Lauras erster Weg führte in das Büro des Dekans.
„Kannst du mir das mal erklären?" war das erste was sie hörte. Richard kam mit dem Zettel in der Hand auf sie zu.
„Dir auch einen guten morgen Richard. - Was gibt es denn noch zu erklären?"
„Nun du verschwindest einfach mitten in der Nacht und anstelle von dir finde ich diese lächerliche Nachricht."
„Die Nachricht ist nicht lächerlich. - Ich kann und will so einfach nicht mehr weitermachen. Das ist alles."
„Ist da ein anderer Mann?" fragte er schneidend.
„Nein da ist kein anderer Mann." gab sie ihm zur Antwort. 'Zumindest keinen realen'" fügte sie in Gedanken hinzu.
„Also was soll das ganze dann. Es lief doch gut."
„Richard ich bin es einfach leid die andere Frau zu sein, verstehst du das nicht? Ich will das nicht mehr."
„Dann lass ich mich scheiden."
„Nein, das wirst du nicht. Das hast du schon vor einem Jahr gesagt und es bis jetzt nicht eingehalten. Du wirst dich nie von deiner Frau scheiden lassen. Das ist mir letzte nacht klar geworden."
Es fühlte etwas wie Erleichterung, als sie diese Worte aussprach.
„Du weißt das sich recht habe, Richard. - Wie sagt man...lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende."
Richard wusste es, wollte es aber nicht wahrhaben. Er trat einen Schritt auf sie zu um sie zu sich zu ziehen, doch sie wich zurück. Laura schüttelte sacht den Kopf. Sie drehte sich um und lief zur Tür.
„Wir sehen uns zur Einführungsfeier."
„Und der neue Coach?"
„Ich kann nicht, Richard. Ich habe Vorlesung. Ich stelle mich ihm an einem anderen tag vor. - Wenn du etwas brauchst, dann bin ich in meinem Besprechungszimmer oder im Vorlesungssaal."
„Ich brauche dich Laura." seine Stimme klang beinah verzweifelt.
Laura drehte sich lächelnd zu ihm.
„Nein, du brauchst mich nicht. – Es ist besser so. Glaub mir."
Damit verließ sie sein Büro und ging in ihr eigenes. Sie hatte noch einiges vorzubereiten, für ihre Vorlesung.
Etwas verloren stand Bill im Büro des Dekans, der gedankenverloren aus dem Fenster starrte. Er räusperte sich um auf sich aufmerksam zu machen. Ein wenig Irritert drehte Dekan adar sich zu seinem Gast um.
„Verzeihung." entschuldigte Richard sich. „William Adama, richtig?"
„Richtig, aber bitte nennen Sie mich Bill."
Die beiden Männer reichten sich die Hände.
„Bitte nehmen sie doch Platz."
Bill setzte sich in den ihm angebotenen Platz.
Dekan Adar machte auf Bill einen eher zerstreuten ersten Eindruck, während dieser Bills Akte in den Händen hielt und Studierte.
„Ein bemerkenswerter Lebenslauf, das muss ich schon sagen. Sie haben bei der Armee gedient und es dort bis zum Captain geschafft."
„Ehrlich gesagt bin ich Admiral der Marine gewesen."
„Und was hat sie dazu gebracht die Marine zu verlassen?"
„Wenn ich ehrlich sein soll, meine Familie. - Mit meinem Ausstieg aus der Marine habe ich versucht meine Familie zu retten."
„Ich entnehme hier, dass sie geschieden sind."
„Sie sehen, der Versuch ist fehlgeschlagen. Ich habe schon an dem letzten College als Coach und Dozent gearbeitet, doch nach dem Scheitern meiner Ehe habe ich eine veränderung dringend nötig. Daher bin ich für die Chance hier zu arbeiten wirklich dankbar."
„Sie haben einen ausgezeichneten Ruf als Coach. Ich denke wir dürfen dankbar sein, sie hier zu haben. - Ich hätte Ihnen auch gerne meine Stellvertreterin vorgestellt, doch sie ist gerade anderweitig eingespannt. Ich bin sicher, sie wird ich in den nächsten tagen bei Ihnen vorstellen."
Bill nickte, dass er verstanden hatte.
„Was halten sie davon wenn sie nachher an der Einführungsfeier für die neuen Studenten teilnehmen. Vielleicht ergibt sich da die Möglichkeit." schlug Richard vor.
„Ich bin kein Fan von sowas, tut mir leid. Aber ich würde mir gerne die Gerätschaften ansehen und mich mit dem bisherig zusammengestellten Team bekannt machen."
„Ganz wie sie wollen. Ich bringe sie hin."
Die beiden Männer verließen das Büro. Bevor Dekan Adar Bill allerdings zum Team führte zeigte er ihm noch den Campus.
„Dort," Richard zeigte auf einen Gebäudekomplex, „ist unsere juristische Fakultät. Meine Stellvertreterin Professor Roslin unterrichtet dort Politikwissenschaft."
