HYA und ein frohes Neues!

Nach den Neujahrsraketen gibt es nun auch viel Rauch in Forks, Siobhan sinniert üer Männerfreundschaft, Tanya verabscheut es zu verlieren, Kate legt Garrett auf den Rücken und der versteht die Frauen nicht.

Viel Spaß!

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2. Kapitel – a lot of smoke

Siobhan

Ich mag unseren Freund Garrett. Der amerikanische Nomade besitzt eine natürliche Neugier, die Fähigkeit, Dinge unbefangen zu betrachten und einen neuen Blickwinkel zu gewinnen. Er versucht allem, was sich seinem Verständnis entzieht, auf den Grund zu gehen.

Auch wenn ich ihn anfangs für einen typischen Nomaden gehalten habe, der annahm, mit einem anderen umherziehen zu können. Damals war der andere Liam. Ich habe nicht vermutet, dass sie sich so gut verstehen würden.

Bisher hat Liam nur für wenig andere Sympathie entwickelt. Außer mir. Das stört mich nicht, er gehört mir, er braucht niemanden sonst. Ich bin sehr froh, dass er zumindest vorgibt, den Avancen anderer Frauen, ob vampirisch oder menschlich, gegenüber blind zu sein.

Er sieht Carlisle Cullen als unseren Freund an. Und Nomaden aus dem Norden, allen voran dem Kempen des Zirkels gegenüber.

Mich überrascht die Kameraderie erst, die so plötzlich zwischen Garrett und Liam entsteht. Aber dann wird klar, dass sie dasselbe Feindbild haben. Sie mögen die Rotjacken nicht besonders, sie haben beide in Kriegen für ihr Land gekämpft und sind dort auch zu Grunde gegangen.

Ich freue mich für die beiden Soldaten – Captain und Leutnant, darauf legen sie viel Wert – dass sie einen Verbündeten, einen „Brother in Arms" gefunden haben. Obwohl sie so unterschiedlich in ihrer Persönlichkeit sind.

Aber die Tage, in denen sie ohne uns, ohne mich unterwegs sind, auf der Jagd nach englischen und schottischen Soldaten – rate, wer das in Gang gesetzt hat – dehnen sich in die Unendlichkeit. Selbst mit Maggies Gesellschaft. Ich habe es für eine gute Idee gehalten, die beiden Männer loszuschicken. Hielt es für möglich, dass es Liams Misstrauen anderen gegenüber lockern würde. Habe nicht damit gerechnet, dass mein Mann sechs Tage von mir getrennt wäre und ich wahnsinnig würde. Es fühlt sich falsch an, dass er nicht hier ist.

Ich kann sie lachen hören, als sie den Hügel hinauf kommen. Ich bin mir sicher, dass sie die gesamte Zeit draußen verbracht haben.

Garrett verabschiedet sich von uns, will sich Sevilla ansehen, Pisa und danach Richtung Prag. Ihn begeistern die großen Bauwerke, die Kunstfertigkeit, die es erfordert hat, sie zu errichten.

„Ihr hattet also Erfolg?", frage ich, ihre Augen sind leuchtend rot, ihr Durst wird für die nächsten beiden Wochen gestillt sein. Ausreichend.

Liam lehnt am Tisch. „Oh, álainn, so viele Rotjacken tummeln sich gerade in Schottland!", schwärmt er. Wir verlassen Irland und die britischen Inseln nur ein paar Mal im Jahr, Liam fühlt sich auf seinem Heimatgrund am wohlsten. Ich bin damit zufrieden, meistens, meine Ruhelosigkeit ist verschwunden, seitdem ich ihm begegnet bin.

„Wohin geht Garrett, wenn er in Prag gewesen ist?", 1876 haben wir ihn das erste Mal getroffen. Nun, 1882 hat er uns einen Besuch abgestattet.

„Das sehen wir dann. Er weiß auch nicht, ob sein Weg ihn direkt dorthin führen wird."

Garrett der Abenteurer lässt sich gern treiben, hat zwar eine Vorstellung, von dem was sein soll, aber entscheidet spontan, intuitiv. Die Reise über Sevilla und Pisa kann schon eine Dekade oder länger dauern. Dort unterscheiden wir uns. Ich plane voraus, weiß, wann ich wo sein werde, sollten wir uns auf eine Reise begeben.

Liam blickt mich an und lächelt. Ich habe nicht damit gerechnet, dass mir das Körperliche so wichtig ist. Aber wie viel es bedeutet, erfährt Frau erst, wenn sie ihre Bedürfnisse nicht auf der Stelle stillen kann.

„Hast du mich wenigstens vermisst?", gurre ich, streichle seine stoppeligen Wangen. Mein Mann schließt die Augen, genießt die Berührung. Ich mag das leichte Kratzen seines Bartes, es prickelt an den richtigen Stellen.

„Aye.", summt er.

Drücke meinen Mund auf seinen, fordere ihn heraus, wie eine bedürftige Neugeborene. Meine Hand wandert, zwängt sich zwischen uns, streift hinab, packt zu. Liam knurrt. Dränge mich noch näher an ihn, ertaste genauer seine Männlichkeit, die sich unter meiner Berührung streckt.

„Maith, maith (gut, gut). Ich ebenfalls.", raune ich, sinke vor ihm auf die Knie.

Liams Blick folgt mir, aufmerksam, abwartend. Blicke zu ihm hinauf, bevor ich seine Hosen hinab ziehe und meinen Preis betrachte. Mein Soldat, mein Captain, salutiert mir dienstbewusst. Wieder klingt es fast wie ein Knurren, das tief aus Liam emporrumpelt. Er kann meine Bedürftigkeit riechen. Lecke mir über die Lippen, bevor ich sie um seine Männlichkeit schließe, meine Zunge um seinen Schaft gleiten lasse. Mein Mann stöhnt wohlig auf, als ich mich an ihm vergehe, streichele, lecke, sauge, damit er ja nicht vergisst, stets zu mir zurückzukehren.

