Kapitel #03: I want you above me

Das war doch verrückt. Ich durfte so etwas nicht einmal denken. Draco Malfoy, ein Homo? Einer, der anderen Jungs auf den Hintern starrte? Ein Perverser wie ich? Niemals.
Der Typ hatte ja praktisch jede freie Minute ein Mädchen an der Backe kleben.

Missmutig stocherte ich in den Resten meines Frühstücks herum.
Der kurze Moment der Hoffnung wurde gnadenlos von meinem Verstand zerstört. Niemals würde Draco Malfoy jemanden wie mich mögen, geschweige denn solche Sachen mit mir tun wie jene, die ich mir immer vorstellte.
Hermione riss mich aus meinen Gedanken.
„Harry? Kommst du?", fragte sie. „Wenn wir zu spät bei Snape sind, kriegen wir wieder Punktabzug."
Ich nickte, schob den erst halb leeren Teller von mir weg und stand auf. Vor dem großen Tor aus der großen Halle hinaus gab es wie immer großes Gedränge, sodass wir uns einfach mit der Masse hinaustreiben ließen.
Plötzlich hörte ich hinter mir die quietschende Stimme von Pansy Parkinson.
„Ieeeh, hier stinkt's nach Schlammblut!", tönte sie. „Dracolein, lass uns hier schnell weg!"
Mir lief ein Schauer den Rücken hinunter und ich spürte, wie meine Ohren und Wangen rot wurden. Draco war hier irgendwo ganz in der Nähe. Mein Nacken und meine Arme verkrampften, als hätte man mir eine Ganzkörperklammer auf den Hals gejagt. Ich hörte mein Blut in meinen Ohren rauschen – und plötzlich seine Stimme.
Genau hinter mir.
„Halt die Klappe, Parkinson.", schnarrte er. „Nerv mich nicht."
Hinter uns bahnten sich zwei rücksichtslose Siebtklässler einen Weg durch die Menge und drückten Draco gegen mich.
Ich schnappte nach Luft. Er war direkt hinter mir. Ich konnte seinen Atem in meinem Nacken fühlen, wodurch sich die dort befindlichen Haare knisternd aufstellten.
Seine silberblonden Strähnen strichen meine Schläfe, als er sich ein Stück vorbeugte.
„Ich hab es mir auch schon vorgestellt…", flüsterte er.
„Was?", erwiderte ich mit gebrochener Stimme.
Ich drehte den Kopf und sah ihn an. Und da war er wieder, dieser Blick. Für einen Moment wurden seine Augen sanft, als würde der graue Eisnebel verschwinden und ein warmes tiefblaues Meer offenbaren.
In der erdrückenden Masse aus Schülern griff er nur eine Sekunde nach meiner Hand. In der Nächsten hatte er auch schon wieder los gelassen.
Der Ausdruck in seinen Augen war dem Altbekannten gewichen. Er packte Pansy grob am Arm und zog sie aus der Menge heraus.
Meine Kehle fühlte sich trocken an und mir war eiskalt. Ich konnte seinen plötzlichen Sinneswandel nicht deuten. War das nur ein Spiel von ihm? Eine neue Finte?
Und was hatte er sich vorgestellt?
Die von hinten nachkommenden Schüler hatten Hermione, Ron und mich aus der Halle hinaus gedrückt und wie liefen zehn Meter hinter Draco und Pansy den Gang zu den Kerkern entlang.
Wie in Trance folgte ich meinen beiden Freunden zum Unterrichtsraum und setzte mich wie immer auf meinen Platz neben Ron. Anstatt jedoch meine Sachen auszupacken, starrte ich apathisch auf die Maserung des Tisches.
„Soso, unsere Berühmtheit hält es nicht für nötig, am Unterricht teilzunehmen.", schnarrte Snape in meinem Rücken.
Ich zuckte zusammen und registrierte nur mäßig, dass die Slytherins um mich herum kicherten. Schnell holte ich meine Sachen raus, um den Zaubertranklehrer nicht noch mehr zu verärgern.
„Da nun alle vorbereitet sind, schlagen Sie bitte Seite 345 auf.", schnarrte Snape.
Es folgte allgemeines Geraschel.
„Brauen Sie bis zum Ende der Stunde den VergissNichtsTrank. Eine Probe ihres Trankes liefern sie bitte am Ende bei mir ab."
Hermione las bereits still die Anleitung, Ron und ich zuckten nur mit den Schultern. Vermutlich würden wir es sowieso nicht rechtzeitig bis zum Ende der Stunde schaffen, was dazu führen würde, dass wir wieder einmal Punktabzug bekämen. Und nicht fertig war nicht fertig, egal ob nun eine oder fünf Zutaten fehlten.
Also gingen wir ganz gemächlich in Richtung Zutatenschrank und kramten Blutegel, Blindschleichenhaut und Spinnenbeine hervor, die wir nacheinander klein schnitten und gemeinsam mit etwas Eulenblut in den Kessel warfen. Als Nächstes musste der trank fünf Minuten köcheln, weshalb wir etwas Zeit zum Reden hatten.
„Sag mal Harry", fragte Ron.
„Mh?", machte ich. Mein Blick war, unkontrollierbar, zu Malfoy geglitten. Ich schreckte zusammen und konzentrierte mich auf meinen besten Freund.
„Was ist los mit Dir?", fragte der Rotschopf. „Du bist total schreckhaft, hängst ständig irgendwelchen Gedanken nach… ist alles ok? Bist Du krank?"
Hermione neben uns lachte nur.
„Was denn?", grummelte Ron beleidigt. „Ich mach mir Sorgen und Du lachst."
„Ach Ron", erwiderte Hermione. „Du hast einfach nur keine Ahnung. Harry ist nicht krank – sondern verknallt. Stimmt's Harry?"
Ich lief rot an und rührte in meinem Kessel.
„Nein", antwortete ich, viel zu spät und mit rotem Kopf. „Das ist es nicht."
„Ja klar", grinste Herm. „Du willst es uns bloß nicht verraten. Aber das kriege ich schon noch raus."
Wenn sie das wirklich raus bekommen würde, wäre das vermutlich mein Untergang.

