Feuchte Träume Part II

Dean stand unter der Dusche und ließ sich das heiße Wasser über den Rücken laufen. Das Shampoo hatte sich schon lange rausgewaschen, doch er wollte sich nicht so recht von der Wärme des Wasserstrahls trennen. Außerdem brauchte er noch ein bisschen Zeit, sich mental auf den heutigen Abend vorzubereiten. Heute Abend war mal wieder eine der großen, legendären Sommerpartys der Talbot Zwillingen Ruby und Bela, und natürlich war er, beliebtester Hotshot der Schule, Dean Winchester, auf der VIP Gästeliste eingetragen. Plus one. Er hatte Bela nicht gesagt gehabt, wer seine Begleitung sein würde. Sie würde das auch schon noch schnell genug herausfinden. Dean seufzte auf und lehnte seine Stirn gegen die kühlen Fließen der Duschwand. Hoffentlich, hoffentlich würde er den heutigen Abend überleben.

Der fatale Filmemarathon war jetzt schon über einen Monat her. Dean bereute es nicht, nicht im Geringsten, auch wenn er kurz nachdem „Vorfall" einen kleinen Gay Freakout hatte.

Sie waren irgendwann gegen Spätnachmittag endlich aus dem Bett gekrochen, Dean mit einem dumpfen, stechenden Schmerz in den unteren Regionen, welchen er aber in Anbetracht seines Ursprungs gern ignorierte, und waren in die Küche gegangen, hatten sich Spaghetti gekocht und sie am Küchentisch gegessen, während sie sich wie blöde die ganze Zeit angegrinst hatten. Nachdem sie sich ein bisschen verlegen „Tschüss" gesagt hatten, war Dean in sein Zimmer gegangen und hatte sich auf sein Bett fallen lassen.

Dean ließ sich auf sein durchwühltes Bett fallen und presste seine Handballen gegen seine Augen. Sein ganzes Zimmer roch noch unverwechselbar nach dem schweren Duft von Schweiß und Sex. Fuck. Was zur Hölle? Ok, Winchester, reiß dich zusammen. Nein, das war kein Traum. Ja, das ist wirklich passiert. Deans Herz klopfte wie verrückt, und er musste unweigerlich loslachen. Gut, er wurde verrückt. Fuck. Nein, beruhigen, beruhigen. Alles ist gut. Er und Cas hatten ihre Freundschaft nur… zu einem neuen Level gebracht. Richtig? Ah shit. Dean atmete tief ein, und nahm seine Hände vom Gesicht, schlug die Augen auf und starrte auf einen Riss in der Decke. Ok. Cas. Waren er und Cas jetzt … Waren sie jetzt, zusammen? Oder war das eher so ein … eine Freundschaft mit Vorzügen? Dean überlegte kurz, überlegte, ob das klappen würde, dass alles weiter so lief wie es vorher war, nur dass sie ab und zu rummachen würden und gelegentlich Sex hätten. Und ansonsten … Waren sie dann beide frei. Oder wie? Dean war sich noch bis gestern Abend sicher gewesen, dass er nach ein paar missglückten Versuchen mit Klassenkameradinnen erst mal keine Beziehung anfangen wollte. Und, er mochte ja Mädchen trotzdem noch. Ja. Aber wenn Cas…

Sofort schob sich die ungebetene Vorstellung in sein Bewusstsein, wie Cas mit irgendeinem Typen auf irgendeiner Party rummachte, sich kurz zu Dean umdrehte und fröhlich winkte, beide Daumen nach oben streckte, mit einem triumphierenden Lächeln auf den Lippen. Dean schüttelte sich angewidert und ein unangenehmes Gefühl machte sich klamm in seiner Magengegend breit. Fuck. Das ging also gar nicht. Dean seufzte noch einmal. Er würde das alles hundertprozentig vermasseln. Das mit dem „alles ist so wie es vorher war" würde wahrscheinlich auch nicht klappen. Er rollte sich auf die Seite, als sein Handy klingelte.

„Hey" kam Cas' Stimme atemlos aus der Hörmuschel. Dean lächelte.

„Hey, Cas." Dean ließ sich wieder auf sein Bett fallen.

„Ähm … ich wollte nur fragen, ob – ob noch alles ok ist? Also, mit uns?" Dean rieb sich über das Gesicht, musste aber grinsen; Cas hörte sich genau so unsicher an wie er sich fühlte.

