Kapitel 2 hier. Drei folgt vermutlich Anfang nächster Woche, sobald ich es geschafft habe, mit Kapitel 4 anzufangen. Ich hoffe es gefällt!
D'Artagnan folgte Athos den Abhang hinauf. Sie schlugen genau die andere Richtung als Porthos und Aramis ein.
Jetzt, wo er endlich wieder handeln konnte, ging es ihm schon ein ganzes Stück besser. In die Ecke gedrängt in die Kuhlen der Erde, unter ständigem Beschuss, das hatte ihn an den Rand des Wahnsinns getrieben. Auch wenn die Präsenz von Aramis neben ihm und Porthos und Athos in seinem Sichtfeld eine beruhigende Wirkung gehabt hatte, so hatte er wieder einmal aufs Neue feststellen müssen, dass Geduld nicht seine Stärke war.
Er hatte sich dem Kanonenfeuer absolut hilflos ausliefern müssen, und hätte Aramis ihn nicht mehrmals zurück in die Kuhle gezogen hätte er wahrscheinlich als Kanonenfutter geendet.
Es war eine wahrliche Erlösung gewesen, als die Kanonen endlich schwiegen. Die verwundeten Männer waren zu ihrem Lagerpunkt nicht weit von hier gebracht worden und Athos hatte die Befehle gegeben.
Wenn sie das hier überstehen wollten, so mussten sie die gegnerischen Kanonen zerstören. Irgendwie.
Athos Plan schien zu sein, sie ein wenig zu umgehen, sie durch die Truppenaufteilung zu verwirren und den Überraschungseffekt zu nutzen um ihre Kanonen zu zerstören. D'Artagnan hatte Zweifel an diesem Plan, aber sein Vertrauen in Athos war immer unerschütterlich. Und wenn er ehrlich war, so fiel ihm auch kein besserer Plan ein, also was sollten sie tun.
Als sie ihre Strecke beinahe überwunden hatten sahen sie einen Spähtrupp, der sich langsam einen Weg durch den Waldrand bahnte. Mit ihren Degen schlugen die Spanier das Gestrüpp aus ihrem Weg.
Athos vor ihnen hob die Hand und gab das Signal zum Anhalten. D'Artagnan war der einzige der sich noch rührte, als er ein wenig zu seinem Freund aufschloss sodass er in Hörweite war.
Er sah wie Athos' Augen sich hektisch durch die Umgebung bewegten, auch wenn sein Gesichtsausdruck unergründlich war. Er wog seine Möglichkeiten ab.
Der Spähtrupp hatte sie in der Dunkelheit noch nicht entdeckt, und sie schienen sich dennoch leise auf Spanisch zu unterhalten, offenbar nicht ganz bei der Sache.
„Wir könnten sie von hinten überraschen", meinte d'Artagnan, seine Stimme nicht mehr als ein leises Hauchen das im leichten Wind verloren ging.
Athos zuckte kaum merklich die Schultern und hob schon eine Hand, um Signale zu geben, als sie plötzlich heftig zusammenzuckten als Schüsse über die offene Fläche hallten. Auch der Spähtrupp der Spanier sah kurz auf, aber schien sich nicht weiter zu interessieren. Einer schien eine abfällige Bemerkung über irgendetwas zu machen. Nicht, dass d'Artagnan Spanisch beherrschte, aber über die vergangenen Monate hatte er hier und da ein wenig aufschnappen können.
Er bemerkte wie Athos angespannt den Kopf drehte und mit dem Kopf in die Richtung deutete, aus der die Geräusche stammten.
„Aramis und Porthos!" zischte der Hauptmann unnötigerweise und suchte d'Artagnan's Blick. D'Artagnan wusste genau was ihr Anführer vor hatte. Sie mussten den Schlachtlärm überbieten und schauen, dass für die Haupttruppen auf dem offenen Feld nahe dem Waldrand nicht zu erkennen war, wo genau sich die französischen Truppen aufhielten.
Athos zog eine Augenbraue hoch, als wolle er d'Artagnan um Zustimmung bitten.
