Die höllischen Kopfschmerzen mit denen Harry am anderen Morgen erwacht war, waren eine Wohltat gewesen, im Vergleich zu dem was er von seinen Freunden im Verlauf des Tages noch zu hören bekam.
„So was hätte ich echt nicht von dir erwartet Harry! Wie kann man sich nur so gehen lassen! Du hättest dich sehen sollen. War echt kein schöner Anblick."
Hermine hatte sich, sobald sie nach dem Frühstück (das Harry tunlichst nicht angerührt hatte) außerhalb von Lupins Hörweite waren, darauf beschränkt, ihm von Zeit zu Zeit halb empörte halb enttäuschte Blicke zuzuwerfen und sobald das Thema irgendwie auf die Geschehnisse der vergangenen Nacht zu liegen kam, eine Lektüre über die Gefahren von übermäßigem Alkoholkonsum anzustimmen.
Das war zwar nervig, was Ron von sich gab fand Harry allerdings zum Großteil noch weniger hilfreich.
„Das war echt ziemlich krass! Komm schon Harry, sag, wie ist das, wenn man so richtig, ich meine, so RICHTIG einen sitzen hat? Hast du noch gewusst, was du tust, oder redest? Kannst du dich noch an irgendwas erinnern? "
Wenn der nicht bald aufhört, dann...!
Ja, Harry konnte sich noch erinnern. Es waren nicht wirklich zusammenhängende Bilder, die ihm einfielen, eher Fetzen, von denen die Hälfte vielleicht auch nur geträumt war.
Das einzige, was ihm sein Rum- Cola benebeltes Gehirn sicher nicht nur vorgegaukelt hatte war, dass er Sirius, oder vielmehr, jemanden, der Sirius gewesen sein könnte, der so aussah, sich so bewegte, wie Sirius Black, gesehen hatte.
Harry war sich mittlerweile selbst nicht mehr so sicher, was er da eigentlich gesehen hatte und er hatte begonnen, sich den anderen gegenüber schuldig zu fühlen, dass er ihnen auf diese Weise den Abend verdorben hatte.
Die einzige, die ihn scheinbar weder bei den Anonymen Alkoholikern anmelden wollte, noch ständig fragte, ob sie nicht bald wieder einmal auf Sauftour gehen würden wie Ron sich so gewählt ausgedrückt hatte, war Ginny. Das rothaarige Mädchen leistete ganze Arbeit so zu tun als ob absolut gar nichts vorgefallen wäre.
Gegen Abend bereiteten sich Ginny, Ron und Harry darauf vor über das Flohpuder- Netzwerk zum Fuchsbau zu reisen.
Insgeheim war Harry froh, Hermines Vorträgen zu entkommen, zumindest für die nächsten zwei Wochen und hoffte, dass das ganze Dilemma bis zum Schulanfang vergessen war.
„Warum kommst du jetzt eigentlich nicht mit zu mir, äh, zu uns?" fragte Ron seine Kollegin als sie sich endgültig von ihnen verabschieden wollte.
Tonks, die, in einen schwarzen Anzug komplett mit Krawatte gekleidet, im Türrahmen lehnte, begann ungeduldig mit den Fingern auf das lackierte Holz zu trommeln.
„Die Unterhaltung hatten wir doch schon, oder?" meinte Hermine in einem offensichtlich genervten Ton.
„Ja ja, ich weiß. Deine Eltern haben Angst um dich, wenn du dich zu viel in Harrys Nähe aufhältst, bla bla bla." Nun schien auch Ron zornig zu werden.
„Ja, genau deshalb. Denkst du wirklich ich sitze lieber zwei Wochen bei meiner, 24-Stunden-am-Tag über ihr Rheuma jammernden Großtante in Ipswich? Na sicher!"
Sie begann langsam vor Wut rot anzulaufen.
„Und wenn V- Voldemort persönlich in eurem Vorgarten campiert, wäre ich lieber in Harrys Nähe, als irgendwo sonst."
Sie schnappte nach Luft.
„Ah, ja, schon klar. In Harrys Nähe. Na schön. Schönen Sommer noch!" Die Stimme des 16- jährigen Weaslys tropfte vor Sarkasmus.
Er wandte sich ab, so dass Harry, der sich bis jetzt tunlichst aus dem kleinen Disput heraus gehalten hatte, sein Gesicht nicht sehen konnte und stapfte zurück in ihr Zimmer wo er dann die Zimmertür etwas heftiger schloss als es nötig gewesen wäre.