„Von mir aus schon … ich hatte noch nicht meinen großen Gay Freakout. Kommt aber wahrscheinlich noch" witzelte Dean. Cas lachte nervös auf.

„Gut … Weil. Ich… Ich wollte mich noch einmal entschuldigen … wegen dem Ganzen. Es kam doch ein bisschen – unerwartet?" Dean spielte mit dem Saum seines T-Shirts. Schien wohl so als könnte er diesem Gespräch nicht aus dem Weg gehen.

„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ja, es war unerwartet, aber … Es war – es war ok. Ich mein, nicht nur ok, es war wirklich – gut. Ich fand es gut" Dean stöhnte auf. Ohgott, er hörte sich an wie ein 12-jähriges Mädchen.

„Du weißt was ich meine. Mir tut es nicht leid." Antwortete Dean und hörte Cas erleichtert ausatmen.

„Ich … Ich hatte Angst, dass – Ich will dich deswegen nicht verlieren, Dean. Du bist mein bester Freund, und – und ich will dich nicht verlieren. Also, wenn du – wenn du möchtest, können wir das alles auch wieder vergessen, so tun, als ob das nie passiert wäre-"

„Was?" fragte Dean entgeistert. Damit hatte er absolut nicht gerechnet, das hier lief grad in eine ganz falsche Richtung.

„Ja, ich mein, unsere Freundschaft bedeutet mir einfach - ich mein, wenn du willst, wir können so tun als wäre nie etwas passiert und-"

Dean war kurz sprachlos. Er dachte darüber nach. Cas machte ihm das Angebot für den ultimative Ausweg aus dieser Situation. Klar, anfangs wäre es merkwürdig, aber sicher wäre das bald vergessen. Oder? Eine Szene vom Morgen schoss ihm durch den Kopf; Cas komplett entspannt, seine Haut an Deans, Cas Geruch, wie er ihn angeschaut hatte, als ob er endlich, endlich erlaubt war, seine Zuneigung offen zu zeigen. Cas war so ein Idiot.

„Das würde eh nicht klappen." Antwortete Dean mit rauer Stimme und rieb sich über seinen Nasenrücken. Nach einer kleinen Pause sagte Cas mit leiser Stimme

„Doch. Ich kann es versuchen. Bitte, Dean. Ich will dich nicht verlieren."

„Cas. Ich … Ich glaube wirklich nicht dass es zwischen uns jemals wieder so wie früher sein könnte. Aber … um ehrlich zu sein. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das überhaupt noch will. Ich glaube … Ich weiß, es würde nicht leicht sein, aber … Ugh, Cas, hilf mir hier, ich bin einfach nicht gut in so Gefühlsduselei"

„Dean?"

„Ok, schau, wenn du … Wenn du möchtest, wenn das ok für dich wäre, könnten wir das so einfach machen. Ich mein, du bist mein bester Freund – und wirst es auch immer bleiben – und wir … machen das andere … Zeug … einfach auch?" fragte Dean und fühlte sich unglaublich bescheuert. Wie machten das Mädchen nur, die ganze Zeit über Gefühle reden?

„Du – du meinst, dass wir zusam – dass wir Freunde mit, mit Extras sind?" fragte Cas hoffnungsvoll.

„Wenn du damit ok bist? Ich mein, wir können das ja ausprobieren, erst mal, und dann schauen … mehr vermasseln können wir das eh nicht mehr, oder?" versuchte Dean zu scherzen, und das enge Gefühl in seiner Brust löste sich etwas.

„Ja" antwortete Cas, die Stimme warm mit einem Lächeln, „Ja, das würde ich sehr gerne, Dean. Alles, was für dich okay ist"

Dean drehte endlich das Wasser ab und trat aus der Dusche, rubbelte sich mit einem Handtuch ab und schaute in den Spiegel. Sein Dreitagebart war zwar noch nicht so dicht, wie er ihn gern hätte, sah aber doch ganz gut aus, also zog er sich schnell seine Boxers über und tappte in sein Zimmer. Irgendwas zum Anziehen, etwas was gut aussah. Die dunkle Jeans vielleicht, die etwas enger als seine anderen waren, und ein T-Shirt mit leichtem V-Ausschnitt. Ja. Und natürlich seine Kette mit dem Amulett von Sammy. Dean betrachtete sich zufrieden im Spiegel und ging zurück ins Bad um seine Haare zu stylen. Ein bisschen Gel auf die Hand, zwei, dreimal durch seine Haare fahren, und fertig. Dean ging zurück in sein Zimmer, setzte sich auf sein Bett und schaute auf sein Handy. Viertel vor neun. Okay, er hatte noch ein paar Minuten bevor er los musste. Er ließ sich zurück auf sein Bett fallen, schloss die Augen und versuchte das unangenehme, aufgeregte Gefühl in seiner Magengrube wegzudenken. Shit. Aber er hatte sich ja selbst in die Situation gebracht. Und ein Winchester steht zu seinem Wort.

