Kapitel II: Gefühle
Leutnant Spock_________________________________________
Ein weiterer Monat zog dahin, in denen die Sprachlektionen fortgesetzt wurden. Jeden Abend bereitete der Vulkanier einen kleinen Lunch für sie beide zu. Obwohl Kadett Uhura nichts davon bemerkt hatte, das sie auch die vulkanische Küche probieren will, stellte ihr Spock immer eine kleine probier Portion zu ihrer eigentlichen Mahlzeit. So konnte sie immer Kosten. Spock schätze das Neugierige Wesen seiner Kadettin so ein und da sie auf seine Frage keine Antwort verlauten ließ, hatte der Vulkanier einen Kompromiss gefasst. Die Essen wurden von mal zu mal immer offener. Seine Schülerin amüsierte sich offen und gab auch zu wenn ihr das vulkanische Essen nicht schmeckte. Spock sah dies keinesfalls als Beleidigung oder Kränkung an. Eher fand er Gefallen an ihrer Ehrlichkeit, ihre freie unverblümte Art das zu sagen was sie meinte oder dachte. Ehrlichkeit lag auch in dem Wesen eines Vulkaniers, dennoch unterschieden sie sich wie Tag und Nacht. Sie war die leidenschaftliche Schülerin, die ihr Wissen erweitern wollte und er war ihr verschlossener Lehrer, der auf fast jede ihrer Fragen eine Antwort kannte außer auf eine: Mochte er sie wirklich nur als Schülerin? Wollte er sie wirklich nur lehren oder genoss er es sogar mit ihr Zeit in Zweisamkeit zu verbringen? Gelegentlich hatte er das Gefühl, dass er den Lektionen nicht genügend Aufmerksamkeit bei maß und sich in ihrem faszinierenden Wesen verlor.
In einigen Tagen würden die Lektionen vorerst einmal zu anderen Bedingungen stattfinden. Spock war für eine wissenschaftliche Expedition ausgesucht worden. Er würde auf der U.S.S Sutherland unter Kapitän Hemshire eine drei monatige Forschungsreise unternehmen. Es war nichts sonderbares das Spock für kleine Missionen auf ein Schiff versetzt wurde. Als Mitglied der Sternenflotte konnte man sich gewisse Dinge nicht aussuchen. Zumal es seine letzte Mission war bevor seine ersten Zöglinge zu den Prüfungen antreten mussten. Zu dieser Zeit wollte er unbedingt das Abschneiden seiner Studenten begutachten und möglicherweise ihnen dabei auch beratend zur Hilfe stehen. Die Sternenflotte hatte diesem Gesuch bereits zu gestimmt sodass er nach seiner Dienstzeit auf der Sutherland zurückkehren konnte um weitere Monate auf der Erde zu verbringen. Uhura hatte er bereits über diesen Umstand informiert, sie nahm es wie erwartet eher gelassen, womöglich auch da er ihr zusicherte das die Lektionen fortgesetzt werden würden, wenn er sein Dienstplan feststand. Man würde sehen welche Uhrzeiten dies beinhalteten. Möglicherweise mussten sie die Sitzungen auch verkürzen wenn unvorhergesehene Ereignisse eintrafen.
Nach ihrer letzten Lektion geschah etwas unerwartetes. So wie immer beendete der Leutnant die Lektion um dann aufzustehen. Auch seine Kadettin war aufgestanden. Schweigend wartete er ab bis sie ihre Sachen zusammen gepackt hatte. Schon immer waren ihre Abschiede etwas, nun man konnte es fast als krampfig beschreiben. Anstatt einfach zu gehen und sich zu verabschieden, wandte die dunkelhaarige dem Leutnant ihren Körper zu. „Angenehme Reise, Sir." Hörte er sie sagen. Spock nickte nur bedächtig, als er dann bemerkte das sie ihm zum Abschied die Hand entgegen streckte. Der Vulkanier konnte sich nicht daran entsinnen irgendwann anders einmal die Hand eines Menschen geschüttelt zu haben. Er wusste was es bedeutete, es war eine friedliche, freundschaftliche Abschieds oder Begrüßungsgeste. Kurz schob sich seine Braue ein Stück Höhe. Nach anfänglichen zögern streckte er seine Hand aus und nahm ihre Hand in seine. Ihre Hand war angenehm warm und ungewöhnlich weich. Nicht das er angenommen hatte sie wäre kratzig, er kannte die anatomische Bewandtnis von Haut bei Menschen. Doch irgendetwas war seltsam. Ein merkwürdiges Gefühl breitete sich in seinem Innern aus. Eine Emotion die in durchaus verwirrte, etwas das er in dieser Form noch nie zuvor gespürt hatte. Dieses Gefühl war jenseits von Abneigung oder Zuneigung. Es war anders, undefinierbar aber nicht unangenehm. Nicht abrupt aber etwas schneller als erwartet zog er die Hand zurück. „Lernen sie fleißig Kadett. Auch während meiner Abwesenheit." Somit war das Gespräch beendet und die Lektion auch.