Am Ende der Stunde hatte es außer Hermione niemand geschafft, seinen Trank fertig zu bekommen. Seltsamerweise bekamen nur die Gryffindors Punktabzug, während die Slytherins mit einem nachsichtigen Lächeln beschenkt wurden.
Wütend wie immer nach Zaubertränke stapften Ron und ich auf den Kerkern.
„Maaan", fluchte Ron. „Diese hakennasige Kellerassel. Ich hasse ihn! Schade, dass wir Zaubertränke nicht abwählen können…"
Ich legte ihm den Arm um die Schulter.
„Was soll's, Ron. Zum Glück ist diese Schikane ja nur einmal in der Woche."
„Mehr würde ich vermutlich auch nicht ertragen… aber sag mal: stimmt das, was Hermione gesagt hat? Bist Du verknallt?"
Ich zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich denke öfter mal an die Person, aber ob das Liebe ist?"
Wohl eher Lust. Aber das wollte ich Ron dann doch nicht erklären.
„Hm", machte Ron. „Aber wenn Du ne Freundin hast, weiß ich es als Erster ok?"
Ich grinste. „Klar"
Ron lachte und schlug mir freundschaftlich auf den Rücken.
In dem Moment ging Malfoy an uns vorbei.
„Ach was.", schnarrte er und lächelte überheblich. „Potter ist verlieeebt. Wer will Dich schon, Scarface, hm?"
Ich schickte einen wütenden Blick zu ihm rüber, antwortete aber nicht. Das musste ich mir dann doch nicht antun. Und er würde mich ja sowieso nicht wollen.
Lachend und feixend setzte Malfoy seinen Weg fort.

Als ich abends im Bett lag, die dicken, schweren Vorhänge um mich herum zugezogen, die aufgrund von Nevilles penetrantem Schnarchen schalldicht verzaubert waren, ging mir Draco nicht aus dem Kopf.
Erst seine seltsamen Äußerungen nach dem Frühstück und dann wieder so ein dummer Spruch nach dem Unterricht. Es war zum Verzweifeln.
Trotzdem sah er wirklich gut aus, die Krawatte gelockert, das Hemd etwas geöffnet. Die enge schwarze Hose betonte seinen Hintern. Unwillkürlich musste ich seufzen, als ich an die silbrigen Haare dachte, die sein Gesicht umrahmten. Die sturmgrauen Augen. Und die Zunge, mit der er sich beim Frühstück über die Lippen geleckt hatte.
Ich schloss die Augen und stellte ihn mir vor, wie er vor dem Bett stand. Wie er mich ansah. Und wie er sich dann langsam auszog. Quälend langsam.

In Zeitlupe glitt der Umhang herab. Er legte eine Hand an die grüne Krawatte und lockerte sie. Öffnete ganz gemächlich den Knoten und warf sie auf mein Bett.
Als ich etwas sagen wollte, legte er mir einen Zeigefinger auf die Lippen.
„Pssst", machte er.
Dann fuhr er fort, sich zu entkleiden. Das Hemd landete achtlos am Boden. Das Mondlicht beleuchtete seine blasse Haut, sodass sie zu leuchten schien. Sein nackter Oberkörper bildete einen reizvollen Kontrast zu der schwarzen Hose und der silbernen Gürtelschnalle.
Auch des Gürtels entledigte er sich, mit leisem Klirren landete die metallene Schnalle auf den Dielen.
Die ganze Zeit hatte er die Augen geschlossen gehabt. Doch nun, als er langsam seine Hose öffnete, sah er mir in die Augen. Das kalte Grau hatte sich in flüssiges Quecksilber verwandelt, es sprühte Funken.
Er entledigte sich dem lästigen Kleidungsstück und schlüpfte ins Bett. Er legte sich neben mich, auf die Seite, sodass er mich ansehen konnte, den Kopf auf die linke Hand gestützt.
Und dann begann er, mich zu berühren.

