Kapitel 2. Immer wachsam

Harry wachte abrupt auf und sah eine verschwommene Gestalt, die sich über ihn beugte. Er richtete eine Hand auf sie und rief: „Stupor!"

Die Gestalt duckte sich und rief: „Stopp! Ich bin es, Remus."

Er ließ den nächsten Zauber, der ihm auf den Lippen lag, unbeendet, als die Worte seine schlaftrunkenen Gedanken erreichte. „Remus?", fragte Harry und rieb sich die Augen. „Was machst du hier?"

„Ich komme gerade von einem Ordenstreffen", sagte Remus ruppig. „Steh auf und zieh dich an; wir müssen reden." Er drehte sich um, verließ das Zimmer und ließ Harry verwirrt zurück. Als seine Zimmertür sich schloss, schwang Harry seine Beine aus dem Bett und setzte sich auf. Nach einem kurzen Trip zur Toilette zog er ein Paar Hosen und ein Oberteil an und ging dann hinaus, wo er Remus am Türrahmen zwischen Küche und Wohnzimmer gelehnt fand.

„Was ist los?", fragte Harry ihn, der begann, sich Sorgen zu machen. Was konnte passiert sein, dass Remus so zu ihm kam? „Ist etwas passiert?"

Remus drückte sich von der Wand weg: „Ja, es ist etwas passiert. Du bist blutüberströmt in St. Mungos hineingestolpert, eine bewusstlose Frau tragend, und bist dann verschwunden, ohne medizinische Hilfe für dich selbst in Anspruch zu nehmen. Du bist herumgerannt und hast im Alleingang gegen Todesser gekämpft und dich beinahe dabei umgebracht."

„Mir geht es gut", protestierte Harry. „Ein bisschen angekratzt. Wie du sehen kannst war es nichts, um was ich mich nicht selber kümmern konnte."

„Das ist nicht der Punkt", konterte Remus hitzig. „Du musst aufhören, alles selber machen zu wollen. Dafür bin ich da, weißt du, um dir zu helfen. Das ist der Grund, warum du dich mit Dora triffst. Es ist dumm und verantwortungslos, immer wieder alleine dort hinauszugehen."

„Was soll ich sagen, Remus?", fragte Harry und hielt seine Hände leicht flehend vor sich hoch. „Ich hatte nicht die Zeit, um dich zu suchen. Der einzige Ort, von dem ich weiß, dass ich nach dir suchen kann, ist Grimmauldplatz, und etwas sagt mir, dass ich von dort nicht wieder so einfach verschwinden könnte."

„Wenn ich gewusst hätte, dass du etwas planst, hätte ich mir vielleicht etwas einfallen lassen können, wie wir miteinander kommunizieren können", tadelte Remus. „So, wie es ist, war ich so überrascht wie alle anderen, zu lernen, was du gemacht hast."

Bevor Harry antworten konnte, ging der Alarm los und er drehte sich zur Karte um. „Warte Harry", rief Remus und packte ihn am Arm, als er die Karte absuchen wollte. „Das ist der andere Grund, warum ich gekommen bin. Dumbledore stellt dir eine Falle."

Harry blieb einen Moment lang wie erstarrt stehen, bevor er sich wieder zu Remus wandte: „Er stellt mir eine Falle?"

„Obwohl deine Schüler entweder unwillig oder nicht in der Lage gewesen sind, von den Portschlüsseln zu sprechen," erklärte Remus „hat Dumbledore es schnell herausgefunden und begonnen, die benutzten Halsketten zu konfiszieren, um sie zu untersuchen. Er hat den Orden informiert, dass er sich recht sicher ist, dass du die Nutzung der Portschlüssel verfolgst und es wurden Pläne entworfen, um dir eine Falle zu stellen. In dem Moment, in dem du erscheinst, wird er Antiapparier- und Antiportschlüsselschutzzauber aktivieren."

Als er auf den blinkenden Namen auf der Karte schaute, wuchs Harrys Ärger. „Ich nehme an, dass Hermine nur zu gerne geholfen hat", murmelte er zu sich selbst, bevor er sich wieder an Remus wandte und sagte: „Wenn ich nicht auftauche, wird er dann nicht eine undichte Stelle im Orden vermuten?"

Remus nickte bedächtig: „Ja, das ist wahrscheinlich."

„Also gut, ich bin dann in ein paar Minuten wieder da", sagte Harry.

„Warte!"

„Wir dürfen nicht zulassen, dass du im Orden verdächtigt wirst." meinte Harry verärgert. Remus seufzte schwer und Harry wusste, dass er gewonnen hatte. „Ich werde vorsichtig sein, ich verspreche es. Jetzt warte hier." Er apparierte in eine Gasse mehrere Häuser von Hermines Haus entfernt und schlich sich leise zum Anfang der Gasse, um einen guten Blick auf das Haus der Grangers zu bekommen. Er fühlte nur eine magische Präsenz in der Umgebung und es war eine, die er wiedererkannte. Harry schüttelte den Kopf. Er konnte nicht fassen, das Dumbledore keine Verstärkung mitgebracht hatte. Hatte der alte Mann bereits Harrys Flucht aus seinem Büro vergessen?

Harry seufzte, verließ die Gasse und ging auf dem Fußgängerweg hinunter zum Haus. Dumbledore musste ihn zumindest hier sehen, bevor Harry wieder entkommen konnte. Als Harry sich näherte, spürte er eine hohe Magiekonzentration um das Haus und dem Grundstück der Grangers herum. Am Rand des Grundstücks fühlte er etwas, von dem er glaubte, dass es ein Muggleverwirrzauber war, der Muggel davon abhalten sollte, etwas Ungewöhnliches zu bemerken. Auf dem Haus dagegen lagen eine ganze Schar von Zaubern. Harry hielt inne, um ein Gefühl für die Magie zu bekommen und erkannte, dass Hermines Zuhause in ein richtiggehendes Gefängnis verwandelt worden war. Sobald er es betreten würde, würde es zweifellos die Schutzzauber aktivieren.

Er schüttelte traurig den Kopf und blieb vor der Haustür, gerade so innerhalb des Verwirrzaubers stehen und schaute zur Tür. „Ich weiß, dass Sie da drin sind", rief er laut. „Ich werde nicht in Ihre Falle tappen, Sie können also genauso gut hinauskommen." Er wartete einen langen Moment lang, aber der Schulleiter machte keine Anstalten, zu antworten. „Ich weiß, dass Sie es sind, Schulleiter."

„Harry", sagte dieser, während er seine Hände in Höhe seines Oberkörpers hochhob, um zu zeigen, dass sie leer waren. „Bitte, ich möchte nur reden."

Harry konnte seine Dreistigkeit nicht fassen. „Oh, wirklich? Sie möchten nur reden? Ich schätze, Sie möchten, dass ich einfach hineinkomme und mich für einen Tee zu Ihnen setze? Ich habe besseres von Ihnen erwartet, Professor. Haben Sie geglaubt, dass ich die ganzen Schutzzauber nicht bemerken würde, die auf dem Haus liegen und nur darauf warten, aktiviert zu werden? Ich würde Sie bitten, unserer beider Zeit nicht zu verschwenden, aber irgendwie zweifele ich daran, dass Sie zuhören würden. Daher wünsche ich einfach nur noch einen schönen Tag." Damit disapparierte er.

„Wie ist es gelaufen?", fragte Remus sofort.

Harry drehte sich zu ihm und winkte ab. „Gut. Er hat nicht einmal Verstärkung mitgebracht. Er muss sich sehr sicher gewesen sein, dass ich einfach gedankenlos in das Haus rennen würde. Ich habe ihn auf die Falle angesprochen und ihn höflich gebeten, seine und meine Zeit nicht zu verschwenden und bin dann verschwunden."

Remus schüttelte den Kopf: „Nun, ich bin froh, dass nichts passiert ist." Er zeigte auf die Karte an der Wand und sagte: „Wann hast du das kreiert?"

„In den letzten Wochen des Semesters", sagte Harry und ging zur Karte. „Ich habe dir erzählt, dass ich vorhabe, jedem meiner Schüler einen Portschlüssel zu geben?" Er drehte sich zu Remus um und als dieser nickte, fuhr er fort: „Als ich sie erstellte, hatte ich diese Idee", er gestikulierte zur Karte. „Sie zeigt mir, wo jeder Portschlüssel ist und wer ihn hat. Ich habe die ersten Ferientage damit verbracht, sie zu suchen und mir Gedanken zu machen, wohin ich apparieren kann. Wenn ein Portschlüssel verwendet wird, geht ein Alarm los und der betreffende Name leuchtet auf der Karte auf. Das sagt mir, wo der Angriff ist. Manchmal schaffe ich es rechtzeitig dorthin, um Todessern zu begegnen und manchmal nicht."

Remus seufzte besiegt auf und sagte leise: „Sag mir, was passiert ist."

Harry nickte und bedeutete Remus, auf dem Sofa Platz zu nehmen und sank in seinen Sessel. Remus setzte sich auf die Sofakante, seine Ellbogen auf seine Knie gestützt, während Harry von den Angriffen erzählte, die bisher stattgefunden hatten. Als er fertig war, fragte Harry: „Weißt du, ob es ihr gut geht? - der Frau, die ich zu St. Mungos gebracht habe? Und den Schülern?"

„Deinen Schülern geht es allen gut", versicherte Remus ihm schnell. „Sie und ihre Familien bleiben im Moment in Gästezimmern im Schloss. Ms. Clark war erleichtert aber auch besorgt, als sie erfuhr, dass du ihre Mutter nach St. Mungos gebracht hast. Was ihren Zustand angeht, bin ich mir nicht sicher. Albus sagte, dass sie noch nicht aufgewacht war, als er hinging, um nach ihr zu sehen. Wegen dem Cruciatusfluch können sie sich ihrer geistigen Verfassung nicht sicher sein, bis sie aufwacht und sie haben nicht vor, es zu beschleunigen. Umso mehr Ruhe sie bekommt, umso besser stehen die Chancen."

Harry nickte und hoffte, dass sie in Ordnung sein würde. Er konnte nicht anders als sich zu fragen, wie lange sie gefoltert worden war, bevor er angekommen war. „Du hast alles für sie getan, was du konntest", sagte Remus, der anscheinend erraten konnte, wohin seine Gedanken geschweift waren. „Es ist auf jeden Fall mehr als einer von uns tun konnte." Er lehnte sich nach vorne und legte eine Hand auf Harrys Knie. „Hör zu, Harry. Ich möchte, dass du weißt, dass ich stolz auf dich bin, auf alles, was du bisher getan hast. Ich weiß, es war nicht einfach für dich. Du musst es jedoch nicht mehr alleine durchstehen. Du sagtest, dass du einen Alarm auf die Karte gelegt hast. Wie funktioniert das genau?"

„Nun, es macht ein lautes piependes Geräusch, aber ich habe es auch mit dieser Halskette verbunden." Er langte unter sein Shirt und holte das Band hervor. „Sie erwärmt sich, wenn der Alarm losgeht. Nichts außergewöhnliches, aber es ist diskret, sollten Menschen um mich herum sein."

„Ich möchte, dass du mir auch eine machst", sagte Remus und sein Tonfall ließ keinen Widerspruch zu.

Harry nickte, er hatte das erwartet. „Es wird nur einen Moment dauern." Er beschwor eine Halskette herauf und begann die Zauber hinzuzufügen, welche die Kette mit dem Alarm verbinden würde. Als der letzte Zauber hinzugefügt worden war, gab er sie Remus und sagte: „Sie wird sich erwärmen, wenn der Alarm losgeht. Ich kann dich zu den verschiedenen Häusern bringen, so dass du sie gut genug kennst, um hinzuapparieren."

„Warum warten wir nicht damit? Tonks hat morgen Nachmittag Zeit", meinte Remus, als er sich die Halskette umlegte.

„Und du willst mir den Aufwand ersparen, die Runde zweimal zu machen", beendete Harry für ihn. „Du bist dir so sicher, dass sie gewillt ist, für mich hinter den Rücken von Dumbledore und den Orden zu gehen?"

„Sie wird das tun, von dem sie denkt, dass es richtig ist", erwiderte Remus. „Sie ist dem Orden beigetreten, obwohl sie für das Ministerium arbeitet."

„Ich hoffe, du hast Recht", murmelte Harry und rieb sich müde mit der Hand über das Gesicht. „Um ehrlich zu sein wird es gut sein, dich und hoffentlich Tonks zu haben, die helfen. Ich habe nicht erwartet, dass die Angriffe so oft und so konzentriert erfolgen. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen kann ich nicht gut schlafen. Nun, bis jetzt."

Remus merkte auf. „Was meinst du?", fragte er nach.

„Ah nun, ich habe vor ein paar Tagen die Nacht bei Ginny verbracht", gab Harry betreten zu.

„Im Fuchsbau?", fragte Remus geschockt nach. Harry nickte und Remus pfiff anerkennend. „Du magst es wirklich, mit dem Feuer zu spielen, Harry."

„Ich weiß", knurrte Harry. „Ich musste sie nur einfach sehen, und als sie bemerkte, wie erschöpft ich war ..."

„Da hat sie dich ins Bett gesteckt", vervollständigte Remus mit einem neckenden Grinsen.

„So etwa in der Art", sagte Harry und lächelte wehmütig. „Es ist die erste Nacht seit langem, in der ich durchgeschlafen habe."

„Und hier bin ich und wecke dich auf", rüffelte Remus sich selber.

Harry winkte ab. „Ich habe letzte Nacht ziemlich gut geschlafen. Der Kampf hat mich nur mitgenommen, da hab ich ein Nickerchen gehalten. Wenn ich noch viel länger geschlafen hätte, hätte ich vielleicht heute Nacht nicht mehr schlafen können. Der Alarm hätte mich außerdem so oder so aufgeweckt."

„Ich muss langsam gehen", sagte Remus einen Moment später. Er fasste an die verzauberte Halskette und fügte hinzu: „Wenn der Alarm vor morgen wieder losgeht, gib mir wenigstens ein paar Minuten, um zu versuchen, dich hier zu treffen, bevor du verschwindest, okay?"

Harry nickte und verabschiedete sich von Remus. Als Remus zur Tür trat, fiel Harry jedoch noch etwas ein: „Remus?"

Remus drehte sich um, seine Hand noch immer auf dem Türknauf: „Ja, Harry?"

„Hast du noch immer das Motorrad, das Sirius mir hinterlassen hat?"

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Harry schwebte hoch über dem Serpentinensee und sandte seinen magischen Sinn in alle Richtungen aus. Das Treffen war erst in fünfzehn Minuten, aber es schien, als wären sie bereits da, außer zwei weitere magische Personen hatten beschlossen, den Tag im Hyde Park unter Muggeln zu verbringen.

Er flog in ihre Richtung und richtete seinen Blick auf sie, um sicherzugehen, dass sie es wirklich waren. Zufrieden flog Harry auf die andere Seite des Sees und landete zwischen mehreren Bäumn, unter deren dichtem Blätterwald er sich wieder in menschliche Gestalt zurückverwandelte. Harry ging dann zum Pfad und joggte in gutem Tempo los. Auch wenn der Grund dieses Ausflugs das kommende Treffen war, würde er so einen wunderschönen Tag und einen genauso wunderschönen Park nicht verschwenden.

Als er um den breiten See gelaufen war, war er ein paar Minuten zu spät dran. Die beiden saßen auf einer Bank und gaben den Anschein, als würden sie die Menschen beobachten, doch Harry vermutete, dass sie nur nach einer Person schauten: ihm. Es war Tonks, im Moment mit blauen Haaren, die ihn zuerst bemerkte. Ein Ellbogen in die Seite des Werwolfs brachte seine Aufmerksamkeit auf Harry, als dieser langsamer wurde und sich ihrer Bank näherte.

„So ein Zufall, euch hier zu treffen", grüßte Harry mit einem warmen Lächeln.

„Tatsächlich, was für eine Überraschung", stimmte Remus zu und stand auf, um ihn mit einem Händeschütteln zu begrüßen.

„Tonks, du siehst wunderbar aus", sagte Harry, als sie ebenfalls aufstand. „Komm, umarme einen alten Freund." Er breitete die Arme aus und trat zu ihr, doch eine Hand auf seiner Brust hielt ihn ab.

„Keine Chance, Harry", erwiderte sie frech. „Du stinkst."

„Von meinem eigenen Bewegungsdrang ausgebremst worden", deklarierte er dramatisch. „Was meinst du, Tonks? Lust, mich auf einer weiteren Runde um den See zu begleiten? Um alter Zeiten willen?"

Sie verdrehte die Augen und Remus lachte: „Ich glaube, das wird nichts, Harry. Ich meine mich daran zu erinnern, dass ich ihr zuhören musste, wie sie sich beschwerte, wie sie dir unter dem Tarnumhang hinterherjagen musste und dabei versuchen musste, für alle - dich miteingeschlossen - unsichtbar zu bleiben."