Der Gascogner hob seinen Degen und stieß einen Kampfschrei aus, woraufhin die Männer hinter ihm sich lauthals auf den spanischen Spähtrupp stürzten, die sich völlig überrumpelt in ihre Richtung wandten.
Athos und d'Artagnan zogen ihre Pistolen vom Gürtel und stürzten sich ebenfalls in den Kampf. Nachdem sie ihre Schüsse verbraucht hatten zogen beide ihren Parierdolch dazu und fingen die Angriffe die auf sie gerichtet waren ab.
D'Artagnan verhinderte gerade so, dass einer der jungen Musketierkadetten von hinten mit dem Degen aufgespießt wurde, und duckte sich rasch hinter einem morschen Baumstamm als er noch im letzten Moment die Arkebuse sichtete, die auf ihn gerichtet war. Die Kugel verfehlte ihn aber um einiges weiter als er angenommen hatte.
Desweiteren war der Kampf sehr schnell entschieden. Die Spanier waren definitiv überrascht worden und ihr kleiner Trupp von etwa zehn Mann war den gut fünfundzwanzig, die Athos mit sich hatte, stark unterlegen.
Als sich erneut die Stille über ihnen senkte, bemerkte d'Artagnan, dass auch von der anderen Seite des Waldabschnittes keine Kampfgeräusche mehr zu hören waren. Was auch immer dort den Kampf ausgelöst hatte, er war vorüber.
D'Artagnan schob sich zu den letzten Baumstämmen am Waldrand vor um einen guten Blick auf das offene Wiesengelände zu haben. Ein paar verlassene Häuser trennten sie von den vermeidlichen Truppen des Feindes.
Das Mondlicht brach endlich zwischen den Wolken hervor und tauchte die Fläche in silbriges Licht. Genug, sodass sie ungefähr die Lage einschätzen konnten.
„Sie bewegen sich…", murmelte Athos der plötzlich neben ihm aufgetaucht war und er verengte die Augen, in der scheinbaren Hoffnung, dadurch noch besser sehen zu können.
„Aber sie wenden sich nicht in unsere Richtung", warf d'Artagnan leise ein und deutete auf die Spanier, „Sie konzentrieren sich noch immer auf das Waldstück von eben."
Er spürte wie sich Athos' Blick von der Seite in ihn bohrte.
„Hast du einen Vorschlag? Einen, der nicht völlig unbedacht und instinktiv ist?" Die Stimme des Hauptmannes triefte vor Sarkasmus.
D'Artagnan schnaubte.
„Du meinst sowas wie offener Angriff?"
„Erfasst."
„Dann nein."
Athos seufzte und fuhr sich kurz mit der Hand übers Gesicht.
„Wir könnten uns versuchen in die Häuser zu schleichen hier vorne. Wenn wir unentdeckt reinkommen, können wir warten bis Aramis und Porthos agieren und dann im Chaos versuchen die Kanonen auszuschalten."
D'Artagnan runzelte die Stirn und hockte sich neben Athos hin.
„Was ist wenn sie Wachposten in den Häusern haben? Oder noch schlimmer, Vorräte? Du weißt schon, sowas wie Schießpulver oder so?"
Athos Mundwinkel zuckten.
„Da werden wir es wohl drauf ankommen lassen müssen."
„Sehr beruhigend."
„War nicht meine Intention."
D'Artagnan warf Athos noch einen kurzen Blick zu und konnte in den Augen des Musketier-Hauptmannes ablesen, dass egal was er sagte, die Entscheidung feststand. Athos gab schließlich die Befehle. Und wenn d'Artagnan ehrlich war, klang der Plan gar nicht mal so schlecht.
Athos gab die entsprechenden Signale mit der Hand und d'Artagnan hörte, wie sich die Männer hinter ihnen leise in Bewegung setzten.
Langsam und bedächtig bewegten sie sich aus der Deckung der Bäume hervor und traten so leise wie es ihnen als Gesamtes möglich war auf den von Blättern bedeckten, leicht verschlammten Boden auf.
