Titel: Ein Leben wie die Zukunft

Autor: Momixis

Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"

Kapitel: 1

Teil: 2/9

Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)

Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….

Inhalt: Harry ist im 7. Schuljahr und will nach Dumbledores Tod nur noch den Krieg beenden, aber was wird er dafür opfern und wird er mit den Verlusten leben können? Wird er die Kraft und das Wissen dazu haben erfolgreich zu sein? Und welche Rolle werden Snape und Malfoy einnehmen?

MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!


Teil II

Tödlicher Himmel

Kapitel 1

Jauchzendes Himmelhoch

Er drehte sich auf den Rücken und stöhnte auf.

Nicht, weil er solche Schmerzen hatte, sondern weil die Helligkeit in seinen Augen brannte. Und dabei waren diese noch immer geschlossen. Sein Kopf dröhnte, als hätte er das Wochenende durchgemacht, aber er konnte sich nicht an etwas Ähnliches erinnern. Er wusste nur, dass er keine Ahnung hatte, woher die Schmerzen kamen und warum.

Er hob mühsam seine rechte Hand und legte sie auf die Augen um sie vor dem Licht zu schützen. Es war ein vergeblicher Versuch, denn noch immer war es verteufelt hell, aber das teuflische Stechen ließ wenigstens ein wenig nach.

Langsam begann auch sein Kopf wieder die ihm zugeteilte Arbeit ordnungsgemäß aufzunehmen, denn ihm kam die wesentliche Frage in den Sinn: Wo war er?

Die spontane Antwort darauf war, dass er keine Ahnung hatte, aber da er noch immer nicht die Augen aufbekam versuchte er der Lösung auf logischer Art näher zu kommen.

Ihm war aber kein Ort bewusst, wo das Licht so erbarmungslos und direkt schien, ohne eine angenehme Wärme auf der Haut zu hinterlassen. Egal wo er war, hier war es recht kühl und unangenehm. Nicht kalt, dass man fror, aber kühl genug, dass man sich nicht wirklich wohl fühlen konnte. Harry kannte keinen Ort, der diese Eigenschaften erfüllte.

Noch immer mit geschlossenen Augen versuchte er sich zu erinnern, was in den letzten Stunden passiert war. Vielleicht würde dies ihm über seinen momentanen Aufenthaltsort Aufschluss geben? Wichtige Antworten, auf die er nicht wirklich länger warten wollte.

War dies vielleicht eine Halluzination, oder ein Traum? Lag er vielleicht im Krankenflügel von Hogwarts?

Ein heißer Strom der Freude durchströmte ihn bei diesem Gedanken, bis ihm bewusst wurde, dass es zwar manchmal sehr hell im Krankenflügel war, aber nie grell. Und ihm war leider auch bewusst geworden, dass er nicht in einem Bett lag. So musste er auch alle anderen Orte, die er kannte ausschließen, auch das St. Mungo…

….

Mit einem plötzlichen Ruck saß Harry aufrecht und riss die Augen weit auf. Schnell musste er sie allerdings wieder schließen und erst nach langer Eingewöhnungszeit hatten sie sich etwas an die Helligkeit gewöhnt. Mit zusammengekniffenen Augen saß er da und blickte ins Nichts.

„Scheiße!" fluchte er laut. Mit einem gewaltigen Schwall waren die jüngsten Erinnerungen zurückgekehrt. Und mit ihr auch der Schmerz und die Verzweiflung. Alle waren weg.

Er hatte alle verloren. Seine Freunde waren ihm gefolgt und in den Tod gegangen, um für den Frieden zu kämpfen. Es war für Harry unmöglich das Handeln seiner Freunde zu verurteilen, da er vermutlich genauso gehandelt hätte. Sie hatten gewusst, auf was sie sich eingelassen hatten und Harry hatte gewusst, dass Hermione einen Weg finden würde, um ihm zu folgen. Vielleicht hatte er sogar insgeheim darauf gebaut… denn ohne sie hätte er es nicht geschafft… die Todesser hätten nicht ruhig zugesehen, wie Harry Voldemort bekämpfte. Sie hielten nichts von Gerechtigkeit und Anstand.

Aber jetzt war es vorbei… Remus hatte ihm doch gesagt, dass Voldemort tot sei… für immer weg… Frieden… in der Zaubererwelt, wie auch in der Muggelwelt… fürs Erste… aber… Remus… St. Mungo… Krankenbett… Schmerzen… Abschied…Tränen…

Er hatte sich von Remus verabschiedet. Wenigstens das hatte er noch richtig machen können. Aber dies bedeutete auch, dass er tot war, oder?

Harry blickte sich nun erstmal genauer um.

Er lag in einem …

… Raum.

