A WINTER'S TALE, PART II

Warnungen: Immer noch keine.


I speak cold silent words a stone might speak

If it had words or consciousness,

Watching December moonlight on the mountain peak,

Relieved of mortal hungers, the whole mess

Of needs, desires, ambitions, wishes, hopes.

This stillness in me knows the sky's abyss,

Reflected by blank snow along bare slopes,

If it had words or consciousness,

Would echo what a thinking stone might say

To praise oblivion words can't possess

As inorganic muteness goes its way.

There's no serenity without the thought serene,

Owl-flight without spread wings, honed eyes, hooked beak,

Absence without the meaning absence means.

To rescue bleakness from the bleak,

I speak cold silent words a stone might speak.

- Robert Pack, 'Stone Thoughts'.


Müde, gereizt und unglücklich begab sich Severus nach dem Frühstück an Weihnachten widerwillig ins Lehrerzimmer wo er alle Anwesenden ignorierte, sich augenblicklich Kaffee holte und dann einfach wie festgewachsen in der Ecke stand; seine Schultern spannten sich an als er die Blicke in seinem Rücken spürte aber niemand war dumm genug um ihn anzusprechen bevor er den ersten Schluck seines Kaffees getrunken hatte - wenigstens kannten sie ihn besser, als dass sie das gewagt hätten. Nachdem er erstmal einigermaßen wieder auf dem selben Planeten wie sie war, wünschten ihm einige vorsichtig Frohe Weihnachten und er versuchte dabei nicht zu offensichtlich mürrisch dreinzublicken, murmelte etwas das sich nach "gleichfalls" anhörte bevor er einen einzigen Blick durch den Raum warf und die Tür ansteuerte.

"Einen Moment, Severus", rief Minerva ihm nach.

"Was?"

"Hat das Geschenk von wer auch immer deinen Namen gezogen hat die Bedingungen erfüllt? Ich habe jeden danach gefragt, nur um sicherzugehen, dass er keine Missverständnisse gab."

Wenigstens bedeutete die offensichtliche Neugier in ihrer Stimme, dass sie nicht wusste was er Granger gegeben hatte; wenigstens dafür konnte er dankbar sein. Aber... "Es war in Ordnung", sagte er kurzangebunden ohne sich umzudrehen. Er schloss die Tür hinter sich bevor irgendjemand ihn noch etwas anderes fragen konnte und gab acht so schnell wie möglich aus der Sichtweite des Lehrerzimmers zu verschwinden.

Zurück in dem trostlosen Frieden seiner Räume trank Severus in Ruhe seinen nunmehr lediglich lauwarmen Kaffee und dachte nach. Das Geschenk hätte in Ordnung sein können, hätte er denn nur eines erhalten, aber seine Befürchtungen die er gehabt hatte, als er erstmals widerwillig zugestimmt hatte teilzunehmen, waren begründet gewesen und er hatte nichts bekommen - der einzige Grund ins Lehrerzimmer zu gehen, abgesehen davon, dass er sich dort kurz zeigen musste um seinen sozialen Verpflichtungen nachzukommen, war gewesen um nachzusehen ob ihm dort irgendjemand etwas hinterlassen hatte, nachdem er bereits sein Büro und seine Privaträume überprüft hatte. Er trank seinen Kaffee aus und schloß die Augen während er sich auf die Erinnerung seines kurzen Rundumblickes erinnerte bevor er gegangen war.

Er hatte Grangers Augen auf sich gefühlt von dem Zeitpunkt an als er die Tür geöffnet hatte, obwohl sie keine derer gewesen war, die versucht hatten mit ihm zu sprechen. Er würde es Minerva zutrauen, dass sie sichergestellt hatte, dass sie seinen Namen im Gegenzug gezogen hatte, aber die junge Frau war zu sehr damit beschäftigt nett zu sein, als dass sie ihn beleidigt hätte und selbst wenn sie es getan hätte wäre sie nie in der Lage gewesen ihre Schuldgefühle darüber zu verbergen. Sie also nicht. Er rief sich einen nach dem anderen seine Kollegen ins Gedächtnis und erinnerte sich an ihre Ausdrücke; Fröhlichkeit angesichts der dummen Feier, leichte Überraschung darüber ihn zu sehen, zusammen mit höflichen Desinteresse, was immerhin besser war als offen gezeigte Abneigung, und leichte Neugierde... und eine Person die sich wohl nicht sehr wohlgefühlt hatte. Ah. Während er düster vor sich hin nickte schlich er davon zu einem seiner verschiedenen Labore um etwas Arbeit zu finden die ihn beschäftigen konnte und fragte sich warum es ihm überhaupt noch etwas ausmachte nach all den Jahren.


Soweit es Severus betraf galt keines der Übereinkommen, zu denen er gezwungen worden war, während der Ferien, jetzt da er keine Beobachtungsmission mehr im Kopf hatte und so verbrachte er den Großteil der nächsten Woche in seinen Kerkern vergraben und dachte nach. Er arbeitete auch – seine Produktivität schien zu steigen wenn er schmollte – aber meistens dachte er nach. Falls seine Notiz irgendetwas an Grangers Einstellung ihm gegenüber geändert hatte, so konnte er es nicht sehen, aber sie saßen bei den Mahlzeiten nicht nah nebeneinander und davon abgesehen sah er sie nicht; alles andere schien wie immer zu sein.

