Hier (‚etwas' später als geplant) also Kapitel 2. Die Zungenbrecher habe ich NICHT übersetzt, sondern gegen andere, deutsche ersetzt, da sonst der Sinn verloren geht. Wer die Englischen lesen mag, möge bitte dem Link zur Originalstory am Beginn von Kapitel 1 folgen.

Viel Spaß beim Lesen wünsche ich euch!

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02. Aufgewacht!

Hermine brauchte ein paar Sekunden, um zu begreifen, dass sie immer noch im Korridor stand und keinen Ort hatte, zu dem sie gehen konnte. Sie entschied sich, den Rest der Nacht mit dem Erforschen ihrer Umgebung zu verbringen und herauszufinden, wie sich dieses Hogwarts von ‚ihrem' unterschied. Das neuartige Gefühl, jetzt durch Wände gehen zu können verflüchtigte sich relativ rasch; sie konnte nicht einmal jemanden erschrecken. Es war trotzdem ein seltsames Gefühl. Es fühlte sich ein bisschen wie apparieren an, nur ohne die Luft aus den Lungen gequetscht zu bekommen. Nicht gerade angenehm. Hermine schwirrten hunderte von Fragen durch den Kopf. Gut, Menschen (bis auf Tom) konnten sie nicht sehen, doch was war mit Geistern? Sie durchsuchte Hogwarts nach irgendeiner Spur der Hausgeister die sie so gut kannte, jedoch vergebens. Schlafen Geister?

Noch eine unbeantwortete Frage. Sie war komplett erschöpft, wusste jedoch nicht, ob sie als Geist schlafen konnte, geschweige denn in einer Erinnerung. Also machte sie sich auf den Weg in die Bibliothek, den Platz, an dem sie in all ihren Jahren in Hogwarts am meisten Trost gefunden hatte. Die Bibliothek war leer und unheimlich still. Hermine sank auf eine gepolsterte Bank und schloss die Augen. Der Schlaf kam einfach nicht; sie zählte fünfmal die Glockenschläge der großen Turmuhr, deren Klänge durch das ganze Schloss hallten. Ärgerlich setzte sie sich auf; bei Merlin, sie wollte schlafen, sie brauchte Schlaf, doch es war unmöglich. Um Beleidigung zur Erschöpfung hinzuzufügen: Sie war in der Bibliothek und konnte nicht eine einzige Seite eines einzigen Buches lesen.

Sie hatte es bereits versucht und hatte mit ihrer Hand direkt durch eine Ausgabe von Eine Geschichte von Hogwarts, dem Buch, das sie früher so oft vor dem Schlafengehen gelesen hatte, hindurchgegriffen. Sie warf einen flüchtigen Blick auf die Uhr in der Bibliothek. Verfluchte fünf Uhr am Morgen, dachte sie ärgerlich. In eineinhalb Stunden würden die ersten Schüler aufstehen, um sich zum Frühstück oder zu ihren Klassenzimmern zu begeben. Oh, sie hätte so gerne einmal in dieser Zeit den Unterricht besucht, auch wenn sie gelesen hatte, dass er weit strenger war als der in der Zukunft. Nun, wenn ich nicht schlafen kann…, dachte sie mit einem wahrhaft gemeinen Grinsen, gibt es keinen Grund, warum ER das sollte.

Damit drehte sie sich um und eilte in Richtung der Kerker, wo sich die Slytherinschlafsäle befanden. Harry und Ron hatten es ihr erzählt, nachdem sie im zweiten Schuljahr während der Öffnung der Kammer des Schreckens Vielsafttrank genommen hatten. Nur an die Kammer zu denken, bracht ihr Blut in Wallung. Immerhin war sie eine derjenigen gewesen, die vom Basilisken versteinert worden waren und der Verantwortliche dafür war dieselbe Person, die sie nun gleich treffen würde. Sie erreichte den Eingang, holte einmal tief Luft und tauchte in den Felsen ein, um zu Gemeinschaftsraum zu gelangen. Sie machte sich eine geistige Notiz, die Lage von jenen der Ravenclaws und Hufflepuffs herauszufinden; diese Information könnte später nützlich sein. Hermines Oberlippe kräuselte sich angewidert, als sie das Innere des Slytherin-Gemeinschaftsraumes erblickte. Alles war aufdringlich üppig, mit den mächtigen, kahlen Steinwänden der Kerker im Hintergrund. Grün und Silber waren die einzigen Farben, die Hermine ausmachen konnte, jedoch entdeckte sie ein abgenutztes Gryffindorposter, das scheinbar als Dartscheibe diente.