Ich neige mein Haupt vor niemandem. Doch seit ich Liam kenne, verstehe ich den Unterschied. Es beflügelt mich, diese Macht zu haben. Meinen Mann sprichwörtlich in der Hand zu haben. Wir sind beinahe 200 Jahre zusammen und noch immer verliert sich Liam in Ekstase, wenn ich vor ihm in die Knie sinke.

„Siobhan", stöhnt Liam, vergräbt eine Hand in meinem Haar. Spüre das Pulsieren in seiner Länge, die den herannahenden Höhepunkt ankündigt. Verstärke meinen Druck auf sein bestes Stück, als mein Trodaí (Krieger) kommt. Verharre einen Moment, lächele, bevor ich ihn freigebe.

Lehne mich ein Stück zurück, lächele verschlagen zu ihm hinauf, als er mich an den Oberarmen packt und zu sich hinauf zieht. Liam mustert mein Gesicht, versucht einen Grund für meinen Überfall zu finden. Garretts Platz ist noch nicht kalt und schon reibe ich mich an meinem Trodaí. Normaler Weise bin ich taktvoller.

Aber unter normalen Umständen muss ich ihn auch nicht teilen. Attackiere erneut seinen Mund, erforsche seine Lippen, unsere Zungen duellieren sich. Liam stößt sich vom Tisch ab, zieht mich heran, unsere Körper komplett miteinander in Kontakt.

Zerre an seiner Weste, am Hemd, küsse seinen Hals, lasse meine Finger in den Ausschnitt gleiten. „Komm", befehle ich stöhnend, als seine Hände ein Eigenleben entwickeln. Ziehe ihn zu unserem Bett. Oh, wie wenig Verständnis hatte er für dieses Möbelstück gezeigt! Auch ich habe Betten, bevor ich ihn traf, meist als Schreibtische oder Kleiderschränke genutzt, habe ich denn meine Zeit in Zimmern verbracht. Doch als ich Liam traf, war ein Bett für mich sinnvoll. Auch wenn ich längst gelernt habe, dass Sex und Verlangen nichts mit Kissen zu tun hat. Dass genauso gut Häuserwände, Speicher, Strohballen, Waldböden und Tische gereichen. Hmmm.

Liam lächelt verschmitzt. Ob er versteht, dass ich rollig wie eine Katze bin, nur weil er ein paar Tage nicht da war?

Stoße meinen Soldaten auf die Matratze. Sein Ding steht noch immer aufrecht, ruft nach mir, nach Zuwendung, seine Hose hängt in seinen Kniekehlen.

„Du hast zu viel an, álainn.", murmelt er wie hypnotisiert, als ich auf seinen Schoß sinke, doch meine Röcke uns trennen.

Wir kommen uns entgegen, sein glühender Mund wandert meine Schulter hinab, seine Finger nesteln an meinem Mieder. Drücke ihn in die Kissen, unterbreche sein Tun, zerre sein Hemd fort. Seine breite Brust hebt und senkt sich hektisch. Meine Finger gleiten über die Muskeln, streichen über sein Brusthaar, mein waschechter Kerl, bevor ich mich seinen Oberkörper hinab küsse, uns seiner Hosen endgültig entledige, meine Finger in Muskeln drücke, kratzend, als ich mich aufrichte, meine Röcke raffe und ohne Vorwarnung auf seine steil aufgerichtete Männlichkeit herabsinke.

Wir stöhnen beide auf, genießen einen Moment unsere Vereinigung, bevor ich mich vor und zurück wiege, mich auf und ab senke.

Liams Pranken umklammern meine Oberschenkel, bevor er sich aufrichtet, mir einen sengenden Kuss aufdrückt. „Zu viel", keucht er, zerrt an meinem Oberteil. Der Stoff reißt unter seinem Tun.

„So wunderschön.", murmelt er, als er meinen Busen vom Stoff befreit, eine Hand fordernd darüber gleitet, ich komme das erste Mal, als sich sein Mund um einen Nippel schließt. Sein heißer Atem, das Prickeln seiner Bartstoppeln, seine Zähne, die an empfindsamer Haut ziehen.

Doch mein Trodaí hat Fahrt aufgenommen, entledigt sich meiner Röcke, als ich noch Sterne sehe, wirft uns in den Laken herum. „Is áille ar fad álainn (Schönste aller Schönen)", murmelt er, seine Hände gleiten fordernd über meinen Körper. Seine langen Finger streichen herausfordernd über meine intimste Stelle. Sein heißer Mund findet meinen. Stöhne in seinen Mund, als zwei Finger in mich eindringen, sein Daumen meinen Venushügel streichelt, ein Rhythmus, der mich wieder Richtung Delirium treibt. Schlage meine Nägel in seine Schultern, als er mich in Höhen bringt, die mir immer wieder aufs Neue die Stimme rauben. Winde mich unter seiner Hand, keuche und stöhne, als wäre dies das erste Mal, dass ich so empfinde. Das ist es nicht, und doch fühlt es sich intensiver, sehnsuchtsvoller an, als sonst. Meine Muskeln zittern, als sie ihren Dienst quittieren. Liams raue Hände massieren und kneten meinen Busen, spielerisch beißt er hinein. Kraule seinen Nacken, drücke ihn fester an mich. Wer verführt hier eigentlich gerade wen?

