Vielen, vielen Dank für die wunderbaren FB und Reaktionen im Forum *hugs* - Mia und ich konnten es gar nicht richtig fassen :D

Viel Spaß und weiter geht es mit ...


~s~

Türchen zwei

Die Worte „Raus aus meinem Wagen" hatte Sam in seinem Leben exakt zweimal gehört. Und beide Male waren sie von John gekommen – was die Wirkung, sie nun von Dean zu hören, um ein vielfaches steigerte.

Wäre er nicht so wütend gewesen, hätte er die Stiche des Messers gespürt, das in seinem Herzen randalierte, so aber funkelte er nur still über die kurze Distanz zu seinem Bruder hinüber, fasste betont langsam zum Radio und drehte es auf volle Lautstärke auf.

Er ignorierte das aufgebrachte „Verdammt, SAM!", öffnete die Beifahrertür und setzte seine Füße genau in eine riesige, halb überfrorene Pfütze. Ohne eine Miene zu verziehen stieg er aus und schloss die Tür.

Nur mit viel Mühe gelang es ihm, sich zusammen zu reißen. Er kochte, hätte diesen Arsch am liebsten erwürgt oder auf ihn eingeschlagen. Eine Prügelei, wie sie sie schon so oft ausgetragen hatten – meistens mit ihm als Unterlegenem und Dean als demjenigen, der das Ganze anfing. Aber über dieses Stadium waren sie weit hinaus.

Sie konnten beide nicht in Worte fassen, was sie beschäftigte und jeder Satz kam genau falsch an. Jede Sekunde zusammen spannte ihre Nerven mehr und mehr. Schläge hätten nicht mehr geholfen, um die aufgestauten Emotionen über Verzweiflung, Trauer, Angst und Tod zu mildern. Nicht, dass sie es nicht versucht hätten.

Bis es eskaliert war.

In Sams Ohren rauschte es schmerzhaft, als der Wagen mit röhrendem Motor davonfuhr, die wummernden Bässe verstummten und die Reifen auf dem nassen Asphalt nichts weiter als ein weit entferntes Wispern waren.

Zurück blieb nur er selbst in der Einsamkeit, die sie zu zweit schon kaum ertragen hatten.

Sam zog den Reißverschluss seiner Jacke zu und schob die zu Fäusten geballten Hände in die Taschen. Er hatte eine gute Strecke von zehn Meilen vor sich – wenn nicht noch mehr.

„Wichser!", stieß er bitter aus und beobachtete, wie sein Atem kleine Wölkchen vor seinem Gesicht formte. Wunderbar. Überfrierende Nässe und es roch nach Schnee – wirklich. Dean hatte sich keine bessere Sekunde aussuchen können, um seinen Bruder wie einen Straßenköter vor die Tür zu setzen.

Dass er zu einem guten Teil selbst daran Schuld hatte, war im egal. Er wollte einfach nur sauer sein und alles andere vergessen. Nachzudenken war zu schmerzhaft. Es würde bei den Leuten enden, die sie verloren hatten.

Auf seinem Haar spürte Sam nicht viel später die ersten Schneeflocken. Sie setzten sich in nassen, kleinen Flecken auf die braunen Strähnen und sammelten sich so lange, bis sie in einem Tropfen seinen Nacken hinunter gleiten konnten. Die Gänsehaut auf Sams Armen breitete sich über seinen Rücken aus. Die Kälte drang mit jedem Windstoß durch seine nicht gerade wettergeeignete Jacke, ließ ihn schaudern.

Er würde Dean umbringen!

Ungehalten zog er die Nase hoch und vergrub ebenjene ein Stückchen tiefer in seinem Kragen. Mit jedem Meter, den er zurücklegte, wurde ihm nebliger im Kopf. Er hätte irgendetwas essen sollen – oder trinken. Oder sein Handy mitnehmen.

Oder, oder, oder.

Ihm fielen tausende weitere Dinge ein, die er hätte tun sollen und nicht getan hatte, aber sie waren nicht mehr zu einem klaren Zug von Gedanken zu ordnen.

Seine Fingernägel gruben sich in das taube Fleisch seiner eiskalten Hände, als er weiter durch die verschneite Nacht stapfte.

~s~