Okay, jetzt muss ich nur noch sein Zimmer finden, dachte sie, während sie die Stufen hinaufstieg. Diese ganze „Tunichtgut-Sache" war neu für sie, also musste sie sich eine Scheibe bei Fred und George abschneiden. Wenn ich doch nur einen Tragbaren Sumpf hätte, der könnte die Einrichtung des Gemeinschaftsraumes eindeutig verbessern, dachte sie mit einem hämischen Grinsen. Sie ging durch die Tür zum Schlafsaal der Slytherin-Siebtklässler, froh, unsichtbar zu sein. Der Raum war ein einziges Chaos und Hermine wäre über mindestens drei Dinge gestolpert, wäre sie nicht ihr neues ‚Geist-Selbst' gewesen. Sie hatte Harrys und Rons Zimmer am Grimauldplatz gesehen, doch das hier schlug es um Längen. Koffer lagen im ganzen Raum verstreut, Stühle waren umgekippt, und Hermine quiekte überrascht als sie beinahe auf eine Kröte trat, die zwischen zwei Stapeln Verwandlungsbüchern lag. Als sie einzige saubere Ecke des Raumes erspähte, wusste sie augenblicklich, dass es Toms war.

Sie konnte seine schlafende Silhouette durch die teilweise zugezogenen Vorhänge erkennen; im Schlaf sah er beinahe unschuldig aus, auch wenn Hermine wusste, dass er alles andere als das war. Sie grinste – er würde lieben was jetzt kam. Sie legte beide Hände trichterförmig um ihren Mund und brüllte: „WACH AUF, TOM RIDDLE! SCHWING DEINEN SCHLAFENDEN ARSCH AUS DEM BETT! DIE SONNE LACHT!" Sie wünschte sich sehnlichst, sie hätte ein paar Pfannen und Töpfe zum Zusammenschlagen dabei gehabt, das hätte das ganze Erlebnis noch erfreulicher gemacht. Sie strahlte, unfähig, das breite Grinsen von ihrem Gesicht zu drängen, als Tom sich ruckartig im Bett aufsetzte und beim Umdrehen beinahe rausfiel, als er sich wie wild umsah, um die Quelle des Lärms auszumachen. Hermine lehnte sich gegen die Wand und gab ihr Bestes, um das Tom-Riddle-Grinsen™ zu imitieren. „Was zur Hölle soll das werden?", rief er, bevor er bemerkte, wo er sich befand. „Du redest mit dir selbst, Riddle?", fragte Hermine süffisant und mit breiter werdendem Grinsen, als jemand von der gegenüberliegenden Seite des Schlafsaals nuschelte: „Mit wem redes ' du?"

„Schlaf weiter, Brown!", fuhr Tom ihn an, bevor er sich zu Fenster* umdrehte. Es war zwar noch dunkel, aber ein hauchfeiner silberner Lichtstreif begann, sich über den Horizont zu schieben. Er funkelte Hermine an und ließ sich wieder zurück in die Kissen fallen. Entschlossen, sie um jeden Preis zu ignorieren. Fein, das kann er haben, dachte sie. „Tom! Du wirst mir zuhören, es sei denn, du willst, dass ich meine Hand in deinen Kopf stecke und dein Gehirn anfasse. Ich bin ein Geist; ich tue es!" Das war vermutlich das Kindischste, das sie gesagt hatte, seit sie zehn gewesen war, aber es funktionierte. Tom schoss wieder in die Höhe und warf ihr einen mörderischen Blick zu, sodass sie das Lachen kaum noch zurückhalten konnte. Wäre er ein Basilisk, würde ich mir bereits die Radieschen von unten ansehen.

