So, und hier geht's auch gleich weiter: Disclaimer: s. Prolog
Franzi: Danke für dein Review!!! Dafür gehts hier jetzt auch ganz schnell weiter, damit du bald wieder was zum reviewen hast!!! knuddel

1. Kapitel

"Brin!"

Max fährt aus ihrem Alptraum hoch. Sie wirft einen Blick auf ihren Wecker. Sechs Uhr, es lohnt nicht mehr, sich noch einmal hinzulegen, also steht sie auf und zieht sich an. Was für ein Alptraum, denkt sie, was für ein Glück, dass wir das hinter uns haben. Aber wo stecken die anderen bloß? Sind noch mehr gefangen genommen worden als nur Brin? Es muss doch eine Möglichkeit geben, sie wieder zu sehen. Sie bricht ihre Überlegungen ab und springt die Treppe hinunter. "Buenos dias, Mom!" "Morgen, Frosch. Gut geschlafen?" "Na ja", meint Max und greift sich ihre Tasse, "eher nicht. Ich hatte einen hübschen Alptraum." "Was war denn so schlimm?" "Weiß ich nicht mehr so genau. Ich erinnere mich nur daran, schlecht geträumt zu haben." Ihre Mutter setzt sich zu Max an den Frühstückstisch. "Wie viele Stunden hast du heute?", fragt Mrs Guevara. "Neun, wie üblich", antwortet Max. "Dann sehe ich dich also erst heute Abend wieder", folgert Max' Mutter, "ich muss heute erst später zur Arbeit." "Aha". Max nimmt ein Brötchen und streicht Quark und Marmelade darauf, während ihre Mutter sich vorerst mit einer Tasse Kaffee zufrieden gibt. "Normalerweise stehen wir jetzt erst auf", sagt Max, als der Spotter, ein hochmodernes Radio pünktlich zu den 7.00 Uhr - Nachrichten anspringt. "Ja , normalerweise", meint Max' Mutter Rachel und fügt dann nach einem Blick aus dem Fenster hinzu, "heute wird es wieder schwül." "Hoffentlich bekommen wir heute endlich unsere Sozialkunde- Arbeit wieder. Sie ist schon seit drei Wochen überfällig", sagt Max sauer, "Mr Sellman meint anscheinend, er könnte wieder maßlos überziehen. Wir sind ja schließlich nur Schüler!", fährt sie ärgerlich fort, "so was ist 'ne Sauerei". "Nana, er wird schon seine Gründe haben", fährt Max' Mutter in den Redeschwall ihrer Tochter. "Ja, Faulheit." Max beißt in ihr Brötchen und steht dann auf um sich den Orangensaft zu holen. "Und Amerikanische Geschichte steht auch heute auf dem Plan", murmelt sie mit vollem Mund. "Max! Du weißt ganz genau, dass du nicht mit vollem Mund sprechen sollst." "Sorry, Mom." Jetzt klingt Musik aus den Lautsprechern des Spotter. "Das Lied kenne ich doch. Dazu haben wir früher immer getanzt", erinnert sich Rachel plötzlich, als sie das Lied hört. "Echt? Das kann ich mir irgendwie nicht richtig vorstellen. Du, vielleicht noch mit ein paar Jungs auf der Tanzfläche!" Rachel lächelt in Erinnerung. "Das war immer sehr lustig." "Ja, aber Dad hast du nicht auf der Tanzfläche, sondern bei einem wissenschaftlichen Vortrag auf Vulkan kennen gelernt!"

Max senkt den Blick. Sie hat ihren Vater seit acht Jahren nicht mehr gesehen, da er beruflich sehr viel unterwegs ist.

"Du vermisst ihn, stimmt's?", fragt ihre Mutter. "Klar. Ich weiß zwar überhaupt nicht, wie er aussieht, denn damals war ich ja wohl noch viel zu klein dazu, aber klar, vermissen tue ich ihn." "Ich doch auch", sagt Rachel. Max stellt ihr Geschirr in den Ultraschallreiniger und geht ins Bad. Zähne putzen ist schnell erledigt. Dann wirbelt sie wieder in die Küche und drückt ihrer Mom einen Kuss auf die Backe. "Bye, ich muss jetzt. Viel Spaß bei der Arbeit." "Dir auch", entgegnet Mrs Guevara. Max verzieht das Gesicht. "Was? Spaß in der Schule? - Naja, werde mal sehen was sich da machen lässt." Rachel winkt hinter Max her und räumt dann den Frühstückstisch ab.