Cas lag auf Deans Bett, seine Hände auf dem Bauch gefaltet, die Augen geschlossen, und das Gesicht entspannt, als Dean zurück in sein Zimmer kam, eine Flasche Wasser in der einen und ein Teller mit Sandwichs in der anderen Hand. Er blieb kurz im Türrahmen stehen und betrachtete seinen … betrachtete Cas. Er hatte selten seinen besten Freund so entspannt gesehen, doch kam das in letzter Zeit immer häufiger vor. Dean mochte das. Er balancierte den Teller rüber auf zu seinem Schreibtisch, stellte ihn ab und öffnete die Wasserflasche mit einem lauten Zischen. Cas Augen flogen auf und Dean grinste.

„Alles klar?" fragte er.

„Hmm" summte Cas zufrieden und schaute Dean aufmerksam an.

John hatte nur eine Augenbraue gehoben, als Dean verkündet hatte, das Cas an dem Tag wieder nach der Schule mit heim kommen würde, hatte aber nichts gesagt. Er hatte auch nichts den Tag davor und den Tag davor gesagt. Cas war mittlerweile fast jeden Tag zu Besuch, und Dean verbrachte so ziemlich seine gesamte Freizeit mit dem dunkelhaarigen, drahtigen Jungen. Man konnte es ihm aber auch nicht vorwerfen, diese ganze Sache war so neu und so aufregend, das musste man einfach so oft und so viel wie möglich erforschen und ausprobieren.

Dean grinste Cas an und setzte sich neben ihm auf das Bett. Es war immer noch merkwürdig, dass er seine Zuneigung gegenüber seinem besten Freund jetzt einfach mit Körperkontakt ausdrücken konnte. Dean hatte aber festgestellt, dass ihm das eigentlich ziemlich gut gefiel. Er musste nichts sagen, kein Mädchenkram erzählen, er konnte einfach nach Cas' Hand greifen und mit den Fingern über seinen Handrücken fahren, und Cas wusste, was er ihm damit sagen wollte. Trotzdem war es immer noch merkwürdig, es war eben doch etwas ganz anderes als mit einem Mädchen. Cas hatte sich verändert, zwar nur ein wenig, aber Dean konnte es in seinen Augen sehen. Cas schaute ihn jedes Mal mit so viel Zuneigung und Zärtlichkeit an, mit so viel Freude und Erleichterung und Dankbarkeit, dass Dean es kaum aushielt, und ihn verlegen diesen Blick vom Gesicht küsste, sich vorlehnte, und seine immer etwas trockenen Lippen mit den seinen einfing, damit Cas endlich diese blauen Augen schloss und ihn nicht mehr so bewundernd ansah.

Cas löste seine Finger auf seinem Bauch voneinander und schob eine Hand in die von Dean, rutschte näher zu ihm heran. Dean schaute herab auf seinen besten Freund und beugte sich nach kurzem Zögern herunter und küsste Cas, zuerst etwas schüchtern; aber sobald Cas seinen Mund öffnete, schob Dean seine Zunge zwischen Cas' Lippen und verlagerte sein Gewicht mehr auf Cas, fuhr mit seiner Hand über Cas' Hüfte und unter sein T-Shirt.

„Cas?" Dean löste sich von den trotzdem viel zu weichen Lippen Cas'.

„Ja, Dean?"

„Hast du…" Dean rieb sich verlegen den Nacken. Er hatte die letzten paar Nächte über diese Frage nachgedacht und hatte endlich den Mut aufgebracht, sie zu formulieren.

„Habe ich was, Dean?" hakte Cas mit einem neugierigen Blick nach.

Dean schaute herab auf Cas und küsste ihn noch einmal kurz auf den Mund.

„Das ist bescheuert …" murmelte er und stahl sich noch einen Kuss von Cas.

„Sag schon" lachte dieser, und vergrub eine Hand in Deans kurzes Haar, die andere ruhte auf Deans Bizeps.