Wie spät ist es?", zischte Tom. „Fünf Uhr am Morgen!", flötete Hermine. Ach, hätte ich doch nur eine Kamera. Am besten eine magische. Ich könnte diesen Moment für die Ewigkeit einfangen. Bei einem Blick auf seinen Gesichtsausdruck war Hermine froh, ein Geist zu sein, denn der machte deutlich, dass er sie andernfalls bereits erwürgt hätte. „Was willst du?", fragte Tom schließlich resigniert. „Das ist meine Rache dafür, was du Hagrid angetan hast. Und glaub mir, es wird zu einem dauerhaften morgendlichen Ereignis werden, solltest du mich nicht heute um ein Uhr im Raum der Wünsche treffen. Ich möchte herausfinden, was mit mir passiert ist, und außer du magst es, um Fünf – oder früher–", drohte sie ihm, „aufzuwachen, schlage ich vor, dass du mir hilfst." Tom verkniff sich, was auch immer er eigentlich hatte sagen wollen und flüsterte: „Fein." Hermine stolzierte zufrieden aus dem Zimmer, ihre Arbeit hier war getan.

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Hermine entschied, dass es vermutlich nicht die beste Idee war, Tom während seines Vormittagsunterrichts zu verfolgen, also hängte sie sich an eine Gruppe Ravenclaws und besuchte mit ihnen den Unterricht in Zauberkunst und Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Es war interessant, doch Hermine freute sich eher auf Dumbledores Verwandlungsstunde. Sie hatte einen flüchtigen Blick auf den Stundenplan einer Slytherin werfen können und wusste nun, dass die Siebtklässler Verwandlung am Nachmittag hatten; direkt nach Zaubertränke und vor dem Abendessen. Perfekt, dachte sie. Tom Riddle in einer von Dumbledores Stunden ärgern. Ein perfekter Nachmittag. Hermine wartete ungeduldig darauf, dass Tom zum Raum der Wünsche kam, unsicher ob er sich für sie überhaupt öffnen würde. Sobald die Tür hinter ihm verschwunden war, kam sie näher und schlüpfte wieder einmal durch massiven Stein, um hineinzugelangen. Er sah sie hereinkommen, sagte jedoch nichts sondern ließ seine Bücher mit einem dumpfen Geräusch auf die Tischplatte fallen.

„Also…wie war das Frühstück?", fragte Hermine in einem schwachen Versuch, eine Unterhaltung in Gang zu bringen. Anhand des düsteren Blickes, mit dem Tom sie musterte, war ihr klar, dass er immer noch verärgert über ihren kleinen Besuch am frühen Morgen war. „Hey, glaub nicht ich fände es angenehmer, mit dir hier drin zu sein als du!", rief Hermine. Sie hatte versucht, diese Konversation in der Bibliothek mit einer Statue zu führen, war aber relativ schnell zu dem Schluss gekommen, dass das nicht das gleiche war, als würde sie mit einem echten Menschen sprechen. „Es ist furchtbar! Ich bin eine Art Geist und die einzige Person, die mich sehen kann, bist ausgerechnet du! Ich kann nicht schlafen! Ich kann nicht essen! ...Ich kann ich mal duschen gehen!", lamentierte sie, sich innerlich ob ihrer Wort windend. Tom hob schweigend eine Augenbraue und Hermine musste den Drang widerstehen, ihm eine zu scheuern. „Oh, komm schon, du weißt, wie ich das meine.", sagte sie und verschränkte die Arme. „Ich will hier weg und dafür brauche ich deine Hilfe. Und du wirst mir helfen oder ich werde den heuigen Morgen im Vergleich zu den kommenden Tagen aussehen lassen wie einen erholsame Nachtruhe!" „Ist das eine Drohung?", frage er ruhig und sah ihr direkt in die Augen. Sie unterdrückte ein Schaudern. Auch wenn er an diesem Ort und in dieser Zeit äußerlich so ganz anders aussah als Lord Voldemort; seine Augen waren die gleichen. Sie waren noch nicht dunkelrot, doch das war auch gar nicht notwendig. Augen sind wirklich die Fenster zur Seele.