Lupin lächelte ein wenig hilflos.
„Pass auf dich auf Mädchen!"
Er umarmte sie flüchtig, bevor er irgendetwas von Geschirr Spülen nuschelte und sich in die Küche zurückzog.
„Der beruhigt sich schon wieder, du kennst ja seine Launen. Und wenn er spinnt dann spinnt er, da muss man warten, bis er von selbst wieder normal wird."
Ginny hatte den Auftritt ihres Bruders äußerst amüsant gefunden und Harry kam nicht drum herum die Schadenfreude in den Augen des kleineren Mädchens zu bemerken als sie Hermine sagte wie sehr sie sie wegen ihren Urlaubsplänen bedauerte.
Na so ein kleines Luder!
Er verabschiedete sich kurz und bündig von seiner Freundin, mit zwei Küsschen auf die Wange und kam in den Genuss Tonks durch die wieder versiegelte Wohnungstür zu einem Exkurs über die Magier und ihr seltsames Verhalten zur Paarungszeit anheben zu hören.
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„Komm schon Harry!"
Der Junge mit den zerzausten schwarzen Haaren hatte nicht schlecht Mühe mit seinem Freund mitzuhalten, als die beiden durch das beinahe mannshohe Gras liefen.
Die Hochsommersonne brannte erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel und die Temperaturen waren für Südengland mehr als nur sommerlich warm.
Schließlich blieb Ron stehen und ließ rückwärts auf den Boden fallen. Harry tat es ihm gleich und sie ließen einige Minuten verstreichen in denen sie sich schwer atmend die Sonne auf Gesicht und Oberkörper scheinen ließen, bevor Ron sich zu seinem Freund wendend auf seinen Ellenbogen stützte und ihn mit verzwickter Miene ansprach.
„Jetzt einmal offen und ehrlich, Harry: Was geht in deinem wirren Hirn gerade vor?"
Sie waren auf Rons Vorschlag nach einem ausgedehnten Lernnachmittag auf eines der angrenzenden Felder hinausgelaufen an dessen anderen Ende ein kleiner Teich lag.
Harry blieb mit hinter dem Kopf verschränkten Armen auf dem Rücken liegen, während er nach Worten für eine passende Antwort suchte. Da er keine fand, konzentrierte er sich weiter darauf, die beiden Vögel zu beobachten, die hoch über ihnen ihre Formationen flogen.
„Mach den Mund auf, oder es passiert was!"
Rons scharfer Ton ließ ihn zusammenzucken. Er drehte die grünen Augen in die Richtung des schlaksigen Jungen neben ihm.
„Was meinst du?"
Er fand seine eigene Stimme widerlich unglaubwürdig.
Seufzend setzte er sich auf.
„Meine Güte, ich glaube vor mir sitzt nicht mehr der Harry Potter, den ich jetzt fünf lange Jahren für seinen Mut und seine Intelligenz bewundert habe! Der wäre nämlich nicht so einfach wie ein begossener Pudel davongezogen, wenn man ihm sagt, dass man einen kongenialen Masterplan ausgeheckt hat, den wieder einmal er auf seinem dürren Gerippe zu tragen und brav nach Vorschrift auszuführen hat. Und dann teilt man unserem Hobby-Pinocchio noch nicht einmal mit was genau eigentlich laufen soll, nein, der gute alte Harry Potter wird seine wundervolle Rolle schon spielen! ..."
„Halt den Mund", beendete der 15-jährige den Redeschwall seines Freundes.
„Du hast doch selber immer nur wie ein stummer Stock daneben gestanden.
Außerdem hab ich wohl als einziger das Recht zu sagen, was mich einen Dreck schert und was nicht."
„Schert dich eigentlich überhaupt noch was?"
Natürlich du Vollidiot! Sirius… Sirius bedeutet mir jetzt noch mehr als alles andere, dabei ist er…Nein, ich hab ihn doch gesehen… Er kann doch gar nicht tot sein, wenn er an einem Samstagabend durch einen Londoner Nachtclub spazieren kann…
„Harry, er kommt nicht wieder."
Grüne Augen wurden im Schock weit aufgerissen und es kostete den 16jährigen ein beinahe übermenschliches Maß an Selbstbeherrschung, seine Faust davon abzuhalten, sich durch Rons Zahnreihen zu bohren.
Der Rothaarige sah ihn nicht einmal an. Nun schien er fasziniert von den beiden Vögeln.