Stunden später saß Spock in einem Shuttle in Richtung Raumstation wo das Forschungsschiff wartete. Noch immer war er in Gedanken bei dieser Berührung, er würde ihr aber nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken. Nun standen andere Aufgaben an die bewältigt werden musste. Spock musste nun zeigen wozu er fähig war. Die Lektionen über die Comverbindung zur Erde gestalteten sich schwieriger als es der Leutnant erwartet hätte. Oft machte es sein Dienstplan unmöglich zu überhaupt etwas zu kommen. Gelegentlich verzichtete der Vulkanier auf Schlaf um mit der Kadettin die schwierigen Dialekte romulanisch durch zu gehen. Sie Verstand schnell, nur einige Probleme hatte sie noch. Eine Sprache mit drei Dialekten war schwer auseinander zu halten. Noch ein Monat musste Spock auf dem Raumschiff seinen Dienst ableisten. Als sie eines Abends über die Computer Verbindung miteinander sprachen. Das Bild wurde von mal zu mal schlechter und die Sprachverbindung nahm rapide ab. „Einen Moment Kadett." Sagt Spock ruhig um die Frequenz zu erhöhen. Doch er kam nicht mehr dazu die Frequenz hoch zustellen. Der rote Alarm schrillte auf und sofort kam über die Intercom Verbindung der Befehl von der Brücke: „Leutnant Spock melden sie sich sofort auf der Brücke." „Spock verstanden." Meldete sich Spock mit ruhiger Stimme zurück und sah ein letztes Mal zur seiner Kadettin die das Schauspiel wohl oder Übel mitbekommen hatte. „Ich muss auf die Brücke. Spock Ende." Waren seine schlichten Worte und er unterbrach die Verbindung. Schlussendlich wäre die Verbindung ohnehin nach einigen Minuten komplett zusammengebrochen. Sie würde auch noch die letzten Wochen unterbrochen bleiben. Was in Spocks Augen ärgerlich war.
Auf der Brücke erfuhr Spock das Problem. Ein Navigationsfehler hatte sie durch einen unerwarteten Asteroidenschauer geführt. Dieser hatte das Funksystem des Forschungsschiff erst unterbrochen und durch einen unglücklichen Einschlag komplett außer Kraft gesetzt. Da es sich nur um ein Forschungsschiff handelte wurden andere Prioritäten gesetzt. Das Com System zur Erde blieb erst einmal unterbrochen. Andere Aufgaben mussten bewältigt werden, denen sich Spock unterordnen musste. Möglicherweise war es auch ganz gut für seine Kadettin erstmal ein wenig ausruhen zu können, bevor die schwierige Prüfungsphase begann. Sie hatte ohnehin soviel von Spock gelernt das sie die restlichen Lektionen auch mit einem anderen Lehrer durchgehen konnte, zur Not könnte sie sich auch alles alleine beibringen. In seinen Augen war die Kadettin eine äußerst fähige Persönlichkeit.
Nyota Uhura____________________________________________
Die Wochen vergingen für Nyota Uhura äußerst geschäftig. Abgesehen davon, dass ich manchen Fächern die ersten Zwischenprüfungen stattfanden, gab es vieles nachzuholen, das das emsige Studium in den letzten Monaten nicht erlaubt hatte. An einem langen Wochenende besuchte Nyota ihre Mutter in Oklahoma und musste natürlich alles über ihren neuen ‚Nachhilfelehrer' berichten. Und mit vor Stolz glänzenden Augen ließ sie sich von den ungemeinen Fortschritten erzählen, die ihre Tochter mit seiner Hilfe schon gemacht hatte. Miss Uhura hatte ja schon immer gewusste, dass ihr Baby ein schlaueres Köpfchen als so manch anderer besaß, aber sie dankte diesem vulkanischen Goldjungen aus ganzem Herzen für seine Unterstützung und zündete in der Kirche eine eigene Kerze für ihn an. Und Nyota hatte, des Abends auf der weiß gestrichenen Veranda in der quietschenden Hängeschaukel sitzend – Miss Uhura war eine hoffnungslose Nostalgikerin – Zeit darüber nachzudenken, warum sie an den Donnerstagabenden nicht recht etwas mit sich anzufangen wusste. Sie hatte sich so an den abendlichen Unterricht gewöhnt, dass sie – nachdem der Leutnant abgereist war – sogar einmal fälschlicherweise vor seiner Tür stand, obwohl das Quartier doch leer war. Peinlich berührt, aber mit hocherhobenem Kopf war sie dann in ihr eigenes Quartier zurückgekehrt und von Shiva äußerst herzlich ausgelacht worden. Nicht, dass Shiva nicht schon vor diesem ‚Vorfall' ihren Spaß daran gehabt hätte, ihre Freundin zu necken aber jetzt hatte sie umso mehr Freude daran. Ihrer Mutter erzählte Nyota nichts davon. Nun, eigentlich gab es ja auch nichts zu erzählen. Schon der Gedanke daran, dass ihr Verhältnis aus etwas anderem bestand, als aus Professionalität, war absurd. Absolut. Natürlich.
Und doch dachte die Erdenfrau oft an die Momente, in denen sie fernab ihres Lehrstoffes waren. Obwohl sie in dieser Hinsicht noch immer nicht sicher war, wie sie das Verhalten Spocks zu deuten hatte. Beispielsweise hatte er ihr von Vulkan berichtet. Und zwar in der Weise, dass sie nun wusste, wie es dort war. Aber nicht wusste WIE es dort war! Also, dieses andere ‚Wie', das Wenn die Sonnen aufgehen, dass ist es ein großartiger Anblick-Wie oder das Nirgends ist es so schön wie daheim-Wie. Es war ein Lexikon-Wie. Aber hatte sie schon groß erwartet? Dass er mit den Erinnerungen an seine Heimat plötzlich sentimental wurde?
Und da war einerseits die Heiterkeit – ja, verdammt, Heiterkeit! – in seinen Augen... Hätten sich seine Mundwinkel gehoben, dann wäre das ein Lächeln gewesen. Da war sie sich sicher!
Und andererseits der Moment, in dem sie sich die Hand gegeben hatten... und es den Anschein gemacht hatte, als könne er diese unschuldige Geste nur mit Widerwillen über sich ergehen lassen.