„Oh trodaí", flüstere ich, ziehe seine verführerischen Lippen zu mir hinunter.

Wir kämpfen um die Oberhand, bevor ich wieder über ihm bin. Mein Soldat liebt es, wenn ich ihn reite, er alles sehen, alles fühlen kann.

Wir lieben uns vier Tage lang, fast genauso lang, wie er nicht bei mir war. Erst danach geht es mir besser, fühle meine Gier gestillt.

Tanya schwört, dass sie Garrett schon einmal gesehen hat. Auf einem Straßenfest. Irgendwann in den goldenen 20igern. Warum er ihr im Gedächtnis geblieben ist, kann sie nicht genau sagen, hatten sie doch keinerlei Interaktion miteinander.

Ich würde behaupten, es ist etwas in seinen Augen, ein Funkeln, etwas, was man nicht in jedem Vampir findet.

Carlisle und Esme sind zurückgekehrt und haben Carlisles ältesten Freund mitgebracht. Ich würde Alistair nicht unbedingt einen Freund nennen, Alistair hat keine Freunde, weil er ein misstrauischer, eigenbrötlerischer, alter Kauz ist und sich die meiste Zeit auf dem Dachboden versteckt. Er ist immer auf Wanderschaft, allerdings hält er sich erstaunlich oft in Britannien auf. Maggie sagt, er sieht aus wie Kurt Kobain als Vampir aus. Ich weiß nicht so recht, ich habe mir Bilder des besagten Musikers angeschaut.

Alistair umgibt noch immer eine Aura edler Herkunft. So soll es ja gewesen sein, bis sein Vater ihn an Asteroth verkauft hat.

Seitdem sie zurück sind, haben Kate und Zafrina damit begonnen, Bellas Gabe zu testen.

Kate

Zafrinas Gabe ist interessant, ja, aber sie gibt Bella nicht genügend Anreiz. Sie verursacht keine Schmerzen, nur ein schales Gefühl, eine Beklemmung, plötzlich den eigenen Augen nicht mehr trauen zu können. Carmen, Siobhan und Maggie sind oft bei Bellas Trainingsstunden dabei, nur Zafrinas Tests meiden sie. Es ist unnatürlich für uns übernatürliche Geschöpfe, plötzlich so hilflos zu sein. Eleazar erklärt, dass Alecs seltsamer Nebel ähnlich, nur in allen Sinnen, wirken würde.

Eleazar, Carlisle und Siobhan sind es auch, die ich häufig mit den Köpfen zusammen sehe. Sie sind sich ähnlich.

Das Publikum unseres mentalen Trainings wechselt, nur Garrett ist von den „normalen" Vampiren derjenige, der immer anwesend ist. Ich frage mich, ob er das tut, um mich zu quälen, sich über mich lustig zu machen oder ob er wirklich so neugierig ist.

Immerhin ist Bella eine Kuriosität. Eine Neugeborene die jeglicher Normen entbehrt. Sie hat nicht Unrecht, sie scheint für dieses Leben geschaffen zu sein.

Zum Kampftraining kommen fast alle. Alle wollen sehen, wie der riesige Emmett Cullen vor seiner Schwägerin in die Knie geht.

Ich sehe Eleazar gern dabei zu, als er einige Taktiken der Volturi erklärt. Kampftechniken, die sie erlernt haben, aber selten gebrauchen, dafür haben sie ja ihre teuflischen Zwillinge.

Peter und Charlotte halten sich zurück, auch wenn Peter immer wieder Bellas Haltung korrigiert, ohne sich aktiv zu beteiligen. Auch Randall und Mary bieten sich an. Mary ist die einzige Vampirfrau, gegen die Bella im Nahkampf antritt. Bella redet davon, das man Familie nicht angreift und Freunde schon gar nicht. Doch im Gegensatz zu uns anderen, springt Mary einfach auf sie zu, ohne Rücksicht auf ihr Gerede.

Mary und Garrett kennen sich anscheinend recht gut. Deswegen schreitet er diesmal ein, zeigt auf, an welchen Stellen Mary anders reagieren sollte, was seiner Meinung nach Haltungsfehler bei Bella sind. Wie ein Ochs vorm Baum starre ich ihn an, bin wie hypnotisiert von seiner Stimme. Sie ist verändert, wenn er erklärt. Bella sieht zu ihm auf und nickt, wenn sie verstanden hat.

Ich möchte Mary die Augen auskratzen, als sie und Garrett demonstrieren, was wir alle gerade gelernt haben. Sie kommen sich verdächtig nahe. Mich hingegen straft er mit Nichtachtung, so scheint mir. Auch wenn meine Schwestern behaupten, ich sei ihm gegenüber sehr unhöflich und er würde mich deswegen weitestgehend meiden.

Ich springe ihr ins Gesicht! Garrett und Mary knallen zusammen, reißen sich gegenseitig auf den Waldboden nieder und bleiben lachend liegen, stoßen sich an, bevor sie sich lachend umarmen.

Schäume innerlich und wende mich ab.

Was auch immer er tut, berührt mich nicht mehr. Das mit uns ist Vergangenheit. Es war die richtige Entscheidung, das mit uns nicht über die Maßen zu strapazieren. Alles hat seine Zeit. Unsere gemeinsame Zeit war abgelaufen, noch bevor sie richtig begonnen hatte.

Mache ein paar stampfende Schritte zurück zum Haus.

„Kate!", Garretts Stimme klingelt in meinem ganzen Körper. Ich kann Tanya und Carmen kichern hören. „Man sagt, du könntest einen Vampir umwerfen." Als ob er das nicht genau wüsste! Ich habe ihn auf den Rücken geworfen! Hat er bis heute nicht herausgefunden, dass ich mich niederer Tricks bedient habe?