Alles ok, Harry… beruhige dich!
ABER WOHER ZUM HENKER NIMMT DER SICH DAS RECHT SO ÜBER SIRIUS ZU SPRECHEN!?!?!?
Trotz allen Ärgers merkte der junge Zauberer, wie nach minutenlangem vor sich hin Starren rationelle Gedanken sich einen Weg zurück in sein Gehirn bahnten. Er ließ sich ins Gras neben seinem Freud sinken und sagte leise, ohne den anderen anzublicken:
„Weißt du Ron, es ist mehr ein Gefühl, als ein richtiger Gedanke. Ich will noch nicht glauben, dass er weg ist.
Wie hast du dich gefühlt, als dein Vater so schwer verletzt war? Wenn er wirklich gestorben wäre, hättest du das auch nicht wahr haben wollen.
Und er war der einzige, der für mich so etwas wie einen Vater, wie eine Familie bedeutet hat."
„Hey, Harry!"
Ron richtete sich auf um den schwarzhaarigen direkt anzublicken.
„Wir sind doch auch deine Familie! Hermine, Lupin, Tonks, Hagrid, meine ganze Sippe und ich natürlich. Fang an uns auch zu vertrauen! Du kannst das nicht alles alleine machen, du wirst uns also noch brauchen!"
Er lächelte Harry zwischen Sommersprossen hindurch an und dieser wollte kurz etwas erwidern, ließ es aber dann sein und legte sich wieder ins Gras.
Er dachte über das nach, was ihm Arthur Weasly an diesem Vormittag mitgeteilt hatte. Es hatte ganz harmlos begonnen:
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„Na Harry, wie geht's dir denn so?"
„Gut Sir, danke."
„Setz dich. Ich möchte kurz mit dir reden. Freust du dich schon auf das Schuljahr? Vermutlich. Haha! Ich mich auch. Heuer kann ich Ron und Ginny wenigstens neu einkleiden."
Ron hatte Harry schon erzählt, dass sein Vater in die neu gegründete „Abteilung für den Schutz und die Sicherheit von Muggeln" aufgenommen worden war und nun ca. das dreifache von dem verdiente, was vorher für ihn abgesprungen war. Auch Percy war wieder in sein Elternhaus zurückgekehrt, arbeitete mit seinem Vater zusammen und lieferte sein Gehalt brav zu Hause ab.
„Dumbledore wollte, dass ich dir mitteile, dass du dieses Jahr einmal in der Woche zu ihm zu einer Besprechung gerufen werden wirst."
In diesem Moment war Ron die Treppe herunter gelaufen und hatte sich zu ihnen gesetzt. Arthur hatte ihn kurz versucht nach draußen zu schicken.
„Er erzählt es mir nachher sowieso."
„Na gut…. Hm, habt ihr im Telegraphen schon von der „Operation Liberatio" gelesen?"
„Klar! Aber da stand nur, dass sich alle fragen was das genau sein soll, und dass Dumbledore der Kommandant ist und nichts durchsickern lässt."
„Genau. Viel mehr kann ich euch zwar auch nicht erzählen, aber ich soll dir, Harry ausrichten, dass du eine ganze Menge damit zu tun haben wirst, und dass Hogwarts dieses Jahr hohen Besuch erhalten soll, der ebenfalls sein Händchen im Spiel haben wird. Es tut mir unendlich leid, dass ich nicht mehr darüber weiß und dir nur wenig helfen kann dich drauf einzustellen aber ich bin in diesem Fall nur der Überbringer der Nachricht. Dumbledore wollte, dass du es vor Beginn des Schuljahres erfährst. Und bitte versuch so wenigen Leuten wie möglich davon zu erzählen.
So! und jetzt raus mit euch beiden. Es ist doch so ein schöner Tag!"
So abrupt hatte das Gespräch geendet und Harry mit nichts weiter als vielen Fragen und einem unguten Gefühl in der Magengegend zurückgelassen.
Trotzdem hatte er keine Lust mit Ron irgendwelche wilden Spekulationen über Dumbledores neue Pläne anzustellen. Wenn er ehrlich war hatte er vor, das ganze so lange wie möglich zu verdrängen. Naja, vielleicht würde er mit Hermine darüber sprechen. Ihre rationellen Überlegungen konnten hier ganz hilfreich sein.
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„Hey ihr beiden! Da seid ihr ja!"