„Ich werde diesen Job sicherlich nicht vermissen", stimmte sie zu. Innerhalb eines Augenblickes verschwand ihr Lächeln jedoch. „Du hättest es mir sagen können, weißt du. Statt gegen mich anzukämpfen und mich denken zu lassen, dass du uns nur in Sicherheit wiegen möchtest."

Harry seufzte: „Ich habe dich nicht gerne angelogen, aber ich konnte mir nicht sicher sein, dass du Dumbledore nicht alles erzählen würdest. Es war einfacher, um dein Misstrauen herum zu arbeiten, als zu riskieren, dass er es herausfindet."

Sie nickte: „Ich weiß. Du hast Recht, aber ich muss es nicht mögen."

„Da kann ich nichts gegen sagen."

Remus schaute sich um, bevor er sich Harry zuwandte: „Sollten wir wirklich in der Öffentlichkeit reden?"

Harry grinste: „Ich habe ein paar Bemerk-mich-nicht-zauber errichtet. Das sollte für die Muggel mehr als genug sein. Und es sind keine anderen Hexen oder Zauberer in der Nähe."

„Wie kannst du dir da sicher sein?", wollte Tonks wissen.

Harrys Lächeln wurde breiter: „Vertrau mir."

Sie verdrehte die Augen. „Vertrau mir", forderte sie ihn heraus.

Harry zog seine Augenbrauen hoch und musterte sie. Wenn er wollte, dass sie ihm vertraute, musste er ihr auch Vertrauen erweisen. Das war nur fair. Ihr dieses Vertrauen nicht zu geben könnte seinen Absichten schaden, sie als seine Verbündete zu gewinnen. Er blickte kurz zu Remus herüber, der ihn neugierig beobachtete. Er wandte sich wieder zu Tonks und fragte: „Kann ich dir vertrauen?" Als sie ihren Mund öffnete, um zu antworten, hielt er eine Hand hoch. „Denk kurz darüber nach. Kann ich dir wirklich vertrauen? Wirst du mir helfen und mit mir zusammenarbeiten, selbst wenn es gegen Dumbledores direkten Befehl geht?"

Das ließ sie innehalten und sie klappte ihren Mund zu. Sie drehte sich zu Remus und schaute zu ihm. Er erwiderte ihren Blick stoisch, scheinbar nicht gewillt, ihre Entscheidung auf irgendeine Weise zu beeinflussen. Sie drehte sich wieder zu Harry und sagte: „Ich mag dich, Harry. Ich glaube, du hast einen schlauen Kopf auf deinen Schultern. Wenn Dumbledore sagt, dass du für diesen Krieg wichtig bist, dann glaube ich ihm. Er sagt, dich in Sicherheit zu wissen ist von höchster Priorität und ich glaube ihm das auch." Sie hielt kurz inne und Harry wagte es kaum zu atmen. Er fragte sich, was er tun würde, wenn sie ihm sagen würde, dass sie nicht gegen einen Befehl von Dumbledore handeln würde.

„Aber ich habe dich kämpfen sehen. Es kam mir immer verdächtig vor, dass jemand, der so jung ist, so gut in einem Duell sein konnte. Das war der halbe Grund, warum ich so besorgt wegen Jim war - wegen dir. Die Dinge haben nicht zusammengepasst und du hast eindeutig etwas verheimlicht. Aber Remus hat dir vertraut und du warst gut. Zu gut, um Hilfe von dir abzulehnen. Wenn ich auch nur eine Sekunde geglaubt hätte, dass du die Sache nicht ernst nimmst oder dass du nicht bereit dafür wärst, dann wäre ich die Erste, die deinen Hintern zu Dumbledore schleifen würde. Aber jetzt sehe ich, was er damit meinte, als er uns sagte, wie wichtig du für den Krieg bist." Ihr Haar wurde rosa, als sie weitersprach und Harry war nun doppelt froh über die Bemerk-mich-nicht-Zauber, die er geworfen hatte. „Ich denke, er sieht dich noch immer als den Jungen, der seinen Schutz braucht, aber ich habe dich kämpfen sehen und es ist klar, dass du nach dir schauen kannst - besser sogar als der Großteil des Ordens. Du solltest mit dem Orden zusammenarbeiten - nicht gegen ihn -, und ich denke, das wird er irgendwann verstehen. Bis dahin kannst du jedoch auf mich zählen."

Harry lächelte ihr zu und fühlte, wie ihm ein Stein vom Herzen fiel. „Danke, Tonks. Das bedeutet mir viel." Harry schaute zwischen ihnen hin und her und fällte schließlich eine Entscheidung. „Nun, da wir das geklärt haben, denke ich, dass ein anderer Ort angemessen wäre. Remus, du weißt wohin. Gib uns eine Minute, während ich Tonks einweihe."

Remus Augenbrauen trafen fast auf seinen Haaransatz: „Du meinst doch nicht ...?"

Harry zwinkerte ihm nur zu und drehte sich dann zu Tonks, die er beim Arm packte. Ohne Warnung apparierte er Seit-an-Seit mit Tonks zu einer Stelle in seinem Vorgarten, der nicht innerhalb des Fideliuszaubers, aber innerhalb der meisten der anderen Schutzzauber war.

„Was zum Teufel?", fluchte Tonks und schaute sich um. „Wo sind wir?"

„Tonks, beruhige dich und pass auf", sagte Harry ernst. Er fuhr etwas sanfter fort: „Harry Potter wohnt im Elsterweg 165."

„Was?" Sie japste, als ihr Wissen von dem Geheimnis sein Zuhause scheinbar aus dem Nichts vor ihr auftauchen ließ.

„Willkommen in meinem Zuhause", sagte Harry und drängte sie nach vorne.

„Wie hast du ...?", begann Tonks, wurde aber von einem Knall unterbrochen, der Remus Eintreffen verkündete. Sie drehte sich auf der Stelle um und fragte: „Hast du etwas damit zu tun gehabt?"

Er rieb sich über seinen Nacken und antwortete: „Nun, ich habe ihm geholfen, das Haus zu kaufen."

„Aber wo hast du gelernt, den Fidelius zu werfen?", fragte sie frustriert.

„Nirgends", sagte er nur. „Wie ich schon sagte, ich habe beim Kauf des Hauses geholfen, aber Harry hat die ganzen Schutzzauber errichtet, den Fidelius mitinbegriffen."

Als sie sich wieder zu ihm wandte, fragte sie in einem bedrückten Tonfall. „Wie?"

Harry zuckte mit den Schultern und antwortete: „Ich habe das seit dem letzten Sommer geplant. Ich habe den Fidelius aus einem Buch gelernt, dass im Verlies meiner Eltern lag. Die anderen Schutzzauber habe ich aus verschiedenen Quellen." Er zuckte wieder mit den Schultern. „Sollen wir reingehen?"

Er führte sie direkt zur Karte. „Ist das, was ich denke, was es ist?"

„Das kommt darauf an, was du denkst, was es ist", erwiderte Remus sanft neben ihr.

Sie ging zur Karte und strich mit den Fingern über ein paar Namen, bevor sie sich zu Harry umdrehte: „Wie funktioniert es?"

„Die Zauber sind in die Portschlüssel gewoben, die ich meinen Schülern gab", erklärte er. „Du weißt von ihnen, nehme ich an?" Sie nickte. „Nun, das" er deutete auf die Karte „zeigt mir, wo sie sind. Wenn einer der Portschlüssel aktiviert wird, ertönt ein Alarm und der Name beginnt aufzuleuchten. Ich appariere hin und stelle sicher, dass niemand zurückgeblieben ist."

„Und kämpfst gegen Todesser", fügte Remus mit einem leisen Hauch von Tadel in der Stimme hinzu.

„Ja, nun", meinte Harry. „Ich kann sie ja nicht einfach gehen lassen, oder?"

Harry schaute zu Tonks, die den Kopf schüttelte. „Das ist brillant", sagte sie. „Ich kann nicht fassen, dass wir uns für den Orden nie so etwas überlegt haben. Oder für das Ministerium."

„Nun, ich habe den Rumtreibern zu danken", informierte Harry sie. „Es war ihre Karte, die mir die Idee dazu gab."

„Remus hat mir von ihr erzählt", kommentierte sie. „Zeigt sie wirklich, wo jeder im Schloss ist?"

Harry nickte: „Es ist wirklich ein nützliches Stück Pergament."

Auf Remus Aufforderung hin erklärte Harry seinen neuen mobilen Alarm und - statt eine Halskette für sie zu erschaffen - legte er die Zauber auf die Halskette, die sie bereits trug. Sobald er damit fertig war, fragte Remus: „Wie wäre es damit, wenn wir dann unsere Runde drehen?"

Nachdem er sie vor das erste Haus appariert hatte, holte Remus einen Fotoapparat aus seinen Roben hervor. „Nicht alle von uns beherrschen Okklumentik, um uns dabei zu helfen, uns zu erinnern", erklärte er, als er Harrys hochgezogene Augenbraue sah.

„Ach, geb es doch einfach zu; deine Erinnerung ist nicht mehr das, was sie früher einmal war, alter Mann", neckte Tonks.

Harry grinste, als Remus Empörung vortäuschte und sah den beiden einen Moment lang zu, bevor er sich laut räusperte: „Wenn ihr Kinder dann mal fertig seid, wir müssen noch einige Häuser besuchen." Sie streckten ihm beide gleichzeitig die Zunge heraus und Harry brach in Gelächter aus: „Was habe ich mir da eingebrockt?"

Sie gingen schnell vor, gingen von einem Haus zum anderen und blieben immer nur lange genug, so dass Remus seine Fotos schießen konnte. Harry war überrascht zu sehen, dass sie wie eine Muggel-Sofortkamera funktionierte, und immer sofort die Fotos ausdruckte, welche Remus dann mit dem betreffenden Schülernamen beschriftete. Als sie wieder bei Harry zuhause waren, beschlossen die drei, sich beim nächsten Alarm bei der Karte zu treffen.

Remus lächelte ihm matt zu, bevor er Tonks hinausführte, die Harry fröhlich zuwinkte und sagte: „Bis demnächst - hoffentlich nicht zu bald."

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Albus seufzte schwer, als er es sich in seinem Sessel bequem machte und seinen Blick durch das düstere Wohnzimmer des Familiensitzes der Blacks schweifen ließ. Während Molly und die Kinder beim Putzen des Hauses Wunder vollbracht hatten, behielt es noch immer seine düstere und finstere Erscheinung. Albus holte eine Taschenuhr hervor und bestätigte mit einem Blick, dass er pünktlich war. Er schüttelte den Kopf über sich selbst. Er wusste, er sollte nicht überrascht sein. Wann war ein Weasley nicht spät dran? Der junge Percival ausgenommen, natürlich. Dennoch war er bestrebt, dieses Treffen zu beginnen. Er hatte vorgehabt, dieses Treffen gestern nach seinem missglückten Versuch mit Harry zu sprechen zu haben, hatte aber nicht die Zeit gefunden.

Das war allerdings nicht ganz die Wahrheit. Er hatte viel zu tun gehabt, natürlich, aber das hier war viel wichtiger als alle anderen dringenden Dinge, die seiner Aufmerksamkeit bedurften. Tatsächlich war dieses Treffen entscheidend und er fürchtete ihre Antwort. Er konnte nur hoffen, dass sie mit ihm gleicher Meinung sein würden. Molly und Arthur waren beide vernünftige Menschen, aber wenn es um ihre Kinder ging ...

Sein Gedankengang wurde unterbrochen, als das fragliche Paar zögernd die Tür öffnete, bevor sie eintraten. „Danke, dass ihr so kurzfristig gekommen seid", sagte Dumbledore, während er das Ehepaar vor sich musterte.

„Natürlich, Albus", erwiderte Molly und die ahnungsvolle Sorge war deutlich auf ihrem Gesicht geschrieben.

„Worüber möchtest du mit uns reden?", fragte Arthur. Sein ruhiges Verhalten stand im Kontrast zu dem seiner Frau.

„Bitte, setzt euch", erwiderte er und deutete auf zwei Stühle vor sich. Als die Eltern genau dies taten, überlegte Dumbledore, wie er dieses sensible Thema ansprechen sollte. „Wie ihr gestern beim Ordenstreffen erfahren habt, hat Harry seine Schüler nicht nur mit illegalen Portschlüsseln ausgestattet, er hat ihre Verwendung außerdem verfolgt, um gegen Todesser kämpfen zu können. Noch beunruhigender ist die Tatsache, dass er scheinbar ganz alleine arbeitet. Ganz egal was seine Fähigkeiten sind: Ich glaube nicht, dass ich euch sagen muss, in welche Gefahr ihn das bringt."

„Hast du irgendwelche Hinweise, wo er sein könnte?", fragte Molly hoffnungsvoll.

„Leider nicht", antwortete er. „Was der Grund ist, warum ich euch heute hierhergebeten habe. Was ich euch vorschlagen möchte, tue ich mit großem Widerwillen. Es ist kein Weg, den ich einschlagen würde, wenn es eine andere Möglichkeit gäbe, aber nachdem ich von Harrys Auftauchen in gestern erfahren habe, ist klar, dass die Zeit drängt. Jede Möglichkeit, die uns offensteht, müssen wir verwenden."

„Natürlich, Albus", meinte Arthur. „Niemand möchte Harry mehr in Sicherheit wissen als Molly und ich."

Albus nickte: „Gewiss." Er hielt einen Moment inne, um seine Gedanken zu sammeln, bevor er fortfuhr: „Ihr habt den Verdacht angesprochen, dass eure Tochter mehr über Harrys Aufenthaltsort wissen könnte, als sie zugibt und um die Wahrheit zu sagen, vermute ich dasselbe. Während sie jegliches Wissen über Harrys sommerliche Aktivitäten verneint, glaube ich, dass ihre Loyalität zu Harry Vorrang zu Fragen hat, die wir ihr stellen." Er atmete tief aus und beschloss, seine Bitte auszusprechen. „Das ist der Grund, warum ich euch heute hergebeten habe- um eure Erlaubnis zu bekommen, eure Tochter noch einmal zu befragen und - vorausgesetzt, dass sie wieder jegliches Wissen verneint - Legilimentik zu verwenden, um den Wahrheitsgehalt ihrer Behauptungen zu überprüfen."

„Du willst was?", wollte Molly aufgeregt wissen und stand von ihrem Stuhl auf.

Arthur legte eine Hand auf ihren Arm und überzeugte sie mit nur einem Blick, sich wieder zu setzen. „Um das klar zu machen, Albus, du möchtest in die Gedanken unserer Tochter eindringen, um Informationen, die sie über Harry haben könnte, zu erfahren?"

„Passive Legilimentik erlaubt mir, festzustellen, ob sie die Wahrheit sagt oder nicht, ohne in ihre Gedanken einzudringen" erwiderte er vorsichtig. „Sollte sie wirklich etwas verheimlichen, dann ja. Dann würde ich in ihre Gedanken gehen, um die Informationen, die sie hat, zu erfahren." Er hielt eine Hand hoch, um Unterbrechungen zuvorzukommen und fuhr fort: „Von einem fähigen Legilimentiker ausgeführt ist die Legilimentik normalerweise ohne Okklumentiktraining nicht spürbar. Es ist wahrscheinlich, dass eure Tochter von dem Eindringen in ihre Gedanken nichts bemerken wird. "

„Wahrscheinlich?", fragte Arthur. „Du willst mir sagen, dass du dir nicht sicher bist?"

Er nickte leicht. „Es gibt einige, die eine natürliche Affinität für die geistigen Künste haben, die das Eindringen ohne Training entdecken können. Solche Gaben sind ungewöhnlich, aber nicht gänzlich unbekannt."

„Würde es ihr wehtun?", fragte Molly mit einer leisen, aber entschlossenen Stimme.

„Nein", erwiderte Albus. „Wenn sie das Eindringen entdeckt, könnte sie in Panik geraten, aber Legilimentik fügt keinen körperlichen Schaden zu." Er bemerkte, wie Arthur seine Augen bei seinen Worten etwas zusammenzog, aber er sagte nichts.

„Und du hast keine anderen Spuren, Albus?", fragte Molly mit brechender Stimme.

Einen langen Moment lang war Albus still. Dann öffnete er seine Hände in einer bittenden Geste und sah die beiden inständig an: „Ich würde es nicht mal in Erwägung ziehen, wenn ich eine andere Möglichkeit sehen würde. Wir sind keinen Schritt näher gekommen, ihn zu finden, seit er verschwunden ist. Unsere einzige Option ist es, die Häuser seiner Schüler zu beobachten, aber wir müssten erlauben, dass die Todesserangriffe ungehindert ablaufen, um Harrys Erscheinen zu garantieren, und ich bin nicht gewillt, das zu tun. Aller Wahrscheinlichkeit nach - selbst wenn wir Harry auf diese Weise konfrontieren könnten - würde er einfach dorthin zurückkehren, wo er sich im Moment aufhält, in der Sekunde, in der er unsere Anwesenheit bemerkt. Solange sein Aufenthaltsort uns nicht bekannt ist, haben wir keine Hoffnung, ihn in Sicherheit zu wissen."

Das Ehepaar wechselte einen Blick, bevor Arthur sich zu ihm drehte und fragte: „Könnten wir einen Moment haben, um das unter uns zu bereden?"

