Kapitel 1 - Meine Festung der Zweisamkeit
Als ich am Abend im Bett lag, war ich immer noch aufgewühlt von meiner Begegnung mit James. Ihn ausgerechnet in Sevs und meinem Baumhaus zu sehen, machte mich einfach fertig. Er hatte dort nichts zu suchen! Das Ganze war sowieso nur seine Schuld, er hatte Sev verhext, er hatte ihn provoziert, er hatte ihn an den äusserten Rand gebracht. Er war Schuld, dass er das böse Wort gesagt hatte.
Mir liefen wieder Tränen über die Wangen und ich richtete mich auf. Dad war schon vor Stunden ins Bett gegangen, er merkte gar nicht, wenn ich mich nachts weg schlich. Leise zog ich mich wieder an und verliess das kleine Häuschen in der Nähe der Ställe. Dad war so zu sagen der Haus- und Hofmeister des Anwesens, das die Potters gerade gekauft hatten. Wir wohnten schon seit vielen Jahren hier, seit Mum und Petunia gegangen waren und ich kannte das kleine Waldstück in und auswendig.
Seufzend kletterte ich die Strickleiter herauf und zuckte erschrocken zusammen, als ich einen Lichtschein aus dem Baumhaus erkannte. Vor James Potter, der auf der kleinen Bank eingewickelt in ein paar Decken sass, stand ein silbrig-leuchtender Hund der mit dem Schwanz wedelte. "Ist das dein Patronus?", fragte ich vorlaut und er sah zu mir, seine Augenbrauen waren zusammen gezogen und der Hund begann sich in Dampf auf zu lösen, dann jedoch formte er sich wieder deutlicher.
"Ja.", erwiderte er.
"Ein Hund, wie originell.", bemerkte ich und kletterte zu ihm hinauf. "Was machst du hier?", fragte ich ihn wieder, so wie mittags. Er zuckte mit seinen Schultern.
"Ich habe gewartet, bis du zurück kommst.", erwiderte er.
"Wirklich?"; entfuhr es mir überrascht.
"Wirklich.", gab er nur ruhig zurück. "Ich meine... Weisst du, ich bin mir sehr wohl darüber im Klaren, dass ich mich manchmal blöd aufführe, aber du hast heute Mittag so ausgesehen, als ob du jemanden zum Reden bräuchtest.", ich seufzte tief.
"Und du denkst, ich würde mit dir reden wollen?", hakte ich nach.
"Ich dachte, ich biete es dir an.", sagte er langsam. "Weil - uh - weil ich nicht an Zufälle glaube."
"Und da sitzt du hier den ganzen Tag und hoffst, dass ich zurück komme, um mir das an zu bieten?", er schüttelte seinen Kopf.
"Ich habe nicht gehofft, ich habe gewartet. Es war nur logisch, dass du zurück kommen würdest.", korrigierte er mich. Ich liess mich langsam neben ihn auf die Bank sinken und sah den silbrigen Hund an. "Er ist ganz zahm, du kannst ihn sogar streicheln, wenn du willst.", sagte er.
"Aber man soll doch nicht-"
"Sirius ist ganz besessen von ihm. Er hat ihn Schnuffel genannt."; fuhr er fort. "Wenn es mir schlecht geht, dann beschwöre ich ihn häufig herauf, weil ich mich dann auf etwas Positives konzentrieren muss.", ich streckte tatsächlich jetzt meine Hand aus und streichelte mit den Fingerspitzen über die struppige, silberne Oberfläche. Sie war ganz warm und es kribbelte in meiner ganzen Hand.
"Wahnsinn...", flüsterte ich. Er grinste. Der Hund sah jetzt mich an, nachdem ich ihn angefasst hatte, einen Moment nur ausdruckslos, dann begann sein Schwanz umso heftiger zu wedeln und er machte Männchen. Ich kicherte ein bisschen und streichelte ihn, dieses Mal unter seinem Kinn. James gluckste. "Was?"
"Uh - ich bin da kitzelig.", flüsterte er verlegen. Ich lief sofort rot an und zog meine Hand zurück. "Sirius und ich haben einige Versuche mit diesem Patronus gemacht, ich habe eine sehr enge Bindung zu ihm. Ich baue sowieso enge Bindungen zu allem möglichen auf."; murmelte er nachdenklich und streichelte ebenfalls unter dem Kinn des Hundes entlang, dieses Mal jedoch gluckste er nicht. "Zauberstäben zum Beispiel."
"Aber - uh - wie kannst du dich unterhalten und den Patronus herauf beschwören? Musst du dich so wenig konzentrieren?", fragte ich ihn verwundert. Er zuckte mit seinen Schultern.
"Schnuffel erträgt es, wenn meine Gedanken ein wenig von ihm abweichen. Er verliert dann an Kraft, aber er verschwindet nicht sofort.", ich streckte meine Hand wieder aus und streichelte über den Hund. Er kam etwas näher und schmiegte seinen Kopf gegen meine Handfläche. James hingegen runzelte seine Stirn - dann löste sich der Patronus plötzlich in Luft auf. Ich drehte mich zu ihm um, da wurde er umso röter.
"Was ist passiert?", fragte ich.
""Uh... Na ja, je mehr Körperkontakt du zu meinem Patronus hast, umso wahrscheinlicher ist es, dass du die Erinnerung siehst, die ich für ihn benutze.", erklärte er und ich merkte sofort, dass er sich anstrengen musste, nicht zu stottern. "Und ich kann das nur verhindern, indem ich an etwas anderes denke. Und das wiederum lässt Schnuffel verschwinden.", ich legte meinen Kopf schief.
"Wieso darf ich nicht wissen, woran du denkst?", fragte ich ihn.
"Weil das privat ist.", erwiderte er schulterzuckend. "Welche Gestalt nimmt dein Patronus an?", ich wurde jetzt selber recht rot und seufzte.
"Uh...", murmelte ich. "Tja, er hat sich noch nicht entschieden."; da starrte er mich an. "Und es variiert auch von Erinnerung zu Erinnerung.", mit einem Mal war Schnuffel wieder da. Er wedelte mit dem Schwanz und liess sich wieder von James streicheln.
"Lass sehen.", forderte er mich auf.
Ich gehorchte und zog meinen Zauberstab, da griff er zuerst nach ihm und betrachtete ihn. "Was?", fragte ich.
"Was ist das für einer? Weide?", ich nickte.
"Woher weisst du das?", fragte ich.
"Meiner ist auch aus Weide."; erwiderte er nur. "Was ist der Kern?"
"Ein Einhornhaar.", beantwortete ich. "Zwölfeinhalb Zoll."
"Mh, mh, mh...", machte er darauf nur und grinste, dann reichte er mir meinen Zauberstab zurück.
"Was?", er schüttelte seinen Kopf.
"Nichts."
Ich dachte an den Moment, in dem ich meinen Zauberstab das erste Mal gereicht bekommen hatte, von Mr Ollivander persönlich. Und wie es sich angefühlt hatte, als er auf mich reagierte. Weil er mich gewählt hatte. "Expecto Patronum."; sagte ich deutlich und aus der Spitze meines Zauberstabes erschien ein prächtiger Löwe. Ich grinste zufrieden. Er sah schöner aus als sonst und James wirkte mächtig beeindruckt, als er aufstand und ihn umkreiste.
"Darf ich fragen, welche Erinnerung du benutzt?"; fragte er.
"Uh - der Moment, als ich meinen Zauberstab bekommen habe.", antwortete ich.
"So, so...", murmelte er. "Wusstest du, dass der Patronus meistens etwas ausdrückt?"
"Interpretierst du mich gerade?", hakte ich nach und er lachte ein bisschen.
"Vielleicht."
"Was interpretierst du in meinem Löwen?", fragte ich ihn neugierig und er grinste leicht.