Drehe mich zurück. „Ja.", atme tief ein, „Neugierig?", wenn er so tut, als würden wir uns nicht kennen, werde ich mir nicht die Blöße geben. Wir hätten das zivilisiert über die Bühne bringen können, aber wenn er nicht kooperiert.. Selbst Schuld. Strecke meinen Arm aus und recke die Hand vor, meine Finger zappeln in Erwartung.

Der zerzauste Nomade kommt auf mich zu, die anderen dicht auf seinen Fersen. „Das habe ich noch nie gesehen.", er ist so jung! Er hat so vieles noch nicht gesehen! „Das kommt mir übertrieben vor…"

Argh! Wir sind zwei Armlängen auseinander. Seine und Meine. Ich hatte vergessen, was für ein Riese er ist. Ich hatte vergessen, wie gut er aus der Nähe aussieht.

Ich sehe es in seinen Augen! Er weiß genau, dass wir uns kennen. Er erinnert sich.

Natürlich tut er das! Unser Gedächtnis ist unfehlbar!

„Vielleicht wirkt es nur bei den Schwachen und Jungen.", lasse meine Finger tanzen. Garrett verzieht seinen Mund zum einem lässigen Lächeln. Der Abenteurer, der jede Herausforderung annimmt. Du hast ja keine Ahnung, Junge. Wir starren uns an, seine roten Augen funkeln erwartungsvoll, als er seinen Arm ausstreckt und meine Handfläche mit dem Finger berührt. Konzentriere mich und verpasse ihm einen heftigen Stromstoß.

Erschrocken schnappt er nach Luft, sackt auf die Knie, einen kurzen Augenblick orientierungslos. Selbst auf den Knien ist er noch groß, im Vergleich zu mir.

Dann schüttelt er den Kopf und blickt mich an. Neugierde im Blick. Und Bewunderung? „Wow", bringt er hervor. „Du bist eine beeindruckende Frau.", ich meine, ihm hängt noch etwas auf den Lippen, aber er schweigt. Zucke betont gleichgültig mit den Schultern, lächele süffisant und wende mich ab. Das ertrage ich nicht länger.

Ich lenke mich die nächsten Stunden ab. Unterhalte mich mit Randall, sinniere mit Rosalie über unsere erste Begegnung 1942. Carmen und Tanya sind nicht zu sehen, aber vielleicht plaudern sie mit ihrem neuen Kumpel Garrett, den Carmen einen außergewöhnlich charmanten und guterzogenen Gentleman nennt. Danke mir ist schon übel! Als die Dämmerung aufzieht, beobachte ich eine Szene, die mich stutzig macht.

Der irische Zirkel, sowie Ben und Tia scheinen zur Jagd aufbrechen zu wollen. Garrett steht bei ihnen. Strenge mich an, um Siobhans Worte zu verstehen.

„Eine Zeitlang waren sie fast Gold.", tatsächlich klingt sie ein wenig betrübt. Garrett zuckt mit den Schultern.

„Es gibt immer Höhen und Tiefen.", antwortet er unbestimmt. Worüber reden sie, verdammt?!

„Mir ist zu Ohren gekommen, dass du es erneut versuchen wirst. Mir ist zu Ohren gekommen, du bist dazu eingeladen worden.", Siobhans Stimme tanzt neckisch. Garrett grinst sie an, wechselt einen Blick mit Liam und wackelt mit den Augenbrauen.

„Ihr ist zu Ohren gekommen", neckt er sie und spricht damit wohl die beiden Männer, Liam und Benjamin an. „Was dir nicht immer alles zufällig zugetragen wird. Aber deine Ohren haben richtig gehört.", bestätigt er.

„Ich wusste, dass du nicht aufgeben würdest.", motivierend. Siobhan lächelt.

„Ich habe nicht aufgegeben!", entrüstet er sich. „Ich habe eine Pause gemacht. Du weißt wie deliziös das ist.", schüttelt sich. Siobhan lacht nickend.

„Du wirst uns also nicht begleiten?", hakt sie nach.

„Eh nein. Aber wie sieht es aus, ihr seid herzlich eingeladen.", Garrett blickt die Irin und ihren Ehemann an. Maggie zieht die Stupsnase kraus.

„So siehst du aus.", erwidert Liam und schüttelt schmunzelnd den Kopf. In Garretts Gegenwart wirkt Liam weniger düster, sie wirken fast wie zwei normale Jungs miteinander.

Im nächsten Augenblick sind die Iren und die jungen Ägypter davon.

Garrett dreht sich um und blickt mich an. Ein Moment, in dem Zeit und Raum den Atem anhalten, so fühlt es sich an. So hat es sich auch 1924 angefühlt. Diese Augen verfolgen mich seit jeher. Keiner der Männer hat je wieder dieses Funkeln gehabt, oder seine Anziehungskraft. Ich gebe ihm daran die Schuld, dass meine Liaisons zwar befriedigend, aber nicht von Dauer waren. Sobald meine Gedanken wieder klar werden, kehrt die Leere zurück.

Dabei ist uns beiden klar, dass es eine richtige Entscheidung gewesen ist. Wie hätten wir sonst leben sollen? Wir hätten uns gegenseitig gegeißelt, es ist besser so.

„Da bist du ja, Schwesterchen.", flötet Tanya und legt ihren Arm um mich. Wir glauben, dass die Volturi anhalten und zu hören werden. Es beschwingt uns alle. „Wir gehen Jagen. Komm schon."

Emmett und Edward rennen ohne uns los, gut so. Ich mag Emmett, stille meinen Durst aber lieber stilvoller als er und mit weniger Lautstärke. Carlisle und Eleazar unterhalten sich mit Garrett. Carlisle klopft Garrett lachend auf die Schulter.