Es gab eine Feier für das Kollegium an Silvester und eine vom Orden und mehrere allgemeine Feiern in Hogsmeade und der Winkelgasse. Er hatte sich entschieden sie alle zu vermeiden indem er sich freiwillig als Aufsicht für die Nacht meldete und so arbeitete er stattdessen friedlich in seinem Büro, füllte einige wichtige Formulare aus die Teil einer Bewerbung für ein Forschungsstipendium waren und versuchte nicht zu erschrecken als das Feuerwerk in der Ferne losging. Er hatte die letzten sechs Jahre mehr oder weniger jedes Jahr dasselbe getan, aber angesichts der neuesten Ereignisse war er nicht wirklich überrascht als Minerva an seine Tür klopfte. Wenigstens war sie noch nicht betrunken, da es erst halb elf war, aber er hätte trotzdem darauf verzichten können.

„Was willst du?", fragte er ohne von der Liste seiner letzten Forschungsprojekte, die er erstellte aufzusehen.

„Mit dir reden, offensichtlich", antwortete sie. „Schau, Severus… wegen dem was an Weihnachten passiert ist…"

„Was könnte das wohl gewesen sein?"

„Du weißt wovon ich rede."

„Das tue ich. Du hast entschieden die einzige im Kollegium zu sein, die sich nicht an die nervigen Regeln hält und beschlossen mir trotz deiner Plattitüden über den Geist der Zeit nichts zu geben." Er sah hoch und kräuselte die Lippen. „Ja, natürlich wusste ich, dass du es warst. Trau mir ein wenig zu."

Nach einer Pause in der sie sich sammelte – dieses Gespräch ging eindeutig nicht in die geplante Richtung – sagte Minerva leise, „Du hast damals nichts gesagt."

„Nein", stimmte er zu, schaute zurück zu seiner Liste und versuchte sich daran zu erinnern wann er genau diesen Text über den Vergleich von Katalysatoren in gasförmigen Tränken veröffentlicht hatte. Es musste einer von den ersten sein, da er stinklangweilig war.

„Warum nicht?"

„Als ich zwölf war habe ich gelernt meinen Atem nicht damit zu verschwenden jemanden darauf hinzuweisen was ein Gryffindor mit angetan hat", sagte er kurz angebunden. '83 vielleicht? Eher war er eigentlich nicht in einem Zustand gewesen etwas zu veröffentlichen, aber er war sich sicher, dass der erste Text, der angenommen worden war, detailliert von der Anpassung von Wund-Säuberungs-Tränken je nach Typ und Alter der Wunde gehandelt hatte. Ja, das hatte er. Der Katalysator-Artikel war von '84. Er schrieb es auf und schaute gereizt hoch. „Gibt es noch etwas?"

„Willst du nicht wissen, warum ich es getan habe?"

„Nicht wirklich." Er legte die fertige Seite auf den Stapel an Formularen, die er schon abgefertigt hatte und schaute zu den nächsten. Bitte beschreiben Sie Ihr Forschungsgebiet und erklären Sie wofür das Stipendium genutzt wird. Das würde etwas mehr Konzentration brauchen; er griff nach einem leeren Pergament um sich Notizen zu machen. „Bist du immer noch da?"

Sie fing jetzt an verärgert zu klingen, bemerkte er mit einer gewissen Befriedigung; es war immer wieder amüsant die Menschen nervös zu machen, die offensichtlich ein ganzes Gespräch im Voraus geplant hatten, indem man von ihrem Skript abwich. „Ich will, dass du weißt, dass es nichts Persönliches war…"

„Wenn du das sagst."

„Würdest du mir einfach nur zuhören, Severus? Es war nichts Persönliches. Es ist nicht, weil ich dich hasse oder etwas dergleichen, egal was ich mir sicher bin, das du dachtest."

Er hob seinen Kopf und gab sein verächtlichstes Grinsen zum Besten. Natürlich war es das nicht. „Wirklich."

„Wirklich", wiederholte sie. „Bitte, hör mir einfach nur zu. Ich habe deinen Namen versehentlich gezogen, oder glücklicherweise – das Ziehen war gerecht. Und ich habe wirklich angestrengt versucht mir etwas einfallen zu lassen, irgendetwas, das du wollen würdest. Ich habe einige der anderen gefragt und Albus' Portrait…"

„Ich bin mir sicher, dass das gut lief", murmelte er ohne von seinem Papierkram hochzuschauen. Als ob Dumbledore jemals auch nur eine verdamme Sache über ihn gewusst hätte. Der ganze Krieg wäre anders ausgegangen wenn es so gewesen wäre. „Also als dir nichts einfiel hast du aufgegeben und entschieden, dass ich es eh nicht wert wäre dich damit herumzuschlagen?"

Nein", schnappte sie, bevor sie seufzte. „Gut, teilweise ja. Aber nicht weil ich dachte, dass es das nicht wert wäre. Schau, Severus, ich bemühe mich grade wirklich. Es tut mir extrem Leid und ich schäme mich dafür, dass ich anscheinend nichts wichtiges über dich weiß, obwohl ich dich seit all den Jahren kenne und mit dir zusammenarbeite. Und ich weiß, es ist heuchlerisch von mir, nachdem ich dir das Leben so schwer gemacht habe. Am Ende dachte ich, es wäre beleidigender für dich, wenn ich dir etwas besorgen würde, das du nicht wollen würdest, als es wäre, wenn ich dir nichts geben würde. Also entschuldige ich mich dafür und wenn es da etwas gibt, was du wollen würdest kannst du es zu deinen Ausgaben rechnen, ich werde nicht fragen."

