Vor ihr erstreckte sich ein langer, dunkler Flur. Den breiten Boden zwischen den Wänden bedeckte ein langer, silbern schimmernder Teppich und auf die tief dunkelgrünen Wände warfen spärlich gesäte Kerzenhalter ihr flackerndes Lichtspiel.

Vinya schloss die Augen, atmete tief ein und ein trockener, herb süßer Geruch umhüllte ihre Sinne. In ihrem Kopf stiegen Bilder auf, Bilder von früheren Zeiten, als sie schon einmal hier gewesen war.

Damals waren es morsche Holzdielen gewesen, verborgen unter einem modrigen,farblosen Teppich in der lauernden Dunkelheit, die hin und wieder von ihrem Knarzen aufgeschreckt worden war. Gespenstisches Flüstern hatte sich durch die Gänge gezogen, durch Gänge die sich bis tief unter den Erdboden verzweigten, wo Er gesessen hatte, seine Diener zu sich rufend.

In Gedanken versunken merkte Vinya nicht, wie sich aus den Schatten der Wand eine Figur löste und langsam auf sie zu kam.

Sie schreckte erst hoch, als die Person ihre Hände auf ihre Hüften legte und ihr ins Ohr flüsterte.

Vinya drehte sich um und erschrak beinahe vor Überraschung. "Barty!" Leichte Verblüffung spiegelte sich in ihrem Gesicht wider, als der elegant gekleidete Mann im Halbdunkel vor ihr stand und sie berechnend ansah.

Bartemius' Zunge leckte flink über seine Lippen.

"Störe ich?"

Sein Blick bohrte sich durch ihre Augen, tief bis in ihre aufgewühlte Seele.

Sah er es? Das Chaos das in ihr herrschte? Die dunklen Wogen die durch ihr Inneres tobten, beim Anblick dieser Umgebung? Beim Anblick von ihm?

Versuchte er, allein mit seinem Blick die Dornen, die er bereits in ihr festgesetzt hatte, tiefer in ihr Herz zu stoßen?

Vinyas Kehle wurde trocken und sie festigte ihre Stimme, räusperte sich.

"Wobei solltest du mich stören?"

Bartemius Griff um ihre Hüften lockerte sich ein wenig und er strich hauchzart über ihren Bauch und hoch zu ihren Brüsten. Seine Zunge blitze erneut verspielt hervor.

"Du sahst so nachdenklich aus."

Vinya schob seine Hand von sich fort und wandte sich von ihm ab, ließ ihren Blick über das Innere des Gebäudes schweifen.

So dunkel,warm und vertraut, der Kälte und dem Tod die dem Haus inne wohnten zum Trotz.

"Es ist lange her, dass ich das letzte Mal hier war..."

Sie streifte den Umhang von ihren Schultern, legte ihn über ihren Arm und blickte wieder zu Bartemius. "Wann wird es beginnen?"

Bartemius trat zu ihr heran und strich ihre langen, dunkelroten Haare hinter ihre Ohren, vermied dabei allerdings den Augenkontakt und ließ seinen Blick über ihr Dekolleté wandern als er zu Vinya sprach.

"Das ist der eigentlich Grund, wieso ich schon wieder bei dir bin...da sich auf Grund verschiedener Vorkommnisse alles etwas verzögert, wirst du unserem Meister erst morgen gegenüber stehen. Jetzt..."

Seine Zunge kam wieder für den Bruchteil einer Sekunde zum Vorschein.

" Jetzt werde ich dir dein Gemach zeigen. Da Lucius diese Aufgabe nicht übernehmen wollte und Bella & Rodolphus noch unterwegs sind, wurde mir diese Ehre zuteil. Du solltest dich vor der morgigen Zeremonie besser ausruhen."

Die Dornen pressten sich enger an ihr schneller schlagendes Herz und es war unmöglich, das Hochzucken ihrer Augenbraue und eines Mundwinkels zu verhindern.

Unverhohlen sah sie Barty süffisant lächelnd an.

"Ausruhen?"

Bartemius überging die Bemerkung und nickte in Richtung der sich zu 2 Seiten erhebenden Treppe, kurz vor ihnen.

"Da lang, deine Schlafkammer liegt in der zweit obersten Etage."

Er schob Vinya halb mit leichtem Druck auf ihren Hüften, um die sein rechter Arm geschlungen war, zum Fuß der Treppe, halb lief sie selber.

