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Home for the Holidays
Kapitel 2
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Als sie nun so eng an ihm saß, rutschte Ricks Hand an ihre Taille. Anfänglich strich er sanft den Saum ihres Pullovers entlang und zu Ricks großer Verwunderung ließ Kate es zu. Sie stieß ihn auch nicht weg, als seine Finger im letzten Drittel des Films unter das Strickmaterial glitten und Kreise auf ihrer nackten Haus zogen. Vor einigen Stunden noch hätte Rick sich nicht vorstellen können, dass sie so willig seine Nähe suchen, so kommentarlos seine Annäherungsversuche dulden würde. Er hatte sie irgendwie dazu gebracht und nun war sie hier, hatte ihren Kopf an seiner Schulter und er berührte zum ersten Mal ihre nackte Haut. Mit einer Hand zog er eine Decke von neben sich über sich und Kate, da es etwas kühler zu werden schien, zumindest vernahm er leichte Gänsehaut an Kates Hüfte. Einmal hob Kate kurz den Kopf, als er nach der Decke griff.
Bisher hatte Martha immer gedacht, dass Kate sehr konservativ in ihrer Haltung sei, Rick nicht recht an ihn heranlasse, doch sie hatte sich geirrt. Vielleicht hatte ihr Sohn es nur bisher niemals recht probiert? Vom ersten Tag an, war Martha aufgefallen, dass Kate eine ausgesprochen schöne Frau war, die auf all ihre Weiblichkeit keinerlei Wert legte, ihre Kurven eher versteckte, hinter weit geschnittenen Blusen und Blazern und weiten Hosen.
Wenn andere nach einem gemeinsamen Fall in ein Restaurant gingen oder eine Pizza bestellten, entließ Kate ihr Team und ging nachhause oder gab vor, noch Papierkram erledigen zu müssen. Martha wusste, dass der Tod ihrer Mutter sie einst in ein tiefes Loch gerissen hatte und das konnte sie ihr auch nicht verdenken. Und Marthas Sohn gehörte nun einmal zu der Art Mensch, der einfach nicht wusste, wann er aufhören sollte, wann er nicht mehr nachfragen sollte. Rick wollte immer alles wissen, alles verstehen und Kate schien ein Mysterium für ihn darzustellen, das er nur zu gerne erkundete. Sie gab selten nach, war stur und hatte gute Manieren, sie hätte im Leben alles erreichen können und doch hatte sie sich für die Polizei entschieden und das gefiel Martha. Auch diese neue weibliche Seite von Kate, die sich so selbstverständlich in ihre Familie eingliederte, sagte ihr zu und mehr als nur das.
„Noch ein Film, Dad, bitte?", kam es von Alexis, die bereits aufgesprungen war und nun am DVD Regal stand.
„Ausnahmsweise …", kam es von Rick, der von Kate nicht ablassen wollte.
„Der Sieger? Dad, oder doch ‚Der Löwe im Winter'?", fragte sie und Rick wusste, dass es eine rein rhetorische Frage war, da sie bereits ihre Entscheidung getroffen hatte. Als Alexis vom DVD-Player zurückkahm, nahm sie einige große Polster von der Couch und warf sie auf den Boden vor den Couchtisch.
Kate entschuldigte sich einmal kurz, um die Toilette aufzusuchen, als Rick in der Küche noch zwei große Gläser frischen Apfel-Birne-Zimt Sanft zu machen. Als sie zurückkam, war der Film bereits angelaufen, zeigte Katherine Hepburn in einer ihrer besten Rollen – sie hatte „Der Löwe im Winter" so oft mit ihrer Mutter gesehen, selbst in einem alten Kino als sie noch ein Teenager war und die meisten ihrer Freundinnen auf Brad Pitt, Mel Gibson und Kevin Costner gestanden waren, hatte sie sich die alten schwarz-weiß-Filme angesehen, für Spencer Tracy, Rock Hudson und Cary Grant geschwärmt. Und dann war ihre Mutter gestorben.
