Ich werde dich glänzen sehen

Dies ist nicht meine eigene fanfiction, sondern die Übersetzung von "I'm gonna watch you shine" von ChancellorGriffin auf AO3. Hier ist der Link:

archiveofourown (Punkt) org/works/4628658

Hier also das zweite Kapitel. Der erste Absatz ist noch mal eine Wiederholung, damit ihr noch wisst, was beim letzten Mal passier ist. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen, Erklärungen findet ihr am Ende und ich freue mich über eure Meinung.


"Cool", sagte eine trockene, erheiterte weibliche Stimme von hinten, "ihr habt umdekoriert." Ein großes Mädchen mit langen dunklen Harren und einer Ledermotorradjacke betrat den Raum.

"Sorry, tut mir leid", murmelte Clarke etwas peinlich berührt, als sie die Tüten voller Müll von Octavias Bett räumte.

"Kein Problem", sagte das Mädchen schulterzuckend, während sie ihre Jahre achtlos aufs Bett warf. "Ich bin Octavia Blake. Du musst meine Mitbewohnerin sein."

"Clarke Griffin", bestätigte Clarke und es entstand ein kurzer Moment in dem sie versuchten zu entscheiden, ob sie sich umarmen oder doch nur die Hand geben sollten, bevor sie sich, etwas ungeschickt für letzteres entschieden. "Und das ist meine Mutter, Abby."

Abby, die nahezu jeden umarmte, tat genau das und während Octavia eindeutig erschrak, schien sie doch gleichzeitig amüsiert. Es löste jedenfalls irgendwie die Spannung.

"Hi", sagte Octavia. "Das sind mein Bruder Bellamy Blake und mein Vater Marcus Kane." Clarke und Abby drehten sich um sahen zwei Männer im Türrahmen stehen, die Arme voller Taschen und Kisten.

"Oh, sehr gut", lachte Abby. "Ihr bringt etwas mehr Zeug. Ich begann mir Sorgen zu machen, dass das alles ist, was sie mit aufs College bringt. Es lässt Clarkes Hälfte des Raums aussehen wie den absoluten Overkill."

"Das ist alles, was sie mit aufs College gebracht hat", antwortete Marcus etwas steif, als Clarke und Abby bemerkten, dass die Taschen in den Händen der Männer voller Lehrbücher waren. Kein gewaltiger 'Target'-Einkaufstag, sondern nur ein Gang in den Campusbuchladen mit Octavias Bücherliste.

'Verdammt, Mom', Clarkes Blick sprach Bände und Abby errötete peinlich berührt.

"Und unsere Plattensammlung", ergänzte Octavia ruhig, um die Stille zu durchbrechen. "Ich und Bell verhandeln jedes Jahr, wer das Sorgerecht für den Plattenspieler und Dads Sammlung bekommt."

"Ich weiß immer noch nicht, wo zur Hölle du hier einen Plattenspieler unterbringen willst", murmelte Bellamy, als er den Raum betrat und die die Kiste mit den Schallplatten auf Octavias Bett ablegte. "Schön dich kennenzulernen, Clarke. Abby." Er klopfte sich den Staub von den Händen, stand auf und er und Clarke sahen sich das erste Mal richtig an.

Welches zwischenzeitliche Unbehagen auch immer durch Abbys versehentliche Äußerung bezüglich Octavias weniger Besitztümer auch entstanden war, wurde komplett durch die Gesichtsausdrücke der beiden Eltern aufgelöst, als diese in belustigten Entsetzen zusahen, wie sich ihre Kinder vor ihren Augen in unbeholfene Idioten verwandelten.

"Hi", sagte Clarke zu Bellamy, verzweifelt darum bemüht, cool zu klingen.

"Hi", antwortete er.

"Du gehst auch hierher?"

"Jaaa... Ich bin ein Junior*."

"Cool."

"Jaa."

"Bist du auch in diesem Wohnheim?"

"Uh, nein. Dieses Wohnheim ist nur für Erstsemester."

"Oh, richtig. Das ist...ich wusste das." Clarke wurde rot und stotterte verlegen.

"Ich habe ein Haus außerhalb des Campus."

"Ein Haus? Genial."

"Jaaa... Ich und ein paar andere Jungs."

"Genial, das ist ziemlich toll."

"Ja, total. Du solltest mal vorbeikommen, irgendwann."

"Nein, du solltest definitiv nicht", unterbrach Marcus ernst, in dem Moment, als das Teenagergeflirte doch zu viel für die beiden Erwachsenen wurde. "Es ist ein furchtbarer Ort. Wir kommen gerade von dort. Keiner von denen weiß, wie man Geschirr abwäscht oder die Wanne sauber macht, nachdem man sie benutzt."