Severus schrieb inzwischen nur noch sinnloses Gekritzel um weiterhin vorgeben zu können nicht zuzuhören und starrte auf sein Pergament, froh darüber, dass sein strähniges Haar sein Gesicht verdeckte. „Ich werde nie aufhören von deiner Kraft der Gerechtigkeit überrascht zu sein, Minerva. Ich glaube wirklich, dass es nichts gibt, von dem du dich selbst überzeugen könntest, wenn man dir nur genug Zeit geben würde", sagte er. „Der merkwürdigste Teil ist, dass ich glaube, dass du das alles sogar glaubst."

„Was soll das heißen?", fragte sie und klang eher aufrichtig verwirrt als verteidigend. Sie verstand es wirklich nicht. Es war fast traurig.

„Nichts", sagte er müde. „Überhaupt nichts. Geh und genieß deinen Abend und lass mich mit meinem weiter machen."

„Nein, Severus, was hast du gemeint?"

„Ich meinte, dass deine Entschuldigung verdammt nochmal nichts bedeutet", schnappte er und gab auf versuchen zu wollen seinen Ärger zurückzuhalten. „Wenn du dich an dem Tag entschuldigt hättest, hätte ich dir vielleicht glauben mögen, oder zumindest so getan. Aber es ist eine Woche her und du hast eindeutig getrunken; du entschuldigst dich sowieso nur wenn der Alkohol deinen Kopf aus dem dunklen Loch holt indem er sonst vergraben ist. Es ist immer das gleiche mit euch allen. Das ist es weshalb ich es nie akzeptiert habe, wenn ihr zuvor versucht habt euch zu entschuldigen, weil ich verdammt gut wusste, dass ihr es eigentlich überhaupt nicht so meint. Du entschuldigst dich, weil du denkst, du solltest das tun, nicht weil es dir wirklich leid tut. Ich hätte es lieber wenn du mich ignorieren würdest, wie du es immer getan hast; das war wenigstens aufrichtig!"

Er nahm einen tiefen Atemzug und versuchte sich seine Okklumentik Übungen ins Gedächtnis zu rufen. Wenn er sich jetzt gehen lassen und all den seit seiner Jugend beginnenden aufgestauten Ärger loswerden würde, war es wahrscheinlich, dass er jemanden umbringen würde und die Morde, die er schon begangen hatten reichten bereits für ein Dutzend Leben. Die Stille die jetzt sein Büro erfüllte war heiß und voller Ärger und unbequem und Minerva konnte ihm nicht in die Augen schauen.

"Du hast Recht", sagte sie schließlich. "Natürlich hast du Recht. Na gut, hauptsächlich - es tut uns allen aufrichtig leid, aber es überrascht wohl kaum, dass du uns nicht glaubst und du hast Recht damit, dass all unsere Entschuldigungen zu spät waren um noch irgendetwas auszurichten. Würdest du es wirklich bevorzugen, dass wir alle so tun als ob nichts davon jemals geschehen wäre?"

"Ja", zischte er automatisch. Die wahre Antwort war nein, aber nur mit starken Modifizierungen; wenn irgendeiner von ihnen ehrlich zu ihm sein könnte, wenn sie sich ihre Schuld genauso eingestehen könnten wie seine eigene und aufrichtig darüber reden, dann wäre ein Teil von ihm auf die Möglichkeit angesprungen sich endlich zu öffnen und damit aufzuhören alles zu unterdrücken und vorzugeben, dass er normal war. Aber da das nicht geschehen würde, war die nächstbeste Option es zu ignorieren; das würde ihn bei Weitem weniger weh tun als die ganzen dummen Halbwahrheiten und Halbentschuldigungen.

"Wenn das wirklich das ist was du willst, Severus, dann ist es das, was wir tun werden", sagte Minerva leise nach einer Pause. Ihr schottischer Akzent brach wieder durch, aber dieses eine Mal nicht aus Ärger. "Ich versuche dies zu retten, auf die einzige Art und Weise die ich kenne. Die Muggle sagen "besser spät als nie" aber das scheint hier nicht der Fall zu sein. Ich habe deine Anstrengungen bemerkt seit unserem Gespräch letztes Schuljahr und ich bin dir dankbar dafür, dass du es versuchst; für jetzt nehme ich an, dass wir es dabei belassen sollten. Vielleicht wirst du uns unsere Entschuldigungen eines Tages glauben."

Weil es immer meine Schuld ist, sogar jetzt? Er biss sich auf die Zunge und blieb still. Der wirklich traurige Teil war, dass Minerva es nicht so gemeint hat und offensichtlich keine Ahnung hatte, was sie gerade gesagt hatte. Er hatte vor langer Zeit akzeptieren müssen, dass die Menschen in seiner Umgebung die Welt nie so sahen, wie er es tat; von ihrem Standpunkt aus gesehen, machte seine Arbeitgeberin alles in ihrer Macht stehende um es wieder gut zu machen und er wusste, dass sie nichts Falsches in ihren Versuchen sah und nicht verstand, warum es nicht funktionierte. Es war die benötigte Energie nicht wert darüber zu streiten; es war ja eh nicht so, als ob dessen Ausgang ihn besonders interessiert hätte.

"Vielleicht", gestand er ihr zu und schluckte seinen Groll. Er wollte einfach nur, dass alles wieder zur Normalität zurückkehrte - es gab keinen Weg es wiedergutzumachen, also je eher jeder das akzeptierte und aufhörte das zu versuchen und zum alltäglichen banalen Arbeitsleben zurückkehrte, desto besser. "Jetzt geh weg."

"Ich gehe, einen schönen Abend noch."