„Ist das eine Herausforderung?", hielt Hermine dagegen, entschlossen, nicht nachzugeben. Tom kam einen Schritt näher, doch Hermine wich nicht von der Stelle und funkelte zurück, als er näher kam. Er schloss den Abstand zwischen ihnen rasch und erst als er nur mehr wenige Zoll entfernt war, wich Hermine zurück. Tom grinste und wirbelte seinen Eibenstab zwischen den Fingern. „Da gibt es etwas, das mich interessieren würde", sagte er beiläufig, doch Hermine bemerkte den drohenden Unterton in seiner Stimme. Sie hatte sich schon vor einiger Zeit gefragt, ob Magie ihr etwas anhaben konnte und schätzte, dass diese Theorie jetzt wohl überprüft werden würde. „Und was ist das?", fragte sie ohne den Augenkontakt zu brechen, während er blitzschnell auf sie zielte und- „Defodio!" Hermine blinzelte nicht einmal, als der Zauber geradewegs durch sie hindurch ging und einen tiefen Krater in die Wand hinter ihr schlug, einen Spiegel in tausend Scherben zerschmetternd. Sie grinste zufrieden. Seine Magie kann mir nichts anhaben.

„Und was nun, Riddle?", fragte sie liebenswürdig; sie hatte jetzt die Oberhand und Toms finsteren Blicken nach zu urteilen gefiel ihm das gar nicht. Sie wandte sie Augen für einen Moment ab und als sie wieder hoch sah, eilte Tom bereits Richtung Ausgang, seine Bücher unter dem Arm. „Nun, das ist ja richtig toll gelaufen", seufzte Hermine, nachdem er verschwunden war. Sie rannte ihm nach und blieb abrupt stehen, als der Boden unter ihren Füßen zu beben begann. „Was zum –" Sie keuchte als die Wände begannen, sich zusammenzuziehen, Sofa und Tisch im Boden versanken und alle Farbe einem tristen Grau wich. Die Fenster waren gerade dabei, mit den Wänden zu verschmelzen, als Hermine durch die Mauer nach draußen flüchtete. Nach Luft schnappend landete sie im Korridor. Sie lehnte sich mit großen Augen an die Wand, durch die sie gekommen war, als sie begriff, was gerade passiert war. Der Raum war dabei gewesen, seinen ursprünglichen Zustand wiederzuerlangen. Sie fragte sich, wie er jetzt wohl aussah, entschied sich jedoch dagegen, noch einmal hineinzugehen, entschlossen, Toms Zaubertränkeunterricht ein wenig aufzumischen.

Sie eilte zum Klassenraum und schenkte Tom ein breites Lächeln vomTyp Haifisch, als sie sich auf ihn zubewegte. Er saß im hinteren Teil des Raumes und teilte sich einen Arbeitstisch mir den einzigen drei anderen Slytherins im UTZ-Kurs. „Hallo Sonnenschein", grüßte sie spöttisch, als sie sich in den leeren Sessel neben ihn fallen ließ. „Hast du deine Meinung was das Helfen betrifft schon geändert?" Er schüttelte kurz den Kopf und warf ihr einen bösen Blick zu, als ein um einiges jüngerer Slughorn herein kam und der Klasse fröhlich einen schönen Nachmittag wünschte, bevor er mit dem Zauberstab wedelte und auf der Tafel der Name eines Zaubertranks erschien: Veneficus Umbra. „Wer kann mir sagen, welcher Trank das ist?", fragte Slughorn. Einige Hände erhoben sich (Toms war natürlich eine davon) und Slughorn strahlte seinen Lieblingsschüler an. Hermine ergriff die Gelegenheit, um laut: „Junge jodelnde Jodler-Jungen jodeln jaulende Jodel-Jauchzer. Sensitive Selektionssimulatoren sondieren sogar sekundär-strukturierte Solarselektoren. Eier mit Speck! Eier mit Speck!", zu rufen. Tom hatte seinen Mund geöffnet, um Slughorn zu antworten und warf ihr einen wütenden Blick zu, als sie seine Konzentration störte. Durch zusammengepresste Zähne zischte er: "Der Veneficus Umbra Trank ist ein ausgesprochen tödliches Gift-" „Früh fressen freche Frösche Früchte. Freche Frösche fressen früh Früchte."