Octavia lachte. Bellamy funkelte seinen Vater an und scharrte vor Verlegenheit mit den Füßen. Der Raum fühlte sich mit einem Mal ziemlich überfüllt an.

"Octavia, ich gehe nochmal kurz zurück zum Auto und hole den Werkzeugkasten", sagte Marcus in die Stille hinein. "Das Brett in deinem Schrank ist ein bisschen wacklig. Ich bin gleich zurück. Bell, entweder du bleibst und hilfst den Mädchen auszupacken oder du gehst und suchst dir eine andere Aufgabe; dieser Raum ist einfach zu klein für Leute, die nur herumstehen."

"Ich werde helfen", rief er ein bisschen zu schnell aus und Clarkes Gesicht hellte sich auf.

"Gut", sagte Marcus. "Bring diese Tüten voller Müll runter zu den Tonnen auf dem Parkplatz, damit sie Abby und Clarke nicht im Weg stehen."

Abby war eine Erwachsene und etwas unauffälliger als ihre Tochter, die nur unter großer Anstrengung ihren Blick von Bellamys gutaussehenden, sommersprossigen Gesicht heben konnte, ohne zu erröten und herumzuhampeln. Aber als Marcus seinen Sohn (mit einer Armladung voller mit Müll gefüllten 'Target'-Einkaufstüten) zur Tür hinaus scheuchte und sich wieder umdrehte um ihr ein verschwörerisches Grinsen über die Schulter warf, ein Blick, der definitiv nur für Abby gedacht war, da sie die einzige war, die ihn sehen konnte (und sie sah ihn dann zum ersten mal richtig an), schien es ihr auf einmal unmöglich, Clarkes fehlende Coolness zu hart zu beurteilen.

Marcus war sehr groß, mit leicht wuscheligen, dunklen Haaren und einer Art stoppligen Kinn und eckigen Zügen, die eher zu einem Actionhelden gehörten, auch wenn er gerade Jeans und ein Flannelhemd mit aufgerollten Ärmeln trug, wie jeder andere normale Vater. Aber seine Augen waren dunkel und warm und es war ein kleines Funkeln in ihnen, als er Bellamy zur Tür hinaus schob und sagte "um Himmels Willen, Junge, gib den Mädchen ein bisschen Raum zum Atmen" und die anderen allein ließ.

Die Dinge entspannten sich, als die Jungs erst einmal weg waren und Octavia setzte sich auf eine Seite ihres Bettes und begann, die Plattensammlung auszupacken, die Bellamy mitgebracht hatte.

"Das sind die Schallplatten deiner Eltern?" fragte Clarke, die Schulsachen auf dem Schreibtisch kurzzeitig vergessend, als sie hinüber zu der Kiste spähte, die Octavia gerade durchging.

"Eltern in der Einzahl", sagte Octavia etwas abwesend, ohne aufzublicken. "Keine Mutter, nur Dad."

Clarke nickte und zuckte mit den Schultern, die Antwort nur nebenbei registrierend und begann wieder, ihre Füller und Bleistifte in die dekorativen Becher auf ihrem Schreibtisch zu sortieren. Abby sah von einem Mädchen zum anderen und fühlte, wie ihr Herz ein kleines bisschen brach, nicht nur, wie leicht es Octavia über die Lippen kam, sondern auch, wie leicht Clarke es aufgenommen hatte. Sie erkannte Octavias Ton als den gleichen, den Clarke manchmal hatte, die vernichtende Gelassenheit, die beiläufige Erwähnung eines Verlustes, der so weit in der Vergangenheit lag, dass sie vergessen hatte, dass die Frage jemals schmerzhaft war.

Es war anders für die Kinder. Die Kinder erinnerten sich nicht immer. Clarke war noch so jung als ihr Vater starb. Es war vor einer so lagen Zeit in ihrem Leben passiert, aber für Abby trotzdem noch schmerzhaft und sie könnte wetten, dass was auch immer Octavias Mutter passiert ist, noch immer schmerzhaft für Marcus war.

Vor genug Zeit, dass Octavia es erwähnen konnte, ohne Emotionen zu zeigen, war eine lange Zeit für ein Mädchen, ein Elternteil zu verlieren.

Abbys Gedankengänge wurden unterbrochen als Marcus den Raum erneut betrat, mit einem alten, zerrütteten Werkzeugkasten in der Hand. "Ich werde mich auch um dein Brett kümmern, Clarke", rief er ihr durch den Raum zu, einen Schraubenzieher herauskramend und die Tür von Octavias Schrank öffnend. "Die Träger dieses obersten Regals sind totaler Mist. Die werden dir runterkommen, sobald du etwas schwereres als einen Pullover darauflegst. Lass mich ein paar neue Schrauben reindrehen, bevor du irgendetwas da reinpackst, okay?"