Harry wurde abrupt aus seinen Grübeleien gerissen, als Ginny zwischen den hohen Grashalmen auftauchte und sich lächelnd über ihn beugte. Harry lächelte zurück, setzte sich langsam auf und blickte sich nach Ron um, der mittlerweile an einem Grashalm kaute und Harry nun ein wenig verzwickt angrinste.
„Na? Wieder klar in der Birne?"
Harry grinste nun zurück und stand auf.
„Hier!" Ginny warf ihm und Ron jeweils ein Handtuch zu. „Wollt ihr mitkommen? Ich geh eine runde Schwimmen."
Sie lief voraus zum Teich und breitete dort auf dem Steg ihr Handtuch aus. Harry beobachtete sie während er sein eigenes Handtuch niederlegte aus dem Augenwinkel. Sie nahm ihren Strohhut ab und band ihre Haare mit einem Gummiband zusammen. Dann zog sie geschickt ihr knöchellanges weißes Sommerkleid aus durch das sich gegen das Sonnenlicht leicht die Konturen ihrer Beine abzeichneten.
Plötzlich hörte er eine leise bedrohliche Stimme an seinem linken Ohr: „Du stierst schon wieder meine kleine Schwester an."
Dann bekam er einen kräftigen Schubs, verlor das Gleichgewicht ruderte kurz mit den Armen und kippte über den Rand des Stegs in den kühlen See.
Er zappelte kurz unter Wasser herum und tauchte dann wieder aus dem Wasser auf.
„Verdammt! Was soll das? Ich hätte fast meine neue Brille verloren!" rief er und schwamm wieder zurück zu den Holzplanken.
Ron stand inzwischen vor Lachen gekrümmt am Rand des Stegs und deutete auf Harrys nasse Gestalt im Wasser. So bemerkte er nicht, dass sich von hinten jemand an ihn heranschlich und ihm so in den Hintern trat, dass auch Ron keine Chance hatte und kopfüber ins Wasser purzelte.
Ginny lachte lauthals auf als sie das beleidigte Gesicht ihres Bruders sah.
„Komm Harry! Das lass ich mir nicht bieten!" Der hellhäutige Junge zog sich an der Holzleiter hinauf und Harry folgte ihm lachend.
„Na warte!"
Ron drängte Ginny an den Rand des Stegs und versuchte ihre Handgelenke zu fassen zu bekommen.
„Nimm ihre Füße, Harry!"
Harry tat wie ihm geheißen und hob die lachende und sich windende Ginny an den Knöcheln vom Boden ab. Dabei entging ihm nicht, wie weich ihre Haut war und dass sie trotz ihres normalerweise für Sonnenbrände anfälligen Typs leicht gebräunt war.
„Eins! Zwei! Drei!"
Ron fing an seine Schwester in Richtung des Teiches zu schwingen und in hohem Bogen flog Ginny zappelnd davon und landete ein paar Meter vor ihnen im Wasser.
Alle (inklusive Ginny, sobald sie wieder aufgetaucht war) fanden das ganze so lustig, das es an diesem Nachmittag noch mehrmals wiederholt wurde.
Harry ließ dabei keine Gelegenheit aus mit ihr im Wasser zu rangeln und sie festzuhalten, was schließlich dazu führte, dass Ron seinen Kopf mit den Worten „Ich glaube, du brauchst eine kleine Abkühlung, Potter!" unter die Wasseroberfläche drückte und dort ein paar Sekunden festhielt.
Als sie sich alle komplett verausgabt hatten legten sie sich auf dem Steg in die Sonne, die nun langsam schwächer wurde, und ließen sich von den warmen Strahlen trocknen.
Ginny las ein wenig in dem Buch, das sie mitgebracht hatte, und Harry, der durch die willkommene Abwechslung die Unterredung am Vormittag schon fast vergessen hatte, ließ sich von Ron die neuesten Ergebnisse der Quiditsch Meisterschaften berrichten.
Als es schon ziemlich spät war gingen sie zum Fuchsbau zurück, wo Mrs. Weasly eine Überraschung für sie bereithielt.
Bill war mit seiner Verlobten Fleur zu Besuch und saß in der Küche bei einem Glas selbst gemachter Limonade als sie eintrafen.
Die beiden wurden freudig begrüßt, wenn auch Ginny Fleur vermutlich innerlich die Pest an den Schwanenhals wünschte.
„Schnell, schnell ihr drei! Geht euch was hübsches anziehen, heute wird gefeiert!" rief ihnen Mrs. Weasly zu und schickte sie nach oben.