„Ich weiß ja, dass du alles einmal ausprobierst, aber damit habe ich nicht gerechnet.", Carlisle.

„Es ist nicht besonders appetitlich, aber interessant.", antwortet Garrett. „Doch ich verstehe Emmett und… Jasper absolut.", er spricht den Namen des Majors mit Vorsicht aus, will keine emotionale Krise heraufbeschwören. Carlisle nickt besonnen.

„Was will er hier?", knurre ich. Die Männer blicken mich an. Carmen rammt mir ihren spitzen Ellenbogen in die Seite.

„Garrett begleitet uns auf die Jagd.", erklärt Carlisle.

„Es schmeckt nicht besonders gut.", brumme ich. Ich will nicht, dass er mitkommt. Nicht, weil ich seinen Sinneswandel nicht unterstütze, sondern weil ich seine Nähe nicht ertrage.

„Ich weiß.", antwortet er.

Tanya legt den Kopf schief und lächelt kokett. „Du weißt?"

„Es ist nicht das erste Mal, dass ich eine vegetarische Jagd veranstalte.", erklärt er unbefangen, als sei es das Normalste der Welt zwischen den Nahrungsquellen hin und her zu springen. „Ich weiß also, dass Wild weder gut riecht, noch besonders schmackhaft ist, Katie."

„Kate ist der Name.", knurre ich undamenhaft und stapfe voran.

Ich kann Tanya „Verzeih ihr", sagen hören, als ich über meine Schulter nach ihnen sehe, hakt sie sich bei Garrett unter und fordert, dass er ihr die Geschichte seiner ersten „vegetarischen" Jagd erzählt.

Ich bevorzuge Karibus, hier werde ich mich mit einem kleineren Wild zufrieden geben müssen.

Nachdem wir in alle Windrichtungen davon gestoben sind, habe ich mich allerdings auf die Suche nach diesem störrischen Patrioten gemacht. Ich kann nicht glauben, dass er es tatsächlich schon versucht hat! Dass er schon eine Weile so gelebt hat. Ich glaube, er erfindet Geschichten. Was er angeblich alles schon erlebt und gesehen habe! Ich bitte euch! Er ist ein Kind! Ich kann mir nicht vorstellen, dass er einen Moment der Einsicht hatte, eine innere Erkenntnis, die ihn dazu trieb, das wenig schmackhafte Tierblut zu wählen. Zumindest mehr als einmal, mehr als Neugierde hergibt. Ich weiß, wofür ich es tue. Aber unsere Familie, die Cullens dazugezählt, sind die Ausnahme der Regel.

Im Dickicht taucht ein Puma auf, Fleischfresser sind appetitlicher als Herbivore Wesen. Neige mich zum Sprung, doch im nächsten Moment spüren das Tier und ich den herannahenden Jäger. Wir wissen beide, dass das Tier keine Chance hat, als Garrett den Puma zu Boden reißt. Der Puma wehrt sich, kreischt, doch schlussendlich versenkt Garrett präzise seine Zähne in der Kehle seiner Beute, ohne den geringsten Kratzer an seiner Kleidung, ohne verschmiertes Blut.

Ich erinnere mich noch gut an meine erste Jagd auf einen Schwarzbären. Tanya hatte bereits herausgefunden, dass Karnivore nicht nur etwas besser riechen, sondern auch bekömmlicher sind, als Pflanzenfresser. Obwohl sie es Irina und mir demonstrierte, sah ich aus wie ein unsterbliches Kind nach einer Schlachttour. Meine Kleidung war Blutbefleckt, mein Kiefer mit der muffelnden Substanz bedeckt, weil es ganz anders ist, ein Tier zu erlegen, als einen Menschen zu beißen.

Ich bin völlig paralysiert von der Schönheit, der Kraft, die der Vampir ausstrahlt, als er auf seiner Beute niedergeht. Seine Muskeln sind angespannt, Sinne fokussiert. Seine Bewegungen sind tödlich. Und erregend. Heilige Mutter Gottes! Der Mann hat nur eine Mahlzeit gehabt! Und ich drehe fast durch! Ich habe eindeutig zu wenig guten Sex in der Vergangenheit gehabt! Wie bin ich nur in dieses ruhige Leben geschlittert? Verflucht!

Wieder sind es seine Augen, die mich erstarren lassen, als er aufsieht. Wir starren uns an, seine Pupillen nun nur noch von kräftigem Orange. Diese Veränderung geht schnell. Es muss also wahr sein. Er hat diese Diät schon eine Zeitlang betrieben. Denn wenn wir über einen längeren Zeitraum kein menschliches Blut zu uns nehmen, werden unsere Augen auch nach einem „Ausrutscher" schneller wieder Gold.

Mache einige Schritte auf ihn zu, meine Beine bewegen sich, als würden sie ein Eigenleben haben oder würden wie von Zauberhand in seine Richtung getrieben. Es ist ein Ziehen, dem ich zu widerstehen versuche.

Ich würde gern sagen, dass es sein Aussehen ist, seine Größe, sein Erscheinungsbild und das, was es verheißen könnte, aber es ist mehr als Äußerlichkeiten, auch wenn ich es nicht wahrhaben will.

Wieder trennen uns zwei Armlängen, als ich stehen bleibe. Das tote Tier liegt zwischen uns auf dem Waldboden, seine Körpertemperatur sinkt langsam ab, weicht.