„Hast du mal darüber nachgedacht, mit … mit irgendwem anderem was zu machen? Also, jetzt? Zurzeit?" murmelte Dean fast unverständlich und schaute überallhin außer in Cas' Gesicht.

„Was? Nein. Wieso sollte ich?" fragte Cas ehrlich erstaunt.

„Naja … jetzt wo du weißt, wie das geht. Und jetzt, wo du weißt, dass du … Jungs magst. Ich weiß nicht…" sagte Dean mit einer hilflosen Geste und fühlte Hitze in seinem Nacken aufsteigen.

Am Tag nach dem Telefongespräch an diesem ereignisvollen Tag hatten Cas und Dean sich getroffen, auf dem alten Spielplatz im Park. Sie hatten sich etwas verlegen mit einem „Hi" und „Hallo, Dean." Begrüßt, hatten sich aber schnell wieder in ihren altbekannten Rhythmus gefunden, hatten gelacht und waren Richtung Deans Haus gegangen. Das einzige, was anders gewesen war, war, dass Cas viel entspannter gewirkt hatte, und dass Dean die ganze Zeit daran denken musste, wie Cas wohl genau in diesem Augenblick schmecken würde. Kaum dass sie die Tür hinter ihnen in Deans Zimmer ins Schloss gefallen war, hatte Dean Cas mitten im Satz überfallen und zum Bett gedrängt, und nach einem kurzen, überraschten „Hmngpfh" hatte dieser ihn genauso enthusiastisch zurück geküsst. Es war ihnen schnell warm, sehr warm geworden, und die Kleider waren kurzerhand auf den Boden verbannt worden. Sie hatten sich unkoordiniert und ungeduldig gegeneinander bewegt, nach Reibung gesucht, und waren beide nach kurzer Zeit in langen, weißen Streifen über den Bauch des anderen gekommen, hatten schwer geatmet und sich chaotisch und lachend geküsst. In der Art lief es von jeher jeder Besuch von Cas ab; nachdem sie sich bis zum Orgasmus trieben und immer mehr und verschiedenes ausprobierten, lagen sie zusammen verschwitzt im Bett und redeten zwischen langen, zungenlastigen Küssen über Gott und die Welt, beide Hände verschränkt mit denen des anderen und die Beine umeinandergeschlungen.

„Dean. Ich habe dir schon gesagt, dass ich keinerlei Interesse gegenüber irgendjemandem anderen Hege. Und ich weiß, wieso du das fragst. Dean, ich hatte dir auch gesagt, dass ich mit allem zufrieden bin, dass du mir geben kannst, und um ehrlich zu sein, hätte ich nie gewagt, mir das hier, das was wir haben, zu erträumen. Ich kenne dich, Dean. Ich weiß, dass du von einem Mädchen zum nächsten springst und sie dir alle schnell langweilig werden. Wir sind beste Freunde, und ich will dich nicht verlieren. Aber wir sind nur beste Freunde, eben jetzt mit Vorzügen, aber natürlich hast du all deine Freiheiten, die du haben willst. Ich will nur, dass es dir gut geht. Ich bin niemand, der dir sagen kann, mit wem du was haben kannst, oder mit wem nicht." Cas atmete tief ein, er hatte die ganze Zeit auf Deans Hand, die mit der seinen mittlerweile verschränkt war, gestarrt. Dean war wie vor den Kopf gestoßen von seiner kleinen Rede.

„Das kannst du doch nicht im Ernst meinen" brachte er heraus und starrte Cas entgeistert an.

„Doch. Dean. Du … du bedeutest mir sehr viel. Nein. Du bist mir von allen Menschen, die ich hab, am wichtigsten. Und ich will dass du glücklich bist." Mit diesen Worten schaute Cas auf, direkt in Deans grüne Augen, die über ihm schwebten, sein Blick voll mit Zuneigung und Aufrichtigkeit. Dean konnte es nicht fassen.

„Nein, Cas. Das war – Das war überhaupt nicht, worauf ich hinauswollte. Ich … Ich wollte nur" Dean musste seinen Blick abwenden, er spürte, wie sich die Hitze in seine Wangen ausbreitete und fluchte innerlich. Wieso konnte er das nicht? Einfach sagen, was er fühlte, was er wollte? Verdammt. Cas schaute ihn mit großen, blauen Augen verwundert an.