Dabei wurden ihre gemeinsamen Abendessen doch immer angenehmer und verloren ihre anfängliche Steifheit... Nyota fand sogar, dass sich der Vulkanier viel Mühe gab, indem er ihr jede Woche eine neue kleine vulkanische Speise kredenzte, was für die Erdenfrau, die mit so viel Genuss essen konnte, einen kleinen kulinarischen Ausflug bedeutete, den sie nur allzu gern unternahm.
Und dann war da wieder die Sache mit seiner unabdingbaren Verschlossenheit, die sie einfach nicht zu überwinden vermochte, was sie auch tat und der Zweifel daran, ob sie ihm nicht wie ein zügelloses Kind erschien, dass sich nicht bemühte die Haltung zu bewahren.
Ach, alles in allem wusste sie nicht recht, was sie von all dem zu halten hatte. Aber ganz bestimmt wusste sie, dass sie die Donnerstagabende irgendwie vermisste.
Dass dies alles nicht Spurlos an ihr vorüberging wurde vor allem an dem Tag ersichtlich, als mit einem grausigen Mal die gesamte Kommunikation mit der U.S.S. Sutherland, dem Forschungsschiff, auf das der Leutnant für drei Monate versetzt worden war, völlig zusammenbrach.
Gerade saß Nyota im dämmrigen Abendlicht auf der heimeligen Dachterrasse ihres Elternhauses, umgeben von ihren Arbeitsmaterialien und umschwirrt von Glühwürmchen. Per Langstreckenübertragung sah die das Antlitz ihres Lehrers auf dem flachen Bildschirm vor sich und ging mit ihm die drei Dialekte der romulanischen Sprache durch, als der Ton stotterte und das Bild flackerte und flimmerte. Der Leutnant versuchte das anscheinend technische Problem zu beheben, aber wenige Sekunden später erschall das Heulen des roten Alarms und Nyota sah hilflos mit an, wie Spocks Stimme im Rauschen der Frequenzstörungen verzehrt und dann völlig verschluckt wurde. Die weniges Gesprächsfetzen verhallten auf der Dachterrasse, als Nyota auf dem flachen Touchscreen herumzuhämmern begann und laut – und unsinnigerweise – den Namen des Leutnants rief. Ihre Mutter kam herbeigeeilt und erkundigte sich, was passiert bei, aber Nyota, noch gefasst, hatte keine Zeit ihr viel zu erklären. Sofort nahm sie Kontakt zur Sternenflottenbasis auf, doch auch dort hatte man nichts von der U.S.S. Sutherland gehört. Sie war vom Schirm verschwunden und so lange man auch versuchte, wieder Kontakt herzustellen, es misslang. Man konnte nur abwarten, berichtete man der aufgebrachten Kadettin.
Im Laufe des nächsten Monats erkundigte sich Nyota regelmäßig nach dem Verbleib des Forschungsschiffes, das mit dem Leutnant verschwunden war. Man sagte ihr, sie sollte sich keine so großen Sorgen machen, es konnten hunderte von harmlosen Gründen haben, warum die Kommunikation im Moment nicht möglich war. Aber Nyota war kein Mensch, der einfach ruhig bleiben konnte. Und so regte sich in ihr eine schwache, aber permanente Unruhe, die sie nicht zu tilgen vermochte.
Das änderte sich auch nicht, als Nyota wieder zur Sternenflottenakademie zurückkehrte und ihr routinierter Alltag wieder begann. Zwischendurch musste sie immer wieder an den ‚verschollenen' Leutnant denken und im Grunde ärgerte sie sich selbst darüber. Ihm war schon nichts geschehen, nein, natürlich nicht – das sagte sie sich immer wieder und schließlich meinte sie es auch zu glauben.
Zum Glück ergab sich bald etwas, dass die Kadettin ein wenig abzulenken vermochte. Der Name dieser Ablenkung war Alastair Gahan, er war ebenfalls Kadett und angehender Pilot. Nyota lernte ihn während einer Exkursion kennen und es dauerte nicht lange, bis Alastair seine Mitkadettin um ein Abendessen bat – an einem Donnerstagabend. Während dieses ersten Dates fühlte sich Nyota seltsam fehl am Platz, als müsse sie um diese Zeit doch woanders sein – aber Alastair Charme und sein Witz versetzten sie bald in eine heitere Stimmung, und das war etwas, das an den bisherigen Donnerstagen, nun, etwas ‚einseitig' gewesen war. Ob sie sich wirklich in den blauäugigen Iren verlieben konnte, das vermochte Nyota nicht zu sagen, aber immerhin gab er ihr das Gefühl eine begehrenswerte und kluge Frau zu sein – etwas, das sie schon lange vermisste hatte. Und so unternahmen sie einiges zusammen. Der phänomenale Sommer war, nun, viel zu schön, um ihn nicht gemeinsam zu genießen und der angehende Herbst viel zu trist, um ihn allein zu verbringen.
Trotzdem vergaß sie nicht sich regelmäßig nach dem Verbleib von Leutnant Spocks Forschungsschiff zu erkundigen. Doch sie bekam immer dieselbe Antwort. Bis...
Der Herbst hatte sich der Natur bemächtigt und die Blätter der Bäume in herrliche Rot- und Brauntöne verfärbt, die sich langsam aber sich gegen das Grün, das noch ein letzter Mal in all seiner Pracht aufzubegehren schien, behaupteten. Die Luft war noch immer mild, doch merke man, wie die Böen langsam frischer wurden. Der Tag war noch jung und am Morgen hatte ein leichter Regen eingesetzt. Nyota schlenderte mit Alastair an ihrer Seite, der, die Hände in den Hosentaschen und strahlend lächelnd von seinen Plänen für den Winter erzählte, durch die von Licht durchflutete Eingangshalle der Akademie. Nyota hörte ihm zu, lächelte ab und zu und fragte sich, ob er nicht doch ‚verliebenswert' wäre – denn in all diesen Plänen fand sie einen Platz.