„Natürlich", stimmte Albus zu und stand auf. „Ich denke, ich werde mir eine Tasse Tee in der Küche machen. Bitte leistet mir Gesellschaft, wenn ihr fertig seid." Er ging aus dem Wohnzimmer hinaus und in die Küche, wo er sich fürs Stehenbleiben entschied. Er schenkte sich eine dampfende Tasse Tee ein und trank einen kleinen Schluck, bevor er die Tasse auf den Tresen stellte und in dem kleinen Raum auf und ab ging. Er war mit seinem Latein am Ende und war sich nicht sicher, was er machen würde, wenn das Ehepaar seinen Vorschlag ablehnen würde. Er war ehrlich gewesen, als er sagte, dass dies im Moment die einzige Möglichkeit war.

Er fürchtete, das jede Minute, die Harry vermisst blieb, ihr Ruin sein könnte. Mehrere Ordensmitglieder waren von Harrys proaktiver Herangehensweise beeindruckt. Selbst er musste zugeben, dass der junge Mann ihn überrascht hatte, aber er machte sich keine Illusionen. Tom war ein brillanter und unübertroffener Stratege. Harry mochte ein paar Kämpfe für sich entschieden haben, aber es war nur eine Frage der Zeit, bevor Tom Harry in eine Falle locken würde. Es war daher von größter Bedeutung, Harry so schnell wie möglich zu finden.

Seine Gedanken wurden unterbrochen, als die Tür geöffnet wurde und die zwei Weasleys die Küche betraten. Er wagte es kaum, ihnen ins Gesicht zu schauen, da er fürchtete, was er dort sehen würde, aber er musste es wissen. Als er hochschaute, war Mollys Gesicht von Sorge gezeichnet. Arthurs dagegen war undurchdringlich, als er Albus direkt in die Augen schaute: „Ich möchte, dass du Legilimentik an mir verwendest."

Albus zog seine Augenbrauen bei dieser unerwarteten Forderung hoch und schaute über seine Brillengläser zu dem Mann: „Entschuldigung?"

„Falls wir dir erlauben sollten, es an unserer Tochter anzuwenden, würde ich gerne sicherstellen, dass es etwas ist, das ich akzeptabel finde", sagte er tonlos.

Albus nickte: „Wenn du dir sicher bist .." Arthur nickte nur als Antwort. „Nun gut. Ich werde dir ein paar Fragen stellen. Ich möchte, dass du mich anlügst; in der Zwischenzeit werde ich die wahren Antworten aus deinen Gedanken erfahren. Bist du bereit?"

Als Arthur nickte, begann er. Nach einigen belanglosen Fragen verließ Albus Arthurs Gedanken und sagte ihm, was er von den Gedanken des Weasley-Patriarchen gelernt hatte.

„Hast du mein Eindringen bemerkt?", fragte Albus.

Der Mann schüttelte den Kopf. „Selbst mit dem Wissen, dass du Legilimentik anwandtest, konnte ich nichts spüren." Er schaute zu seiner Frau hinüber und nachdem sie nur mit ihren Blicken eine Unterhaltung geführt hatten, drehte Arthur sich wieder zu ihm: „Also gut. Du hast unsere Einwilligung."

Albus atmete tief aus: „Danke Arthur, Molly."

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„Ginny, Liebling", hörte Ginny die Stimme ihrer Mutter unten an der Treppe rufen. „Kannst du bitte runter in die Küche kommen?"

Ginny seufzte und klappte ihr Buch zu, bevor sie die Treppe hinunterging und sich fragte, was ihre Mutter jetzt wollte. Sie war nur wenig überrascht, nicht nur ihre Mutter und ihren Vater, sondern auch den Schulleiter in der Küche des Fuchsbaus versammelt zu sehen. Der Schulleiter saß am Kopfende des Tisches, während ihre Eltern nebeneinander am Küchentresen standen.

„Was möchtest du, Mum?", fragte sie, auch wenn sie einen starken Verdacht hatte, dass nicht ihre Mutter etwas von ihr wollte. Es schien, als stand ihr eine weitere Befragung bevor.

„Der Schulleiter möchte dir ein paar Fragen stellen", sagte ihre Mutter.

„Sei bitte so ehrlich wie du kannst", bat ihr Vater sie.

Sie nickte, bevor sie ihre Aufmerksamkeit dem Schulleiter zuwandte. „Bitte, setz dich", sagte er mit freundlicher Stimme.

Ginny tat wie geheißen und ließ ein Stuhl zwischen sich und dem Professor Abstand.

„Harry Potter ist gestern Morgen in St. Mungos aufgetaucht." Ginny setzte sich besorgt und ängstlich auf. „Er war blutüberströmt und eindeutig verletzt und trug die bewusstlose Mutter einer deiner Klassenkameraden." Die Angst, die sie gepackt hatte, ließ etwas nach. Wenn es ihm gut genug gegangen war, um jemanden ins Krankenhaus zu tragen, konnte es ihm nicht allzu schlecht gehen. „Er verließ das Krankenhaus trotz der gegenteiligen Bitten der Heiler ohne ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und ist seitdem wieder verschwunden." Ginny atmete tief auf. Sie machte sich natürlich um Harry Sorgen, aber sie wusste, dass Harry die meisten normalen Verletzungen heilen konnte. Sie vertraute darauf, dass er nach sich selber schauen konnte.

Dumbledore beugte seinen Kopf etwas nach vorne und schaute über seine Halbmondgläser hinweg zu ihr: „Ich hatte gehofft, dass du angesichts Harrys verletztem Zustand motivierter sein würdest, dich an etwas zu erinnern, dass dir Harry vor seinem Verschwinden gesagt haben könnte, dass uns helfen könnte, ihn zu finden und um sicherzustellen, dass er die medizinische Hilfe erhält, die er benötigt."

Ginny schüttelte den Kopf und setzte eine bedauernde Miene auf. „Es tut mir Leid, Schulleiter", erwiderte sie und als sie dies tat, fühlte sie eine Präsenz, die ihre Okklumentikschutzschilde prüfte. Sie zog ihre Augen zusammen und funkelte den Schulleiter an. Sie verstärkte ihren Schutzschild und stieß solange gegen die Präsenz, bis sie verschwand. Die Augen des Schulleiters weiteten sich geschockt.

„Das ist nicht sehr höflich, Schulleiter", kommentierte Ginny eisig.

„Was meinst du ...?", begann ihre Mutter zu fragen, aber Ginny hörte den Rest nicht, denn der Schulleiter griff plötzlich ihre Gedanken an. Sie zuckte kaum zusammen, als sie ihre Aufmerksamkeit darauf fokussierte, den Angriff abzuwehren. Sie war darauf vorbereitet, als sie eine zweite Präsenz fühlte, die eine andere Stelle ihrer Schutzschilde angriff. Der Schulleiter war talentierter als Harry, aber es war Wochen her, seitdem Harry an ihren Verteidigungslinien vorbeikommen konnte.

Einen Moment später war sie entsetzt, als eine dritte Präsenz erschien und ihr kurzer Schock war genug für den Schulleiter, um ihre äußere Verteidigungslinie zu durchbrechen. Sie fühlte, wie er mehrere Erinnerungen kurz anschaute und dann verwarf, als er weiter in ihre Gedanken hineindrang. Zorn und Angst stieg in ihr auf und ohne bewusst darüber nachzudenken streckte sie ihre Hand in die Richtung des Schulleiters aus und stieß den Mann mit einer Druckwelle aus seinem Sitz. „Wie können Sie es wagen!", schrie sie. „Sie sind nicht besser als Voldemort! Als er versagte, benutzte er den Cruciatusfluch; wollen Sie mich dem ebenfalls aussetzen? Denn es wird eine Menge mehr brauchen als das, um mich dazu zu bringen, Harry an Sie zu verraten."

Sie hörte dumpf, wie ihre Mutter bei der beiläufigen Erwähnung von Voldemort und ihrer Zeit in Gefangenschaft japste, aber sie war zu erzürnt, um darauf zu achten. Dumbledore kämpfte sich an der gegenüberliegenden Wand in eine sitzende Position hoch, einen wachsamen, besiegten Ausdruck im Gesicht. „Du sagtest, sie würde nichts spüren", murmelte ihre Mutter.

Es brauchte einen Moment, bis sie die Worte verarbeitet hatte, doch dann drehte sie sich zu ihren Eltern um. „Ihr wusstet es?", wollte sie wissen. „Ihr habt zugelassen, dass er - dass er versucht, meine Gedanken zu vergewaltigen?"

„Ginny ...", begann ihr Vater und trat einen zögernden Schritt nach vorne.

„Bitte gib ihnen keine Schuld", unterbrach die Stimme des Schulleiters und er hörte sich schwächer an als jemals zuvor.

Sie drehte sich zu dem Mann um und brachte mit zusammengebissenen Zähnen hervor: „Raus hier."

„Ginny." Die Stimme ihrer Mutter nahm einen bittenden Klang an.

„Nein", rief sie und warf ihren Eltern einen vernichtenden Blick zu. „Es ist eine Sache, wenn der Dunkle Lord versucht, in meine Gedanken einzudringen. Aber Sie ...", sagte sie zum Schulleiter gewandt. „Ich sollte Ihnen vertrauen können. Sie ..."

Ein lautes Krachen unterbrach sie, als die Hintertür aufgestoßen wurde. Sie drehte sich zu ihr um und vergaß sofort ihren Gedankengang.

„Ginny!" rief Harry, seine Stimme wild, als er in die Küche gestürmt kam. Als er sie entdeckte, eilte er schnell zu ihr und zog sie in eine feste, verzweifelte Umarmung. „Dir geht es gut", murmelte er in ihr Haar.

„Harry?", fragte sie, als sie sich widerwillig aus seinen Armen löste. „Natürlich geht es mir gut. Was machst du hier?"

„Ich weiß nicht", erwiderte er und schien sich jetzt erst seiner Umgebung und der anderen Personen im Raum bewusst zu werden. „Ich hatte nur das Gefühl, dass etwas nicht stimmte, dass du in Schwierigkeiten bist." Als sein Blick auf den Schulleiter fiel, der langsam aufstand, nahm er eine defensivere Haltung ein und hielt einen Arm vor sie, während er Ginny nach hinten schob, bis sie die Wand erreichte. „Was geht hier vor?"

„Der Schulleiter hat beschlossen, in meine Gedanken einzudringen", sagte Ginny ihm und die Wut und der Schmerz waren in ihrer Stimme zu hören. Er schaute kurz zu ihr, bevor er seinen Blick wieder auf den Schulleiter richtete. „Und meine Eltern haben ihm die Erlaubnis gegeben."

Harry wandte seinen Kopf abrupt zu ihren Eltern. „Wie konntet ihr?", fragte er sie, sein Schock deutlich zu hören. „Nach allem - dem Tagebuch und den Geschehnissen vor ein paar Wochen - wie konntet ihr ihr das antun?"

Seit Harry da war, konnte Ginny fühlen, wie ihre Wut und ihre Energie schnell versiegte. Sie wollte einfach nur verschwinden. Sie packte ihn fest an den Schultern und flüsterte: „Bring mich nach Hause, Harry."

Er hielt seinen Blick weiter auf den Schulleiter gerichtet, während er seinen Kopf zu ihr beugte, als wollte er eine Bestätigung. „Bitte", murmelte sie.

Er nickte und begann langsam zur Tür zu gehen, einen Arm immer drohend auf den Schulleiter gerichtet. Sie wandte ihren Blick zu ihren Eltern, als sie ihm folgte, eine Hand auf seine Schulter gelegt.

„Harry, Miss Weasley", bat Dumbledore leise, machte aber keine Anstalten, sich ihnen in den Weg zu stellen.

„Wo geht ihr hin?", fragte ihre Mum.

„Nach Hause", war ihre Antwort.

„Aber du bist ...", antwortete ihre Mutter und schüttelte ungläubig den Kopf.

„Das fühlt sich im Moment nicht so an", erwiderte sie schonungslos.

„Bitte", flehten ihr Vater und der Schulleiter gleichzeitig.

„Ich denke, wir haben den Punkt hinter uns gelassen, an dem einer von euch etwas von mir verlangen konnte", sagte sie.

„Junge Dame" meldete sich ihre Mum zu Wort und trat vor, als wolle sie sich ihnen in den Weg stellen. Ginny zog blitzschnell ihren Zauberstab hervor und richtete ihn auf ihre Mutter, diese erstarrte und der Kummer war ihr auf dem Gesicht geschrieben.

„Nein, Mum", sagte Ginny nur, als sie die Tür erreichten. „Bis bald"

An der Tür hörten sie ein lautes Miauen, dass ihre Aufmerksamkeit erregte. „Smaragd", sagte sie und hob die Katze hoch, die zu ihr gelaufen war. Mit Smaragd in ihren Armen gingen sie schnell weiter, bis sie die Schutzzauber durchschritten. Er zog sie in seine Arme und seinen fragenden Blick sehend nickte sie. Er drückte sie fest an sich und einen Moment später erschienen sie vor Harrys zu Hause. Nachdem sie eingetreten waren, sprang Smaragd aus ihren Armen und die Schwere des Verrats, die sie fühlte, schien auf einmal auf sie hereinzubrechen. Sie wusste, dass der Schulleiter verzweifelt war, aber sie hatte nicht erwartet ... Und ihre Eltern ... Sie konnte nicht fassen ...

„Ginny", flüsterte Harry und legte eine Hand auf ihre Schulter. Das war der einzige Anstoß, den sie brauchte, um sich in seine Umarmung ziehen zu lassen, als die Tränen schließlich fielen. Er legte seine Arme um sie und zog sie hinunter auf das Sofa, wo sie sich auf seinem Schoß in seine Umarmung schmiegte.

OoOoOoOoOoOoOoO

Harry wusste nicht, wie lange sie dort saßen. Ginny weinte schon lange nicht mehr, aber sie machte keine Anstalten, aufzustehen, und er war zufrieden damit, sie solange zu halten, wie sie es brauchte. Er konnte es nicht ganz glauben. Er war an die ständigen Vertrauensbrüche seiner eigenen Familie gewöhnt, aber das war anders. Sie hassten ihn. Ihre Eltern liebten sie, und dennoch hatten sie Dumbledore ihre Erlaubnis gegeben, die Gedanken ihrer Tochter zu missbrauchen.

Er fühlte sich schuldig. Er wusste, dass es nicht wirklich seine Schuld war, aber er konnte nichts gegen das Gefühl machen. Wenn er es anders gehandhabt hätte, wäre Ginny niemals in diese Situation geraten. Er war außer sich vor Wut auf ihre Eltern und Dumbledore. Er hatte nicht geglaubt, dass Mr. und Mrs. Weasley zu so einem Verrat fähig waren, egal wie gut ihre Absichten gewesen sein mochten. Egal in welcher Gefahr sie glaubten, in der er sich befand, er hätte sich nie vorstellen können, dass sie ihrer eigenen Tochter so etwas antun könnten.

Ginny hatte ihn über die Forderungen ihrer Familie gestellt und er fühlte sich demütig. Er wusste, dass sie ihn liebte und er zweifelte ihre Liebe nicht eine Sekunde lang an. Doch als sie ihn gebeten hatte sie nach Hause zu bringen und er erkannte, dass sie sein Zuhause meinte, dachte er, sein Herz würde zerspringen. Die Liebe, die er fühlte und die Traurigkeit und der Ärger über das, was sie durchmachte, fühlte sich in ihm beinahe schmerzhaft an.

Ginny hob plötzlich ihren Kopf von seiner Schulter und lehnte sich zurück, um ihm ins Gesicht schauen zu können: „Können wir eine Runde laufen gehen?"

„Ja", erwiderte Harry, der die Idee sofort mochte. „Das hört sich perfekt an."

Sie lächelte zittrig und ging von seinem Schoß runter. Als er aufstand, schaute sie auf ihre Klamotten hinunter und dann wieder zu ihm: „Ich habe keine andere Kleidung."

„Keine Sorge", erwiderte Harry. Er machte eine Handbewegung und verwandelte ihre Kleidung in die, welche sie normalerweise bei ihren morgendlichen Runden auf Hogwarts trug.

„Danke", sagte sie unbehaglich. „Aber du hast etwas ziemlich wichtiges vergessen." Harry runzelte verwirrt die Stirn, während ihr Gesicht eine tiefrote Farbe annahm. „Mein BH", erklärte sie. „Ich kann in diesem hier nicht joggen."

„Oh", sagte Harry und fühlte, wie sein eigenes Gesicht rot wurde, während sein Blick zu ihrer Brust und dann schnell wieder zu ihren Augen zurückwanderte. „Ähm ... ich weiß nicht ..."

„Das hoffe ich doch", meinte sie und lachte peinlich berührt auf. „Außer du hast meine Schubladen durchwühlt."

Harry konnte das Lachen nicht aufhalten, als er sich vorstellte, wie er auf Hogwarts in den Schlafsaal der Mädchen schlich, um ihre Klamotten zu durchsuchen. „Also gut, du hast mich erwischt", sagte er und hielt seine Hände ergebend in die Höhe. „Welcher soll es also sein? Der schwarze? Oder vielleicht der pinke?"