Sie mussten nur möglichst unbemerkt bis zu den verlassenen paar Häusern vordringen. Dort konnten sie dann versuchen, einen Plan zu schmieden, wie sie die Kanonen außer Gefecht setzten.
D'Artagnan hielt den Griff seines Degens fest umklammert und bewahrte ihn davor, durch das Klirren gegen den Gürtel oder die Beine zu viel Lärm zu machen. Zudem duckte er sich, als könne er sich damit vor dem Mondlicht bewahren, und endlich hatten sie es zu dem am Nächsten stehenden Gebäude geschafft.
Athos war als erster an der schweren Holztür und prüfte vorsichtig, ob sie verschlossen war. Mit einem leicht überraschten Gesichtsausdruck wandte er sich d'Artagnan zu und stieß die Tür mit Leichtigkeit auf. Er trat ein und blieb an der Tür stehen und hielt sie mit seinem Fuß offen.
Hastig bedeutete er d'Artagnan, einzutreten, und die anderen Männer machten es dem Musketier nach. Es war ein verlassenes Haus, dementsprechend waren auch die meisten Sachen weg. Vermutlich hatte es die Familie, die geflohen war, mitgenommen. Ein paar leicht angeschimmelte Früchte lagen auf dem Boden verstreut als hätte jemand es sehr eilig gehabt.
„Macht die Fenster zu!" hauchte d'Artagnan so leise wie es ihm nur möglich war und die Männer gehorchten ihm, auch wenn er nicht der Hauptmann war. Die Stellung, die Porthos, Aramis und d'Artagnan bei Athos inne hatten war in der Garnison kein Geheimnis, und die Männer, ob Musketier oder nicht, respektierten das.
Eilig hielten sie sich mit dem Kopf unten und schlossen die Fenster. Die gegnerischen Truppen standen genau genommen mit der Schulter zu ihnen, sprich die Häuser befanden sich auf deren linken Seite. Sie schienen aber auf eine andere Ecke fixiert zu sein und hatten keinerlei Beachtung übrig für diese Häuser.
Dachte d'Artagnan zu Mindestens.
Er hatte die Treppe in der Raumecke entdeckt, eine kleine und zudem sehr enge Wendeltreppe, die vermutlich zu dem Keller führte. D'Artagnan wusste, wie lange sich die Spanier schon in dieser Gegend aufhielten, und so wollte er sicher gehen.
Gerade als er den Treppenabsatz erreicht hatte, tönten Stimmen aus dem Keller.
„Apresúrate. Los otros esperan!"
Jeder Mann im Raum erstarrte in seiner Bewegung und d'Artagnan führte unnötigerweise einen Finger an die Lippen, um zu signalisieren, ruhig zu sein, ehe er vorsichtig einen Schritt auf die Treppenstufe machte.
Zu seinem Schrecken knarrte sie.
Er schielte um die Ecke und traf den Blick des Spaniers unmittelbar, der ihn völlig überrumpelt und erschrocken anstarrte und Luft holte um eine Warnung loszugeben.
D'Artagnan packe fest das Geländer zu beiden Seiten und nahm viel Schwung, ehe er mit Wucht und beiden Beinen den Mann in den Bauch trat.
Die Warnung wurde erstickt als er aus d'Artagnan's Sichtfeld fiel da er die Balance verloren hatte. Die Treppe ging aber nicht besonders tief runter. D'Artagnan kam schnell mit beiden Beinen wieder auf die Füße und warf seinen Dolch flink und sicher auf die Wache. Mit einem stummen Schmerzensschrei ging sie zu Boden.
Gerade als d'Artagnan unten am Treppenfuß angekommen war hörte er einen zweiten Mann, noch bevor er ihn sah.
„Qué pasa?"
Er verstummte in dem Moment in dem er d'Artagnan sah und wütend zog er seinen Degen, den er mit ungeheurer Geschwindigkeit auf den Musketier runtersausen ließ. D'Artagnan wich rasch zur Seite aus und trat nach dem Mann, der somit gegen die Kellerwand taumelte.