„Du bist kein Vegetarier.", ich weiß selbst nicht, ob es Frage oder Feststellung ist. Weiß nicht, ob ich nicht doch das „Kein" hätte unterschlagen sollen. Aber er ist es eben nicht. Seine Augen waren glutrot, als er Carlisle zu Hilfe eilte. Rosalie hat erzählt, dass sie ihn beim Jagen gestört haben, als sie ihn endlich gefunden hatten und dass Emmett an sich halten musste, als das Blut des Menschen hervor trat.

„Jetzt gerade.", stellt er fest. Es klingt bockig. Beleidigt fast.

„Du kannst nicht einfach hin und her springen, wie du willst!", protestiere ich. Es ist der eine Weg oder der andere, verdammt!

„Wer sagt das? Wo steht es geschrieben?", brummt er. Er ist aufgebracht. Scheint nicht sein Lieblingsthema zu sein.

„Machst du das öfter? Als Art Abenteuer? Als Zeitvertreib?", knurre ich, muss an Siobhans Worte denken, als sie selbst mit ihrem Zirkel zur Jagd gezogen ist.

„Ich wüsste nicht, was dich das angeht, Katrina.", erwidert er arrogant. Dann grinst er plötzlich sein lockeres Grinsen, das schiefe Verziehen seiner Mundwinkel, mit dem er sie alle um den Finger gewickelt hat.

In mir beginnt Rage zu wüten, niemand geht so mit mir um! Schon gar nicht ein Verflossener!

Wieso geht er nun diesen Weg? Warum hatte er ihn nicht schon vor 90 Jahren gelebt?! Verdammt!

„Wie kannst du so hinterhältig und selbstgefällig sein!", fauche ich.

Er lächelt noch immer. „Das sagt die Richtige.", raunt er.

„Was soll das heißen, Junge?!", meine Stimme ist eine Mischung aus Knurren und Fauchen. Seine Miene wirkt entspannt, wie eine Maske.

„Was ist los?", fährt Tanyas Stimme plötzlich zwischen uns. Verdammt! Fahre erschrocken zu ihr herum, während Garrett lässig da steht. Er hat sie kommen gehört. Oder gerochen, was weiß ich denn. Er wusste, dass jemand unsere Unterhaltung stören würde.

„Kate", sagt er langsam, „hat mir nur erklärt, was sein kann und was nicht.", antwortet er, schultert den Puma, um ihn zu vergraben oder einem anderen zuzuführen, die Spuren zu verwischen. Dann lächelt er offen. „Es bleibt bei unserer Verabredung?", an Tanya gerichtet. Meine Schwester lacht, zwinkert ihm zu. „Natürlich. Es ist ein Date.", antwortet sie lachend, bevor der Patriot verschwunden ist.

Wie bitte? Ein Date? Wie in Date- Date? Wir sind hier, um Renesmee zu retten und unserem Freund Carlisle beizustehen, verdammt und nicht um uns die Zeit mit einem Mann zu vertreiben!
„Was tust du?!", zische ich aufgebracht. Tanya legt den Kopf schief, mustert mich, das kesse Lächeln, dass für Garrett bestimmt war, noch immer in ihrem Gesicht.

„Was für eine herrlich verdorbene Vorstellung du hast, sestra (Schwester).", tadelt sie mich. „Garrett und ich sind nur zu einer Partie Schach verabredet."

Schach? Wirklich?

„Verzeihung? Schach? Wieso?"

„Wieso nicht?", kontert sie. „Edward hat gesagt, könnte er keine Gedanken lesen, wäre Jasper sein ‚gefährlichster' Gegner. Ein Spiel mit dem Soldaten könnte also ganz amüsant werden."

Amüsant? Schach? Ein paar Figuren über ein Brett zu schieben? Gut, ich verstehe auch nicht, wie Eleazar und sie zuhause Spaß dabei empfinden, Tage andauernde Schachmatches gegeneinander auszutragen.

Ich habe Garrett nicht für so… Ich habe nicht vermutet, dass er Schach spielen könnte.

„Aber ehrlich. Was ist der Grund für dein aufgebrachtes Gemüt? Ich konnte deine Unruhe 200Meter weit spüren.", sie klingt besorgt.

„Der Soldat ist ein Idiot!", entrüste ich mich.

„Sind Männer das nicht immer?", antwortet sie amüsiert. „Aber das macht sie so liebenswert, nicht wahr?", sie lacht fröhlich, bevor wir uns auf den Rückweg machen und das Thema wechseln.

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Tanya

Auch mit einem Verstand wie dem Unseren ist es kein Spaziergang, ein Schachspiel zu gewinnen. Garrett scheint ein guter Stratege zu sein, wenn er will.

Betrachte das Schachbrett, überlege mir meinen nächsten Zug. Sehe den Patrioten mir gegenüber an. Eleazar und Carlisle haben uns eine Zeitlang zugesehen. Edward ist hüstelnd an uns vorbeigegangen, unsere nächsten Züge kennend.

Der Vampir mir gegenüber ist ein Mann, dessen nomadisches Auftreten, seine Abenteuerlust eigentlich nach einem lauten, positiv aufdringlichen Mann schreien. Aber Garrett ist ein sehr leiser Zeitgenosse, wenn man sein Temperament nicht herausfordert. Ungerechtigkeit bringt ihn schnell auf. Sein Blick ist oft sehr ernst und doch strahlt er eine Art Zuversicht aus. Eine angenehme Leichtigkeit, die niemals unangemessen ist. Er kann die Situation gut abschätzen, ist ein guter Beobachter.

Es ist einfach, sich in seiner Gegenwart wohl zu fühlen. Vielleicht ist es die Weltoffene Sicht der Dinge, die Akzeptanz, die er für andere Lebensentwürfe hat. Alles unter der Prämisse, dass es gerecht zugehen muss, dann ist alles kein Problem.

