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2. Kapitel

Seine Augen funkelten sie eiskalt an. Das konnte sie sogar bei dem etwas schummrigen Licht erkennen. Sie fühlte sich wie gelähmt und war unfähig sich zu bewegen. Was machte dieser unfreundliche Kotzbrocken hier? Sie kniff ihre Augen zusammen und senkte mit Mühe ihren Blick. Ohne Zweifel, Snape hatte sich in den vergangenen drei Jahren überhaupt nicht verändert. Viele dachten er würde nach der Vernichtung des dunklen Lords etwas aus sich herauskommen und seine eiskalte und verachtende Art ablegen. Doch wie sie nun sehen konnte schien das überhaupt nicht der Fall zu sein. Hermine war froh dass in diesem Moment das Seminar begann und ein Mitarbeiter des Ministeriums rief: „Sehr geehrte Zauberer und Hexen, herzlich Willkommen hier in Dublin. Ich hoffe, sie hatten alle eine angenehme Reise. Wir werden nun mit unserem ersten Programmpunkt beginnen ohne viel Zeit zu verlieren. Ich darf Ihnen Professor Severus Snape vorstellen, ehemaliger Spion für den Orden des Phönix, Lehrer für Zaubertränke in Hogwarts und unsere beste Kraft im Bereich Verteidigung gegen die dunklen Künste und Zaubertränke."

Überschwänglicher Applaus begann. Snape war seit dem Fall Voldemorts ein Kriegsheld. Bald hatte sich herumgesprochen wie grossartig sein Einsatz für den Orden war. Eher verhalten begann auch Hermine zu klatschen. Snape schien dies alles überhaupt nicht zu beeindrucken. Sein Gesicht war versteinert wie eh und je. Hermine seufzte. Hoffentlich würde Snape nicht während der gesamten Seminar-Stunden auf ihr herumhacken. Sie erinnerte sich an ihren Zaubertrank-Unterricht in Hogwarts. Hermine atmete geräuschvoll aus. Beruhigt stellte sie fest dass sie damals von ihm hauptsächlich ignoriert und nicht gepiesackt wurde.

Snape kam ziemlich schnell auf den Punkt und hielt sich nicht lange mit Reden auf. Anscheinend war er, was Verteidigung gegen die dunklen Künste anging, ein Anhänger der Praxis.

„Ich werde jetzt die vorhandenen Stühle wegzaubern und ich bitte sie, jeweils Zweier-Gruppen zu bilden. Wir werden anschliessend üben, den Imperius-Fluch abzuwehren. Wie Sie alle sicher wissen ist dieser Fluch im Ministerium das grösste Sicherheitsrisiko."

Leises Gemurmel machte sich breit. Die Attacken auf das Ministerium während des Krieges waren bei den meisten Seminarteilnehmern noch präsent. Viele waren persönlich betroffen oder kannten einen Kollegen der vom Imperius-Fluch geleitet wurde.

Bevor sich Hermine auch nur um einen Partner für das Üben bemühen konnte, schienen sich alle anwesenden Personen schon für jemanden entschieden zu haben. Hermine lief es kalt den Rücken herunter. Was würde nun geschehen? Sie konnte schlecht den Imperius an sich selbst ausführen und abwehren. Einige Momente später tauchte jemand hinter ihr auf, als sie sich gerade suchend umblickte. „Soso, anscheinend sind sie nicht sehr beliebt, Miss Granger." Mit leicht hochgezogenen Mundwinkeln blickte sie Snape süffisant an. „Ich wüsste nicht woher SIE wissen sollten dass ich nicht beliebt bin. Ich nehme mir schliesslich kein Vorbild an Ihnen, Sir."

Das leichte Lächeln auf Snapes Gesicht verschwand. Sein Blick wurde sofort wieder undurchsichtig und kalt. Mit seidiger Stimme antwortete er: „So wie es aussieht müssen Sie leider mit mir Vorlieb nehmen." Hermine schauderte. Sie wusste dass sie es noch bereuen würde dass sie ihrem ehemaligen Zaubertrankprofessor derart entgegengetreten war. Im Nachhinein musste sie auch ehrlich zugeben dass es nicht gerade fair war. „Miss Granger, anstatt rumzustehen und in der Gegend herum zu träumen würde ich es bevorzugen wenn wir nun mit dem Üben beginnen könnten." Seine Worte glichen einem Zischen. Die Stühle schienen sich mittlerweile in Luft aufgelöst zu haben, was Hermine nicht einmal bemerkt hatte. Konzentriert blickte sie in Snapes Augen. Sie wusste dass er es ihr nicht leicht machen würde. „Dürfte ich einen Moment um Ihre Aufmerksamkeit bitten!", rief Snape in das Stimmengewirr. Sofort verstummten alle. „Ich werde Ihnen nun kurz erklären wie es funktioniert. Sie sind während des heutigen Seminars dazu befähigt, denn Imperius-Fluch anzuwenden. Ich denke Sie alle wissen selbst was sich gehört und was nicht. Bitte seien Sie anständig. Sollten Sie Fragen bezüglich des richtigen Abwehrens des Fluchs haben, stehe ich Ihnen selbstverständlich zur Verfügung."

