Mit verwirrter Entschlossenheit rannte sie nun zum Geräteschuppen und schloss sich ein.

„Es ist das doch alles egal!" rief sie in die Dunkelheit des Schuppens.

Ein modriger Gestank drang in ihre Nase.

„Nein, das ist es nicht" sang eine böse Stimme in ihrem Kopf.

„Du bist erbärmlich, erbärmlich, erbärmlich…"

Sie sank verbittert auf die Knie, spürte wie sich der Schmutz in ihre Beine bohrte, spürte wie der Schmutz sich in Hass umwandelte und ihren zitternden Körper durchdrang. Die Wut in ihr begann zu wachsen. Er wollte sie retten, sie beschützen… Pah! Er bewirkte das Gegenteil, denn er zerstörte sie und er machte sie kaputt, vernichtete ihr das letzte bisschen Würde, ihren Lebenswille… ihren Lebenswillen. Er hat ihn ihr einst gegeben, jetzt nahm er ihn. Heldenhaft! So wurde er doch für seine Entscheidungen geehrt, man hielt ihn für ruhmhaft, er war bedeutend, besaß er doch das Geschenk der Liebe, die sein Gegner nicht besaß. Das Geschenk der Liebe… was wusste er schon wirklich davon? Der Hass ließ ihren Widerstand schleichend wachsen. Langsam, ganz langsam, den Zauberstab in ihrer linken Hand haltend stand sie auf, sie zitterte immer noch, doch sie hatte nun aufgehört zu weinen.

Dann ging es Schlag auf Schlag.

„Reductio!"

Sie schwang ihren Zauberstab ins Bodenlose des Schuppens und ein blecherndes Krachen ertönte, wie als ob große Eimer fielen und etwas Nasses spritze in ihr Gesicht. Farbe.

Das ist dafür, dass du so mutig bist! Welch ein Held!

„Reducito!!"

Ihr Zauberstab war nun auf den Schrank gerichtet, wo, wie sie wusste, der Flugbesen ihrer Familie stand. Ein Bersten von frischem Holz war zu hören.

Das ist für deinen verdammten sinnlosen Stolz!

„Re… Reductio!!!"

Das Zittern wurde schlimmer. Sie hörte den Klang von zerspringendem Glas und es war wie Musik in ihren Ohren. Möge dein Leben auch in Scherben liegen, so wie es das meine tut!

Das ist für deine unüberwindbare Weisheit!

Das für deine Rettung! Ich schulde dir Dank…

„Reductiooo!!" Die Farbeimer begannen gegen die Decke zu schleudern und ein donnerndes Krachorchester begann. Sie wirbelte nun in blanker Tobsucht die zerstörten Gegenstände durcheinander, ließ sie aneinander krachen, spürte Erlösungung von ihren Schmerzen, die sie kaum denken ließen.

Für meine Abhängigkeit von dir! („Reductio!")

Dafür, dass ich nur noch ein wandelnder Geist bin! („REDUCTIO!")

Dafür, dass ich dich immer noch -

Doch weiter kam sie nicht. Ginny Weasley war herum geschnellt; der zitternde Zauberstab war nun gegen Richtung Tür gerichtet, der Zerstörungsspruch noch auf ihren Lippen. Da wo sie vorher reine Dunkelheit umgab und eigentlich die verschlossene Tür sein sollte, zeichnete sich nun eine Silhouette ab. Hochgewachsen, etwas schlaksig, mit verwuscheltem Haar.

Harry Potter. Natürlich.

Ginny überlegte einen Moment, was passieren würde, wenn sie nun den Spruch auch auf ihn… doch als sie sich ihren Gedanken bewusst wurde, erschrak sie. Sie konnte es nicht, das war sie sich bewusst, sie hätte es nie wirklich gewollt und schämte sich ihrer tollkühnen Phantasie. Das eindringende Licht ermöglichte nun auch einen Einblick auf das Chaos, das sie angerichtet hatte. Ihr Blick wandelte über die zerplatzten Farbfässer, das zersprungene Glas, das wie tausend kleine tödliche Klingen über den Boden verstreut war, dem etwas von Besen, kaum mehr erkennbar. Nichts mehr, gar nichts in dem Raum war ganz.

Ihr Blick fiel wieder auf Harry, den Zauberstab, wie zum Schutz haltend, war immer noch in ihrer linken Hand. Und immer noch schwankend auf ihn gerichtet. Jetzt, da die Ursache ihres Wutausbruches so präsent war wie in der letzten Zeit noch nie, war das Zittern unerträglich geworden. Ihre Augen trafen langsam auf die seinen. Grün. Erstaunt aufgerissen

„Ginny, was…?" brachte er hervor.