Teil: 2?
Warnung: lime (ganz harmlos), Hurt/Comfort
Rating: P12 Slash
Kommentar: Nachdem ich mich endlich an meine angefangene TdV-FF erinnert habe, schreib ich auch gleich ein zweites Kapitel. Viel Spaß beim Lesen, freue mich immer über Kritik
In Love with a Vampire
Dann kann ich nicht widerstehen...
Langsam lichtete sich der Nebel um ihn und er kehrte allmählich in die Wirklichkeit zurück. Leider kamen damit auch die Schmerzen wieder, sein Arm pochte schmerzhaft und sein Kopf wollte ihm offenbar Konkurrenz machen. Vorsichtig öffnete er die Augen, um herauszufinden, wo er hier überhaupt war. Das letzte, woran er sich mit viel Mühe noch erinnern konnte, war das Badezimmer und sein Vorhaben, Alfred den Rücken einzuseifen. Doch ganz offensichtlich lag er nun in seinem Bett, denn um sich herum fühlte er weichen Stoff.
"Eure Exzellenz, ich glaube... ich glaube, er wacht wieder auf..." Er hatte Gesellschaft? Der Stimme nach musste das Alfred sein, der an seiner Seite saß. Als sein Blick ein wenig klarer wurde, erkannte er die blonden Löckchen und die blauen Augen seines Geliebten, die besorgt auf ihn herab sahen. Mit einem leise gemurmelten "Alfred..." wollte gerade in den Kissen versinken und wieder die Augen schließen, als ein großer, dunkler Schatten hinter Alfred auftauchte und der Junge sich ängstlich vom Bett entfernte. Schade, nur zu gerne hätte er ihn noch etwas länger in seiner Nähe gehabt, bestimmt hätte ihm die Nähe zu seinem Liebsten schöne Träume bereitet.
Doch nun ruhten strenge und ernste Augen auf ihm, der große Schatten, der sich allmählich als sein Vater entpuppte, lies sich auf der Bettkante nieder. Eine ruhige Hand streichelte über seine Wange, um ihn endgültig in die Realität zu holen.
"Herbert, wie fühlst du dich?", vernahm er die dunkle Stimme seines Vaters über sich. Obwohl er wusste, dass sie sich sehr nahe waren, klang es, als wäre er weit entfernt. "Ganz gut... mein Kopf tut ein bisschen weh...", antwortete er leise. Ob sein Vater wohl allzu böse war, dass Herbert nicht auf seine Verletzung geachtet hatte? Schon früher hatte er oft mit ihm wegen seiner Achtlosigkeit geschimpft, denn meist gab es für Herbert wesentlich interessantere Dinge als seine nächste Umgebung, wie man ja erst beim letzten Mitternachtsball hatte sehen können.
"Nur gut, dass nicht mehr passiert ist. Warum bist du auch immer so unvorsichtig? Sei froh, dass Alfred sofort Hilfe geholt hat." Der Tadel seines Vaters lies ihn aus seiner Schläfrigkeit aufwachen, sodass er endlich seine Umgebung erkennen konnte. Er lag in seinem Schlafzimmer im Bett, das noch aus seinen sterblichen Zeiten stammte und nur dank Koukols mühevoller Pflege noch nicht von Holzwürmern zerfressen war. Die schweren, bodenlangen Vorhänge waren zugezogen, sodass er nicht sagen konnte, wie spät es war. Die Kerzen an den beiden großen Kerzenständern waren angezündet, die Tür nur angelehnt. Sein Vater saß kerzengerade aufgerichtet rechts von ihm auf der Bettkante und bedachte ihn mit einem sorgenvollen und strafenden Blick zugleich. Alfred stand mit etwas Abstand am Fußende. Alfred... Seine Gedanken wollten gerade abschweifen, als sein Vater verkündete: "Vorerst wirst du im Bett bleiben, mit ein paar Tagen Ruhe sollte deine Gehirnerschütterung schnell auskuriert sein. Alfred,", er wandte sich zu dem Jungen um, "du wirst meinem Sohn Gesellschaft leisten und darauf achten, dass er keine Dummheiten anstellt, sondern sich ausruht."