Die nächsten Wochen über beruhigten sich die Dinge ein wenig, zumindest insoweit es Severus betraf. Offensichtlich hatte Minerva mit dem Rest der Kollegen diskutiert was geschehen war und sie alle strengten sich an ihn in Frieden zu lassen und damit aufzuhören es so sehr zu versuchen; nicht unbedingt das was er wollte, aber bei Weitem die beste Alternative und es bedeutete, dass er beginnen konnte sich in ihrer Gegenwart zu entspannen, jetzt, da er nicht mehr Angst haben musste, dass jemand anders ankam und versuchte ein Gespräch zu beginnen. Nach weiteren ein oder zwei Monaten, rechnete er, sollte die Verlegenheit verblasst sein und die Dinge sollten wieder in den normalen Bahnen verlaufen, wie sie es die meiste Zeit seiner Lehrerkarriere getan hatten, und er konnte wieder einmal in den Hintergrund rücken.

Die Uhr schlug vier und Severus sah von seinem Buch und seinen Gedanken auf und blinzelte sie an; er war sich nicht bewusst gewesen, dass es so spät war. Oder so früh, davon abhängend wie man es sah. Er stand auf und streckte sich und verbrachte einen Moment damit dankbar zu sein, dass noch für ein oder zwei weitere Tage Ferien waren; er war kein junger Mann mehr und während es immer noch möglich für ihn war mit praktisch keinem Schlaf zu unterrichten, so musste er dafür mehr Tribut zollen als früher. Er rieb seine Augen und zog seine Roben an; ein schneller Spaziergang um das Schloss um zu überprüfen, dass alles leise war und dann nahm er an, dass er besser etwas Schlaf bekommen sollte.

Zu seiner Überraschung lag ein Umschlag auf dem Boden als er seinen Raum verließ; jemand hatte offensichtlich versucht ihn unter seiner Tür durchzuschieben und offensichtlich waren dessen Bemühungen von seinen Schutzzaubern vereitelt worden. Die Stirn runzelnd rief er ihn mit einer ungeduldigen Geste zu sich; alles von außerhalb Hogwarts würde per Eule gekommen sein und obwohl ziemlich alle Slytherins bereits von ihren Ferien zurückgekehrt waren, hätte keiner von ihnen ihm eine Notiz vor seinen Privaträumen liegen lassen. Es gab eine Schachtel in der Wand, in einer versteckten Nische gerade den Korridor bei seinem Büro runter, für genau diesen Zweck gemacht, falls sie ihn kontaktieren mussten und er nicht da war. Er konnte an nichts denken, dass einer seiner Kollegen ihm schreiben würde; der Umschlag war unbeschrieben, doch es fühlte sich an als wäre ein ziemlich langes Pergament darin gefaltet.

Wahrscheinlich keine Geburtstagskarte dann, zog er sich selbst auf mit einem grimmigen Halblächeln auf seinem Gesicht, als er den mysteriösen Umschlag in seine Tasche steckte und seine Räume verließ. Es war viele Jahre her seit sein Geburtstag zum letzten Mal von jemandem gewürdigt worden war; er war sich ziemlich sicher, dass keiner seiner Bekanntschaften wusste wann er war, was ihm gut passte. Um ehrlich zu sein hatte er ihn selbst ein oder zweimal vergessen.

Es gab immer eine eigenartige Art der Ruhe in der Nacht auf Hogwarts. Im Gegensatz zum allgemeinen Glauben, waren die Geister des Nachts nicht sehr aktiv; sie mochten Gesellschaft und irgendwo zu sein wo es Leben gab, sogar solche wie der Baron und man sah sie nicht oft, wenn die Gänge leer waren. Die Portraits waren leise und schliefen ebenso und es war möglich sich so zu fühlen als ob man das einzig lebendige Wesen im Gebäude war in solchen Nächten. Trotzdem hatte diese Stille einen lebendigen Unterton, eine leichte Präsenz die vom Schloss selbst kam; seit er Schulleiter geworden war, war er sich dessen noch mehr bewusst als vorher. Es fühlte sich an wie eine Anerkennung, fast - als er zurückkam um zu unterrichten vor sechs Jahren, hatte das Schloss ihn wieder willkommen geheißen, sogar obwohl die Bewohner dies nicht taten.

Severus ging lautlos durch die Korridore. Er konnte sich mit verbundenen Augen und im Schlaf seinen Weg durch das Schloss bahnen; schließlich war er ja auch über dreißig Jahre hier gewesen, von sechsundvierzig - siebenundvierzig, korrigierte er sich selbst trocken, seit ein paar Stunden. Die Schule hatte sich nie wirklich wie zu Hause angefühlt, zumindest lange Zeit nicht, aber es war das Näheste was er hatte und es war unausweichlich gewesen, dass er hier geendet war, nachdem alles getan war. Denn wirklich, wo anders hätte er hingehen können? Er mochte sich hier nie wirklich richtig sicher gefühlt haben, aber das Schloss war vertraut und er bezweifelte, dass er sich jetzt noch an ein Leben außerhalb gewöhnen konnte.

Eine flüchtige Kontrolle der offensichtlichen Orte genügte um ihn davon zu überzeugen, dass er der einzige war, der draußen herumwanderte; er war sowieso nicht wirklich in der Stimmung für eine langwierige Jagd und um diese Zeit am Morgen würde er nichts finden. Er steuerte stattdessen nach draußen, trotz des Schnees; er war an die Kälte gewöhnt und eine solche Atmosphäre wenn es an so einem abgelegenen Ort schneite, fand man nirgendwo anders.