Toms Augen wurden zu schmalen Schlitzen. „Es bedient sich des Toxins der tödlichen Nachtschattenblume, das in flüssiger Form letal wirkt, für das es jedoch ein Antidot gibt, hergestellt aus der Amelium-Pflanze." „Korrekt, fünf Punkte für Slytherin.", meinte Slughorn warf Tom einen eigenartigen Blick zu. Hermine grinste und genoss Toms Unbehagen. Für den Rest der Klasse musste sein Verhalten ziemlich seltsam gewirkt haben. „Das Gegengift habe ich hier, nur für den Fall, dass jemand versehentlich in Berührung mit seinem Trank kommt. Ich bin mir sicher, dass jeder in dieser Klasse fähig ist, diesen Trank korrekt herzustellen", fuhr Slughorn fort und fuchtelte mit seinem Zauberstab um die Zutaten des Trankes und die Brauanleitung auf der Tafel erscheinen zu lassen. „Ihr könnt beginnen!" Tom drehte sich um, um ihr ins Gesicht zu blicken und sie wusste augenblicklich, dass er liebend gern, wäre es denn möglich gewesen, dafür gesorgt hätte, dass sie eine nicht geringe Menge vom Nachtschattengift abbekam. „Was hast du denn, Riddle?", fragte sie unschuldig und beobachtete mit Schadenfreude, wie er zum Zutatenschrank hinüberstolzierte und, nachdem er alles Benötigte zusammengesucht hatte, seinen Kessel mit mehr Nachdruck als eigentlich notwendig abstellte.

Hermine war klar, dass Tom sein Bestes gab, sie zu ignorieren. Der Rest der Schüler, sogar die Slytherins, bemühten sich nach besten Kräften, ihm nicht in die Quere zu kommen. Tom zerkleinerte gerade schön gleichmäßig Kellariuswurzeln, als Hermine sich zu ihm hinüberbeugte. „Vermassel' es nicht!", wisperte sie. Überrascht rutschte Tom mit dem Messer ab; das Ergebnis war ein großes, unförmiges Stück Wurzel. Er umklammerte das Messer nun zwar so fest, dass seine Knöchel weiß wurden, warf ihr jedoch nur einen weiteren bösartigen Blick zu, bevor er sich wieder seiner Wurzel zuwandte. Der wievielte war das jetzt? Der Zehnte? Er sollte eigentlich wissen, dass giftige Blicke mich nicht umbringen, dachte sie mit einem Lächeln. Ich frage mich, wie viel er noch aushält. Hermine fuhr damit fort, Tom den Rest der Zaubertrankstunde so gut sie konnte zu ärgern. Sie wisperte ihm falsche Anleitungen ins Ohr, während er verschiedene Zutaten zu seinem Trank hinzufügte und rief zufällige Nummern, während er seinen Trank in komplizierten Rhythmen umrührte. Überraschenderweise schaffte es Tom trotzdem, den Zaubertrank richtig zu brauen, was wohl etwas über seine Intelligenz aussagte. Sie wusste, dass Tom klug war – doch wäre er wirklich schlau, hätte er schon lange nachgegeben.

Ihr war klar, dass sie ihn beinahe so weit hatte. Ehrlich gesagt, hatte sie seit Monaten keinen solchen Spaß mehr gehabt. Ich schätze, es ist gut, dass ich keine Geschwister habe, dachte sie kleinlaut. Ich würde ihnen vermutlich schlimmer zusetzen als Tom. Schließlich endete die Stunde. Slughorn strahlte Tom an, als dieser sein Probefläschchen nicht allzu sanft auf dem Katheder absetzte und gab ihm eine Einladung für den Slug-Club nächste Woche. „So, Tom, hast du es dir schon anders überlegt?", fragte ihn Hermine liebenswürdig. Sie folgte ihm die Halle hinunter, sicher, dass sein Geduldsfaden bald reißen würde. „Oh, von mir aus. Fein.", raunte er ihr aus dem Mundwinkel zu. „Du hast gewonnen; ich werde dir helfen. Nur…hör auf damit. Weck mich nicht mitten in der Nacht und versuch nicht, meine Arbeit zu ruinieren… das war ein billiger Trick, nebenbei bemerkt." Ich lerne nur vom besten, wollte sie sagen, hielt sich aber zurück. „In Ordnung. Ich werde dir nach Verwandlung mehr über meine Situation erzählen, und dann kannst du mir helfen, etwas darüber nachzulesen. Je früher ich nachhause komme, desto besser.", seufzte sie.