Alfred wollte gerade zu einer Erwiderung ansetzen, denn er hatte nicht im mindesten Lust, Herberst Krankenpfleger zu sein, als der Graf sich erhob und würdevoll, aber mit schnellen Schritten das Zimemr verließ. Warum nur war er auch dageblieben und hatte nicht stattdessen lieber nach Sarah gesucht? Er würde sie gerne wiedersehen, vielleicht würden sie sich ja hier im Schloss ein wenig näher kommen. Aber jetzt musste er auf Herbert aufpassen, der sowieso nicht auf ihn hören würde, sondern die Situation schamlos ausnutzen würde. In was war er hier nur hineingeraten? Er wünschte sich mal wieder nichts sehnlicher, als zu Hause in Königsberg zu sein und für den Professor Bücher sortieren zu müssen. Mit Sarah zusammen, natürlich.
Seufzend ergab er sich seinem Schicksal, das ja gar nicht so schlimm gewesen wäre, hätte er nicht ständig vor Augen gehabt, wie Herbert über ihn hergefallen war. Wenn er das noch einmal versuchen würde, was in seinem derzeitigen Zustand zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich war, dann war Alfred ihm ausgeliefert ohne einen Professor, der ihm mit dem Regenschirm zu Hilfe eilte.
"Alfred..." Er sah auf, als Herbert ihn ansprach. Zu seinem Erstaunen merkte er, als er ihn ansah, dass der andere im Augenblick gar nicht so bedrohlich wirkte, im Gegenteil eher hilfsbedürftig.
"W-was ist denn?" "Was ist eigentlich passiert? Ich weiß nur noch, dass ich neben der Badewanne gehockt habe und dann aufstehen wollte." Ganz ruhig, Alfred, es war nur eine harmlose Frage, nichts Verfängliches.
"Ja, du bist ohnmächtig geworden, als du aufstehen wolltest, um deinen Arm zu verarzten. Dein Vater meinte, du hättest wohl etwas zu viel Blut verloren, weil die Wunde sich auch nicht mehr geschlossen hat.", erzählte er schüchtern.
"Und du hast dann Hilfe geholt?"
"Naja, ich habe mich angezogen und wollte jemanden suchen, aber dann bin ich auf dem Flur in deinen Vater reingelaufen." Herbert musst schmunzeln bei der Vorstellung, wie der kleine Alfred mit seinem doch recht unheimlichen Vater zusammenstieß.
Vorsichtig richtete er sich in den Kissen auf und stellte zufrieden fest, dass Alfred die Kleider trug, die er für ihn ausgesucht hatte. Immerhin ein kleiner Erfolg, wenn schon der Rest der Nacht nicht nach seinen Wünschen verlaufen war. Eigentlich hatte er Alfred ja im Bad verführen wollen, aber nun gut, wenn Alfred sich um ihn kümmern sollte, gab es dafür sicher noch genug Gelegenheiten. Zuerst musste er wieder zu Kräften kommen, denn sonst nützte es ihm wenig, Alfred in seiner Nähe zu haben. Dann konnte er immernoch ein paar Tage mit leidender Miene im Bett liegen und damit Alfred an sich binden. Innerlich dankte er seinem Vater, sicher wollte er ihm noch eine Möglichkeit geben, Alfred für sich zu gewinnen, während er selbst sich um Sarah kümmerte. So schlug auch er zwei Fliegen mit einer Klappe.
"Würdest du mir aus der Küche etwas Blut holen? Koukol weiß, wo es ist. Ich fühle mich noch ganz schwach..", bat er leise und mit leidendem Gesichtsausdruck. Offenbar wirkte er wesentlich elender, als er sich fühlte, denn Alfred eilte sofort hinaus, um ihm etwas zu trinken zu holen. Dabei musste er sich gar nicht allzu sehr verstellen, denn ihm war tatsächlich noch immer leicht schwindelig und er war dankbar für die weichen Kissen in seinem Rücken, die ihn stützten. Herbert lehnte sich zurück und schlos die Augen, um seinen schmerzenden Kopf zu besänftigen. Sein Arm war, wie er inzwischen bemerkt hatte, sauber verbunden, wobei es unter dem Verband schon wieder leicht rot schimmerte. Wenn er es recht bedachte, würde er bestimmt Hilfe beim Anziehen brauchen, wenn seine Gehirnerschütterung ausgestanden war.