„Bastardo francese!" keuchte er und fletschte die Zähne.
D'Artagnan machte ein beleidigtes Gesicht und forderte mit einem neckischen Grinsen und einer entsprechenden Handbewegung den Angriff hervor.
Der Spanier schnaubte wütend und startete eine weitere Attacke. D'Artagnan parierte den Schlag mit Leichtigkeit und packte den Gegner am Schwertarm, den er dann soweit nach außen drehte, dass er den Degen fallen ließ. Bevor auch nur ein Schmerzensschrei aus dem Hals des Mannes ertönen konnte schlug der Gascogner ihn mit einem einzigen Schlag seines Degenknaufes bewusstlos.
Einen Moment stand er da und atmete tief durch, ehe er in den schwach beleuchteten Keller blickte und seine Kinnlade runterfiel.
„Alles in Ordnung da unten?" tönte Athos' Stimme vom oberen Treppenabsatz. Ungeduldige Schritte waren zu hören als er keine Antwort erhielt, da d'Artagnan's Blick nicht vom Keller abzubringen war.
„D'Artagnan!" fragte Athos nochmal, bevor er die Treppe selber betrat.
„Athos?" meinte der Angesprochene mit monotoner Stimme, „Das solltest du dir ansehen!"
Athos eilte die Stufen hinab, wie immer eine Hand am Griff seines Schwertes.
„D'Artagnan, was soll…" Er brach ab als er dem Blick seines Freundes folgte. „Oh."
„Yup."
„Das könnte zu einer Planänderung führen."
„Hab ich doch gesagt."
Athos funkelte ihn von der Seite aus an.
„Und ich hab gesagt es ist ein Risiko was wir eingehen müssen."
D'Artagnan schluckte.
„Athos, unsere Männer stehen über ein Dutzend Kisten voll mit Schießpulver!" Er merkte selber, dass er unsere Männer gesagt hatte, nicht deine Männer, aber Athos war das nicht einmal aufgefallen. Er hob nur beschwichtigend eine Hand.
„Beruhig dich. Siehst du irgendein Zeichen für eine Zündschnur oder ähnliches?"
D'Artagnan schüttelte den Kopf.
„Weil das ihre Vorräte sind, d'Artagnan. Nicht alles ist immer eine Falle."
Der Jüngere knurrte nur missmutig, während Athos sich wieder aufrichtete.
„Ich lass die Männer den Keller absuchen. Nicht dass hier noch irgendwelche Zugänge von anderen Seiten sind oder von anderen Häusern. Gérard, Nicourt! Ihr werdet unten gebraucht!"
Letzteres rief er bedächtig die Treppe hoch und oben erschienen die Köpfe besagter Männer, die sich beeilten, den Befehlen ihres Hauptmannes nachzukommen.
Anstelle sich jedoch direkt an das Absuchen des Kellers zu machen, kam Gérard direkt auf Athos zu, sein Gesicht kreidebleich.
„Aus welcher Richtung sagtet Ihr noch gleich würden die anderen Männer ihren Angriff starten, Hauptmann?"
Athos verengte die Augen.
„Aramis und Porthos leiten einen Angriff von der Westseite aus, auf die Westflanke der spanischen Truppen."
Gérard schluckte.
„Dann solltet ihr nach oben gehen, Hauptmann. Das müsst ihr sehen."
Athos starrte noch kurz verwirrt den Musketierrekruten an, während d'Artagnan sich schon beeilte, die Treppe hinauf zu kommen. Er spürte Athos unweit hinter sich.
„Was ist los?" verlangte Athos zu wissen sobald sie wieder oben im Hauptraum angekommen waren.
„Die Truppen, Herr. Sie wenden sich gen Westen."
Athos schüttelte ungerührt den Kopf.
„Aramis und Porthos greifen von dort aus an, natürlich werden sie früher oder später bemerkt."