„Der Löwe im Winter" war die späte Lebensgeschichte der sehr beeindruckenden Königin Eleonore von Aquitanien, gespielt von Katherine Hepburn, und ihrem Ehemann Heinrich II. von England. Als reiche Erbin des Aquitanischen Reiches hatte man sie mit dem französischen König verheiratet, Ludwig VII. Doch da aus dieser Ehe nur Mädchen hervorgingen und nicht einmal die Kreuzzüge einen Thronfolger hervorbrachten, auf denen sogar Eleonore teilgenommen hatte, da ihr Onkel der König von Konstantinopel war, wurde die Ehe annulliert, nachdem sie den wesentlich jüngeren Heinrich Plantagenet, Graf von Anjou und Herzog der Normandie, kennengelernt und sich in ihn verliebt hatte. Sie war bereits an seiner Seite, als er nach diversen Kriegen zum König von England gekrönt wurde und gebar ihm einige Söhne – Heinrich, Richard, Gottfried und die Tochter Mathilde.
Der Film setzte viele Jahre später ein, als alle drei Söhne bereits erwachsen waren und Heinrich II. keine Entscheidung treffen wollte, wer ihm auf den englischen Thron nachfolgen sollte. Es war eine beeindruckende Geschichte, da der König seine Frau satt hatte und sie doch die Möglichkeit erkannte, mithilfe eines Sohnes wieder an Macht zu gewinnen.
Johanna Beckett hatte immer gesagt, dass diese Rolle eine von Katherine Hepburns besten Rollen gewesen sei, sie den Oscar bei Gott verdient habe, immerhin sei sie schon 60 Jahre alt gewesen und hätte gerade erst ihren geliebten Spencer Tracy verloren, 17 Tage nach Fertigstellung der Arbeiten von „Rat mal, wer zum Essen kommt?" verstorben war.
Und nun war sie dabei, sich mit den Castles diesen Film an Heilig Abend anzuschauen. Außerdem fühlte sie sich zu ihm hingezogen. Seine Hände waren so groß, weich und sanft, wenn sie über ihre Haut tanzten und es fühlte sich so unglaublich an, wenn sich Wärme in ihrem gesamten Körper ausdehnte.
Sie stand am Küchentresen und beobachtete Alexis, wie sie am Boden lag, Martha, die sich der Schuhe entledigt hatte und ihre Füße am Couchtisch hatte. Rick kam von hinten auf sie zu und erschreckte sie leicht, als er sie an sich zog, vorsichtig, um ihr Zeit zu geben, zu reagieren. So lagen seine Hände auf ihrem Bauch und seine Nase strich ihr Haar zur Seite, um Zugang zu ihrem Hals zu bekommen, den er schließlich mit seiner Zunge nachfuhr, liebkoste.
„Wir sollten …", flüsterte sie und deutete auf den Film.
„Sollten wir?"
„Vielleicht?", antwortet sie fragend, vorsichtig. Sie wusste genau, dass sie unter normalen Umständen niemals in dieser Situation wäre, es niemals eine Möglichkeit gegeben hätte für Rick, ihr so nahe zu kommen und doch war sie nun in dieser Lage, fühlte seine starke männliche Brust an ihrem Rücken und den Größenunterschied, der nur allzu deutlich war, wenn sie keine hohen Schuhe trug.
Wenige Augenblicke später standen sie auf seiner Dachterrasse, im wilden Schneefall. Kate hatte er ein paar Hausschuhe von Alexis gegeben, die ihr zufälligerweise passten und eine warme Patchwork-Decke hatte er vom Hocker neben der Türe mit hinausgenommen.
Es war Heilig Abend, jeder war zuhause, überall brannten Lichter und die Schneemassen häuften sich auf den Straßen. Sie standen unter dem gläsernen Vordach und starrten in den winterlichen Himmel. Rick zog Kate abermals an sich und legte die Decke über sie beide, abermals ließ sie sich von ihm halten, genoss seine Nähe und als seine Hände den Stoff der Decke zusammenhielten, legte sie ihre Hände auf die seinen. Es waren kleine Schritte, die sie machten, aber diese machten sie in einer raschen Abfolge am heutigen Abend. Kein einziges Mal hatte Kate ihn zurückgewiesen, kein einziges Mal. Und
Es war kühl und so presste sie ihren Körper noch fester an Ricks, sie konnte die männliche Härte, die sich ihr in den Rücken presste nicht einfach abtun, zu offensichtlich war sie und für Kate war es ein Novum.