„Blödmann", sagte sie und schlug ihm auf den Arm. „Außerdem können Rotschöpfe kein Pink tragen."

Sie standen einen Moment lang da, bevor sie seufzte und sagte: „Ich schätze, ich kann es mal versuchen. Ich werde allerdings ins Badezimmer gehen, so dass ich sehen kann, was ich mache."

„Okay", nickte Harry zustimmend. „Viel Glück."

„Danke", murmelte sie, bevor sie die Tür hinter sich zumachte.

Stille legte sich über ihn und Harry fühlte wieder, wie seine gemischten Gefühle in ihm rumorten. Der Drang, das Haus zu verlassen und den Waldpfad zu betreten, machte ihn kribbelig, aber es dauerte nicht lange, bis die Tür sich wieder öffnete und Ginny hinaustrat. „Alles gut?", fragte er hoffnungsvoll.

„Jepp", antwortete sie. „Lass uns gehen."

Sie führte ihn aus dem Haus hinaus, aber er holte sie schnell ein, als sie losliefen. Er führte sie zum Park und gab ein schnelles Tempo an, dem sie sich ohne ein Wort des Protestes anpasste. Er konzentrierte sich auf seine Atmung und drängte seine Wut und seinen Groll beiseite. Es war überraschend einfach. Als er zu Ginny hinüberschaute, erkannte er, dass etwas Gutes daraus resultiert war, auch wenn es selbstsüchtig war, so zu denken. Er hasste die Art, wie es passiert war, aber er war begeistert, Ginny bei sich zu haben. Er strich mit seinem Arm an ihrem entlang und sie drehte sich zu ihm und lächelte ihn an; es schien ihr jetzt einfacher zu fallen. Er nahm ihre Hand und drückte sie kurz, bevor er sie wieder freigab.

Als sie an einer Frau vorbeikamen, die in entgegengesetzter Richtung joggte, war Harry plötzlich viel neugieriger, was den BH anging, den Ginny unter ihrem T-Shirt trug. War er wie der Muggelsport-BH, den er gerade die Frau hatte tragen sehen? Er beschloss in diesem Moment, dass er mit Ginny wirklich Muggelkleidung einkaufen gehen musste. Nun, tatsächlich würde sie Zauberer- und Muggelkleidung brauchen, wenn sie längere Zeit bei ihm bleiben wollte - oder sie müssten ihre Kleidung vom Fuchsbau holen. Sie würden später darüber reden müssen.

Inzwischen beschleunigte Harry ihr Tempo ein wenig und Ginny folgte seinem Beispiel. Schließlich wurden sie langsamer, um sich langsam abzukühlen. Sie atmeten beide schwer, auch wenn Ginny etwas mitgenommener war als er sich fühlte.

„Es ist schwerer, mich selbst anzutreiben", sagte sie zwischen zwei Atemzügen. „wenn ich alleine laufe."

„Du wirst doch nicht etwa weich werden wollen, oder?", fragte Harry mit einem Grinsen.

„Ich dachte, du magst es, wie weich ich bin", erwiderte Ginny neckend.

Harry war dankbar, dass er bereits wegen des Laufens erhitzt war, aber er war noch dankbarer zu sehen, dass ihr das Joggen genauso viel geholfen zu haben schien wie ihm. Er nahm ihre Hand und führte sie an seine Lippen. Er küsste sie auf ihren Handrücken und sagte: „Das tue ich und du weißt, dass ich das nicht gemeint habe."

Sie grinste, zog an seiner Hand und zwang Harry damit, anzuhalten und zu ihr zu schauen. Sie ließ seine Hand los und schlang ihre Arme um seinen Nacken, während Harry seine an ihre Taille legte. Sie stellte sich auf Zehenspitzen, während Harry sich hinunterlehnte um ihre Lippen mit seinen gefangenzunehmen. Nach nur wenigen Sekunden beendete er den Kuss und lehnte seine Stirn an ihre. „Wenn du genug Atem zum Küssen hast, habe ich dich beim Joggen nicht genug gefordert."

„Harry?", fragte sie in einem atemlosen Flüstern.

„Mhmm?"

„Halt die Klappe." Damit zog sie seinen Kopf zu sich hinunter und fing seine Lippen mit ihren ein.

Kurze Zeit später ließ ein leises Kichern, gefolgt von einer undeutlichen Stimme, Harry aufmerken. Auf dem Pfad kam eine Frau mit ihren zwei Kindern auf sie zu. Harry fühlte, wie er errötete, als er alle drei Blicke auf sich spürte. Ginny drehte sich in seiner Umarmung um, um zu sehen, was seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Sie winkte den dreien zu, als sie vorbeiliefen, aber selbst als die Kinder zurückwinkten, bewegte Harry sich nicht. Die Kinder waren magisch.

Es traf ihn hart, dass er alle Wachsamkeit hatte fallen lassen, bis sogar zwei magische Personen - wenn auch unschuldige Kinder - sich ihm bis auf wenige Meter hatten nähern können. Ginny bei sich zu haben war wunderbar, aber er würde besonders vorsichtig sein müssen, dass er wachsam blieb und sich nicht erlaubte, sich ablenken zu lassen. Als die junge Familie vorbei gegangen war, wandte Ginny sich zu ihm und fragte: „Was ist los?"

„Es ist nichts", sagte Harry. Als sie ihm einen strengen Blick zuwarf, entschied er, auszuholen: „Die beiden Kinder waren magisch."

„Glaubst du, sie haben dich erkannt?", fragte sie alarmiert.

„Ich glaube nicht", erwiderte Harry. „Die Mutter war definitiv ein Muggel und die älteste sah ziemlich jung aus. Sie ist wahrscheinlich noch nicht auf Hogwarts. Sie wissen vielleicht gar nicht, dass sie magisch sind."

„Okay", erwiderte Ginny langgezogen. „Was geht dir dann im Kopf herum?"

„Es ist nur ...", begann Harry und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. „Ich hätte bemerken sollen, dass sie sich nähern, lange bevor sie zu sehen waren, aber das habe ich nicht. Ich wusste nicht, das sie da waren, bis wir einen von ihnen lachen hörten."

Ginny runzelte die Stirn: „Und du machst dir Sorgen, dass es genauso schnell Todesser oder Dumbledore hätten sein können." Es war keine Frage und Harry sagte nichts. „Du kannst nicht perfekt sein, Harry. Du kannst nicht erwarten, jede Sekunde des Tages wachsam zu sein."

„Nein", erwiderte Harry. „Aber ich sollte aufpassen, wenn wir so im Freien sind. Ich kann mich zuhause entspannen.

Sie sagte nichts, sondern nahm ihn einfach bei der Hand und lief weiter. Es war erst, als sie wieder innerhalb der Schutzzauber seines Hauses waren, dass sie etwas sagte: „Was ist mit mir?"

„Was ist mit dir?", fragte Harry verwirrt.

„Nun, warum solltest du der einzige sein, der verantwortlich ist?", wollte Ginny wissen. „Ich habe auch niemanden bemerkt, der sich uns näherte."

„Das ist etwas anderes", konterte Harry.

„Wie das?", forderte sie.

„Ich kann Magie und magische Personen spüren, du nicht", erwiderte Harry einfach.

„Das ist wahr", stimmte sie zu. „Aber das heißt nicht, dass du der einzige bist, der wachsam bleiben muss."

„Das weiß ich", gab er zu. „Ich fühle mich aber verantwortlich. Ich meine, du wärst nicht hier, wenn ich nicht wäre. Und wenn dir etwas zustoßen würde ..."

„Ich kann selber auf mich aufpassen, Harry", meinte Ginny sanft. „Dafür hast du gesorgt."

„Ich weiß", sagte er mit einem Seufzen. „Ich habe mir nur Sorgen gemacht, weil ich mich so einfach habe ablenken lassen."

„Du meinst, ich bin eine Ablenkung", stellte sie klar.

„Das meine ich nicht so, wie es sich anhört", sagte Harry. „Ich bin froh, dass du da bist. Um Merlins Willen, ich habe nicht einmal eine Woche ausgehalten, ohne dich im Fuchsbau zu besuchen, trotz der Risiken, die dabei involviert sind. Wir müssen nur vorsichtig sein, uns nicht völlig ablenken zu lassen." Er gestikulierte mit dem Arm zur Straße. „Hier drin sind wir in Sicherheit. Da draußen müssen wir vorsichtiger sein. Ich weiß, ich bin paranoid ..."

„Nein, du hast Recht", meinte Ginny und ging als erste ins Haus. „Wir sind beide Ziele für die Todesser und den Orden. Wir wissen nicht, wann oder wo einer von ihnen uns findet."

„Ganz genau", rief Harry aus und folgte ihr in die Küche. Sie hüpfte auf den Küchentresen und setzte sich, während er zwei Gläser holte, Wasser einschenkte und ihr dann eins reichte. „Ich sage nicht, dass wir nicht die Schutzzauber verlassen können. Wir müssen nur vorsichtiger sein und wachsam bleiben, wenn wir es tun."

„Einverstanden", stimmte sie mit einem listigen Grinsen zu. „Draußen bleiben wir wachsam. Und drinnen lassen wir uns ablenken, soviel wir wollen." Sie nahm ihm das noch immer halbvolle Glas Wasser aus der Hand und stellte es neben sich auf den Tresen. Sie schaute nach links und nach rechts und meinte dann: „Es sieht so aus, als wären wir jetzt innerhalb der Schutzzauber." Ohne dass er es bemerkt hatte, hatte sie ein Bein um seine Hüfte geschlungen und zog ihn plötzlich zu sich.

Harry lehnte sich vor und platzierte seine Hände jeweils an ihrer Seite auf den Tresen. Er verharrte nur einen Millimeter von ihren Lippen entfernt: „Dann ist jetzt wohl die Zeit, sich ablenken zu lassen."

Sie zog seinen Kopf näher zu sich und nahm seine Lippen in einem feurigen Kuss gefangen. Harry verlor sich schon bald in ihrem Kuss und seine Hände strichen an ihrem Rücken hoch und runter. Er war sich ihres Beins, dass noch immer um ihn geschlungen war, nur zu bewusst, und wie nahe sie sich dadurch kamen und er war überrascht, als sie ihr anderes Bein ebenfalls um seine Taille schlang. Plötzlich wurde er nach vorne gezogen, als Ginny sich auf ihn lehnte und er stolperte gegen den Küchentresen, was ihn direkt an sie presste.

Er löste widerwillig seine Lippen von ihren und schaute ihr in die Augen: „Ginny ..."

Sie nahm seine Lippen wieder gefangen und ließ ihn damit wirkungsvoll verstummen. Einen Arm hatte sie fest um seinen Nacken geschlungen, während sie mit der anderen Hand seinen Arm hinunterstrich. Ihre Beine drückten ihn fester an sich und dieses Mal war er darauf vorbereitet, als sie sich wieder vom Tresen löste. Er stellte sich gerader hin, um ihr Gewicht halten zu können und legte seine Hände an ihre Hüfte. Ginny dagegen hatte eine andere Idee. Mit der Hand, die zuvor an seinem Arm gelegen war, nahm sie seine Hand und zog sie von ihrer Hüfte hinunter und legte sie direkt unter sich, so dass seine Hand nun an ihrem Hintern lag.

Harrys Augen wurden größer und seine Lippen hörten auf, sich zu bewegen. Ginny lehnte ihren Kopf nach hinten und schaute bedeutungsvoll auf seine andere Hand hinunter, die noch immer an ihrer Hüfte lag und dann mit einem schüchternen Lächeln wieder in sein Gesicht. Harry war nur zu bereit, ihrem Willen zu folgen und legte die Hand an ihren Hintern. Er hob sie etwas höher, so dass ihre Lippen mehr oder weniger auf einer Höhe mit seinen waren.

Ihre Blicke trafen sich und Harry knurrte praktisch, als er seine Lippen gegen ihre presste.

OoOoOoOoOoOoOoO

Ron legte sich den Besen über die Schulter, als er zum Schuppen lief, während er sich fragte, was mit seiner Schwester war. Sie hätte ihn vor über einer Stunde auf der Lichtung für etwas Quidditchtraining treffen sollen. Es sah ihr gar nicht ähnlich, eine Chance zu verpassen, auf einem Besen zu fliegen. Er verstaute den Besen im Schuppen und ging zum Haus.

„Mum", rief er und runzelte die Stirn, als er keine Antwort erhielt. Er hörte ein Geräusch im Wohnzimmer; daher öffnete er die Tür und fragte: „Hast du Gin... was ist los?" Seine Eltern saßen zusammen auf dem Sofa, seine Mum in den Armen seines Vaters und weinte an dessen Schulter. Seine Mum schluchzte nur lauter bei seiner Frage und er fühlte, als hätte ihn ein Klatscher am Bauch erwischt und er überlegte schnell, welcher seiner Brüder es war. Oder Harry. Götter, es konnte nicht Harry sein. Er schaute seinem Vater direkt in die Augen und flehte: „Wer ist es? Sag es mir einfach!"

Sein Vater schüttelte den Kopf. „Das ist es nicht", sagte er, seine Stimme merkwürdig angespannt, als würde er gerade so seine Gefühle unter Kontrolle halten. „Es ist deine Schwester. Sie ist fort."

„Fort?", wollte er wissen. „Was meinst du mit fort?"

„Sie ist mit Harry fortgegangen", antwortete sein Vater leise.

Mum schluchzte wieder auf und rief aus: „Wir haben sie praktisch weggestoßen. Wie konnten wir? Mein Baby, fort!"

Ron starrte seine Eltern mit großen Augen an und versuchte zu verstehen, was in seiner kurzen Abwesenheit passiert war. „Ginny ist gegangen, um bei Harry zu sein?"

„Sie ist zusammen mit Harry gegangen", korrigierte sein Vater.

Ron ging zu einem Sessel, ließ sich darauf sinken und legte seinen Kopf zwischen seine Hände. Nach einem langen Moment der Stille schaute er wieder zu seinem Vater und fragte: „Harry war hier?" Sein Vater nickte. „Warum sollte er hierherkommen? Was zum Teufel ist passiert?" Es war ein Zeichen ihrer Sorge, dass seine Mutter ihn nicht wegen seiner Wortwahl schalt.

„Der Schulleiter war hier, um Ginny noch einmal nach Harry zu fragen", erklärte sein Vater. Das war nicht wirklich überraschend. Dumbledore war bereits mehrere Male genau aus diesem Grund da gewesen. Er hatte Ron ebenfalls einige Male befragt, auch wenn er wusste, dass Ginny viel mehr im Fokus gestanden war. „Ginny war ..." Er hielt inne, als suche er nach dem richtigen Wort, bevor er fortfuhr: „... verstört und irgendwie wurde Harry alarmiert. Er kam, um nach ihr zu sehen und sie ist mit ihm fortgegangen."

Ron runzelte die Stirn: „Das macht keinen Sinn. Woher würde Harry wissen, dass etwas nicht mit ihr in Ordnung ist und warum würde Ginny sich überhaupt so aufregen? Dumbledore hat sie bereits mehrmals ausgefragt."

„Ich weiß nicht, woher Harry Bescheid wusste", sagte sein Vater ihm. „Der Schulleiter hat Ginny nicht nur befragt." Er hielt inne, fuhr sich müde mit der Hand übers Gesicht und seufzte dann schwer. „Er benutzte Legilimentik, um herauszufinden, was sie weiß."

„Und wir haben ihn gelassen", kreischte seine Mum, bevor sie wieder anfing zu schluchzen.

Ron lehnte sich geschockt in seinem Sessel zurück. Harry hatte nicht viel von seinem Okklumentikunterricht bei Snape letztes Jahr erzählt, aber von dem wenigen, was Harry gesagt hatte, war es nicht angenehm, jemand anderes in seinen Gedanken zu haben. Wenn Ginny etwas zu verheimlichen hatte - und er nahm an das sie das tat -, dann war es kein Wunder, dass sie die Beherrschung verloren hatte. Aber das beantwortete noch nicht, woher Harry wusste, dass er kommen musste, außer Ginny hatte einen Weg, ihn wissen zu lassen, dass sie in Schwierigkeiten steckte. Vielleicht etwas ähnliches wie die Münzen, die sie für die DA benutzt hatten.

Als er die Geschehnisse verarbeitete, fluchte er beinahe. Er konnte nicht glauben, dass er die Chance verpasst hatte, Harry zu sehen. Er wollte ihm so viel sagen. Harry war im vergangenen Jahr so geheimnisvoll gewesen und ihre Freundschaft war nicht die gewesen, die sie einmal gewesen war. Ron wusste, dass die Distanz zwischen ihnen größtenteils seine Schuld war, aber er wusste auch, was Harry vor ihm geheim gehalten hatte. Ein Teil von ihm nahm es Harry übel, dass er es vor ihm geheim gehalten hatte. Ron hatte in der Vergangenheit immer zu ihm gehalten. Es gab also keinen Grund, warum Harry dieses Mal etwas anderes glauben sollte. Aber das war typisch Harry. Er schien immer zu denken, dass er die Dinge alleine bewerkstelligen musste.