Einer der Musketiere, die in einer halb offenen Tür nach draußen stand, schüttelte den Kopf und wank Athos und d'Artagnan zu sich rüber. Die beiden kamen dem Gesuch nach und d'Artagnan hockte sich draußen hinter der Häuserecke hin, Athos dicht neben ihm.
„Die Kanonen. Sie sind nach Westen gerichtet. Sie erwarten den Angriff", erklärte der Mann unbehaglich.
Die Worte schlugen bei d'Artagnan ein wie die Kanonenkugeln in den Wald vor weniger als einer Stunde. Sie waren vorbereitet. Und das nicht wegen dem Kampfeslärm der verursacht wurde. Auf dieser Fläche war es unmöglich zu bestimmen, wo die Geräusche genau herkamen. Wie kamen die Spanier an diese Information? Sie schienen genau zu wissen, wo Porthos und Aramis waren.
„Sie waren doch bis eben noch nach Süden unterwegs!" zischte Athos, der gekonnt versuchte, den Horror in seiner Stimme zu verbergen.
Der Mann nickte.
„Es war von jetzt auf gleich, ohne jede Vorwarnung. Als hätten sie es gewusst, als hätten sie jeden Schritt von uns vorhergesehen."
Athos' Kiefermuskeln spannten sich sichtlich an.
„Vielleicht ist ihnen ein Späher entgangen", mutmaßte er.
D'Artagnan sog scharf die Luft ein.
„Und konnte ihnen binnen so kurzer Zeit den gesamten Schachzug unserer Truppen übermitteln? Nein, das kann nur…"
Weiter kam er nicht als die ersten Kanonen abgefeuert wurden. Er hatte genug Kanonenfeuer erlebt die vergangene Zeit. Er hatte die Zerstörungskraft dieser Kriegsmaschinen gesehen, und er war jedes Mal glimpflich davon gekommen. Der Knall war weit weg, aber in d'Artagnan's Ohren hallte er nach als stünde er direkt daneben. Er wollte schon aus Reflex aufspringen aber Athos packte ihn hastig an der Schulter und drückte ihn gegen die Hauswand.
„Nicht."
„Ich lass sie nicht einfach so in ihre Verdammnis rennen. Ich habe sie dahin geschickt!" D'Artagnan klang wütend und verzweifelt zugleich.
„Nein, d'Artagnan, das war ich!" brüllte Athos ihn an und packte ihn wieder zurück als der Jüngere erneut einen Fluchtversuch unternahm. Auch wenn Athos' Stimme beherrscht war, d'Artagnan kannte ihn gut genug um die leichte Spur Angst und Schuld herauszulesen.
D'Artagnan packte Athos verzweifelt am Kragen und sah aus den Augenwinkeln, wie sich der Mann im Türrahmen wegdrehte, als er Zeuge wurde wie jemand sich entgegen die Autorität des Befehlshabers wendete.
„Ich kann sie da nicht einfach alleine lassen", flüsterte d'Artagnan flehend und versuchte erneut auf die Beine zu springen.
„Wenn du so darein stürmst kommst du niemals lebend da raus."
„Ist mir egal!" entgegnete d'Artagnan wütend und seine Augen waren fixiert auf das Schlachtgetümmel. Jetzt war es Athos, der seinen Freund am Kragen packte und das Gesicht ihm zudrehte.
„Und was erzähle ich Constance?" fauchte Athos. „Du machst das hier nicht nur für uns, für den König oder für Frankreich!"
D'Artagnan schluckte.
„Du machst das auch für sie. Du hast nicht so lange um sie gekämpft um jetzt das Tuch zu werfen. Sie ist es wert. Aramis und Porthos würden nicht wollen, dass du etwas derart heroisches, aber auch derart dämliches tust."
D'Artagnan erschauerte. Es war ungewöhnlich, Athos' Stimme so emotionsgeladen zu hören, aber die vergangenen Monate hatten sie alle gewissermaßen verändert.
Constance's Gesicht spiegelte sich vor seinem inneren Auge wieder. Wie sie ihn geschlagen hatte, wie sie ihn anlächelte. Wie sie wütend wurde, wie sie ihn küsste vor Leidenschaft.
