihre Augen trafen sich kurz, dann sah Regulus demonstrativ in eine andere Richtung. Sirius zuckte mit den Schultern und drehte sich wieder zu seinen Freunden um.
„He, Black!", rief in diesem Moment jemand vom Ravenclaw-Tisch. „Ist das deine Mutter?"
Sirius drehte sich um und fing von einem älteren Schüler eine Zeitung auf.
„Das ist die Hexenwoche", stellte James naserümpfend fest. Aber Sirius interessierte es im Moment herzlich wenig, welche Zeitung er vor sich hatte. Er warf einen Blick auf das Titelblatt und den Hauptartikel und lachte.
„Walburga Black an Drachenpocken erkrankt?", titelte die Zeitung und zeigte ein großes Bild von Mrs. Black, die ihr warzenübersähtes Gesicht hinter einem Schal zu verstecken versuchte.
„Deshalb ist sie also so wütend", lachte Sirius.
„Ich glaube, du kannst ganz froh sein, dass du hier in Hogwarts bist", sagte Remus. Sirius merkte, dass er sich bemühte, ruhig zu bleiben, aber eine gewisse Schärfe konnte er nicht aus seiner Stimme verbannen. Sirius zuckte mit den Schultern.
„Du hast doch gehört, das ändert nichts."
Er versuchte zu grinsen, aber irgendwie misslang es ihm. Wie gut, dass es bis zu den Weihnachtsferien noch fast vier Monate sind...Vom Slytherin-Tisch warf ihm Regulus mörderische Blicke zu. Stur sah Sirius in eine andere Richtung.
„Naja, bis zu den Ferien sind es noch fast vier Monate", sprach James Sirius' Gedanken aus. „Bis dahin denkt sie bestimmt nicht mehr daran. Meine Mum vergisst auch andauernd, weshalb sie sauer auf mich ist..."
Aber James' Stimme klang nicht so unbefangen und sorglos wie normalerweise.
„Hast du gestern eigentlich noch deine Verwandlungshausaufgaben gemacht?", wollte Remus wissen. Sirius warf ihm einen irritierten Blick zu.
„Natürlich nicht. Glaubst du, ich würde mich noch an einen Aufsatz setzen, nachdem ich bei Vektor zwei Rollen Pergament schreiben musste?" Er runzelte die Stirn. „Seit wann interessieren dich meine Hausaufgaben?"
„Du kannst meine haben", sagte Remus schroff, ohne auf seine Frage einzugehen. „Ausnahmsweise."
„Was?", kam es gleichzeitig aus drei verschiedenen Kehlen und Sirius, James und Peter starrten Remus ungläubig an.
„Äh...Remus, alles in Ordnung bei dir?", wollte Sirius wissen. „Du bist nicht krank oder so?"
Remus warf ihm einen mörderischen Blick zu.
„Mir geht es hervorragend, Sirius", gab er kühl zurück. „Aber manchmal frage ich mich, wie es dir geht."
Und endlich begriff Sirius und die Schamesröte stieg ihm ins Gesicht.
„Danke, Lupin, mir geht es ebenfalls hervorragend", presste er hervor. Mit zusammengebissenen Zähnen stand er auf und marschierte aus der Großen Halle.
So war das alles nicht geplant gewesen. Er hatte damit gerechnet, dass irgendwann im Laufe der Zeit, wenn nicht ein Heuler, dann aber zumindest ein wütender Brief von seiner Mutter kommen würde. Nun, das Titelblatt der Hexenwoche erklärte, warum es ein Heuler war. Es sollte ein Spaß sein, er hatte damit gerechnet, dass die anderen mit ihm darüber lachen würden. Niemals wäre er auf die Idee gekommen, dass sie anfangen könnten, sich Sorgen zu machen. Er war Sirius Black, um ihn machte man sich keine Sorgen! Er war nicht wie Remus, der sich einmal pro Monat unter Schmerzen in ein blutrünstiges Monster verwandelte. Er war auch nicht wie Peter, schüchtern und tollpatschig ohne jegliches Selbstvertrauen, der seine Socken in Brand steckte, wenn er einen Käfer in einen Knopf verwandeln sollte. Er war Sirius Black, der Erbe der mächtigsten Zaubererfamilie von Großbritannien und außerdem der gefürchtetste Unruhestifter von Hogwarts. Dass sich jemand Sorgen um ihn machte, war einfach lächerlich!
„Schaut mal, wer da ist! Black, der Blutsverräter."
Sirius wirbelte herum. Vor ihm standen Avery, Rosier, Mulciber und Snape.