Schon nach kurzer Zeit war Alfred zurück mit einem Glas voll Blut. Er wollte gar nicht wissen, woher Koukol das hatte, hauptsache es gab welches. Mehrmals auf dem Weg zurück in Herberts Zimmer war er in Versuchung gewesen, davon zu kosten, nur ein winziger Schluck, damit sein Durst nicht mehr ganz so groß war, doch dann erinnerte er sich an Herberts bleiches Gesicht, seine Schwäche, und er lies doch die Finger davon. Ob er Koukol wohl später auch um Blut für sich selber bitten konnte? Er hatte enormen Durst, zumal er nicht hatte trinken können, nachdem Sarah ihn gebissen hatte. Sie hatte viel von ihm getrunken, lange und gierig, und er hatte keine Möglichkeit gehabt, sich selbst zu stärken.
Tatsächlich widerstand er der Versuchung, bis er in Herberts Schlafzimmer ankam, wo er den Vampir dösend im Bett vorfand. Er stellte das Glas auf den kleinen Tisch neben dem Bett und überlegte, ob er sich vielleicht davonstehlen und nach Sarah suchen konnte, als Herbert die Augen wieder öffnete. Der Geruch des Blutes hatte ihn geweckt und sein Durst war stärker als sein Bedürfnis, zu schlafen. Mit einem Zug lehrte er das Glas bis zur Hälfte, dann fiel ihm Alfreds Blick, der beim Trinken auf ihm ruhte, auf. "Bist du durstig?" Alfred fühlte sich ertappt, er hätte wohl doch nicht so sehr auf das Blut, das in Herberts Mund verschwand, starren sollen. Schüchtern nickte er und musste dann mitansehen, wie Herbert das Glas vollständig lehrte. Nun gut, es war ja auch für ihn bestimmt gewesen, wobei ein winzig kleiner Schluck doch schön gewesen wäre, nur ein Tropfen, er brauchte ja nicht viel.
Herbert stellte das Glas zurück und legte sich wieder hin, das Blut hatte ihm gut getan und Alfreds Blick brachte ihn auf eine Idee, die ihm vielleicht helfen konnte, dem jungen Wissenschaftler näher zu kommen. Dass Alfred durstig war, konnte man nicht übersehen, aber ihm einfach einen Schluck im Glas zu lassen, wäre zu einfach gewesen, nein, eine solche Situation musste man nutzen. Er streckte seinen gesunden Arm in Alfreds Richtung und forderte ihn auf, herzukommen. "Ich beiße dich schon nicht, nur keine Angst.", ermutigte er ihn und zog ihn, als er in Reichweite war, auf sein Bett.
"Wenn du durstig bist, chéri, müssen wir dagegen natürlich etwas unternehmen." Mit diesen Worten schob er sein weißes Hemd von seiner Schulter und entblöste die weiße Haut für seinen Liebsten. So lange Alfred nicht zu viel und zu schnell trank, konnte ja nicht viel passieren, und sie würden dieses Erlebnis gewiss beide genießen.
"Was, ich soll...? Von dir? Aber, das geht doch nicht, du... du bist doch verletzt und...", stotterte Alfred, als ihm klar wurde, was Herbert ihm gerade vorschlug. Er konnte doch nicht von ihm trinken, das ging einfach nicht. Von Sarah hätte er gerne getrunken, aber von Herbert? Undenkbar! Vollkommen absurd!
"Da ist doch nichts dabei, du darfst nur nicht zu schnell trinken, aber ich werde dir schon sagen, wann es genug ist. Glaube mir, das Blut eines so viel älteren Vampirs, wie ich es bin, wirkt ungemein sättigend. Ich weiß, wovon ich rede, denn für mich war es immer ein großer Genuss, von meinem Vater trinken zu dürfen. Er hat es nicht allzu oft erlaubt, leider. Glaube mir, es wird dir gefallen."
Herbert stütze sich auf seine Ellbogen, bog die Schulter noch ein wenig nach vorne und den Hals zur Seite, dann griff er Alfred in den Nacken und zog ihn langsam zu sich.
"Komm schon, Alfred, zier dich nicht so", flüstere er beschwörend, um seinen Geliebten zu ermutigen. Tatsächlich war Alfreds Durst stärker als seine Abneigung gegen den Grafensohn, und so beugte er sich noch ein wenig vor und vergrub seine Zähne in Herberts Hals.
