Jaqen
Der Morgen machte sich im Osten bereits bemerkbar. Die beiden Pferde, die sie einem alten Bauern abgekauft hatten, waren zäh, deswegen hatten sie die ganze Nacht durchreiten können. Auch Arya hielt sich gut. Wenn sie ihr Tempo weiter so beibehalten konnten, erreichten sie die Krabbenbucht vielleicht schon heute Abend. Soweit Jaqen erkennen konnte, wurden sie zwar nicht verfolgt, doch er wollte Westeros lieber früher als später hinter sich lassen.
„Sag mal…. Warum haben sie dich eigentlich damals in Königsmund festgenommen?"
„Sagen wir einfach, ich habe den falschen Leuten geholfen. Aber wie du weißt, kann man bei den Lannisters schnell in Ungnade fallen." Das war zwar nur die halbe Wahrheit, aber mehr brauchte sie nicht zu wissen.
Er hatte drei geschlagene Monate in den schwarzen Zellen verbracht, die Reise in dem kleinen Wagen war ihm dagegen wie das reinste Paradies vorgekommen.

Der Weg von Harrenhall zur Krabbenbucht führte über große Felder und sanfte Hügel; Wälder oder Berge gab es hier nicht. Der Nachteil war allerdings, dass man sich im Ernstfall nicht so einfach verstecken konnte.
Erneut sah er zu Arya, mittlerweile war die Sonne aufgegangen und er sah die Müdigkeit, die sie in der Nacht vor ihm hatte verbergen können.
„Sollen wir eine kleine Rast machen?"
„Nein", sagte sie trotzig, als sei es eine Schande müde zu sein.
Ihr Dickschädel wird irgendwann ihr Verderben sein...

dachte er, sagte aber nichts weiter. Sie hatte ein hitziges Temperament. Im Kampf konnte das sowohl hilfreich als auch gefährlich sein.

Sie erreichten die Krabbenbucht bei Anbruch der Dunkelheit. Es lagen drei große Handelsschiffe vor Anker. Er hoffte inständig, dass eines davon nach Braavos fuhr. Als erstes mussten sie allerdings die Pferde loswerden. Ein Händler kaufte sie ihnen für einen Spottpreis ab, aber das war ihm egal. In Braavos hatte er genug Geld und für Arya würde man bestimmt gut sorgen.

Tatsächlich fanden sie ein Handelsschiff, das direkt nach Braavos fuhr. Leider hatte er nicht genug Geld, um zwei Kabinen zu bezahlen, doch die Worte Valar Morghulis

hatten bei den Männern von Braavos mehr Wert als Gold.
Somit betraten die beiden, bereits zehn Minuten später, ihre jeweiligen Kabinen.

Diese waren nicht besonders groß. Es gab nur ein Bett und eine Truhe in der er seine wenigen Habseligkeiten verstauen konnte, mehr brauchte er allerdings auch nicht. Nur kurze Zeit später ging er zu Arya und musste lächeln, als er eintrat. Sie hatte sich auf ihrem Bett zusammengerollt und war bereits tief und fest eingeschlafen.

Arya
Gähnend setzte sie sich auf. Eigentlich hatte sie nicht einschlafen wollen, doch die Müdigkeit hatte sie übermannt. Zumindest war sie jetzt relativ ausgeruht, auch wenn ihre Muskeln von dem langen Ritt schmerzten. Sie beschloss sich an Deck etwas die Beine zu vertreten.
Anscheinend hatte sie länger geschlafen, als sie gewollt hatte, denn die Sonne hatte ihren höchsten Punkt bereits erreicht.
„Anscheinend war ein Mädchen sehr müde." Erst jetzt entdeckte sie Jaquen, der bei ein paar Männern saß.
„Kann sein", sie zuckte mit den Schultern und setzte sich zu ihnen.
„Hast du Hunger?", fragte einer der Männer. Ihr Magen antwortete für sie und man reichte ihr eine Schüssel dampfende Suppe, die sie dankend entgegennahm. Während sie aß, sah sie sich auf dem Deck um, die Ruderer und Matrosen gingen gemächlich ihrer Arbeit nach. Das Wetter war gut und die See war ruhig.

„Wie lange dauert es, bis wir Braavos erreichen?", fragte Arya
„Zwei bis drei Wochen mindestens, kommt ganz auf das Wetter an." Jaqen schien die Seefahrt nichts auszumachen. Arya hingegen fragte sich, wie sie die Zeit hier totschlagen konnte. Das Schiff war nicht besonders groß und in ihrem Alter gab es hier niemanden.

Zum Glück waren die Matrosen und Ruderer alle sehr gesprächig und wussten viele interessante Dinge zu erzählen. Auch mit Jaqen unterhielt sie sich viel, und so war sie erstaunt, als sie die Lichter von Braavos bereits in der Ferne schimmern sah. Jaqen erzählte ihr die Geschichte vom Titanen und sie hörte wie gebannt zu. Als sie dann an Land anlegten, kam es ihr so vor, als wären sie nur zwei oder drei Tage auf dem Meer gewesen.

Jaqen
Fasziniert nahm Arya alles in sich auf, was sie erblickte, ihm war es damals nicht anders gegangen.
„Und wohin gehen wir jetzt?"
„Ich bringe dich ins Haus von „Schwarz und Weiß", dort wirst du viele Dinge lernen."
„Kampftechniken?", sie strahlte.
„Nein, bevor du die Kunst des Tötens erlernen kannst, musst du viele andere Dinge lernen. Man wird dir dort alles erklären." Zielstrebig ging er auf das Marmorgebäude mit der silbernen Kuppel zu, das Haus von „Schwarz und Weiß". Bei jedem Gebäude an dem sie vorbei kamen, erklärte er ihr, welche Götter hier angebetet wurden. In den freien Städten war man nicht so stur wie in Westeros, hier konnten viele Religionen miteinander koexistieren.

Vor einer mit Schnitzereien verzierten Flügeltür blieb er stehen.
„Von hier an musst du alleine weiter, ich habe noch andere Dinge zu erledigen." Er ging die Treppe hinunter, drehte sich aber noch ein letztes Mal um.
„In dem Tempel ist ein Becken, trink nicht daraus." Und schon war er in der Dunkelheit verschwunden.


So, auch hier hoffe ich, dass ihr euren Spass hattet. Glaubt mir, die Kapitel werden noch länger...
Das nächste Update kommt wieder morgen ;)

PS: Es wird einen Zeitsprung geben, da ich nicht die ganze Ausbildung wiederholen möchte.
Wenn durch den Zeitsprung (oder auch sonst) irgendwelche Fragen auftauche, kann man die mir gerne stellen :D