"Dass du im Herzen ein Gryffindor bist.", erklärte er mir einfach. "Denn als du deinen Zauberstab bekommen hast, war besiegelt, dass du rot-gold tragen wirst. Der Zauberstab sucht sich den Zauberer - demnach wird der Zauberstab sehr genau wissen, was er will, nicht wahr?"; ich wurde jetzt ganz rot und räusperte mich. "Was hast du noch?"
Tatsächlich löste sich mein Löwe auf und ich dachte an meine ZAG-Ergebnisse. "Expecto Patronum.", sagte ich wieder und ein grosser Rabe erschien.
"Aaah.", machte er. "Du denkst an schulische Leistungen, wetten.", sein Grinsen war beinahe unerträglich breit. "Es fragt sich jeder, weshalb du nicht in Ravenclaw gelandet bist, so talentiert und klug wie du bist.", tatsächlich hielt er dem Raben seinen Arm hin und der setzte sich brav hin. Plötzlich sah ich den Brief mit meinen ZAG-Ergebnissen vor meinem inneren Auge und wenn es eben nur ein Gedanke gewesen war - jetzt konnte ich es tatsächlich sehen.
"Du... Du hast es gesehen, nicht wahr?", fragte ich verlegen.
"Ja.", meinte er. "Du hattest alle ZAGs?", hakte er nach. Ich nickte. "Wow..."
"Und du?"
"Ich auch."; grinste er dann. "Aber das wäre nichts, womit ich einen Patronus produzieren könnte, weil mir meine Noten egal sind.", darauf konnte ich nur meine Augen verdrehen. "Hast du noch mehr?"
"Ja.", murmelte ich verlegen. "Das heisst, nein. Ich hatte noch eine Erinnerung an die ich oft gedacht habe, aber sie funktioniert nicht mehr.", gab ich zu. Er nickte verstehend und schälte sich aus den Decken. Ich zuckte zusammen, als er sie um mich legte. "Was-"
"Dir ist kalt.", sagte er ruhig. "Du zitterst."
"Dabei ist es ganz warm.", erwiderte ich nur.
"Na ja, aber im Vergleich zu tagsüber ist es gar nicht so warm.", erwiderte er. "Und es ist nicht so, als hättest du viel an.", ich wurde ganz rot, als ich bemerkte, dass ich tatsächlich nicht besonders viel trug. Er war sogar ein bisschen rot geworden und räusperte sich, als ich näher zu ihm rutschte.
"Danke.", murmelte ich. Er nickte nur. "Ich wusste gar nicht, dass du so nett sein kannst."
"Tja, ich stelle mich meistens nur in Gruppen blöd an, damit alle sehen, dass ich mich daneben benehmen kann.", meinte er grinsend und zwinkerte mir zu. Mir fiel wieder der Abend am See ein.
Auch da war er nett zu mir gewesen. Er hatte mich gefragt, ob ich mit ihm ausgehe und Sev bestraft, weil er das böse Wort gesagt hatte. Dann fiel mir wieder ein, wie er Sev vorher gequält hatte, ohne jeden Grund, ohne Provokation und ich seufzte. Trotzdem war er nett zu mir und Sev nicht.
"Na ja, eigentlich hört man ja die nettesten Sachen von dir.", flüsterte ich verlegen.
"Glaub nicht alles, was man über mich sagt.", erwiderte er wie aus der Pistole geschossen. "Über Sirius und mich werden die wildesten Geschichten erzählt und fast nichts davon ist wahr.", ich stockte.
"Was ist davon wahr?", fragte ich, er wurde sofort wieder schlagartig rot.
"Willst du es wirklich wissen? Es ist recht heikel.", warnte er mich.
"Raus damit.", erwiderte ich neugierig.
"Nun gut, wie du willst: Ich für meinen Teil - das trifft nicht auf Sirius zu - hatte Sex, ja. Aber nicht mit allen, die es von sich behaupten und was meine Vorlieben angeht ist gar nichts von dem wahr, was gesagt wird.", erklärte er mir langsam und anscheinend sehr bedacht auf seine Formulierungen, darauf zog ich meine Augenbrauen herauf.
"Du sagst mir also, dass Sirius - uh - Jungfrau ist?", er nickte. "Oh Mann, damit hätte ich nicht gerechnet."
"Hast du ihn schon einmal mit einem Mädchen gesehen?", fragte er.
"Ja, er geht ständig mit Mädchen aus!", gab ich sofort zurück.
"Hast du ihn schon einmal mit einem Mädchen zusammen gesehen?", ich zuckte mit meinen Schultern und schüttelte meinen Kopf. "Er hat bisher keine gefunden, die ihn genug interessiert hätte. Er ist eigentlich recht glücklich mit den Jungs und mir. Und ein kleines bisschen Beziehungsunfähig, aber das ist nicht unbedingt seine Schuld...", er wiegelte seinen Kopf ein wenig.
"Also du hattest Sex und Sirius Black nicht?", hakte ich nach. Er grinste.
"Und ist es so unwahrscheinlich, dass eine Frau mit mir schlafen würde?", fragte er. Darauf wusste ich keine Antwort und wurde krebsrot im Gesicht. "Wie gesagt, die meisten behaupten es nur, weil es halt überall herum erzählt wird und sie denken, wenn sie zugeben, dass ich nicht mit ihnen geschlafen habe, dann denken die anderen Mädchen, dass sie meiner nicht würdig waren, also sagen sie, ich hätte mit ihnen geschlafen, obwohl sie dadurch nicht besonders werden, weil jedes Mädchen sagt, ich hätte mit ihr geschlafen.", er verdrehte seine Augen nach diesem Monstersatz.
"Aber das ist doch - uh - Unsinn.", murmelte ich.
"Ja, weiss ich. Darum gehe ich nicht mehr mit irgendwelchen Mädchen aus, sondern nur noch mit denen ich auch schlafen wollen würde.", grinste er breit, woraufhin ich nun meine Augen verdrehte.
"Mit wem hast du geschlafen?", fragte ich ihn irgendwann, weil wir gerade schon darüber sprachen. Er verzog sein Gesicht ein bisschen und seufzte.
"Kennst du Eliza Bones?", fragte er.
"Ja."
"Nun, wir waren Anfang des Schuljahres zusammen. Sogar eine Weile, bis Februar.", er zuckte mit seinen Schultern und seufzte erneut. "Ich weiss nicht einmal mehr, wie wir überhaupt zusammen gekommen sind oder was mich dazu bewogen hat, so lange mit ihr zusammen zu bleiben, aber irgendwie-"
"Ich kann dir genau sagen, was es war."; grinste ich und hielt meine Hände mit etwas Abstand von meinen Brüsten weg. "Sie hat zwei Gehirne.", er lachte ein bisschen.
"Ja, sie hat grosse Brüste.", meinte er.
"Wie kommt es, dass das niemand weiss?", fragte ich weiter.
"Na ja, ausser Sirius, ihr und mir weiss das eben keiner. Du jetzt. Weil - die Sache ist nicht so schön ausgegangen.", vielleicht war es eine Art Reflex, aber meine Hand legte sich tröstend auf seine. "Es stellte sich heraus, dass sie eine Schlampe ist.", er zuckte mit seinen Schultern und atmete tief durch. "Und nachdem wir fast ein halbes Jahr zusammen waren, habe ich sie mit McNair in einer Besenkammer erwischt.", ich schnaubte.
"Wow, das war aber ein tiefer Fall...", maulte ich.
"War das ein Kompliment?", fragte er.
"Ach komm, tue nicht so, als wüsstest du nicht, dass du ein guter Fang bist.", ich wurde jetzt noch röter und fuhr über mein Gesicht. Er lachte wieder ein bisschen. "Also, wenn das niemand weiss, wieso erzählst du es ausgerechnet mir? Wir sind nicht gerade beste Freunde...", auch darauf zuckte er wieder nur mit seinen Schultern.
"Nicht, weil ich das nicht will.", erwiderte er. "Ich vertraue dir sehr, Lily, du schimpfst und meckerst und zeterst zwar immer mit mir, aber ich vertraue dir trotzdem. Weil ich weiss, dass einer von den Guten bist.", da wurde ich noch einmal besonders rot.