Harry und Ron rauften kurz darum, wer als erstes ins Badezimmer der Jungen durfte, aber schließlich ließ Harry dem Hausherren den Vortritt.
Als sie wieder im Erdgeschoß ankamen sahen sie, dass im Garten ein langer Tisch aufgestellt worden war um den herum magische Lampions in verschidenen Farben schwebten. Fleur und Ginny halfen Mrs. Weasly Platten und Schüsseln mit den verschiedensten Köstlichkeiten nach draußen zu tragen, während Fred mit Bill zusammen damit beschäftigt war, ein kleines Fass Muggel-Bier anzuzapfen.
Als das Festessen begann setzte sich Harry neben Ginny und Ron. Die wundervolle Stimmung, das fröhliche Gelächter der Leute um ihn herum (ja, sogar Percy lachte!) und die laue Abendluft stiegen ihm dermaßen zu Kopf, dass es das Glas Bier, das ihm Mr. Weasly aufdrängte gar nicht gebraucht hätte um in glücklich zu stimmen. Er legte lächelnd den Kopf in den Nacken, schloss die Augen und war gerade dabei Gott darum zu bitten, dass dieser Abend niemals enden solle als er plötzlich von einem Aufschrei in die Realität zurückgeholt wurde.
„Au!", Ginny hatte sich mit einem Messer beim Aufschneiden eines Apfels ziemlich tief in den Finger geschnitten, sodass das Blut schon auf den Teller tropfte.
Sie hielt ihre andere Hand darunter und Mrs. Weasly sagte: „Ach, Kindchen, lauf schnell ins Haus und tu irgendwas drum herum wickeln."
„Mum! Es gibt einen ganz einfachen Spruch, der so etwas wieder in Ordnung bringt! Vulntiamando! Ich darf ja nicht aber…."
„Nein, nein, Mädchen! Da kannst du auch einfach irgendetwas darum binden!" meinte Mr. Weasly.
Daraufhin lief Ginny mit einem resignierten Seufzer ins Haus um nach etwas Verbandsstoff zu suchen. Harry sah sich kurz am Tisch um, nahm einen leeren Wasserkrug, und meinte zur Runde, er würde ihn schnell im Haus auffüllen.
In der Küche der Weaslys war es fast stockdunkel und Harry musste aufpassen, dass er nicht aus Versehen irgendetwas umwarf.
„Ginny?" Er sah im schwachen Mondlicht, das durch die Fenster fiel, dass das Mädchen gerade versuchte mit einer Hand ihren Finger zu verbinden und dabei leise fluchte, weil der Verband nicht halten wollte.
„Warte, ich helfe dir! Komm setz dich her!" er deutete er sich auf den Küchentisch zu setzten.
Innerhalb von wenigen Sekunden hatte der junge Magier den Finger seiner Freundin verbunden, konnte aber ihre Hand nicht loslassen.
Ginny lächelte ein wenig verlegen als sie bemerkte, dass sie ein paar große grüne Augen unverwandt anstarrten.
„Ginny, ich…"
„Ja, Harry?"
Mehr brachten die beiden jungen Menschen nicht über die Lippen. Die wenigen Augenblicke, die die beiden dort standen und er ihre Hände in den seinen hielt, kamen Harry vor wie Stunden.
Schließlich gab er sich einen Ruck und beugte sich langsam zu dem rothaarigen Mädchen hinüber, ganz langsam, und merkte dabei, wie Ginny sich anspannte aber nicht zurückwich.
Es fehlten nur noch Millimeter bis sich ihre Lippen berührt hätten, doch genau in diesem Moment ging die Tür mit einem lauten Rums auf und Fleur kam herein.
Die beiden schnellten auseinander, doch Fleur schien nicht einmal zu bemerken in was für eine Situation sie hineingeplatzt war, sondern füllte einen Teller mit Bratkartoffeln aus dem Rohr auf.
„Oh, arry-cherie vergiss bitte das Wasser nischt, ja?" und schon war sie wieder im Garten.
„Ich geh jetzt auch wohl besser wieder hinaus zu…, äh, nicht?"
Ginny zögerte noch kurz, dann glitt ihre Hand aus Harrys und sie lief zurück in den Garten.
Ganz toll gemach! Wirklich super gemacht Fleur! Jetzt hat Ginny wahrscheinlich Angst vor mir und glaubt, ich bin ein wüster Lüstling. Ganz fein!
Harry lief ebenfalls zurück in den Garten.