Solch vernünftige Worte hätte sie aus Snapes Mund nicht erwartet. Hermine atmete tief durch.

Snape fuhr fort: „Ich werde Ihnen nun kurz zeigen wie Sie vorzugehen haben. Miss Granger wird mir sicherlich mit Vergnügen behilflich sein." Snape sagte diese Worte ohne Hermine auch nur eines Blickes zu würdigen. Sie bekam Gänsehaut. „Davon war aber nie die Rede!", flüsterte sie mit zusammengepressten Lippen und beugte sich dabei etwas in die Richtung ihres ehemaligen Lehrers. Sie war eindeutig zornig. „Seien Sie doch nicht so zimperlich. Schliesslich waren Sie diejenige die mitgeholfen hat, den dunklen Lord zu besiegen." Abscheu schwang in seiner Stimme mit. Er packte sie an Ihrem Handgelenk. „Kommen Sie jetzt. Oder wollen Sie mit Ihren Starallüren die ganze Veranstaltung verzögern?" Der Griff an ihrem Handgelenk war grob. Seine Hände waren warm, sogar leicht verschwitzt. Anscheinend, und das hätte sie nicht gedacht, war er leicht nervös. Professor Snape war nervös? Das konnte sie eigentlich fast nicht glauben. Wie von der Tarantel gestochen liess er sie wieder los. „Natürlich ist es Ihre eigene Entscheidung wenn Sie vor versammelter Menge einen Rückzieher machen wollen.." Wieder diese seidige Stimme. Und dann wusste sie dass er sie in der Tasche hatte. Hermine senkte ihren Blick. Ihr Handgelenk brannte von der unsanften Berührung.

„Gut! Beginnen wir", sagte sie nun. Wollte sie ihren Stolz bewahren, hatte sie wohl keine andere Wahl. Sie meinte ein leichtes Lächeln um Snapes Lippen erkennen zu können, doch kaum konnte sie genauer hinsehen, schien es auch schon wieder verschwunden zu sein.

„Imperius!"

Hermine traf der Fluch wie ein Schlag. Sie hatte noch nicht damit gerechnet. Sie spürte wie er in ihren Willen eindrang.

„Leg dich auf den Boden", klang eine leise Stimme aus ihrem Innern. Sie kniete bereits auf dem Boden, als eine Stimme in ihr sagte: „Wieso? Ich will nicht auf dem Boden liegen." Sie kniete weiter. „Leg dich hin!" Die innere fremde Stimme wurde aggressiver. Hermine merkte wie sie den drang hatte sich hinzulegen, konnte es fast nicht unterdrücken.

„NEIN!", schrie sie. Und dann war der Fluch gebrochen.

Sie kehrte mit ihren Gedanken wieder zum Hier und Jetzt zurück. Snape sah sie mit undurchdringlichem Blick an. Dann nickte er.

„Wie Sie sehen konnten ist Miss Granger diesem Fluch nicht erlegen. Sie konnte sich zum richtigen Zeitpunkt davon lösen. Versuchen Sie es nun selber."

Hermine hörte ungläubig zu. Snape hatte ihr ein indirektes Kompliment gemacht. Doch er holte sie schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. „Glauben Sie nur nicht dass das eine Meisterleistung war! Ich habe mich nicht besonders angestrengt." Snape begann während diesen Worten die ersten zwei Knöpfe seines Gehrocks zu öffnen. Anscheinend schwitzte er.

„Trauen Sie es sich noch ein weiteres Mal zu, Miss Granger?" Gefährlich leise sagte er die Worte und wartete nun mit verschränkten Armen auf eine Antwort von ihr.

„Was glauben Sie wohl? Natürlich werden wir weiter trainieren!"