Allerdings trat seine Stimme mit einem Mal in den Hintergrund, als sie am anderen Ende der Halle, nahe den Eingangspforten, ein ihr wohlbekanntes Gesicht sah. Ihre Augen weiteten sich, ihr Herz schlug für mehrere Schläge höher und sie schlug Alastair mit einem Mal den Handrücken gegen die Brust, worauf dieser abrupt stehen blieb, verstummte und ihrem Blick folgte. Er hatte keine Ahnung, wen sie auf diese seltsame Art und Weise anstarrte. Als sie loseilte, hob er nur überrascht die Augenbrauen und folgte ihr dann rasch nach.
„Leutnant Spock!" rief sie und konnte die Aufregung in ihrer Stimme kaum bändigen. Bei ihm angelangt griff sie nach seiner Hand und drückte die fest, als ob sie sich von seiner Wahrhaftigkeit überzeugen müsse. „Sie sind zurück!" stellte sie überflüssigerweise fest, während sich ihre nach und nach aufzuhellen begann, bis sie strahlte wie die Sonne am Himmel droben höchstpersönlich. Als sie allerdings bemerkte, dass sie noch immer die Hand ihres Dozenten umklammert hielt, ließ die Kadettin sie rasch los und verschränkte die hinter dem Rücken. „Niemand konnte mir sagen, was los war!" meinte sie vielleicht etwas zu eindringlich, um sich dann zwangsmäßig zu beruhig und in sachlicherem Ton, aber noch immer aufgeregt, hinzuzufügen: „Was... war denn los?"
Unterdessen war auch der Kadett neben Nyota angelangt und schaute fragend hin und her. Gewiss hatte ihr die Erdenfrau nichts von ihren Sorgen berichtet, die sie gehegt hatte.
Leutnant Spock_________________________________________
Mit der Ausnahme des Comsystems hatte das Schiff den Asteroidenschauer gut überstanden. Das Raumschiff war lediglich ein wenig durchgeschüttelt worden. Nichts sonderbares wenn man in den weiten der Galxie unterwegs war. Da konnte ein einfacher Navigationsfehler schon verheerende Auswirkungen haben. Die Wochen schleppten sich dahin. In gelegentlichen Momenten wichen seine Gedanken ab, zu der auf der Erde gebliebenen Kadettin. Er ging nicht davon aus das sie sich großartige Gedanken über seinen verbleib machte, eher würde sie die neue freie Zeit für andere Tätigkeiten nutzen. Hoffentlich dachte sie nebenbei auch daran ihre Übungen fortzusetzen. Doch dies waren nicht die einzigen Gedanken des Vulkaniers, er musste sich wohl oder Übel eingestehen das er das Bedürfnis verspürte sich in ihrer Nähe aufzuhalten. Stillschweigend grübelte er darüber, was für Gründe zu dieser Intention führten. Womöglich empfand er Freundschaft für die Kadettin, die er als Mensch ziemlich wertschätze. Ansonsten verlief sein Aufenthalt auf dem Forschungsschiff ohne besondere Vorkommnisse. Man könnte es sogar als furchtbar langweilig beschreiben, doch so konnte man die Forschungsarbeiten in Ruhe fortsetzen ohne großartige Komplikationen. So kam es das der Leutnant früher als eigentlich erwartet auf der Erde eintraf um dort seinen Unterricht wieder aufzunehmen.
Er war bereits seit zwei Tagen wieder auf der Erde, noch hatte er nicht die Zeit oder die richtigen Worte gefunden um sich bei Kadett Uhura zu melden. Es war ihm bewusst, das es schwierig war Informationen über den Verbleib eines Schiffes heraus zu bekommen. Häufig hörte man erst Wochen später wenn ein Schiff nicht mehr in den Heimathafen zurückkehren würde. Auf der einen Seite lag das an der Bürokratie der Sternenflotte, sie wollten keine Horrormeldungen verbreiten ohne eine wirkliche Bestätigung vom Flottenkommando. Und das Flottenkommando bestätigte so gut wie nichts, außer die Wahrheit konnte nicht mehr geleugnet werden. Möglicherweise interessierte es die Kadettin auch wenig was es mit dem Verbleib des Leutnants auf sich hatte. Noch immer viel es Spock schwer die Menschen einzuschätzen. Sie waren in vielerlei Hinsicht zu allem fähig. Ihr Verhalten konnte man schnell falsch deuten, besonders wenn man sie in launigen Momenten erwischte. Man konnte schon fast sagen, dass Spock dahingehend unsicher war. Feststand das er sich bei Kadett Uhura definitiv in fast allen Belangen unsicher war.