„Nicht?" fragte er misstrauisch, seine Schultern spannten sich etwas unter Deans Händen an.

„Nein, ich … Ich wollte dich fragen, ob … Also, ob das okay für dich wäre, dass wir sagen … Naja, dass wir sagen, dass nur – dass nur wir beide was haben? Weil, um ehrlich zu sein, dreht sich mir der Magen um wenn ich daran denke, dass irgendein Idiot dir die Zunge in den Hals steckt…" Dean wusste, dass er mittlerweile komplett rot sein musste, er fühlte die Hitze förmlich von seinen Wangen ausstrahlen.

„Und … und ich – naja, ich hab, ehrlich gesagt, seit wir irgendwie was haben, an … an niemand anderen mehr gedacht als an dich, und … Natürlich, das wär nur fair, mach ich auch nichts … also, ich will auch gar nicht…" Deans Stimme erstarb und er fummelte grimmig an seinem Bettbezug.

„Oh." Sagte Cas erstaunt, „Oh."

Dean rieb sich den Nacken.

„Also … du willst praktisch, dass ich mit nichts anderem etwas mache, und du – habe ich das korrekt verstanden? – hast auch kein Bedürfnis mit jemandem anderen in irgendeiner Weise etwas zu machen. Das heißt, du möchtest … eine feste Beziehung haben?" fragte Cas ungläubig.

„Naja … ich mein, willst du das so nennen? Wir könnten das ja irgendwie so probieren, oder? Also … ja." Schloss Dean, nachdrücklich. Wenn schon, dann richtig. Winchester machen keine halben Sachen.

„Ähm. Wow. J-Ja. Ja. Ja, Dean. Wenn es das ist, was du willst, Ja. Ja!" Cas wurde ganz aufgeregt und seine Augen fingen an zu strahlen. Dean musste lächeln und fuhr mit einer Hand durch die dunklen, wirren Haare des schlanken Jungen. Fuck. Es hatte ihn so richtig erwischt, in der kurzen Zeit. Dean grinste.

„Ok. Ok, also dann sind wir jetzt… zusammen. Ja?" fragte Dean, immer noch grinsend.

„Ja" sagte Cas, die Freude klar ins Gesicht geschrieben.

„Gut." Grinste Dean zurück.

Klar, es gab jetzt erst einmal noch ein paar Sachen zu klären. Zuerst würde er es Sammy irgendwie beibringen müssen. Und es hatte auch keinen wirklichen Zweck, es John zu verheimlichen. Ohgott. Dean drehte sich der Magen um. Ohgott. Vielleicht war das doch keine so gute Idee gewesen.

„Danke, Dean." Cas hatte eine Hand in Deans Nacken, die andere an sein Gesicht gelegt und schaute ihm in die Augen. Dean konnte die Dankbarkeit und Freude und Aufregung und Furcht und Zuneigung in jeder Silbe hören. Dean spürte einen plötzlichen Ausbruch an tiefster Zuneigung gegenüber diesem nerdigen, dunkelhaarigen Jungen mit den kristallblauen Augen sein Herz schneller schlagen lassen und lächelte zurück. Doch. Doch, er wollte nicht mehr ohne das hier. Es fühlte sich … richtig an. Dean schwor sich in diesem Augenblich selber, dass er jedes Mal, wenn er sich nicht mehr sicher sein sollte, ob es das alles wert wäre, an diesen Augenblick denken würde, diesen Blick, mit dem Cas ihn angeschaut hatte, die Wärme seiner Hand an seiner Wange, seinem süßen, herben Atem im Gesicht.

Dean öffnete die Augen und stand auf. Doch, er schafft das. Seine Hände zitterten etwas, als er sich seine Lederjacke überstreifte und die Schlüssel für den Impala aus seiner Tasche kramte. Er atmete tief ein und trat durch die Haustür, ging über den leicht verwilderten Rasen im Vorgarten zur Einfahrt, schloss den Chevy auf und setzte sich hinter das Lenkrad. Dean schob den Schlüssel in die Zündung, drehte aber noch nicht herum. Er lehnte seine Stirn gegen seine Handrücken auf das Lenkrad, schloss die Augen und versuchte die Panik zu unterdrücken, die drohte, die Überhand zu gewinnen. Er musste jetzt wirklich losfahren, sonst würde er noch zu spät kommen.

