Akt II
Erwachen
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„Hey."
Schlaftrunken öffnete sie die Augen. Fahles Mondlicht fiel in ihr Zimmer. Eine dunkle Gestalt beugte sich über sie. Eine Gestalt, die ihr nur allzu sehr bekannt war.
„Sasuke-kun!", rief sie überrascht. „Was machst du um diese Zeit hier?"
Ruckartig richtete sie sich auf. An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken. Wie denn auch, wenn Sasuke Uchiha, ihr Langzeitschwarm und die Liebe ihres Lebens, nachts um zwei Uhr an ihrem Bett saß. Augenblicklich fing ihr Herz an rasend zu klopfen.
Weiße Zähne blitzten in der Dunkelheit auf. Er brachte sein Gesicht ganz nah an ihrs.
„Ich musste dich sehen."
Nervös warf sie einen Blick auf ihre verschlossene Zimmertür. „Wenn meine Eltern dich nachts hier in meinem Zimmer erwischen, dann…" Ihre Stimme versagte, als sie plötzlich federleichte Küsse auf ihrem Hals spürte.
Blut schoss ihr in die Wangen. „Was machst du da?", quiekte sie.
Sanft drückte er sie zurück auf ihr Kissen. Sie spürte sein Gewicht, als er sich tief über sie beugte. Er brachte seinen Mund ganz nah an ihr Ohr und murmelte: „Was du da anhast… es steht dir ausgezeichnet."
Erst jetzt merkte sie, dass sie nur den Büstenhalter und Slip von gestern Abend trug. Sie hätte schwören können, dass sie vorm Schlafengehen ihr Nachthemd angezogen hatte.
Aber jetzt war keine Zeit, sich über ihre spärliche Bekleidung Sorgen zu machen. Sasukes Berührungen ließen sie keinen klaren Gedanken fassen. Er strich mit den Fingerspitzen federleicht über ihr Dekolleté. Die Schwielen an seinen Fingerkuppen lösten Gänsehaut auf ihrer Haut aus.
„Sag mir, dass ich aufhören soll." Sein warmer Atem strich über sie, als er mit der Nasenspitze über ihre Wangen fuhr.
Sakura kniff die Augen zusammen. Ihr ganzer Körper prickelte und in ihrem Bauch veranstalteten tausend Schmetterlinge ein Heidenchaos. Sie wollte ihn packen und näher ziehen, aber gleichzeitig auch von sich stoßen. Er war so nah. Sein Geruch nach Rauch und Zimt benebelte ihre Sinne. Seine Nähe löste eine fast beängstigende Reaktion in ihrem Körper aus. Eine leise Stimme in ihrem Hinterkopf ermahnte sie, dass dieses Verhalten ganz und gar untypisch für ihren einsilbigen und recht apathischen Teamkameraden war. Aber sie ignorierte die schrillenden Alarmglocken in ihrem Kopf einfach.
Sie wusste nicht, was in ihn gefahren war, aber es war ihr auch egal. Es war nachts, sie waren beide allein und niemand würde etwas erfahren.
„Hör… Hör nicht auf. Bitte", wisperte sie erstickt.
Sie konnte sein Gesicht im Dunkeln nicht erkennen, aber sie hätte schwören können, dass er lächelte.
Er vergrub das Gesicht wieder in ihrer Halsbeuge und verteilte sanfte Küsse auf ihrer Haut. Sein warmer Mund strich über ihr Schlüsselbein und hinterließ eine feuchte Spur. Ihre Hände, die bis dahin in die Decke gekrallt waren, griffen zögernd nach ihm und vergruben sich in sein weiches, seidiges Haar.
Plötzlich biss er sanft in die Haut an ihrem Hals.
Sakura entfuhr ein Keuchen.
„Ah-hh…"
Augenblicklich schlug sie eine Hand an ihren Mund. Oh Gott, hatte sie gerade ernsthaft gestöhnt?
Sasukes Zunge strich beruhigend über die Bissstelle. Sofort schoss Wärme zwischen ihre Beine. Sakura kniff beschämt die Augen zusammen. Wieso spielte ihr ganzer Körper völlig verrückt?
Aber was er da mit ihr machte, fühlte sich einfach unglaublich gut an.
Spielerisch strich er mit den Fingern über die Spitze ihres Büstenhalters. „Ich will dich hier spüren, Sakura", flüsterte er heiser.
Sakura schluckte schwer. Sie wollte nicht, dass er enttäuscht wurde von dem, was sie zu bieten hatte. Aber gleichzeitig sehnte sie sich danach, mehr von seinen Berührungen zu kosten.