Währenddessen klingelt Max bei ihrer Freundin Francesca nebenan. "Hey, Max!", begrüßt Francesca ihre Freundin, "eine Sekunde noch, okay?" Max nickt und Francesca verschwindet wieder im Haus. "Na, alles in Butter bei dir?", fragt Max, als Francesca wieder herauskommt. "Yeah. Und bei dir?" Max und Francesca gehen zur nahen Bushaltestelle. "Könnte nicht besser sein, Fran!"

Francesca und Max kennen sich schon seit der fünften Klasse und verstehen sich blind ohne Worte. Fran hat wie Max braune Haare, mit dem Unterschied, dass sie glatt sind, während Max' Haare sich locken. Früher wurde Fran immer geärgert, weil sie kleiner als ihre Klassenkameraden war, aber das änderte sich. Jetzt blitzen Frans braune Augen übermütig zu Max hinüber. Die beiden Freundinnen halten felsenfest zusammen, lassen nichts zwischen sich und sagen auch schon mal einem Jungen gehörig die Meinung, wenn er ihnen zu dumm daher kommt.

"Ach, guck mal. Wen haben wir denn da? Den Pavel!", kündigt Max an. "Hey, Mädels", sagt er und fügt hinzu, "unser Bus kommt in drei Minuten, Tempo ist angesagt!" Die Klassenkameraden legen einen Schritt zu. An der Bushaltestelle treffen sie auf Mitchell, einen weiteren Klassenkameraden. "Tag, Mitch! Was läuft?" "Gar nichts läuft, Pavel! Ich bin hundemüde." Er gähnt hingebungsvoll. Max und Francesca blinzeln sich viel sagend an. Typisch Jungs, sagt dieser Blick. Da kommt der Bus, wie üblich ist er zum Auseinanderbrechen voll. "Man kann froh sein, dass wenn man da raus ist, seine Knochen noch heile hat", meint Francesca mürrisch, beim Anblick des Getümmels im Bus. "Auf ins Vergnügen!" Pavel gibt Mitchell einen Stoß, so dass der sich fast die Nase an einer Haltestange anschlägt. "He, pass mal auf, Pavel– Junge", motzt er seinen Freund an. Der verschränkt die Arme unbeteiligt vor der Brust und sucht nach einem günstigeren Stehplatz, aber da ist nicht mehr viel zu machen. Der Bus setzt sich schaukelnd in Bewegung und lässt die Insassen durcheinander purzeln. Max' Kopf schließt dabei nähere Bekanntschaft mit dem Kopf Pavels. Der reibt ihn sich, während Max feststellt: "Du hast aber einen Quadratschädel!" "Deiner ist auch nicht gerade von Pappe, Max!", gibt er Kontra. Max grinst flüchtig und zuckt die Achseln. Der Schulbus fährt durch halb San Francisco, bevor er die Schüler an der California High School hinaus lässt. "Uff", seufzt Francesca erleichtert, "das wär's mal wieder." Max und sie gehen auf das Schulportal zu und müssen erst einmal durch den Waffenscanner hindurch. Doch das ist schnell erledigt. Nächster Stop ist an den Schließfächern. Geübt geben beide die Zahlenkombinationen am Schloss ein. Danach greift sich Max das Sozialkunde- Buch, das Heft, das Etui und knallt die Tür zu. Sekunden später produziert Fran mit ihrer Tür das Echo. Dann machen sich die beiden auf den Weg zum Sozialkunde- Raum. Nachdem das ganze Gebäude durchquert ist, liegt er endlich vor ihnen. Der Raum ist noch ziemlich leer, denn Max und Fran sind zu früh dran. "Hey, Max! Hallo, Fran! Da seid ihr ja endlich!" Beverly Térra sitzt ungeduldig wartend auf Francescas Tisch. "Der Bus hatte Verspätung – wie üblich", antwortet Max. Jetzt füllt sich der Raum langsam und Fran wendet sich Shelli zu, die gerade einen Stoß Holofotos herumreicht, was mit Lachen quittiert wird. "Dein Bruder sieht ja zum Quietschen aus! Huch, macht dein Vater ein grimmiges Gesicht! Ach, ist euer Hund süß!", so tönt es bunt durcheinander. Shelli grinst. "Jaja, die Feten von meinem Bruder sind immer ziemlich komisch." Es klingelt zum Unterrichtsbeginn. Schnell nehmen die Schüler ihre Plätze ein. Mr Sellman betritt die Klasse und grüßt die sich erhebenden Schüler. "Guten Morgen, setzt euch." Er steckt seine Hand in seine schwarze Tasche und fördert einen Stapel Hefte zu Tage. Ein leises Murmeln rollt durch den Klassenraum. "Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Welche wollt ihr zuerst hören?", sagt Mr Sellman. "Die gute!", brüllt die eine Hälfte der Klasse. "Nee, die schlechte!", werden sie von den anderen übertönt. Mr Sellman lächelt. "Also gut, die schlechte zuerst: Die Arbeit ist miserabel ausgefallen: Fünf E's, Zehn D's, Zehn C's, Drei B's und zwei A's." Die meisten aus dem Kurs stöhnen resigniert auf. "Und was ist mit der guten Nachricht?", fällt Charly Mornay ein. "Aufgrund der Tatsache, dass Aufgabe 7 von fast keinem richtig gelöst wurde, mit Ausnahme der beiden die ein A haben, ist diese Aufgabe aus der Arbeit gestrichen worden. Ich habe die Aufgabe nur dort bewertet, wo auch eine richtige Antwort zu lesen war." Der Kurs ist begeistert, diese Antwort lässt hoffen! "Deshalb ist die Arbeit auch ein klein wenig besser als eben genannt ausgefallen. Es ist allerdings bei zwei A's geblieben." Er greift sich den Stapel und verteilt die Hefte. Max und Lucy Cortess müssen ziemlich lange auf ihr Heft warten. Schließlich, als Mr Sellman nur noch diese zwei Hefte in der Hand hält, gibt er bekannt: "Die beiden A's haben Lucy und Max." Er drückt kurz Max' und Lucys Hand und gibt ihnen die Hefte. "Ihr habt beide volle Punktzahl", meint er noch. Glücklich beugt sich Max zu Fran hinüber. "Was hast du?" "Ein B", meint diese. "Hey, ist doch spitze!" "Eben. Aber ich habe 5 falsch. Darf ich die Lösung von dir abschreiben?" "Klar. In der Pause, okay?" "Gebongt, Max." Mr Sellman fährt mit dem Unterricht fort. Als es 35 Minuten später klingelt, springt Max zu Lucy hinüber. "Du, Lucy, darf ich mal meine Aufgabe 2 mit deiner vergleichen?" Lucy nickt und drückt Max ihr Heft in die Hand. Sie meint: "Du gibst es mir dann in Englisch wieder, okay?" "Okay", nickt Max.