„Ich könnte Verwandlung auch einfach ausfallen lassen.", schlug er vor. „Ich kann es nicht ausstehen." Beim Anblick von Hermines entsetztem Gesichtsausdruck kräuselten sich Toms Lippen zu einem schmalen Lächeln. „Fein, wie du willst, du musst mir nicht zustimmen. Ich meine mich zu erinnern, dass du Professor Dumbledore recht gut kennst." Hermine hielt sich davon ab, zu sagen, was sie hatte sagen wollen. Sie durfte ihm nichts über seine Zukunft verraten, sah jedoch keinen anderen Weg, als ihm von Denkarium und den Erinnerungen zu erzählen. Sie würde im einfach sagen, dass sie aus der Zukunft war, ihm jedoch nichts Genaueres erzählen konnte. Das durfte sie einfach nicht.

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[Hermine war von Verwandlung begeistert. Tom saß inmitten einer Gruppe Slytherins, in welcher jeder von ihnen ihn mit einem Respekt, der fast schon an Verehrung grenzte, behandelte, während Hermine sich einem schmalen Gang zwischen zwei Bankreihen auf den Boden setzte. Dumbledores Art zu unterrichten war völlig anderes als Professor McGonagalls. Wo sie streng und berechenbar war, verwandelte Dumbledore die bloße Anleitung zur Ausführung eines Zauberspruchs in eine Mischung aus Anekdoten und Witzen. Er nahm jeden einmal dran und verteilte fair Punkte über die ganze Klasse. Der ganze Unterricht war sehr interaktiv und Hermine wurde ein bisschen wehmütig, als die Schüler sich aufteilten und begannen, ihre Schreibfedern in Metall, Porzellan und schließlich Wasser zu verwandeln. Molekulare Verwandlung unterschied sich deutlich davon, lediglich den äußeren Schein eines Objekts zu verändern, denn einmal verzaubert, konnte das Wasser nicht mehr in die Feder zurückverwandelt werden, die es einmal gewesen war. Sobald die Stunde zu Ende war, sprang Hermine auf und verließ eilig das Klassenzimmer, da sie vermeiden wollte, dass zum Abendessen Horden Slytherins und Ravenclaws durch ihren Körper hindurchliefen.

Hermine sah, wie Tom kurz Halt machte, um sich mit den Slytherins, mit denen er zusammen gesessen hatte, zu unterhalten, konnte jedoch nichts von ihrer Unterhaltung aufschnappen. Um ehrlich zu sein, sie wollte gar nicht wissen was er plante. Es ist ja nicht so, als könnte ich etwas dagegen unternehmen, dachte sie mürrisch. „Komm schon!", zischte ihr Tom aus dem Mundwinkel zu und Hermine beeilte sich, ihm zu Raum der Wünsche zu folgen. Er wurde immer besser in dieser Bauchrednersache. Sie wartete, bis er hineingegangen war, bevor auch sie den Raum betrat, denn sie wollte vermeiden, dass so etwas wie vorher noch mal passierte. „So, erzähl mir wie du hier gelandet bist.", waren die ersten Worte aus Tom Riddles Mund. „Was, du brauchst nicht zu essen?", fragte Hermine, seine Reaktion abwartend. „Besorgt?", kam die spöttische Antwort, und da war auch schon wieder sein Tom-Riddle-Grinsen™. Aahrrg, ich muss wirklich aufhören, ihn herauszufordern…, dachte sie. „Natürlich nicht", schoss Hermine zurück und ging ein Stück weit in den Raum hinein. Sie konzentrierte sich fest darauf, wie sie ihren nächsten Satz formulieren wollte, und so entging ihr das amüsierte Funkeln in Toms Augen. „Hast du schon einmal von einem Denkarium gehört?" Das scheint ein ganz passabler Anfang zu sein. Tom nickte. „Ja, allerdings habe ich noch nie eines gesehen; sie sind sehr selten. Denkarien werden zur Aufbewahrung und zum Betrachten von Erinnerungen benutzt. Sehr nützlich, denn man kann nicht nur seine eigenen Erinnerungen sondern auch die anderer sehen." Hermine war überrascht, dass er noch nicht begriffen hatte. „Tja, ich hatte eine Art… Unfall mit einem Denkarium und bin seitdem darin gefangen." Angesichts Toms verwirrtem Blick fuchtelte Hermine mit ihren transparenten Armen. „Hier." Toms Mund formte ein überraschtes ‚oh', als er begriff. „Also…bist du eine Erinnerung?" „Ja und nein. Ich bin echt und du bist die Erinnerung. Ich habe keine Ahnung, wie das passieren konnte, aber ich bin sicher, die Bibliothek wird uns weiterhelfen. Wir könnten auch Dumbledore um Rat fragen", Hermine funkelte ihn empört an, als er bei ihrem zweiten Vorschlag laut schnaubte. „Ach, hast du eine bessere Idee?" „Ich habe noch nie von einem ähnlichen Fall gehört.", dachte Tom laut und strich sich mit der Hand über das Kinn; Hermine glaubte sehen zu können, wie sich die Rädchen in seinem Kopf drehten. Alles was sie tun musste, war, sein Ego ein wenig zu reizen und das Ganze wie eine unlösbare Aufgabe zu präsentieren, dann konnte er nicht widerstehen.