Sie war mit Männern zusammen gewesen, es waren nicht viele und auch nicht zu wenige gewesen, aber die wenigstens hatten diese Reaktion gezeigt, bevor sie sie nackt gesehen hatten. Niemals hatte sie besonders viel Wert darauf gelegt, ihren Körper möglichst feminin zu präsentieren, meist war sie in ihrer Jungend in Jeans und einem Shirt herumgelaufen, Blusen und Converse. Während des Studiums war sie zu einem weniger sportlichen Stil gewechselt, mehr Blusen und dunkle Hosen, doch diese Zeit hielt nicht lange an und der Wechsel zur Polizeiakademie schränkte die modischen Möglichkeiten in den ersten Jahren wahrhaftig ein – die Uniform war ihr Lieblingskleidungsstück. Zuhause waren es fast immer Leggins gewesen, weite Pullover, Lederjacken in ihrer Freizeit und dazu Highheels, die zunehmend höher wurden.
Und nun stand sie vor ihm in einem sehr weiblichen Rock, quasi barfuß und einem Pullover, der ihre wenigen Kurven nicht verbarg und trotzdem hatte sie diese Wirkung auf ihn.
„Stört es dich?", flüsterte er ihr ins Ohr, als er seine Erektion an ihrem Rücken rieb. Eigentlich sollte es ihm unangenehm sein, normalerweise würde er rot werden, sich genieren für seine offensichtlichen Gefühle ihr Gegenüber, sein Empfinden. Doch in Kates Gegenwart war alles anders, jedes einzelne Mal, wenn er glaubte, ihre Reaktion abschätzen und vorheersagen sagen zu können, überraschte sie ihn aufs Neue.
„Nein", gab sie leise zurück und griff ihm an die Hüften, stillte ihre Bewegung und presste ihre Rückseite an die seine. „Wieso sollte es mich stören?", fragte sie sich unbewusst laut.
„Manch eine Frau würde sich belästigt fühlen …"
„Gut, dass ich nicht zu dieser Masse an Frauen zähle, deren Dekolleté zu signierst und die sich dann vielleicht belästigt fühlen würden."
„Und zu welchen Frauen gehörst du sonst?"
Eine kurze Stille kehrte ein. Beide studierten den Schneefall für einige Augenblicke.
„Vielleicht gehöre ich zu denen, die sich fragen, wie es nun weitergehen wird."
„Wie hättest du gerne, dass es weitergeht?"
Sie ließ seine Hände los und griff auf seine Hüften, im Schutze der Decke, und stillte diese, presste dann allerdings ihre Rückseite gegen seine Front und ließ ihn abermals wissen, dass sie Gefallen daran fand zu wissen, dass sie ihn erregte.
Schließlich fasste sie ihren gesamten Mut zusammen und ließ ihre Hände – während sie immer noch den Schneefall studierte – ihre Hände rücklinks über seine Front gleiten, die sich ihr entgegenbäumende Erektion. Kate vernahm sein scharfes Einatmen, als ihre Finger ihn umfassten.
„Kate …", versuchte er zu artikulieren.
„Vielleicht weiß ich es nicht. Vielleicht lasse ich es auf mich zukommen?", antwortete sie schließlich leise auf seine zuvor gestellte Frage.
In diesem Moment drehte er sie um, legte die Decke über ihre Schultern und zog sie eng an sich heran und endlich, nach vielen vorsichtigen Berührungen und unsicheren Worten fanden seine Lippen die ihren. Anfänglich vorsichtig, lediglich zarte Berührungen, ein Streifen. Dann zog er sich kurz zurück und wartete auf eine Reaktion ihrerseits. Sie blickten einander tief in die Augen, erkannten, wie erregt der andere und zugleich wie fragil diese neue Beziehung war. Dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen, ließ ihre Hände in seine Haare gleiten und zog ihn zu sich hinab. Im Gegensatz zu Rick war sie nun keineswegs vorsichtig, langsam oder zögernd. In dem Moment, in dem sie ihre Lippen auf die seinen legte, war ihre Zunge schon dabei, sich ihren Weg in seinen Mund zu bahnen. Eine von Castles Händen fand ihren Platz in ihrem Genick, die andere glitt an ihre Taille.
Unter dem Glasdach stand die im Sommer oft genutzte Outdoor-Couch auf die sie nun zurückstolperten. Rick wusste, wo sie stand, doch ging er rückwärts. Endlich dort angekommen, setzte er sich und wartete abermals auf ihre Reaktion.
Unerwartet raffte sie ihren Rock bis zum Knie hoch und glitt auf seinen Schoß, bis ihr Becken das seine berührte und Rick laut aufstöhnte. Damit hatte er wahrhaftig nicht gerechnet.