"Ich muss jetzt gehen, bevor ich noch mehr Unsinn rede. Es ist schon so spät.", er griff an mein Handgelenk.
"Lily, wenn du jemanden zum Reden brauchst, dann kannst du zu mir kommen. Ich weiss, ich bin ein Idiot manchmal, aber ich bin eigentlich auch einer von den Guten.", ich bemerkte, dass aus irgendwelchen Gründen meine Atmung schwerer geworden war und mir stiegen Tränen in die Augen. "Und ich weiss, dass du genug Leute zum Reden finden würdest, aber vielleicht fehlt dir manchmal eine männliche Meinung.", er wusste es. Ich zuckte zurück und sprang endlich auf, da räusperte er sich.
"Woher-"
"Du bist gegangen, er hat es mir danach gesagt.", erwiderte er sofort und sein Blick fiel nun auf den Türrahmen. "Und ich habe ihm nicht geglaubt, aber als ich die Initialen gesehen habe, da wusste ich, dass es wahr ist.", ich verschränkte meine Arme.
"Du kannst ihn nicht ersetzen.", ärgerte ich mich.
"Ich will ihn auch gar nicht ersetzen, Lily, ich will nur gut machen, was ich angerichtet habe. Es tut mir Leid, dass du einen Freund verloren hast. Selbst wenn es Severus Snape war.", schweigend sahen wir uns an. "Ich weiss-"
"Nein, du hast einfach keine Ahnung!", sagte ich. "Das alles ist nur deine Schuld, James Potter, weil du ihn-"
"Ich habe ihn nicht gezwungen, dich zu beleidigen!", erwiderte er jetzt ebenso wütend. "Severus Snape und ich, wir hassen uns, schon immer, schon von Anfang an, frag nicht wieso, es gibt nämlich gar keinen Grund, Lily, aber es ist so und wir sind beide glücklich damit, einander zu hassen!", maulte er. "Ich will doch nur nett sein, wieso wirst du direkt biestig, Lily?"
"Lass mich einfach in Ruhe, okay, Potter?", ich drehte mich mit fliegenden Haaren herum und begann, die Strickleiter wieder herunter zu klettern. Ich hörte ihn noch seufzen.
"Das ist der Grund, weshalb Sirius keinen Sex haben will. Weiber...", maulte er, aber darauf reagierte ich nicht mehr.
Ich sah ihn erst ein paar Tage später wieder. Ich mistete die Ställe aus, als ich die beiden hochwohlgeborenen Herren in der Ferne sah. Nun standen die Stelle ein wenig vor dem Wald, aber es war keine Chance mehr, sich zu verstecken, da straffte ich meine Schultern und fuhr fort. Die beiden Pferde wurden langsamer und schliesslich stiegen sie beide ab und diskutierten heftig miteinander.
Einer drehte um. Ich zog überrascht meine Augenbrauen herauf, als der andere langsam und zu Fuss näher kam, die Pferde hinter sich her führend. Es war James. "Hey."; sagte er.
"Hey."; gab ich nur gleichgültig zurück. Es war unangenehm, dass er mich sah, während ich die Pferdeställe ausmistete und wahrscheinlich auch wie einer aussah. Und so roch. Er jedoch band die Pferde mit den Zügeln an die Stalltüre und nahm die zweite Mistgabel zur Hand. "Mach das nicht. Ich werde dafür bezahlt."
"Na und?", grinste er.
"Lasst das, Euer Hoheit!", schnappte ich.
"Komm schon, ich kann die Pferde ja nicht einfach hier stehen lassen und dir bei der Arbeit zu sehen.", ermahnte er mich. "Und wenn ich dir helfe-"
"Du bringst mich in Verlegenheit!", sagte ich klipp und klar und er seufzte.
"Sieh mal, es tut mir Leid, wie wir letztlich auseinander gegangen sind, das hier ist ein Friedensangebot. Ich will doch keinen Streit mit dir...", sagte er ernst.
"Geh einfach, okay?"; mir kamen jetzt die Tränen. Das war die peinlichste Situation in der ich jemals gewesen war! James Potter half mir dabei, die Ställe seiner Pferde aus zu misten, obwohl ich dafür bezahlt wurde. Weil ich sein blöder Diener war, so wie der Rest der Welt auch.
"Wenn ich dich in Verlegenheit hätte bringen wollen, dann hätte ich Sirius weder weg schicken, noch mit ihm streiten müssen. Komm schon, Lily, ich helfe dir.", leider brach da ein hysterisches Heulen aus mir heraus.
"Wieso kannst du nicht einfach gehen?", fragte ich ihn und fuhr mit meiner schmutzigen Hand über mein schmutziges Gesicht. Er sah mich betreten an. "Bitte, verschwinde einfach und lass mich das dumme Aschenputtel sein, dass den Mist deiner Pferde weg macht!", flehte ich peinlich verlegen und drehte ihm den Rücken zu.
"Aschenputtel kriegt den Prinz.", murmelte er nur, aber ich hörte seine Mistgabel fallen und als ich mich umdrehte, da war er verschwunden. Ich brauchte eine Weile, bis ich mich wieder beruhigt hatte und noch ehe ich wieder mit der Arbeit anfangen konnte, kam mein Vater in die Ställe.
"Lily?", fragte er.
"Ja?"; machte ich und versuchte dabei nicht mehr so doll verheult zu klingen. Trotzdem sah er mich besorgt an.
"Ist alles in Ordnung? Ich habe den Sohn des Hauses heraus kommen sehen.", ich wurde ganz rot und mir schossen wieder Tränen in die Augen. "Hat er etwas gesagt?"
"Ich kenne ihn, Dad, es ist okay."; murmelte ich.
"Was?", fragte er nach.
"Uh - ja, wir kennen uns aus der Schule. Die Potters sind... Sie sind eine sehr alte Zaubererfamilie."; er hob die zweite Mistgabel auf und sah mich an. "Was denn?"
"Liebes, hast du geweint?"
"Nein.", log ich augenblicklich. "Nein, ich habe eben etwas ins Auge gekriegt, keine Ahnung was.", aber Dad kannte mich zu gut dafür. "Ich - Dad, wirklich, es ist alles in Ordnung.", beteuerte ich wieder, obwohl es nicht stimmte und fuhr jetzt etwas erbost fort, die Boxen zu reinigen.
"Aber, ich meine... Lily, wenn es dir unangenehm ist-"
"Um Himmels Willen, könnt ihr mich nicht einfach in Ruhe lassen?", rief ich wütend. "Dad, geh einfach!", er sah mich verwirrt und ein bisschen verletzt an, seufzte aber.
"Schon gut, kein Grund, laut zu werden...", murmelte er missmutig und auch er verliess mich. Ich sah ihm schuldig hinterher, rief ihn aber nicht zurück und lief ihm auch nicht nach, so wie es sonst schon einmal vorkam, wenn ich merkte, dass ich unfair zu ihm war.
Dad und ich waren eigentlich recht gute Freunde. Nachdem Mum und Petunia weg gezogen waren, hatten wir nur noch einander und seit Sev und ich nicht mehr miteinander sprachen, war er meine einzige Gesellschaft in den Ferien. Und ich half ihm gerne bei der Arbeit und ich verdiente recht gut dabei. Es lag nicht einmal daran, dass wir kein Geld hatten.
Wir hatten Geld.
Aber Dad und ich machten eben, was wir gerne taten. Wir brauchten kein grosses, schönes Haus mit viel Garten und Geld, dass an den Bäumen wuchs. Wir mochten es, uns um das Haus zu kümmern, das nun den Potters gehörte, es war wunderschön und sehr alt und sehr gross und hatte in den letzten Jahren leer gestanden.
Es war schon fast dunkel, als ich endlich fertig mit den blöden Ställen war. Natürlich war James gegangen, so wie ich ihn darum gebeten hatte, also hatte ich mich um die Pferde gekümmert und sie abgesattelt und gestriegelt und gefüttert. Dad sass auf unserer Terrasse und hatte sogar etwas gekocht, aber ich schleppte mich nur müde an ihm vorbei.