„Also, wie genau hat sich dieser Unfall abgespielt?" Hermine schluckte und rang die Hände. Sie war nervös; sie hasste es, einen Fehler zugeben zu müssen, besonders, wenn es so idiotisch klang. Ich hätte vorsichtiger sein müssen, das ist alles meine Schuld. „Na ja", begann Hermine, „ich habe aus Versehen ein Regal voll Erinnerungen umgestoßen, bin dann auf der ausgerutscht, die am Boden zerbrochen ist, hab mich am Denkarium festgehalten und bin hineingefallen." Ratterte sie so schnell sie konnte herunter. Da, es ist vorbei. Toms Augenbrauen hoben sich langsam und Hermine warf ihm einen missbilligenden Blick zu, da er wohl gerade ein sicherlich lächerliches Bild von einer sich wie ein Trampeltier benehmenden Hermine vor Augen hatte. Du sagst also, du kommst aus der Zukunft?", fragte er und schaffte es nicht, das echte Interesse in seiner Stimme zu verbergen. Ah, ich habe mich schon gefragt, wann er wohl auf das Thema zu sprechen kommen würde. „Ja", Hermine nickte, „aber ich werde nicht darüber sprechen. Auch wenn das hier nur eine Erinnerung ist, werde ich nicht riskieren, irgendetwas zu verändern." „Ah, ich frage mich, wie ich in der Zukunft aussehen werde", sagte Tom, während er im wieder reparierten Spiegel an der Wand zufrieden seine Haarpracht begutachtete.

Hermine bekam einen Hustenanfall und versuchte verzweifelt, nicht zu lachen. „Hätte besser sein können, belassen wir es dabei", meinte Hermine sarkastisch. Wovon haben wir noch mal gesprochen? Ach ja, das Denkarium. „Lass uns noch mal das durchgehen, was wir wissen.", sagte Tom, der sich wieder dem eigentlichen Thema zuwandte. „Nur ich kann dich sehen, und du bist so etwas wie ein Geist." „Geniale Schlussfolgerung, Sherlock!", spöttelte Hermine und ließ sich in einen der plüschigen Ohrensessel fallen. „Du benimmst dich ein normaler Geist, deshalb schätze ich, dass du dich in einer Art Limbo-Stadium zwischen den Welten befindest –", er stoppte als er Hermines giftigen Blick sah und entschied, nicht weiter das Offensichtliche zu wiederholen. „Wenn du meine Hilfe nicht willst, brauchst du das nur zu sagen. Ich versuche herauszufinden, wonach wir suchen müssen!" „Nun, ich bin noch nie zuvor in einem Denkarium gewesen, aber ich schätze, ich werde zurückkehren, wenn die Erinnerung endet, oder wenn ich sehe, was auch immer ich habe sehen sollen, oder wenn jemand in meiner Zeit es schafft, mich aufzuwecken.", folgerte Hermine. Sie hoffte, dass Harry und Ron bereits versuchten einen Weg zu finden, um sie wieder zurückzuholen. „Du sagst, du hättest ein Regal voller Erinnerungen umgestoßen. Von wie vielen Erinnerungen sprechen wir genau?", fragte Tom, währen er im Raum auf und ab schritt.