"Schade eigentlich, dass du oben einquartiert wurdest und nicht im Keller." Murmelte Bartemius und glitt mit seiner Hand von ihren Hüften hinab über ihre Schenkel.

Vinya drehte sich um, schob sich sanft gegen ihn und fragte, einem Flüstern gleich "Im Keller?" während ihre Fingernägel verspielt über Bartemius Brust abwärts zu seinem Schritt kraulten.

Sie konnte nicht einmal genau sagen, was sie an diesem Mann so faszinierte, aber sie ertrank beim bloßen Gedanken daran, seinen nackten Körper an ihrem zu spüren und sich ihm völlig hinzugeben.

Schon wieder wurde ihre Aufmerksamkeit von seinem Körper auf dieses so eigene Spiel seiner Zunge gelenkt, als er sie mit einem Mal grob an ihren Haaren packte. Erschrocken schnappte sie nach Luft, versuchte den plötzlichen Schmerz zu fassen, doch bevor sie etwas sagen konnte, zerrte Bartemius sie herrischen Schrittes die Treppe hoch.

Jeder Versuch sich zu wehren war sinnlos und der ungewohnte Schmerz trieb ihr fast die Tränen in die Augen. An den Haaren eine Treppe hochgeschleift zu werden, mit Knien, Rippen und Ellenbogen gegen jede Kante zu stoßen und zu fühlen, wie beinahe die Haut vom Kopf gerissen wurde, hatte nichts erregendes an sich. Es war purer, erbärmlicher Schmerz. Als sie versuchte ihr Gewicht gegen seines zu stemmen, sich loszustrampeln, gaben lediglich ihre Knie nach, dem Schmerz und der ruckartigen Bewegung erlegen.

Mit einem lauten Knall trat er die schwere, dunkle Eichentür auf und stieß Vinya schroff beiseite. Sie prallte auf den harten, nackten Parkettboden und konnte sich gerade noch ein Wimmern unterdrücken, als er nicht weniger bestimmt die Tür wieder schloss.

Vinya wollte aufstehen, ihr Blut kochte und alles was sie wollte war Bartemius die Kehle durchzuschneiden, doch bevor sie die Gelegenheit dazu bekommen hätte, trat Bartemius sie mit dem Fuß in ihrem Nacken erneut zu Boden. Ungeduldig zerrte er sich die Krawatte von seinem Hals und begann seine Brokatweste aufzuknöpfen, während er lieblos zu ihr herunter sah und sie fester gegen den kalten Holzboden presste.

"Erspar dir die Mühe, ich mache hier die Regeln."

Zur Bekräftigung beugte er sich zu ihr hinab und riss erneut ihren ganzen Körper an ihren Haaren hoch. Ihr Nacken war in einen unnatürlich gespannten Winkel gebogen, ihre Kleidung hing unbeholfen an ihr herab und ihre Augen blickten hasserfüllt zu Bartemius hoch.

Sein herausfordernd kühler Blick jagte Splitter durch ihre Magengrube und sie wand sich unter seinem Griff.

Es war sinnlos, denn nur mit einer Hand hatte er sie völlig unter Kontrolle. Mit der anderen riss er achtlos ihre ohnehin schon zuviel preisgebende Bluse auf, schob ihren Rock über ihre Hüften und ließ Vinya letztendlich achtlos wieder zu Boden fallen.

Mit einem satten, lasziven Geräusch riss er den Gürtel aus seiner Hose und kniete sich vor sie. Seine sehnigen, kräftigen Finger umschlossen ihren Kiefer wie ein Schraubstock und zwangen sie dazu, ihn anzusehen.

"Du hast gesagt du würdest alles tun." Seine Stimme war ein verführerisches Flüstern und in seinen Augen loderten die vorher so kalten Abgründe. Er leckte sich fordernd über die Lippen. "Jetzt zeig mir, was du tun würdest um deinen Meister zufrieden zu stellen.

Es war dunkel in den Gemäuern der schwarzen Schar. Doch es war nicht schlichte,normale Dunkelheit.Es war, als hätte ein schweres, nebliges schwarzes nichts die herb riechende Luft erstickt und ihre kraftlose Leiche gefräßig verschlungen.

Die unförmigen,beinahe Materie losen Finger der Dunkelheit streckten sich träge, vollgefressen durch die wie ausgestorbenen Gänge, und ihr nur vorstellbarer Mund stieß einen tiefen, lethargischen Schrei aus, der alles körperliche das eventuell noch lebte unwohl vibrieren ließ in seiner puren Substanz.