„Ganz alleine heute, Black?", fragte Avery mit einem fiesen Grinsen im Gesicht, während er seinen Zauberstab zog. „Wo hast du denn deine Gryffindor-Freunde gelassen?"
Als Antwort zückte Sirius seinen eigenen Zauberstab.
„Arde", sagte Snape gelassen. Sirius unterdrückte einen Schmerzensschrei und ließ seinen Zauberstab fallen, als seine Hände plötzlich wie Feuer brannten.
Snape trat einen Schritt vor und ließ seinen Zauberstab dabei nicht von Sirius.
„Jetzt bist du nicht mehr so mutig, was, Black?"
„Halt's Maul und geh dir die Haare waschen, Schniefelus!"
Snape hob den Zauberstab.
„Jetzt hast du niemanden, hinter dem du dich verstecken kannst, Black! Fu..."
Doch bevor er den Fluch vollenden konnte, rief plötzlich jemand: „In deinen Träumen vielleicht, Schniefelus!"
James, Remus und Peter und noch einige andere Gryffindors waren hinter den Slytherins aufgetaucht, die Zauberstäbe gezückt.
„Potter!"
Aus Snapes Stimme sprach purer Hass.
„Ach wie schön, Sie sind alle schon da, sehr gut. Miss Evans, ich hoffe, Sie hatten schöne Ferien. Aber warum sind Sie denn noch nicht auf Ihren Plätzen?" Prof. Slughorns Blick fiel auf die Kontrahenten. „Was ist denn hier los?"
Rosier steckte als erstes seinen Zauberstab weg. Die anderen Slytherins folgten seinem Beispiel und einer nach dem anderen auch die Gryffindors.
„Nichts weiter, Professor", erklärte er. „Nur eine kleine Meinungsverschiedenheit, die wir klären mussten..."
„Mit den Zauberstäben in der Hand?", warf Lily Evans spitz ein.
„Nun, nun", sagte Slughorn. „Es ist ja noch nichts passiert. Es ist doch niemand zu schaden gekommen, oder?"
„Nein, Sir", erklärte Rosier, der Rest, einschließlich der Gryffindors und Sirius, schüttelten die Köpfe.
„Dann gehen Sie jetzt bitte ins Klassenzimmer. Da noch niemand von Ihnen seinen Zauberstab benutzt hat, lasse ich das Ganze noch einmal durchgehen. Aber der erste, der in meinem Unterricht seinen Zauberstab zieht, bekommt eine Strafarbeit." Er wartete einen Augenblick, bis alle ihre Plätze eingenommen hatten, und zeigte auf einen Kessel, in dem sich ein giftgrüner Zaubertrank befand. „Nun, wer von Ihnen kann mir sagen, was das hier ist? Ja, Miss Evans?"
James stieß Sirius an.
„Was ist passiert?"
„Die Slytherins haben mich überrascht. Und Schiefelus hat mich mit einem Brandzauber erwischt."
James' Gesicht verdüsterte sich.
„Dieser Bastard." Aber dann grinste er plötzlich und holte ein paar Filibuster-Kracher aus der Tasche. „Ich würde sagen, das schreit nach Rache."
Sirius grinste zurück.
„Ganz deiner Meinung, James."
Rosiers Kopf war der eines Säuglings, als er sprechen wollte, kam nur wütendes Geschrei und Geweine heraus. Snapes Hände waren so klein, dass sie nicht mal mehr einen Stift halten konnten. Averys Nase war quasi aus seinem Gesicht verschwunden und Mulciber musste auf einem Bein durch den Klassenraum hüpfen; das andere, das von der giftgrünen Schrumpflösung getroffen worden war, trug sein Gewicht nicht mehr.
Sirius und James lachten so sehr, dass sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnten und ihnen die Tränen übers Gesicht liefen. Es war offensichtlich, wer für dieses Chaos verantwortlich war.
„Potter, Black! 20 Punkte Abzug für Gryffindor und Strafarbeiten!", erklärte Prof. Slughorn, nachdem er die Opfer des Streiches mit dem Gegentrank versorgt hatte, und klang dabei nicht ansatzweise so gutmütig und jovial wie sonst.
„Aber, Professor, wir haben doch gar nicht unsere Zauberstäbe benutzt", widersprach James. Sirius, der sich eben gerade von einem Lachkrampf erholt hatte, brach erneut in Gelächter aus. Prof. Slughorn fand den Kommentar weniger komisch.
„Noch einmal fünf Punkte Abzug für Gryffindor. Der Unterricht ist beendet."
Als Sirius und James aus den Kerkern kamen, warteten Remus und Peter auf sie. Peter grinste, aber Remus sah nicht besonders begeistert aus.