„Ähh, zehn? Zwölf?", schätzte Hermine und fühlte ihr Gesicht heiß werden vor Verlegenheit. Technisch gesehen war es nicht meine Schuld. „Beeindruckend", machte sich Tom über sie lustig und Hermine wünschte sich plötzlich eine körperliche Hand um ihm eine scheuern zu können. „Wessen Erinnerungen sind das hier?", fragte er. Hermine biss sich auf die Lippe, unsicher, ob sie diese Frage beantworten konnte oder wollte. „Da ich in den Kerkern aufgetaucht bin", begann sie langsam, "sind sie entweder von Hagrid", sie sah auf, „oder dir." „Das bezweifle ich doch stark", höhnte Tom. „Ich würde mich niemals mit einer muggelstämmigen Gryffindor anfreunden!" Er deutete auf ihr Gryffindor Vertauensschüler-Abzeichen. Hermines Augen wurden schmal. „Woher weißt du, dass ich muggelstämmig bin?" „Nicht viele Hexen oder Zauberer kennen Sherlock", meinte er bloß. Hermine schnaubte. „Sei kein so kein Heuchler, Halbblut. Dein Vater war ein Muggel, als komm runter von deinem hohen Ross und hör auf, was anderes zu behaupten." An seinem Gesichtsausdruck war klar zu erkennen, dass sie einen wunden Punkt getroffen hatte, aber sie weigerte sich nachzugeben.

„Erwähne nie wieder meinen widerwärtigen Muggelvater, Schlammblut!", zischte er, doch Hermine hatte diese Beleidigung in den letzten Jahren so oft gehört, dass sie sich schlichtweg weigerte, davon getroffen zu werden. Eine vertraute Spannung lag in der Luft; die beiden waren praktisch Sekunden davor, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen und beide brauchten eine Verschnaufpause. Zähl bis zehn und denk zweimal nach, bevor du sprichst. Hermine atmete tief aus. „Schau, lass uns später weitermachen", meinte sie während sie aufstand und zur Wand, wo die Tür erschien, hinüberging. Sie hatte nicht die Absicht, noch einmal die Letzte in diesem Raum zu sein. Sie verschwand durch die Mauer und eilte zum nächsten Tor, das sie finden konnte. Sie brauchte jetzt einen schönen langen Spaziergang; draußen zu sein beruhigte sie immer, und momentan konnte sie alle Ruhe gebrauchen, die sie bekommen konnte. Der verdutze Tom war immer noch im Raum der Wünsche, überrascht von ihrem plötzlichen Rückzug. Sie war gegangen, ohne ihn herauszufordern, was er nicht erwartet hatte. Dieses Mädchen war Vieles, doch berechenbar sicherlich nicht. Als klar wurde, dass nur er sie sehen konnte, hatte er zuerst gedacht, sie wäre ein Produkt seiner Fantasie, und dass er verrück wurde. Aber ihre Geschichte passte, seltsamer Weise. Es klang plausibel und Denkarien waren einige der wenigen magischen Objekte, die er bisher nicht hatte unter die Lupe nehmen können. Wenn er die Möglichkeit hätte, die Erinnerungen anderer zu sehen…

Er unterdrückte den Gedankengang und das Grinsen kehrte auf sein Gesicht zurück, als er sich an die Unterhaltung von vorher erinnerte. Ähh, zehn? Zwölf? Was für ein Tollpatsch. Seine Stimmung hob sich leicht bei der Vorstellung von Hermine, die über ein Regal fiel und die Erinnerungen herunterriss. Tom kehrte in den Slytherin-Gemeinschaftsraum zurück. Er hatte etwas zu besprechen mit einigen seiner… Anhänger.

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Das Kapitel wäre eigentlich schon gestern Abend gekommen, aber ich war schon so müde dass ich sogar statt ‚Hermine' ‚ Hmeirn' geschrieben habe…

Ich möchte mich ganz herzlich bei meinen Reviewern bedanken, ich hoffe ihr lest die Story noch, nachdem so lange nichts mehr kam.

Mythengirl

Flaschengeistchen

Lycana

* Das mit dem Fenster ist etwas unrealistisch, das ist mir klar. In den Kerkern gibt es zwar Fenster, doch die zeigen natürlich die Unterwasserwelt des Sees, nicht den Himmel. Ich hab es aber so gelassen, da die Autorin das so geschrieben hat und ich es nicht einfach eigenmächtig ändern wollte.