„Verstehe." gab Bill nur zur Antwort. Er hatte gar nicht richtig zugehört. Ihn interessierte mehr Der Campus und das Getümmel, als die Anpreisung irgendeiner Professorin. Früher oder später würde er sie ja kennen lernen, dann konnte er sich selbst ein Bild machen.
Zwei Wochen später waren die ersten Klausuren geschrieben und Laura hatte gerade die letzte korrigiert. Völlig übermüdet nahm sie ihre Brille ab und rieb sich die Augen. Seit Wochen hatte sie keine Nacht mehr durchgeschlafen und nun war sie am Ende ihrer Kräfte. Sie brauchte Ruhe, ein wenig Erholung. Vielleicht wäre es wirklich gut das Wochenende zu nutzen um ein wenig in die Berge zu fahren.
Sie hatte Tory gebeten ihr das Wochenende frei zu halten. Normalerweise hielt sie da oft Sprechstunden ab, da an diesen Tagen die meisten Studenten Zeit hatten um über schulische probleme zu sprechen. Doch diesmal nahm sich Laura das Recht, auch mal zeit für sich zu beantspruchen. Sie nahm ihren Terminkalender und ging die Termine für den nächaten Tag durch. Sie las das übliche. Die Dozentenbesprechung am Morgen durfte sie auf keinen Fall verpassen, dann Ihre Vorlesungen am Vormittag, und am Nachmittag. Um 16 Uhr die zwei Stunden in denen sie Sprechstunde hatte und am Abend das erste Footballspiel der Unimanschaft gegen die der BU, wieder etwas woraus sie nicht verzichten konnte. Richard ging nie zu den Spielen, das wälzte er immer auf sie ab. Er hatte einmal gesagt es wäre wichtig, dass wenigstens einer von ihnen beiden dort anwesent ist.
Sie seufzte und klappte den Terminkalender zu. Anschließend packte sie ihre Tasche und löschte das Lich an ihrem Schreibtisch. Ihr Blick fiel aus dem Fenster. Laura wunderte sich über das Licht, das vom Spielfeld zu erkennen war. Sie beschloss, bevor sie nach Hause fuhr, nach dem rechten zu sehen.
Da am nächsten tag das erste große Spiel anstand hatte Bill seiner Manschaft ein Extra-Training aufgebrummt. Er wollte seine Jungs fit machen. Er kannte sie Schwächen der gegenerischen Mannschaft und wollte dass seine manschaft dies bei dem morgigen Spiel auszunutzen wusste. Er war schon immer ein guter Stratege gewesen. Das hatte ihm bei seiner letzten Mannschaft mehrere Siege eingebracht. Im Team war bekannt, dass er bei der Marine gedient hatte und so hatte er sich den Spitznamen „Der Admiral" verdient. Er wusste wie sie ihn hinter seinem Rücken nannten, doch es machte ihm nichts aus. Er war nunmal bekannt für seine Härte, wenn es darum ging sein Team zu trainieren. Wenn sie das Spiel morgen gewonnen hatten, würde ihnen auch bewusst werden, wofür sie so hart trainiert hatten, dessen war er sich sicher.
„Jetzt bewegt eure dicken, faulen Ärsche. Wollt Ihr das Spiel morgen gewinnen, oder sollen die von der BU euch nass machen?"
seine sonore Stimme hallte über das ganze Spielfeld.
Seinen letzten Satz hatte Laura mitbekommen. Schmunzelnd stand sie oberhalb der Tribüne und blickte auf das Spielfeld.
„Macht mich morgen stolz, Jungs." sagte sie leise.
Aus den Augenwinkeln nahm Bill eine Bewegung wahr und drehte sich um. Doch er sah nur noch den Rücken der person die sich gerade entfernte.
„Hey Saul. Wer ist das?"
Saul, sein Trainerassistent blickte nach oben.
„Oh das. Das ist wahrscheinlich Professor Roslin. Sie ist die einzige die von den Dozenten so spät noch hier ist. Sie scheint nicht wirklich ein Leben zu haben."
„Wenigstens kenne ich jetzt schon mal ihren Rücken."
„Sie hat sich ihnen noch nicht vorgestellt?"
„Nein, bisher war sie immer zu beschäftigt.
„Vielleicht morgen. Sie ist immer diejenige die zu den Spielen der Jungs kommt."
„Adar nicht?" fragte Bill verwundert.
„Nein." gab Saul zur Antwort. „Er macht sich nichts aus Football."
„Na dann. - Vielleicht lerne ich sie morgen mal endlich kennen."
Wenn es wirklich so war, wie Saul sagte, dann konnte er Professor Roslin gut verstehen, dass sie sich noch Nachts in der uni aufhielt. Er ging auch ungern nach Hause. Dort wartete niemand auf ihn. Möglicherweise ging es ihr genau so.