Die beiden Soldaten, Garrett und Liam, sind auf den ersten Eindruck besorgniserregend gefährlich aussehende Gestalten. Siobhans schweigsamer Gefährte ringt mir noch immer einen gewissen Grad an Vorsicht ab. Doch bei beiden ist es bloß ihre Erscheinung, die dazu veranlasst, sie für harte Persönlichkeiten zu halten.

Ich mag die Neugier des amerikanischen Patrioten und seinen Wissensdurst.

Doch bis jetzt hat er mir nicht verraten, wie er dazu gekommen ist, ein Leben ohne Menschenblut zu versuchen. Vielleicht sollte ich es ihm mit einem Gewinn in unserem Spiel abringen. Doch leider sieht es gerade nicht danach aus, als würde ich gewinnen.

Weiß auch nicht, warum meine kleine Schwester so hart mit Garrett umgeht. Sie ist nicht besonders freundlich ihm gegenüber, dabei ist das gar nicht ihre Art. Ja, natürlich ist sie etwas reservierter jenen gegenüber, die viele Fragen zu unserem Leben und unserer Vergangenheit stellen, so, dass sie manchmal als arrogant missverstanden wird. Aber Katrina ist nicht arrogant. Sie ist nur vorsichtig. Anders als Irina, die ihre Gefühle immer zum Ausdruck bringt, verschließt unsere Schwester viele ihrer Emotionen. Das war schon immer so. Gefühle machen verletzbar und die Kriegerin ihres menschlichen Selbst ist noch immer in ihr. Außerdem haben wir ein anderes Verständnis von Obrigkeiten, wie Rebellen wie Garrett zum Beispiel. Aber das ist keine Entschuldigung für ihre Garstigkeit.

Lassen wir Alistair und die beiden alten Ägypter außen vor, verstehen sich alle hervorragend mit dem zerzausten Garrett. Das war eine vortreffliche Bezeichnung seitens Carmen und ich habe das noch nie in so wohlwollendem Kontext gehört, wie aus ihrem Mund.

Auch wenn Garrett sich dessen nicht bewusst ist, ist er doch das heimliche Schätzchen unserer Zusammenkunft. Es ist ein bisschen wie auf einer Klassenfahrt oder einem Sommercamp, so wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Keine der anderen Frauen ist so abweisend wie Kate. Mary und er scherzen, necken sich. Esme würde ihn unter menschlichen Bedingungen vermutlich den Kopf tätscheln und ihm eine Suppe kochen. Carmen würde sich ihr höchstwahrscheinlich anschließen. Siobhan und Garrett teilen sich den irischen Soldaten und ein neckisches Miteinander, wenn er sich seufzend neben sie fallen lässt und jammert, wie anstrengend es ist, dem menschlichen Drang nachzukommen, sich hinzusetzen. Siobhan schmunzelt dann, Garrett quittiert dies stets mit einem frechen „hey!", und stößt sie mit der Schulter an.

Carlisle und Eleazar diskutieren Für und Wider von einer übergeordneten Institution mit ihm. Wenn Bella nicht trainiert, tut er Emmett manchmal den Gefallen, gegen ihn anzutreten, dann rennen sie um die Wette und dergleichen. Edward und er kommen ebenfalls gut miteinander aus. Von Benjamin lässt er sich in die ägyptische Mythologie einweihen. Und die Liebe zwischen ihm und seinem irischen Kameraden, wie Siobhan zu scherzen beliebt, steht auf einem anderen, unvergleichbaren Blatt. Ich kann Ungeduld in ihrer Stimme hören, wenn sie davon spricht. Es ist unheimlich erfrischend, dass auch mit 500 Jahren solche Gefühle da sind.

Mir zeigt es an, dass wir uns eben nicht verändern. Eine Person wie Siobhan wirkt viel älter als 20 Sommer, die sie hinter sich gebracht hatte, als sie zu einem Vampir wurde und doch gibt es Momente, in denen die junge Frau – das Mädchen - durchkommt.

Ich habe Carlisle und Esme und Carmen und Eleazar für Äonen verheiratet gewähnt, doch Liam und Siobhan sind noch länger zusammen.

Frage mich, seitdem Irina glaubte etwas Vergleichbares in Laurent gefunden zu haben, ob Gefährten purer Zufall sind oder ob es wirklich für jeden von uns einen signifikanten Anderen gibt.

Ich bin nicht einsam per se. Ich habe meine Familie, meinen Zirkel, wie die Nomaden zu sagen pflegen und weiß, dass wir für immer sind. Aber manchmal frage ich mich, ob wir – Mama und ich – meinen Schwestern nicht die Chance auf ein glückliches Leben genommen haben.

Frage mich, ob unser Ruf als Sukkuben in der Vampirwelt mehr schadet, als gewinnt. Wie viele unserer vampirischen Liebhaber haben es genau deswegen mit uns aufgenommen und nicht um unserer Selbstwillen? Einige mit Sicherheit.

„Du solltest lieber das Schachbrett ansehen und deinen nächsten Zug machen, schöne Tanya. Mein Gesicht wird dir keine Hilfe sein.", schmunzelt Garrett. Schrecke auf.

„Verzeih. Ich war in Gedanken.", entschuldige ich mich. Ich wollte ihn nicht anstarren, aber die Ungereimtheiten beschäftigen mich. Er hält Abstand zu meiner kratzbürstigen kleinen Schwester, versteht, dass mit einem Abwehrtalent wie ihr nicht zu spaßen ist. Aber es ist schon seltsam, dass er nicht einmal versucht die Wogen zu glätten, Kate ebenfalls für sich einzunehmen, wie die anderen. Die normalen anderen zumindest, Amun, Kebi, der seltsame Alistair und auch der misstrauische Peter außen vorgelassen. Auch wenn Peter anscheinend auftaut.