Sie packt sich ihren Bücher- und Heftstapel und läuft Fran hinterher, die schon zu den Schließfächern vorgegangen ist. Am Spind angekommen tauscht sie ihre Sozialkunde - Sachen gegen ihren Amerikanische – Geschichte – Kram. "Komm!" Max wird von Stacy Cleveland gepackt, die den Schrank neben ihr hat. "Olle Hetze", beschwert sich Stacy. Sie und Max laufen den Gang entlang und betreten den Geschichtsraum. Miss Dawson folgt ihnen auf dem Fuß. "Guten Morgen", schallt es zur Antwort durch die Klasse. "Wir sind letzte Stunde in der Mitte des 20. Jahrhunderts steckengeblieben. Schlagt eure Bücher auf Seite 110 auf", beginnt Miss Dawson mit der Stunde. Blätter rascheln. Miss Dawsons Blick huscht auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten durch den Kurs. "Kathleen, liest du bitte?" Kathleens Finger rutscht über die Buchstaben als sie liest. "Danke", unterbricht Miss Dawson kurz darauf. "Diese Stunde wollen wir also über Ernesto Guevara reden. Er war ein Revolutionär, wurde Che Guevara genannt, war ein Politiker und Präsident. 1967 wurde er erschossen. Bist du rein zufällig mit ihm verwandt, Max?", fragt Miss Dawson. Diese schüttelt den Kopf. "Nein, bin ich nicht. Ich bin spanischer, nicht argentinischer Herkunft." "Ach so. Schade, dann hättest du mal ein paar Nachforschungen anstellen können", sagt Miss Dawson. Shelli Joey, die knapp hinter Max sitzt, stößt sie an. "Typisch Dawson", flüstert sie, "bei der läuft alles auf Nachforschungen hinaus." Max nickt und fährt mit den Fingern über ihren Kettenanhänger. Es ist ein schlichtes, unkompliziertes Symbol und stellt ein stilisiertes, umgedrehtes Y oder ein runisches K dar. Max erinnert sich an die letzte Geschichtsstunde. Miss Dawson hatte ihnen erzählt, dass eben dieses Symbol im dritten Weltkrieg, der in der Mitte des 21. Jahrhunderts wütete, Erkennungszeichen für den Untergrund war. Ein Knall bringt sie ruckartig in die Wirklichkeit zurück. Shellis Buch ist herunter gefallen. Schnell hebt sie es auf. Doch über dem jahrzehntelangen Frieden geriet das Zeichen in Vergessenheit, denkt Max weiter und fährt vorsichtig mit dem Daumen über das Friedenszeichen. Wieder schweift sie ins Geschichtliche ab. Zum ersten Mal wurde es während der Antikriegsbewegungen in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts verwendet, dort hatte es auch seinen Ursprung. Rachel hatte ihr mal erzählt, dass Max diesen Kettenanhänger von ihrem Vater bekommen hatte, als er für diese lange Zeit weg musste. Dad, denkt sie, wo auch immer du gerade steckst, melde dich! Ich vermisse dich so... Die Klingel reißt sie aus ihren Gedanken. Langsam steht sie auf. "He, Max! Ist dir nicht gut?", fragt Shelli besorgt. "Mir geht es gut Shelli, wirklich", beruhigt Max sie. "Na gut". Shelli wirft dennoch eine letzten prüfenden Blick auf Max. Zusammen mit Shelli und Stacy geht Max aus dem Raum. "Jetzt steht Englisch auf dem Plan, oder?", fragt Stacy. "Jepp", nickt Shelli. Nach sieben weiteren Schulstunden sowie einer Mittagspause ist es endlich Zeit nach Hause zu gehen. Francesca macht sich gemeinsam mit Max auf den Nachhauseweg. "Ciao, Max", sagt Fran, als sie ihr Haus erreicht. "Du auch!" Max geht noch ein Stückchen weiter, bevor auch sie ihr Haus erreicht. Der Sensor an der rechten Seite des Briefkastens blinkt, nachdem die Schlüsselkarte in den dafür vorgesehenen Schlitz gesteckt wurde. Sie tritt ein. Schön kühl, denkt sie. Draußen herrscht eine Rekordhitze von 39,9°Celsius. Backofenwert, grinst sie in sich hinein. Auf der Spüle steht noch ihr Glas. Sie gießt sich einen Orangensaft ein, dabei wundert sie sich: Seltsam, alle meine Klassenkameraden stöhnen über diese Hitze, ich hingegen finde es gar nicht so unangenehm, sondern eher normal, so als ob ich richtig dran gewöhnt wäre. Obwohl, wenn ich die ersten sechs Lebensjahre auf Vulkan verbracht habe, bin ich ja vielleicht wirklich an solche Temperaturen gewöhnt. Sie runzelt die Stirn, stellt ihr Glas zurück auf die Spüle und macht sich dann an den Rest ihrer Hausaufgaben, die sie in der täglichen Freistunde in der Schule nicht geschafft hatte. Inzwischen ist es kurz nach 17 Uhr. Die Tür zischt und kurz darauf steht Mrs Guevara im Wohnzimmer. Max blickt auf und strahlt. "Onkel Josh! Was machst du denn hier?", fragt sie Rachels Zwillingsbruder. Dann wendet sie sich an ihre Mutter. "Warum hast du mir denn nichts erzählt, Mom?" "Überraschung", lächelt Rachel. "Willst du deinen Onkel nicht mal begrüßen?", fragt Josh scherzhaft. Max nimmt ihn erst einmal ganz fest in den Arm und stemmt ihn ein Stück hoch, bemüht nicht zu zeigen, wie stark sie durch die Genmanipulation wirklich ist. "Sachte, Max!", beschwert sich der Onkel lachend. Er wuschelt Max durch die schulterlangen braunen Haare. "Du bist groß geworden, seit ich dich vor vier Monaten zum letzten Mal gesehen habe". "Vielleicht bist du ja auch geschrumpft", gibt Max schnell Kontra, "was macht eigentlich Tante Isabel und mein kleiner Cousin Keith?" "Denen geht es gut. Sie lassen euch schön grüßen. Keith wollte eigentlich mitkommen, aber das ging nicht, weil er noch Schule hatte." Rachel Guevara streckt den Kopf durch die Tür. "Willst du etwas trinken, Josh?", fragt sie ihren älteren Bruder. "Gerne. Die Fahrt zu euch war ziemlich anstrengend. Wie geht es eurem Zwei– Frauen - Haushalt?" "Glänzend. Ohne Komplikationen", antwortet Max' Mutter. Max klappt ihr Heft zu und steckt es in den Rucksack, den sie sich über die Schulter wirft. Dann geht sie in die Küche zu ihrer Mutter. "Wir haben unsere Sozialkunde – Arbeit wiederbekommen. Schnitt C,5. Was denkst du, habe ich?" Rachel blickt ihre Tochter prüfend an, doch in deren Gesicht gibt es keine Anzeichen auf die Note. Ganz der Vater, denkt Rachel im Stillen. "B-", tippt sie. Max schüttelt den hübschen Kopf und streckt den Daumen nach oben. "Was? Noch besser?" Rachel überlegt kurz. "A", sagt sie dann. "Bingo, Mom! Eine der zwei besten Arbeiten unseres Kurses!" "Klasse, Max". Sie drückt ihre Tochter an sich. "Ein verfrühtes Geschenk zum 15. Geburtstag", meint Josh, der das mitbekommen hat. "Klaro. Mein Geschenk an mich selbst." Max liest sich noch einmal schnell die Geschichte in ihrem Englischbuch durch, da sie zu morgen nacherzählt werden muss. "Wie wär's mit einer Runde Schach?", fragt Josh. "Logo. Bau schon mal auf." Sie bringt die Schulsachen in ihr Zimmer und kommt dann ins Wohnzimmer zurück. Am Anfang hat ganz klar Josh die besseren Möglichkeiten, bald jedoch zieht Max mit ihm gleich, beide haben die gleiche Anzahl Figuren auf der Spielfläche.