Die Gedanken woanders durchschritt der hochgewachsene Vulkanier die Pforte, die zur pompösen Eingangshalle der Akademie führte. Er war es bereits gewöhnt, das ihn besonders junge Kadetten ungeniert anstarrten und sogleich anfingen zu tuscheln. Den meisten waren anders aussehende Wesen nicht gewöhnt, wobei es so manche Spezies auf der Akademie noch auf die Spitze trieb. Spock sah ihn ihr menschliches Verhalten nach und kümmerte sich nicht weiter um dieses Verhalten. Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen und seine Aufmerksamkeit war wieder vollends anwesend. Jemand hatte doch gerade seinen Namen gerufen? Sein Blick durchquerte die Halle zum Ursprung der Stimme führte. Sein Blick hellte sich merklich auf als er die schöne Kadettin sah, die sofort ansetze in einem eiligen Tempo zu ihm zu schreiten. Fast hätte der Vulkanier damit gerechnet das sie ihm ungeniert um den Hals viel. Menschen waren eben impulsiv und zu allem fähig. Anstatt sie zu umarmen spürte er ihre warme Hand in seiner. Hatte sie ihn für tot gehalten oder was hatte diese Reaktion zu bedeuten? Sacht spürte er ihre Finger die vor Erregung leicht zitterten. Fragend legte Spock den Kopf schief und schenkte ihr ein... ja ein dezentes lächeln. Es war kurz und auch nicht so wie man sich ein eigentliches lächeln vorstellte doch es war da, die Mundwinkel kurz erhoben. Womöglich hätte Spock auch noch länger ihre Hand gehalten, denn in diesem Moment musste er zugeben, dass es ihm weder unangenehm noch fremd vor kam. Sie sind zurück! Nun das war offensichtlich kommentierte er in Gedanken diese Feststellung. Wie von selbst lösten sich ihre Hände von einander, so als wären sie bei etwas unzüchtigen ertappt worden. Auch Spock fasste sich wieder, dass lächeln war verschwunden dennoch blieb da dieser Ausdruck in seinen Augen, mit dem er nur Uhura ansah.
Der Leutnant hob die Brauen als Uhura ihm mitteilte das ihr niemand etwas sagen wollte. „Nun das Sternenflotten Kommando hält sich dies bezüglich lieber bedeckt, insbesondere was Informationen angeht." Sie hatte sich also wirklich nach seinem Verbleib erkundigt. Sollte ihn diese Tatsache nun fröhlich stimmen? Im Grunde tat genau diese Neuigkeit das. „Ein Navigationsfehler führte uns in einen Asteroidensturm, ein Brocken traf uns unglücklich und zerstörte das gesamte Comsystem, sodass ein Kontakt zur Erde nicht mehr möglich war." Begründete er und sah auf als sich eine weitere Person zu ihnen gesellte. Spock kannte den männlichen Kadetten nur vom sehen nicht persönlich und im Grunde hatte er auch nicht das Bedürfnis dies nachzuholen. Abschätzend sah er sie kurz an, um dann zu registrieren, das der Kadett offensichtlich seinen Arm um die Taille seiner Schülerin schlang. Zögernd löste er den Blick von diesem Schauspiel um dann wieder ruhig zu Uhura zu sehen. „Ein Navigationsfehler?" Fragte der männliche Kadett interessiert. Spock versuchte seine Kühe Miene aufrecht zu halten, es gelang ihm nur teilweise. Er musste Feststellen das dieser Mensch im hochgradig zu wider war. Da Spock nicht antwortete sondern ihn nur fragend ansah, setzte der Mensch zu einem weiteren versuch der Konversation an. „Verzeihung Sir, Kadett Alastair Gahan, angehender Pilot, deshalb meine Neugierde." Spock nickte nur. Scheinbar schien er aus irgendwelchen Gründen das Bedürfnis zu haben auch mit dem Leutnant kommunizieren zu wollen. „Es war ein Navigationsfehler." Bestätigte der Leutnant und das Gespräch war nun für ihn beendet. Der Kadett schien das zu spüren. „Ich gehe in die Kantine, kommst du nach?" Fragte er nun Uhura. Kurz haftete Spocks Blick auf ihr. Es war eine merkwürdige, fast unangenehme Situation. Zwar würde Spock meinen das der fremde Kadett die Situation ohnehin als unangenehm beschreiben würde. Aber jemand der ihn kannte spürte, dass so eben die Temperatur von Spocks Wesen rapide abgesunken war, als der Kadett zu ihnen gestoßen war.
Kadett Uhura nickte nur auf seine Frage. Der angehende Pilot küsste sie dezent auf die Schläfe, was Spocks Gemütslage auf einen ungeahnten Tiefpunkt brachte, für den er sich im Stillen schämte. Erst sein offensichtlicher Gefühlsausbruch und dann diese... Verletzlichkeit? Gerade verspürte er das Bedürfnis alleine für sich zu sein, doch sein Anstand verbot es ihm, jetzt einfach das Feld zu verlassen. Zumal es seiner Schülerin auch auffallen würde. So neutral wie möglich wandte er sich nach dem weggehen des Kadetten an Uhura. „Nun, ich hoffe sie haben die Zeit genutzt. Und sind nicht nur ihrem menschlichen Bedürfnissen nachgegangen." Klang da etwa Missgunst aus seiner Stimme? Ironie über das Schauspiel das ihm gerade geboten worden war? „Ich wollte mit ihnen noch über ihren Stundenplan sprechen, in den letzten Tagen hatte ich etwas Zeit gehabt diesen zu optimieren und zu überarbeiten. Nun wollte ich die Änderungen mit ihnen durchgehen und möglicherweise auch bestätigen lassen." Setzte er nun neutraler fort. Darüber wollte er ohnehin noch mit ihr sprechen. „Ich denke hier ist es zu unruhig, falls sie mir etwas von ihrer Zeit schenken könnten. Es würde sich nur um ein paar Minuten handeln." Es war nicht wirklich eine Bitte, aber nach Spocks Ansicht brauchten Menschen höfliche Floskeln damit sie sich nicht überrumpelt sahen. Da er keine Wiederworte vernahm ging er davon aus, das sie ihm folgen würde.