Nach einer gründlichen Dusche setzte ich mich neben ihn. "So mein Mäuschen, jetzt erzähl doch mal."; bat er mich ruhig. Das zog normalerweise immer bei mir, ich schmolz dann unter seinem Daddy-hat-dich-lieb-Blick und erzählte ihm alle meine Sorgen. Nicht heute. Ich stöhnte nur.
"Lass uns nicht darüber reden. Es tut mir Leid, dass ich dich angeschrien habe."; murmelte ich nur und stocherte dabei in dem kalten Essen herum. "Ich habe eigentlich keinen Hunger, Dad."
"Aber irgendetwas musst du doch essen..."; sagte er besorgt.
"Mh, ich halte es einen Tag ohne Essen aus.", erwiderte ich nur und stand sofort wieder auf. "Ich gehe und-"
"Du gehst in das Baumhaus, richtig?", fragte er. Ich seufzte.
"Dad-"
"Willst du mir nicht erzählen, was zwischen Sev und dir vorgefallen ist? Vielleicht könnt ihr das wieder gerade biegen, Lily."
"Wenn wir das irgendwie wieder gerade biegen könnten, dann hätten wir das längst getan. Ich habe doch gesagt, dass der Einfluss seiner Mutter einfach Überhand genommen hat und dass ich das schon viel länger wusste.", erwiderte ich nur bedrückt. Ich wollte das Ganze nicht schon wieder durchkauen. Dad hatte Sev so sehr gemocht und sich so sehr gewünscht, wir würden zusammen kommen und dann irgendwann heiraten und Kinder bekommen und...
Ich schüttelte meinen Kopf. "Aber-"
"Nein, Dad, lass mich in Ruhe mit Severus Snape!", maulte ich nun eher. "Lass es einfach gut sein, er ist fort. Er kommt nicht wieder. Romeo und Julia haben sich für ihre Familien entschieden und werden auch keine Freunde mehr!", er sah mich betrübt an und seufzte dann.
"Er hat mir einen Brief geschrieben."; sagte er dann.
"Wenn er nicht aufpasst, dann werde ich ihm mal einen Brief schreiben!", und zwar einen Heuler. Mit Zähnen. Er räusperte sich, da verdrehte ich meine Augen. "Schreib nicht mehr mit ihm, Dad. Er ist gefährlich, okay? Er ist - er ist...", aber mir fielen keine Worte für das ein, was er war. Ich trat nur vor Wut gegen den Tisch und liess Dad ganz alleine und betrübt zurück.
Natürlich führte mein Weg ins Baumhaus. Das war grundsätzlich immer mein erster Anlaufpunkt. Allerdings legte ich mich normalerweise auf die Decken und Kissen oder setzte mich auf die Bank und las oder machte irgendetwas ähnliches. In den letzten Ferien, direkt nachdem Sev und ich - uh - nachdem wir auseinander gegangen waren, da hatte ich meistens geheult. Heute jedoch stöhnte ich nur und nahm mir vor, das Dach ab zu decken. Das Baumhaus musste weg.
Selbstverständlich machte Potter mir einen Strich durch die Rechnung. Er lag auf einem Schafsfell und starrte nachdenklich gegen die Decke. "Hey.", grüsste er.
"Hast du denn nichts besseres zu tun, als den ganzen Tag in diesem blöden Baumhaus herum zu hängen und mir auf zu lauern?", fragte ich ihn wütend und dabei strömten mir Tränen über meine Wangen. "Mir geht es wahrscheinlich schon schlecht genug, du musst nicht immer und überall sitzen und mir noch mehr weh tun!", er seufzte und richtete sich auf.
"Ich will dir gar nicht weh tun!", erwiderte er. "Und ich laure dir nicht auf. Ich warte auf dich, weil ich weiss, dass du her kommen wirst, wenn du eigentlich mit jemandem reden willst.", ich schnaubte.
"Mag sein, dass ich mit jemandem reden will, aber doch sicherlich nicht mit dir!", rief ich wütend. "Ich arbeite doch nur für dich! Ich bin dein Diener, so wie alle anderen auf dieser Welt auch!"
"Du bist nur mein Diener, wenn du dich zu meinem Diener machst, denn ich denke nicht so über dich!", sagte er zurück und er klang jetzt sehr verärgert dabei. "Ich wäre viel lieber dein Freund, aber du kannst dir ja anscheinend nicht schlimmeres vorstellen, als mit mir befreundet zu sein!", maulte er. Ich stöhnte wieder genervt.
"Soll ich dir jetzt zu Füssen fallen, weil du gerne mit mir befreundet wärst?", fragte ich ihn. "Soll ich dir eine Dankeskarte schreiben? Möchtest du, dass ich dir die Füsse küsse? Ich hatte einen Freund, aber du hast ihn ja vergrault!", er zog seine Augenbrauen herauf und verschränkte seine Arme, jetzt deutlich verärgert.
"Du kannst mir nicht die Schuld für sein loses Mundwerk geben!", beharrte er.
"Er hatte nichts getan, du hast ihn einfach so angegriffen!"; rief ich wütend.
"Und am Abend davor?", fragte er mich. "Du hast doch gehört, was er abends davor gemacht hat, richtig?", ich schwieg verbissen. "Lily, Severus Snape und ich, wir hassen uns! Du kannst nicht einem von uns die Schuld geben, denn der andere zieht ja immer mit, verstehst du!", erklärte er ungeduldig. "Und ich weiss, dass das nicht unbedingt ehrenhaft von mir war.", Schweigen legte sich über uns und er seufzte nach einer ganzen Weile. "Du bist die einzige, die für ihn aufgestanden ist, wieso hätte er dich angreifen sollen, wenn ich etwas getan habe? Gib doch zu, dass du wusstest, dass du ihn verloren hast."
Ich war ein bisschen erstaunt darüber, dass er offensichtlich alles wusste. Die ganze Geschichte. "Hast du ihm weh getan, um das alles heraus zu finden?", fragte ich tonlos.
"Nein.", erwiderte er. "Um ehrlich zu sein, hat er mich gebeten, mit dir zu sprechen.", ich verdrehte meine Augen und seufzte.
"Er kann es einfach nicht lassen.", maulte ich. "Er schreibt Briefe an meinen Vater, drängt meine Freundinnen und jetzt auch noch du! Wen will er noch schicken? Als nächstes kommt Merlin höchst persönlich!", er runzelte seine Stirn, da stockte ich. "Er ist zu dir gekommen?"
"Ich war auch sehr überrascht, er traut sich normalerweise nicht in meine Nähe.", meinte er langsam. "Lily?", ich sah ihn an. Er war ganz ernst und wirkte ein wenig bedauernd. "Ich weiss, dass das eine grosse Geste von ihm war, aber vergiss nicht, was gewesen ist. Auch wenn es wahr ist und er mag dich - ich glaube, es ist bereits zu spät.", ich stöhnte wieder.
"Glaubst du?", fragte ich unsicher. Tatsächlich hatte ich schon wieder dahin schmelzen wollen.
"Er steckt schon so tief in der schwarzen Magie drin, ich wüsste nicht, wie er da wieder heraus kommen möchte.", mir wurde ganz schwindelig und ich sank auf die Bank in der Ecke. "Liebst du ihn?"
Das war die schwierigste Frage, die mir jemals jemand gestellt hatte. Ich wusste ja, was sie alle von mir erwarteten. Mary und Marlene wollten nicht, dass ich ihn liebte. Sie mochten ihn nicht, er war ein Slytherin und er hatte mich beleidigt und verletzt. Dad wünschte sich nichts sehnlicher, als das ich ihn liebte. Petunia verlangte, dass ich ihm den Rücken kehrte. "Nein."; gab ich endlich zu. Er reagierte kaum, aber ich sah seine Augenbrauen in die Höhe zucken.