"Ich schlage dich!", prophezeit Josh. "Bist du nervös?", fragt Max. "Nein." "Zappelig, ungeduldig?", fragt sie weiter. "Ganz sicher nicht", antwortet Josh und setzt einen Turm. "Na dann", sagt Max, setzt ihren Springer und grinst ihn verschmitzt an, "schachmatt, Onkel." Josh sieht verblüfft die Spielfläche an, auf der seine Glücksträhne ein so plötzliches Ende gefunden hat, dann wandert sein Blick zu Max hoch. "Na so was", murmelt er. "Josh! Max! Abendessen ist fertig!" "Rachel, weißt du, dass deine Tochter im Schachspielen ein As ist?" "Weiß ich. Sie schlägt mich ständig." Josh reicht Max die Wurstplatte. "Nein, danke. Ich bin doch Vegetarier!", wehrt Max entschieden ab. "Oh, entschuldige, das vergesse ich ständig." Josh blickt Rachel an. "Das hat sie vermutlich von ihrem Vater, oder? Genauso wie das Schachspielen." Über Max' Gesicht fällt ein Schatten. "Anzunehmen", antwortet Rachel und blitzt ihn warnend an. Nach dem Essen nimmt sich Rachel Josh zur Seite. "Josh, du weißt doch, dass du sie nicht ständig an ihren Vater erinnern sollst. Sie vermisst ihn unheimlich, mach es ihr doch nicht noch schwerer."