Was auch immer Harrys Gründe waren, Ron wusste nun, was Harry ihm nicht gesagt hatte und er wollte Harry helfen und ihm einen Klaps auf den Hinterkopf geben, dafür, dass er dachte, das Ron nur beiseite stehen und ihn die ganze Drecksarbeit erledigen lassen würde. Mehr als alles andere jedoch wollte Ron seinen Freund wiederhaben. Er hoffte nur, dass er die Chance bekommen würde, Harry das zu sagen, bevor es zu spät war.

Sein Vater wandte seine Aufmerksamkeit wieder Rons Mum zu und versuchte sie zu trösten. Ron nahm die Gelegenheit wahr, aus dem Raum zu schleichen. Er brauchte Zeit, um Nachzudenken und mehr als das brauchte er jemanden zum Reden. Seine Gedanken wanderten sofort zu Hermine, aber er schloss sie gleich wieder aus. Sie hatte Harry verraten und versucht, Ron zu erpressen, um ihn dazu zu bringen, sich ihr anzuschließen. Er wollte nicht einmal wissen, was sie von all dem dachte. Zweifellos half sie den anderen, Harry zu finden.

Er brauchte jemanden zum Reden, jemand, der verstand, was Harrys Motivation war. Ron holte Pergament und Feder, setzte sich und begann zu schreiben:

Fred und George,

ihr werdet nicht glauben, was passiert ist ...

OoOoOoOoOoOoOoO

„Ginny?"

„Mhmm?", murmelte sie schläfrig.

„Wirst du bleiben?", fragte er und fürchtete die Antwort mehr als er erwartet hätte. „Oder wirst du zum Fuchsbau zurückkehren?"

Er fühlte, wie sie sich rührte und öffnete seine Augen, als sie ihren Kopf von seiner Brust nahm, um ihm ins Gesicht zu schauen. „Ich gehe nirgendwohin, Harry."

„Versprochen?"

Sie lehnte sich vor und gab ihm einen Kuss: „Versprochen. Schlaf jetzt."

Er lächelte breit, während sie sich wieder an seinen Oberkörper kuschelte. Er drückte sie leicht an sich und sagte: „Wir werden dir Kleidung besorgen müssen. Du kannst nicht für immer meine tragen."

Sie lehnte ihren Kopf zurück und schaute aus einem Auge zu ihm hoch.

„Okay, du kannst meine Kleidung im Bett tragen", gab Harry nach, der vor sich selber schon zugegeben hatte, wie sehr er es genoss, sie in einem seiner T-Shirts und Boxershorts zu sehen. Sie grinste und nahm ihre vorige Position wieder ein. „Aber du wirst deine eigene Kleidung brauchen, und ich glaube nicht, dass es klug wäre, jetzt zum Fuchsbau zu gehen."

„Hab kein Geld", murmelte sie schläfrig an seinem Oberkörper.

„Doch hast du", widersprach Harry. „Meins."

Sie seufzte, sagte aber nichts.

„Ich treffe mich morgen mit Fred und George für ihr Training", sagte er ihr einen Moment später. „Möchtest du mitkommen?"

„'kay", war ihre kaum verständliche Antwort.

„Ich liebe dich, Ginny", flüsterte er und gab ihr einen Kuss auf den Scheitel. Ihr tiefer, gleichmäßiger Atem war die einzige Antwort, die er erhielt. Er lächelte, während er mit einer Hand durch ihr seidiges Haar fuhr und fühlte, wie der Schlaf ihn langsam überkam.

OoOoOoOoOoOoOoO

Als er aufwachte, sah er, dass Ginny bereits wach war. Er zog die Stirn kraus, als er den leeren Platz neben sich bemerkte, da er sich darauf gefreut hatte, noch etwas Zeit im Bett zu verbringen. Entfernt hörte er das Geräusch einer klappernden Pfanne und konnte das Aroma von brutzelndem Speck riechen. Er stand aus dem Bett auf und machte einen Zwischenstopp im Bad, um sich etwas frisch zu machen, bevor er sich ein T-Shirt schnappte und aus seinem Zimmer stolperte, während er es sich über den Kopf zog. Er betrat die Küche und fand Ginny am Herd stehen.

Er lehnte sich gegen den Türrahmen und beobachtete sie, als sie ihre Aufmerksamkeit zwischen dem Speck und dem Rührei aufteilte. Sie trug noch immer seine Boxershorts und sein T-Shirt und er musste sie einfach darin bewundern. Sie sah in den Klamotten auf jedenfall viel besser aus als er es tat. Sie drehte sich um und schreckte zusammen, während sie gleichzeitig überrascht aufschrie. „Merlin, Harry", schimpfte sie. „Du hast mich erschreckt."

„Entschuldige", sagte er, als er zu ihr ging und ihr einen kurzen Kuss gab. „Ich wusste nicht, dass ich so furchtbar am Morgen aussehe."

Sie schlug mit einem Handtuch nach ihm und murmelte: „Blödmann." Sie drehte sich wieder zum Herd um und befahl: „Schenk uns etwas zu trinken ein und setz dich. Ich habe das hier unter Kontrolle."

Harry tat wie geheißen, schenkte zwei Gläser Orangensaft ein und setzte sich, zufrieden, sich zurückzulehnen und ihr beim Arbeiten zuzusehen. Doch wenn er ehrlich mit sich selbst war, achtete er nicht besonders darauf, was ihre Hände taten. Stattdessen waren seine Gedanken und sein Blick auf ihren Hintern gerichtet und wie er sich gestern in seinen Händen angefühlt hatte. Er erstaunte sich beinahe selbst mit der Erkenntnis, dass er ihn wahrscheinlich wann immer er wollte berühren durfte. Nun, vielleicht nicht wann immer er wollte. Aber nachdem sie seine Hände gestern dort platziert hatte, wäre sie sicherlich nicht dagegen, wenn er nun die Initiative ergriff. Sie schien es fast so sehr wie er genossen zu haben.

Gerade als er zu überlegen begann, an welche anderen interessanten Plätze er vielleicht bald seine Hände legen durfte, wurde Harry plötzlich aus seinen Gedanken gerissen, als Ginny einen Teller vor ihn hinstellte. „Es ist kein kulinarisches Meisterwerk, aber es ist essbar", sagte sie und schaute irgendwie zärtlich auf das auseinanderfallende Omelette. „Warum lächelst du?"

„Mhmm", fragte er und riss sich endlich aus seinen Gedanken. „Oh, nichts. Das sieht ... nun, ich bin mir sicher, dass es sehr lecker sein wird."

Sie verdrehte die Augen. „Du bist ein Idiot, Harry" Einen Moment später setzte sie sich mit ihrem eigenen Teller ihm gegenüber an den kleinen Tisch und meinte: „Behalt dieses Verhalten bei und wir werden sehen, ob ich jemals wieder für dich kochen werde."

Nachdem er eine Gabel voll von dem Omelette gegessen hatte, sagte Harry: „Es ist gut, wirklich. Danke fürs Kochen."

„Gern geschehen", erwiderte sie und widmete sich ihrer eigenen Mahlzeit. Sie aßen einige Zeit schweigend, bevor sie fragte: „Was hast du also für heute geplant?"

„Nun, ich hatte vor, mit dir Kleidung einzukaufen, und dann ..."

„Kleidung einkaufen?", unterbrach Ginny.

„Ja", sagte Harry verwirrt. „Wir haben gestern Nacht darüber geredet."

„Haben wir?"

„Mhmm", murmelte Harry mit einem Mund voll Speck. Er schluckte und fügte hinzu: „So sehr ich es auch genieße, dass du meine Klamotten im Haus trägst, kannst du so nicht hinaus in die Öffentlichkeit."

„Ich erinnere mich nicht daran, dass wir darüber geredet haben", murmelte sie zu sich selbst.

„Nun, du warst ziemlich erledigt", kommentierte Harry. „Du warst schon halb am Schlafen."

„Für was sonst hast du also meine Zustimmung eingeholt, während ich schon im Halbschlaf war?", fragte sie neckisch.

„Oh, nicht viel", sagte Harry. „Du hast zugestimmt, heute mit Fred und George zu trainieren und du hast mir vollen Zugriff zu deinen Hintern gegeben, so viel und wann es mir gefällt."

„Habe ich das, ja?", fragte Ginny skeptisch nach.

„Jepp", erwiderte er, nachdem er seinen letzten Bissen runtergeschluckt hatte. Er zwinkerte Ginny zu und brachte seinen Teller dann zur Spüle. Er drehte gerade den Wasserhahn auf, als ihm etwas einfiel und er einfach einen Reinigungszauber auf den Teller und die Gabel warf. Er räumte sie auf und drehte sich wieder zu Ginny, die gerade mit Essen fertig war. Er nahm ihren Teller, säuberte ihn und wandte sich um, um ihn ebenfalls aufzuräumen.

„Ich schätze, der Deal gilt für uns beide, oder, Mr. Potter?", fragte Ginny und er fühlte, wie sie sich hinter ihn stellte.

„Mhmm?", fragte er, gerade als er einen Kniff an seinem Hintern spürte. „Hey!", rief er aus und der Teller machte ein klapperndes Geräusch, als er ihn auf den Tellerstapel fallen ließ. Er drehte sich um und beäugte seine grinsende Freundin, die langsam weiter nach hinten wich und sagte: „Pass auf, Weasley, oder ich muss dich bestrafen."

„Oh", neckte sie. „Was hast du dir vorgestellt?"

Harry grinste gefährlich und ging langsam auf sie zu, seinen Blick fest auf ihren gerichtet. Er streckte eine Hand aus und packte sie an der Taille, während er die andere an ihre Seite legte und begann sie zu kitzeln.

„Nein", schrie sie lachend. Sie befreite sich aus seinem Halt und rannte ins Wohnzimmer.

Harry war ihr dicht auf den Fersen. Er sprang über die Rückseite des Sofas und schaffte es, sie an der Taille zu erwischen. Er zog sie mit sich, bis er gegen die Kissen fiel und seine Hände fanden direkt ihren Weg zu ihren Seiten, die sehr empfindlich waren.

Sie heulte fast vor Lachen und protestierte: „Hör auf". Er tat es nicht. „Harry, bitte!"

Er hörte auf, sie zu kitzeln, aber er hielt sie fest an sich gedrückt. „Hast du deine Lektion gelernt?"

Sie drehte sich in seinen Armen, bis sie rittlings auf ihm saß. „Natürlich", erwiderte sie.

„Und was hast du gelernt?"

Sie lehnte sich vor, so dass ihre Lippen nur einen Millimeter von seinen entfernt waren: „Sei immer auf der Hut."

Ohne eine weitere Warnung begann sie seine Seiten zu kitzeln. Harry nahm einen gelangweilten Gesichtsausdruck an, als er ihre Bemühungen beobachtete. Sie schaute zu ihm hoch und runzelte die Stirn, dann lehnte sie sich nach hinten und versuchte es mit seiner Kniekehle. Er zog herausfordernd seine Augenbrauhe hoch. Sie ging von ihm runter und auf den Boden, wo sie einen seiner Füße packte und es dort versuchte. Er musste den leisen Drang zu kichern unterdrücken, konnte es aber rechtzeitig und schaute sie wieder ausdruckslos an: „Hast du Spaß?"

„Das ist nicht fair", beschwerte sie sich und gab ihm einen leichten Klaps auf die Hüfte. „Du musst irgendwo kitzlig sein."

„Muss ich?", fragte er und grinste sie schelmisch an. „Nun, ich schätze, dann musst du wohl weitersuchen."

„Wer muss suchen?", fragte sie und erwiderte sein Grinsen. Sie hob eine Hand und sagte: „Rictumsempra."

Er hatte keine Zeit, um sich zu schützen, bevor der Zauber auf seine Brust traf. Harry brach sofort in Gelächter aus, welches es ihm schwer machte, Luft zu bekommen. Nach einiger Zeit konnte er sich lang genug sammeln, um seine Magie zu sich zu rufen und den Zauber aufzuheben. „Das war nicht fair, Weasley, Tricks zu benutzen, die ich dir beigebracht habe."

„Das funktioniert wenigstens", sagte sie und ignorierte seinen letzten Satz. „Ich werde ihn einfach immer benutzen müssen, wenn ich versuche, dich zu kitzeln. So. wegen dem ganzen Lachen muss ich jetzt auf die Toilette."

Harry lachte, als sie aufsprang und ins Bad rannte. Nachdem er die Toilettenspülung gehört hatte, rief sie: „Ich geh duschen!"

Harry zuckte mit den Schultern und machte es sich mit einem Buch bequem, bis er eine Dusche nehmen konnte.

OoOoOoOoOoOoOoO

„Was denkst du?", fragte Harry.

Sie schaute ihr Spiegelbild kritisch an. Es war sehr merkwürdig, die brünetten Haare und die sonnengebräunte Haut zu sehen. Ihre Sommersprossen waren verschwunden. Sie schaute eine völlig fremde Frau an. „Ich erkenne mich kaum wieder", meinte sie kaum lauter als ein Flüstern.

„Gut", meinte Harry und ihre Stimme schreckte sie aus ihren Gedanken heraus.

Sie drehte sich zu ihm und war geschockt, das Gesicht eines Fremden zu sehen. „Du hast mich erschreckt", sagte sie und hielt sich eine Hand an die Brust.

„Ich nehme das als ein Kompliment", sagte er mit einem Lächeln.

„Ich dachte, wir gehen erst einmal Muggelkleidung einkaufen", sagte Harry dann.

„Warum dann ...?"

„Wir müssen in die Winkelgasse apparieren und von dort durch den Tropfenden Kessel gehen", erklärte er. „Wir lassen die Verkleidung außerhalb des Geschäftes fallen", fuhr er fort. „und legen sie wieder über uns, bevor wir in die Winkelgasse zurückkehren."

„Okay", stimmte sie zu und legte eine Hand auf seinen Arm. „Dann lass uns gehen."

Er lächelte ihr zu und führte sie nach draußen, wo sie disapparierten. Sie gingen durch den geschäftigen Tropfenden Kessel und traten auf einen vollen Fußgängerweg in Muggellondon hinaus. „Wohin jetzt?"

„Hier lang", sagte Harry und nahm sie bei der Hand, um sie die Straße hinunter zu führen. „Es ist nur ein paar Blocks entfernt."

Als sie sich dem Kaufhaus näherten, duckten sie sich kurz in eine kleine Gasse, um ihre Verkleidungen abzulegen. Als sie wieder heraustraten, fragte Ginny: „Ist es das Kaufhaus, in dem du auch letzten Sommer eingekauft hast?"

„Ja", erwiderte er. „Es ist riesig und hat wirklich alles, was du brauchen könntest."

„Und hier hast du auch deine - äh- Freundin getroffen, ja?", fragte sie neugierig nach.

„Hmm? Oh, du meinst Jessica? Ja, sie hat mir geholfen, alles auszusuchen", meinte er. „Ich hatte keine Ahnung. Ich frage mich, ob sie noch immer hier arbeitet."

Ginny konnte sein Gesicht mit der gekrausten Stirn nicht anders als süß bezeichnen. Sie drückte seine Hand und verschränkte ihre Finger miteinander. Sie versuchte, die Nervosität zu unterdrücken, die sie bei der Möglichkeit fühlte, das Mädchen zu treffen, mit dem er letztes Jahr ausgegangen war. Sie war albern, das war alles. Es war nicht so, als würde sie sich Sorgen machen, das er sie für Jessica verlassen würde. Aber er hatte ein Rendez-vous {Ist das die richtige Schreibweise? Ich kenne nur jene ohne Bindestrich, aber Du bist schließlich in Frankreich gewesen.} mit ihr gehabt, also musste er etwas in ihr gesehen haben. Ginny konnte nicht anders als zufrieden zu sein, dass er nicht einmal erwogen hatte, dass sie vielleicht auf sie treffen könnten.

Und wirklich. Sie waren keine zwei Minuten im Laden, als eine weibliche Stimme ausrief: „Harry?". Als er sich zu der Stimme umdrehte, konnte sie schnell sehen, warum Harry sich von ihr angezogen gefühlt hatte. „Du bist es!" Das sehr hübsche Mädchen umarmte einen verwirrt aussehenden Harry. Harry hatte kaum die Zeit, seine freie Hand um sie zu legen, bevor sie sich auch schon wieder von ihm löste. „Wie geht es dir? Gott, es ist schon so lange her. Und wer ist das?", fragte sie, als sie Ginny sah. „Warte, sag nichts. Ginny, stimmt's?"

Das ließ Ginny beinahe erstarren. Woher wusste sie ...? Sie schüttelte den Gedanken ab und löste ihre Hand von Harry, um sie dem Mädchen hinzustrecken: „Genau, Ginny Weasley. Es ist schön, dich endlich kennenzulernen."