"Nicht?", fragte er nach. "Bist du sicher?"
"Nicht so.", erwiderte ich rasch. "Er ist so lange mein bester Freund gewesen, er war eher wie der Bruder, den ich nie hatte.", er verzog sein Gesicht.
"Das hört wahrscheinlich kein Mann gerne.", murmelte er. "Du wirst sich entscheiden müssen.", daraufhin wurde ich rot. "Ich meine, die Chance besteht selbstverständlich, dass du ihm vergibst und er eine hundertachzig Grad Wendung macht - aber das wird seine Freunde verärgern. Und selbst, wenn er es schafft, sich von ihnen zu lösen steht ihr dann am Ende immer noch vor der Problematik, dass er dir wie ein Bruder ist - aber alles andere, nur keine brüderlichen Gefühle für dich hat.", ich wurde rot.
"Was meinst du?", er setzte sich jetzt neben mich.
"Ich meine damit, dass er verzweifelt in dich verliebt ist. Verzweifelt genug, um zu mir, seinem erklärten Erzfeind zu kommen und mich um Rat und Hilfe zu bitten.", da seufzte ich. "Was wirst du tun?", fragte er mich dann und ich zuckte mit meinen Schultern.
"Du bist der einzige, der eine hundertachzig Grad Wendung gemacht hat."; flüsterte ich verlegen. "Ich erkenne dich kaum noch wieder."
"Wie ich schon sagte, auch wenn ich manchmal blöd bin, bin ich doch einer der Guten.", antwortete er nur. "Und ich vertraue dir und ich mag dich, hörst du? Ich wäre gerne mit dir befreundet.", einen Moment waren wir beide in Gedanken versunken. "Also..."
"Also?"
"Nun, ich habe ihm angeboten, mit dir zu reden und ihm zu sagen, was dabei heraus kommt.", gestand er schliesslich und wurde leicht rosa um seine Nase. "Also, was sage ich ihm?", ich zuckte mit meinen Schultern. "Du wirst ihn abweisen, richtig?"
"Ja.", gab ich schweren Herzens zurück. "Ich... Ich will nicht um eine verlorene Seele kämpfen. Ich will nur noch, dass er mich endlich in Ruhe lässt.", plötzlich streichelte er durch meine Haare, nur ganz leicht, dann küsste er mich auf die Wange. Ich zuckte zusammen, sagte aber nichts.
"Ich werde mit ihm reden.", versprach er und stand auf. Ich sah ihn erschüttert an. Jetzt ging er einfach?
"M - möchtest du - uh - noch hier bleiben?"; stotterte ich. Er drehte sich mit einem verschmitzten Grinsen zu mir um und ich wurde rot. Jetzt stotterte ich auch noch!
"Und was tun?", fragte er zurück. Ich verschränkte meine Arme.
"Keine Ahnung.", gestand ich, da lachte er leicht. "Zeigst du mir Schnuffel noch einmal?", er räusperte sich, da wusste ich, dass er nicht bleiben würde. Ich konnte mir nicht erklären, weshalb er nicht blieb, aber tatsächlich schüttelte er seinen Kopf.
"Meine Eltern bekommen heute Besuch und ich muss mich noch umziehen.", erklärte er schliesslich. Ich wusste, dass er log. "Das Baumhaus... Uh - du solltest es trotzdem stehen lassen. Es ist einfach so hübsch und ich nehme an, dass Snape und du viele schöne Erinnerungen damit verbinden. Dass sie vorbei sind, macht die Erinnerungen nicht wertlos.", ich nickte sprachlos über so viel Tiefgang und sah ihm hinterher, bis er gegangen war.
Dad und ich knieten im Blumenbeet, als James vorbei ritt. Dad schüttelte seinen Kopf. "Schau dir diesen kleinen Prinz an.", maulte er. Ich runzelte meine Stirn. "Reitet hier wie ein Irrer durch die Gegend...", beschwerte er sich.
"Na ja... Er reitet eigentlich recht gut."; erwiderte ich. "Was hast du gegen ihn?"; fragte ich. Dad wurde ganz rot.
"Weisst du... Uh - Sev hat ihn mal erwähnt und-"
"Beurteile James doch nicht nach dem, was jemand anders über ihn sagt!", knurrte ich nur.
"Lily, möchtest du mir denn wirklich nicht erzählen, was zwischen Sev und dir passiert ist?", fragte er. Ich verdrehte meine Augen und seufzte tief.
"Nein, Dad, ich möchte dir wirklich nicht erzählen, was passiert ist!", beharrte ich. "Ich weiss, dass du ihn gerne hast, aber ich bitte dich inständig, dich von ihm fern zu halten! Er ist gefährlich, es ist gefährlich für euch beide, wenn du den Kontakt zu ihm aufrecht erhältst!", darauf wusste er wohl nichts zu sagen, denn er antwortete eine Weile nicht.
Erst, als James wieder in unserem Blickfeld erschien. "Du stehst doch nicht auf den Prinz, oder?", ich wurde rot.
"Dad!", maulte ich.
"Tust du doch nicht, oder?", hakte er nach und klang dabei mehr als unzufrieden. "Ich sehe doch, wie er dich ansieht. Und es gefällt mir nicht. Sev hat mir erzählt, was an der Schule über ihn erzählt wird.", darauf schnaubte ich nur.
"Nur, weil es erzählt wird, heisst das noch lange nicht, dass es wahr ist.", belehrte ich ihn. "Über mich wird auch erzählt, dass ich ein herrisches Biest bin und-"
"Und jedes Wort ist wahr. Manchmal sind Worte der Wahrheit in aller Munde.", belehrte er mich zurück und verschränkte seine Arme. "Mir gefällt der Gedanke, dass mein kleines Mädchen mit einem Draufgänger wie diesem Prinz zusammen ist überhaupt nicht.", erklärte er.
"Hör auf, ihn so zu nennen. James und ich kennen einander tatsächlich ein bisschen und ich versichere dir, dass nicht alles wahr ist, was über ihn erzählt wird."; ich riss einen Löwenzahn an der Wurzel heraus und warf ihn in den Eimer. Tatsächlich wurde ich den Gedanken einen Moment nicht los, dass James zugegeben hatte, dass er Sex hatte.
"Aber-"
"Dad, James Potter ist einer von den Guten, okay. Vertrau mir!", bat ich ihn.
"Dir vertraue ich. Ihm vertraue ich nicht.", meinte er darauf nur.
Und tatsächlich, als Dad gerade den vollen Eimer Unkraut weg brachte, da kam James näher. Ich verdrehte meine Augen und beugte mich über die Blumen. "Du siehst hübsch aus.", grinste er mich breit vom Pferd aus an, da zog ich meine Augenbrauen herauf.
"Ich bin dreckig."; informierte ich ihn.
"Dreck steht dir.", lachte er nur. "Du solltest es mal mit Quidditch versuchen, da wird man ständig dreckig.", ich grinste ein bisschen, weil er sich so blöd anstellte. "Wo ist dein Vater hin?", fragte er.
"Nur den vollen Eimer weg bringen.", antwortete ich brav.
"Glaubst du, er lässt dich gehen?", ich zog meine Augenbrauen herauf. "Was denn?"
"Was hast du vor?"
"Wie gut kennst du den Wald?", fragte er mich weiter aus und ich zuckte mit meinen Schultern.
"Nicht allzu gut. Wir sind nie weiter als bis zum Baumhaus gekommen.", er grinste breit.
"Ich will dir also etwas zeigen. Glaubst du, dein Dad lässt dich gehen?", fragte er wieder.
"Bist du besonders nett, weil ich dir Leid tue?", er schüttelte seinen Kopf. "Dad wird mich kaum gehen lassen, wenn er weiss, dass ich dann mit dir unterwegs bin.", erwiderte ich schliesslich hin und her gerissen.