Kurze Zeit später kamen sie in eine Art Gemeinschaft Büro an. Da die Dozenten ihre Quartiere gleich in der Nähe hatten schien es überflüssig ihnen eigene Büroräume zu zuweisen. Und Spock fand es gerade überflüssig sie nochmals in sein Quartier zu nehmen. Beziehungsweise ihr diese Zweisamkeit zumuten zu müssen, schließlich war es schon mehr als ungewöhnlich die Zeit in Zweisamkeit zu verbringen. Besonders wenn man als Kadett und Lehrer zueinander stand. Genau verstand er diese Emotion nicht, aber irgendwie war die Freude ihres Widersehens nicht lange erhalten geblieben. War er etwa Eifersüchtig? Grübelnd öffnete er die Tür zu dem Raum. Einige Arbeitsplätze vor denen Bildschirme leise surrten, sie waren alleine, lieber hätte sich Spock noch andere Anwesende gewünscht. Vielleicht um die Spannung die zwischen ihnen lag etwas zu mildern. Spock setze sich an den erst besten Platz, Uhura folge und setzte sich an den Platz neben ihm. Noch immer schweigend starrte der Leutnant auf den Bildschirm, seine Miene war wie versteinert. Er konzentrierte sich auf seine Eingaben, damit sie es schnell hinter sich bringen konnten.
Nyota Uhura____________________________________________
Nyota hatte im ersten Moment wirklich nicht daran gedacht, dass ihre impulsive Reaktion vielleicht unpassend sein konnte – als sie die Hand des Leutnants berührte, ging damit eine Woge der Erleichterung einher, ein Gefühl von Glück. All dies manifestierte sich in ihrem Lächeln, das Spock mit aller Intensität entgegenstrahlte. Und dann passierte es. Das, was der Kadettin für einen Moment den Atem stocken ließ und weswegen sie sich wahrscheinlich erst klar wurde, wie außerhalb aller Kategorie diese eigentümliche Situation hier war: Spock lächelte. Ja, Nyota war sich ganz sicher, dass die sachte Bewegung seiner Mundwinkel und der Ausdruck in seinen braunen Augen – seit wann wusste sie seine Augenfarbe? – ein richtiges Lächeln war. Kein Lächeln, das ein Mensch lächelte, aber ein Lächeln, das ein Vulkanier lächelte! Wenn Vulkanier denn lächelten! Und Spock tat es! Und es passte zu ihm, wie das ihre zu der lebenslustigen Kadettin passte. Für einen Moment gab es nur sein Gesicht, alles andere in der Umgebung verblasste und verlor seine Form, seine Schärfe. Sie schaffte es gerade noch seine Hand loszulassen – sonst hätte man wirklich auf gewisse Ideen kommen können. Und sie wollte doch, dass er noch ein wenig länger lächelte. Dann aber wurde der Moment mit einem Mal versprengt, als sie Schritte neben sich vernahm.
Alastair war an ihre Seite getreten. Und gemeinsam mit dem Schwinden dieses Ausdrucks in den Augen des Leutnants erstarb auch ihr Lächeln.
Alastair unschuldige Frage schien einen Abgrund zwischen den beiden Kadetten und dem Dozenten zu schlagen. Der Blick des Leutnants verlor jeden Ausdruck – für Nyota war es als verlöre er sogar noch mehr von dem, was eh schon rar gewesen war. Und irgendwie wurde es kalt. Vielleicht nur imaginär, aber die Stimme, mit der Spock antwortete, war eisig. Alastair bemerkte das gewiss nicht. Er setzte sogar ein zweites Mal zum sprechen an, als der Vulkanier ihm so einsilbig antwortete. Als der Kadett ihr den Arm um die Taille legte, wusste sie nicht, was sie lieber täte: ihn fort stoßen, weil ihr Spocks Reaktion ebenso unverständlich wie unangenehm war, oder froh darüber sein, in diesem Moment jemanden bei sich zu haben. Natürlich drängte sich die Frage auf, was den Leutnant veranlasst hatte so zu reagieren. Vielleicht wurde er sich über ihrer beider Törichtkeit bewusst – oder empfand er... etwas anderes? Bei Alastairs so besitzanzeigender Geste? Und was brachte sie dazu, darüber nachdenken zu wollen?
Leutnant Spocks Antwort blieb unterkühlt uns einsilbig und Nyota ratlos. Alastair war so feinfühlig zu merken, dass Spock anscheinend nicht das geringste Bedürfnis verspürte ihm eine ordentliche Antwort zu geben, die über einen einzigen Satz hinausging. Nyota spürte einen leichten Druck an ihrer Hüfte, als Alastairs Umarmung noch ein weniger bestimmter wurde und ein kurzer Seitenblick verriet ihr, das er seine Zähne für einen Augenblick zusammenbiss. „Ich gehe in die Kantine, kommst du nach?" fragte der Kadett und ließ Spock nicht aus den Augen, während er Nyota sacht auf die Schläfe küsste. Langsam und bedächtig, so als habe er die Reaktion des Vulkaniers für sich interpretiert – auf welche Weise, das würde Nyota später erfragen. Nun aber konnte sie nicht einfach mit ihm kommen und eigentlich war sie sich auch gar nicht sicher, ob sie das wollte. Warum sie es allerdings nicht wollte, was ihr noch weniger klar. Mit einem knappen Nicken bejahte sie die Frage Alastairs und sah ihm für eine Sekunde nach, wie er gen Kantine schlenderte. Betont gelassen. Der charmante Schweinehund... Nyota hätte ihm beinah nach gelächelt, aber Spocks Worte ließen alles Lächeln vergehen.