Nachdem sie sich die Hände geschüttelt hatten, drehte Jessica sich wieder zu Harry. „Ha! Nur eine Freundin, nicht wahr?", frohlockte sie, und schlug Harry spielerisch mit der Faust gegen die Schulter. Sie wandte sich wieder an Ginny und sagte in einer leiseren Stimme: „Ich konnte es in seinen Augen sehen und in seiner Stimme hören, als er mir von dem Tanz erzählte, zu dem er mit dir geht. Ich wusste, er war völlig in dich verschossen."

Ginnys Unbehagen schien zu verschwinden und sie lächelte breit. Sie mochte das Mädchen auf Anhieb. Sie tauschten etwas Smalltalk aus. Jessica erzählte von der Universität und Harry antwortete vage auf ihre Fragen zu ihrem Internat. Nach ein paar Minuten kamen sie zum Geschäftlichen und Jessica führte Ginny am Arm zur Abteilung für die Frauenkleidung, während Harry ihnen folgte. Sie war enthusiastisch, was ihren Job anging, das musste Ginny ihr lassen. Es dauerte nicht lange, bis sie in eine Umkleidekabine geführt wurde.

Jessica kam und ging, immer neue Sachen bringend oder die nicht gewünschten wieder mitnehmend. Harry machte es sich auf einem Sessel außerhalb der Umkleidekabine gemütlich und gab gelegentlich seine Meinung, aber meistens schien er verloren zu sein, als sie und Jessica die verschiedenen Outfits und Accessoires besprachen. Die Erfahrung ließ Ginny sich ein wenig schwindlig fühlen. Sie war sonst nicht so begeistert dabei, wenn es ums Shoppen ging, aber normalerweise hatte sie auch nicht solch ein freies Budget zur Verfügung. Es ließ sie sich ein wenig schuldig fühlen, weil sie Harrys Geld so leichtfertig ausgab, aber sie unterdrückte das Gefühl schnell, da sie wusste, das Harry nicht wollen würde, dass sie sich schlecht fühlte, weil sie sein Geld ausgab. Er war tatsächlich ziemlich unnachgiebig, was das anging.

Zwei Stunden später packte Jessica alles zusammen und Harry bezahlte, was sich für Ginny nach einer fast obszönen Menge Geld für einige Taschen voller Kleidung anhörte. Sie erinnerte sich immer wieder daran, dass Galleonen viel mehr als Pfund wert waren. Doch selbst so konnte sie sich fast nicht vorstellen, nur die Hälfte des Geldes für so etwas einfaches wie Kleidung auszugeben, aber Harry bestand darauf.

„Es war toll, dich wiederzusehen", sagte Jessica zu Harry, als sie ihn noch einmal in eine Umarmung zog.

„Und es war schön, dich kennenzulernen", fuhr sie fort und umarmte Ginny.

Ginny erwiderte die Umarmung. „Es war schön, dich kennenzulernen. Vielen Dank für deine Hilfe."

„Ach, das war nichts", sagte sie und winkte ab. „Ich hoffe, Harry weiß ein paar der anderen Dinge zu schätzen, die wir ausgesucht haben", flüsterte sie mit einem verschwörerischen Grinsen.

Ginny errötete. Jessica hatte Harry für eine Weile fortgeschickt und hatte mehr oder weniger befohlen, dass Ginny zusammen mit ihrer normalen Auswahl noch etwas gewagtere Unterwäsche kauft. Ihre Mutter wäre schockiert, aber nur der Gedanke, wie Harry sie in ihnen sehen würde, sandte ein Schaudern durch ihren Körper. Was ihre Mutter nicht wusste, würde ihr nicht wehtun.

„Nun, ich erwarte euch beide noch einmal zu sehen, bevor ihr zu eurer Schule zurückkehrt" meinte Jessica.

Mit dem Versprechen, später im Sommer Zeit für sie zu finden, verließen sie und Harry das Geschäft und schlichen wieder schnell in eine Gasse, um die Taschen zu schrumpfen und legten ihre Verkleidung wieder an. Sie aßen schnell in einem Restaurant, an dem sie auf dem Weg zum Tropfenden Kessel vorbeikamen, zu Mittag, bevor sie wieder in die Winkelgasse gingen. Ihre Einkäufe waren hier viel weniger abenteuerlich. Sie suchte sich ein paar einfache Roben aus, bevor sie verkündete, dass sie fertig war. Um ehrlich zu sein war sie nie ein großer Fan der typischen Hexengarderobe gewesen. Sie zog Muggelkleidung vor.

Als sie zu Weasleys Zauberhafte Zauberscherze gingen, fühlte Ginny einen plötzlichen stechenden Schmerz des Bedauerns, Überbleibsel ihres letzten Zusammentreffens mit ihren Eltern. Sie ignorierte das Gefühl und fasste Mut, als Harry ihre Hand leicht drückte und ihren inneren Kampf scheinbar verstand. Fred und George hatten nichts mit dem zu tun, was passiert war, aber die Erinnerung an ihre Familie löste eine Sehnsucht in ihr aus. Während ihres ganzen Lebens war ihre Familie immer für sie dagewesen und während sie wusste, dass sie sie immer noch liebten, wusste sie auch, dass sie ihr Zusammenleben mit Harry nicht gutheißen würde. Fred und George ausgenommen. Sie wusste, dass sie sich auf Fred und George verlassen konnte und das gab ihr die Kraft, die sie brauchte, um die ungewollten Gefühle beiseite zu schieben und die Tür zu ihrem Laden zu öffnen.

„Willkommen bei - Oh, Sie sind es", sagte die Mitarbeiterin als ihr Blick auf Harry fiel, bevor sie zu Ginny schaute: „Ich schätze, Sie möchten dann zu den Zwillingen?"

„Ja bitte, Cameron", erwiderte Harry.

„Eine Sekunde." Damit verschwand sie nach hinten und ließ sie und Harry allein zurück.

Sie zog fragend eine Augenbraue hoch und Harry zuckte nur mit den Schultern. Es schien, als sei das das normale Verhalten für die Frau. Sie kam einen Moment später von Fred gefolgt zurück. „Nun, wen haben wir denn da?", fragte er rhetorisch. „Hast du eine Freundin abgekriegt, mhmm? Und du beziehst sie in deine Geschäfte ein. Muss was ernstes sein."

Ginny verdrehte die Augen über seine Worte, aber hielt sich angesichts der Anwesenheit des anderen Mädchens davon ab, etwas zu erwidern. Harry sagte: „So ist es. Sollen wir?" Wortgewandt wie immer.

Fred deutete ihnen mit einer ausladenden Verbeugung an, dass sie vor ihm her nach hinten gehen sollten. Sobald die Tür hinter ihnen zufiel, sagte er: „Wie schön, dass du uns Gesellschaft leistest, kleine Gin-Gin."

„Unsere langverlorene Schwester", rief George aus, als er durch den Flur eilte und sie in eine Umarmung zog, die einer Umarmung ihrer Mutter in nichts nachstand.

„Wir sind so froh, dass du in Sicherheit bist", verkündete Fred und tat so, als würde er sich Tränen aus den Augen wischen.

„Wir waren krank vor Sorgen", fuhr George fort.

„Das reicht", unterbrach Ginny und machte sich von George frei. „Ich bin hier, um Harry zu helfen, euch in Topform zu bringen."

Zwei Augenbrauenpaare wurden bei dieser Aussage nach oben gezogen. Sie gingen in einen leeren Raum, von dem Ginny annahm, dass er als ihr Trainingsraum dienen sollte, als George meinte: „Nach meinem letzten Wissensstand bist du noch immer minderjährig, Ginnikins."

„Außer du bist inzwischen auch so ein zauberstabloses Wunder wie unser Harry hier", warf Fred ein.

Ginny musterte die beiden ruhig. „Was glaubt ihr?", fragte sie.

„Ihr möchtet vielleicht darüber nachdenken, wie ihr das beantwortet", sagte nun Harry. „Tatsächlich", fuhr er fort und drehte sich nach einer kurzen Gedenkminute zu ihr: „möchte ich sehen, wie du gegen die beiden antrittst."

„Es stimmt also?", fragte Fred.

„Oder hast du einen zweiten Zauberstab?", wollte George wissen.

Ginny beschloss, alles auf eine Karte zu setzen und baute die Magie in sich auf, bevor sie ihre Arme ausstreckte und zwei Schockzauber auf die Zwillinge warf. Zwei rote Lichtstrahlen trafen auf ihr Ziel und die beiden Brüder wurden bewusstlos auf den Rücken geworfen.

Harry pfiff bewundernd. „Hast du geübt?", fragte er.

Ginny schüttelte den Kopf, selbst überrascht. „Nein", erwiderte sie. Sie hatte seit Malfoy Manor nicht mehr wirklich ohne Zauberstab gezaubert, da sie sehr mit ihren Z.A.G.s beschäftigt gewesen war. Außerdem hatten sie mit der ganzen Aufmerksamkeit auf ihr und besonders auf Harry ihre außerschulischen Aktivitäten sehr beschränkt.

„Nun", sagte Harry, als er zu ihren Brüdern ging. „lass uns sehen, ob du das noch einmal wiederholen kannst." Er erlöste die beiden aus ihrer Bewusstlosigkeit und half ihnen auf die Füße, während er sagte: „Was hab ich euch beiden darüber gesagt, immer bereit zu sein?"

Ginnys Brüder stöhnten auf, als sie sie mit einem gesunden Respekt für ihre Fähigkeiten musterten. „Haben wir den Unterricht über zauberstablose Magie verpasst?", grummelte Fred.

„Ich glaube nicht, Bruder", erwiderte George und rieb sich theatralisch den Rücken. „Ich denke, den hätten wir sicherlich nicht verpasst."

„Und wir hätten uns sogar Notizen gemacht", stimmte Fred mit einem Nicken zu.

„Was geht hier vor, Kinder?", fragte George.

„Wo können wir uns für Unterricht einschreiben?"

„Ihr habt im Moment keine Zeit für Unterricht für zauberstablose Magie", sagte Harry fest mit seiner Professorenstimme. „Lass uns euch erstmal mit Zauberstäben auf Trab bringen, bevor wir uns darüber Sorgen machen."

„Du bist der Boss", antworten sie im Chor und überraschten Ginny damit. Es sah Fred und George nicht ähnlich, so einfach nachzugeben, besonders bei etwas, das ihren spitzbübischen Charakter ansprechen würde. Und sie zweifelte nicht daran, dass sie alle Streiche überdachten, die sie ausführen könnten - und unentdeckt bleiben könnten - wenn sie zauberstablose Magie lernten.

„So, kleine Gin-Gin", sagte George.

„Möchtest du es noch einmal versuchen?", beendete Fred für George den Satz.

„Ich dachte, ihr würdet nie fragen." Der Kampf hatte begonnen.

Sie sandte drei Schockzauber auf George und wich einer Serie von Flüchen aus, die Fred auf sie warf. Georges Schutzzauber absorbierte alle drei Zauber und sie wurde in die Defensive gedrängt, als George Fred zur Unterstützung eilte, der seinen Vorteil nutzte. Sie hielt einen Moment einen Schutzschild vor sich, bevor sie es während einer kurzen Verschnaufpause fallen ließ und dann ebenfalls angriff. Da die beiden sie zusammen angriffen, war sie gezwungen, sich ständig zu bewegen, sich zu ducken und wegen einem anderen Zauber zur Seite zu springen.

Sie konzentrierte ihre ganze Feuerkraft auf Fred, da sie nicht den Versuch unternehmen wollte, beide auf einmal zu besiegen. Sie zwang sich, ein Schutzschild nicht länger als einen Moment aufrecht zu erhalten, um Fred nicht die Zeit zu geben, sich zu sammeln. Als sie ihren Zaubern weiter auswich, schaffte sie es, sie langsam so zu manövrieren, dass sie beinahe hintereinander standen. Jetzt, wo ihre Zaubersprüche praktisch aus derselben Richtung kamen, war es viel einfacher, auszuweichen, und sie konnte ihre Angriffe gegen Fred verstärken, bis er sich nicht länger wehren konnte.

Nachdem er mehreren Zaubern ausgewichen oder sie abgewehrt hatte, wurde er schließlich von einem Petrificus Totalis überwältigt. Da sie die Regeln für dieses Duell nicht kannte, gab sie George nicht die Gelegenheit, zu versuchen, seinen Zwilling von dem Zauber zu befreien. Ihre Zauberschnelligkeit war bedeutend besser als die ihres Bruders und es dauerte keine ganze Minute, bis er einem Schockzauber zum Opfer fiel.

Als der Zauber ihn traf, wippte Ginny aufgeregt auf ihren Zehen auf und ab; das Adrenalin in ihrem Körper drängte sie für noch mehr Action. Es kam in der Gestalt eines roten Lichtblitzes von ihrer Seite. Sie wehrte ihn mit einem eiligen Protego ab und antwortete auf dieselbe Weise. Sie mochte schnell sein, aber Harry war schneller. Selbst mit dem Adrenalin konnte sie kaum mit ihm mithalten. Es dauerte vielleicht eine Minute, bis sie in die Defensive gedrängt wurde. Seine Zauber flogen schnell und es war, als könnte er voraussehen, wo sie sein würde, bevor sie das wusste.

Sie würde jedoch nicht aufgeben. Sie sprang zur Seite und machte eine Rolle, dann sprang sie sofort wieder auf die Füße und warf zwei Schockzauber, bevor die Welt um sie herum schwarz wurde.

Sie ächzte, als sie ihre Augen wieder öffnete.

„Alles okay?", war Harrys Stimme zu hören. Sie bemerkte einen besorgten Unterton in seiner Stimme.

„Gut", grummelte sie.

„Schön", sagte er. „Weil du warst unglaublich", schwärmte er beinahe.

Sie setzte sich schnell auf. „Was meinst du?", fragte sie. „Ich konnte kaum einen Zauber gegen dich abfeuern."

„Sei nicht albern", winkte er ab. „Das war die beste Leistung, die ich von dir ohne Zauberstab je gesehen habe. Nein. Das nehme ich zurück. Das ist die beste Leistung, die ich je von dir gesehen habe. Punkt."

Seine Worte brachten sie zum Nachdenken und sie erkannte erst dann die Bedeutung von dem, was sie getan hatte. Im Eifer des Gefechts hatte sie keine Zeit gehabt, darüber nachzudenken, was sie tat. Es war ihr nicht aufgefallen, dass sie noch nie so mühelos Zauber ohne Zauberstab geworfen hatte. Sie hatte sich in den vergangenen Monaten stark verbessert, aber sie brauchte immer ihre gesamte Konzentration, um ihre Magie ohne Zauberstab zu benutzen. In einem offenen Kampf hatte sie Probleme gehabt, ihre Magie zu kontrollieren. Bis jetzt.

„Kannst du es noch einmal tun?", fragte er. Es war merkwürdig, ihn so begeistert zu sehen und sie konnte fühlen, wie sie sich schon besser fühlte. {Ein bischen viel fühlen ... Vielleicht besser: ... und sie merkte, wie sie sich ...}

„Ja", sagte sie und stand auf. „Lass es uns wiederholen." Sie schaute sich im Raum um und sah, dass ihre Brüder noch immer bewusstlos waren. Sie ging zu ihnen und weckte sie wieder auf, immer noch erstaunt, wie mühelos sie Magie anwandte. „Hoch mit euch, Jungs", befahl sie. „Ihr seid jetzt auf meiner Seite. Es ist an der Zeit, dass wir Harry zum Schwitzen bringen."

Ihre Brüder stellten sich in fächerförmiger Formatio, jeweils an einer Seite von ihr, auf, während sie und Harry sich in die Augen schauten. Er grinste leicht und spottete: „Glaubt ihr, ihr kommt gegen mich an, Weasleys?"

Sie und ihre Brüder dachten dasselbe und antworteten nur mit Zaubern. Harry schien das zu erwarten und wich der ersten Angriffswelle mit Leichtigkeit aus. Während sie und ihre Brüder ihren Angriff aufrecht erhielten, wich Harry den Zaubern aus. Er duckte sich und sprang zur Seite. Er spielte mit ihnen. Sie hob ihre andere Hand und begann zwei Zauber auf einmal zu werfen. Sie war noch nicht selbstbewusst genug, um verschiedene Zauber gleichzeitig auszuprobieren, aber im Moment war der Zauber nicht wichtig. Sie wollte ihn einfach nur treffen.

Sie war nur leicht zufrieden als sie sah, wie er nun begann Schutzzauber zu verwenden. Wenn er genug vom herumspielen hatte, bedeutete das, dass der Angriff folgen würde. Er rannte auf George zu, der gerade noch zur Seite treten und einen Schutzzauber errichten konnte, bevor Harry begann, Zauber auf ihn zu werfen. Sie wusste, dass George nicht lange standhalten würde, als Harry ihn weiterangriff, während er gleichzeitig mühelos Freds und ihre Zauber mit der anderen Hand abwehrte. Als es so aussah, als würde Georges Schild gleich zusammenbrechen, rief sie ihn zu sich und weg von Harrys Zaubern.