Auf der einen Seite mochte ich es, Unkraut zu jäten und James und ich hatten bisher erst ein einziges Gespräch ohne Streit hingekriegt. Beziehungsweise, wir hatten gestritten - und uns dann aber vertragen. Das war vorher noch nie vorgekommen. Auf der anderen Seite hingegen wollte ich gerne mit und den Wald erkunden. Und James war sehr nett zu mir. Und er hatte mich auf die Wange geküsst. "Warum nicht?"; fragte er.
"Offensichtlich denkt er, du bist ein eingebildetes Prinzchen.", grinste ich jetzt. Er grinste zurück.
"Ja, diesen Eindruck macht man wohl hoch oben zu Pferde."; da stieg er ab und streckte sich ein bisschen. "Besser?", fragte er dann.
"Noch nicht ganz.", ich hob einen kleinen Klumpen Erde vom Boden und stand auf.
"Das würdest du nicht.", murmelte er und wollte einen Schritt zurück treten, stiess jedoch nur gegen das Pferd. "Mum wird dich suchen und finden und töten, die Sachen sind frisch aus der Wäsche."
Aber ich verrieb den Klumpen in seinem Gesicht. Er hatte seine Augen zusammen gekniffen und hielt mein Handgelenk fest, als er sich von dem Schock erholt hatte, dass ich Dreck in seinem Gesicht verrieb. "Besser.", meinte ich nun zufrieden.
Ich hatte noch nie so nah bei ihm gestanden. Uh, zumindest nicht ohne zwei Leute hinter mir, die versuchten, ihn zu retten. Er strich mit seinen Fingerspitzen über sein Gesicht und machte ein komisches Geräusch, während er seine Zähne fletschte, da kicherte ich ein bisschen. Das verging mir schlagartig, als er mir den überschüssigen Dreck, der auf seiner Haut geklebt hatte glatt wieder zurück ins Gesicht schmierte. Ich schrie auf und stürzte ins Beet, um mehr Dreck zu holen.
Es musste ein herrliches Bild gewesen sein, als mein Dad zurück kam lagen wir nämlich beide im Dreck und bewarfen uns mit Erde. "Was soll das denn?"; maulte der jedoch nur. James und ich sprangen auf und zeigten auf den jeweils anderen.
"Der hat angefangen!", sagten wir im Chor.
"Es ist mir egal, wer angefangen hat!"; sagte er nur und ein böser Blick traf mich. Ich verdrehte nur meine Augen und trat einen Schritt von James weg. Er zog seine Augenbrauen herauf. "Lily, mach keine Spässe mit mir!", ermahnte er mich.
"Ich habe sowieso keine Lust mehr. Kann ich duschen gehen?", erwiderte ich nur.
"Meinetwegen.", sagte er patzig. James grinste breit und rieb seine Hände, sodass der gröbste Dreck auf den Rasen rieselte. "Kann ich etwas für Sie tun, Mr Potter?"; fragte er dann barsch.
"Nicht doch, Mr Evans, Sie dürfen mich gerne James nennen. Wenn jemand Mr Potter sagt, dann drehe ich mich gerne um und fliehe, weil mein Vater irgendwo sein muss.", erwiderte er charmant. Ich - uh - musste ja selber zugeben, dass er charmant sein konnte, wenn er es darauf anlegte. Aber Dad verschränkte nur seine Arme.
"Ich kenne meinen Platz."; sagte er und ein weiterer Blick traf mich. "Und du solltest deinen auch kennen.", fügte er hinzu. Ich lief krebsrot an.
"Wir wollten nur-"
"Nein.", unterbrach er mich. "Nein, geh in dien Zimmer, Lily!", ich starrte ihn fassungslos an. Was war denn nur in ihn gefahren?
"Dad, ich bin volljährig."; erinnerte ich ihn.
"Nicht bei mir.", ich wurde wieder rot und blieb es diesmal. "Und ich weiss, was über diesen Potter-Jungen gesagt wird, da werde ich dir nicht auch noch erlauben, dich mit ihm auf romantischen Lichtungen herum zu treiben.", jetzt wurde endlich auch James knallrot in seinem dreckigen Gesicht.
"Dad!"; machte ich wütend.
"Ist doch so!"
"Das ist ganz und gar nicht so!", protestierte ich. "Und du hast kein Recht, so etwas zu sagen! Sev lobst du in den höchsten Tönen und hast keine Ahnung, was gewesen ist!", ich drehte mich mit fliegenden Haaren herum und liess die beiden Herren stehen. Mein Vater konnte so peinlich sein, dann hatte er urplötzlich fünf Minuten und wurde unausstehlich und unhöflich!
Ich ging also duschen und kletterte danach in das Baumhaus. Tatsächlich hockte dort wie erwartet James Potter. Er war noch dreckig und verschwitzt und knallrot im Gesicht. "Hey.", sagte er.
"Wie ging das zwischen euch aus?"; fragte ich schnaubend.
"Uh - er hat mir den Rücken zugedreht und weiter gearbeitet, da habe ich Waffel zurück in den Stall gebracht und bin her gerannt.", ich zog meine Augenbrauen herauf. "Du denkst doch nicht - uh - dass ich versucht habe, dich herum zu kriegen, oder?", ich verdrehte meine Augen.
"Wenn du das geplant hättest, dann könntest du es jetzt immer noch versuchen.", bemerkte ich trocken. Er grinste ein bisschen und richtete sich auf. Er sass auf der Bank. "Du hättest duschen gehen sollen, dann hättest du dir bessere Chancen ausrechnen können.", grinste ich jetzt weniger charmant. Er lachte leicht.
"Als ob du mit mir schlafen würdest.", meinte er nur.
"Aber da war eine romantische Lichtung zu der du mit mir gehen wollten?", er zuckte mit seinen Schultern und nickte mehr oder weniger.
"Ich hätte wohl nie romantisch gesagt. Es ist eben eine Lichtung und dort wachsen wilde Lilien und ich dachte, das würde dir gefallen.", meinte er frech. Ich lachte nun auch ein bisschen und setzte mich direkt neben ihn.
"Ich weiss gar nicht, was in ihn gefahren ist, er ist normalerweise gar nicht so.", maulte ich.
"Uh - was weiss er denn alles, was über mich erzählt wird?", fragte er und wurde noch einen Tick röter.
"Keine Ahnung. Ich weiss ja nicht einmal alles, was über dich erzählt wird.", erwiderte ich. "Was wird denn über dich erzählt?", er seufzte.
"...Zeug eben...", nuschelte er undeutlich - aber deutlich verlegen.
"Sag schon."
"Na... Uh, es wird erzählt, dass ich schweinische Vorlieben hätte." erklärte er. "So - uh - Dreier und solche Sachen.", ich runzelte meine Stirn.
"Und solche Sachen?", hakte ich nach.
"Ich glaube, ich habe uns schon genug in Verlegenheit gebracht, da muss ich nicht noch den Rest aussprechen.", erklärte er. "Jedenfalls wird eine ganze Menge Kram über mich erzählt und ich weiss nicht weshalb.", erklärte er schliesslich und fuhr über sein schmutziges Gesicht. "Wenn er das gehört hat, dann kann ich sogar verstehen, dass er es bedenklich findet, wenn ich in der Nähe seiner Tochter stehe."
"Jetzt hör aber auf. Nur weil du willst, heisst das noch lange nicht, dass ich auch nachgebe!", ermahnte ich ihn. Er grinste, aber das Grinsen war nur gelogen und sollte überspielen, dass er mir etwas verschwieg, was ich im Bezug auf unser Thema eigentlich hätte wissen sollen. Ich liess ihn erst einmal.
"Jawohl, das ist natürlich wahr.", eine Weile schwiegen wir, dann streichelte er wieder mit seinen Fingern durch meine Haare. "Also Snape und du, ihr wart Freunde, ja?", hakte er nach.
"Ja."
"Habt ihr euch mal geküsst?", ich verdrehte meine Augen. "Was denn? Ich frage ja nur..."
"Ja, wir haben ein paar mal...", ich wurde rot.
"Geknutscht."
"Ich hätte es nicht gemacht, wenn ich gewusst hätte, dass er sich dann in mich verliebt!", erklärte ich dazu.