Die Sonne würde noch für einige Stunden nicht aufgehen und Wolken verdeckten den Mond und das Schloss hinter ihm war dunkel, aber von irgendwo her kam Licht, vermutlich von den Sternen; der Schnee schien zu glühen als Severus sich seinen Weg durch bahnte, weg von dem Gebäude und hin zu den Bäumen. Als er erst einmal weit genug vom Schloss entfernt war, hielt er an und blieb ruhig stehen und als das Knirschen seiner Schritte verklang lauschte er der Stille. Wenn er seinen Atem anhalten würde, könnte er das schwache Wispern der fallenden Schneeflocken hören und wenn er wieder atmen würde, könnte er die kalte Winterluft durch seine Nase, seine Kehle runter zu seiner Brust strömen fühlen. Die Narben an seinem Hals schmerzten, aber nur entfernt und der Schmerz war leicht zu verdrängen.

Er gönnte sich eine Zigarette, da es immerhin sein Geburtstag war; er hatte vor ein paar Jahren halbherzig versucht aufzuhören, zumindest dem Schein nach, aber um ehrlich zu sein hatte er nie stark geraucht und er sah keinen eigentlichen Grund um es aufzugeben. Als er fertig geraucht hatte, wollte er eben wieder hinein und schlafen gehen, als er sich an den Brief erinnerte und ihn aus seiner Tasche zog und seinen erleuchteten Zauberstab zwischen seine krummen Zähne steckte obwohl es vermutlicher sinnvoller wäre, wenn er einfach nach drinnen gehen würde und den Brief in seinen Räumen lesen würde. Als er den Umschlag öffnete, erkannte er Grangers Handschrift und runzelte die Stirn während er das Pergament entrollte; das hier übertraf sämtliche ihrer ausschweifenden Essays als Schülerin. Was in aller Welt hatte sie ihm geschickt? Es gab keinerlei Anrede, sie hatte sich förmlich in den Brief gestürzt.

Ich ringe nun seit Wochen mit mir über das hier. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich Ihnen das hier wirklich geben werde. Ich muss mich wohl bereits ein Dutzend mal hingesetzt haben um das zu schreiben und ich habe immer nur auf das Pergament gestarrt.

Und ich plappere schon wieder. Ich dachte, dass ein Brief einfacher sein würde als zu versuchen mit Ihnen zu sprechen, aber es hilft nicht.

Wo soll ich anfangen? Ich denke mit Weihnachten, da es das war, was mich dazu brachte das hier zu planen, was Sie sicherlich erraten können. Mir war bewusst, dass Sie meinen Namen gezogen hatten, weil Sie sobald Sie ihr Stückchen Pergament gelesen hatten, zuerst Minerva und dann mich angefunkelt hatten und Sie haben mich nicht mehr so verärgert angeschaut seit ich ein Teenager gewesen bin. Ich bin nur froh, dass ich Ihren Namen nicht im Gegenzug bekommen habe, weil ich nicht gewusst hätte wo ich anfangen hätte sollen.

Ich war mir nicht sicher, ob Sie mir überhaupt etwas geben würden oder nicht. Ich weiß, dass Minerva Ihnen angeordnet hatte teilzunehmen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie das aufhält, wenn Sie sich wirklich dagegen entschieden hätten. Wenn Sie es täten, war ich mir ziemlich sicher, dass es etwas wäre was ich wollen würde - Sie können manchmal kleinlich sein, aber nicht bei so etwas denke ich. Aber ich habe definitiv nicht mit Ihrer Notiz gerechnet.

Ich hatte gehofft, dass ich bis hierher wissen würde, was ich sagen soll, aber anscheinend nicht. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, was Sie damit meinten. Ehrlich gesagt, es würde mich nicht überraschen, wenn Sie es nur getan hätten um mich zu verwirren; darin waren Sie immer ziemlich gut. Es ist nur so, dass ich an nichts denken kann, für das Sie sich bei mir entschuldigen müssten.

Ich erinnere mich natürlich an all die gehässigen kleinen Sachen, aber die meisten davon haben mich nicht verletzt und die, die es taten habe ich schon vor Jahren vergessen. Der Krieg machte das alles überflüssig. Wie ich mich erinnere, habe ich versucht Ihnen das zu sagen, nicht lange nachdem Sie wieder damit begonnen haben zu unterrichten, aber ich bin mir sicher, dass wir uns beide daran erinnern wie das ausging. Ich würde gerne denken, dass Sie sich dafür entschuldigen, denn sogar für Ihre Verhältnisse waren Sie wirklich fies, aber unter den Umständen war es verständlich und ich denke nicht, dass Sie sich dafür entschuldigen brauchen.

Ich denke, dass Sie versucht haben mögen sich für den Krieg zu entschuldigen, das ist das Einzige was mir wirklich sinnvoll erscheint. Ich haben über die Jahre einiges über Psychologie gelesen, versucht mir selbst zu helfen über all das hinweg zu kommen und ich bin sicher, dass Sie das nicht hören wollen, aber ich habe oft gedacht, dass Sie ein paar ungelöste Konflikte - und ich bin mir sicher, dass es da noch mehr gibt von denen ich nichts weiß. Es tut mir leid, ich beabsichtige natürlich nicht Sie zu verärgern, ich weiß nur nicht, wie ich es sonst sagen soll. Ich hatte immer das Gefühl, dass Sie sich selbst für verschiedene Dinge verantwortlich gemacht haben, sogar für noch mehr als die Menschen in Ihrer Umgeung es taten.

