Selbsthass
Nun sass ich hier auf meinen kleinen trostlosen Fels und wünschte mir, dass diese Familie ihr Glück nicht genießen sollte.
Ziemlich ungerecht oder?
Oder doch nicht?
Was für ein egoistischer Mensch ich doch bin, dachte ich mir.
Du gönnst anderen Menschen ihr Glück nicht.
Doch wieso tat ich es nicht? Wieso durfte diese Familie in meinen Augen nicht glücklich sein?
Ich grübelte eine Weile darüber nach.
Du bist so selbstsüchtig Bella, dachte ich mir.
Wie konntest du dir nur wünschen, dass diese Familie kein Glück haben durfte, nur weil man es dir verwehrte?
Ich hasste mich für diesen Gedanken. Denn eigentlich wollte ich nicht so denken.
Ich war einfach nur neidisch und eifersüchig.
Und das alles richtete ich gegen diese Familie.
Du kennst sie doch gar nicht, du hast sie dir noch nicht einmal angesehen.
Ich kämpfte in meinem Inneren mit mir selbst.
So wie ich es jeden Tag tat. Doch dieser Tag war anders.
Ich wollte einfach nur den Tag außerhalb meiner kleinen Kammer genießen, doch diese Gedanken liessen mich einfach nicht los.
Ich war einfach ein Häufchen Elend.
Nach einem kurzen Moment betrachtete ich die Familie weiter.
Sie hatten fünf Kinder, die wohl ein paar Jahre älter sein mussten als ich.
Doch bei genauerem hinsehen, erkannte ich, dass es wohl doch nicht alles Geschwister sein mussten.
Ich grübelte wieder und beschloss sie mir genauer anzusehen, ich hatte ja eh nichts besseres zu tun und ich musste mein schlechtes Gewissen und meine
unfairen Gedanken von vorhin beruhigen.
Die Eltern schienen noch sehr jung zu sein, doch deutlich älter als die anderen fünf.
Mein Blick fiel zuerst auf die Blondine, die aussah, wie ein Topmodel. Sie hatte schöne lange goldblonde Haare, die in der Sonne glänzten.
Neben ihr stand ein großer Junge, der kurze braune Haare hatte. Er hatte Ähnlichkeit mit einem Teddybär.
Nur das er sehr muskelös aussah. Die beiden hielten Händchen. Also müssten sie ein Paar sein, dachte ich mir.
Doch wer gehörte zu den Eltern? Ach das hat dich doch eh nicht zu interessieren dachte ich mir.
Dann schweifte mein Blick zu dem anderen Mädchen. Sie hatte kurze schwarze stachelige Haare. Sie sah aus wie eine Ballerina, da sie in dem Sand nur hin
und her tänzelte von dem blondhaarigen Jungen zu dem Jungen mit dem wuscheligen, bronzefarbenen Haar. Waren die drei Geschwister?
Meine Frage beantworete sich schneller, als ich gucken konnte, denn sie sprang den Blondhaarigen Jungen an. Der schaute sie nur ein bisschen schüchtern an.
Er schien sich nicht richtig wohl zu fühlen. Sie gab ihm ein Küsschen auf die Wange und da auf einmal traf ihr Blick meinen.
Ich erschrack und schaute schnell wieder zu Meer. Ich muss wohl wie eine neugierige Stalkerin ausgesehen haben. Ich wagte noch schnell einen Blick zu
ihnen, um zu sehen, ob sie mich alle anguckten, doch das taten sie nicht. Sie alberten alle miteinander weiter.
Wieso tust du dir das an, Bella? dachte ich mir mal wieder.
Wieso schaust du dir das an, was du nie haben wirst?
Auf diese Frage hatte ich mal wieder keine Antwort.
Die Art der Familie zog mich in ihrem Bann und ich wusste nicht wieso.
Schmerz breitete sich in mir aus.
Wie wäre es gewesen, wenn meine Familie nicht auseinander gerissen worden wäre?
Was wäre gewesen, wenn meine Eltern noch Leben würden?
Hör endlich auf darüber nachzudenken. Genieß das Meer, genieß die Sonne, genieß die frische Luft, Bella schrie es in mir innerlich.
Ich sollte mich ablenken.
Mhh.. was sollte ich denn machen?
Ich schaute mich um und sah ein Stückchen weiter entfernt, ein paar höhere Felsen.
Das ist es, dachte ich mir.
Wieso genießt du nicht einfach mal das Wasser?
Ohne weiter nachzudenken, rannte ich zu den Felsen.
Ist ja gar nicht so tief, dachte ich mir. Ich machte mir keine weiteren Gedanken und sprang.
Doch da fiel es mir wieder ein, ich konnte doch gar nicht schwimmen.
Deswegen sollte ich mir nun Gedanken machen. Wie würde ich einigermaßen heil aus diese Nummer wieder raus kommen?
Ach wenn du nun ertrinkst, ist wohl die beste Lösung, die es für dich geben kann, Bella, schrie es wieder in mir.
All die Schmerzen und die Traurigkeit wären für immer vorbei und du könntest bei deinen Eltern sein.
Aber wie Gott es wollte kam alles anders. Irgendwie merkte ich nur noch den Aufprall, Geschrei und dass jemand an mir zog.
Doch dann war alles Schwarz. Was ist jetzt mit mir passiert? fragte ich mich.
Über eure Kritik freu ich mich jetzt schon =)