"Gut, gut. Ich werde mich geschlossen halten." "Klingt gut", nickt Rachel bestätigend und Josh geht duschen. "Mom?" Max streckt ihren Kopf durch die Tür. "Ja, Frosch?" Max stellt sich vor sie hin, knickt dabei ihre Füße nach außen um, sodass sie auf der Außenseite ihrer Füße balanciert. "Sag mir bitte was los ist. Ich kann einfach nicht zu 100% ein Mensch sein. Was bin ich? Ich habe grünes Blut. Denkst du nicht, dass ich jetzt alt genug dazu bin?" Rachel mustert ihre Tochter. Diese Frage kommt etwas unerwartet, ist jedoch völlig berechtigt. "Das hängt mit deinem Vater zusammen, Max", antwortet sie. "Gut. Dachte ich mir. Aber was ist mit ihm? Ich kann mich überhaupt nicht an ihn erinnern. Weshalb ist er nie da? Sitzt er etwa im Knast?" "Um Himmels willen. Nein, das tut er nicht. Denkst du das etwa?" "Naja, er ist immerhin seit 8 Jahren nicht mehr hier gewesen, soweit ich mich erinnere." "Das stimmt schon. Aber du weißt, was ich dir erzählt habe. Er hat einen Fulltime- Job." "Das ist doch wohl kein Grund, sich über Jahre nicht zu melden!" "Ich stehe immer in Kontakt mit ihm, Max", sagt Rachel ruhig. "Und was ist mit mir? Ich vermisse ihn!" Max hat Tränen in den Augenwinkeln. "Max!" Rachel nimmt ihre Tochter tröstend in den Arm. "Shh. Ich weiß, dass du ihn vermisst." "Warum ist er dann nie hier? Wenn du mit ihm in Kontakt bist, dann sag ihm doch mal, dass er ne Tochter hat, die ihn vermisst." "Das weiß er, Max. Er kennt dich. Er vermisst dich doch genauso." Max nickt. "Und was ist jetzt mit meiner Blutfarbe? Woher kommt die? Hab ich irgendeine Krankheit?" Sollte es durch die Manticore - Gene kommen?, schießt es ihr urplötzlich durch den Kopf. Damals war ich sechs. War mein Blut schon vorher grün, oder nicht? "Vererbung, Max. Du hast die grüne Blutfarbe von deinem Vater." "Ist er krank, Mom?" "Nein." Rachel setzt sich auf das Sofa und sieht ihre Tochter an. "Max, ich muss mich bei dir entschuldigen. Ich hab dir nie ein wichtiges Detail über deinen Vater gesagt." "Wieso nicht? Worum geht es? Mom, bin ich etwa vulkanischer Abstammung? Die sollen doch angeblich grünes Blut haben, oder?" Rachel sieht sie verblüfft an. Dann nickt sie. "Ja. Dein Vater ist Vulkanier, Max. Halbvulkanier um genau zu sein, daher auch dein grünes Blut." "Aha. Cool." Cool? Das war nicht gerade die Reaktion, von der Rachel ausgegangen war... "Nur eins verstehe ich nicht. Du hast immer gesagt, ich sei ein verständiges Mädchen. Warum hast du es mir dann nicht gesagt? Und warum habe ich keine spitzen Ohren? Okay, ich muss zugeben, dass sie ein bisschen spitzer als normal sind, aber das sieht man kaum." "Wenn man seine menschlichen Gene und meine zusammenrechnet, ist da nicht mehr besonders viel Vulkanisches, das man vererben könnte. Es hat sich rein physiologisch hauptsächlich auf dein Blut ausgewirkt." "Na, da bin ich aber froh, dass ich keine Krätze oder sonst was hab. Danke, dass du mir das gesagt hast, Mom." "Hey, du hast ein Anrecht zu wissen, was du bist, Max." "Joah", grinst Max und verzieht sich wieder in ihr Zimmer. Ich, ein Halbvulkanier, nicht zu fassen....