Als sie zögernd nickte, strichen ihre Lippen federleicht über seine. Als hätte sie sich verbrannt, fuhr sie erschrocken zurück.
„Langsam", murmelte er amüsiert. Seine Finger bewegten sich zögernd aufwärts und verschwanden unter ihrem Büstenhalter. Sanft streichelten sie die Schwellung, die ihre Brüste andeutete.
Seine Fingerkuppen machten kreisförmige Bewegungen, als sie über die Halbkugeln strichen.
Schließlich wanderten seine Finger weiter hoch.
Sakura schloss atemlos die Augen. Sie reckte sich sehnsuchtsvoll seinen forschenden Händen entgegen.
Gleich, dachte sie, haben seine Finger ihr Ziel erreicht.
Gleich berühren sie…
Gleich…
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Mit einem dumpfen Geräusch schlug Sakura auf dem Parkett auf.
„Aua!"
Schmerzhaft rieb sie sich den Hintern. Sonnenlicht durchflutete ihr Zimmer. Sakura blinzelte, als sie langsam wieder in die Realität zurückkehrte.
Es war nur ein Traum.
Und was für einer.
Sie hatte das Gefühl, als würde ihr Körper immer noch unter Strom stehen. Ihre Haut prickelte immer noch, als hätte Sasuke sie eben gerade noch berührt.
Sasuke.
Sofort schoss ihr das Blut in die Wangen und sie vergrub beschämt das Gesicht in die Hände.
Natürlich würde er nicht nachts in ihr Zimmer schleichen. Nur um sie zu streicheln, zu küssen, liebevolle Kosewörter ins Ohr zu flüstern… Wie kam sie nur darauf, so etwas Blödsinniges zu träumen?
Ich bin mir sicher, dass er ein großartiger Küsser ist.
Wir sind schließlich keine Kinder mehr.
Sie musste an Makos Worte von gestern denken. Natürlich, ihre Freundin hatte ihr diese Flausen in den Kopf gesteckt. Sicherlich, sie hatte sich immer gefragt, wie es wäre, mit Sasuke zusammen zu sein. Zeit mit ihm zu verbringen, seiner Stimme zu lauschen, keusche Küsse mit ihm zu tauschen, seine Hand zu halten… Aber diese Vorstellungen waren ziemlich unschuldig im Vergleich zu dem, was sie geträumt hatte.
Was er mit ihr gemacht hatte.
Sie spürte, wie ihr wieder warm wurde und die Schmetterlinge in ihrem Bauch verrücktspielten.
„Ich glaube, ich bin wirklich kein Kind mehr", murmelte sie in die Stille ihres Zimmers.
Ein Blick auf ihren Wecker zeigte ihr, dass sie für das heutige Training spät dran war.
Niedergeschlagen lehnte sie sich an ihr Bett.
Wie sollte ihm bloß heute unter die Augen treten?
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Sie lehnten beide an der Brüstung der Brücke, ihrem Standardtreffpunkt. Sasuke hatte das Gesicht zur Sonne zugewandt und lauschte in die morgendliche Stille hinein.
Zumindest versuchte er es.
Sein idiotischer Teamkollege, Naruto Uzumaki, hatte irgendwann die unerträgliche Stille satt und warf die Arme frustriert in die Luft.
„Wo sind bloß Kakashi-sensei und Sakura-chan?! Ich meine, von ihm kennt man das nicht anders, aber dass Sakura-chan uns auch einfach hängen lässt?" Laut maulend plumpste er im Schneidersitz in die Mitte der Brücke.
Insgeheim musste Sasuke seinem blonden Teamkollegen zur Abwechslung mal zustimmen. Dass Sakura spät dran war, war ziemlich ungewöhnlich. In der Regel nahm sie Pünktlichkeit ernst, da sie es als ehemalige Musterschülerin der Ninja-Akademie auch nicht anders kannte.
Genau in diesem Moment erschien ihr Sensei wie aus dem nichts. Leicht beschämt kratzte er sich den Nacken.
„Guten Morgen, ihr wisst ja, ich bin mal wieder-"
„Jaja, von der Straße des Schicksal abgekommen", unterbrach ihn Naruto. Anklagend zeigte er mit dem Finger auf ihn. „Spar dir deine lahmen Ausreden; Ich bin angepisst. Du hast uns mal wieder stundenlang warten lassen, alter Mann!"
Sasuke verdrehte die Augen und wandte sich ab.
