In Maroubra angekommen machte niemand Anstalten Cadel aufzuwecken. Judith half zu erst Saul die Autotüre zu öffnen bevor sie nach hinten ging um Sonja aus ihrem Sitz zu befreien. Dicht hinter ihnen kam Gazos Wagen zum stehn. Saul ging direkt auf die Fahrerseite zu und deutete Ihm an die Fensterscheibe runterzukurbeln. Gazo gehorchte bereitwillig wie immer. Mit ruhiger Stimme sagte er, "Kannst du bitte Hamish gleich nachhause bringen? Cadel ist gerade eingeschlafen! Ich glaube er ist sehr erschöpft vom langen Flug." "WAS?", dröhnte Hamish auf dem Rücksitz. "Da..Das waren doch höchstens fünfzehn Minuten Autofahrt! Wie kann der sooo schnell einschlafen?" Kale musste sich ein Lachen verkneifen und verdrehte die Augen als er ausstieg um seine Habseligkeiten aus dem Kofferraum zu holen. Gazo war schon wieder auf dem Sprung um den Agenten zur Hilfe zu kommen als Saul ihn andeutete sitzen zu bleiben. "Das schafft er schon." ,meinte er nur grinsend. Kale war mit seinem Gepäck auf dem Weg zum Hauseingang wo Judith schon mit Sonja im Rollstuhl den richtigen Schlüssel aus ihrer Handtasche raussuchte. Saul klopfte Gazo nur auf die Schulter welcher sich auch sofort in Bewegung setzte und den enttäuscht wirkenden Hamish nach Hause chauffierte. Im Auto saß Immer noch Fiona mit dem tief im Schlaf versunkenen Jungen, doch Saul öffnete zu erst den Kofferraum um Cadels Sachen zum Haus zu tragen. "Noch alles klar bei euch?" erkundigte sich Saul bei seiner Frau. "Ja Liebling. Schickst du Kale raus um ihn reinzutragen?", erkundigte sie sich. "Hmmh.", brummte er zustimmend. Er schlug die Kofferraumtür zu und kurz darauf tauchte auch schon Kale wieder an der Tür auf. "Ich helfe euch. Komm lass mich in reintragen. Du kannst eh noch nicht wegen deiner Verletzung.", bemerkte er freundlich. Vorsichtig schon er seine kräftigen Arme vorbei an Fiona unter Cadels Kniebeuge und seinen Rücken. Fiona drückte ihn an Kales Brustkorb damit dieser ihn besser zu fassen bekam. Cadel seufzte nur einmal leise auf, was alle Anwesenden für einen kurzen Moment die Luft anhalten ließ, schien aber von der ganzen Prozedur nichts mitzubekommen. Unauffällig verschwanden sie in Judiths Haus welche hinter ihnen das Auto und das Haus verriegelte. "Wo soll ich ihn hinlegen?", fragte Kale mit dem noch immer schlafenden Cadel in den Armen. "Hier!", deutete Judith in das zweite Schlafzimmer welches seit geraumer Zeit Fiona und Saul für sich eingenommen haben. Kale betrat das spartanisch eingerichtete Zimmer in dem ein großer Kleiderschrank und dem gegenüber ein Doppelbett stand. Am Fußende des Bettes lag eine Matratze auf dem Fußboden, worauf er Cadel vorsichtig ablegte. Fiona war bereits neben der Matratze auf die Knie gegangen um dem Schlafenden die Schuhe auszuziehen und ihn sanft zuzudecken bevor sie ihm noch mal zärtlich über den Kopf streichelte. Im Türrahmen stand Saul und wirkte müde aber zufrieden. Sie bevorzugten es das Zimmer nun Cadel zu überlassen und gesellten sich zu Sonja und Judith ins Wohnzimmer. Sie beschlossen den Abend gemütlich auf der Couch zu beenden. Judith fand sogar noch eine aufblasbare Luftmatratze die eine Schlafmöglichkeit für Kale darstellte. Als auch Sonja immer schläfriger wurde und ihr sogar schon die Augen zu fielen stand Judith auf und sagte, "Ich glaube es wird langsam Zeit ins Bett zu gehen!" Mit Sonja im Schlepptau machte sie sich auf in ihr eigenes Schlafzimmer. Sonja sollte in ihrem Bett schlafen während sie bei Kale im Wohnzimmer auf der Couch Quartier bezog. Fiona und Saul machten sich auch auf den Weg ins Schlafgemach nachdem sie sich allen eine gute Nacht wünschten. Leise und ohne Cadel zu wecken kuschelten sich alle in ihre Betten und alle Lichter im Haus erloschen für eine friedliche Nacht.