Was war geschehen?

Wo war er?

Wo waren all die anderen?

Vinyas nackte Füße berührten den eisigen Steinboden und sie erschauderte, denn jeder Schritt den sie tat, schickte zittrige Wellen durch den unmöglich zu erkennenden Boden, wie ein Tropfen Blut, der auf einen schon zu lange verwesenden See aus Körperflüssigkeiten traf.

Man konnte es riechen, bei jedem Schritt.

Jede Bewegung schreckte die lauernde Dunkelheit auf und unsichtbare Wolken des Geruchs den sie verloren hatten, waberten durch das undurchdringliche Nichts.

Alles war zu riechen, die Tränen die vergossen wurden, ihr kaum wahrnehmbarer wässriger Salzgeruch, der bittere, beißende Geruch von Angstschweiß, den sie beim Kampf verloren haben müssen, das modrige Aroma von getrocknetem Blut und alles,wovon sich ihre Körper im letzten Augenblick vor dem Tod schwächlich, kraftlos und jegliche Würde aufgebend entledigt hatten.

Sie waren zu kränklichen, wertlosen Fleischklumpen geworden. Unfähig sich oder die anderen zu retten, wurden sie vom Tod langsam und erbärmlich zu ihm gezogen.

Hungrig und erbarmungslos hatte er sie gefressen, als kleine Appetitanreger. Bedauerlich, so ein Schicksal, wo doch sie selber den Tod austricksen und seine Macht in sich aufnehmen, sie essen wollten.

Die Todesser.

Strauchelnd setzte Vinya ihren Weg fort, darauf bedacht, die Aufmerksamkeit der vom großen Fressen ermüdeten Dunkelheit nicht durch zu zögerliche oder zu hektische Bewegungen auf sich zu ziehen.

Plötzlich blitzte weit vor ihr etwas auf.

Hatte sie sich das eingebildet oder waren dort Augen in der Dunkelheit die sie beobachteten?

Ein dumpfes, unwirkliches Pochen ertönte hinter ihr.

Nicht umdrehen,bloß nicht umdrehen, was auch immer es war, irgendwas in Vinya befahl ihr, sich auf gar keinen Fall umzudrehen.

Aber das Aufblitzen hatte sie sich nicht eingebildet. Vor ihr im schwarzen,stickigen Nichts tauchten verzerrte Augen auf, die Konturen blutig rot wie mit einer Rasierklinge in schwarze,verbrannte Haut geritzt.

Das kontinuierliche Pochen hinter ihr wurde schneller. Wurde lauter.

Was auch immer es war, es kam näher.

Nicht umdrehen, weiter gehen. Aber vor ihr waren die blutig weinenden Augen, lauernd auf frische Nahrung. Sie beobachteten sie. Ein gespenstisches Flüstern ging von ihnen aus.

Sie sprachen zu ihr.

Ein elektrisierender Schlag traf Vinya und kerzengrade schreckte sie in ihrem Bett hoch.

Schweißperlen bedeckten ihre Stirn und ihr Atem ging in heftigen Stößen. Aufgebracht pumpte ihr Herz hektisch das Blut durch die Venen und ihr Hals fühlte sich trocken und wie zugeschnürt an.

Sie wollte gerade die Decke zurückschlagen, als jemand ihre Hand ergriff.

Vinyas Blick zuckte unwillkürlich zur Seite und traf auf Bartemius' unergründliche Augen, die sie ansahen.

Wäre es nicht Bartemius Crouch Jr gewesen, hätte sie fast gesagt, dass er sie besorgt ansah, doch das war in etwa so wahrscheinlich wie die Entdeckung, dass Lucius Malfoy einen geheimen Fetisch für rosa verpackte Weihnachtsgeschenke mit Häschen-Muster hatte.

Wieso war Bartemius noch bei ihr, in ihrem Bett? Wieso ist er nicht gegangen, nachdem er mehr oder weniger seinen Spaß gehabt hatte?

Diese Tatsache beruhigte ihr wie im Amoklauf schlagendes Herz nicht wirklich. Wie weit wollte er dieses Spiel denn treiben?

War der Anflug von Besorgnis in seinen Augen echt, oder war er nur ein verdammt guter Schauspieler? Sollte sie ihm glauben, sich einmal in ihrem Leben der Illusion hingeben?