Seine Hand griff in meine Haare, fuhr durch sie hindurch und strich mir ein paar Strähnen aus dem Gesicht. Dann wanderte sie meinen Wangenknochen entlang und den Hals hinunter.
Einen Moment verweilte er auf Höhe des Schlüsselbeins und zog dort sanfte Kreise.
Doch nicht lang und seine Erkundung ging weiter. Er zog mir mein T-Shirt über den Kopf und warf es achtlos ans Fußende. Unwillkürlich spannte ich meine Bauchdecke an, als seine Finger über meine Brust glitten. Er umkreiste die rechte Brustwarze, spielte damit und quittierte mit einem Nicken, dass sie sich verhärtete.
Ich sog die Luft ein, als er lächelnd seinen Kopf neigte und meine linke Brustwarze in den Mund nahm. Er leckte daran, zog feuchte Spuren darum, sog sie in seine Mundhöhle.
Meine Hände krallten sich in den Laken fest, mein Kopf fiel willenlos zur Seite. Ich keuchte, als seine Zunge, die seine Finger abgelöst hatte, tiefer wanderte.
Sie umkreiste meinen Nabel und suchte sich weiter ihren Weg in Richtung Süden.
Ohne zu Fragen und mit einem Ruck zog er mir plötzlich mit der freien Hand die Shorts runter. Nun lag ich nackt unter ihm, ebenso nackt wie er.
Ich öffnete einen Moment die Augen und sah, dass auch an ihm dieses Spiel nicht spurlos vorbei gegangen war. Seine Erektion stand steil nach vorne ab, aufragend aus einer kleinen Schicht heller Locken. Sie waren nicht silbrig, sondern dunkler, fast verschmolzen sie mit der Haut.

D och dann senkte Draco seinen Kopf und versperrte mir die Sicht auf seinen nackten Körper. Aber das war egal. Denn selbst, wenn er es nicht getan hätte, hätte ich jetzt die Augen geschlossen. Der blonde Slytherin war an seinem Ziel angekommen.
Mit festem Griff packte er meine Erektion und begann, seine Hand zu bewegen, erst langsam, dann immer schneller, doch immer in einem gleich bleibenden Rhythmus. Ich keuchte auf, als er noch stärker zudrückte und mich somit noch schneller in Richtung Orgasmus trieb.
Mit der freien Hand langte er unter mich und krallte sich in meiner Pobacke fest, meine Lenden noch näher an sich ziehend.
Mittlerweile konnte ich nicht mehr still sein. Dank der schallsicheren Vorhänge konnte mich auch niemand hören – außer Draco. Ich sog die Luft ein und keuchte, stöhnte meine Lust hinaus.
Plötzlich jedoch nahm er beide Hände von mir. Verwirrt öffnete ich die Augen. Er lächelte sanft – und leckte sich über die Lippen. Genussvoll schloss er halb die Augen und senkte sich wieder zu mir herunter, um mich mit ebenjener Zunge zu berühren. Er leckte an der geschwollenen Eichel, fuhr feuchte Spuren am Schaft entlang – und nahm mich schließlich ganz in sich auf.
Auch seine Hände hatten ihre Arbeit wieder aufgenommen. Die Rechte pumpte zur Unterstützung seiner Zunge, während die Linke weiter oben auf Entdeckungstour ging, über meine erhitzte Haut fuhr, und mit leichtem Druck rote Spuren auf meiner Brust hinterließ.
Er passte sich mir an, steigerte das Tempo seiner Hände und seiner Zunge, je mehr ich stöhnte.
„Draco… ich… kann nicht mehr", keuchte ich. „Lass mich… bitte"
Doch er hörte nicht auf mich, sondern fuhr fort, meine Erektion zu bearbeiten, sodass ich schließlich mit einem erstickten Schrei in seinen Mund kam.
Seine Hände wurden langsamer, strichen sanft und beruhigend über meinen Körper. Schließlich gab er mich frei, schluckte kurz – und lächelte. Zufrieden. Glücklich.

Als ich schwer atmend die Augen öffnete, war ich – natürlich – allein. Seufzend langte ich nach meinem Zauberstab, um die verräterischen Flecken zu entfernen, als meine Hand nach etwas griff, das sich nicht nach Bettdecke anfühlte. Stoff, ja, aber keine Baumwolle. Eher… Satin oder Seide. Ich griff nach dem Stoffstück und zog es zu mir.
In der Dunkelheit konnte ich jedoch nichts erkennen.
Nun griff ich doch nach dem Zauberstab.

Lumos

Die Spitze des Stabes flammte auf und hüllte meine Umgebung in sanftes bläuliches Licht. Ich richtete den Blick wieder auf den Stoff in meiner Hand – und schnappte nach Luft, als ich die grünen und silbernen Streifen sah.