Dean stand in der Küche, in seiner Schlafanzughose und T-Shirt, barfuß, und durchsuchte das Küchenregal nach irgendetwas Süßem. Es war halb 11, und Sammy schlief schon lange, also versuchte Dean so wenig Lärm wie möglich zu machen, als er die hintersten Ecken des Regals durchsuchte. Als er endlich ein paar Schokokekse fand, hörte er den Schlüssel im Schloss und drehte sich zur Küchentür, die offen zum Gang hin stand. John öffnete die Haustür, und als er Dean in der Küche im Halbdunkel sah, lächelte er müde.

„Hey, Dean. Alles klar?" fragte er, die Stimme genauso müde wie sein Gesicht.

„Klar, Dad. Arbeit war lang heute, hm?" fragte Dean halblaut.

„Ja, musste noch den ganzen Papierkram vom letzten Monat sortieren, Rufus ist einfach kein Freund von Ordnung" seufzte John und ließ sich schwer auf einen Stuhl am Tisch fallen, nachdem er sich die Jacke von den Schultern geschüttelt hatte.

„Wärst du so gut und kannst mir ein Glas von dem Whisky da oben auf dem Schrank einschenken?" John rieb sich die Augen und stütze sich schwer auf seine Ellenbogen.

Dean kam dem Wunsch schweigend nach, füllte ein Glas mit ein paar Fingerbreit der bernsteinfarbenen Flüssigkeit und setzte es vor John ab. Dean setzte sich ihm schräg gegenüber an den Tisch, zwei Schokokekse noch in der Hand. Er hatte das Gefühl, dass Spannung in der Luft lag, und vielleicht sollte er es einfach jetzt hier hinter sich bringen, und es heute Abend wagen. Kein Moment war wie jetzt.

„Castiel ist ganz schön oft hier, zurzeit" meinte John etwas zu beiläufig.

„Hmm" antwortete Dean vorsichtig.

„Ja. Ich denke, er ist ganz guter Einfluss. Soll ja recht gut sein in der Schule, hm? Und ihr … seid euch ja recht … nah. Ist gut, zu sehen, dass du so einen guten Freund hast, Dean." John lächelte müde in sein Glas und nahm einen Schluck.

Dean rutschte nervös auf seinem Stuhl hin und her.

„Ja, Cas ist echt super. Ich … wir verstehen uns einfach" Fuck, Winchester. Sag es einfach!

„Hmm, ich sehe das." Bestätigte John und stürzte den Rest des Whiskys in einem Schluck runter, seufzte auf und stellte das Glas ab.

„Hör mal. Du weißt … Ich weiß, ich war nicht immer der beste Vater, und seit deine Mutter… Seit Mary nicht mehr hier ist, ist das alles etwas komplizierter. Und das tut mir Leid, Dean, das tut es wirklich. Und … Du sollst wissen. Es macht mich froh, dich glücklich zu sehen." Nach kurzem Zögern fügte er noch ein leises „Egal mit wem" hinzu und legte eine schwere Hand auf Deans Schulter, drückte einmal kurz zu.

Deans Hals war zugeschnürt, er wusste nicht, was er sagen sollte. War es wirklich so offensichtlich gewesen? Er schlug seine Augen nieder und knetete seine Hände.

„Danke, Dad." Brachte er hervor, und John seufzte noch einmal, stand auf und ging mit schweren Schritten die Treppe hoch in sein Schlafzimmer. Dean saß noch eine Weile in der Küche, die Kekse auf dem Tisch vergessen, bevor er sich vorsichtig die Treppe hochschlich. Er öffnete leise Sams Tür und schlüpfte in das Zimmer seines kleinen Bruders, schlich zu seinem Bett und ließ sich auf die Bettkante sinken. Sammy bewegte sich und wachte mit einem verschlafenen „Hmm?" auf.

„Hey, Sammy. Alles klar? Sorry, ich wollte dich eigentlich nicht wecken…" flüsterte Dean und lehnte sich gegen den Bettpfosten.

„Hmm, Dean, alles in Ordnung? Ist irgendwas mit Dad?" gähnte Sam, auf einmal alarmiert.

„Nein, nein, alles in Ordnung, ich hab nur grad … mit Dad geredet." Dean schwieg und Sam schaute ihn fragend an.

„Ok, und über was?" fragte er schließlich.

„Über … über Cas." Dean spielte mit einem Loch in seiner Schlafanzughose herum. Sam setzte sich auf und beobachtete Deans Gesicht.

„Du magst Cas gerne, hm? Ich hab dich noch nie jemanden anderen als Familie so vertrauen gesehen…" flüsterte Sam.