Die weißen Wände schienen allerdings nicht aus einem sehr materiellen Stoff zu bestehen. Vielmehr sahen sie wie gebündeltes Licht aus und der Boden war fester … Nebel. Vielleicht auch Watte, aber dafür war er eigentlich wieder zu gasförmig.

Harry fühlte sich hier nicht wohl. Der Boden schien, als ob man jederzeit hindurch fallen könnte und dies behagte Harry gar nicht. Er stand eigentlich ganz gerne mit beiden Füßen auf festem Boden oder hatte beim Fliegen gerne die Kontrolle über seine Position zwischen Himmel und Erde. Hier hatte er weder das eine, noch das andere. Es war ihm sehr suspekt.

Harry bewegte sich entsprechend vorsichtig und skeptisch. Er traute sich fast nicht, einen Schritt vor den anderen zu machen und runzelte argwöhnisch die Stirn. Die Lichtwände waren einheitlich hell und zeigten keine Unterschiede. Keine Fenster oder Türen, geschweige denn Bilder waren zu sehen und Harry beschloss diesen extrem hellen Raum nicht zu mögen.

Er kannte mittlerweile viele ungemütliche Räume oder Kellergewölbe, aber dieser Raum war einfach nur kalt. Er wirkte steril, grell und leblos. Ja, selbst die „Kammer des Schreckens" oder wie er sie gerne nannte „Die Kammer von Slytherin" hatte etwas Leben verströmt, auch wenn es nur Ungeziefer und ein Basilisk waren, so war dort Leben gewesen. Leben und eine Geschichte… sie war alles andere als neutral gewesen…

Schon nach diesen wenigen Minuten des Herumsehens taten Harry die Augen weh und die Gewissheit, dass dies nicht die Erde sein konnte machte es nicht einfacher. Die Gewissheit, was passiert war, erschlug ihn fast, aber es war unwiderruflich wahr…

Er war tot.

Leblos – ohne Leben – absolut tot – mausetot – er existierte nicht mehr

Noch zu gut konnte er sich an die körperlichen und seelischen Schmerzen erinnern. Remus war an seiner Seite gewesen. Der Werwolf war der einzige der heil und gesund aus dieser letzten Schlacht des Krieges gekommen war. Der einzige den Harry zu seiner Familie zählen konnte, der am Ende noch bei ihm war bzw. sein konnte. Alle anderen waren tot oder verhindert.

Und nun war er alleine. Er war tot. Leblos. Ohne Leben.

Tot

Wenn er tot war, dann musste er hier im Himmel oder etwas ähnlichem sein. Aber bei aller Fantasie (und Hermione hatte ihm oft genug vorgeworfen, dass er eine zu blühende Fantasie hatte), so hatte er sich den Himmel nie vorgestellt. So kalt, so leer, so… so eintönig… so langweilig…

Aber „Himmel" - oder wie man dies auch immer nennen konnte-, bedeutete, dass seine Eltern hier sein mussten und … Sirius.

Ein unbeschreibliches Glücksgefühl durchströmte ihn und erweckte sämtliche Lebensgeister neu. Mit dem neuen Elan straffte Harry sich und sah sich jetzt noch genauer um. Er war hier allein in diesem großen Raum. Etwa acht mal acht Meter „Lichtwand" umschlossen ihn und es gab kein Entkommen, da eine Tür noch immer fehlte. Er war eingeschlossen…

Etwas missmutig trat Harry näher an die Wand heran, denn alles war so einheitlich hell, dass es ihm schon vor den Augen flackerte. Er hob die Hand, um die Wand genauer untersuchen zu können, aber er zog sie schnell wieder zurück.

Er kaute auf seiner Unterlippe, als er wieder nach der Wand griff, die eine unangenehme Kälte ausstrahlte und in dem Moment, wo Harry sie eigentlich berühren müsste, spürte er die Kälte auch körperlich. Wie kleine Eiskristalle zerstach die Kälte die Haut... hinterließ aber keine Verletzungen…

Es war alles andere als angenehm, auch wenn es nicht zu Verletzungen kam, aber vor Schreck hatte Harry sich zu fest auf die Lippe gebissen und ein kleiner roter Blutstropfen schien sich an seiner Unterlippe zu entwickeln. Harry beachtete dies nicht weiter. Er leckte sich geistesabwesend über die Lippen und das Blut verschwand.