Die Welt konnte noch so grau sein, aber Constance schien immer heller als alles andere in seinen Augen. Und er merkte dass seine unendliche Liebe zu Constance einen mörderischen Preis mit sich brachte. Den der Zurückhaltung in der Schlacht.
Nicht dass er deswegen ein weniger guter Kämpfer war, aber er hatte auch auf sich acht zu geben, damit er zu Constance nach Paris zurückkehren konnte. Er flehte nur inständig, dass seine Freunde, seine Brüder im Geiste, nicht den Preis dafür zahlen mussten.
D'Artagnan schloss kurz die Augen, seine Lippen bebten.
Ich hoffe ihr könnt mir vergeben!, dachte er, während sich jede Faser seines Seins danach verzehrte, seinen Freunden zur Hilfe zu eilen. So wie sie es auch immer getan hatten.
Er musste daran denken, was sie seit sie an die Front geschickt wurden alles zusammen durchgemacht hatten. Auch wenn er sich damals sicher gewesen war, dass sich die Freundschaft und Kameradschaft zwischen ihm, Porthos, Aramis und Athos bereits vorher von der zu anderen Musketieren unterschied, so war es ihre Verbundenheit die sie in den letzen Monaten bewiesen hatten, die ihm bereits mehrmals das Leben gerettet hatte.
Er erinnerte sich daran, wie er nach einer Niederlage vor wenigen Monaten zusammen mit einem weiteren Offizier in einem spanischen Lager festgehalten worden war. Es hatte keinen Tag gedauert, bis Aramis ihn dank einer gekonnten Unterwanderung der Spanier hatte befreien können, auch wenn er dabei mehr Risiken hatte eingehen müssen als d'Artagnan lieb war.
Ein anderes Mal waren er und eine Handvoll Männer, nicht mehr als fünf, als Spähtrupp ausgesandt worden. Feindliche Truppen hatten sie umstellt, sie waren gnadenlos unterlegen. Es war Porthos gewesen, der ein Breitschwert schwingend auf Pferderücken die Angreifer überrascht hatte und den verletzten d'Artagnan mit einer wilden Entschlossenheit und seinem eigenen Körper geschützt hatte, bis Athos mit der Unterstützung eingetroffen war.
Aber er wusste, dass Athos Recht hatte. Und er wusste auch, dass Athos sich vermutlich genauso sehr zusammennehmen musste, um keinen offenen Angriff vorzunehmen.
„Sag mir was du vor hast", murmelte d'Artagnan bestimmt und fixierte Athos mit seinem Blick. Er forderte den Älteren auf, ein Manöver vorzulegen, und belastete ihn erneut mit der Erkenntnis, dass alle Verantwortung auf Athos' Schultern lag, aber er hatte ihn immerhin zurückgehalten. Athos wiederrum blickte auf das Schlachtfeld und der Schrecken stand ihm mittlerweile ins Gesicht geschrieben.
„Wir müssen das koordiniert angehen", meinte er dann, schluckte noch einmal heftig und bedeutete d'Artagnan, wieder reinzugehen.
„Athos", sagte d'Artagnan auf dem Weg nach drinnen. Athos blickte sich noch einmal zu ihm um, und d'Artagnan konnte die Bürde des Hauptmannes auf seinen Schultern beinahe schon selber spüren.
D'Artagnan zwang sich so etwas wie ein Lächeln ab.
„Aramis und Porthos wären beleidigt, wenn du ihre Fähigkeiten unterschätzt."
Athos brachte ein trockenes, humorloses Lachen hervor.
„Da hast du vermutlich recht."
Anmerkung: Mein Spanisch beschränkt sich auf das, was ich damals in der Schule gelernt habe. Also nicht besonders viel und keine Garantie für grammatikalische Korrektheit.
Arpresúrate. Los otros esperan = Beeil dich. Die anderen warten.
Qué pasa? = Was ist los?
Bastardo francese = französischer Bastard
