Der Regen prasselte unaufhörlich nieder. Auf die Straßen, Wiesen, Bäume, Hausdächer. Einfach auf alles. Eine Kälte ging von diesem Regen aus, wie es typisch war für einen Oktober. Der Tag hatte schon längst der Nacht Platz gemacht und Dunkelheit hüllte das Land ein. Ebenso die zwei Gestalten, die sich stumm durch die Nacht bewegten. Komplett schwarz waren sie gekleidet. Jedoch waren beide auf ihre Art eigen: der eine mit platinblonden Haaren, die nun nass in sein Gesicht hingen, der andere mit leicht gekrümmter Haltung. Lucius, dessen Haare ihn nun doch etwas störten und der sie nun aus dem Gesicht strich, nur damit sie kurz darauf wieder in selbiges fallen konnten. Das war jedoch gerade seine geringste Sorge. Wichtiger war die Person neben ihm. Severus Snape. Der seit etwa einer Stunde ein Todesser war. Lucius war dabei gewesen, als Snape das Mal empfangen hatte. Es war ein ergreifender Augenblick. Lucius war seit seiner eigenen Zeremonie bei einigen anderen dabei gewesen. Allerdings war die heutige eine besondere für ihn. Severus war ein langjähriger Freund, nicht irgendjemand. Es war ihm wichtig, dass es ihm gut ging. Bei den Todessern würde es ihm gut gehen, dessen war er sich sicher. Er war voller Hoffnung und Träume, seit er selber ein Todesser geworden war. Severus würde es nun besser gehen.
Zuvor jedoch schien er die Hölle zu durchleben. So hatte Lucius zumindest den Eindruck. Den ersten Kommentar von Severus – er kam ihm sehr gezwungen vor – ignorierte er. Offenbar hatte Severus immer noch nicht verstanden, dass er ihm vertrauen konnte. Lucius wusste genau, was es für Schmerzen waren, die das Mal mit sich brachte. Er hatte die darauffolgende Nacht nur wach gelegen und geschrien, weil die Schmerzen ihn nicht in Ruhe lassen wollten. Erst im Morgengrauen fand er endlich Ruhe. Er ahnte, dass Snape eine ähnliche Nacht bevorstehen würde. Er sollte nicht allein sein.
Severus hatte Schmerzen, dessen war er sich sicher. Seine Haltung und sein Verhalten ließen nur diesen Schluss zu. Lucius sagte jedoch nichts. Entweder würde der schwarzhaarige darüber reden oder nicht, dann würde die Nacht lang und still werden. Das störte ihn nicht weiter, allerdings machten ihm die nächsten Worte von Severus Mut. Es war eine Art Zugeständnis, eine indirekte Zustimmung, dass er ihn doch begleiten konnte.
Er sah auf die ihm dargebotene Hand. Blut klebte an ihr. Es war Severus' Blut. Welches das Mal hinterlassen hatte. Die Wunde würde noch ein paar Tage bluten, dann war sie soweit verheilt und hinterließ nur die Narben, die den Totenkopf und die Schlange formten.
„Danke, Severus", war das einzige, was Lucius in diesem Moment raus brachte.
Dann nahm er seine Hand und apparierte, Severus mit sich ziehend. Er wusste, dass das Mal viel Kraft forderte und wollte ihm etwas Arbeit abnehmen. Er kannte Spinners End, war aber noch nicht oft dort gewesen.
„Ich denke, du solltest voran gehen, ich finde dein Haus hier sicher nicht wieder", meinte er und sah sich um – ein Haus glich dem nächsten. Er würde sich hier hoffnungslos verlaufen.