Missmutig sah Harry die weiße Wand an. Er fühlte sich eingesperrt und eingeengt. Sehr schnell kam er zu der Erkenntnis, dass er diesen Umstand auf den Tod nicht ausstehen konnte. Die Ironie dieses Gedankens kam ihm allerdings nicht in den Sinn. Damals als Kind wurde er in den Schrank unter der Treppe gesperrt, jetzt wollte er diese Prozedur nicht wiederholen. Auch wenn der neue Schrank relativ groß war. Er wollte frei sein…

Tief seufzte Harry. Er würde sich dann mal auf den Weg hier raus machen. Er holte Luft und nahm seinen Mut zusammen. Er wollte gerade durch diese luftig kalte Wand fassen, als eine hohe Stimme ihn innehalten ließ. Die Stimme war kalt und arrogant. Harry musste sofort an Malfoy denken, aber selbst dessen Stimme hatte sich nie sooo arrogant und überheblich angehört.

Bei der Kälte allerdings konnte der Blonde gut mithalten, aber bei der Arroganz könnte er hier noch etwas lernen, dachte sich Harry insgeheim. Außerdem fehlte eindeutig das angewiderte „Potter" am Ende des Satzes. Und Harry musste gegen seinen Willen schmunzeln. Erinnerungen an ne heil Welt, waren so wenig, dass er an jeden Faden festhalten wollte.

„Da ist einer ja endlich erwacht! Kommen Sie mit." Der schmale Mann stand drei Meter von Harry entfernt. Die Brust weit herausgestreckt und die Nase so hoch, als wenn er der König dieses Himmelreiches war. Aber für Harry war sofort klar, dass dieser Kerl keinen Grund für so eine Arroganz hatte.

Harry glaubte nicht, dass dieser Kerl hier wirklich etwas zu sagen hatte. Er war etwa 45 Jahre alt, aber Harry konnte schlecht Alter schätzen. Vielleicht war er schon älter, denn er hatte überwiegend graue Haare, die extrem ordentlich und mit viel Gel nach hinten gekämmt waren. Die Bezeichnung „Mollig" wäre beim ihm etwas harmlos gewesen. Er trug eine weiße Stoffhose, die unansehnlich über seinen dicken Bauch spannte, und ein hellgelbes Hemd. Ohne Magie wäre es vermutlich nicht möglich diese Kleidung an Ort und Stelle zu halten, da weder Knöpfe noch Bänder zu sehen waren.

Erst jetzt bemerkte Harry, dass auch er selbst eine vergleichbare Hose trug. Sein Hemd war allerdings schneeweiß und ohne Knöpfe wirkte es sehr altmodisch. Trotzdem hoffte er, dass es an ihm einwenig besser aussah…

Während Harry noch dabei war die neue Situation zu erfassen, war der Mann schon wieder durch die Wand hindurch getreten und dahinter verschwunden. Nach kurzem Zögern folgte Harry ihm. Es war eine sehr unangenehme Erfahrung durch die Wand zu gehen. Als wenn alle seine Glieder kurz einfrieren würden, um dann zu schnell aufzutauen. Angewidert schüttelte Harry sich und strich seine Arme auf und ab. Dieses Gefühl der Kälte war so etwas von Ekel erregend, dass Harry jetzt ernsthafte Zweifel bekam, ob dies wirklich der „Himmel" sein konnte. Könnte dies die Hölle sein?

Das gehässige Lächeln von dem Mann erwiderte Harry nur mit einem kalten Blick. Es gefiel ihm hier immer weniger und dieser Mann machte es nun wirklich nicht besser. Schweigend ging der Kerl voran und Harry folgte brav. Er hatte nicht vor hier sofort einen schlechten Eindruck zu hinterlassen, aber es fiel ihm erstaunlich schwer freundlich zu bleiben.

Sie gingen einen langen Gang entlang, der wie der Raum eben aussah, nur dass dies ein sehr langer Gang und kein Raum war. Viele schmalere Wege gingen von ihm ab und alle sahen gleich aus.

Ab und zu bogen sie in einen anderen Gang ein, Harrys Leiter ging voran, er schien genau zu wissen, wo es lang ging. Aber er sagte nichts. Auch nach 10 Minuten schwieg er noch und Harry hatte genug.

Er zischte mehr, als das er sprach: „Wären Sie vielleicht so freundlich mich darüber aufzuklären, wo ich mich zurzeit befinde, wohin Sie mich bringen und vielleicht auch wer Sie sind?!" Harry versuchte zwanghaft freundlich zu bleiben, aber er mahlte heftig mit den Zähnen, um eine etwas aggressivere Aussage zu vermeiden.

Als Harry nach drei Minuten mit keiner Antwort mehr rechnete, sprach der Mann kühl und hochnäsig. „Ich bin Tederus, ein Engel der ersten Klasse. Alle weiteren Angaben werden Sie erhalten, wenn es soweit ist…"

Das sich bei dieser Aussage Harrys Gesicht schlagartig weiter verdüsterte, machte Tederus nichts aus. Er sprach einfach weiter und blickte mehr zur weißen Decke als zum Boden und schon gar nicht zu Harry.