Garrett richtet sich auf, stützt die Unterarme auf den kleinen Tisch und neigt sich zu mir.

„Was beschäftigt dich?", hakt er belustigt nach, als ich das Brett anstarre und die Stirn kraus ziehe. Frage mich ob er heimlich die Figuren versetzt hat? Aber nein, er ist ein fairer Spieler. Meine Situation war zuvor schon ausweglos. Ich befürchte, dass ich verlieren werde.

Meine Finger schweben über den schwarzen Figuren, verziehe meinen Mund. „Ein Unentschieden.", blicke ihn an. „Was hältst du davon?", blicke ihn aus großen Augen an, dieser Blick zieht immer. Garrett kneift die Augen zusammen, schmunzelt.

„Du verlierst.", stellt er überheblich fest. Er hatte bloß Glück.

„Was für eine garstige Einstellung du hast.", erwidere ich.

„Gib es zu."

„Tzt! Das ist doch überhaupt noch nicht festzustellen!"

„Bitte – mach deinen Zug.", gönnerhaft.

Ich will aber nicht. Dann setzt mich sein nächster Zug höchstwahrscheinlich Schach und der folgende matt.

„Tanya? Esme und ich fahren nach Port Angeles.", Rosalie kommt auf uns zu. Sie tun alles, um die Fassade aufrecht zu erhalten. Offiziell sind Rose und Emmett auf Elternbesuch vom College, Alice und Jasper machen angeblich Urlaub in Europa. Und nun ja, Bella kümmert sich um Edwards Mündel.

Für den Fall das einige von uns wider Erwarten von den Bewohnern von Forks gesehen werden, heißt es, dass Familie zu Besuch ist. Verwandtschaft von Carlisle. Für Eleazar haben sie sogar eine Identität hervorgezaubert, dass er als Kollege und enger Vertrauter von Carlisle aus früheren Zeiten durchgeht. Ich habe ihn gegooglet. Das war amüsant. „Willst du mitkommen?"

Garrett und Rosalie blicken mich erwartungsvoll an. „Natürlich.", stehe einen Tick zu schnell auf, es verrät meine Flucht. „Entschuldige, Garrett."

Rosalie wirft einen Blick auf unser Brett. „Ach was, du hast doch schon verloren, Cousinchen. Ihr seid fertig!", bevor sie mich davon zieht. Ich kann Garrett lachen hören, und das leise Klacken, als er die Figuren auf ihre Ausgangspositionen setzt.

Ich verliere nicht gern. Auch nicht bei einer Partie Schach. Verflucht.

Garrett

Ihre Stiefel knallen ziemlich auf dem Marmorboden. Dabei sind ihre Absätze relativ flach.

Stelle die Könige und Bauern wieder auf ihre ursprüngliche Position zurück, als sie neben dem Tisch zum Stehen kommt.

„Zu Diensten Milady.", kann ich mir einen Affront nicht verkneifen. Kindisch, ja, immerhin bin ich keine 100 mehr, aber Madame spielt Eiskönigin und scheint zu glauben, dass ihr alles zu Diensten zu sein hat, was bei zwei nicht auf dem Baum ist.

„Was wird das, wenn es fertig ist?", zischt sie. Blicke zu ihr hinauf. Sie steht stocksteif vor dem Tisch. Es ist erstaunlich ruhig in diesem Teil des Hauses, die meisten sind ausgeflogen. Es ist ungewohnt, seitdem ich hier angekommen bin, ist es in diesem Haus nicht so verlassen gewesen. Doch wenn ich mich konzentriere, kann ich die Hunde und das kleine Mädchen am Fluss hören. Carlisle und Siobhan diskutieren etwas, entfernen sich vom Haus. Auf dem Dachboden bewegt sich Alistair.

„Ich räume auf.", erwidere ich nonchalant. Ich werde mir nicht die Schuld an ihrer miserablen Laune geben lassen. Es ist nicht meine Schuld. Ich werde mich auch nicht wie ein bockiges Kleinkind benehmen. Wir können das wie Erwachsene über die Bühne bringen, oder wie sie es will.

„Das habe ich nicht gemeint.", knurrt sie. Die Elektrizität zuckt über ihre Fingerspitzen. Unterdrücke ein Schmunzeln, als ich die Funken sehen kann und Erinnerungen wach gerufen werden.

„Garrett?", Mary und Randall sind auf dem Weg hierher. „Oh Kate!", stößt Mary hervor. Sie ist eine fröhliche Person, dennoch würde ich sie nicht herausfordern, sie ist ein wildes kleines Kraftpaket. „Garrett, du musst es dir ansehen! Benjamin zieht Geysire aus dem Boden und lässt sie in der Luft erstarren! Das ist unglaublich!", dann boxt sie ihrem Kumpel Randall in den Oberarm. „Dann lassen wir euch mal allein!", kichert sie. „Kommst du?" und ist schon wieder hinaus. Stelle die letzte Figur, die Königin, an ihren Platz, blicke von Randall zu Kate. Ich mag Randall. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das nach meinem Aufenthalt in Forks noch immer so sein wird. Dann folge ich Mary hinaus. Kate schnaubt wütend, als ich an ihr vorbei gehe. „Wirklich Garrett!?", stößt sie leise hervor und deutet mit dem Kopf in Marys Richtung. Wenn sie jemand versteht, möge er es mir übersetzen. Dummes Mädchen.

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Our love would be forever

And if we die, we die together

And I, I said never

'Cause our love could be forever

(Muse, neutron star collision)