Sie löste den Zauber und trat zur Seite, um nicht von dem Körper getroffen zu werden, während sie einen Arm ausstreckte, um ihn abzubremsen und gleichzeitig einen Schutzzauber vor sich und George errichtete. Harry fuhr mit seinem Angriff fort und drohte: „Dafür krieg ich dich, Weasley."

Selbst mit drei von ihnen anwesend wusste sie, an wen die Drohung gerichtet war. Er hielt sein Wort und fokussierte seine Aufmerksamkeit auf sie. Sie musste wirklich lernen, einen Schutzzauber aufrecht zu halten und gleichzeitig anzugreifen. Selbst mit ihren Brüdern, die halfen, war sie dazu gezwungen, auszuweichen und Schutzschilde zu errichten und konnte kaum eigene Zauber auf Harry werfen. Er hielt dem Angriff stand und sie fragte sich, wie mächtig Harry geworden war. Das ständige Licht der Zauber, die an dem Schutzschild um ihn herum erloschen, warfen ein überirdisches Leuchten auf ihn und bestärkte das Bild nur.

Sie sah den kleinen Ball, der auf sie zukam, fast nicht, bevor er sie am Oberschenkel traf. Verdammt, tat das weh. Sie duckte sich und fühlte, wie ein weiterer Ball über ihren Kopf hinwegsauste. Sie fluchte und sprang hoch, als ein Ball sie am Fuß erwischte und erst als das rote Licht sie fast erreichte, erkannte sie, dass sie ihren Schutzschild hatte fallen lassen und dann wurde alles dunkel um sie.

OoOoOoOoOoOoOoO

Zu sagen, dass Harry von ihren Fähigkeiten beeindruckt war, wäre eine Untertreibung. Während sie ihre wahren Fähigkeiten vor dem Rest der Schülerschaft verborgen hielt, wusste Harry, dass sie mit dem Zauberstab besser als jeder andere Schüler war - sich ausgenommen. Ohne den Zauberstab jedoch hätte sie gegen die meisten ihrer Mitschüler Probleme gehabt - angenommen, die Mitschüler dürften ihren Zauberstab verwenden.

Zumindest war das noch vor wenigen Wochen der Fall gewesen. Harry war sich ziemlich sicher, dass das nicht mehr stimmte. Sie war so gut gewesen wie sie auch mit dem Zauberstab immer gewesen war, vielleicht besser, und diese Darbietung war kein Glückstreffer. Sie wiederholte es am nächsten und auch am übernächsten Tag. Nicht nötig zu sagen, dass Fred und George schnell einen gesunden Respekt für ihre Fähigkeiten entwickelten, auch wenn sie genauso oft mit ihr wie gegen sie kämpften. Harry mochte keinen Zugriff mehr auf Trainingsdummies haben, aber die drei Weasleys waren mehr als zufriedenstellender Ersatz.

Das einzige, was sie brauchten, war mehr Platz, aber er arbeitete bereits daran. Leider zeigte sich, dass die Vergrößerung von Raum recht komplexe Magie war. Er begann jedoch Fortschritte zu machen und war sich sicher, dass er bald eine vergrößerte Duellierfläche für ihr Training kreieren konnte.

Er las gerade wieder über die Theorie hinter dieser Art von Magie, als er den Alarm hörte. Er stand von seinem Stuhl auf und trat zur Karte, als Ginny zu ihm geeilt kam. Zwei Namen leuchteten aufeinander auf: Parvati und Padma Patil. Gegen jeden Instinkt in seinem Körper ankämpfend blieb er vor der Karte stehen und starrte auf die blinkenden Namen, als er auf Remus und Tonks wartete.

Die Sekunden wurden zu Minuten. Er wusste, dass die Chancen gut standen, dass sie mit zwei Portschlüsseln im Haus jeden hinausbringen hatten können, aber das hielt seine Gedanken nicht davon ab, sich die verschiedensten Szenarien vorzustellen, wie die Mädchen und ihre Familien gefoltert werden konnten. Er schüttelte entschieden den Kopf, sagte „Das reicht" und trat einen Schritt zurück.

„Du kannst nicht alleine gehen", protestierte Ginny und packte ihn am Arm.

Harry drehte sich mit gerunzelter Stirn zu ihr: „Warum nicht? Ich habe alleine gearbeitet, seit ich begonnen habe."

„Und du hast Glück, dass du noch immer am Leben bist", konterte sie.

„Ich habe mir den Arsch dafür aufgerissen", schrie er fast. Er holte tief und beruhigend Luft, bevor er fortfuhr: „Hör zu, ich habe ihnen eine Chance gegeben. Wenn sie könnten, wären sie längst da oder hätten Bescheid gegeben."

„Dann lass mich mit dir kommen", sagte sie.

„Nein!", antwortete er und schaute ihr in die Augen. „Du bist noch nicht bereit!"

„Ich kann helfen", verteidigte sie sich und hielt ihre Hände aus. „Ich weiß nicht, warum es so plötzlich passierte, aber so ist es. Der Zauberstab spielt keine Rolle mehr. Ich bin ohne ihn genauso gut wie mit ihm."

„Du bist noch nicht bereit", wiederholte er.

„Harry", protestierte sie und hielt ihn am Arm fest.

„Wir haben jetzt keine Zeit, um zu diskutieren", sagte er fest. „Ich verspreche, dass wir darüber reden, wenn ich zurückkomme."

Sie starrte ihn einen langen Moment lang an, bevor sie seinen Arm schließlich losließ. Er lehnte sich zu ihr herunter und gab ihr einen kurzen Kuss auf die Lippen, bevor er murmelte: „Ich liebe dich." Er stellte sich wieder gerade hin und schaute noch kurz zu ihr hinunter, bevor er disapparierte, gerade noch hörend, wie sie seine Worte wiederholte.

Er tauchte vor dem großen Patilhaus auf und nahm sofort die Situation in sich auf. Die Haustür war aufgesprengt worden und er konnte noch immer drei Leute im Haus spüren. Er hoffte, dass keiner von ihnen die Patils waren, aber er eilte schnell zur Tür, um es herauszufinden. Er schlich sich leise hinein und den Flur hinunter, wobei er einen Desillusionierungszauber über sich warf, als er sich dem Trio näherte.

Er lugte in den Raum und sah, dass zwei Todesser zu ihm schauten. „Er ist hier!", verkündete einer, während der andere einen Zauberspruch warf, der keinen sofort sichtbaren Effekt hatte.

Harry fluchte im Stillen und versteckte sich hinter der Wand, als ein Zauber einen Moment später einen Teil des Türrahmens wegsprengte. Harry verfluchte seine Dummheit. Er wusste, dass die Desillusionierung verschwommen sichtbar wurde, wenn er sich zu schnell bewegte. Er ging leicht in die Hocke und sprang dann zurück in den Türrahmen, die ganze Zeit Flüche werfend. Gerade als sein erster Zauber auf einen Schutzzauber prallte, spürte er, wie eine größere Anzahl Zauberer außerhalb des Hauses auftauchte. Einen Moment später fühlte er eine Magiewelle, die über die nähere Umgebung hinwegschwemmte und von dem dritten Todesser im Raum zu kommen schien.

Harry hatte ein ganz schlechtes Gefühl bei der Sache und er ging wieder hinter der Wand in Deckung, um den antwortenden Zaubern der Todesser auszuweichen. Er griff zu seinem Notfallportschlüssel, aber - wie er vermutet hatte - aktivierte er sich nicht. Er war direkt in einen Hinterhalt gelaufen und nun würde er sich seinen Weg hinaus weg von den Schutzzaubern kämpfen müssen. Er trat einen Schritt zurück zur Haustür, als er mit Gewalt nach vorne geworfen wurde, als die Wand hinter ihm explodierte und Splitter überall hinflogen.

Harry fluchte laut. Er ignorierte die Schmerzen und krabbelte schnell auf Händen und Füßen zurück in den Flur. Er konnte zwei Todesser hinter sich fühlen und wich schwankend ihren Zaubern aus, als vier weitere Todesser sich der Haustür näherten.

Als Harry sich wieder fasste, schaute er durch das Loch, wo einmal die Haustür gewesen war und sah, wie einige der Neuankömmlinge sich näherten. Alle bis auf eine trugen Masken, um ihre Identität zu verstecken. „Kann der süße kleine Potter raus zum Spielen kommen?", höhnte der unmaskierte Todesser, während er einen Cruciatus durch die Öffnung warf. Harry wich dem Zauber aus. Seine Gedanken überschlugen sich und sein Herz schlug schnell in seiner Brust. Er wusste, er war in Schwierigkeiten. Wenn er versuchte, sich hindurchzukämpfen, würde er umzingelt sein. Er realisierte seine einzige andere Option und rannte die Treppe hoch, drei Stufen auf einmal nehmend. Er machte einen Hechtsprung auf den Fußboden des ersten Stockwerks und rollte sich zur Seite, während mehrere Zauber an ihm vorbeiflogen und auf die Wand prallten.

Er stand auf und erwiderte das Feuer mit zwei Explosionszaubern, die er mitten in die Todesser warf, aber die Zauber wurden abgewehrt, als der erste der Todesser das Fußende der Treppe erreichte. „Der arme kleine Potter kann nirgendwohin fliehen", spottete Bellatrix mit ihrer zuckersüßen Stimme. „Und kein kleines Hündchen hier, um ihn zu retten." Harrys Blick verschwamm vor Zorn, als er dem orangenen Licht des Cruciatusfluches auswich. Die Todesser stiegen die Treppen zu ihm hoch, aber er wartete einen weiteren Moment lang, so dass Bellatrix einige Treppenstufen genommen hatte, bevor er seinen stärksten Explosionszauber auf die Treppe warf.

Ein lautes Krachen war zu hören und er wurde wieder von den Füßen geworfen, da er zu nahe an der Explosionsstelle gestanden war. Er krachte mit seinem Kopf heftig gegen die Wand und er blieb einen Moment lang benommen liegen, bevor das Adrenalin ihn wieder zu Sinnen brachte.

Er kämpfte sich auf Hände und Knie, von dem Staub in der Luft und den Trümmern hustend, und schaute hinaus auf den Flur. Er zog die Augen zusammen, um durch den Staub sehen zu können und entdeckte mehrere schwarzberobte Gestalten in den Trümmern. Harry starrte die Szene vor sich einen Moment lang an. Seine Gedanken fühlten sich schwerfällig an und er erkannte langsam, dass er gerade vielleicht mehrere von ihnen umgebracht hatte. Irgendwie wollte die Reue, die er erwartete, sich nicht einstellen. Ihm wurden weitere Gedanken über dieses Thema erspart, als mehr Todesser in das Haus eilten.

Einer von ihnen entdeckte ihn und Harry ging in Deckung. Er fluchte, als er an sich hinunterschaute und entdeckte, dass sein Desillusionierungszauber gefallen war. Wann war das passiert? Er betrat ein Schlafzimmer, Padmas wenn er raten musste. Das Bücherregal quoll von Büchern über und das Fehlen von Rüschen und mädchenhaften Dingen verriet es. Harry schüttelte den Kopf, um ihn freizubekommen und zuckte bei dem Schmerz zusammen, den diese Bewegung erzeugte. Nun war nicht die Zeit, um in Gedanken zu versinken, er musste von hier verschwinden. Er trat zum Fenster und warf ein Reducto, welcher einen Glasregen auf den Rasen regnen ließ.

„Er will aus dem Fenster", rief eine Stimme und Harry musste sich ducken, um einen dunkelpurpurenen Fluch auszuweichen, der die Hälfte des Fensterbretts zerstörte.

Er konnte aus dem Haus ebenfalls Rufe hören und wusste, dass er nur wenige Sekunden Zeit hatte, bevor sie ihn in diesem Raum in die Enge treiben würden. Er wollte seine Eulengestalt nicht verraten, wusste aber, dass er in keiner Verfassung war, diesen Kampf fortzuführen und es waren noch immer mehrere Todesser auf dem Grundstück, die zwischen ihm und seiner Flucht standen. Gerade als er sich verwandeln wollte, fühlte er, wie zwei Zauberer in der Nähe erschienen und hörte einen weiteren Ruf von draußen. „Verstärkung!"

Harry verfluchte sein Glück, aber als er hörte, wie Zauber draußen abgefeuert wurden, wagte er einen kurzen Blick und war überrascht und erleichtert, Remus und Tonks zu sehen, die in der Ferne mit zwei Todessern einen Schlagabtausch hatten. Während sie beschäftigt waren, sandte Harry jeweils einen Schockzauber auf die Todesser und sprang aus dem Fenster, gerade als er einen lautgerufenen Zauber aus der Tür hörte. Der rote Lichtstrahl eines Schockzaubers flog über ihn hinweg, als Harry Arresto Momentum auf sich selbst warf, um seinen Fall zu verlangsamen. Als er fiel, sandte er einige weitere Zauber auf die noch immer auf dem Rasen stehenden Todesser. Er sah nicht, ob einer seiner Zauber traf, als der Grund immer näher kam.

Als er auf dem Boden aufkam, kam er auf den Knien auf, seine Hände auf den Boden. Er schrie vor Schmerz auf, als eine Scherbe sich in seine linke Handinnenfläche grub. Harry schwankte zur Seite, bevor er sich der Zauber, die aus dem Fenster im zweiten Stock auf ihn geworfen wurden, überhaupt richtig bewusst wurde. Mehrere Zauber trafen auf den Boden auf, wo er gerade gestanden war, als Harry auf seine Hand gestarrt hatte. Er zog die Glasscherbe heraus, vor Schmerz ächzend, als er Remus rufen hörte: „Harry!"

Er ignorierte das Pochen in seiner Hand und in seinem Kopf und rannte zu seinen Freunden, die Zauber auf die Todesser im Fenster warfen. Er hielt einen Schutzschild über seinen Rücken aufrecht und wich einigen Zaubern aus, als er zu Remus stolperte, der Harry hinter einige Bäume führte.

„Alles okay?", fragte Remus und Harry konnte durch den Nebel die Sorge in seiner Stimme hören.

„Außerhalb der Schutzzauber", sagte Harry und taumelte weiter weg vom Haus, bis er den Rand der umgebenden Magie erreichte, die ihre Flucht verhinderte. Er drehte sich um und sagte: „Bei mir." Ohne ihnen die Chance zu geben, zu antworten, disapparierte er.

Sein Wohnzimmer materialisierte sich um ihn herum in einem Farbenwirbel, der endete, als er die Sofaecke an seiner Körperseite fühlte. Er glitt langsam zu Boden und zuckte vor Schmerz zusammen. Sein Blick fokussierte sich langsam auf die Decke und er versuchte zu verstehen, was er auf dem Boden machte.

„Harry! Merlin, ist alles in Ordnung?"

Harry suchte den Besitzer der Stimme, aber seine Suche erwies sich als unnötig, als Ginny hinter ihm in die Hocke ging und ein Kissen unter seinen Kopf legte. Ihr Haar fiel um ihn herum, als sie sich über ihn lehnte. „Wo bist du verletzt?", fragte sie. „Deine Hand!"

„Ja", erwiderte er, als sie umsichtig seine verletzte Hand in ihre nahm. „Und mein Kopf tut weh. Und ..." Er wurde von zwei lauten Knallgeräuschen unterbrochen.

„Harry, wir müssen wirklich über dein - was ist passiert?", fragte Remus.

Harry runzelte die Stirn über die Frage, während Ginny antwortete: „Er ist einfach hierher appariert und umgeflogen. Er sagt, sein Kopf tut weh und er hat ein Loch in seiner Hand." Sie hörte sich besorgt an, als sie zu ihm hinunterschaute. Harry schaute ihr in die Augen und lächelte leicht, auch wenn das Pochen in seinem Kopf das schwierig machte.

„Die Hand kann ganz einfach geheilt werden", sagte Tonks, die neben ihm kniete und seine Hand von Ginny nahm. Harry drehte leicht seinen Kopf, um zu ihr hochzuschauen, als sie ihren Zauberstab über seine Hand schwenkte. Er fühlte, wie die Wunde sich schloss und das Pochen in seiner Hand nachließ. „Wir haben nicht gesehen, was mit seinem Kopf geschah."

„Die Wand ist gegen ihn geschlagen", sagte Harry ihnen. „Zweimal", fügte er mit einer Grimasse hinzu.

„Was ist die Zauberspruchformel dafür?", fragte Tonks leise. Harry runzelte die Stirn. „Ich weiß, dass wir das in der Ersten Hilfe durchgenommen haben."

„Harry hat ein paar Bücher übers Heilen", meinte Ginny. Sie stand auf und lief aus seinem Blickfeld. Harry runzelte die Stirn, als sie verschwand und erkannte nun, dass sie mit ihren Fingern durch sein Haar gefahren war. Nun, da sie aufgehört hatte, pochte sein Kopf nur noch stärker und er stöhnte, als er seine Hände an seine Schläfen legte.

„Ich gehe ihr suchen helfen", sagte Tonks. Sie stand auf und ging ebenfalls weg.

Remus nahm ihren Platz ein und kniete sich an seine Seite. Er legte eine Hand an Harrys Schulter und fragte: „Warum bist du ohne uns gegangen, Harry? Ich dachte, wir hätten uns darauf geeinigt, gemeinsam zu kämpfen?" Er sprach leise, aber seine Stimme hatte einen scharfen Unterton.