Dean nickte nur und fummelte weiter an seiner Schlafanzughose.

„Ich mag Cas auch. Er ist cool. Und er weiß sogar, wovon ich rede, wenn ich ihm von meinen Projekten aus dem Physikkurs erzähle. Und er liest."

Dean schwieg weiter und kaute auf seiner Unterlippe.

„Sammy, würdest du … wenn ich dir sagen würde-" Dean schweifte ab und schaute angestrengt an die Decke.

„Nein, niemals. Dean. Du bist mein Bruder. Ich würde dir niemals … Ich will nur, dass du glücklich bist. Und glaub mir, ich hab dich noch nie so glücklich gesehen, wie in den letzten paar Wochen. Behalt Cas, ok?" Sam hatte eine Hand auf Deans Unterarm gelegt und drückte diesen leicht. Dean blickte endlich auf und sah seinen kleinen Bruder ihn mit einem unglaublich liebevollen, verständnisvollen aber trotzdem so stolzen Blick anschauen. Dean fühlte sich sofort ungemein erleichtert. Sam erinnerte ihn jetzt schon an Mary, mit seinen Augen und genau diesem Blick.

„Danke, Sammy" flüsterte Dean und wuschelte ihm durch seine Haare. Sam zog seinen Kopf mit einer Grimasse weg und flüsterte zurück:

„Aber wehe du vermasselst das, dann fülle ich Kleber und Farbe in all dein Shampoo!"

Dean lachte leise und stand auf.

„Ok. Schlaf gut, Sammy."

Dean ließ den Wagen vor dem großen Anwesen der Novaks ausrollen und stellte den Motor ab. Er spähte zu den dunklen Fenstern hoch und holte sein Handy raus, drückte die Schnellwahltaste und ließ es zweimal klingeln, bevor er es wieder einsteckte. Dean atmete noch einmal tief durch und ließ seinen Kopf gegen die Kopfstütze fallen. Du schaffst das, Winchester!

Bela hatte Dean am Pausenhof abgefangen, hatte ihm mit ihrem typischen schelmischen Glänzen in den Augen zu einer ihrer Legendären Talbotzwillinge-Partys eingeladen, hatte ihn mit einem Zwinkern gefragt, welche junge Dame denn diesmal das Vergnügen hätte, als sein Plus One aufgelistet zu werden, oder ob sie endlich auch mal eine Chance bei ihm hätte. Dean hatte die Schultern gezuckt und gesagt „Einfach nur Plus One, okay, Bela?".

Sie hatte ihn irritiert angeschaut, normalerweise war Dean weniger als scheu, mit seinen neuesten Eroberungen zu prahlen, hatte aber etwas auf ihren Block gekritzelt und ihn nochmal mit verengten Augen gemustert.

„Du wirst mir aber nicht weich, Winchester?"

„Um 9 also bei euch? Sollen wir irgendwas zu trinken mitbringen?" hatte Dean die Frage geflissentlich ignoriert.

„Nein, nein, für Getränke ist gesorgt, kommt ihr nur einfach. Jo, Ash, Pam, Chuck und Meg haben auch schon zugesagt, so von den Leuten, die du auch kennst. Bring nur gute Feierlaune mit!" Und damit war Bela mit wippendem, blondem Haar davongeeilt, um ihre Schwester einzuholen, die gerade an ihnen vorbeigerauscht war.

Dean hatte den ganzen Tag gegrübelt, wie und ob er das hinbekommen könnte. Er hatte sich nach der Schule wie immer mit Cas an ihrer Ecke getroffen, und war zur Abwechslung nach der Schule mal mit zu ihm nach Hause gegangen. Cas hatte es irgendwann nicht mehr ausgehalten, und leicht entnervt gefragt, wieso Dean denn nicht still sitzen konnte.

„Dean. Ist irgendetwas nicht in Ordnung?" fragte Cas und legte eine Hand auf Deans, der unruhig mit seinem Stift gespielt hatte. Sie saßen in Cas' Zimmer auf dem Bett, und versuchten, einen Plan für ihren Sommerurlaub zusammen zu stellen.

Dean kaute auf seiner Lippe und schaute nervös zwischen Cas und dem Stift in seinen Händen hin und her.

„Ähm…" fing Dean an, brach aber wieder ab und biss sich auf die Unterlippe.

„Dean, ist alles okay?" fragte Cas jetzt etwas besorgter.