"Danke", sagte Clarke.

"Das ist sehr nett von dir", meinte Abby, ein bisschen zu enthusiastisch und sie wäre vielleicht etwas verlegen gewesen, wenn Marcus, halb in dem kleinen Holzschrank steckend, es mitbekommen hätte. Sie war drauf und dran noch etwas zu sagen, als Clarke von ihrem Bett sprang und auf die Schallplatte in Octavias Hand starrte.

"Oh mein Gott, lass mich das sehen", rief sie aus. "Ist das Blondie? Dein Vater mag Blondie?"

"Wir waren alle mal cool", witzelte Marcus, kaum hörbar aus Octavias Schrank.

"Nicht alle von uns", gab Clarke zurück, mit bedeutungsschweren Blick auf ihre Mutter, deren Begeisterung für die Spice Girls seit 1995 nicht geschwunden war und eine konstante Quelle des Konflikts in ihrem Haushalt bot.

"Ich habe gerade sechshundert Mäuse bei 'Target' gelassen, um sicher zu gehen, dass du die richtige Posteraufhängung und einen Jahresvorrat Diät-Cola hast", sagte Abby trocken. "Habe ich mir da nicht einen Tag verdient, an dem du mal nicht über meinen Musikgeschmack lästerst?"

"Es gibt eine spezielle Art Posteraufhängung?" fragte Octavia, leicht besorgt.

"Ja", erklärte Abby, "die, mit der leicht ablösbaren klebenden Rückseite. Die waren auf der Liste. In der Email vom Studentenbüro."

"Ich habe keine Mail bekommen."

"Die ging an die Eltern."

"Dad?"

"Ich habe es gesehen", beschwichtigte Marcus sie, die Stimme noch immer gedämpft durch Eichenpaneele. "Ich habe alles mit der Aufschrift 'Obligatorisch' gekauft und bei dem Rest dachte ich mir, wirst du mich wissen lassen, solltest du es brauchen."

Durch die Stille, die diese sensible und offene Ankündigung hervorrief, war klar, dass dies die falsche Antwort war. Marcus kam aus dem Schrank hervor, nur um zu sehen, dass ihn alle drei Frauen anstarrten.

"Was?"

Abby griff in ihre Tasche und zog die Liste hervor, die sie ausgedruckt hatte, damit sie alle Kisten noch einmal durchgehen konnte, während sie einkaufen waren. Octavia nahm die Liste und starrte darauf.

"Dad, ich habe nichts von alledem."

"Doch, hast du."

"Ich habe keinen Wecker."

"Du benutzt dein Handy."

"Ich habe keinen Papierkorb."

"Benutz den im Flur."

"Ich habe keinen Wäsche-Organizer, ich habe keine Trocknertücher*, ich habe keinen Campingstuhl-"

"Wozu brauchst du einen Campingstuhl?" Er drehte sich zu Abby um. "Wozu braucht sie einen Campingstuhl?"

"Falls sie eine Party draußen haben oder etwas in der Art", erklärte Abby. "Oder für Fußballspiele oder Freiluftkonzerte, sowas eben. So muss sie nicht auf dem Boden sitzen."

"Sie kann sich meinen borgen", bot Clarke an. "Das geht schon in Ordnung, wir können ihn teilen."

"Ich wusste nicht, dass ich einen Campingstuhl besorgen sollte", sagte Marcus hilflos.

"Dad, es steht auf der Liste."

"Okay", verkündete Abby ernst. "Clarke, du und Octavia bleibt hier und packt weiter aus. Marcus, du kommst mit mir", sagte sie mit einer Stimme, die keine Diskussion duldete. "Wir gehen einkaufen."


So. Das ist der zweite Teil. Ich denke, es werden wohl noch zwei Kapitel werden, mal schauen. Was die * im Text angeht... Juniors sind in den USA am College die Studenten im dritten Jahr, Erstsemester wäre das deutsche Äquivalent zu 'Freshmen' im Englischen, wobei man da ein ganzes Jahr 'Freshmen' ist, während Erstsemester nur im ersten halben Jahr zählt. Trocknertücher sind Stofftücher, die man zusammen mit seiner nassen Wäsche in den Trockner gibt, um statische Entladungen zu verhindern, die auch beim Herausholen der Wäsche echt mies sein können.

Hier noch einmal der Link zum Original:

archiveofourown (Punkt) org/works/4628658

Falls ihr noch Fragen habt, fragt ruhig und ich würde mich über jede Review freuen. Bis zum nächsten Kapitel.