Wenn Sie das immer noch lesen und es noch nicht in Brand gesetzt oder es weggeworfen haben bin ich überrascht. Ich plappere schon wieder. Ich würde das hier gerne überarbeiten und es zu etwas umschreiben, dass nicht nur dummes Durcheinander ist, aber wenn ich das tue weiß ich, dass ich nicht den Mut haben werde es Ihnen überhaupt zu geben. Ich wollte Ihnen nur für Ihre Entschuldigung danken und Ihnen sagen, dass sie nicht nötig ist.

Ich wollte mich auch bei Ihnen entschuldigen, da ich nicht denke, dass das letzte Mal zählt; Sie haben mich nicht mal den Satz ausreden lassen. Ich weiß, dass der Punkt war, dass niemand wusste, auf welcher Seite Sie waren, ich weiß, dass es das ist was es bedeutet ein Doppelagent zu sein, und ich weiß, dass ich nie in einer Position war um vieles von dem ganzen Bild zu sehen, aber ein Teil von mir denkt immer noch, dass ich es merken hätte müssen oder dass es mir zumindest bewusst werden hätte sollen, dass einige Dinge keinen Sinn ergeben hatten. Es mag irrational sein, es ist es vermutlich auch, aber ich denke immer noch so, also es tut mir leid, dass ich Sie so schrecklich falsch eingeschätzt habe.

Und es tut mir auch leid, dass ich mehr weiß, als ich soll. Ich weiß, dass das einer der Gründe ist, warum Sie uns alle hassen. Ich mag es nicht zu versuchen, die Schuld auf andere abzuwälzen, aber das war wirklich nicht meine Schuld; ich wusste nicht, was Harry mir zeigen würde bis es zu spät war. Ich muss nicht sagen, dass ich nie mit ihm oder irgendjemand anderem darüber geredet habe und ich würde es bevorzugen nichts darüber zu wissen, da es nicht meine Angelegenheit ist.

Ein Teil von mir will sich immer noch für all die Dinge entschuldigen, die ich über die Jahre getan habe, aber das werde ich nicht tun. Sie wissen schon warum ich sie getan habe und ich denke, dass die Gründe zu der Zeit gut genug waren mit den mir damals vorhandenen Informationen. Ich bin darauf vorbereitet die Vergangenheit ruhen zu lassen, wenn Sie es sind. Das letzte für das ich mich entschuldigen möchte ist die Hütte, aber ich denke nicht, dass Sie es weiterlesen würden (angenommen Sie lesen es überhaupt so weit) wenn ich damit anfangen würde. Trotzdem sollten wir eher als wir es taten zurückgegangen sein um das zu holen, was wir für Ihre Leiche hielten. Ich entschuldige mich nicht dafür, Sie in erster Linie dort liegen gelassen zu haben, da Sie definitiv nicht geatmet haben als wir gegangen waren, aber wenn Sie früher gefunden worden wären, wäre Ihr Hals vermutlich besser geheilt als er es ist. Ja, ich habe die Narben gesehen und ich sehe, wie Sie versuchen die Unannehmlichkeiten die sie verursachen zu vermindern, also kann ich mir vorstellen, dass sie nicht ganz in Ordnung sind. Also tut mir auch das leid. Sie hätten Besseres verdient.

Das ist alles was ich sagen wollte, wirklich. Dass ich dankbar für Ihre Entschuldigung bin, aber nicht denke, dass sie nötig war, und dass es mir auch leid tut. Vielleicht können wir im neuen Jahr von vorne anfangen? Oder uns zumindest nicht so unwohl in der Gegenwart des anderen fühlen?

Hermine Granger

PS: Alles Gute zum Geburtstag. Ich habe ihn nachgeschlagen.

Sehr langsam ließ Severus den Brief sinken und löschte das Licht seines Zauberstabs, den er automatisch zurück in seine Roben steckte als er in der Dunkelheit richtung Schloss starrte. In seinem Kopf schien gerade ziemlich viel zu passieren und er wollte warten, bis sich der Sturm dort etwas gelegt hatte und er eine Ahnung davon hätte, was er gerade fühlte angesichts dem was er soeben gelesen hatte. Ein alter Reflex ließ ihn sich wütend fühlen als er auf das zerknitterte Pergament hinabschaute, denn sein erster Impuls war der anzunehmen, dass das nur eine Art Scherz auf seine Kosten war, aber er war jetzt älter und hoffentlich auch weiser und der eher rationale Teil seines Gehirns wusste, dass das nicht sein konnte. Ein kleiner Teil von ihm - er versuchte es nicht zuzugeben - fühlte sich gerade weit emotionaler als dass er sich damit noch gut fühlen konnte, aber seine alten Okklumentik-Mechanismen konnten damit umgehen. Hauptsächlich war er vollkommen verwirrt, ziemlich genauso wie er sich gefühlt hatte, als er zum ersten Mal verstanden hatte, das sein Leben nicht normal war und dass andere Menschen in einer ganz anderen Welt lebten.

Der Brief an sich war... nun, nett, nahm er an, was vermutlich der Grund war, warum er sich unwohl fühlte, da 'nett' kein Konzept war, dem er oft begegnet war. Sie hatte viele Gedanken in den Brief gesteckt und sie war offensichtlich nervös deswegen - er konnte praktisch die Teile nennen, an denen sie ihre Lippe gebissen hatte während des Schreibens und er konnte es sich deutlich vorstellen. Er war sich nicht sicher, warum sie sich überhaupt darum kümmerte, da sie ja anscheinend nicht davon ausgegangen war, dass er es lesen würde, aber sie war anscheinend eine der wenigen Gryffindors die wirklich ein Gewissen besaßen.