"Liebes, jetzt mach dich nicht lächerlich. Jeder der mit dir knutscht würde sich in dich verlieben, du bist bezaubernd.", erwiderte er nur kopfschüttelnd. "Ich wette, sogar Sirius würde für dich schwärmen, wenn du mit ihm knutschst..."
"Unsinn!", protestierte ich.
"Doch, Lily!", erwiderte er. "Aber sonst wart ihr einfach nur Freunde?", ich nickte langsam.
"Ja.", antwortete ich und lehnte mich dabei zurück. "Es war ziemlich toll eigentlich, wir haben viele gleiche Interessen. Zaubertränke zum Beispiel. Oder Kräuterkunde.", er schnaubte.
"Aber im Gegensatz zu dir ist er ein Freak, Lily.", darauf schnaubte ich nur.
"Lass das."; ermahnte ich ihn. "Nicht jeder kann mit natürlichem Talent gesegnet sein, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten! Er ist eben schwierig, das gibt dir kein Recht, über ihn zu urteilen."; belehrte ich ihn.
"Aber man kann sich Mühe geben."; erwiderte er klug und ich biss auf meine Unterlippe. "Siehst du."
"Gehst du also mit mir zu der Lichtung?", fragte ich nur, ohne darauf ein zu gehen. Ich wollte jetzt nicht länger über Sev sprechen.
"Mh, von mir aus.", erwiderte er. "Soll ich noch rasch duschen gehen?", ich verdrehte meine Augen, da lachte er. "So habe ich das nicht gemeint. Ich rechne mir sowieso keine Chancen bei dir aus."; trotzdem streichelte er mit seinen schmutzigen Fingern nun über meine Wange. Sein Blick wurde etwas wärmer, sein Lächeln irgendwie abwesend. "Ich weiss, dass ich es versaut habe..."
"Weisst du, wenn du immer so nett zu mir wärst, dann könnten wir Freunde sein, James.", flüsterte ich verlegen und traute mich aber gleichzeitig trotzdem nicht, meine Haare vor seinen schmutzigen Fingern zu retten.
"Wirklich?"
"Wirklich.", gab ich zurück. Endlich liess er von meinen Haaren ab und seufzte tief. "Was?"
"Ich kenne meinen Platz."; murmelte er nur. Meinte er damit, dass ich nicht gut genug für ihn war? Wollte er damit sagen, dass ich die Tochter des Haushälters war und demnach nicht mit ihm befreundet sein konnte? Kam jetzt doch wieder seine hässliche, eingebildete Seite zum Vorschein? Enttäuscht drehte ich mich von ihm weg, da räusperte er sich. "So habe ich das nicht gemeint.", überrascht liess ich mich wieder neben ihn sinken. Woher wusste er das immer nur alles? Er sah durch mich hindurch, als wäre ich transparent!
"Wie hast du es dann gemeint?", fragte ich nach.
"Nicht so.", flüsterte er betreten. "Ich kann dir nicht erklären, wie ich es gemeint habe, aber sicher nicht so. Lily, ich würde gerne mit dir befreundet sein. Weisst du, so wie dir eine männliche Meinung fehlt, seit Sev weg ist, so fehlt mir eine weibliche Meinung...", ich schnaubte.
"Ich muss dich enttäuschen. Du kannst alle meine Freundinnen fragen, ich habe keine weibliche Meinung zu bieten.", kommentierte ich trocken und plötzlich grinste er wieder ein bisschen.
"Nun, weiblicher als: Trink einen Feuerwhisky, dann sieht die Welt wieder anders aus wird es wohl allemal sein.", beruhigte er mich. Ich grinste auch und in einem Anfall geistiger Umnachtung küsste ich ihn auf die Wange. Seine Gesichtsmuskerln wurden einen Moment ganz schlaff, dann fing er sich wieder und räusperte sich. "Wofür war das?", fragte er. Ich zuckte mit meinen Schultern.
"Keine Ahnung. Du bist schwer in Ordnung.", grinste ich verlegen und stand auf. "Und jetzt zeigst du mir diese Lichtung."; bat ich ihn.
"Die wilde Lilie will zu ihren Artgenossen. Umso lustiger ist es."
Die Lichtung war schön. Tatsächlich wuchsen dort wilde Lilien am Rand, ein kleiner Bach floss an der anderen Seite und Trauerweisen schirmten sie ab. Wir lagen auf dem Rücken und sahen uns die Sterne an, als er sich endlich wieder räusperte. Genau genommen war es gar nicht unangenehm gewesen, eine Weile zu schweigen, wir hatten so viel geredet den ganzen Nachmittag lang, dass es mir fast vorkam, als hätten wir kein Gesprächsthema mehr, über das es noch zu reden gab. Aber nun holte er Luft. "Es ist schön, hier mit dir zu liegen.", sagte er leise. Ich drehte mich überrascht zu ihm und sah in sein friedliches Gesicht. Seine Augen waren geschlossen.
"In der Tat, wir kommen sehr gut miteinander aus.", seitdem wir die Dreck-Schlacht beendet hatten. Ich war zwar erst duschen gewesen, aber hatte trotzdem nicht widerstehen können, so langen wir beide wieder über und über mit Schmutz und Dreck bedeckt nebeneinander. "Es macht wirklich Spass mit dir, ich hätte ja nicht gedacht, dass du so ein netter Kerl bist.", grinste ich hinterher. Er schnaubte.
"Weisst du, darüber haben Sirius und Dad letztlich diskutiert.", erzählte er. "Anscheinend bist du an Dad vorbei gestürmt, nachdem wir uns am Zug verabschiedet haben und hast etwas über einen eingebildeten, arroganten Affen gemurmelt.", ich wurde rot.
"Tja, deine Abschiedsworte waren Vermiss mich nicht zu sehr, Evans."; erinnerte ich ihn. Er grinste leicht.
"Jedenfalls hat Dad sofort daraus geschlossen, dass du Lily Evans bist, Sirius hatte mal von dir erzählt, und dich über mich ärgerst.", ich runzelte meine Stirn.
"So? Und was hat das damit zu tun, dass du jetzt doch ein netter Kerl bist?", hakte ich nach.
"Nun, als Sirius das neue Haus gesehen hat, da meinte er, ich sollte doch mal versuchen, dir mitzuteilen, wie unverschämt reich meine Eltern sind, um dich rum zu kriegen. Dad erwiderte, dass mir das wohl nicht helfen würde, weil das Geld erst mir gehört, wenn sie tot sind und ich sollte versuchen, dich davon zu überzeugen, dass ich eben ein netter Kerl bin. Und Sirius, die grosse Stütze, die das Leben mir zur Seite gestellt hat, meinte nur: Er ist aber kein netter Kerl, er ist James.", ich kicherte.
"Was hat dein Dad erwidert?"; nun schnaubte er.
"Irgendetwas muss es doch geben.", machte er seinen Vater mit etwas tieferer Stimme nach und wackelte dabei ein bisschen mit dem Kopf. Ich lachte und rollte wieder auf meinen Rücken. Er räusperte sich. "Aber du bringst immer das Beste in mir zum Vorschein.", flüsterte er dann.
"Wieso das denn?", fragte ich neugierig.
"Du warst Jahrgangsbeste in der dritten Klasse. Und da ich bisher besser als du gewesen war, hat mich das - uh - angespornt. Ich wollte dich in Grund und Boden lernen."; grinste er verlegen. "Aber als ich gesehen habe, dass du es gar nicht darauf anlegst, sondern eben einfach nur klug und fleissig bist, da habe ich mir angestrengt, dir ebenbürtig zu sein.", kopfschüttelnd drehte ich mich jetzt auf den Bauch. In der ersten Sekunde wollte ich wieder von ihm weg rücken, weil wir jetzt nahe beieinander lagen, aber er streichelte über meine Wange und da konnte ich einfach nicht mehr.