Er umschloss die kleinen Löcher, die er in das Fleisch gerissen hatte, mit seinen Lippen, begann daran zu saugen und genoss das Blut, das seine Kehle hinablief. Er kniete auf dem Bett, über Herbert gebeugt, der sich langsam wieder hinlegte und Alfred mit sich zog, darauf bedacht, ihre Verbindung nicht zu unterbrechen. Schließlich lag Alfred auf seinem Oberkörper, Herbert hatte einen Arm um ihn gelegt und die Augen geschlossen, während er den Jungvampir trinken lies. Für ihn selbst war das in doppelter Hinsicht eine berauschende Erfahrung. Er hielt Alfred in seinem Arm, strich ihm sanft über den Rücken und legte seine Hand schließlich auf Alfreds Po, ohne dass dieser sich dagegen wehrte. Gleichzeitig fühlte er Alfreds Lippen an seinem Hals, kam ihm auf ganz besondere Weise näher, weil er ihn sein Blut trinken lies und schuf so eine Verbindung zwischen ihnen.
Leider merkte Herbert, dass er Alfred bald unterbrechen musste, wollte er nicht wieder ohnmächtig werden und eine weitere Standpauke seines Vaters ertragen müssen. Sanft fasste er den Jungen bei den Schultern und schob ihn von sich, sodass sie sich gezwungenermaßen voneinander lösten. Alfred war noch berauscht von Herberst Blut, sodass er die Gunst der Stunde nutzen wollte und sich leicht vorbeugte, um Alfred einen Kuss auf den Mund zu hauchen. Tatsächlich kam noch immer keine Gegenwehr, doch Herbert wusste, dass Alfred sich wehren konnte, wenn er denn wollte. Er drückte Alfred ein wenig fester an sich, streichelte ihm über Rücken und Po, als der sich plötzlich erschrocken losriss, vom Bett stolperte und wieder den gewohnten Sicherheitsabstand zwischen sich und den Grafensohn brachte.
Was um alles in der Welt taten sie da bloß? Was tat Herbert da und warum hatte er sich nicht dagegen gewehrt? Er liebte Sarah und niemanden sonst, schon gar nicht diesen Vampir. Von wegen, da sei nichts dabei! Die ganze Zeit schon hatte Herbert Hintergedanken gehabt, da war Alfred sich sicher, nur deshalb hatte er ihn von sich trinken lassen! Warum nur hatte er sich darauf eingelassen, er wollte das doch gar nicht. Und jetzt? Er fühlte sich ganz eigenartig, das Blut hatte ihn berauscht und ein merkwürdiges Kribbeln in seinem Bauch und seinem Unterleib ausgelöst. Fast so ein Gefühl wie in dem Moment, in dem er Sarah im Bad des Wirtshauses fast geküsst hatte. Herberts Geruch hing ihm in der Nase, angenehm und dezent, wie man es eigentlich nicht vermuten würde. Da, wo Herberts Hände ihn berührt hatten, schien sein Haut in Flammen zu stehen und zu glühen.
Während ihm all diese Gedanken durch den Kopf schossen, stand er noch immer völlig starr da und konnte seinen Blick nicht abwenden. Mit einem Mal riss er sich los und stürmte hinaus auf den Flur, quer durchs Schloss, nur weit fort von Herberts Schlafzimmer. Er meinte noch, ein sorgenvolles "Alfred!" zu hören, doch er lief weiter, an einem verdutzten Grafen vorbei, stolperte fast über Koukol und fand sich schließlich in einem großen Kaminzimmer wieder, in dem es zwar kalt, aber auch vollkommen ruhig war. Verwirrt und erschöpft lies er sich in einen der Sessel sinken, legte den Kopf auf die Armlehne und verbarg ihn unter seinen Armen.
Der Graf war eigentlich der Meinung, seinen Sohn für eine Nacht genug ausgeschimpft zu haben, doch ganz offensichtlich hatte das nicht gereicht. Warum war der Junge auch nur immer so fordernd und aufdringlich, wenn er um Alfreds Schüchternheit wusste. Der junge Wissenschaftler hatte ganz offenbar Angst vor Herbert, das war nicht zu übersehen, also warum ging sein Sohn es nicht ein wenig langsamer an, lies dem Jungen seine Zeit und geduldete sich? Seufzend ging er zu Herberts Schlafzimmer, denn wie es aussah, musste er ihm nochmal ins Gewissen reden. Wenigstens war sein Sohn schlau genug gewesen, im Bett zu bleiben und Alfed nicht nachzulaufen. Nun lag er da, auf die Seite gedreht mit dem Rücken zur Tür und fest in seine Decke gekuschelt. Wann immer der Graf seinen Sohn so fand, musste er schmunzeln, merkte man ihm da doch an, wie jung er gewesen war, als sein Vater ihn gebissen hatte. Für gewöhnlich wurden Vampire zwar mit den Jahrhunderten reifer, doch sein Sohn war wohl eine Ausnahme und benahm sich oft noch wie ein Jüngling von 16 Jahren.