„Herzlichen Glückwunsch zu diesem einfallsreichen Streich", bemerkte er sarkastisch. „Ein Filibuster-Knaller in den Slytherin-Kesseln, welches Genie ist nur auf diese Idee gekommen?"
„Ach komm, Remus, jetzt gib's doch zu, der Effekt war wirklich gut", grinste Sirius. „Rosier, das plärrende Baby..."
„Wir hätten noch einen Kracher in den Kessel mit der Schwelllösung werfen sollen", überlegte James laut, „das wäre wirklich interessant gewesen..."
Seine Stimme erstarb abrupt, als sie um die Ecke kamen. Sirius lächelte kalt.
„He, Schniefelus!", rief er. Snape, der sich gerade mit Evans unterhalten hatte, fuhr herum.
„Black!", knurrte er. Seine Hand schnellte zu seinem Zauberstab, aber Sirius war schneller.
„Impedimenta!"
Der Lähmfluch schleuderte Snape durch die Luft und drückte ihn mit unsichtbaren Fesseln zu Boden.
„BLACK!", fauchte Evans. „WIE KANNST DU ES WAGEN! Fi..."
„EXPELLIARMUS!", rief James. Lilys Zauberstab wurde ihr aus der Hand gerissen und flog zu James.
„POTTER! GIB MIR SOFORT MEINEN ZAUBERSTAB ZURÜCK!"
„Halt dich da da raus, Evans", knurrte Sirius. Dann wandte er sich Snape zu.
„Na, Schniefelus, keine so große Klappe mehr, was? Furunkulus!"
„Das reicht jetzt", mischte sich Remus ein. „Sirius, lass Snape in Ruhe, James, gib Lily ihren Zauberstab zurück."
„Von dir brauche ich keine Hilfe, Gryffindor!", fauchte Snape.
„Da hörst du's, Evans. Von einem Gryffindor braucht Schniefelus keine Hilfe. Ich geb dir deinen Zauberstab wieder, wenn du versprichst, dass du dich nicht einmischst."
Lily wurde bleich vor Wut.
„Du bist widerlich, Potter! Ich wiederhole mich nur einmal: GIB MIR MEINEN ZAUBERSTAB ZURÜCK!"
James lachte.
„Sonst was? Willst du mich verhexen? Ach Verzeihung, ich habe ja deinen Zauberstab..."
„Ich hole Professor McGonagall."
„Was?" James war völlig fassungslos. „Das darfst du nicht!"
Evans lächelte.
„Ach nein?"
Einen Augenblick später war sie verschwunden. James fluchte. Snape lachte, was mit seinem verquollenen, roten Gesicht wie eine Grimasse aussah.
„Hat Black etwa Angst vor seinen Eltern?"
Sirius spürte, wie sich seine Kehle zuschnürte. Er wusste nicht, ob Schniefelus ein Reinblut war. Da er in Slytherin war, war es zumindest wahrscheinlich. Es konnte keine wichtige reinblütige Familie sein, denn sonst hätte Sirius sie gekannt. Aber vermutlich wusste Schniefelus genug, um Walburga Blacks Drohung in ihrem ganzen Ausmaß zu verstehen, etwas, das James, Remus und Peter allenfalls erahnen konnten. Wenn du dir noch einen Fehltritt erlaubst, wird sich dein Vater um die Angelegenheit kümmern... Auch wenn Walburga Black Sirius oft genug mit Flüchen traktierte, dürfte nur Orion Black als Familienoberhaupt bis zum Äußersten gehen: dem Cruciatus-Fluch.
„Wasch dir den Mund, Schniefelus!", knurrte James. „Ratzeputz!"
Augenblicklich quollen rosa Seifenblasen aus Snapes Mund, er spuckte und würgte. In diesem Moment kam Evans mit Prof. McGonagall um die Ecke.
Sirius hatte Prof. McGonagall noch nie so wütend gesehen, noch nicht mal als sie Lestrange den Liebestrank untergeschoben oder in ihr Büro eingebrochen waren. Dass er außerdem seine Hausaufgaben nicht gemacht und schon zwei Strafarbeiten und James eine hatte, machte die Sache nicht besser. Sie hatte Gryffindor auf der Stelle 50 Punkte abgezogen und sie nach dem Unterricht in ihr Büro bestellt. Und da waren sie jetzt.
„Ich habe mich selten so für Schüler meines Hauses geschämt!", fuhr sie sie an. „Sie haben nicht nur die Regeln gebrochen, sondern auch die Grundsätze von Hogwarts verletzt. Schlimm genug, dass Sie einen Mitschüler angegriffen haben, aber es gibt absolut keine Entschuldigung dafür, jemanden zu verhexen, der bereits am Boden liegt."