Dass es beinahe Minusgrade hatte, fiel diesen beiden Menschen momentan nicht auf. Die Decke hüllte sie ein, seine Hand glitt abermals in ihre Haare, die andere zog sie eng an sich. Immer wieder stöhnte er ihren Namen, wenn sie sich fester an ihn presste und sie genoss es immer und immer wieder zu wissen, welche Macht sie über ihn hatte.
Ihre Zungen kämpften förmlich über die Oberherrschaft bis sie beide nach Luft rangen. Sie legten ihre Stirnen aneinander und versuchten ihre Atmung wieder zu kontrollieren.
„Oh Kate …", begann Rick und noch bevor er weitersprechen konnte, legte Kate ihren Finger auf seinen Mund. Die Gefahr, dass die falschen Worte ausgesprochen werden würden, war zu groß. Dass sie abermals alles zerreden. Zerstören. Sie wollte den Moment genießen und nicht darüber nachdenken, was passieren könnte, würden sie nun darüber sprechen.
Beckett sagte auch nichts, als seine linke Hand allmählich unter ihren Pullover glitt, auf ihrem Rücken lag und seine Finger kleine Kreise zogen. Sie sagte nichts, als er sie abermals zu küssen begann und ihr langsam die Kälte in die Glieder stieg.
Erst als sie zu zittern begann löste er seine Hände von ihrem Körper.
„Du frierst. Wir sollten hinunter gehen."
„Müssen wir?"
Rick nickte lediglich, ließ sie aufstehen und gemeinsam stiegen sie die Treppe hinunter. Alexis Schlafzimmertüre war bereits geschlossen, Marthas ebenso. So standen sie nun beide in absoluter Dunkelheit, nur die elektronischen Kerzen des Christbaums leuchteten noch, im Wohnbereich, Hand in Hand.
„Ich sollte gehen …"
„Nein", erklärte er kurz. „Bleib."
„Aber … ich meine … Castle …"
„Rick, Kate", bat er und zog sie an sich heran, sodass sie ihm gegenüber stand. „Ich möchte nicht, dass du gehst. Ich möchte, dass du bei uns bist, wenn wir die Geschenke öffnen in der Früh. Nichts wird passieren, heute Nacht, ich verspreche es."
„Ich weiß nicht …", versuchte Kate zu beginnen, da nahm er ihre Hand und zog sie hinter sich in Richtung seines Büros und Schlafzimmers. Ihre minimalen Proteste verflogen innerhalb weniger Augenblicke und schließlich stand sie inmitten seines Gemachs. Castle schaltete ein kleines Licht neben dem Bett ein und ging in seinen Schrankraum. Zurück kam er mit einem T-Shirt und langen Pyjama-Hosen, die Kate niemals passen würden, doch besaß er nichts kleineres, und übergab beides Kate, zeigte ihr das Badezimmer und schloss die Türe hinter ihr.
Wenn er behaupten würde, dass er nervös wäre, wäre dies schlichtweg untertrieben. Er stand nun, lediglich in Boxershorts und einem T-Shirt in seinem eigenen Schlafzimmer und wusste nicht, wie er reagieren sollte, wenn sie das Zimmer wieder betrat. Sollte er anbieten selbst auf der Couch zu schlafen? Ihr die Couch anbieten? Nein, das konnte er nun nicht mehr. Aber was war die richtige Entscheidung? Der gesamte Abend war bisher so überwältigend gewesen, dass er ihn jetzt nicht zerstören wollte. Seine Nerven lagen blank. Wenn er es jetzt versaute, wäre die Freundschaft auch für immer verloren und sie war die einzige Frau, mit der er jemals ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt hatte.
Als sich schließlich die Türe öffnete, stand Kate abgeschminkt vor ihm. Sie trug lediglich das T-Shirt, das er ihr gegeben hatte, doch dieses reichte ihr bis zu den Knien. Gott, hatte sie schlanke Beine, schoss es ihm durch den Kopf. Rasch verabschiedete er sich ins Badezimmer, um jeglicher Situation aus dem Weg zu gehen.
Kate hatte sich nicht vorstellen wollen, dass sie jemals in der Lage sein würde, einen Mann dermaßen zu verunsichern, der sich nicht in ihrem Verhörraum befand.
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Ende Kapitel 2
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A/N: Also Wünsche, Anregen, Beschwerden? Ich nehme auch gerne Story-Wünsche auf in meine Liste – also wenn euch ein bestimmtes Szenario vorschwebt …
Ich freue mich über jede einzelne Review und bald werden auch die anderen Geschichten wieder „upgedated", versprochen,