"Schlaft gut", wünscht Max dann gegen 23 Uhr. "Gute Nacht, schlaf gut", wünschen Onkel und Mutter zurück. Im Bad wundert sich Max über noch etwas. Alle meine Klassenkameraden haben von Zeit zu Zeit mal 'nen Pickel. Ich jedoch bilde eine Ausnahme. Ob es an der Genmanipulation liegt, an den Katzengenen, die mir und den elf anderen in Manticore gespritzt worden sind? Und noch etwas, mein Strichcode ist doch um einiges blasser, als wie die der anderen. Gut, nicht dass ich unbedingt scharf drauf wäre, dass er gut zu erkennen ist, aber woran das liegt würde mich doch mal interessieren. Absicht oder Zufall?

Sie schließt die Augen und hört prompt Lydeckers Erinnerungsstimme in ihrem Kopf: Ihr seid jetzt genmanipulierte, gnadenlose Killermaschinen und perfekte Krieger, kurz, genetisch manipulierte Übermenschen, welche jeden meiner Befehle beachten werden und ihr werdet eure Eltern nie wieder sehen. Disziplin, Pflichtbewusstsein und Gehorsam ist jetzt das einzige was für euch, die Versuchsreihe X5, noch zählt.

Obwohl, denkt sich Max, was den Punkt mit unseren Eltern angeht, lag er daneben. Wir sind geflohen! Und besonders gehorsam waren vor allem Zack und ich nie. Am Anfang waren wir zwei Dutzend, nach 1 Jahr waren wir zwölf weg. Die andere Hälfte kam dann später auf den Trichter auszubüxen...

Max öffnet die Augen wieder und beginnt sich die Zähne zu putzen. Sie schlüpft in ihren Schlafanzug und legt sich ins Bett. Nicht viel später schläft sie fest.

So, das war das erste Cappy. Freue mich natürlich auch über Reviews Zaunpfahl auspack und wink