„Ja, ja … ich mein. Bela hat mich heute zu ihrer Party am Samstag eingeladen…"

Dean blickte mit einem nervösen Lächeln zu Cas auf.

„Und? Natürlich kannst du gehen, wenn du das meinst, ich wollte eh noch ein Projekt für die Abschlussfeier zu Ende bringen." Sagte Cas und wandte sich wieder seinen feinsäuberlich geschriebenen Notizen zu.

„Nein … also, ja. Ich will gehen. Aber ich kann jemanden mitbringen." Dean rollte den Stift zwischen seinen Händen, und Cas hob eine Augenbraue.

„Ich mein, wenn du keine Zeit hast, oder nicht willst, also, ich weiß, dir liegen so große Partys nicht so, aber … magst du mit mir hingehen?" presste Dean schnell hervor.

Cas starrte ihn kurz an.

„Okay … Wenn du willst, komme ich mit. Du musst dich dann nur beherrschen." Sagte Cas langsam, ein kleines Lächeln umspielte seine Lippen und er schob seine Finger zwischen die Deans. Sie hatten sich darauf geeinigt, dass sie lieber vorerst mal niemandem von ihnen als „zusammen" erzählten. Es war einfacher. Und sie hatten eh erst einmal Zeit gebraucht, um alles auszuprobieren, zu erforschen. Doch Dean hatte sich noch nie in seinem Leben so gut gefühlt wie jetzt mit Cas. Jetzt, dass er Cas ganz hatte. Mit allem drum und dran. Und, um ehrlich zu sein, es nervte Dean mittlerweile, das ganze Herumgedruckse und die Halbwahrheiten, das Verheimlichen. Sammy hatte es mehr als gut aufgenommen, und sein Vater war anscheinend auch okay damit gewesen. Das war das wichtigste. Aber trotzdem, Dean hatte das Gefühl, dass er es wenigstens nicht mehr verheimlichen wollte. Cas gehörte ihm, und das sollte jeder wissen.

„Hmm … Ich dachte, vielleicht, wenn das okay mit dir ist … Wir könnten vielleicht offiziell zusammen hingehen?"

Cas' zweite Augenbraue hob sich und er starrte Dean verwirrt an.

„Du meinst … als Paar?" Cas sah so verwirrt aus, dass Dean auflachen musste und ihn an seiner Hand zu sich zog und ihm seine Bestätigung durch einen Kusses gab.

„Ja. Wenn du möchtest?"

„Dean" Cas begann zu grinsen, und er brachte seine ganze Freude und Aufregung in dem Kuss zur Geltung, mit dem er Dean jetzt aufs Bett pinnte.

„Dean!"

Cas öffnete die Beifahrertür und Dean zuckte leicht zusammen.

„Hallo, Dean." Begrüßte ihn Cas etwas atemlos und lehnte sich hinüber um Dean einen schnellen Kuss auf den Mund zu drücken, bevor er sich anschnallte.

„Hey, Cas." Die ganze Anspannung, die sich in ihm aufgebaut hatte, schmolz innerhalb von Sekunden hinweg. Cas sah unglaublich aus. Die Haare noch etwas feucht von der Dusche, das schwarze Hemd über der schwarzen Skinny Jeans etwas aufgeknöpft, und die Augen wie immer unnatürlich blau.

„Fertig?" fragte Dean und schaute in das schöne, schmale Gesicht Castiels. Cas. Sein Cas.

„Fertig" bestätigte dieser und seine Augen funkelten in der Dämmerung vor Aufregung.

Die Fahrt war viel zu schnell schon vorbei, und bald standen sie nebeneinander Schulter and Schulter vor der Tür der Talbots. Dean atmete tief ein, schloss kurz die Augen und schaute dann seinen besten Freund an. Ok, und los geht's, dachte Dean sich und lächelte Cas an, der breit zurücklächelte.

Er verschränkte seine Finger fest mit denen Cas', zog ihn eng an sich heran und sog seinen frischen Duft ein. Er konnte Cas' Puls durch sein Handgelenk rasen spüren. Wenigstens war er nicht der einzige, der aufgeregt war. Er zog Cas noch etwas näher zu sich, schaute ihm nochmal kurz mit einem verschmitzten Lächeln in die Augen, und küsste ihn, kurz aber bestimmt. Dann drehte er sich zur Tür, streckte die Hand aus, und klingelte.

Show Time.