„Ich habe gewartet", murmelte Harry. „Ich wusste nicht, ob ihr verschwinden und helfen könnt, also habe ich ein paar Minuten gewartet und bin dann gegangen."

Remus seufzte leise. Harrys Kopf pochte weiter, aber seine Gedanken wurden klarer.

„Wir müssen einen Weg finden, miteinander zu kommunizieren", sagte Remus schließlich.

Harry runzelte die Stirn. „Es müsste etwas ziemlich unscheinbares sein, da du es sonst nicht benutzen könntest, wenn andere um dich herum sind."

„Haben es", hörte er dunkel eine Stimme, gefolgt von dem Geräusch sich eilig nähernder Fußschritte.

Er hörte, wie Tonks einen Zauberspruch murmelte, konnte ihn aber nicht verstehen. Ihr Zauberstab berührte leicht seinen Kopf und seine Gedanken schienen plötzlich viel klarer zu sein, als sei ein Schleier von seinen Gedanken gehoben worden. Das Pochen in seinem Kopf wurde auch weniger, bis es nur noch ein leichter Schmerz war. Er lächelte alle an und sagte: „Danke."

Er machte Anstalten aufzustehen und griff nach Remus' schnell angebotener Hand. Sobald er wieder auf den Füßen war, wurde er auf das Sofa gedrängt, trotz seiner Proteste, das es ihm gut ginge. Ginny setzte sich sofort neben ihn und er legte einen Arm um sie, bevor er sich an sie lehnte.

Eine schwere Stille hing in der Luft, bevor Ginny schließlich zu ihm hinunterschaute und fragte: „Was ist passiert?"

„Es war eine Falle", erwiderte Harry und begann die Geschehnisse zu beschreiben. Sein Mund schien sich von selbst zu bewegen, während seine Gedanken auf das Bild gerichtet waren, dass die Körper, die in der Halle lagen, gemacht hatten, nachdem die Treppe explodiert war. Er konnte nicht anders als sich zu fragen, welche Gesichter sich hinter den Masken verbargen. Waren sie älter - vielleicht aus dem ersten Krieg - oder waren sie neue, jüngere Rekruten? Hatten sie Familien - Kinder - die sie vermissen würden? Waren sie alle willige Diener oder waren einige unter dem Imperius oder einer anderen Art des Zwanges? Harrys Gedanken wirbelten im Kopf herum, als er sich mehr und mehr Szenarien für die Menschen hinter der Maske überlegte.

Er fühlte, wie Ginny seine Hand drückte und ihn damit aus seinen Gedanken riss. Als er sich zu ihr drehte, fragte sie sanft: „Bist du okay?"

Harry nickte. „Ja, alles gut. Ich denke nur nach."

„Wir müssen uns noch immer einen Weg überlegen, wie wir Nachrichten schicken können", meinte Remus.

Harry wandte sich wieder zu Remus und Tonks, wobei er aber Ginnys Hand weiter festhielt. „Wir könnten es in die Halsketten miteinbeziehen", sagte er. „Sie sind bereits mit dem Proteanzauber mit der Karte verbunden. Ich kann einen kleinen Anhänger hinzufügen und ein paar kleine Veränderungen an den Zaubern vornehmen, um uns zu erlauben, Nachrichten auf ihnen zu schreiben. Du schreibst auf deinem und es erscheint auf den anderen. Aber wenn einer von uns die Nachricht löscht, verschwindet sie bei allen."

„Ihr könntet signalisieren, dass ihr die Nachricht gelesen habt", fügte Ginny hinzu. „Fügt einfach ein kleines Zeichen hinzu. Für Harry könnte es ein Blitz sein, Remus ein Mond und Tonks ... ich weiß nicht, ein Smiley oder so."

Tonks zog eine Grimasse bei dem Vorschlag, sagte aber nichts. „Das könnte funktionieren", meinte Harry. „Die letzte Person, die die Nachricht liest, kann sie löschen. Gebt mir eure Halsketten und ich fang mit den Änderungen an."

„Wie lange wird es dauern?", fragte Tonks.

Harry zog eine Augenbraue fragend hoch und Remus fügte hinzu: „Bald ist ein Ordenstreffen."

„Es wird nicht lange dauern", erwiderte Harry. „Die meisten der Zauber sind bereits vorhanden. Sie brauchen nur ein paar Optimierungen. Es sollte nicht mehr als ein paar Minuten für jede Halskette dauern."

OoOoOoOoOoOoOoO

Als sie aus dem Kamin trat, musterte sie schnell die Anwesenden im Raum, bevor sie an ihrem üblichen Sitz am Tisch Platz nahm. Der Raum begann sich um sie herum zu füllen, aber sie hielt sich zurück und dachte über den Grund dieses abendlichen Treffens nach. Sie hoffte, dass es sich als produktiver als ihre vorigen Zusammentreffen in diesem Sommer erwies. Es war, als sei sie wieder in einem Klassenzimmer, so wie diese Erwachsenen sich verhielten, sich einander niederschreiend, um sich Gehör zu verschaffen.

Arthur und Molly saßen ein paar Stühle weiter unten gegenüber von ihren zwei ältesten Söhnen und es war ihre Unterhaltung, die sie aus ihren Gedanken riss. „Entschuldige, Arthur", sagte sie. „Habe ich gerade richtig gehört, dass eure Tochter vermisst wird?"

Das Elternpaar und die Kinder drehten sich zu ihr um und Arthur fuhr sich müde übers Gesicht, bevor er antwortete: „Ich fürchte, so ist es, Minerva. Sie ist vor drei Tagen mit Harry zusammen gegangen und wir haben erst gestern von ihr gehört. Sie schrieb einen Brief, um uns zu sagen, dass sie in Sicherheit sei und wir sie in der nächsten Zeit nicht erwarten sollten. Er wurde mit einer Posteule aus der Winkelgasse geschickt, wir konnten es also nicht zu ihr zurückverfolgen."

Sie runzelte die Stirn: „Ich hätte von keinem der beiden eine solch offensichtliche Gleichgültigkeit euch gegenüber erwartet." Sie war von den Tränen nicht überrascht, die Mollys Augen zu füllen begannen, denn sie wusste, dass Molly alle ihre Kinder aus vollem Herzen liebte und ihre Tochter einen besonderen Platz in ihrem Herzen hatte.

Arthur legte einen Arm um seine Frau und zog sie an seine Brust, während er sagte: „Es ist nicht so einfach." Er seufzte tief, bevor er hinzufügte: „Ich wage zu sagen, dass sie nicht so gehandelt hätten, wenn wir sie nicht dazu getrieben hätten."

Als Arthur die Umstände beschrieb, die zu dem Verschwinden seiner Tochter geführt hatten, fühlte Minerva, wie sie immer wütender wurde. Schließlich unterbrach sie: „Ist es euch nicht in den Sinn gekommen, dass sie angesichts ihrer Erfahrungen in ihrem ersten Schuljahr empfindsamer als die meisten auf diese Art des geistigen Eindringens reagieren könnte?"

„Nein", antwortete er schwer. „Ich fürchte, in unserem Eifer, Harry zu finden, haben wir nicht daran gedacht."

„Ihr vielleicht nicht, aber ich garantiere euch, dass es Albus eingefallen ist." war ihre Antwort.

Alle vier Weasleys, ja tatsächlich der ganze Raum war nach ihrem Ausbruch mucksmäuschenstill. „Möchtest du behaupten", begann Molly, ihre Stimme tonlos, „dass Albus uns wissentlich getäuscht hat?"

In diesem Moment färbte sich das Kaminfeuer grün und Albus trat heraus, während er Asche von seiner Schulter klopfte. Er blieb abrupt stehen, als er alle Blicke im todesstillen Raum auf sich gerichtet sah.

„Du hast einiges zu erklären, Albus", sagte Minerva.

„Ich fürchte, Erklärungen sind nicht ausreichend", erwiderte er kryptisch. „Darf ich annehmen, dass die Neuigkeiten von meinem Zusammentreffen mit Miss Weasley bereits die Runde gemacht haben?"

„Ich denke, Angriff würde dieses Geschehen besser beschreiben", erwiderte Minerva.

Albus beugte reuig seinen Kopf, als er leise antwortete: „Leider hast du Recht, Minerva."

„Du wusstest es, nicht wahr?", beschuldigte Molly ihn. „Du wusstest, dass sie empfindsamer auf Legilimentik reagieren würde wegen des Tage- wegen ihrem ersten Schuljahr!"

„Ich hatte nur Vermutungen", gab er zu. „Wenn ihr nicht Okklumentik beigebracht worden wäre, weiß ich wirklich nicht, ob sie das Eindringen bemerkt hätte."

Minerva fühlte ein klein wenig Mitgefühl mit ihm, von den Problemen und dem Druck unter dem er täglich stand wissend, aber das entschuldigte nicht seine Taten. Es war höchste Zeit, dass er begann, jemanden Rede und Antwort zu stehen.

„Wenn ich mich nicht irre, war es dein Angriff auf Harry, der ihn überhaupt dazu trieb, sich zu verstecken", sagte nun Remus. Minerva wusste, das diese Behauptung falsch war, bestenfalls noch leicht an die Wahrheit angelehnt. Harry hatte keinerlei Absichten gehegt, den Sommer bei seinen Verwandten zu verbringen. Er hatte das vor seinem Verschwinden ihr gegenüber zugegeben.

„Ich bin der erste, der zugibt, dass meine Taten in letzter Zeit - was Mister Potter und Miss Weasley betreffen - fragwürdig waren", räumte Albus ein, als er zu seinem üblichen Platz am Kopfende des Tisches ging.

„Fragwürdig", forderte Minerva heraus. „Dein Handeln war praktisch kriminell, Albus. Der Schulleiter von Hogwarts greift seine eigenen Schüler an. Ich hätte nie gedacht, dass ich solch einen Tag erleben werde."

„Was soll ich deiner Meinung nach sagen?"

„Es sind keine Worte, die wir von dir wollen, Albus", tadelte Minerva leicht. „Der Albus Dumbledore, den ich kenne, würde nie ein Kind angreifen, egal in welchen Umständen. Ich weiß nicht, was mit dir passiert ist, aber ich schlage dir vor, dass du einen guten Blick auf deine letzten Handlungen wirfst. Es ist mir egal, ob du der einzige Zauberer bist, den Du-Weißt-Schon-Voldemort- fürchtet", spuckte sie. „Ich werde dir nicht folgen, wenn du diesen Pfad weiterhin gehst."

Der Raum war nach dieser Äußerung still. Albus sank auf seinen Stuhl und Minerva erwiderte seinen Blick, bis er schließlich auf die Tischplatte schaute. Sie glaubte nicht wirklich, dass es dazu kommen würde, aber sie konnte auch ehrlich sagen, dass sie nie geglaubt hatte, das Albus so weit gehen würde, wie er es bereits getan hatte.

Das Feuer wurde wieder grün und heraus trat ihr immer verdrießlicher Kollege: „Was hat das unverschämte Blag dieses Mal gemacht?"

Mehrere Stimmen wurden gleichzeitig erhoben und wurden sofort zum Schweigen gebracht, als die Stimme des Schulleiters zu hören war: „Jetzt ist nicht die Zeit, Severus. Wenn du nichts Konstruktives zu sagen hast, bitte ich dich, nichts zu sagen."

Minerva zog eine Augenbraue hoch, als sie von Albus zu einem kurz geschockten Severus schaute. Der Mann war es nicht gewohnt, auf so eine nüchterne Weise zurechtgewiesen zu werden. Albus erlaubte ihm ansonsten viel mehr Freiraum. Statt zu antworten, verzog Severus sich in eine Zimmerecke und wäre direkt mit den Schatten verschmolzen, wenn seine blasse Gesichtsfarbe nicht gewesen wäre.

Ein Moment der Stille legte sich über die Gruppe und nachdem sie zu Albus geschaut hatte, entschied sie, dass er das Thema, das wirklich angesprochen werden musste, nicht zur Sprache bringen würde. „Ich glaube, was wir uns wirklich fragen müssen, ist, was wir wegen Mr. Potter unternehmen wollen. Meiner Meinung nach wäre es nicht ratsam, die bisher fruchtlose Suche fortzuführen. Es ist klar, dass er ausreichend gut versteckt ist und wenn unsere besten Anstrengungen keine handfesten Ergebnisse erbracht haben, ist es unwahrscheinlich, dass die Todesser mehr Glück haben."

„Ausnahmsweise muss ich zustimmen", sagte Severus und trat aus der Ecke hervor. „Wir haben bereits genug unserer Zeit an ihn verschwendet."

„Mr. Potters Sicherheit ist für diesen Krieg von größter Bedeutung", intonierte Albus. „Während ich die Wahl getroffen habe, mit euch nicht den genauen Wortlaut der Prophezeiung zu teilen, wisst ihr genauso gut wie ich, welche Rolle Harry spielen muss. Ohne ihn, fürchte ich, ist alles verloren. Ich bitte euch, mir hier zu vertrauen. Harry Potter muss in Sicherheit gebracht werden."

„Wenn Harrys Rolle in diesem Krieg so wichtig ist," sprach Remus. „warum tust du dann alles in deiner Macht stehende, um ihn aus dem Krieg herauszuhalten?"

„Er ist nur ein Kind!", kreischte Molly Weasley.

„Das ist er nicht", widersprach Tonks. „Zumindest kein normales Kind", fügte sie hinzu. „Schaut nur, was er bereits alles vollbracht hat. Bevor wir seine wahre Identität erfahren haben, waren wir so gut wie bereit, "Jim" in den Orden einzuführen. Zugegeben, es gab einige Sorgen, was seine wahren Motive anging, aber ich denke, dass nun, da wir wissen, dass es Harry ist, alle Fragen dahingehend beantwortet wurden."

„Tonks hat Recht", stimmte Kingsley zu und nickte dem Metamorphmagus zu. „Ich habe nicht direkt mit ihm zusammen gekämpft, aber von dem, was ich sehen konnte und gehört habe, ist er in einem Duell so fähig wie die meisten Auroren."

„Ihr wollt ein Schulkind in den Kampf verwickeln?", rief Molly. „Das könnt ihr nicht ernst meinen!"

„Ob wir es wollen oder nicht, er bringt sich selber ein", sagte Minerva mit einem Blick auf die fast hysterische Frau. „Er hat bewiesen, dass er mehr als nur fähig ist, unseren besten Anstrengungen, ihn davon abzuhalten, auszuweichen und unsere jetzigen Anstrengungen entfremden ihn nur weiter von uns. Vielleicht ist es an der Zeit, einen anderen Ansatz zu suchen. Wenn Harry sich im Krieg einbringen möchte, wäre es nicht besser, wenn er dies mit uns, statt ohne uns täte?" Sie blickte über den ganzen Tisch hinweg und ignorierte Severus verächtliches Schnauben.

„Potter ist nichts als ein verwöhntes Blag, dessen Arroganz nur noch von seinem Glück übertroffen wird", spuckte Snape hitzig, als er vortrat und mit einer Faust auf den Tisch schlug. „Er folgt keiner Autorität und ihr glaubt, er wird Anweisungen folgen? Erlaubt ihm, mit dem Orden zusammenzuarbeiten und er wird jedes unserer Leben in Gefahr bringen mit seinen närrischen Anwandlungen!"

Chaos entstand nach seiner Aussage, als zu viele Stimmen auf einmal miteinander diskutierten. Mehrere Minuten lang ging das so, doch Minerva hielt sich zurück. Langsam begannen die Stimmen leiser zu werden, aber Ordnung war noch lange nicht wieder hergestellt als die Mitglieder weiter miteinander stritten. Sie traf auf Remus Blick und nach einem langen Moment deutete er ein Nicken an.

Sie konnte kaum jemanden Vorwürfe dafür machen, Harry davon abhalten zu wollen, sich am Krieg zu beteiligen. Sie fühlte genauso für ihn wie die anderen im Raum. Was sie nicht realisierten, war, dass Harry ihnen diese Option nicht gab. Und ihnen fehlten die Mittel und selbst die Autorität, ihn aufzuhalten. Er war beinahe alt genug und sicherlich reif und erfahren genug, um die Entscheidung selber zu treffen. Ihn weiter gegen sie aufzubringen würde die Distanz zwischen ihnen nur vergrößern. Alle nahmen an, dass Harry die erste Chance, die sich bot, ergreifen würde, dem Orden beizutreten, aber wenn sie Harry weiterhin als Kind oder als reines Objekt behandelten, würde er vielleicht nie auf ihre Seite kommen.

Sie wusste, dass Harry bereits wenigstens einen Verbündeten im Orden hatte und sie hoffte, das Remus ihren Blick korrekt interpretiert hatte. Umso mehr Verbündete Harry jetzt im Orden fand, umso einfacher würde es sein, die Distanz zwischen ihnen zu überbrücken, wenn die Zeit gekommen war.

Ende 2

AN: Vielen Dank, dass ihr wieder so zahlreich dabei seid!