Da war nichts Herablassendes, keine versteckten Beleidigungen, keine passive Aggression oder versuchte emotionale Manipulation die er sehen konnte; tatsächlich war der ganze Ton des Briefes viel erwachsener und durchdachter als er es nach seinen Beobachtungen vor einigen Wochen erwartet hätte. Granger schien erwachsen geworden zu sein als er nicht hingeschaut hatte und sie schien viel weniger unerträglich störend geworden zu sein. Sie hatte die Dinge gewählt und sich dafür entschuldigt, die nötig waren und die vergangenen Fehler zugegeben, die keine Entschuldigung verlangten, ohne die Dinge zu erzwingen.

Wie sollte er denn jetzt antworten? Sie klang zwar nicht so, als würde sie irgendetwas erwarten und es zu ignorieren klang definitiv gut, aber zur Hölle, sie lag verdammt richtig mit seinen ungelösten Konflikten und er war praktisch der Inbegriff von Verdrängung. Abgesehen davon... Severus sah erneut stirnrunzelnd auf das Pergament hinab und dachte nach. Diese letzten Zeilen klangen fast wie ein Freundschaftsangebot , soweit er sagen konnte. Das war verdächtig und irritierend, aber davon abgesehen war er fast interessiert. Es wäre gut jemanden zu haben mit dem man gelegentlich reden könnte und er hatte schon gesehen, dass sie beinahe genau so isoliert war wie er selbst. Er würde sich nicht auf irgendetwas festlegen müssen, aber ein Teil von ihm wollte sehen, wie weit dies gehen würde.

Also, was kam als nächstes? Zurückzuschreiben war erbärmlich und er verwarf die Idee sobald sie ihm gekommen war. Sie lebten und arbeiteten im selben Gebäude; schriftlich zu kommunizieren war einfach nur traurig. Aber gleichzeitig war er auch nicht darauf vorbereitet sich hinzusetzen und darüber zu reden; die Hölle würde einfrieren bevor er sich hinsetzen würde und seine Gefühle oder seine Geschichte mit irgendjemandem diskutieren würde. Aber es sollte wenigstens eine gewisse Erwiderung geben - wenn dies hier die Dinge verändern sollte, dann war es vermutlich an ihm den nächsten Schritt zu tun. Außer, dass er keine verdammte Ahnung hatte, was das sein sollte. Andere Menschen waren manchmal extrem verwirrend.

Verspätet bemerkte er, dass es jetzt bereits fünf Uhr morgens war und es immer noch schneite und er absolut fror und so steif vor Kälte war, dass er sich kaum noch bewegen konnte. Das war nicht seine klügste Entscheidung gewesen, ganz egal wie schön und friedlich der Schnee war. Genau jetzt war sein nächster Schritt einfach nur hinein zu gehen, zu duschen, etwas Heißes zu trinken und dann für einige Stunden ins Bett zu gehen. Um den Rest konnte er sich später Sorgen machen.


Fast eine Woche später war Severus immer noch nicht schlauer und wusste nicht, was er jetzt tun sollte. Er hatte den Brief so viele Male erneut gelesen, dass er einzureißen begann an den Stellen, an denen er gefaltet war, aber er hatte immer noch nichts zu ihr darüber gesagt. Das Schuljahr hatte wieder begonnen und jeder war beschäftigt, was ihm eine Ausrede geliefert hatte um die ganze Situation zu ignorieren, aber das konnte nicht auf undefinierte Zeit so weiter gehen. Nun, doch, es konnte, und das war das Problem; er wollte das nicht. Es war nicht so, dass er eine große Auswahl hatte was Freundschaften betraf und er konnte es sich nicht wirklich leisten das einzige positive Angebot, dass er in fast einer Dekade erhalten hatte zu ignorieren - abgesehen davon wäre es nett jemanden zu haben, der gelegentlich auf seiner Seite wäre, da er dabei war 'Teil des Teams' zu werden, was unweigerlich dazu führen würde, dass er viel mit den Menschen aneinandergeraten würde.

Mangels irgendeiner Art von konkretem Plan, entschied er sich widerwillig dazu zu improvisieren und bei der nächsten Lehrerkonferenz setzte er sich auf den Platz neben Granger. Sie sahen sich nicht an, aber er konnte ihre Spannung fühlen und sie war offensichtlich nervös angesichts seiner Reaktion, was ihn perverser Weise sich etwas besser fühlen ließ - wenigstens war er nicht der einzige der verwirrt war. Als Minerva angefangen hatte zu reden - diese Treffen konnten Stunden dauern wenn sie erst mal in Fahrt kam - lehnte er sich etwas näher zu seiner Kollegin und murmelte, "Das war ein interessanter Essay den Sie mir da geschickt haben, Granger. Komplett, mit Zusammenfassung ihrer Schlussfolgerung. Ich habe schon fast eine Quellenangabe erwartet." Er hatte eigentlich nicht geplant, sie damit aufzuziehen, aber auf eine Art und Weise war es ziemlich lustig gewesen und so typisch sie.

Sie lächelte als er sie von der Seite ansah. "Ich weiß. Es war ziemlich dumm, oder? Ich bin immer noch überrascht, dass ich es hinbekommen habe überhaupt etwas zu schreiben. Und dass Sie es gelesen haben. Werden Sie es zurückgeben, übersät mit roter Tinte?"