„Snape hat Sirius auch verhext, Professor!", verteidigte James sie. „Er hat ihn mit einem Brandzauber attackiert!"
Prof. McGonagall warf ihm einen skeptischen Blick zu.
„Tatsächlich? Das hat Miss Evans nicht erwähnt. Stimmt das, Black?"
Widerwillig zeigte ihr Sirius seine Hände, auf denen sich zwei große Brandblasen gebildet hatten. Es war schon schlimm genug, dass die Slytherins gesehen hatten, wie Schniefelus ihn mit dem Brandzauber erfolgreich entwaffnet hatte, da musste es nicht auch noch McGonagall erfahren.
„Gehen Sie nach unserem Gespräch zu Madam Pomfrey und lassen Sie sie das ansehen", entschied Prof. McGonagall. Ihre Stimme klang zu Sirius' und James' Erleichterung nicht mehr ganz so wütend.
„Offensichtlich hat Miss Evans nicht den ganzen Vorfall mitbekommen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Sie einen Wehrlosen angegriffen haben", fuhr sie streng fort. „Sie bekommen beide Strafarbeiten und Black, Ihren Aufsatz bekomme ich in der nächsten Unterrichtsstunde und zwar tadellos, sonst sitzen Sie nach. Sie können gehen."
„Mann, was regt die sich eigentlich so auf?", fragte James, als sie hinüber in die Bibliothek gingen, wo sie Peter treffen wollten. „Das war doch nur der olle Schniefelus. Die tut ja gerade so, als hätten wir einen Unschuldigen verhext."
„Ja, sie hätte Slytherin wenigstens auch ein paar Punkte abziehen können", stimmte Sirius zu und warf einen Blick auf seine verbrannten Hände.
„Tut's weh?", fragte James. Sirius schüttelte den Kopf und verzog gleichzeitig das Gesicht.
„Ich geh später in den Krankenflügel, wenn Remus mit Alte Runen fertig ist. Das hier ist jetzt wichtiger."
James nickte zustimmend.
In der Bibliothek wurden sie schon ungeduldig von Peter erwartet.
„Da seid ihr ja endlich!", rief er und zuckte sofort unter dem strengen Blick von Madam Pince zusammen. „Ihr müsst mir helfen, dieses Buch zu finden", fuhr er mit gedämpfter Stimme fort. „Ich habe schon in der Zaubertrankabteilung und unter Verwandlung nachgeguckt, aber es war nirgends!"
James klopfte Peter mit einem halb mitleidigen, halb belustigten Gesichtsausdruck auf die Schulter.
„Alles klar, wir übernehmen ab hier."
Doch so sehr Sirius, James und Peter auch suchten, sie konnten Höchst potente Zaubertränke nicht finden. Wie Peter gesagt hatte, stand es weder bei den Büchern über Zaubertränke noch in der Abteilung für Verwandlung. Auch in der Rubrik Kräuterkunde wurden sie nicht fündig.
„Das gibt's doch gar nicht!", rief James (und sah sich sofort einem von Madam Pince' mörderischen Blicken ausgesetzt). „Irgendwo muss dieses Buch doch sein!"
„Vielleicht ist es ja ausgeliehen", schlug Peter vor. Sirius warf dem kleineren Jungen einen überraschten Blick zu. Warum waren er und James nicht darauf gekommen?
„Na schön und was tun wir dann?", fragte er mürrisch.
„Wir könnten Madam Pince fragen", schlug Peter vor. James und Sirius tauschten einen verblüfften Blick aus. Dann fing James an zu lachen.
„Du verbringst eindeutig zu viel Zeit mit Remus, Peter!"
Peter war es dann auch, der losging, um Madam Pince nach dem Buch zu fragen, während Sirius und James sich nach interessanten Büchern über Verwandlung im Allgemeinen und Animagi im Besonderen umsahen. Das Ergebnis war leider in beiden Fällen ernüchternd. Weder gab es Verwandlungsbücher, die ihnen weitergeholfen hätten, noch konnten sie Höchst potente Zaubertränke ausleihen – es stand nämlich in der Verbotenen Abteilung der Bibliothek.
„Und um dort etwas auszuleihen, braucht man die schriftliche Erlaubnis von einem Lehrer", erklärte Peter.
„Na großartig." Frustriert ließ sich Sirius an einen der Tische auf einen Stuhl fallen. „Kein Lehrer wird uns so eine Erlaubnis geben."
James lächelte.
„Ich glaube, es ist mal wieder an der Zeit, den Tarnumhang auszupacken."