... nicht nur ihren menschlichen Bedürfnissen nachgegangen. Wow. Das war hart. Sofort lag der Kadettin ein lockerer, defensiver Spruch auf der Zunge, aber sie zügelte sich sofort und unterdrückte ihren Ärger, in dem sie sich sagte, so sei nun mal das Wesen der Vulkanier. Es waren gewiss keine abschätzigen Worte gewesen, das konnte sich Nyota nicht vorstellen – auch, wenn es sich in den Ohren einer Menschenfrau so anhören mochte. Und so konnte sie sich auch nicht erwehren bei seinen Worten die Augen niederzuschlagen, nur für einen Moment. Und auch wenn es so wäre, würde es dich nicht das Geringste angehen! feuerte sie ihm in Gedanken entgegen und war froh, dass keine betretene Stille eintrat, sondern der Leutnant seine Ausführungen fortsetzte. Ihren Stundenplan optimieren, ja, schön. Bestätigen lassen, ja, wie nett. Oh, und übrigens ging es ihr gut, ja, danke der Nachfrage. Nyota kam sich mit einem Mal dumm vor, dass sie sich solche Sorgen um ihren Dozenten gemacht hatte. Wahrscheinlich hatte er keine Sekunde an sie zurückgedacht. Und vielleicht war sein Lächeln ja nur ein Belächeln gewesen. Wie peinlich…
Natürlich war seine Frage keine Bitte, sondern eine Anweisung. Schön, sie folgte ihm also still nach, hinein in das Großraumbüro. Niemand sonst außer ihnen befand sich in dem Raum. Als die Tür lautlos hinter ihnen zu glitt drangen die geschäftigen Geräusche von draußen nur noch gedämpft zu ihnen hinein.
Schweigend nahm die Kadettin neben dem Leutnant Platz, die Beine übereinander gekreuzt, das Kreuz aufrecht. Ihre Tasche hatte sie zu ihren Füßen fallenlassen. Während Spock sich ganz seinem dämlichen Getippe widmete, wusste der Blick Nyotas nicht wohin. Also sah sie eine Weile durch den Raum, über die Schreibtische hinweg und hörte auf das Summen der flachen Monitore. Sah nach draußen, wo ein leichter Regen eingesetzt hatte. Wassertropfen perlten lautlos die Scheiben der Fenster hinab.
„Ich bin froh, dass ihrem Schiff nichts weiter zugestoßen ist." bemerkte sie und versuchte so gefasst und neutral wie möglich zu klingen. „...dass ihnen nicht passiert ist." gab sie in Gedanken zu. „Es war eine lange Zeit." ..."in der ich viele schöne Stunden verbracht habe, sie blöder Idiot!" „Aber ich weiß, dass es üblich ist, nur sichere Informationen weiterzugeben. Verziehen sie mir also meine Beharrlichkeit." „und wenn du dich noch einmal über mich lustig machst, dann trete ich dir höchstpersönlich in deinen vulkanischen Arsch!" Wie gut, dass die Uniformen zumeist recht körperbetont waren. So konnte man zumindest feststellen, dass es sich um einen schönen Arsch handelte. Was in diesem Falle natürlich völlig irrelevant war. Selbstredend.
Nyota Uhura betrachtete einen Moment ihre Fingernägel, dann blickte sie zur Seite, zum Leutnant, der natürlich noch immer höchst geschäftig war. „Und ich habe die Lektionen weitergeführt. Das werden sie feststellen." fügte sie noch wahrheitsgemäß hinzu. Frustriert stellte die Menschenfrau fest, dass sie auch wahllos in den Raum hätte reinblubbern können – es hätte wahrscheinlich den gleichen Sinngehalt gehabt.
Dann hatte sie keine Lust mehr, Luft zu atmen, die so schien wir Wackelpudding. „Sie sind so anders... auf einmal" meinte sie und sah ihn dabei nicht an. Ihre Stimme wankte ein wenig. Dann fügte sie noch – gefasster – hinzu: „Sie machen sich noch mehr Arbeit mit mir. Also, wenn es ihnen nicht recht in den Zeitplan passt – jetzt, wo sie doch sicher viel Zeit brauchen, um ihre Forschungsergebnisse nachzuarbeiten – dann ist das in Ordnung." Nein, das war es nicht. Und doch fürchtete sie sich davor, dass bei ihren neuerlichen Unterrichtsstunden die gleiche Stimmung herrschen würde.
Leutnant Spock____________________________________________
Die Anspannung konnte man nur hinter der Fassade von Spocks ansonsten vollkommen glatten Zügen vermuten. Bedauerlicherweise musste der Leutnant feststellen, dass ihn seine Schülerin wohl so langsam durchschaut hatte. Das sein vulkanisches Wesen zwar in allen Belangen kühl und neutral wirkte, aber das es auch in diesen Stimmungsregionen Unterschiede gab konnte man jetzt bei genauerer Beobachtung gut heraus filtern. Spock war mit grübeln beschäftigt weshalb er den Anflug von Uhuras Konversationsdurst nicht ganz folgen konnte. Wie war dieser regelrechte Gefühlsausbruch nur entstanden? Spock fühlte sich so als hätte er gerade jemanden vorsätzlich verprügelt, einfach so aus einer Laune heraus. Seine Gedanken waren noch vor Minuten so vollkommen unlogisch gewesen. Er hatte sich gerade selbst nicht wieder erkannt, so als ob ein anderes Wesen von der Forschungsreise wieder gekommen war. Und das alles nur wegen diesem Kadetten? Er kannte jenen noch nicht einmal wirklich, also wieso sollte er für jemand vollkommen Unbekannten Abneigung empfinden. Spock war niemand der sich von Äußerlichkeiten abschrecken ließ, geschweige denn das er jemanden von Grunde auf einfach nicht mochte, aber gerade war es doch geschehen. Was war also der Grund? Doch leider wusste er so langsam nur zu gut das es sich nicht nur um eine Laune hielt sondern um die Frau die noch immer neben ihm saß und sich redlich darum bemühte einen Ton aus ihrem Lehrer hinaus zu bekommen. Jener starrte noch immer auf den Bildschirm, fixierte ihn so als gäbe es in den vielen Zahlen und Ziffern irgendwelche Antworten. Der Vulkanier brauchte eine Lösung für seine emotionale Barriere.