Er schnaubte leise und entspannte sich; das schien nicht annähernd so seltsam zu werden wie er es befürchtet hatte. "Kann ich, wenn Sie das möchten."

"Nein danke. Sie sind nicht... sauer?"

"Warum sollte ich das sein?"

"Sie haben vorher auch keinen Grund gebraucht um sauer zu sein", machte sie ihn aufmerksam. Ihr Tonfall war nicht verärgert oder anklagend oder spöttisch; es war die schlichte Wahrheit.

Severus zuckte die Schultern. "Stimmt", gab er zu. "Aber nein, ich bin nicht sauer darüber. Aus reinem Interesse, wie lange haben Sie mit sich deshalb gerungen?"

"Ähm. Eigentlich mehrere Jahre um ehrlich zu sein. Da Sie es ablehnten mich irgendetwas davon persönlich zu sagen. Aber aktueller, seit Weihnachten. Ihre Notiz war ein echter Schock."

"Für mich genau wie für Sie", gab er zu. "Es war eher eine Entscheidung auf die letzte Minute."

"Ich meinte das, was ich sagte, wissen Sie. Es war nicht nötig."

"Für mich war es das."

Sie nickte, antwortete aber nicht, anscheinend hörte sie Minerva zu. Severus klinkte sich wieder in das Treffen ein, merkte, dass seine Arbeitgeberin gerade dabei war über den Quidditch Trainingsplan zu reden und schaltete direkt wieder auf Durchzug; er könnte nicht desinteressierter sein, genauso wenig wie Granger, soweit sie überhaupt davon betroffen schien. Einen Moment später bekam er recht als sie flüsterte, "Sie hat es geplant, oder?"

"Was geplant?"

"Alles davon."

Er biss sich auf die Zunge um sich davon abzuhalten laut zu lachen. "Natürlich hat sie das nicht", flüsterte er zurück. "Denken Sie wirklich, dass sie derart weitsichtig ist, Granger? Sie stellte sicher, dass ich Ihren Namen ziehen würde, weil sie mich ärgern wollte und weil sie dachte, dass ich nicht fähig sein würde etwas zu finden, dass ich Ihnen schenken könnte. Mehr ihrer Gedanken stecken nicht dahinter. Keiner unserer geschätzten Kollegen sind auch nur entfernt einfühlsam, falls Sie es nicht bemerkt haben."

"Hermine, nicht Granger, bitte", korrigierte sie ihn sanft. "Was lässt Sie das überhaupt sagen?"

"In sechs Jahren in denen sie mich ignoriert haben ist keinem aufgefallen, dass sie Ihnen dasselbe angetan haben", sagte Severus ihr leise während er sich auf seinem Stuhl zurücklehnte und vorgab den anderen Hauslehrern zuzuhören, als diese ihre Meinung verkündeten. Er hob seine Stimme für ein schleppendes, "Es ist mir wirklich egal", als er gefragt wurde und machte es sich wieder bequem als er mit dem Weiterlauf der Konversation ignoriert wurde.

Schließlich flüsterte Hermine unsicher, "Sie ignorieren mich nicht."

"Doch, das tun sie", antwortete er. "Und Sie wissen das und Sie wollen das nicht zugeben. Ich habe das vor langer Zeit bemerkt, aber ich habe erst kurz vor Weihnachten wirklich darauf geachtet." Zur Seite schauend betrachtete er ihren Gesichtsausdruck. "Es ist nichts persönliches Granger. Hermine. Es ist ihnen nicht bewusst, dass sie das tun. Abgesehen davon sollten Sie dankbar sein; wenn sie besser aufpassen würden, würden Sie auch in dem endlosen schwarzen Loch, das ein Gespräch sein soll versinken und Ihr Gehirn würde nach der ersten Stunde aus ihren Ohren bluten. Würden Sie es nicht bevorzugen irgendwo zu sitzen und zu lesen und vorzugeben, dass sie nicht da sind, wie Sie es normalerweise tun?"

Für einen Moment dachte er entsetzt, dass der kleine erstickte Laut ein Schluchzer sei, aber als er ihr erneut einen Blick zuwarf, funkelten ihre Augen als sie ein Lächeln hinter ihrer Hand versteckte und er entspannte sich und war beinahe zufrieden mit sich selbst. "Wir haben uns zehn Minuten unterhalten und Sie beginnen bereits ein schlechter Einfluss zu sein", schimpfte sie ihn flüsternd.

"Ich bin die Stimme der Vernunft", gab er zurück. "Sie stimmen mir zu, hören Sie auf so zu tun als ob das nicht so wäre. Sie sind nicht wirklich daran interessiert mit einem von ihnen befreundet zu sein und Sie sind nicht wirklich aufgebracht darüber; Sie denken nur, dass Sie sein sollten." Ehrlich gesagt galt dasselbe auch für den hirnlosen Wunderknaben und seinen genauso hirnlosen Handlanger, aber er darüber hielt er den Mund, da er das hier nicht in Gefahr bringen wollte in dem er jeden in ihrem Leben beleidigte.

"Ich hätte wissen müssen, dass es eine schlechte Idee war mit Ihnen zu reden", murmelte sie aber er war erleichtert darüber zu sehen, dass sie immer noch lächelte. "Hören Sie auf."

Seine Lippen zuckten, als er selbst ein Lächeln zurückhalten musste und Severus tat wie ihm gesagt wurde, machte es sich bequem um in seine eigenen Gedanken abzutauchen und das Brummen des Treffens um ihn herum zu ignorieren. Die schien lustig zu werden, wenn schon nichts anderes.


Ende.