Harry wurde durch diese Aussage unweigerlich an sein fünftes Schuljahr erinnert. Nicht nur dieses „Klassendenken", sondern auch das hinauszögern von wichtigen Informationen. Leise grummelnd und böse Blicke auf Tederus schießend folgte Harry ihm aber artig.

„… ich bringe Sie zur Abteilung ‚Schutzengel', wo Ihnen alle weiteren Fragen beantwortet werden. Sie sollten höflicher sein…"

Harry hörte nicht mehr weiter zu, er stolperte kurz, konnte sich aber schnell wieder fangen. Total schockiert entkam ihm: „Ich will kein Schutzengel werden!" Ihm war nämlich absolut klar, dass genau das auf ihn zu kommen sollte. Woher er es wusste, konnte er nicht sagen. Es war einfach ein sicheres Gefühl.

„Es werden welche gebraucht und so werden auch Sie diese Aufgabe zugeteilt bekommen", sprach der Mann hart und duldete eindeutig keine Widerworte.

Aber Harry Potter wäre nicht Harry Potter, wenn er einfach auf jemanden hören würde. Schon bei den Dursleys nicht und auch in Hogwarts gehörte dies nicht zu seinen Grundeigenschaften, dafür war er dann wohl doch zu sehr Slytherin.

„Ich sehe es überhaupt nicht ein, für irgendjemanden den Schutzengel zu spielen. Mein Beitrag an die Zauberergesellschaft und die Erdbevölkerung habe ich schon zu genüge bezahlt und nun will ich meine Eltern sehen." Harry hatte kein Verständnis für diese Art von Aufgaben und reagierte entsprechend patzig. Hatte Dumbledore nicht gesagt, dass der Tod das nächste große Abenteuer ist?!

Harry schnaubte.

Er fühlte sich behandelt wie ein Teenager, nicht wie ein Erwachsener, der Voldemort getötet hatte. Nicht wie ein Erwachsener, der durch die Hölle gegangen war. Nicht wie ein Erwachsener, der Alles hinter sich gelassen hat, nur um dieses eine Ziel zu erreichen. Harrys Laune verschlechterte sich entsprechend.

„Dies müssen Sie nachher mit Ihrem Sachbearbeiter regeln, nicht mit mir", war die kalte Antwort. „Und nun folgen Sie mir schweigend, wir wollen die anderen nicht stören!" Die Betonung lag eindeutig beim ‚Schweigen'. Die Schritte waren sehr zielgerichtet und steif.

Missmutig folgte Harry und er schwieg nur, weil er sich erhoffte, dass dieser ‚Sachbearbeiter' ihm helfen würde. Außerdem brauchte er die Ruhe um sich darüber Gedanken zu machen, ob er es wirklich bis zum Sachbearbeiter riskieren wollte. Er dachte nach, welchen Weg er jetzt einschlagen sollte, denn ihm war dieser Ort und diese ‚Engel' nicht geheuer. Aber Harry wusste auch, dass er für eine Entscheidung womöglich nicht mehr viel Zeit hatte.

Wenn Harry gegen den Sachbearbeiter nicht ankommen sollte, dann würde er ein Schutzengel werden. Und auf diesen Job hatte Harry echt keinen Bock. Nicht den geringsten.

Hatte er nicht schon genug für andere Menschen getan? Nicht schon genug gelitten und verzichtet? Sein ganzes Leben war von den Erwartungen der Gesellschaft bestimmt worden und nun sollte er sich wieder unterordnen? Wieder das Leben der anderen retten?

Harrys Stirn legte sich in Falten und er wusste, dass alles besser wäre, als ein Schutzengel zu werden. Vielleicht würde Harry später Mal freiwillig als Schutzengel arbeiten wollen, aber nicht jetzt. Er wollte frei sein. Und das nicht erst irgendwann, sondern JETZT.

Er wollte seine Eltern treffen und kennen lernen. Er wollte zu Sirius und sich bei Hermione entschuldigen und gleichzeitig bedanken. Er hatte viel hier im ‚Himmel' vor, aber Tederus stand ihm da wohl voll im Weg.

Was sollte er bloß tun? Einfach abhauen?

Dies wäre wohl die einfachste Lösung, allerdings hatte Harry nicht die geringste Spur einer Idee, wohin er denn abhauen sollte. Er wusste nun mal nichts von diesem Ort hier.

Vorerst folgte Harry Tederus und sah sich jetzt allerdings aufmerksam um. Vielleicht würde sich ja eine Situation zur Flucht ergeben. Jedenfalls hoffte Harry dies aus tiefsten Herzen.

Ein deprimierter Seufzer begleitete diesen Gedanken.


Tbc.