Schweigend blickte er auf den Bildschirm, um dann langsam den Kopf zu seiner Kadettin zu recken, die nun mit ihrem Latein am Ende war. Ich bin froh, dass ihrem Schiff nichts weiter zugestoßen ist. Das hatte man ihr angesehen, zumal bestimmt auch einige ihrer Freunde auf dem Schiff waren, es lag nur in der menschlichen Natur Mitgefühl zu empfinden, dachte Spock bei sich. Sie sind so anders... auf einmal, wieder stand die Verwirrung in seinen Augen. War er wirklich so durchschaubar? Viele hatten ihn meist als den Mann mit der Maske bezichtigt, so neutral und gefasst wie man ihn immer beschrieben hatte. „Ich bin nur... etwas verwirrt." Gab er offen zu und blickte auf ihre Finger, er war wirklich sehr verwirrt und mitgenommen, dass was er soeben erlebt hatte, diese unkontrollierbaren Gefühle... noch nie zuvor hatte er etwas gleichwertiges durchleben müssen. Natürlich hatte er einige starke Emotionen, dennoch lernte man als junger Vulkanier diese zu kontrollieren und auch zu absorbieren. Er war wohl doch mehr Mensch als er zugeben wollte. Musste noch viel lernen. Eine seiner anderen Schwächen war seine gelegentliche Überheblichkeit, die er in einigen Fällen in seiner Kadetten Zeit an sich festgestellt hatte. Er war nun mal immer ein überragender Schüler gewesen, da kam es gelegentlich vor das er im Stillen auf einen schlechteren Schüler hinab sah und ihn für seine Ungenügendheit bemitleidete. Bei seiner Kadett Uhura war es soviel anders, fast würde er sagen er beneidete sie um ihre menschliche Unbekümmertheit, gegen die er sich mit seinem vulkanischen Glauben entschieden hatte. Als er ihre Finger so betrachtete musste er wieder an ihre erste Berührung denken, dann an die zweite die sie soeben miteinander erlebt hatten. Eine unschuldige Geste die für die Kadettin bestimmt nichts anderes gewesen war als nur eine Berührung. Wie es wohl war diese Hand auf seiner Wange zu spüren.
Spock atmete lange ein, schlug die Augen nieder und reckte dann das Kreuz, um Uhura dann wieder mit gefassten Blick anzusehen. „Ich habe gerade ihren Zeitplan überarbeitet damit es in den meinen passt." Seine offenen Worte klangen fast belustigt. „Ich hoffe sie Verzeihen mir mein vorheriges Fehlverhalten. Es war eine lange anstrengende Reise gewesen." Das war sie wirklich. „...und ich war auf so ein Begrüßungskomitee nicht ganz vorbereitet." Das war wohl die abgemilderte Form von dem was er eigentlich sagen wollte. Es lag nicht in dem Wesen eines Vulkaniers zu lügen, doch konnte er die Wahrheit etwas anders formulieren oder mögliche Fehlkalkulationen mit ein flechten. Das Begrüßungskomitee bestehen aus Kadett Gahan und Uhura hatten nicht wirklich etwas mit seinem Stimmungsumbruch zu tun. Eher die Geste die Gahan, die er noch immer nicht so ganz zu schätzen wusste. Aus irgendeinem Grund konnte er sich nicht damit abfinden, dass Uhura seine Abwesenheit nicht nur zum lernen genutzt hatte. Irgendwie war er mit diesem Gedanken vollkommen überfordert, doch heute Abend in der Meditation würde er lernen auch mit solcherlei unnützen Emotionen umzugehen. Ein Vulkanier malte sich keine Liebesspiele aus, geschweige denn das er selbst erwog sich so einem Unterfangen zu widmen. Wieder entstand eine Stille die kaum mehr auszuhalten war. Es war so als würde sein Atem in einer kleinen Dunstwolke sein rasches Atmen verbergen. Milderung brachte eine Schicksalsfügung.
Hinter ihnen kamen munter plappernd zwei andere Dozenten herein. Sie schienen die beiden kaum zu bemerken. Nur einer grüßte Spock höflich mit einem Nicken. Es war kein ungewöhnliches Bild was die beiden hier boten, wäre da nicht diese versteckte Gezwungenheit in ihren Gliedern. „Da nun alles andere geklärt wäre, kommen wir zum wesentlichen. Ich habe bereits ihre Prüfungen eingetragen, die ja bekanntlich in einigen Monaten stattfinden werden. Sodass sie einen optimalen Arbeitsplan ausarbeiten können. Ich habe sie zudem noch in die Sternenkartenkartografie, wie ich bemerkte haben Sie sich hauptsächlich auf den sprachlichen Teil konzentriert, doch ein zweiter Weg ist häufig brauchbar, besonders wenn man vorhat als Brückenoffizier zu dienen." Er machte eine sachte Pause, mit seiner Hilfe würde sie es wohl auch alsbald schon auf die Brücke eines Schiffes schaffen, doch das verschwieg er, geschweige denn das er über diesen Faktor nachdachte. Für ihn war es noch immer logisch die Kadettin auszubilden.