"Aber-"
"Und du hattest Recht. Ich habe meine Magie ausgenutzt um mich zu amüsieren und mich an Schwächeren vergriffen.", seine Stimme war ganz tief und ernst. "Aber ein grosser Zauberer setzt nur Magie gegen einen anderen Zauberer ein, wenn er muss. Nicht, um irgendjemanden lächerlich zu machen oder sich zu behaupten. Es ist wichtig, Verantwortung zu übernehmen.", ich räusperte mich.
"Du bist so erwachsen geworden.", murmelte ich verlegen.
"Nein.", murmelte er zurück und jetzt drehte er sich direkt zu mir. "Das ist das Beste, was du in mir zum Vorschein gebracht hast. Sirius ist momentan nicht so gut auf dich zu sprechen, weil du ihm seinen Spielkameraden verdorben hast."
"James, du versuchst doch nicht, mich rum zu kriegen, oder?", flüsterte ich. Meine Hände zitterten und ich hatte das Gefühl, dass - was auch immer er vor hatte - es funktionieren würde. Wir waren uns so unendlich nahe und vielleicht würde er mich jetzt küssen und ich wusste, wenn er mich jetzt küssen würde, dann würde ich ihn zurück küssen. Unwillkürlich dachte ich daran, dass er schon Sex gehabt hatte. Und dass er vielleicht Sex mit mir wollte. Und dass ich nicht mehr wusste, wie man schimpfte, sich wehrte oder weg rannte. Weil ich es ja vielleicht auch wollte.
Aber er seufzte nur und fiel wieder zurück auf seinen Rücken. "Nein.", sagte er. "Ich will mich mit dir anfreunden. Ich will einfach nur dein Freund sein.", ich wurde knallrot und schloss meine Augen. Er hatte mich abgewiesen. Wie peinlich. Ob er wohl gemerkt hatte, dass ich vielleicht sogar nachgegeben hätte?
"Willst du zurück gehen?", fragte ich tonlos.
"Eigentlich ist es sehr schön mit dir hier.", meinte er verwirrenderweise. Wollte er jetzt oder wollte er nicht?
Wieso wollte ich so plötzlich? Kopfschüttelnd richtete ich mich auf. "Was, wenn es hier wilde Tiere gibt?", fragte ich.
"Ich kann ganz gut mit wilden Tieren.", erwiderte er nur und streckte sich dabei bequem. "Wirklich, mach dir keine Sorgen, Liebes.", mit der nächsten Bewegung hatte er seine Arme um mich gelegt. "Aber kühl wird es langsam."
"Du riechst nach Dreck.", wich ich aus.
"Und du auch, demnach wird es dir kaum auffallen.", meinte er, sein Kinn ruhte jetzt auf meinem Hinterkopf und irgendwie war das - uh - schön. Es fühlte sich nett an. Er wollte mir nah sein. "Hat Snape dich nie in den Arm genommen?", fragte er nach einer Weile.
"Wieso willst du immer mit mir über ihn reden?"; fragte ich zurück.
"Weil es mich interessiert. Snape und ich können uns ganz und gar nicht leiden, aber bei dir hatte er irgendwie einen Sonderstatus. Ich möchte wissen, wie er so sein kann, wenn er jemanden gut leiden kann.", ich zuckte mit meinen Schultern.
"Nun, früher haben wir ganz oft so zusammen gelegen. Dann haben wir gelesen oder einfach nur geredet oder manchmal auch geschlafen.", erzählte ich. "Und - uh - eben, in der Fünften haben wir ein paar Mal geknutscht. Ich fand es eher harmlos, aber anscheinend..."
"Eine Frage stellt sich mir.", erklärte er. "Ist dir nie in den Sinn gekommen, dass er in dich verliebt sein könnte? Ich meine... Jungs sind meistens nicht so gut darin, das zu verstecken.", ich seufzte.
"Doch, wenn ich ehrlich bin, dann wusste ich es schon eine Weile.", murmelte ich. "Und ich dachte anfangs sogar, dass ich dann ja auch in ihn verliebt sein müsste. Aber ich war einfach nicht in ihn verliebt. Danach wurde es komisch zwischen uns.", er atmete tief und ich fragte mich, was wohl in seinem Kopf vor sich ging, aber er fragte mich nur weiter aus.
"Wieso komisch?"
"Na ja...", flüsterte ich zögerlich. "Ich hielt es für klüger nicht mehr mit ihm herum zu knutschen.", gab ich zu. "Weil ich nicht in ihn verliebt war und er aber in mich. Und ich habe mich nicht getraut, es an zu sprechen und er wollte...", ich wurde rot, als ich an unsere letzte Begegnung vor dem Abend am See dachte.
"Was wollte er?"; fragte James.
Ich musste mich räuspern. "Nun, er wollte eben knutschen und - uh - Sachen mit mir machen. Und ich wollte aber nicht und dadurch wurde es komisch zwischen uns.", wich ich aus. Er ging nicht mehr darauf ein und dafür war ich ihm sehr dankbar. Er seufzte nur.
"Es ist schwierig, wenn der eine mehr als der andere empfindet und das nicht akzeptieren kann.", meinte er einfach und drückte einen keuschen Kuss auf meine Haare, dann liess er mich los. "Es ist doch zu kühl, wir sollten zurück gehen, ehe wir uns den Tod holen.", ich nickte langsam und wir machten uns fertig um zu gehen.
Den längsten Teil des Weges schwiegen wir nur betreten, dann seufzte James. "Was?", fragte ich.
"Ich habe dich in Verlegenheit gebracht.", murmelte er.
"Nur ein bisschen, es ist nicht allzu schlimm.", wollte ich ihn sofort beruhigen.
"Nein, es tut mir Leid.", erwiderte er sofort. "Sieh mal, ich bin ein bisschen unbeholfen, was Mädchen angeht. Wenn ich dir zu nahe trete, dann darfst du mir das sagen, okay? Ich möchte wirklich dein Freund sein. Ich weiss, ich war lange in dich verknallt und habe dich gejagt, aber - uh - jetzt nicht mehr. Aber ich weiss, dass du trotzdem zu uns gehörst. Remus und Sirius und Peter wissen es auch, du bist einfach etwas besonderes und - uh - Marlene und du, ihr gehört in unsere Gruppe. Irgendwie. Entfernt. Ich weiss nicht, was ich da rede.", er stöhnte.
"Schon gut, James.", murmelte ich. "Wirklich, es ist okay, du hast mich nicht mehr als sonst in Verlegenheit gebracht.", er nickte und verschränkte seine Arme. "Und ich weiss zwar nicht genau, wie du das meinst, aber Marlene und ich, wir mögen euch schon irgendwie. Ihr seid nur so unnahbar, weil ich so zufrieden mit eurer Gruppe seid.", er nickte.
"Ich weiss.", gab er zu. Eine Sekunde brauchte er, dann lachte er. "Ihr mögt uns schon irgendwie.", wiederholte er. Ich grinste verlegen. "Super, das klang sehr ermutigend.", zog er mich auf.
"Ja, ja...", endlich waren wir an Dads und meinem Häuschen. Er strich über meine Wange und küsste sie dann. Ich wurde ganz rot.
"Oh.", murmelte er, als er das bemerkte. "Wenn ich dir mit solchen Sachen zu nahe trete, darfst du mir das auch sagen. Ich... Tja, ich bin ein sehr physikalischer Mensch, ich drücke meine Zuneigung durch Körperkontakt aus.", umso röter wurde ich, da grinste er. "Schulterklopfen bei den Jungs, Küsse auf die Wange bei den Mädchen.", erklärte er.
"Oder Umarmungen."
"Hier und da kriegt Sirius eine Umarmung von mir. Sehr kurz und sehr männlich.", grinste er. Ich grinste zurück. "Wie gesagt, wenn du das nicht willst-" im nächsten Moment war ich einen Schritt auf ihn zu getreten und hatte meine Arme um ihn geschlungen. Er versteifte sich einen Moment, dann legte er seine Arme zögerlich auf meinen Rücken und wir umarmten uns