"Herbert" Er trat zu ihm ans Bett und setzte sich auf die Kante, um ihm ein wenig über den Rücken zu streichen, ein Trick, den er seiner Frau abgschaut hatte, denn sie hatte den Jungen so auch immer beruhigen können.
"Du weißt doch, dass der Junge sehr schüchtern ist. Gib ihm mehr Zeit, dann bin ich sicher, wirst du ihn für dich gewinnen können."
Noch immer bekam er keine Antwort, doch das war nicht verwunderlich. Herbert konnte sehr trotzig sein und brauchte meist lange, um wieder zur Ruhe zu kommen. Ganz offenbar war das kein gute Zeitpunkt für eine Moralpredigt, also erhob er sich wieder, um seinen Sohn ein wenig alleine zu lassen.
"Wenn du dich wieder beruhigt hast, sag mir bescheid, dann werde ich Alfred zu dir schicken. Sicher wirst du dich mit ihm aussprechen wollen."
Nun drehte Herbert sich doch herum und sah zu seinem Vater hoch. gerade wollte er sich bedanken, als er merkte, wie sich die Augen des Grafen weiteten und seine Stimmung augenblicklich umschlug.
Er stürzte auf seinen Sohn zu, packte ihn grob am Arm und zog ihn ein Stück hoch, um die Bissspuren an seinem Hals genau sehen zu können, ehe er losdonnerte:
"Bist du von allen guten Geistern verlassen! Wie konntest du ihn in deinem Zustand von dir trinken lassen? Wie oft muss ich dir erklären, dass das gefährlich ist, sogar sehr gefährlich, wenn man verletzt und geschwächt ist so wie du? Wie konntest du nur auf eine solch dumme Idee verfallen?"
Wütend stieß er ihn von sich zurück auf die Kissen. Herbert war noch vollkommen verwirrt von dem Ausbruch seines Vaters, hatte er bis vor wenigen Augenblicken doch noch darum getrauert, Alfred wohl für immer verloren zu haben. Doch zum Nachdenken blieb ihm keine Zeit, sein Vater schritt nun zwischen Fenster und Tür auf und ab und fauchte ihn erneut mit drohender Miene an.
"Ich habe dich etwas gefragt, kannst du nicht antworten?"
"Aber er hat doch nur kurz von mir getrunken, und ich habe vorher ein ganzes Glas voll Blut getrunken, es war nicht schlimm. Ich habe darauf geachtet, dass er rechtzeitig aufhört, glaube mir. Er war doch so durstig und ich dachte... naja..."
"WAS dachtest du, bitte? Dass es dir Spaß machen könnte, deine Gesundheit noch ein wenig mehr aufs Spiel zu setzen, als du es heute Nacht schon getan hast? Wir konnten froh sein, dass wir aus dem Ballsaal lebend entkommen sind, durch die Trümmer haben wir viele unserer Familienmitglieder verloren, dann ziehst du bei diesem Unwetter los, verletzt dich, als du den Jungen rettest, und schließlich ignorierst du deinen hohen Blutverlust einfach und lässt ihn auch noch von dir trinken. Bist du eigentlich noch bei Sinnen?"
"Aber hör mir doch zu, ich wollte doch nur..."
"Ich will nichts mehr hören, Herbert von Krolock! Du wirst hier in deinem Zimmer bleiben und mir nicht mehr unter die Augen treten, bis ich es dir erlaube. Und Alfred wirst du vorerst auch nicht mehr sehen!"
Hoch erhobenen Hauptes verließ er den Raum und schlug die Tür hinter sich zu. Herbert sank in sich zusammen, wusste er doch, dass sein Vater im Grunde Recht hatte, doch er hasste es, von ihm wie ein kleiner Junge behandelt zu werden. Wenn nur Alfred noch bei ihm wäre...