Jetzt bemerkte er Sakura, wie sie als Letzte im Bunde langsam die Straße hochkam. Schon von weitem sah er, wie ihre Haare – sonst immer sorgfältig frisiert- leicht abstanden. Dunkle Ringe zeichneten sich unter ihren Augen ab.
„Sakura-chan!"
Naruto strahlte seine Teamkameradin an und lief ihr entgegen. „Wo warst du bloß? Wieso hast du mich mit den beiden-", er warf einen bösen Blick hinter sich, „allein gelassen- Ist alles in Ordnung mit dir?" Jetzt bemerkte er auch ihre leicht zerzauste Aufmachung. Fragend neigte er den Kopf zur Seite.
Sakura lachte nervös und machte eine wegwerfende Handbewegung. „Schon gut, habe nur etwas schlecht geschlafen." Sie nickte Kakashi zu. „Tut mir Leid, Sensei."
Als ihr Blick auf Sasuke fiel, erstarrte sie. Sie schaute sofort weg und biss sich auf die Lippe.
Sasuke hob skeptisch eine Augenbraue.
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Um ein Haar hätten sie die Mission in den Sand gesetzt.
Und das alles ihretwegen.
Jedem von ihnen wurde eine Rolle zugeteilt und in der Regel nahm Sakura ihre Arbeit als Kunoichi sehr ernst. Auch wenn sie manchmal Naruto zurechtweisen musste, über ihren Sensei klagte oder Sasuke anhimmelte, konnte man sich auf sie während einer Mission verlassen.
Aber heute war sie völlig unkonzentriert und machte im Laufe des Tages immer wieder kleine Fehler. Auch Naruto schaute sie irgendwann neugierig an.
Außerdem ignorierte sie ihn.
Sie ging ihm partout aus dem Weg. Sonst verging eigentlich kein Tag, wenn Team Seven zusammenkam, an dem sie nicht versuchte, in seiner Nähe zu sein. Aber heute richtete sie nicht das Wort an ihn, schaute nicht einmal in seine Richtung und sobald er in ihre Nähe kam, suchte sie das Weite.
Irgendetwas belastete sie. Das hatte er schon gemerkt, als sie heute Morgen völlig aufgelöst zum Treffen kam.
Als sie um ein Haar die Spur von ihrem Zielobjekt, dem weggelaufenen Terrier einer reichen Dame, verloren und das Zielobjekt obendrein auch noch fast umgebracht hätten, hatte er endgültig die Nase voll.
Als er sicher war, dass Naruto wieder die Spur aufgenommen hatte, machte er sich auf die Suche nach Sakura.
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„Erde an Waschbär, hier ist Pandabär, das Zielobjekt konnte erfolgreich gefasst werden, dattebayo!"
Sie vernahm die knisternde Stimme von Naruto aus dem Funkgerät in ihrer Hand.
Erleichtert lehnte sie sich an einen Baumstamm.
Kami sei Dank, die Mission hatte doch noch ein gutes Ende gefunden. Dieser Tag hatte so furchtbar angefangen, aber sie war jetzt froh, dass es jetzt nicht mehr schlimmer werden konnte.
Gerade wollte sie sich aufrappeln, als eine stählerne Hand ihr Handgelenk packte. Sie wurde zurückgerissen und blickte in bekannte kohlschwarze Augen.
„Sakura, was ist los-" Aber weiter kam er nicht. Sakura stieß einen überraschten Schrei aus. Ihr Fuß verfing sich in einer Wurzel und bevor Sasuke reagieren konnte, rollten beide den kleinen Abhang runter.
Er kam auf ihr zu liegen. Ihr Kleid war hochgerutscht und seine rechte Hand lag auf ihrem Bauch, der über ihren Shorts zu sehen war. Sie blickten beide gleichzeitig auf seine Hand.
Dann starrten sie sich an.
Sein Gesicht schwebte über ihrem. Ihre Nasen berührten sich fast. Sie spürte seinen warmen, hektischen Atem, der über ihre Haut strich.
Sofort tauchten Bilder von gestern Nacht wieder unweigerlich vor ihrem Auge auf. Als er so auf ihr lag, sich zu ihr hinunterbeugte, sie berührte…
Er ist zu nah!, schrie eine Stimme in ihr.
Das Blut schoss ihr in die Wangen und panisch stieß sie ihn mit beiden Händen von sich, bevor sie –und er- einen klaren Gedanken fassen konnten. Sie rappelte sich auf und rannte die Lichtung hinunter, bis sie zwischen den Bäumen verschwand.
Sie ließ einen völlig verblüfften Sasuke zurück.
Er spürte immer noch ihre Wärme an seiner Hand.
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tbc…