Am nächsten Morgen fiel es Cadel schwer sich aus dem Bett zu wälzen! Er erkannte schnell das er sich in Judiths Haus befand. Sein aufkommendes Hungergefühl lotste ihn zielsicher in die Küche wo die anderen schon das Frühstück vorbereiteten und ihn freudestrahlend begrüßten. "Guten Morgen" ,hörte er aus allen Mündern. "Morgen. Wie spät ist es?" "Erst Viertel vor 7." ,strahlte Fiona zurück. Cadel bewunderte immer ihr freundliches Wesen, vor allem zu dieser frühen Stunde. Saul sass wie immer am Tisch, nippte an seinem Kaffee und beteiligte sich kaum an der Konversation. Judith fütterte Sonja und biss ab und an mal von ihrem Brötchen ab. Cadel setzte sich neben Kale und Fiona reichte ihm auch schon einen Teller. "Auf was hast du Appetit mein Junge?" ,informierte sich Kale. "Ich hätte gern ein paar Cornflakes mit Milch." "Kommt sofort." Noch bevor Cadel protestieren oder sich schicken konnte sein Essen selbst zu holen, war der FBI-Agent auch schon wieder neben ihm und reichte ihm mit einen breiten Grinsen im Gesicht seine Schüssel. Fiona ließ sich nun auch endlich nieder und so wurde es mit einem mal ganz still am Tisch. Alle waren so vertieft unauffällig zu wirken, dass Cadel den Braten förmlich riechen konnte. "Was ist los? Wollt ihr mich verarschen?" Saul und Kale tauschten kurz Blicke aus und beschlossen anscheinend ihn noch im Unklaren zu lassen. Kale dreht sich zu ihm, atmete tief durch und fügte an, "Es gibt noch einige Dinge die wir heute Klären müssen, deswegen wirst du heute keine einzige Sekunde von meiner Seite weichen!" Sein Blick verhärtete sich um seinen Standpunkt zu festigen. Cadel sah, dass er keine andere Antwort, außer einer Zustimmung annehmen würde und fügte sich seinem Schicksal, "OK, wenn's sonst nichts ist!" Seine Worte klangen belanglos, doch waren sie sehr berechnend gewählt, denn auf Fiona schienen sie Wirkung zu zeigen. Nervös nahm sie ihren leeren Teller vom Tisch legte ihn in die Spüle und entschuldigte sich um sich für die Arbeit fertig zu machen, obwohl sie vorher anbrachte das es ERST Viertel vor Sieben sei. Sie schien Angst zu haben es könnte aus ihr herausbrechen wenn sie sich länger im gleichen Raum wie Cadel aufhielt. Hämisch grinsend blickte er ihr nach. Das konnte er später genauer hinterfragen. "Ohh Mann. Das wird ein anstrengender Tag heute mit dir!" Noch bevor Cadel ihm einen verstohlenen Blick zuwerfen konnte machten sich die übrigen Anwesenden auch schon aus dem Staub. Saul musste erst zum Arzt und dann auf die Arbeit. "Im Moment ist jede Menge Schreibarbeit zu erledigen und ich hab meine persönliche Tippse!" ,bevor er realisierte was er eigentlich gesagt hatte, bekam er auch schon einen leichten Stoss in die Seite von Fiona, welche schon auf dem Sprung zur Arbeit war und ihn ein Stück mitnehmen wollte. "Wenn du fertig bist können wir gehn. Ich hab keinen persönlichen Assistenten der für mich die Arbeit erledigt, weißt du!" ,bemerkte sie eifersüchtig. Die Anderen unterdrückten ein Lachen, nur Cadel prustete auf einmal los. Er wusste nicht warum er auf einmal so gut gelaunt war, alles schien auf einmal so stinknormal zu sein. Vielleicht lachte er über die Ironie des Schicksals, die ihm aufzeigte das seine scheinbar normale Welt einfach nur eine Fassade war die jederzeit wieder eingerissen werden konnte. Nein. Im Moment mochte er sich darüber nicht den Kopf zerbrechen. Es lag wahrscheinlich wirklich nur daran das er endlich zu Hause angekommen war und sich wohl fühlte. Er erkannte das zu Hause kein Ort ist, sondern da ist wo Personen sind die es dazu machen.