Aber sie hatte wirksam genug gelernt, so jemandem keinen Glauben zu schenken. Allerdings würde es das Ganze interessanter machen, wenn sie der kleinen Sache zwischen sich und ihm ein bisschen Tiefe gäbe. Bestimmt würde Bartemius ihr glauben, dass sie auf ihn herein fällt, die Kontrolle verliert, Narzissmus und Selbstüberschätzung waren grundlegende Charaktereigenschaften eines Todessers. Oder unterschätzte sie nun ihn aus lauter Überzeugung von ihr selbst?

Bartemius strich ihr mit seinen Fingerspitzen über die Stirn, wischte die Schweißperlen von ihrer Haut und leckte sie mit seinem unkontrollierbaren Zungenreflex von seinen Händen. Da war es wieder, dieses provokative, wahnsinnige Funkeln mit dem er sie ansah, das sie heute Nacht schon so oft und klar in seinen Augen hatte durchdringen sehen.

Bartemius würde es mögen, zu denken sie in seiner Gewalt zu haben. Auch wenn er es nicht wirklich glaubt, er würde es glauben wollen. Vielleicht war es ja möglich, das zu ihrem Vorteil auszunutzen.

Mit einer Stimme,rauh wie Schmirgelpapier versuchte sie zu sprechen.

"Du bist ja immernoch hier..."

Bartemius rückte näher zu ihr, schlug die Decke zurück und sah sie aufmerksam an.

"Sollte ich etwa nicht?"

Vinya rieb sich verschlafen die Augen und blickte mit gerunzelter Stirn zurück.

"Es wundert mich nur...du gehörst nicht zu den Menschen, die am nächsten..." Kurze Pause. Gedankenarbeit.

"Meinst du nicht, man sollte uns besser nicht morgens zusammen sehen?"

Ein Hauch von Amusement gepaart mit Arroganz huschte über Bartemius Gesicht.

"In so einer Situation ist man als Mann immer besser dran,als als Frau.Ich habe hier einen festen, sicheren Status."

Er schmunzelte. "Du bist der fragliche Neuankömmling, der nichtmal zu unseren Reihen gehört, ich der treueste Diener den Voldemort jemals hatte. Ich bin ein Mann, du bist die Hure wenn man uns sieht."

"Dann wäre das ja auch geklärt..."

Mürrisch verzog Vinya das Gesicht,ließ von Bartemius' Hand ab und rückte zur Bettkante um aufzustehen.Ein stechender Schmerz schoss durch ihren Kopf und sie zuckte zusammen.

"Verdammte Albträume..." murmelnd legte sie den Kopf in die Hände und fühlte, wie Bartemius' Körper sich an sie drückte und er sie vorsichtig über ihren Kopf streichelnd in den Arm nahm.

"Du hast dich vorhin verkrampft und plötzlich panisch um dich geschlagen." Er nestelte mit seiner Nase an ihrem Ohr. "Was hast du denn so schlimmes geträumt?"

Vinya drehte sich in seinen Armen zu ihm um und atmete tief ein und aus, Bartemius' angenehmen Geruch von dezentem Moschus genießend.

"Irgendwie...naja...ich hatte kein gutes Gefühl. Ich habe von einer Sache geträumt, die hier passiert ist. Oder passieren wird. Was auch immer...jedenfalls...alles hier war tot und modrig und leer. Die Dunkelheit, sie war lebendig und hatte alle in sich aufgenommen, nur noch der verweste Geruch der Leichen aller hing in der Luft und da war ein Pochen...und Augen.." Bartemius drückte sie fester an sich und sie presste sich gegen seine Brust. "Barty, diese Augen in der Dunkelheit..."

Bartemius Brustkorb hob und senkte sich langsam und schwer. Zögernd begann er zu sprechen. " Ich weiß wovon du redest..."

Vinya hob ihren Kopf und sah ihn an, als hätte er grade gesagt dass er lilane Elefanten sähe.

"Bitte was?"

Bartemius legte seinen Kopf in ihren Nacken und sie spürte, wie sein Atem jedes Härchen an ihrem Körper aufstellte und ihr eine Gänsehaut aufzwang.

Ruhig löste er sie ein Stückchen von sich, und deutete sie wieder mit sich aufs Bett, wo er sie halb auf sich zog, ihren Kopf auf seine Brust gelehnt.

"Hör zu Vinya..." Seine Stimme war belegt und er sprach sehr langsam.

"Ich kenne dich nicht gut genug, um dich in dem Punkt einschätzen zu können, aber ich würde dir gerne etwas aus meiner Zeit in Azkaban erzählen..."